Der Mensch, ein Raubtier

OneshotThriller, Suspense / P18
Alexander Pierce Crossbones / Brock Rumlow OC (Own Character)
08.09.2016
08.09.2016
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Der Mensch, ein Raubtier


„Slow down, I can't keep up / You beg for mercy like I give a fuck / Scream louder / Your screams are music to my ears...“
- aus 'Sunday Bacon', Emmure

„Agent Rumlow, ich möchte, dass Sie mir diesen jüngsten Anwärter auf die Gunst der Hydra auf seine Tauglichkeit prüfen“, sagte Pierce zur Begrüßung, als er in dessen Büro vor ihm zum Stehen gekommen war.
Er hielt ihm eine Akte entgegen, in der anscheinend schon alles Wissenswerte über den Neuling zusammengetragen worden war, um Rumlow die Arbeit zu erleichtern. Mit dem Algorithmus, den Zola zur Charakterisierung aller digitalen Daten über einen Menschen entwickelt hatte, war es auch nicht besonders schwierig, alles herauszufinden, das ihnen weiterhelfen konnte.
Rumlow schlug die Akte auf und blickte einem typischen Mann in den letzten Jahren seiner Zwanziger ins Gesicht. Bürstenhaarschnitt, militärischer Gesichtsausdruck, nichts Besonderes. Das machte es einfacher.
Je weniger sie alle auffielen, desto eher konnten sie ungestört ihre Aufgaben erledigen, ohne sich vor schwärmenden Zivilistinnen verstecken zu müssen.
„Was sagen Sie?“ fragte Pierce nach ein paar Sekunden, in denen Rumlow weder Einverständnis noch Ablehnung der Aufgabe signalisiert hatte. „Eignet er sich?“
„Ja, unauffällig und er hat Erfahrung – zumindest auf dem Papier. Wenn er bereit ist S.H.I.E.L.D. zu verraten, dann vielleicht auch uns. Ich werde das prüfen“, erwiderte Rumlow ohne von dem Foto in seinen Händen aufzublicken und machte auf dem Absatz kehrt.
Eine Verabschiedung bekam Pierce auch nicht, denn das Höflichkeitsgeplänkel hatte er sich schon lange abgewöhnt. Außer bei denen, die es noch vorgegaukelt bekommen mussten, um sie ruhig zu halten. Wie der Captain oder Black Widow. Ganz besonders aber Nick Fury.
Rumlow schritt durch den Flur in den Fahrstuhl und klappte die Akte wieder zusammen. Im Untergeschoss würde er seine S.T.R.I.K.E.-Einheit antreten lassen, die sich dann den Mann hier vornehmen sollte.
Sie würden diesen Anfänger auf Herz und Nieren testen.

