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Ihr Leben in der Einsamkeit

von -Maemi-
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Mimi Tachikawa und Palmon Taichi "Tai" Yagami und Agumon
06.09.2016
18.02.2021
18
34.199
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16.12.2016 2.322
 
~Kapitel 6~

Hey, was ist los? Du meinst ja wohl nicht wirklich, dass ich dich verarschen will, oder?
Na ja....ist ja immer echt toll, was andere Leute sagen, nicht wahr?


Heute war wieder einer dieser Tage. Dieser Tage, die Mimi unglaublich schwer fielen. Sie wusste, dass sie es sich manchmal selbst schwer machte. Sie sollte nach vorne blicken, doch stattdessen lebte sie weiter in der Vergangenheit. Und ließ sich von ihr runter ziehen. Sie ließ sich von ihm immer weiter runter ziehen. Bis sie es irgendwann nicht mehr schaffte aus eigener Kraft aufzustehen.

Es fiel ihr schwer immer ein Lächeln auf den Lippen zu tragen. Es kostete sie unheimlich viel Kraft, immer so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Es kostete sie Kraft, sich nichts anmerken zu lassen. Und es kostete sie jedes Mal ein Stückchen mehr ihres Selbstbewusstseins, wenn sie seine alten Nachrichten las. Heute konnte sie sich gar nicht mehr erklären warum sie diese damals überhaupt in ein Buch geschrieben hatte. Und sie konnte sich nicht erklären, warum sie es immer noch nicht über ihr Herz gebracht hatte dieses Buch endlich wegzuschmeißen.

Vorsichtig strich sie mit ihrem Finger über ihre eigene Schrift. All das Geschehene von früher kam wieder in ihr hoch. Sie hatte ihm vertraut und geglaubt. Auch, wenn es ihr oft schwer gefallen war. Aber sie hatte einfach versucht nicht auf die Anderen zu hören. Sie hatte versucht sich nichts einreden zu lassen. Auch, wenn es ihr manchmal wirklich schwer gefallen war. Es war nicht immer einfach gewesen.

Oft hatte es diese leise Stimme in ihrem Kopf gegeben, die sich nicht sicher war, ob er wirklich so ehrlich zu ihr war, wie er es immer wieder vorgegeben hatte.
Aber sie hatte ihm vertraut.
Und sie hatte ihm geglaubt.
Am Ende auch seine Lügen

Ich drehe gleich durch. Ich habe geschrieben nein.
Mensch, ich bin grade nicht zu Hause und habe keinen Bock auf Streit.
Wenn du ihr mehr glaubst, dann kann ich dir auch nicht helfen.


Du tust mir weh, weil du Mariko glaubst.
Du musst mir doch vertrauen, oder?
Ich liebe dich, nur dich.


Nicht nur Mariko hatte sie gewarnt. Auch Hotaru hatte versucht ihr damals die Augen zu öffnen. Aber Mimi hatte immer wieder abgeblockt und am Ende hatte sie eben doch Kizu geglaubt. Es war unfassbar wie viel Macht er damals über sie gehabt hatte. Dabei hätte sie schon viel eher stutzig werden müssen. Wie konnte es sein, dass Leute aus dem Chat seinen Nachnamen wussten? Obwohl er immer wieder beteuert hatte sie nicht zu kennen. Woher hatten sie seine Handynummer, wenn er angeblich keinen Kontakt zu ihnen hatte, oder diesen abgebrochen hatte.

Bei Hotaru hatte er damals zugegeben, dass sie Kontakt über Handy gehabt hatten. Doch hatte er Mimi geschworen, dass dieser längst nicht mehr vorhanden war. Auch als Hotaru von seinem Tattoo wusste, welches er sich erst vor kurzem hatte stechen lassen, hatte er weiterhin alles geleugnet. Und sie hatte ihm wieder geglaubt. Dabei hatten Hotaru und Mariko immer wieder versucht ihr die Augen zu öffnen.

Kizu und Mimi hatten sich oftmals fürchterlich gestritten und es gab zu dieser Zeit nur wenige Abende, wo sie Nachts nicht im Bett lag und weinte. Immer wieder hatte eine der Beiden sich gemeldet, hatte versucht noch einmal mit Mimi zu reden, oder Kizu zu Vernunft zu bringen. Doch es hatte alles nichts gebracht. Mimi war so verliebt gewesen, dass sie weiterhin zu Kizu gehalten hatte. Auch, als noch mehr Mädchen dazu kamen, hatte sie weiterhin ihr vertrauen in Kizu gesetzt. Und am Ende war sie es, die mit einem gebrochenem Herzen am Boden lag.

Ach ja, Hotaru hat sich gemeldet. Warum können die uns nicht einfach alle in Ruhe lassen?

Ich rede nachher mit ihr!
Lass uns nicht darüber nachdenken. Wir wissen das sie lügt.


Zum Ende hin hatte Mimi oft gezögert und nicht gewusst, ob sie Kizu wirklich darauf ansprechen sollte. Sie wollte einem Streit aus dem Weg gehen, sie wollte sich ihre Beziehung nicht von anderen kaputt machen lassen. Kizu hatte immer wieder beteuert, dass die Mädchen logen. Und am Ende hatte er Recht damit behalten, dass Mimi nie eine Nachricht von ihnen zu lesen bekommen hatte. Sie hatten ihr immer wieder gesagt, was Kizu geschrieben hatte, aber sie hatte dafür nie Beweise bekommen.

Doch die Geschichte ließ die Beiden einfach nicht los. Immer wieder holte sie diese Geschichte sie wieder ein, weil es immer jemand Neues gab, der auch was dazu zu sagen hatte. Angeblich liebte Kizu Mimi gar nicht und hing noch an einer Exfreundin. Auch diese hatte Mimi irgendwann einmal geschrieben und ihr erzählt, dass Kizu sich häufig bei ihr melden würde. Mehr war damals nicht wirklich aus ihr rauszukriegen, was Mimi fast wahnsinnig gemacht hatte.

Am Ende hatte sie Kizu wieder zur Rede gestellt. Und wieder hatte er es geschafft, dass sie sich am Ende schlecht dabei fühlte. Sie hatte wieder ein schlechtes Gewissen bekommen, weil er es so wollte. Immer wieder hatte er ihr vorgeworfen, dass sie ihm nicht genügend vertraute. Und ja, sie hatten sich mehr als einmal voneinander getrennt. Aber sie waren einfach nicht voneinander losgekommen. Hin und wieder gab es ein paar Monate Kontaktstille, bis einer von ihnen sich wieder gemeldet hatte. Und dann hatte es meistens keine zwei Tage gedauert und sie waren wieder zusammen gekommen.

Und das ganze Spiel fing von vorne an.

War doch klar, diese blöde....
Die will doch nur, dass ich mit dir Schluss mache.
Ich liebe dich und das kann keiner ändern!


Mimi klappte das Buch zu, als die ersten Tränen in ihre Augen traten. Er war es nicht wert, sagte sie sich immer wieder. Er war es nicht wert, dass sie zu Hause saß und wegen ihm weinte. Er hatte sie nicht verdient. Und sie hatte etwas besseres verdient. Jemanden, der sie auf Händen trug und ihr zeigte, was wahre Liebe eigentlich wirklich war. Wenn es doch nur so einfach wäre.

Sie stand von ihrem Bett auf, öffnete ihren Kleiderschrank und holte eine Jacke aus diesem. Sie musste jetzt raus und brauchte dringend frische Luft. Ihre Eltern waren zum Glück nicht da und so musste Mimi niemanden erklären warum sie jetzt so plötzlich die Wohnung verließ. Sie schnappte sich ihren Schlüssel, ihr Handy und machte sich auf den Weg in den Park. Dort konnte sie am besten auf andere Gedanken kommen!

εїз - ❁ - ɞ - ❁ - εїз


Sie kickte einen Stein weg und vergrub die Hände in ihrer Jackentasche. Warum hatte sie heute auch in dieses Buch geschaut? Warum hatte sie es nicht einfach im Nachtschrank liegen lassen. Warum musste sie sich immer wieder selbst weh tun? Sie zuckte erschrocken zusammen, als ein Fußball direkt vor ihren Füßen zum liegen kam. Sie schaute nach oben und ein Lächeln zierte sofort ihre Lippen, als sie sah wie Tai grinsend auf sie zugelaufen kam.

