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'Wrong?' by darklight1601

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Auron Tidus
10.09.2016
28.08.2019
2
6.516
1
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10.09.2016 3.182
 
Hallo liebe Leser,

bei dieser Geschichte handelt es sich um eine Übersetzung, für die ich mir vor einiger Zeit auch die entsprechende Erlaubnis sie hier zu veröffentlichen vom Originalautor eingeholt hatte. Ich hoffe, dass euch diese Fanfiktion genauso sehr gefällt wie mir und ich freue mich, wenn ich ein paar deutsche Leser auf darklight160 aufmerksam machen kann.

Thank you darklight160, for this really beautiful story!


- InvadedandTranslated
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Wrong?

Orginalautor: darklight1601


Wrong?
(Falsch?)


Tidus wurde von dem Geräusch seines klingenden Weckers aus dem Schlaf gerissen und streckte verschlafen seinen Arm nach der Schlummer-Taste aus. Nachdem der Alarm bereits das dritte Mal unter seiner Hand verstummte, überwand er sich dann doch endlich dazu aus dem Bett aufzustehen, verärgert darüber, überhaupt so früh an einem Sonntag aufstehen zu müssen. Auf dem Weg aus seinem Zimmer in den Flur schaffte er es trotz seines stolpernden Ganges, doch nirgendwo gegen anzustoßen. Gähnend öffnete er den Kühlschrank und entschied er sich für zwei Eier, die er sich in der Pfanne zum Frühstück brutzelte.
Auron war nicht zu Hause. Das konnte er ganz einfach daran ausmachen, dass er selber für sich etwas zu Essen machen musste. Wenn der ältere Mann zu Hause wäre, hätte er dem Jungen bereits das Frühstück fertiggemacht, bevor er überhaupt die Chance hatte, seine Augen richtig zu öffnen, und sehr wahrscheinlich wäre es um einiges aufwendiger zubereitet, als so ein paar Spiegeleier. Aber es sah ganz danach aus, dass Auron über die Nacht wohin gegangen und seitdem noch nicht zurückgekehrt war.
Während der Blonde nachdenklich auf seinem Essen herumkaute, fragte er sich bestimmt mittlerweile das tausendste Mal, wieso das so war. Autoren machte dies nun bereits schon seit über sechs Monaten so. Er verschwand über Nacht und blieb für ein oder zwei Tage fort, bis er, ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren, wieder kam. Eigentlich war Tidus das soweit völlig egal, er war immerhin alt genug, um für ein paar Tage auf sich selbst aufzupassen, aber es verwunderte ihn dennoch. Es wollte sich ihm nicht erschließen, wohin Auron ständig verschwand. Die einzige Sache, auf die sein fünfzehn Jahre alter Verstand kommen wollte, war, dass Auron sich vielleicht während seiner Abwesenheit mit irgendjemandem wild vergnügte. Doch dieser Gedanke ließ Tidus auf der Stelle immer wieder erröten. Er wusste, dass dies zu den normalsten Dingen im Leben eines Junggesellen in seinen frühen Dreißigern gehören mochte, aber er war auch noch jung genug, um von solch derartigen Gedanken in Verlegenheit gebracht zu werden. Mal abgesehen davon, dass er sich einfach nicht vorstellen konnte, wie der ruhige und stoische Auron sich durch die wilden Wirren der Leidenschaft wandte.
Während er aufgrund dieser Gedanken zu kichern anfing, bemühte Tidus sich darum sein Frühstück schnell aufzukriegen. Als er so weit fertig war, packte er den Teller in die Spüle, der er sich einen Abwasch jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt annehmen würde. Er kleidete sich zügig an, putzte seine Zähne und kämmte sein widerspenstiges, blondes Haar, um kurz darauf das Hausboot zu verlassen und auch noch mal sicherzugehen, dass er die Tür auch richtig verschlossen hatte. Summend begab der gut gelaunte Teenager sich auf den Weg sich zur Schule für das Blitzballtraining und hatte er all seine anfängliche