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Ihr Leben in der Einsamkeit

von -Maemi-
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Mimi Tachikawa und Palmon Taichi "Tai" Yagami und Agumon
06.09.2016
18.02.2021
18
34.199
11
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1 Review
 
20.11.2016 1.885
 
~Kapitel 4~

Immer, wenn Mimi den Kopf frei kriegen wollte, trieb es sie nach draußen. An der frische Luft konnte sie am besten den Kopf, von all den ganzen Gedanken, frei kriegen. Und heute hatte sie nichts mehr in ihrer Wohnung gehalten. Sie hatte sich einsam gefühlt, hatte sich nach jemanden gesehnt, der sie in den Arm nahm und die Einsamkeit vertrieb. Doch es schien fast so, als wäre Mimi verdammt. Mimi suchte die Einsamkeit wie eine Motte das Licht. Egal wie sehr sie sich dagegen sträubte, sie landete am Ende doch immer wieder in ihrer Einsamkeit. Und sie gab sich ihr, und dem Schmerz, jedes Mal aufs Neue hin.

Es war zum verrückt werden. Sie wollte eigentlich gar nicht, dass Kizu noch so eine große Rolle in ihrem Leben spielte. Aber er tat es. Er tat es, weil seine Taten sie geprägt hatten. Er hatte ihr gezeigt, dass man niemanden so leicht vertrauen sollte, auch, wenn man Gefühle für ihn hatte. Er hatte ihr gezeigt, dass Liebe weh tun kann. Und ein Mädchen würde niemals den Jungen vergessen, der ihr gezeigt hat, dass Liebe schmerzlich sein kann. Tränen traten in ihre Augen, als sie daran dachte wie sie damals begriffen hatte, dass er sie die ganze Zeit über angelogen hat, dass er mehr Geheimnisse vor ihr hatte, als sie damals ahnte.

Warum war so damals so naiv gewesen?
Warum hatte sie nicht auf die Leute gehört, die ihr helfen wollten?
Warum hatte sie das ganze Spiel so lange mitgespielt, obwohl sie selbst immer misstrauischer wurde?

Die Antwort war genauso einfach wie simpel. Weil sie ihn geliebt hatte. Sie hatte ihn aufrichtig geliebt und hatte jede Warnung in den Wind geschlagen. Es gab so viele Leute, die sie gewarnt, und vor einem Fehler bewahren wollten. Aber Mimi hatte nicht auf sie gehört. Und war damit gradewegs in ihr Unglück gerannt. Und am Ende war sie zerbrochen aus der ganzen Sache raus gekommen. Vielleicht hätte sie damals mit jemanden darüber reden sollen. Vielleicht hätte sie sich jemanden anvertrauen sollen. Aber wie? Wie sollte sie sich jemanden anvertrauen ohne wie eine komplette Idiotin dazustehen?

Natürlich gab es Leute, die damals in die ganze mit involviert waren, aber mit denen hatte Mimi nicht darüber reden wollen. Sie hatte zu allen den Kontakt abgebrochen, weil der Verrat von Kizu so sehr geschmerzt hatte. Alle Beziehungen, die sie danach versucht hatte aufzubauen, waren am Ende daran gescheitert, dass Mimi ihnen nicht wirklich vertrauen konnte. Je näher sie sich kamen, um so mehr blockte Mimi am Ende ab. Dabei sehnte sie sich eigentlich nach ein bisschen Liebe. Sie sehnte sich danach neben jemanden zu liegen, seinen Herzschlag zu spüren und ihn atmen zu hören. Sie sehnte sich nach jemanden, der etwas ganz besonderes für sie war und der sie auf Händen trug.

Als sie am Fußballplatz vorbei kam blieb sie stehen und zum ersten Mal an diesem Tag schlich sich ein ehrliches, wenn auch zaghaftes, Lächeln auf ihre Lippen. Tai donnerte den Ball immer wieder gegen eine Wand. Er prallte zu Tai zurück, welcher wieder gegen den Ball trat. Mimi nahm ihre Ohrstöpsel aus den Ohren und sah ihm für einen kurzen Moment dabei zu. Er war mit solch einer Leidenschaft dabei. Sie konnte es an seinen Augen erkennen, die immer wieder funkelten, wenn er Fußball spielte. Mimi wollte grade weitergehen, als Tai sich zu ihm umdrehte.

Er lächelte, hob die Hand zum Gruß und verhinderte somit, dass Mimi weiter laufen konnte. Lächelnd lief sie runter zu ihm. Der Ball kullerte direkt vor ihre Füße und sie schoss ihn zu Tai, der lachend seinen Fuß auf den Ball stellte.