Es war mitten in der Nacht, als sie zusammen mit dem Neuling auf eine Pseudo-Mission gefahren waren. Sie hatten ihm erzählt, dass er heute einen besonderen Part übernehmen würde, doch lag Rumlow nichts ferner als einem Frischling Verantwortung zu übertragen.
Er vertraute seinen Männern bedingungslos, doch hatten sie sich dieses Vertrauen hart erarbeiten müssen, um überhaupt von ihm als Wesen mit eigenem Willen anerkannt zu werden. Wer sich hier nicht unterordnen konnte, der war nicht geeignet.
Es ging auch nicht um Sympathie, sondern um die Effizienz des Teams. Sobald auch nur ein faules Ei dabei war, konnte man das ganze Unternehmen vergessen, denn Verrat oder Unachtsamkeit war nichts, was er gebrauchen konnte.
Hydra konnte sich Unsicherheit nicht leisten, dafür war die jahrelange Arbeit viel zu mühevoll und akribisch durchgeführt worden. Nicht zuletzt von Dr. Zola und Pierce höchstselbst. Und das höchste Hydra-Mitglied zu verärgern stand nicht auf Rumlows Agenda.
Also musste der Neue leiden, um zu verstehen, dass er nicht mehr rauskam, wenn er einmal drin war. Die Fangarme der Hydra waren eben nicht nur lang, sondern auch tückisch. Sie konnten einen tragen, aber auch erwürgen.
Der Neue würde sich heute entscheiden müssen. Höhenflug oder Erstickungstod?
„S.T.R.I.K.E., aussteigen und formieren“, gab Rumlow die kryptische Anweisung an sein Team, das genau wusste, was nun folgen würde. Der Neue – Josh, wie Rumlow sich erinnerte – tat einfach so, als würde er auch wissen, was nun passiert.
Die Männer stiegen aus dem gepanzerten Wagen und bildeten eine Art Spalier um die Türen der Ladefläche, auf der nur noch Rumlow und Josh waren. Sie waren in ein Industriegebiet etwas außerhalb von D.C. gefahren und standen unter einer Autobahnbrücke.
Josh blickte sich etwas irritiert um bevor er das Fahrzeug verließ, doch verließ er es tatsächlich. Rumlow konnte sich ein süffisantes Grinsen nicht verkneifen und nickte seinem nächsten Unterstellten zu, der Josh an der Schulter packte und von zwei weiteren Agenten entwaffnen ließ.
„Hey, was soll...?“ begann Josh entrüstet, doch trat Rumlow direkt vor ihn und unterbrach ihn einfach.
„Halt den Mund. Wir machen das mit dir, was wir mit dir machen wollen, hast du kapiert? Du unterstehst unserem Kommando und noch wichtiger – du unterstehst Pierces Kommando. Wer nicht spurt, stirbt.“
Josh schluckte hörbar und seine Gegenwehr ließ augenblicklich nach. Rumlow hätte fast dem Bedürfnis nachgegeben die Augen zu verdrehen oder sogar genervt von dieser Rückgratlosigkeit zu seufzen, doch hielt er sich wohlweislich zurück.
„Also... S.T.R.I.K.E., testen wir seine Treue zu Hydra“, säuselte Rumlow, jetzt doch mit einem Lächeln auf den Lippen und bedeutete dem Neuling sich umzudrehen, damit er mit dem Rücken zu ihm und dem Rest der Männer stand.
„Vergiss es“, schnaufte Josh widerwillig und weigerte sich wirklich sich umzudrehen, selbst mit der freundlichen Hilfe seiner beiden neuen Freunde, die seine Waffe achtlos in den Panzerwagen geworfen hatten.
Na schön...“, zischte Rumlow wütend und nickte den beiden Männern zu, die Josh an den Schultern nach unten in den Dreck drückten, sodass er vor Rumlow kniete. Sie drückten Joshs Kopf nach unten, er konnte nun nicht mehr sehen, was Rumlow als nächstes tun würde.
„Wir wissen, dass du eine Freundin in Kentucky zurückgelassen hast. Wäre doch echt schade, wenn sie deinen Kopf in einem Paket zugeschickt bekäme, nicht wahr?“
Josh zitterte nun am ganzen Körper. Damit hatte er nicht gerechnet, das wusste Rumlow zu gut. Er hatte ihn am Sack, wenn er es nur wollte.
„Wir wissen alles über dich, Josh. Wirklich alles. Sogar wo deine Mutter heute noch wohnt. Die Vorhänge in der Küche sind wirklich zum Kotzen“, murmelte Rumlow emotionslos, während er vor Josh in die Hocke ging, doch an ihm vorbei starrte.