Verärgerung darüber, so früh aufstehen zu müssen, sehr schnell wieder vergessen. Immerhin verschafften ihm seine bereits erstaunlichen Fähigkeiten und ebenso harten Jahre an Training das Privileg, dass er ein Jahr früher als für gewöhnlich im Team der Oberschule spielen durfte. Er hatte wirklich keinen Grund sich zu beklagen. Es war stets sein Traum gewesen so weit zu kommen und er war bereit zu tun, was auch immer dazu nötig war, um weiterhin dabei zu sein. Selbst wenn dies für ihn bedeutet, zu solch einer gottlosen Zeit, und zwar zur fünften Stunde am Morgen aufzustehen.
Als er den Umkleideraum betrat, hielt er sein Gesicht von den Blicken der anderen Jungs abgewandt. Er spielte für das Oberschulteam seit nun fast drei Monaten, doch daran, dass er auch stets von den älteren, größeren Jungs umgeben war, hatte er sich noch immer nicht ganz gewöhnen können. Dabei spielte es einfach keine Rolle, dass sie ihn wegen seines Talents in der Sache unter sich schon lange akzeptierten; es war nur nervig, der Kleinste von allen zu sein. Er war noch nicht mal in den größten Wachstumsschub geraten, den die meisten Männer in seinem Alter bereits hinter sich hatten, und so kam es langsam dazu, dass er sich nachts vor dem Einschlafen nichts sehnlichster wünschte, als dass er endlich ein kleines bisschen mehr wuchs, sodass er nicht jedem hier höchstens nur bis an die Schultern reichte.
„Hey, Tidus. Guten Morgen“
Tidus erschrak leicht, als die große Hand auf seiner Schulter landete, und schaute in das grinsende Gesicht ihres Mannschaft-Vize-Kapitäns auf. Pell. „Ah, guten Morgen“, keuchte er fast atemlos und mit sofort rot werdendem Gesicht, da er wusste, dass er wie ein vollkommener Idiot klang.
„Bist du fit fürs Spiel?“, erkundigte Pell sich lachend.
„Darauf kannst du einen lassen!“
Dieses Mal musste Pell richtig laut auslachen und er zerwühlte Tidus' Haar, ehe er sich aufmachte und nebenbei ein Gespräch mit Vin, einen weiteren Jungen aus dem Team, anfing.
Auch Tidus musste leicht lächeln, während er sich seine Haare wieder zurecht streichelte. Pells Hände waren so groß und warm, seine Stimme sanft und angenehm. Seine Haare waren von selber blonder Farbe wie Tidus', nur ein wenig kürzer. Sie sahen immer wieder so unfassbar weich aus, dass Tidus am liebsten nur nach den feinen Strähnen greifen wollte, um ihn dabei ebenso tief in seine schönen grünen, leicht golden scheinenden Augen schauen. Bis er es sich traute ihn zu küssen und …
Sofort brachte Tidus seinen Kopf wieder von dem Weg ab, den seine Gedanken einschlagen wollten. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt für sowas, das Training würde jeden Augenblick beginnen. Er konnte sich seinen Tagträumen und Pell, und was er sich wünschte alles mit ihm anzustellen, später noch immer ausführlich genug widmen. Was er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch tun würde, denn nichts anderes tat er schon die ganze Zeit über. Bereits seit dem Tag, den er den siebzehnjährigen Vize-Kapitän das erste Mal begegnet war, hatte er sich in diesen verguckt. Doch wenn Pell so nett zu ihm war und mit ihm umging, als gehöre er genauso fest zum Team wie jeder andere, und nicht zuließ, dass auch nur irgendjemand auf ihm herumhackte, machte dies seine Schwärmerei nur noch schlimmer.  Was würde er für nur einen Kuss mit ihm nicht alles geben.
Tidus war so sehr in seinen Gedanken versunken, dass er nicht mehr mitbekam, wie Pell und Vin ihm von der anderen Seite des Umkleidesaumes auffällige Blicke entgegen warfen. Und er bemerkte nicht die plötzliche Verärgerung in Pells für gewöhnlich freundlichen, grünen Augen. Doch sobald das Training begann, waren alle Gedanken und auch Pell komplett aus seinen Kopf verschwunden.

