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Ihr Leben in der Einsamkeit

von -Maemi-
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Mimi Tachikawa und Palmon Taichi "Tai" Yagami und Agumon
06.09.2016
18.02.2021
18
34.199
12
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14.04.2017 2.128
 
~Kapitel 15~

Müde schlug Mimi ihre Augen auf und brauchte einige Sekunden, um sich zu orientieren. Erst da fiel ihr ein, dass sie die Nacht bei Tai geschlafen hatte. Ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie seinen Duft wahrnehmen konnte. Und dann schlug ihr Herz auf einmal schneller, als sie den Arm von Tai, der um ihren Körper lag, spüren konnte. Ihr Kopf lag auf seiner Brust, sie konnte das Schlagen seines Herzens hören. Ihre Beine waren ineinander verknotet. Vorsichtig blickte sie nach oben und studierte Tais Gesicht. Sie kannte es zwar schon so viele Jahre, aber selten hatte sie ihn so entspannt, wie in diesem Augenblick, erlebt. Er sah ganz friedlich aus. Seufzend schloss sie die Augen und legte ihren Arm um seinen Körper. Hatte sie sich nicht geschworen niemanden mehr an sich ranzulassen? Warum schaffte es dann ausgerechnet Tai, der ihr schon einmal das Herz gebrochen hatte, ihr Herz ständig zum klopfen zu bringen? Warum schien er selbst im Schlaf zu spüren, wenn sie unruhig war? Immerhin hatte er gestern schon geschlafen, als er sie in seine Arme gezogen hatte. Danach war sie so entspannt gewesen, dass sie mühelos einschlafen konnte.

Vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, löste sie sich aus seinem Griff und stand auf. Auf Zehenspitzen verließ sie das Zimmer und schloss leise die Tür hinter sich. Geradewegs lief sie in die Küche, um sich etwas zu trinken zu holen. Durch den Alkohol von gestern Abend hatte sie heute Morgen einen ziemlich trockenen Hals. Als sie einen Blick in den Kühlschrank warf lächelte sie und ihr kam sofort eine Idee. Sie holte die Milch und die Eier aus dem Kühlschrank und machte sich auf die Suche nach etwas Mehl. Als sie ein paar Schränke geöffnet hatte fand sie endlich wonach sie suchte und machte sie daran ein paar Pfannkuchen zum Frühstück zu machen. Wenn Tai eins liebte, dann waren es ihre Pfannkuchen. Und so konnte sie sich auch dafür bedanken, dass sie heute Nacht hier schlafen durfte.

Kurz überlegte sie, ob sie sich ihr Kleid wieder anziehen sollte, aber sie entschied sich dafür die Sachen von Tai anzulassen, da sie sich in ihnen so wohl fühlte. Als sie nach ihrem Handy griff sah sie eine Nachricht von ihrer Mutter, die Mimi schnell beantwortet bevor sie leise die Musik anmachte. Sie stellte die Pfanne auf den Herd, holte zwei Teller aus dem Schrank und begann schließlich mit dem Frühstück. Summend tanzte Mimi durch die Küche von Tai und war so konzentriert, dass sie überhaupt nicht mitbekam wie er sie dabei beobachtete. Als sie auch noch anfing zu singen konnte Tai nicht mehr.

„Willst du meine sämtlichen Nachbarn wecken?“

Erschrocken schrie sie auf und blickte zur Tür, wo Tai stand. Er lehnte gegen den Türrahmen, die Arme vor seiner Brust verschränkt. Seine Augen funkelten belustigt, als Mimi ihn böse ansah. „Musst du mich am frühen Morgen so erschrecken?“

Er lachte und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. „Das wollte ich dich auch grade fragen. Gibt es etwa Pfannkuchen?“, fragte er und kam einen Schritt näher. Mimi hatte sich wieder der Pfanne zugewandt und hoffte, dass Tai nicht merkte wie ihre Hand zitterte, als er sie über ihre Schulter beobachtete. „Schaut gut aus. Womit habe ich das denn verdient?“

Sie zuckte mit den Schultern und vermied es ihn anzusehen. „Sagen wir mal, dass ist ein kleines Dankeschön dafür, dass ich bei dir schlafen durfte. Bilde dir also nicht zu viel darauf ein.“ Sie kicherte leise, als Tai sie in die Seite piekste und anschließend Besteck aus der Schublade holte. „Ich war heute Morgen übrigens ein bisschen überrascht wie viel wir gestern noch aufgeräumt haben“, sagte sie leise und stellte den Herd aus, als sie den letzten Pfannkuchen auf einen Teller gelegt hatte. „Eigentlich hätte ich damit gerechnet, dass wir heute noch ziemlich viel aufräumen müssen.“