Wenn es nach ihm ginge, dann würde er nicht eine Minute länger mit diesem Würstchen verbringen. Doch es ging hier nach Pierce und er sah gerne Potenzial in Männern, das sie ausnutzen konnten, doch hatte er hier einen Fehlgriff gelandet.
Sein kniendes Gegenüber begann derweil zu zappeln, doch sagte er kein Wort. Er lernte anscheinend recht schnell, doch gefiel Rumlow nicht, wie er ihn nun anzusehen gedachte. Der Mann dahinter hatte seinen Kopf losgelassen, um etwas mehr Spannung in die Sache zu bekommen.
„Was ist, willst du auf mich losgehen?“ fragte Rumlow mit neutraler Stimmlage und sah Josh dabei ununterbrochen in die vor Wut lodernden Augen.
„Versuch es, Josh. Ein Tänzchen wäre doch nett“, reizte er den Mann weiter, denn die Belastbarkeit war die wichtigste Sache, die er heute testen konnte. Wenn Josh jetzt ausflippte, dann war er sicher, dass sie ihn nicht gebrauchen konnten.
„Du Mistkerl“, rief Josh und bäumte sich in dem Griff der Männer weiter auf. Rumlow richtete sich augenblicklich auf und zog seine Waffe, die er Josh entsichert an den Kopf hielt.
„Josh, wo sind deine Manieren? Habe ich dich etwa beleidigt vorhin?“ schnauzte Rumlow und drückte den Lauf der Waffe auf Joshs Schläfe, weshalb der Mann etwas unbeweglicher wurde, doch keineswegs weniger zornig.
„Du bist nicht für Hydra geeignet, tut mir leid“, fuhr Rumlow fort und ließ den Arm sinken.
„S.T.R.I.K.E., abrücken“, befahl er in schärferem Ton und die Männer stiegen alle nacheinander in den gepanzerten Wagen, wo sie hinter sich die Türen schlossen. Josh kniete noch immer vor ihm im Dreck, doch wurde er nicht mehr festgehalten.
Rumlow sah einen Moment lang in Joshs angstverzerrtes Gesicht und dachte an nichts. Es kam ihm wirklich nichts in den Sinn. Dann erhob er die Waffe wieder und zielte auf Joshs Gesicht.
„Nicht, ich-“ rief Josh und Rumlow begann freudlos zu lachen.
„Glaubst du es interessiert mich, ob du Angst hast? Du hast Ja gesagt und nun kennst du unsere Gesichter. Eine Geheimorganisation lebt eben davon geheim zu bleiben. Wenn du nicht mitmachst, was hast du geglaubt, passiert mit dir? Hm, Josh? Was hast du geglaubt? Etwa, dass wir dich laufen lassen und bloß verlangen, dass du den Mund hältst?“
„Nein, ich schwöre...“, begann Josh und erhob die Hände.
„Du bist erbärmlich“, spuckte Rumlow verächtlich aus und richtete die Waffe erneut aus. Dann drückte er ab und sah den leblosen Körper mit zerschossenem Gesicht auf den Boden fallen.
Er atmete tief ein und blickte in den Nachthimmel. Die Männer würden diese Schweinerei beseitigen müssen und Josh würde im ewigen Vergessen versinken. Er war nur ein weiterer Möchte-Gern, der in den Annalen der Scheiterns-Akten Hydras untergehen würde.
Rumlow interessierte das nicht besonders. Es war ihm nur ein Rätsel, wieso es immer schwieriger wurde, geeignete Männer zu finden, die unter seinem Kommando zu gebrauchen waren.
Nach ein paar Minuten stieg er auf den Beifahrersitz des Wagens und wartete darauf, dass die Männer die Beseitigung des Tatortes und der Leiche bewerkstelligten. Pierce würde enttäuscht sein, doch juckte ihn das nicht sonderlich.
Es war ja schließlich nicht seine Schuld, dass der Mann nicht in der Lage war vernünftige Männer auszusuchen.

Anmerkung: Dieser OS ist auf N3rdG1rLs Mist gewachsen, nur so als kleine Info ;D Rumlow ist wirklich eine der spannendsten Figuren aus den Cap-Filmen (ich kann gar nicht verstehen warum er so verteufelt wird, denn an einem vernünftigen Antagonisten ist überhaupt gar nichts auszusetzen) und ich habe mich auf N3rdys Leser-Wunsch einmal Rumlow zu bearbeiten eingelassen – hier das Ergebnis, das ich heute feierlich mit euch teile! Eure Meinung ist natürlich auch wieder gefragt.
LG, Erzaehlerstimme
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