~ Feel no shame for what you love ~

Das Training dauerte über den ganzen Tag an, und erstecht ein Tag wie der Sonntag war besonders lang. Die Jungs legten lediglich für was zu Essen eine Pause ein. Gegen fünf Uhr beendete der Coach schließlich das Training, und Tidus machte sich schnell zur Dusche auf. Er versuchte sein Bestes, um seinen Blick von den ausgewachsenen Gliedern der neben ihnen vor Ort ebenso sportlich aktiven, weiteren Männern fern zuhalten, die ihn seinen eigenen nur noch mitleiderregender vorkommen ließen.
Verdammt noch mal, dachte er wütend und starrte auf seinen Penis herab, als ob gerade etwas Schlimmes vorgefallen wäre. Fang endlich an zu wachsen, hörst du? Das ist echt peinlich!
Nachdem er geduscht und sich fertig angezogen hatte, war er auch schon dabei sich auf den Weg nach Hause zu begeben, um etwas gegen seinen knurrenden Magen zu unternehmen. Da legte jedoch jemand einen Arm locker um seine Schultern und brachte ihn auf der Stelle zum Stoppen. „Hey Tidus“, hörte er Pells Stimme ganz nah seinem Ohr.  „Ein paar von uns wollen zusammen essen gehen und etwas Zeit verbringen. Bist du dabei?“
Tidus konnte spüren, wie sein Herz zu schlagen aufhörte, nur um in doppelter Geschwindigkeit weiter zu schlagen. Auch wenn Pell und ein paar der anderen sich oft nett ihm gegenüber verhielten, so hatten sie ihn noch kein einziges Mal nach einem Spiel wozu eingeladen. Allerdings hatte er sich darin bis jetzt auch keine allzu hohen Erwartungen gesetzt, da er nun mal wesentlich jünger war. Nur dieses Mal… „J-Ja. Ja, klar, wieso nicht!“
Pell lächelte ihn an. „Großartig. Dann lass uns gehen“ So wurde Tidus aus der Schule gezogen und die Straße herabgeführt, bis sie an einem Fast-Food Restaurant ankamen, wo sie gemeinsam etwas aßen. Insgesamt bestand ihre Gruppe neben Pell, Vin und ihm aus noch vier weiteren, etwas älteren und fast gleichartigen Jungs. Sie alle waren Schüler aus dem vorletzten oder letzten Schuljahr, und gerade das machte Tidus so froh darüber, dass er zu ihnen eingeladen wurde. Das und auch, dass Pells warme Hand die ganze Zeit über auf seiner Schulter lag oder durch sein feines Haar wühlte, und dass diese unglaublich grünen Augen hauptsächlich nur auf ihn gerichtet waren. Diese Art der Aufmerksamkeit ließ sein Herz schneller schlagen und er tat sein Bestes dies nicht zu zeigen.
Nachdem sie gegessen hatten, folgte er ihnen mit bis an eine, nur ein paar Blocks weiter entfernte, Bar. Er fühlte sich etwas unwohl und schaute hilfesuchend zu Pell. „Wir können da doch nicht rein, oder? Ich meine, selbst ihr seit nicht mal so alt, dass…“
Pell fing zu lachen an und brachte ein weiteres Mal sein Haar durcheinander. "Kein Grund zur Sorge, das geht schon klar“
Tidus zog eine verwunderte Miene. Wie war das gemeint, dass das schon klar ging?
„Es gehört meinem Vater“, ließ Vin anstelle einer größeren Erklärung verlauten. Beinahe wäre Tidus erschrocken, als der mehr schroffe, sonst ruhige und ältere Junge in ansprach. „Es sind noch ein paar Stunden bis es aufmacht, so lange können wir bleiben. Das stört ihn wenig“
„Oh“ Tidus kaute auf der Innenseite seiner Lippe herum, während Pell in durch die Eingangstür führte. Er wurde plötzlich nervös. Sehr nervös. Sollte er wirklich hier sein? Auron würde ihn auf der Stelle umbringen, wenn er je etwas davon erfahren sollte. Wieder jedoch, sollte Auron hiervon nie mitbekommen, könnte es sich als ein großer Spaß entpuppen. Obendrein war dies hier seine Chance endlich etwas mehr Zeit mit Pell zu verbringen… Mit dieser Realisation war jeder Gedanke daran zu gehen, vergessen und er setzte sich neben Pell mit an die Bar, an der Vin ihnen allen bereits ein Bier zapfte.
Während der größte Teil der Gruppe sich dazu entschied Billard zu spielen, saß Tidus mit Pell weiterhin an der Bar und trug er mit seinen Augen ein entscheidungsloses Gefecht der Überwindung für das bernsteinfarbene Getränk vor sich aus. Pell nahm einen kräftigen Schluck von seinen eigenen Glas und grinste den blonden Jungen an. „Hast du schon mal Alkohol getrunken, Tidus?“