Er schnaubte und verdrehte die Augen. „Du wolltest unbedingt, dass wir heute Nacht den Großteil machen. Daraus ist dann irgendwie mehr geworden. Frühstück auf der Couch“, sagte Tai, als Mimi die Teller zum Tisch tragen wollte. Sie zuckte kurz mit den Schultern und folgte ihm ins Wohnzimmer, wo sie die Teller abstellte. Schnell kuschelte sie sich in die Decke und machte es sich auf der Couch bequem. Sie protestierte nicht, als Tai ebenfalls unter die Decke kam und ihr einen Teller reichte. Mit klopfendem Herzen beobachtete sie ihn wie er den ersten Bissen zu sich nahm und dabei die Augen schloss. „Schmeckt echt gut, Mimi.“

„Das freut mich“, lächelte sie ihn an und begann ebenfalls zu essen. Sie musste ein lachen unterdrücken, als sie sah mit was für eine Begeisterung Tai sich über die Pfannkuchen hermachte. Sie schüttelte den Kopf und konzentrierte sich wieder auf ihren Teller. Wie zu erwarten war, war Tai als erster fertig. Sein Teller stand auf den Tisch und er hatte seinen Kopf nach hinten gelehnt und strich sich über den Bauch. „Bekommt der große Tai jetzt etwa Bauchschmerzen, weil er zu viel gegessen hat?“

„Du bist fies“, sagte er und schubste sie leicht. „Ich weiß gar nicht wann ich das letzte mal so gut gefrühstückt habe. Ich krieg einfach keine ordentlichen Pfannkuchen hin. Und Mama brauche ich da auch nicht fragen. Und Kari ist zu faul.“

„Dann werde ich dir das wohl mal beibringen müssen. Eigentlich ist es gar nicht so schwer. Wenn du lieb bist verrate ich dir sogar mein Geheimrezept, damit die Pfannkuchen schön nach Vanille schmecken.“

„Das würdest du tun?“, fragte Tai sie mit großen Augen, als Mimi ihren Teller auf den Tisch gestellt hatte. Sie zuckte mit den Schultern und nickte dann mit dem Kopf. Normalerweise verriet sie das Rezept nicht weiter, aber bei Tai konnte sie ruhig mal eine Ausnahme machen. Schon viel ihrer Freunde hatten sie danach gefragt. „Du bist die Beste.“

„Ich weiß“, sagte Mimi, als sie aufstand. Sie wollte grade nach den Tellern greifen, als Tai ihre Hand ergriff und den Kopf schüttelte. „Du kannst duschen gehen, Mimi. Um den Abwasch kümmer ich mich, dass nennt man Arbeitsteilung.“ „Wie charmant“, kicherte sie leise. Ihre Hand kribbelte, als sie nach dem Kleid griff und schnell im Bad verschwand.

Da sie wusste wo Tai im Bad die frischen Handtücher aufbewahrte nahm sie sich eines aus dem Schrank und sprang schnell unter die Dusche. Noch verspürte sie nicht wirklich große Lust wieder nach Hause zu gehen. Vielleicht sollte sie noch etwas bleiben, aber sie wusste nicht, ob Tai dies recht war. Vielleicht wollte er sich noch einmal hinlegen und schlafen. Viel hatten sie davon ja nicht bekommen. Auf jeden Fall wollte sie ihm noch dabei helfen die Wohnung wieder auf Vordermann zu kriegen. Sie stellte das Wasser ab und trat aus der Dusche. Gedankenverloren trocknete sie sich ab und zog sich ihr Kleid wieder an. Da sie keine Schminke bei hatte dauerte es grade einmal eine viertel Stunde bis sie im Bad fertig war.

Ihr Haare waren an den Spitzen ein bisschen nass geworden, aber das störte sie nicht wirklich. Mit klopfendem Herzen ging sie wieder ins Wohnzimmer, wo Tai grade am Fenster stand und telefonierte. Da sie nicht lauschen wollte ging sie ins Schlafzimmer und wollte das Bett machen. Sie schüttelte die Kissen auf und strich die Bettdecke glatt. Leise ging die Tür auf.

„Alles okay?“, fragte Mimi nach, als er zu seinem Kleiderschrank lief und diesen öffnete. Er nickte mit dem Kopf und nahm sich eine Jeans und ein Shirt aus dem Schrank. „Das war bloss Matt. Er wollte vorbei kommen und mir beim aufräumen helfen, aber ich habe ihm gesagt, dass das alles schon erledigt ist. Du musst das Bett nicht machen, Mimi.“ „Will ich aber“, schnaubte sie leise und streckte ihm die Zunge raus. Lachend verließ er das Zimmer und machte sich auf den Weg ins Bad.

Nachdem Mimi das Bett gemacht hatte trat sie zum Fenster und öffnete dies weit. Ein bisschen frische Luft hatte noch niemanden geschadet. Seufzend lehnte sie sich auf das Fensterbrett und sah raus. Tai wohnte am Rand der Stadt und hatte er hier ziemlich ruhig. Manchmal beneidete sie ihn darum. Für sie ging nichts über ein bisschen Ruhe. Sie schloss die Augen, lauschte den Vögel und ließ den Wind mit ihren Haaren spielen. Als sie die Augen öffnete lächelte sie und trat vom Fenster weg. Sie verließ das Schlafzimmer und ging in die Küche, wo sie mit Tai zusammenprallte.

