Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Ihr Leben in der Einsamkeit

von -Maemi-
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Mimi Tachikawa und Palmon Taichi "Tai" Yagami und Agumon
06.09.2016
18.02.2021
18
34.199
11
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
02.12.2016 1.753
 
~Kapitel 5~

Gemütlich saß Mimi im Sessel, der im Wohnzimmer stand, während ihre Mutter in der Küche beschäftigt war. Hin und wieder war ein lautes Poltern aus der Küche zu hören, aber davon ließ Mimi sich nicht stören. Viel zu sehr war sie in ihr Buch vertieft und fieberte mit, ob Luca und Emma am Ende nun zusammen kommen würden, oder nicht. Sie liebte diese Kitschromane einfach, denn sie gaben ihr immer wieder Anlass zu Träumen, dass auch sie eines Tages ihren Traummann finden würde. Obwohl Mimi wusste, dass es im wahren Leben anders ablief. Dort gab es keine Prinzen mehr. Sie blätterte um und ihr stockte der Atem, als Emma und Luca anfingen zu streiten.

„Kannst du bitte ans Telefon gehen, Mimi? Ich komme hier grade nicht weg“, rief ihre Mutter aus der Küche und riss Mimi so von ihrem Buch los.

„Was?“, fragte Mimi und blickte in die Küche. Sie hatte nur ihren Namen gehört und realisierte erst jetzt, dass das Telefon klingelte. „Warum muss immer ich ran gehen“, murmelte sie leise, legte ihr Buch zur Seite und ging zum Telefon. „Ja?“, fragte sie genervt und stockte, als sie eine bekannte Stimme lachen hörte.

„Du scheinst ja wirklich fabelhafte Laune zu haben.“

„Ach, du bist es. Was gibt es?“, fragte sie leise und setzte sich wieder in den Sessel. Es waren ein paar Tage vergangen, seit sie Tai gesehen hatte. Danach hatten sie sich nicht noch mal gesehen oder miteinander geschrieben.

„Ich brauche deine Hilfe“, seufzte er und Mimi horchte auf. „Wie du ja weißt hat Kari bald Geburtstag. Und irgendwie habe ich dieses Jahr keine Idee, was ich ihr schenken könnte. Und du hast mir letztes Jahr so gut geholfen, und da wollte ich fragen, ob du mir wieder helfen könntest.“

„Aber, du kennst Kari doch viel besser als ich“, sagte sie leise und zuckte zusammen, als es wieder in der Küche polterte. „Die nimmt noch die ganze Küche auseinander.“

„Was?“

„Nichts“, seufzte Mimi und legte ihre Beine über die Lehne. „Wir können ja ins Shoppingcenter fahren und sehen, ob wir was für Kari finden. Ich habe ehrlich gesagt auch noch keine wirkliche Idee was ich ihr schenken könnte.“

„Super, bist du so weit fertig? Dann würde ich gleich los fahren und dich abholen, dann musst du nicht mit der Bahn fahren.“

„Das wäre ja auch noch schöner“, sagte Mimi und lächelte leise. Sie schaute an sich runter. Ihre Haare trug sie zur Seite geflochten und sie hatte einen gemütlichen Pullover und Jeanshose an. Auf das umziehen würde sie verzichten. „Ich bin so weit fertig, du kannst also los machen.“

„Du bist ein Engel, Mimi. Bis gleich“, er legte auf noch bevor Mimi etwas sagen konnte. Sie brachte das Telefon in die Ladestation zurück und ging dann in die Küche, um ihrer Mutter bescheid zu sagen.

In der Küche angekommen traf Mimi fast der Schlag. Sämtliche Töpfe waren aus den Schränken geräumt und standen auf dem Boden. Auch die Teller hatte ihre Mutter aus den Schränken geräumt. „Ziehen wir um, und du hast vergessen es mir zu sagen?“, fragte sie leise und zog eine Augenbraue nach oben.

