Höllenflirt

GeschichteAllgemein / P12 Slash
Lilith Meg Masters
08.09.2016
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Höllenflirt


für Necronomica



Die Hölle den Sterblichen zu beschreiben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Dass Dämonen zu lachen pflegen, sich in Umschreibungen von Blut und Hitze hineinflüchten, sobald sie von Menschen gefragt werden, was sie da unten erwartet, hat nichts mit Geheimnistuerei zu tun. Es liegt schlicht daran, dass Menschen nur das verstehen können, wofür sie eine Sprache haben, und um für die gestaltlose allumfassende Entsetzlichkeit der Hölle gibt es kein Vokabular.

Höchstens vielleicht, wie Meg sich widerwillig eingestehen muss: Zuhause. Wenn man nur lange genug in diesem Schmerz ausgeharrt hat, fühlt sich ein erzwungenes Zurückgeschleudert-Werden nicht so falsch an, wie sie erhofft hat. Natürlich hat sie sich gewehrt, hat auf dem Stuhl in dieser verdammten Dämonenfalle gezappelt und gerungen und hat versucht, den Winchester-Brüdern höchstens einen Bruchteil der Furcht, die sie fühlte, offen zu legen. Nach dem entsetzlichen Sog, dem erneuten Fall, jedoch, kommt die Erkenntnis, dass ihre Angst, wenn auch nicht ungerechtfertigt, irgendwie eine Lüge war. Denn hier gehört sie hin.

Und so wenig, wie man an einem Ort, der weniger Platz als eine Verortung ist, verloren gehen kann, desto wenig vermisst man dort einen Körper. Sie ist Rauch, sie ist Fleisch, sie ist Feuer. All das und nichts davon. Natürlich, für eine kurze Zeit eine feste, konstante, fleischliche Hülle zu besitzen, war ganz nett gewesen. Vor allem, zu beobachten, was jene ziemlich hübsche Hülle mit dem sonst so moralischen Sam Winchester angerichtet hatte. Aber hier unten ist ein Körper das letzte, was sie brauchen kann. Körper sind für die Gefolterten – unvergängliche Körper, die ein unfassbares Arsenal an Möglichkeiten bieten, Schmerzen zuzufügen. Damit kennt Meg sich aus und sie freute sich schon darauf, wenn sie Dean Winchester für den Exorzismus würde bestrafen können. Doch es hatte keine Eile. Die so anders verlaufende Zeit in der Hölle konnte verschiedene Dinge mit ihren Bewohnern anrichten. Manche trieb sie in die Resignation – die, die keine Dämonen waren, noch nicht – doch wenn man erst mal wirklich dort lebte, war diese Zeitstreckung eine ganz eigene Art der Ruhe. Jeder Schritt den Meg tat, jede Handlung, jedes Erleiden oder Leid-Zufügen geschah auf einer Ebene der wütenden Seligkeit. Ob das gewöhnlich war, oder ob sie selbst für einen Dämon krank war, konnte Meg nicht sagen.

Sie wusste nicht, ob sie dafür bestraft werden würde, gegen ihren Willen zurück geschickt worden zu sein, oder ob einzig die Winchesters dafür leiden mussten. Es war ihr auch nicht so wichtig. Wenn alles unendlich lange war, war auch alles unverrückbar vergänglich.
Sie hätte ewig einfach so existierend können. Da sein. Halb wartend: auf Strafe, Befehle, irgendwas; halb halbherzig einen Fluchtweg suchen, weil man das in der Hölle eben so macht, Zuhause oder nicht. Doch dann geschah etwas.

Sie spürte die Präsenz, bevor sie sie sah, als ihr Gegenüber sich entschloss, sich ihr in Gestalt einer blonden Frau zu zeigen. Natürlich sah sie die Dämonin hinter den schönen Zügen, doch wie im Reflex einer instinktiven höflichen Geste, umgab auch Meg sich rasch mit einer Illusion der menschlichen Hülle, die sie zuletzt getragen hatte. So standen sich also zwei junge blonde Frauen gegenüber, von denen keine menschlich war, und eine selbst für eine Unmenschliche noch unendlich dunkel und alt.

Selbstverständlich kannten sie einander. Auch wenn sie noch nie miteinander interagiert hatten, war Meg Lilith und Lilith Meg ein Begriff. Selbst wenn Lilith zahllose Stufen ranghöher war als Meg, kannte die erste Dämonin ihre jüngere Schwester im Geiste, da sie beide notwendige Instrumente und Agenten im Streben auf das gleiche Ziel waren. Eine Eruption der Hölle, der Aufstieg Luzifers, das Unterste zuoberst kehren.

Lilith kannte sowieso jeder. Sie war wie ein verfluchter Fixstern um den das Leben – eher: das Existieren – in der Hölle kreiste. Zentral für das Wesen der Dämonen und zentrale Figur in einem Krieg, der noch nie so nah und greifbar erschienen war. Man konnte die aufsteigende Hitze des warmen Menschenblut, das vergossen werden würde fast schon spüren.