„Oh Gott“, sagte sie und stolperte ein paar Schritte rückwärts. Tai packte sie am Arm und verhinderte so, dass sie sich weh tat. „Das war knapp“, kam es von ihren Lippen. „Tut mir leid. Habe ich dir weh getan?“

„Nein“, schüttelte er den Kopf und musterte sie. „Alles okay bei dir? Hast du dir weh getan?“

„Alles okay“, lachte sie und wurde auf einmal ziemlich unsicher. Er war ihr viel zu Nahe. Wieder schlug ihr Herz schneller und sie fühlte sich furchtbar befangen. Ihre Hand zitterte, als sie sie auf seine Brust legte und ihm in die Augen blickte. „Es ist wirklich alles okay, Tai“, flüsterte sie leise.

Sanft strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und blickte ihr in die Augen. Obwohl sie es nicht für möglich gehalten hätte das es möglich war schlug ihr Herz ein paar Takte schneller. Ihre Knie wurden weiche, als er mit einer Haarsträhne von ihr spielte. Er neigte seinen Kopf und kam ihr immer näher. Sie keuchte, als seine Lippen auf ihre prallten. Mit ihren Händen klammerte sie sich an seinem Shirt fest, während er seine Hände um ihre Hüften legte und sie in seine Arme zog. Seine Zunge strich sanft über ihre Lippen, die sie bereitwillig öffnete und seiner Zunge Einlass gewährte. Ihr Bauch kribbelte, als seine Zunge ihre berührte. Sie war vollkommen vom Zauber dieses Kusses gefangen. Keuchend schlang sie die Arme um seinen Nacken und vergrub die Hände in seinen Haaren. Und doch war dieser Augenblick viel zu schnell vorbei. Sanft küsste Tai ihre Wangen, ihre Stirn und zog sie ganz fest in seine Arme. Sie legte ihren Kopf auf seine Brust und schloss die Augen. Tief atmete sie seinen Duft ein, der eine beruhigende Art auf sie hatte.

„Wir müssen noch aufräumen“, sagte sie leise, damit sie die Stille unterbrechen konnte, die ihr im Moment nicht behagte. Sie hatte tatsächlich Tai geküsst! Und es hatte sich gut angefühlt! Dabei war sie sich nicht sicher, ob sie das alles so gut finden sollte. Die Freundschaft zu Tai war ihr nicht egal. Sie hatte Angst diese zu verlieren.

„Es ist alles fertig, Mimi“, murmelte er rau und löste sich von ihr. Mit seinem Daumen strich er ihr über das Gesicht und blickte sie an. Seine Augen lagen auf ihren Lippen, die wahrscheinlich von ihrem Kuss geschwollen waren. „Soll ich dich nach Hause fahren? Wenn du willst kannst du natürlich auch noch ein bisschen bei mir bleiben. Ich habe heute nichts weiter vor. Wir könnten einen Film gucken, oder wir könnten spazieren gehen. Oder irgendwas anderes machen.“

Lachend legte Mimi ihm einen Finger auf den Mund und brachte ihn so zum schweigen. „Das sind ja ganz schön viele Vorschläge auf einmal. Lass uns einen Film gucken, Taichi. Du hast noch genug Chips da.“

Lächelnd nickte er mit dem Kopf und griff nach der Chipstüte, die auf dem Tisch stand. Er holte aus dem Kühlschrank eine Cola und hob eine Augenbraue, als er Mimi ansah. „Dann wollen wir mal. Weißt du schon welchen Film du schauen willst? Wir können ja mal bei Netflix gucken.“ Sie folgte ihm ins Wohnzimmer und ging zu seinem DVD Regal, während Tai Netflix durchsuchte.

Als sie sich zu ihm umdrehte konnte sie sehen wie er sie beobachtete. „Was ist? Ist alles in Ordnung? Hast du einen Film gefunden?“

„Ja“, nickte er lahm mit dem Kopf. „Ich habe nur grade dein Kleid bewundert“, sagte er und räusperte sich dann. „Steht dir wirklich gut.“ Lachend drehte sie sich einmal um ihre eigene Achse und setzte sich dann neben ihn auf die Couch. Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange. „Danke, für das Kompliment. Also, was gucken wir jetzt? Oh, tote Mädchen lügen nicht. Ist neu, oder?“

„Scheint so. Soll wohl ganz gut sein, habe ich gehört. Gucken?“, fragte er und legte einen Arm auf die Lehne. Er zog leicht an ihren Haaren und lachte, als sie nach ihm schlug. „Nun mach schon an“, sagte sie und öffnete die Tüte Chips. „Und wehe du redest andauernd dazwischen“, murmelte sie und legte die Tüte zwischen ihnen. „Würde ich nie machen.“ „Wie komm ich nur darauf?“, fragte sie und verdrehte die Augen. Tai knuffte sie leicht, verdrehte die Augen und startete die Serie. Lächelnd lehnte Mimi sich nach hinten und beobachtete Tai, wie er die Stirn runzelte und nach den Chips griff. Es war alles so herrlich normal und so entspannt. Mimi war froh, dass sie noch geblieben war.....
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