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Ihr Leben in der Einsamkeit

von -Maemi-
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Mimi Tachikawa und Palmon Taichi "Tai" Yagami und Agumon
06.09.2016
18.02.2021
18
34.199
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06.11.2016 1.900
 
~Kapitel 3~

Mimi taumelte einen Schritt nach hinten, als sie die Worte von Tai hörte. Sie zitterte, als sie daran dachte, dass jemand ihr Geheimnis erraten haben könnte. Wusste Tai etwa, wie es in ihrem innerem aussah? Wusste er, dass sie gar nicht so fröhlich und glücklich war, wie sie es immer vorgab zu sein? Hatte er wirklich ihre wahren Gefühle erkannt? Sie schüttelte den Kopf und legte den Lappen wieder hin.

„Was meinst du denn bitte damit?“, fragte sie leise und musste sich räuspern, damit Tai nicht mitbekam wie ihre Stimme zitterte. Warum war er ihr überhaupt in die Küche gefolgt? Warum war er nicht sitzen geblieben und hatte sie jetzt mit der Wahrheit konfrontiert?

Er zuckte mit den Schultern, während er eine Bierflasche in der Hand hielt, und sah sie dabei an. „Manchmal frage ich mich das einfach. Du kommst immer so fröhlich rüber. Nie sehe ich dich mal nachdenklich, oder traurig, dabei ist das doch jeder Mensch einmal“, wieder zuckte er mit den Schultern. „Aber bei dir schient das anders zu sein. Du scheinst immer gute Laune zu haben. Das sollte jetzt auch kein Vorwurf sein, sondern einfach nur eine Frage.“

„Das Leben ist viel zu kurz, um in Gedanken oder traurig zu sein, findest du nicht?“, fragte sie leise und sah aus dem Fenster. Es war mitten in der Nacht, der Himmel war dunkel und auch in der Stadt brannte kaum noch ein Licht. Alles lag dunkel vor ihr. Sie blickte zu Tai, der sie immer noch nicht aus den Augen gelassen hatte. „Dich sieht man übrigens auch selten traurig oder in Gedanken versunken irgendwo sitzen, das solltest du dir mal durch den Kopf gehen lassen.“

Als sie an ihm vorbei wollte hielt er sie am Arm fest und drehte sich zu sich herum. Mit großen Augen blickte sie ihn an. Und ja, langsam war sie wirklich wütend auf ihn. „Weißt du was ich glaube, Mimi?“ „Was?“, fauchte sie ihn an und versuchte sich aus seinem Griff zu befreien. „Das ich einen wunden Punkt getroffen habe. Du benimmst dich nämlich so. Gibt es irgendein Problem? Willst du darüber reden?“

„Ach, lass mich in Ruhe, Taichi. Es ist nichts. Ich will nur wieder ins Wohnzimmer gehen. Joe wartete immer noch auf den Lappen“, seufzte sie und verdrehte die Augen. Und endlich ließ Tai sie los. Er drehte sich um, griff nach dem Lappen und drückte ihn ihr in die Hand, bevor er aus der Küche verschwand. Irritiert blickte sie ihm hinterher, bevor sie ihm folgte und den Tisch abwischte. Sie brachte den Lappen wieder in die Küche und ging dann auf den Balkon, wo Sora und Kari saßen.

„Geht es dir besser?“, fragte Mimi Kari und setzte sich neben ihr auf den Boden.

„Ja“, nickte Kari mit dem Kopf und schwenkte ihr Glas Wasser. „Danke dafür noch mal. Ich hatte anscheinend wirklich genug“, seufzte sie leise und schüttelte den Kopf. „Ihr hättet mal das Gesicht von Takeru sehen soll. Ich glaube er war ein bisschen überfordert mit mir.“

„Kein Wunder, so kennt er dich nicht. Wenn wir sonst zu viel trinken, schlafen wir bei mir, weil wir einen Mädelsabend hatten“, lachte Sora und schlang die Arme um ihre Beine. Zu dritt saßen sie auf dem Boden und starrten in den Sternenhimmel. „Wunderschön, oder?“

Mimi nickte mit dem Kopf und lächelte dann. „Wenn ich bei meiner Oma war habe ich mich Abends immer in den Garten gelegt und den Sternenhimmel beobachtete. Das konnte ich irgendwie den ganzen Abend machen. Einmal kam mein Opa mit einem Schlafsack und einem Zelt heraus. Wir haben dann draußen geschlafen und ich konnte die ganze Zeit den Himmel beobachten.“

„Das müssen wir auch mal machen“, seufzte Kari leise und legte ihren Kopf auf die Schulter von Mimi, die nach dem Glas von Kari griff und einen Schluck daraus trank.