„Nein“, schüttelte sie den Kopf und schnalzte mit der Zunge. „Ich räume nur ein bisschen auf. Du machst noch mal los?“

„Ja“, nickte Mimi mit dem Kopf und spielte nervös mit einer Haarsträhne. „Ich treffe mich mit Tai. Wir wollen ein Geschenk für seine kleine Schwester kaufen.“

„Okay“, nickte ihre Mutter mit dem Kopf und lächelte sie sanft an, bevor sie ihre Tochter in die Arme zog. „Grüß Tai schön von mir.“

„Mach ich. Ich mach mich fertig und dann los“, sagte sie leise und ging in ihr Zimmer. In ihrem Zimmer fiel ihr Blick auf das Bett, wo das Buch lag, welches sie vor ein paar Tagen gefunden hatte. Erst gestern Abend hatte sie wieder darin gelesen und all der Schmerz hatte sich wieder in ihr hoch gekämpft. Heute nicht, dachte sie sich, als sie das Buch in die Hand nahm und es in ihrem Nachtschrank verstaute. Heute wollte sie sich nicht ihrem Kummer hingeben. Heute wollte sie endlich mal wieder etwas unbeschwert sein. Sie packte ihre Geldbörse in ihre Tasche, schlüpfte in ihre Schuhe und verließ dann die Wohnung.

Als sie unten aus der Tür kam sah sie wie Tai grade, mit seinem Auto, um die Ecke bog und auf ihren Parkplatz fuhr. Anscheinend hatte er sich beeilt zu ihr zu kommen, damit sie nicht so lange warten musste. Oder er war schon unterwegs gewesen, als er sie angerufen hatte. Sie lief zu seinem Auto und stieg ein. „Du bist aber schnell hier.“

„Ich war schon fertig“, zuckt er mit den Schultern, wartete darauf das Mimi sich anschnallte und fuhr dann los. „Außerdem habe ich grade eine grüne Welle erwischt, bin also schnell durchgekommen.“

Sie nickte mit dem Kopf und sah aus dem Fenster. Sein Duft stieg ihr in die Nase. Ein angenehmes Kribbeln ging durch ihren Bauch. „Hast du schon eine Idee für ein Geschenk?“, fragte sie leise, um die Stille im Auto zu unterdrücken.

„Nein“, seufzte Tai leise und hielt an einer roten Ampel. „Ich hoffe, dass mir eine Idee kommt, wenn wir gleich im Shoppingcenter sind. Vielleicht fällt dir ja auch was ein.“

„Ich habe schon eine Idee“, lächelte sie und drehe sich zu Tai um, der sie mit großen Augen anblickte. Sie konnte deutlich sehen, dass ihm dies nicht so gut gefiel. Er war noch vollkommen ratlos und sie hatte schon eine Idee. „Aber lass uns erst einmal gucken gehen, ja?“

„Wehe wir finden nichts“, brummte er und fuhr weiter, als die Ampel auf grün sprang.

εїз - ❁ - ɞ - ❁ - εїз


„Du könntest ihr doch auch ein Buch schenken“, versuchte Mimi Tai aufzumuntern, als sie die Buchhandlung verließen. Mimi hatte für Kari einen Liebesroman gekauft und wollte ihr noch ein kleines Beautypaket zusammen stellen, aber Tai war noch immer ratlos und schien keine Ahnung zu haben, was er seiner Schwester schenken sollte.

„Nein“, brummte er und stopfte frustriert die Hände in die Jackentaschen. Es war zum verrückt werden. Warum war es nur immer so schwer ein Geschenk zu finden? Wobei er bei Kari noch nie solche Probleme, wie in diesem Jahr, hatte.

„Weißt du denn was Takeru ihr schenkt? Nicht das wir das gleiche holen.“

„Einen Kurztripp“, verzog er das Gesicht und bedachte Mimi mit einem grimmigen Blick. „Nach Paris zu seinen Großeltern. Kari wollte schon immer mal nach Paris und sich die Stadt ansehen.“

„Mhm okay“, sagte Mimi und dachte weiter nach. „Wir brauchen unbedingt eine Idee“, murmelte sie weiter und dachte angestrengt nach. Sie liefen an der Theaterkasse vorbei, als Mimi abrupt stehen blieb. Sie sah auf das Plakat und ihre Augen wurden größer und größer. „Das ist es“, rief sie und hielt Tai am Arm fest, als dieser weiter laufen wollte. „Das ist das perfekte Geschenk für Kari“, sagte sie und zeigte mit ihrem Finger auf das Plakat.