Tidus konnte fühlen, wie sein Gesicht vor Beschämung rot zu strahlen anfing. „Nein“, gab er leise zu. „Na ja, ich habe einmal einen Schluck Sake probiert, ich mochte es nicht“ Sein Gesicht verziehend, erinnerte er sich daran, wie er als Elfjähriger einen Schluck von Aurons Krug nahm und das Zeugs sofort wieder auspustete. Dies war eines der wenigen Male, die Auron wirklich lachen musste.
Jetzt jedoch war Pell derjenige, der lachte, und das klang so ganz anders als Aurons schweres Glucksen.
„Keine Sorge, das ist nur Bier, das schmeckt nicht ganz so stark wie Sake. Gut möglich, dass dir der Geschmack nicht gefällt, aber; es kann auch sein, dass man sich nur daran gewöhnen muss“
Vorsichtig nahm Tidus einen kleinen Schluck und er war erleichtert, festzustellen, dass er es ohne große Probleme runter bekam. Er mochte den Geschmack nicht wirklich, damit hatte Pell schon Recht, aber dies war immer noch tausendmal besser als der Sake, der nur in seinen Hals brannte und Tränen in seine Augen steigen ließ, währenddessen Auron sich über seine Misere lustig machte. Mutig nahm er einen gleich etwas größeren Schluck und schenkte er Pell ein Grinsen. „Nicht schlecht“
Pell lächelte lediglich.
Es brauchte grade mal ein halbes Bier, dass Tidus leicht schwummrig wurde. Er war nicht betrunken, aber es fiel ihm schwerer sich auf alles um ihn zu konzentrieren. Und dann fühlte er sich plötzlich ohne erkennbaren Grund seltsam erheitert. Er mochte dieses Gefühl. Wie sein Bauch sich sonderbar warm anfühlte und… „Was?“ Verwundert stellte er fest, dass Pell etwas zu ihm gesagt hatte.
„Ich sagte, dass ich dich etwas fragen möchte“ Pell rückte etwas näher an ihn ran und senkte ein wenig seine Stimme. Tidus sah prüfend in sein Gesicht und entdeckte den leicht veränderten Ausdruck in seinen Augen, doch sein Kopf war vom Alkohol bereits zu sehr vernebelt, als dass er dahinter stieg, was dieser zu bedeuten hatte. „Heute hat mir jemand etwas gesagt, und das fand ich wirklich interessant. Man hat mir gesagt, es wirke so, als wärst du verknallt in mich“
Tidus' Atem stockte und sein Gesicht fing an zu leuchten wie ein Christbaum. Was hatte er gerade eben gesagt? Jemand hatte davon mitbekommen? Scheiße, wer?
„Sag Tidus, ist da was dran?“
Tidus leckte unruhig über seine Lippen, wusste nicht was er sagen sollte. Wieso wollte Pell das überhaupt wissen? Mochte er Tidus? War es wohl möglich… war Pell auch schwul? Das schien zu schön um wahr zu sein, auch wenn Tidus klar war, dass er unmöglich die einzige schwule Mann in Zanarkand sein konnte. Zum Teufel, auf seinen Weg nach Hause kam er sogar jeden Tag an einem gut besuchten Schwulenklub vorbei, natürlich lebten noch weitere homosexuelle Leute um ihn. Vielleicht gehörte Pell ja auch mit zu ihnen? Verdammt, es fiel ihm viel zu schwer klar zu denken. Der Alkohol verhinderte, dass sein Verstand normal arbeiten konnte und Pell sah in die ganze Zeit über gespannt und auf eine Antwort wartend an.
„Ich… na ja, ich...“ Er biss sich verängstigt auf seine Lippe. Scheiße, sollte er darauf wirklich antworten?
„Komm schon, Tidus, sei ehrlich zu mir“, drängte Pell, seine Stimme klang wie ein Zischen. „Stimmt es?“
Tidus biss sich ein letztes Mal auf die Unterlippe, wohl wissend, dass er Pell unmöglich anlügen konnte. Nicht die Person, die er verehrte und von der er träumte. „Ja, es stimmt“, sagte er leise. Kaum, dass er es aussprach, fühlte es sich für ihn an, als wäre eine Last von seinen Schultern gefallen. Es war jetzt an die Öffentlichkeit gelangt, und irgendwas daran erleichterte ihn ungemein. Er fühlte sich irgendwie besser und war ehrlich gesagt auch ziemlich stolz auf sich selbst, dass er es endlich zugegeben hatte, egal wie ungeschickt er sich jetzt auch angestellt haben mag.
Pell wich mit einen leisen Laut von ihm zurück und Tidus fühlte, wie jeder bestärkende Stolz ihn sofort wieder verließ, als er zu ihn aufschaute. Pell hatte noch immer diesen seltsamen Ausdruck in seinen Augen, doch dieses Mal wusste er, wieso. Pell war sauer. Nein, er war nicht nur sauer, er war geradezu wutentbrannt.
Tidus hörte ein gemeines Lachen hinter sich und drehte sich herum. Seine Augen weiteten sich vor Schock. Die anderen Jungs hatten aufgehört Billard zu spielen und er merkte entsetzt, dass sie jedes einzelne Wort mit angehört hatten. Die ganze Zeit hatte Vin dreckig weiter gelacht, ehe er Pell ein beunruhigendes Grinsen zuwarf. „Ich habe es dir gesagt“