„Machen wir doch grade“, sagte Sora und piekste Kari in die Seite. „Wir werden jetzt aber nicht sentimental, oder?“, fragte sie leise, als sie zu Kari und Mimi blickte.

Kari seufzte leise. „Warum denn nicht? Manchmal müssen wir das auch sein, oder, Mimi?“ Wortlos nickte Mimi mit dem Kopf. Manchmal tat es wirklich gut auch mal mit Freunden sentimental zu sein, auch wenn Mimi nie mit ihnen über ihre wahren Gefühle sprach. Zumindest nicht immer. Den Teil mit Kizu, den hielt sie unter Verschluss. Das war ihr dunkles Geheimnis.

„Ich werde bald nach Hause gehen“, sagte Mimi leise und band sich ihre Haare zu einem Zopf zusammen. Sie hatte noch einen weiten Weg vor sich, weil um diese Uhrzeit keine Bahn mehr fuhr, aber das war ihr egal. Ganz im Gegenteil. Sie freute sich sogar darauf spazieren zu gehen und dabei ihre Gedanken kreisen zu lassen. Das tat sie oft, grade wenn es etwas gab, dass sie wieder runter zog. Dann zog sie sich ihre Jacke an und ging raus an die frische Luft.

„Ganz alleine?“, fragte Sora sofort und hob ihren Kopf. „Matt und ich können auch mitkommen und dich bringen.“ Es schien ihr nicht zu behagen Mimi alleine nach Hause zu lasse, grade um diese Uhrzeit.

Aber Mimi schüttelte den Kopf und blickte zu Sora. „Ich bin schon groß, ich komme schon nach Hause. Mach dir mal keine Sorgen um mich.“

„Aber du rufst mich sofort an, wenn etwas ist, okay? Und du meldest dich auch, wenn du zu Hause bist.“

„Ja“, verdrehte Mimi die Augen und nickte mit dem Kopf. Sie blickte zu Kari, die leise kicherte.

„Mimi kommt schon nach Hause, Sora. Sei nicht immer so eine Mutti.“ Sie blickte hoch zu Mimi. „Aber du meldest dich trotzdem, okay?“

„Okay, Mutti 2.0“, verdrehte sie wieder die Augen und lachte, als Kari sie in die Seite haute. „Fängt das etwa an zu regnen?“, fragte sie, als sie spürte wie ihr Arm auf einmal Nass wurde.

„Ieh“, jammerte Kari, als es plötzlich anfing stark zu regnen. „Lasst uns bloß schnell rein gehen“, schrie sie und sprang auf. Zu schnell wie sich herausstellte, denn sie taumelte, fing sich jedoch schnell wieder. Mimi und Sora folgten ihr in die Wohnung und suchten Schutz vor dem Regen.

εїз - ❁ - ɞ - ❁ - εїз


Es regnete immer noch leicht, als Mimi auf dem Weg nach Hause war. Aber es machte ihr nichts aus. Manchmal ging sie sogar gerne im Regen spazieren und auch jetzt lief sie eher gemächlich nach Hause, anstatt sich zu beeilen. Sie hatte die Hände in ihren Jackentaschen vergraben, hörte Musik und dachte über die Worte von Tai nach. Obwohl sie es ungern zugab, aber er hatte mit seinen Worten recht. Kein Mensch konnte wirklich immer so glücklich oder so fröhlich sein, wie sie es immer vorgab zu sein.

Aber wie sollte sie ihm die Wahrheit erklären?

Wie sollte sie ihm erklären, dass sie wirklich nicht immer so fröhlich und glücklich war? Wie sollte sie ihm erklären, dass sie manchmal Abends in ihrem Bett lag und einfach weinte, weil sie sich so einsam fühlte? Wie sollte sie ihm erklären, dass die Vergangenheit sie zerstört hatte und sie sich nicht traute mit irgendjemanden darüber zu reden? Natürlich gab es viele Dinge mit denen sie zu Sora ging, aber dabei verschwieg sie komplett das Thema Kizu. Und auch Sora wusste nicht wie es oftmals im inneren von Mimi aussah. Auch Sora wusste nicht, dass Mimi sich einsam fühlte, dass sie sich nach jemanden sehnte mit dem sie alles teilen konnte.