„Das ist jetzt schon das zweite Mal, dass wir uns zufällig hier treffen. Beim dritten Mal gebe ich einen aus“, sagte er und umarmte sie.

„Das will ich auch hoffen“, lachte sie leise und sah auf den Ball. „Wieder am trainieren gewesen, was?“

„Ein bisschen“, gab Tai zu und zuckte mit den Schultern. „Ich wollte noch ein bisschen am Wasser spazieren gehen, willst du mitkommen? Oder musst du weiter?“

„Nein“, schüttelte sie den Kopf und versuchte krampfhaft ihr Lächeln beizubehalten. „Ich komme gerne mit.“

Tai kickte den Fußball und steuerte die Treppe an, die sie nach unten zum Wasser führen sollte. Mitten im Park floss ein kleiner Bach und früher waren die Digiritter oft hier gewesen und hatten zusammen über ihre alten Abenteuer gesprochen. „Du bist so still“, murmelte Tai leise, als sie am Wasser lang liefen. „Ist alles okay?“

Sie lächelte, diesmal war es ein ehrliches Lächeln. „Diesmal keine Angst, dass du etwas falsches sagst?“

Er lachte und schüttelte den Kopf. Mimi Herzs klopfte, als sie sah wie unbeschwert er war. Seine Augen funkelten sie belustigt an. „Schlagfertig wie immer, Mimi. Aber nein, diesmal habe ich keine Angst, dass ich etwas falsches sage. Entweder bleibt mein Kopf dran, oder nicht. Vielleicht schmeißt du mich auch ins Wasser, wer weiß das schon?“ Er zuckte mit den Schultern und gab ihr einen kleinen Schubser.

„Ich bin heute einfach nur ein bisschen in Gedanken“, murmelte sie leise. Es war die Wahrheit, wenn auch nicht die ganze Wahrheit. Sie belog ihn also nicht ganz. „Manchmal muss ich einfach an die Vergangenheit denken und was sie für einen Menschen aus mir gemacht hat.“

„Das kenne ich“, sprach er leise und nickte mit dem Kopf. Er blickte nach vorne, sah ihr nicht in die Augen, als er sprach. „Ich glaube jeder hat etwas aus der Vergangenheit, was ihn geprägt hat. Und es hat uns zu den Menschen geformt, der wie heute sind. Viele würden die Vergangenheit gerne aus ihrem Leben streichen, aber das geht nicht. Die Vergangenheit hat uns zu dem Menschen gemacht, der wir heute sind.“

„Vermisst du die Digiwelt auch so sehr wie ich?“, fragte sie auf einmal. Sie musste eigentlich fast immer an die Digimon und die Digiwelt denken, wenn sie mit ihren Freunden unterwegs war. Die Abenteuer in dieser Welt hatte sie alle erst zu Freunden gemacht. Nie im Leben hätte sie sich überhaupt mit Tai unterhalten, wenn sie nicht zusammen in dieser verrückten Welt gelandet wären.

„Ja, ich vermisse die Digiwelt und ich vermisse die Digimon. Besonders Agumon. Ich frage mich ständig ob es ihm gut geht, ob er gesund ist, ob er genug zu Essen hat. Manchmal blicke ich panisch auf mein Digivice, in der Annahme das dort ein Notruf von ihm drauf ist. Ich war schon viel zu lange nicht mehr in der Digiwelt.“ Die Trauer spiegelte sich nicht nur in seinem Gesicht wieder. Mimi konnte es auch in seiner Stimme hören. Sie alle waren schon ein paar Monate nicht mehr dort gewesen, weil es ihr Leben einfach nicht mehr zuließ. Sie gingen arbeiten, studierten, kümmerten sich um ihre Zukunft. Da gab es nicht mehr viel Zeit, um in die Digiwelt zu gehen.