Tai runzelte die Stirn. Doch, als er auf das Plakat blickte nickte er mit dem Kopf und lächelte. „Das ist wirklich die perfekte Idee. Kari wollte da schon immer mal hin.“

„Sie wird sich bestimmt freuen“, sagte Mimi, als sie sich an der Kasse anstellten. „Sie liebt den Film schon, was wird sie dann erst zu den Karten sagen?“

Ja, dachte Tai und nickte mit dem Kopf. Kari liebte der König der Löwen und sie würde bestimmt völlig aus dem Häuschen sein, dass er ihr Karten für die Musical Aufführung schenkte. Alleine wäre er wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen. „Dafür hast du was gut bei mir“, sagte Tai und blickte zu Mimi, die sich die verschiedenen Plakate ansah.

„Ich werde dich bei Gelegenheit daran erinnern, Tai“, lächelte Mimi und wartete darauf, dass Tai die Karten bezahlte. „Brauchst du noch etwas, oder können wir nach Hause?“

„Von mir aus können wir wieder fahren“, sagte Tai, als er die Karten bezahlt hatte. Zusammen liefen sie ins Parkhaus und machten sich auf den Weg nach Hause. „Dir scheint es wieder besser zu gehen“, murmelte er leise, als sie auf den Weg nach unten waren.

„Wie meinst du das?“, fragte Mimi und blickte ihn irritierend an. Es dauerte einen Moment bis sie darauf kam was er meinte. „Du meinst wegen der Party?“ Als er mit dem Kopf nickte stöhnte sie leise. „Tai, wie oft soll ich es dir denn noch sagen? Es ist okay. Du hast nichts böses zu mir gesagt. Also, mach dir nicht so einen Kopf darum.“

„Aber ich habe in deinen Augen gesehen, dass ich dich getroffen habe. Ich bin doch nicht blöd, Mimi. Deine Reaktion hat es mir ganz klar gezeigt.“

„Dann irrst du dich halt“, zuckte sie mit den Schultern und spielte nervös mit ihren Fingern herum. „Ich versteh überhaupt nicht, warum wir jetzt darüber reden.“

„Wir doch Freunde, oder, Mimi?“

„Ja“, nickte sie mit dem Kopf und runzelte die Stirn. „Natürlich sind wir Freunde“, flüsterte sie leise und dachte an die Zeit zurück, in der sie öfter was miteinander unternommen hatten. Sie hatte seine Nähe genossen aber dann haben sie sich ein Stück weit aus den Augen verloren.

„Gut. Freunde machen sich nun mal auch mal sorgen umeinander. Du hast an dem Abend so komisch reagiert, da habe ich einfach angenommen das doch etwas mit dir ist. Kein Mensch ist immer glücklich, Mimi. Man kann nicht jeden Tag glücklich sein und alles ist super. Das ist einfach nicht möglich.“

„Natürlich ist das nicht immer möglich“, gab sie zu und rutschte nervös hin und her. Sie fühlte sich unwohl und wollte am liebsten aus dem Auto springen. „Aber es kommt auch immer darauf an, wie man damit umgeht, oder?“

„Da hast du recht. Aber ich bin trotzdem der Meinung, dass dich irgendwas belastet. Und du widersprichst dir grade auch selbst. Du sagst man kann nicht immer fröhlich sein, aber trotzdem tust du so, als wärst du immer fröhlich.“

„Vielleicht, weil ich nicht zulasse, dass mich etwas runter zieht? Ich lass es mir nicht immer anmerken, wenn mich etwas belastet“, gab sie zögernd zu.

„Aber ist nicht grade das dein Problem? Man kann nicht alles mit sich alleine ausmachen, Mimi. Wenn du mit mir nicht darüber reden willst, okay. Aber rede wenigstens mit Sora darüber, ja?“

Wortlos nickte sie mit dem Kopf und hoffte, dass dieses Thema nun für ihn gegessen war. Sie wollte nicht weiter darüber reden. Sie fragte sich, warum Tai immer wieder darauf zurück kam. Warum konnte er sie nicht einfach in Ruhe lassen? Und warum hatte Mimi das Gefühl, dass sie ihr Geheimnis nicht mehr lange vor Tai verheimlichen konnte?
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast