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Ihr Leben in der Einsamkeit

von -Maemi-
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Mimi Tachikawa und Palmon Taichi "Tai" Yagami und Agumon
06.09.2016
18.02.2021
18
34.199
12
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18.02.2021 1.539
 
Huhu ihr Lieben :)
Im Moment nutze ich meine freie Zeit dazu, um hier möglichst viel vorzutippen, damit ihr in Zukunft nicht so lange auf ein neues Kapitel warten müsst. In der letzten Zeit war es ziemlich stressig, aber ich merke, dass ich das schreiben als ausgleich brauch, daher versuche ich wirklich wieder regelmäßiger aktiv zu sein :)
Ich hoffe das neue Kapitel gefällt euch <3

~Kapitel 17~

Ihr Herz schlug immer schneller je näher sie dem Treffpunkt kam, an dem sie sich mit Tai treffen wollte. Sie hatte die Nacht kaum ein Auge zugetan, und daran war nur ihre Chefin schuld, weil sie ihr unbedingt diese Flausen in den Kopf setzen musste. Als sie nach dem Telefonat mit Tai wieder an ihre Arbeit gehen wollte, hatte ihre Chefin ihr erneut gesagt, dass ihre Augen richtig strahlten.

Was für ein Bullshit.
Ihre Augen strahlten nicht.
Nicht mal ein kleines bisschen.

Am Abend war es ihr wieder schwer gefallen einzuschlafen. Wie fast jede Nacht hielt sie die Sehnsucht wach. Die Sehnsucht nach einem Menschen mit dem sie alles teilen konnte. Obwohl sie sich geschworen hatte, sich nie wieder zu verlieben, gab es einen kleinen Teil von ihr, der sich eben genau danach sehnte. Sie wollte ihre Probleme nicht mehr allein bewältigen. Sie wollte jemanden an ihrer Seite, der sie in allem unterstützte, der sie in den Arm nahm, der sie auffing, der sie zum Lachen brachte. Sie wollte nicht mehr von Neid zerfressen werden, wenn sie sah wie glücklich ihre Freunde waren, denn eigentlich gönnte sie ihnen ihr Glück von ganzem Herzen.
Sie schaffte es nur nicht, ihren Gefühlen gegenüber offen und ehrlich zu sein.

Viel lieber hielt sie weiter an ihrem Leben in der Einsamkeit fest.

Mimi zuckte zusammen, als ihr jemand von hinten auf die Schulter tippte. Als sie herumfuhr konnte sie das breite Grinsen von Tai sehen. Ihr Herz stockte für einen kurzen Moment, als er sie in seine Arme zog und sie den Duft seines Aftershave wahrnahm. Eine wohlige Wärme machte sich in ihr breit.

„Wo hast du deine Ohren gelassen? Ich habe schon von weitem nach dir gerufen.“ Er blickte ihr in die Augen, strich ihr eine Haarsträhne hinter das Ohr und runzelte seine Stirn. „Ist alles in Ordnung?“ Bei dem Klang seiner Stimme zog sich ihr Herz zusammen.

Obwohl sie mit dem Kopf nickte zog Tai sie in seine Arme, weil er ihre Lüge genau durchschaut hatte. Mit den Jahren hatte er ein Talent dafür entwickelt zu merken, wenn jemand ihn anlog. Er drückte ihr einen Kuss auf den Kopf und griff dann nach ihrer Hand.

„Wohin gehen wir?“, fragte sie, als er sie einfach hinter sich herzog. Ihre Füße trugen sie wie von selbst, obwohl sie eigentlich stehen bleiben wollte.

„Wir setzen uns ans Wasser. Ich kenne eine Stelle, an der nicht so viele Menschen sind, dort sind wir unter uns und können in Ruhe miteinander reden.“

„Okay“, stöhnte sie. Weil sie reden ja auch so sehr mochte, schoss es ihr durch den Kopf. Trotzdem war sie Tai dankbar, dass er für sie da war, dass er für sie da war, obwohl sie selber im Moment nicht mit ihren eigenen Gefühlen klarkam.

Völlig unerwartet blieb Tai stehen, sodass sie gegen seinen Rücken prallte. Sie unterdrückte ein Fluchen. Er sah ihr tief in die Augen, ihr Herz fing an zu rasen und in ihrem Bauch machte sich ein Kribbeln breit, als Tai einen Schritt näher auf sie zukam. Vorsichtig strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht und beugte sich langsam zu ihr runter. Sie wusste genau was er in diesem Moment tat. Er gab ihr die Chance zu fliehen, aber sie wollte es nicht. Stattdessen umfasste sie den Kragen seines Hemdes, zog ihn zu sich und überbrückte so die letzten Zentimeter, die sie voneinander trennten. Sanft legten sich seine Lippen auf ihre, seine Zunge drang in ihren Mund ein und lieferte sich ein sanftes Spiel mit ihrer. Er legte Mimi die Arme um ihren Körper und zog sie enger an sich.
Atemlos trennten sie sich voneinander, doch Mimi entging nicht mit welcher Intensität Tai sie ansah, als er wieder nach ihrer Hand griff und sie weiter hinter sich herzog. Mimi legte ihre andere Hand ebenfalls auf seine. An diesem Gefühl wollte sie so gerne ewig festhalten.

Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis ihre eigenen Dämonen erneut zuschlugen.
Sie ließen sich ins Gras fallen, wo nichts weiter zu hören war als das sanfte Plätschern des Wassers. Hier schienen sie wirklich ihre Ruhe zu haben.
„Wie war es gestern noch auf Arbeit?“, unterbrach Tai die Stille zwischen ihnen. „Musst du oft bis spät in die Nacht arbeiten?“

„Am Wochenende kommt das schon mal vor, aber gestern durfte ich zum Glück eher nach Hause gehen. An manchen Tagen ist wirklich die Hölle los, aber ich will meinen Eltern nicht ewig auf der Tasche liegen.“ Sie wusste, wenn es einer verstand, dann Tai. Auch er war sehr früh von zu Hause ausgezogen, um auf eigenen Beinen zu stehen.

„Genau das war der Grund, warum ich so zeitig bei meinen Eltern ausgezogen bin. Für mich war es einfach an der Zeit auf eigenen Beinen zu stehen. Und für unsere eigenen Partys ist das auch nicht so schlecht“, grinste er und zupfte eine Blume aus dem Gras, die er Mimi ins Haar steckte.

„Matt erlaubt uns ja nicht andauernd bei ihm zu feiern“, kicherte Mimi, wobei sie es verstehen konnte. Wenn sie alle auf einmal bei ihm waren, sah die Wohnung schon ziemlich chaotisch aus. „Sora findet es bestimmt auch nicht so lustig, dass sie uns immer alles hinterher räumen muss.“

„Hättest du eigentlich jemals gedacht, dass aus den beiden ein Paar wird?“

„Nein“, sie schüttelte den Kopf. „Ich habe immer gedacht, dass aus Sora und dir ein Paar wird.“

„Was?“

Mimi lachte und ließ sich nach hinten fallen. „Du brauchst gar nicht so entsetzt zu schauen. Es war wirklich so. Jeder aus der Gruppe hat damit gerechnet. Bei Takeru und Kari hat man es kommen sehen, bei Sora und Matt nicht.“

„Sora ist meine beste Freundin, seit ich denken kann.“ Er schüttelte sich. „Allein die Vorstellung ist schon komisch. Wir kennen uns seit dem Kindergarten.“

„Ein Grund mehr, warum es sehr wahrscheinlich war, dass aus euch ein Paar wird. Viele Beziehungen haben ihren Anfang genau da.“ Mimi sah nach oben in die Himmel, beobachtete wie die Wolken an ihr vorbeizogen. „Sie sind so glücklich.“

„Da wird man glatt neidisch, oder?“

Abrupt setzt Mimi sich auf und starrte Tai entgeistert an. „Wie meinst du das?“

„Das es normal ist, dass man neidisch auf das ist was die eigenen Freunde haben, das bedeutet nicht zwangsläufig, dass man es ihnen nicht gönnt oder sich nicht sie freut. Es bedeutet einfach nur, dass man auch gerne jemanden an seiner Seite hat. Ich weiß, du redest nicht gerne über deine Gefühle, Mimi.“

„Meine Gefühle haben damit überhaupt nichts zu tun!“

„Trotzdem redest du nicht gerne über sie. Deine Reaktion zeigt mir, dass ich recht habe, aber es ist nicht schlimm neidisch darauf zu sein. Du hast eine schlechte Beziehung hinter dir und siehst an unseren Freunden wie es eigentlich laufen sollte. Daran ist nichts schlimmes.“

„Du redest Unsinn, Tai.“

„Jeder Mensch hat Gefühle, Mimi, sogar ich. Das ist nichts, wofür man sich schämen muss. Es gibt auf der Welt nichts Natürlicheres als unsere eigenen Empfindungen.“

Mimi seufzte laut und ließ sich wieder nach hinten fallen. Tai legte sich neben sie und ließ sie nicht aus den Augen. „Mir geht es manchmal genauso, Mimi. Du kannst zu deinen Gefühlen stehen.“

Sie schluckte und griff nach Tais Hand. „Manchmal wünsche ich mir nicht mehr alles alleine bewältigen zu müssen, sondern jemanden an meiner Seite zu haben, der mit mir gemeinsam da durch geht.“ Dennoch würde sie sich eher die Hand abhacken, als dazu zu stehen, dass es jemanden gab für den sie mehr empfand. Wenn sie mit der Zeit eins gelernt hatte, dann, dass Liebe verdammt weh tun konnte und davor wollte sie sich um jeden Preis schützen. „Gott, ich fühle mich wie ein schlechter Mensch, der seinen Freunden nichts gönnt.“

„Du bist der letzte Mensch, von dem man das sagen kann. Du hast Sora und Matt damals geholfen, damit sie endlich zusammenkommen.“ Tai verschränkte ihre Hände miteinander. „Wahrscheinlich hast du damals sogar meiner kleinen Schwester einen Schubs in die richtige Richtung gegeben, darüber reden wir übrigens noch“, Mimi kicherte und auch Tai lächelte sie breit an.

„Sie hatten es damals auch alle nötig. Sie standen sich uns ihren Gefühlen nur selbst im Weg.“

„Matt ging es damals genauso. Gott, war er ein Idiot zu der Zeit.“ Tai schüttelte den Kopf und zog Mimis Kopf auf seine Brust. Er fuhr mit den Händen durch ihre Haare, streichelte über ihren Arm und verursachte eine Gänsehaut bei ihr. Mimi kuschelte sich näher an ihn heran, sie konnte seinen Herzschlag spüren.

„Ich bin froh, dass wir uns heute getroffen haben“, murmelte sie leise und richtete sich ein Stück auf. „Schön verrückt, oder?“

Tai erwiderte darauf nichts. Er zog sie näher an sich und küsste sie erneut. Mimi seufzte, als seine Zunge ihren Mund erforschte. Sie wollte dieses Gefühl für ewig festhalten.

Dieses Gefühl, welches sie viel zu selten in sich trug.

Das Gefühl der Geborgenheit.
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