„Was treibt dich denn so früh nach draußen?“, fragte Tai und hob den Ball nach oben. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und lief zu seiner Tasche.

„Ich war grade ein bisschen spazieren“, sie zuckte mit den Schultern und setzte sich neben seiner Tasche hin. „Eigentlich sollte ich eher dich fragen, was dich so früh nach draußen führt. Weißt du was ich immer wieder faszinierend finde? Du kommst sonst immer zu spät, oder als letzter, aber, wenn es um Fußball geht kannst selbst du sogar früh aufstehen.“

„Das stimmt wohl“, sagte er lächelnd und setzte seine Flasche an seine Lippen. Mimi beobachtete wie er gierig einen Schluck daraus trank. „Hätte ich einen Kater würde ich wahrscheinlich noch im Bett liegen.“

„Wie geht es eigentlich Kari? Sora meinte, sie sind kurz nach mir nach Hause gegangen.“

„Ja“, nickte Tai mit dem Kopf und reichte seine Flasche an Mimi weiter. Sie überlegte kurz und trank dann auch einen Schluck aus dieser Flasche. „Takeru hat sie gut nach Hause gebracht. Er hat mir noch geschrieben. Aber Kari hat sich noch nicht gemeldet. Wahrscheinlich schläft sie noch“, er zuckte mit den Schultern und ließ sich dann neben Mimi fallen. Er trommelte mit seinen Händen gegen seine Beine und Mimi konnte spüren wie sich die Stimmung zwischen ihnen veränderte. Auf einmal schien Tai sichtlich nervös zu sein.

„Was ist los?“, fragte sie leise und legte die Flasche auf den Boden. Als Tai sie verwirrt ansah lächelte sie wieder zaghaft. „Du trommelst nur gegen deine Beine, wenn du nach den richtigen Worten suchst, Taichi. Das ist eine Schreckliche Angewohnheit von dir.“

„Du scheinst mir ja ziemlich genau zu beobachten“, murmelte er und schluckte den Kloß in seinem Hals herunter.

„Lästige Angewohnheit“, zuckte sie mit den Schultern und blickte ihm in die Augen. „Also, wo drückt der Schuh?“

Tai seufzte und verdrehte die Augen. „Manchmal kannst du wirklich nerven“, murmelte er und gab ihr einen sanften Schubser. „Es geht um gestern Abend.“ Nervös fuhr er sich mit seinen Händen durch die Haare. „Ich hätte so etwas nicht zu dir sagen sollen. Es tut mir wirklich leid, Mimi.“

„Ach, schon okay“, murmelte sie leise und versuchte so das Thema schnell zu wechseln. „Du hast doch nichts gemeines zu mir gesagt. Schwamm drüber.“

„Aber es hat dich schon irgendwie getroffen“, flüsterte er leise und blickte über das Fußballfeld. Es war noch recht früh am Morgen, außer ein paar Jogger, die am Rand vorbei liefen, hatte er noch niemanden hier gesehen. Außer Mimi. Er sah ihr wieder in die Augen und konnte sehen, dass sie wirklich verblüfft zu sein schien. „Was? Ich habe dir das doch angesehen“, zuckte er mit den Schultern. „Und deine Reaktion hat es mir auch gezeigt. Du wirst nur so schnell zickig, wenn du dich ertappt fühlst. Lästige Angewohnheit“, sagte er und zauberte ihr damit ein Lächeln ins Gesicht.

„Es ist alles in Ordnung, Taichi, wirklich. Natürlich denke auch immer mal über ein paar Dinge nach, aber ich finde wir sollten das Leben eher genießen, anstatt uns unseren trüben Gedanken hinzugeben. Lieber sollten wir lachen, findest du nicht auch?“

„Schon. Aber wir sollten auch Dinge nicht einfach ignorieren oder so tun, als wären sie nicht vorhanden. Wir sollten schon auch über Dinge reden, wenn sie uns belasten. Und wir sollten nicht immer versuchen Dinge mit uns alleine auszumachen, sondern auch mal mit Freunden darüber reden.“

Mimi wusste nicht was sie darauf antworten sollte, also schwieg sie lieber. Dennoch hatten seine Worte sie zum nachdenken gebracht. Natürlich wusste Mimi, dass sie auch mal darüber reden sollte was damals passiert war. Immerhin bestimmte es auch heute noch ihr Leben. Aber es gab Momente in denen wollte sie einfach nicht darüber reden. An manchen Tagen fühlte sie sich dazu nicht in der Lage.