Konträr zu all dem düsteren Vorwissen, das Meg besaß, überraschten sie die Stimme und vor allem der Tonfall, in dem Lilith dann sprach. Ein wenig bubblegumgklebrig und kleinmädchenhaft, ohne dabei unterwürfig zu klingen. „Na, bist du in Schimpf und Schande wieder zurückgefallen. Ich frage mich, ob das nicht eine Strafe nach sich ziehen wird …“, stichelte sie. Meg schnaubte: „Ein Fall passiert den Besten, ist dem Besten geschehen. Ob man fällt ist unerheblich, so lange man es wieder heraus schafft. Das werde ich, und dann werden die Winchesters sich an einer langsamen, schmerzhaften Strafe freuen können.“ Innerlich war sie nicht so selbstsicher, wie sie sich gab. Lilith war machtvoller als sie, das war beiden Dämoninnen bewusst. Und wenn ihr gerade nur ein wenig langweilig war, und Meg dafür leiden musste, hätte diese keine Chance. „Was willst du von mir?“, setzte die jüngere Dämonin also noch hinzu; betont aggressiv, um die Nervosität zu verbergen, die Lilith sicher riechen konnte.

„Oh, eigentlich will ich mich nur beweisen.“ Was war das denn für eine Aussage, das war Lilith, die musste sich niemandem beweisen. „Ach, jetzt schau doch nicht so! Gegen dich will ich mich natürlich nicht beweisen, du Dummerchen. Aber ich habe mitbekommen, dass du während deines Aufenthaltes in der kalten, oberen Welt ein wenig auf Tuchfühlung mit Sam gegangen bist. Und der ist ja, wie du weißt, mein größter Rivale, auch wenn ihm selbst das wohl noch nicht zur Gänze klar ist. Jetzt aber will ich mir nur die Genugtuung verschaffen, dir zu zeigen, dass ich wirklich besser bin als er. In jeglicher Hinsicht.“ Die Dämonin zwinkerte neckisch.

„In jeder Hinsicht? Du meinst …“ Meg wollte es nicht aussprechen. Ob Lilith wirklich wollte, was sie dachte. Am Ende wäre das ein ganz peinliches Missverständnis und sie wollte nicht in die Verlegenheit kommen, aus Versehen den Anschein zu erwecken, sie hätte so ein ganz hohes Tier angemacht. Doch konnte sie nicht verhindern, dass eine Hitze in ihr Aufstieg, die so gar nichts mit Höllenfeuer zu tun hatte.

„Ich glaube, die weißt genau, was ich meine!“ Lilith kicherte nun und bevor Meg noch etwas sagen konnte, war sie schon ganz nah an sie heran getreten, umfasste ihren Nacken und drückte ihr einen Kuss auf den Mund.

Instinktiv wollte Meg zurück weichen, konnte immer noch nicht glauben, dass das geschah, doch als Lilith keine Anstalten machte, von ihr abzulassen, fügte sie sich ihrem Glück. Wenn das also ihre Begrüßung war, war es den Fall wert gewesen! Sie grinste und öffnete leicht den Mund, was Lilith die Möglichkeit gab, zu einem Zungenkuss überzugehen. Meg stöhnte und griff dann gleich mit beiden Händen nach dem Hintern der anderen. Dass alles Körperliche hier unecht und illusorisch war, hieß ja nicht, dass man es nicht genießen durfte.

Kurz löste Lilith nun ihre Lippen von Meg und strahlte sie an, teils triumphierend, teils ehrlich erfreut, vollständig lüstern. „Na, was sagst du also? Besser als der Winchester?“

Meg lachte auf. „Menschen! Im Bett eh nur eine erbärmliche Übergangslösung. Kaum Schmerzen, kaum Bisse, und fesseln lassen sich auch nur die wenigsten freiwillig.“ Lilith lachte nun auch, was in ein Keuchen überging, als sie ihre Hand in Megs Haar vergrub. „Dann sind wir uns ja einig, was gut ist. Auf geht’s, wir haben eine Ewigkeit herumzubringen. Vögel‘ mich in die Apokalypse, Baby …“ Meg spürte Liliths Lächeln, als nun sie die andere küsste, heftiger als zuvor. Sie stöhnten beide in den Kuss hinein, ein Gemisch aus Lust und Schmerz; und dieses Mal schmeckten ihre Lippen nach Blut.


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Vorgaben:

Wunschfandom: Supernatural
Wunschpairing im Wunschfandom: Hannah/Charlie
Ersatzpairing im Wunschfandom: Lilith/Meg
Prompt: Und dieses Mal schmeckten ihre Lippen nach Blut.
Ersatzprompt: Aber ihr Sieg hinterließ einen bitteren Nachgeschmack.

Hallo, Necronomica!

Leider kenne ich mich in den neueren Staffeln nicht wirklich aus, weshalb ich auf das Ersatzpairing ausgewichen bin. Ich hoffe, dir gefällt die kleine Geschichte zu den beiden Dämoninnen, ich hatte jedenfalls viel Spaß beim Schreiben. =)

Liebe Grüße
fortassis!
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