~ Feel no shame for what you love ~

Langsam wankte Tidus nach Hause. Brennende Tränen rannen unaufhörlich über sein Gesicht und stockten den Atem in seinen schmerzenden Hals. Alles tat weh. Zu gehen, zu atmen, zu sehen.. Scheiße, er wollte nur noch nach Hause, damit er schlafen und dann aus diesen Alptraum erwachen konnte. Wann war es nur draußen so dunkel geworden? Wie spät war es? Würde Auron schon zuhause sein?
Der letzte Gedanke stoppte ihn sofort in seinen Bewegungen. Auron. Mist, er wollte nicht, dass Auron in so sah. Aber er konnte nirgendwo anders hingehen, er hatte keinen anderen Ort als sein Zuhause. Würde er sich irgendwo verstecken können? Nein, das war doch dumm, bis jetzt hatte Auron ihn jedes Mal, das er weggelaufen war und sich zu verstecken versuchte, gefunden, und daran würde sich wohl nie etwas ändern. Doch vielleicht sollte er…
Er zuckte zusammen, als er einen besonders scharfen Schmerz in seiner Brust fühlte. Verdammt, er hatte viel zu große Schmerzen einfach hier zu stehen und darüber nachzudenken, was er tun sollte. Außerdem war doch klar, dass wenn er nicht eher nach Hause kam, so auch seine Chancen schlechter aussahen, dass er nicht Auron begegnete.
Mühevoll humpelte er zum Eingang des Hausbootes hinauf und suchte er nach dem Türknauf. Die Tür war verschlossen. Während er in seinen Taschen nach den Schlüssel wühlte, wusste er, dass dies soweit ein gutes Zeichen war. Wenn Auron zurückkehrt sein sollte, dann hätte er vermutlich die Tür für ihn offen gelassen. Als er leise eintrat und vorsichtig die Tür hinter sich wieder schloss, entschied er sich dazu, dass es besser sei auf Nummer Sicher zu gehen.
„Au-Auron?“, rief er mit furchtbar angespannter Stimme. Er stieß einen erleichterten Seufzer aus, als ihn nichts außer Stille umgab. Auron war nicht da.
Fast vor Erleichterung schluchzend, stolperte er ins Badezimmer und zog er sich sofort seine Klamotten aus, um sie in den Mülleimer unter dem Waschbecken zu werfen. Ihm war völlig egal, ob die Flecken noch auswaschbar waren oder nicht, er wollte diese Sachen nie wiedersehen. Er stieg in die Dusche, stellte das Wasser auf die höchstmögliche Temperatur und beobachtete mit einen eigenartigen Anflug von Freude, wie der Boden der Dusche sich rot färbte.
„Schwuchtel!“
Ein Schauder kam über ihn, als die Erinnerungen zurückkehrten. Gerade eben hatte er es noch geschafft, seinen Kopf mit den Gedanken über Auron abzulenken, doch jetzt war da nichts, das verhindern konnte, dass er nicht mehr daran dachte, was passiert war. Er umarmte sich selbst und fiel mit seinen Knien auf den Grund der Dusche, während die Stimmen unaufhörlich durch seinen Kopf schrien. Erst eine Weile später merkte er, wie er weinte. Er zwang sich auf seine Füße und drehte das Wasser ab. Das Blut und der Schmutz waren von seinem Körper verschwunden. „Heulsuse“ war da eine weitere Stimme, und das wohl allererste Mal in seinem Leben, gab er ihr Recht.
Ja, dachte er bitter. Ich bin eine Heulsuse. Eine dumme, verweichlichte, total erbärmliche Heulsuse.  
Aber trotzdem  schaffte er es nicht die vielen Schluchzer zu stoppen, die durch seinen Körper fuhren, selbst nicht, als er sich aus der Dusche mühte und abtrocknete. Er schleppte sich über den Flur in sein Zimmer und zog sich eine kurze Hose an. Genauso schleppte er sich in die Küche, um sich etwas Wasser für seinen brennenden Hals zu holen… bis er keine Lust mehr hatte, sich noch zu irgendwas weiteren zu zwingen.
Blindlings taumelte er auf die Couch zu, auf der er unter einen elendigen Ausbruch an Tränen zusammenbrach und in sich zusammenrollte, und sich nur noch wünschte zu sterben. Warum auch konnten sie ihn nicht einfach umbringen? Wäre das in ihren Augen etwas wieder viel zu nett gewesen? Wahrscheinlich. Er war eine verweichlichte, total erbärmliche und verschwulte Heulsuse, er verdiente nicht einmal den Tod.
 
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