„Wollen wir einen Kaffee trinken gehen?“

„Was?“, fragte Mimi und blinzelte ein paar Mal. Ohne das sie es bemerkt hatte war Tai aufgestanden und hielt ihr nun seine Hand hin. Sie sah zu ihm auf. „Was hast du gesagt?“

„Ich habe dich gefragt, ob wir einen Kaffee trinken wollen. Der Kiosk hat schon auf und der Kaffee dort ist gar nicht so schlecht“, sagte er, griff nach ihrer Hand und zog sie nach oben. Er nahm seine Tasche in die Hand und lief vor. Mimi blickte zu dem Kiosk, der nicht weit von ihnen weg war und folgte Tai schließlich. Auf dem Weg kramte sie in ihrer Hosentasche nach Kleingeld und war froh darüber, dass sie dort immer welches hatte. Sie drückte Tai ein paar Münzen in die Hand und setzte sich auf eine Bank, während Tai den Kaffee besorgte.

Sie setzte sich hin und beobachtete Tai dabei wie er in den Laden ging und schüttelte dann den Kopf. Manchmal war das Schicksal wirklich komisch. Warum musste sie auch ausgerechnet auf Tai treffen? Und das nach dem er sie gestern Abend zur Rede gestellt hatte. Ob auch ihre anderen Freunde ihr nicht glaubten, dass sie immer so glücklich und fröhlich war, wie sie immer tat?

„Hier“, sagte Tai und drückte ihr einen Becher in die Hand. „Ich habe auch einen ordentlichen Schuss Milch rein getan.“

„Danke“, lachte sie und hielt den warmen Becher in ihren Händen. „Das du das noch weißt.“

„Klar, warum nicht?“ Er zuckte mit den Schultern und nippte an seinem Kaffee. „Wir waren früher oft unterwegs, Mimi. Da vergisst man manche Dinge nicht.“

„Ja“, sagte sie leise und eine gewisse Wehmut schwang in ihrer Stimme mit. Sie hatten sich früher wirklich öfter getroffen. Es gab sogar mal eine Phase in der sie sich jeden Tag gesehen haben. Aber natürlich war auch diese Phase irgendwann wieder vorbei gewesen. Besonders nach jenem schicksalhaften Tag, der auch zwischen ihnen einiges verändert hatte. Aber es schien ein Thema zu sein über das Tai nicht gerne sprach. „Der Kaffee schmeckt wirklich gut“, sagte sie überrascht, als sie einen Schluck davon getrunken hatte.

„Dachtest du etwa ich lüge?“, fragte Tai und sah sie erbost an.

„Bei dir weiß man ja nie“, zuckte sie mit den Schultern und hatte dabei ein grinsen auf dem Gesicht. Sie wollte grade etwas sagen, als das Handy von Tai klingelte. Er fischte es aus seiner Tasche und lächelte, als er den Namen las.

„Na Schwesterchen, hast du einen Kater?“
Mimi schüttelte den Kopf. Tai liebte seine kleine Schwester abgöttisch, trotzdem ärgerte er sie manchmal ganz gerne. Und anscheinend freute er sich darüber, dass Kari an diesem Morgen einen ordentlichen Kater hatte. Mimi konnte sie durch das Telefon jammern hören. „Sei nicht so gemein zu ihr. Wir waren auch mal so jung und hatten nicht nur einen Kater.“

„Was? Nein, ich trinke grade einen Kaffee mit Mimi. Wir haben uns zufällig getroffen. Leg dich wieder ins Bett, Kari. Trink Tee und sag Takeru, dass er sich um dich kümmern soll. Und pass auf was du heute isst. Glaub mir, du siehst es sonst sehr schnell wieder.“ Er legte auf und steckte sein Handy wieder in seine Tasche. „Sie hat den Kater ihres Lebens.“

„Den hatten wir doch alle schon mal. Ich darf dich wohl an unsere Partys erinnern? Kari und Takeru durften da noch keinen Alkohol trinken und wir haben es ein paar Mal wirklich übertrieben.“

„Kannst du dich noch an die Einweihungsparty bei Matt erinnern? Mir ging es am nächsten Morgen so elendig schlecht. Ich frage mich immer noch wie ich es damals nach Hause geschafft habe.“

„Ja, das war wirklich ein Erlebnis“, murmelte sie leise und trank einen weiteren Schluck von ihrem Kaffee.
Der Tag war ihr noch so gut in Erinnerung, weil sie sich ein paar Tage vorher von Kizu getrennt hatte. Sie hatte ihren Frust damals mit Alkohol betäubt ohne zu ahnen, dass es sie noch so lange beschäftigen würde...
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