„Manchmal frage ich mich, ob die Digimon es wirklich verstehen. Warum wir sie nicht mehr so oft besuchen können, meine ich. Palmon tut mir jedes Mal leid, wenn ich es wieder alleine zurück lassen muss. Meine Zukunft ist mir zwar wichtig, aber ich habe Palmon so viel zu verdanken. Manchmal komme ich mir richtig gemein vor, weil ich so selten da bin.“

„Sie versichern einem zwar immer wieder, dass es okay für sie ist, aber ob es am Ende stimmt, ist eine andere Frage. Vielleicht sollten wir einmal mit Izzy reden. Er findet doch bestimmt einen Weg, damit wie mal wieder in die Digiwelt können. Karis Geburtstag steht bald vor der Tür und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sich freuen würde, wenn sie Gatomon wieder sehen könnte.“

„Wir alle würden uns freuen, wenn wir unsere Digimon wieder sehen würden“, seufzte Mimi leise und verschränkte die Arme vor ihrer Brust.  Ja, auch sie vermisste Palmon ganz schrecklich und würde sich freuen, wenn sie es wieder in ihre Arme schließen konnte. „Die Frage ist nur, ob Izzy diesmal das Tor aufkriegt. Vielleicht kann uns Gennai ja helfen.“

„Ich rufe ihn heute Abend mal an“, kickte Tai den Ball etwas doller. Mimi und er schrieen erschrocken auf, als der Ball dem Wasser gefährlich nah kam. Gleichzeitig rannten sie los, flogen dabei fast auf den Boden, um den Ball noch rechtzeitig zu erreichen. Mimi wäre fast ins Wasser gefallen, hätte Tai sie nicht am Arm gepackt und noch rechtzeitig festgehalten. „Tut mir leid, Mimi. Ist alles in Ordnung?“

„Ja“, nickte sie mit dem Kopf und lachte laut. „Ich dachte immer du kannst mit dem Ball umgehen, aber da habe ich mich wohl getäuscht. Und dann schubst du mich fast noch ins Wasser.“

„Hey, ich habe dich gerettet, ja!“

„Dein Glück, sonst hätte ich dich nämlich mit mir zusammen ins Wasser gezogen.“ „Ach ja?“ „Natürlich, oder denkst du ich gehe alleine Baden? Vor alle den Leuten?“ „Du bist unmöglich, Tachikawa.“

εїз - ❁ - ɞ - ❁ - εїз


Später, als Mimi Abends im Bett lag, dachte sie darüber nach, wie sehr Tai es heute geschafft hatte sie zum Lachen zu bringen. Dabei war sie heute wirklich deprimiert gewesen. Aber irgendwie hatte Tai es geschafft sie abzulenken und sie hatte nicht mehr ständig an Kizu denken müssen. Sie hatte den Nachmittag mit Tai genossen, das hatte sie wirklich. Aber dennoch musste sie auch wieder daran denken, wie Tai sie damals abgewiesen hatte. Und auch er hatte ihr ein kleines bisschen das Herz gebrochen.

Irritiert runzelte sie die Stirn, als ihr Handy unter ihrem Kopfkissen vibrierte. Da sie eigentlich schlafen wollte, vermied sie es auf ihr Handy zu blicken. Aber ihre Neugierde überwog und so sucht sie das Handy unter ihrem Kopfkissen und sah nach, wer ihr geschrieben hatte. Sie lächelte, als sie die Nachricht von Tai las. Wieder schaffte er es, sie von ihren trüben Gedanken abzulenken.

Denkst du eigentlich oft an die Vergangenheit?

Fast immer. Und du?

Manchmal. Aber ich lebe viel lieber in der Gegenwart. Die kann auch manchmal ganz schön sein ;)


Sie musste lachen und schüttelte den Kopf, als sie ihre nächste Nachricht tippte.

Ich mag sie auf jeden Fall lieber, als einen Teil meiner Vergangenheit. Du hältst mich übrigens vom schlafen ab.

Ich glaube, nicht jeder mag jeden Teil seiner Vergangenheit. Es gibt auch Dinge, die ich lieber nicht erlebt hätte. Aber, auch wenn die Vergangenheit unschöne Zeiten hatte, so will ich sie doch nicht missen. Es sind doch grade die unschönen Zeiten, die uns zu dem Menschen gemacht haben, der wir heute sind.
Sie haben uns mit am meisten geprägt und uns gezeigt, wie stark wir sein können. Wie aufrichtig wir sein können. Wie mutig wir sein können. Wir stark unsere Freundschaft und die Liebe füreinander ist.
Wenn man tolle Freunde, und eine tolle Familie, an seiner Seite hat, dann kann man doch alles schaffen, oder etwa nicht?
Und jetzt will ich dich nicht länger vom schlafen abhalten.
Schlaf gut, Prinzessin...
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