Sie wollte jemanden der sie in den Arm nahm, wenn sie traurig war. Der mit ihr den ganzen Tag im Bett gammeln konnte. Sie wollte jemanden der ihr zeigte, dass sie die Einzige für ihn war. Der ihr zeigt wie hübsch und attraktiv er sie fand. Sie wollte jemanden bei dem sie sich komplett fallen lassen konnte. Jemanden der sie so akzeptierte wie sie war. Mit all ihren Fehlern, Ecken und Kanten. Auch sie wollte einfach nur in den Arm genommen werden und sich dabei sicher und geborgen fühlen.

Sie musste schlucken, als sie daran dachte wie glücklich Sora und Matt gewirkt hatten. Sie würde alles dafür geben, wenn sie einen Mann an ihrer Seite hätte der sie genau so ansehen würde, wie Matt es bei Sora tat. Himmel, bei den Beiden konnte man die Liebe so stark spüren, da reichte schon ein Blick von ihnen aus. Oder Takeru und Kari. Sie hatten den ganzen Abends Spaß miteinander. Sie haben gelacht, getanzt und wenn sie nebeneinander saßen hatte Takeru immer nach der Hand von Kari gegriffen oder seine Hand auf ihr Bein gelegt. Auch bie ihnen konnte man die große Liebe spüren. Und das nur bei solch kleinen Zärtlichkeiten.

Und das war es was Mimi auch wollte.
Und eben das war es auch, was bei ihr manchmal sogar ein bisschen Neid auslöste.
Dabei machte sich immer wieder das schlechte Gewissen in ihr breit.
Weil Mimi es auch wollte.

Dabei gönnte sie es ihren Freunden wirklich. Es gab für sie niemanden besser den sie sich für Sora und für Kari wünschen könnte. Matt und Takeru waren verrückt nach ihnen und Mimi freute sich wirklich, dass sie sich gefunden hatten. Und immer, wenn der Neid an ihr nagte, könnte sie sich selbst dafür ohrfeigen. Ja, sie wollte es auch. Sie wollte auch so empfinden. Aber eben so sehr hatten es auch ihre Freunde verdient. Trotzdem fiel es ihr manchmal schwer die Blicke zu ertragen. Weil sie wusste, dass es bei ihr nie so sein würde.

Sie würde nie das Glück haben und so etwas haben.

Seufzend kam sie vor ihrem Wohnblock zu stehen und öffnete die Tür, bevor sie zum Fahrstuhl lief und auf diesen wartete. Sie musste wieder an Tai denken und daran wie er sie in der Küche festgehalten hatte. Ihr Arm kribbelte und sein Duft stieg ihr auf einmal in ihre Nase. Irritiert schüttelte sie den Kopf, stieg in den Fahrstuhl und fuhr nach oben in den dritten Stock. Im Fahrstuhl angekommen zog sie sich die Kopfhörer aus den Ohren und packte ihr Hand in die Handtasche. Leise lief sie über den Flur, schloss ihre Wohnungstür auf und ging direkt in ihr Zimmer.

Sie setzte sich aufs Bett und griff nach ihrem Handy, um Sora anzurufen, die sich nach dem zweiten Klingeln meldete. „Ich wollte nur sagen, dass ich gut zu Hause angekommen bin.“

„Das freut mich. Wir sind auch auf dem Weg nach Hause. Takeru und Kari sind kurz nach dir gegangen, sie war wirklich fertig,“ kicherte Sora leise und auch auf Mimis Lippen schlich sich ein Lächeln.

„Du bist die beste Freundin die man sich nur wünschen kann, Sora. Das weißt du, oder?“

„Ist alles okay?“, fragte ihre Freundin sofort nach.

„Ja, ein bisschen sentimental halt“, zuckte sie mit den Schultern und zog sich nebenbei ihre Jacke und ihre Schuhe aus. „Kommt gut nach Hause. Und grüß Matt von mir.“

„Mach ich, wir hören uns morgen, ja?“

„Ja“, lachte Mimi und legte auf. Sie schrieb schnell noch eine Nachricht an Kari, damit diese bescheid wusste, und zog sich dann ein großes Shirt an.

Sie legte sich ins Bett, schaltete das Licht aus und kuschelte sich in ihre Decke. Doch an Schlaf konnte Mimi nicht wirklich denken. Ihr Herz zog sich zusammen, als die Gefühle sie überwältigten. Verdammt, warum fühlte sie sich heute wieder so einsam? Warum übermannte sie die Einsamkeit ausgerechnet jetzt? Sie schüttelte den Kopf, als sich ihre Augen mit Tränen füllten. Und so passierte es, dass Mimi auch diese Nacht wieder in ihrem Bett lag und bittere Tränen vergoss.....
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