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Ihr Leben in der Einsamkeit

von -Maemi-
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Mimi Tachikawa und Palmon Taichi "Tai" Yagami und Agumon
06.09.2016
18.02.2021
18
34.199
11
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32 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
03.02.2017 2.243
 
Guten Abend, ihr Lieben :)
Heute habe ich wieder ein neues Kapitel für euch. Ich muss gestehen, dass ich es wirklich kaum erwarten konnte, dieses Kapitel zu schreiben, weil endlich der Moment gekommen ist. Ich mag dieses Kapitel und die Atmosphäre, die es widerspiegelt, wirklich total, deswegen bin ich auch schon ganz gespannt, was ich dazu sagt :)
Ich hoffe es gefällt euch <3


~Kapitel 10~

Tränen liefen ihr über die Wangen, als sie mit ihren Händen über die Seiten des Buches fuhr. Sie konnte nicht genau sagen ob es sein Buch, oder ihr Buch, war. Aber sie hatte in diesem Buch jede einzelne Kleinigkeit festgehalten, die sie mit ihm verband. Seine Nachrichten, Fotos, Konzertkarten. All das hatte sie festgehalten. Und bis heute hatte sie nicht die Kraft gefunden sich von diesem Buch zu lösen. Dabei wäre es so viel besser für sie, wenn sie diesem Buch keine Beachtung mehr schenken würde. Es war zwar alles ein Teil ihrer Vergangenheit, aber, sollte sie sich nicht lieber auf ihre Zukunft konzentrieren? Auf das hier und jetzt?

Es gab so viele Dinge für die es sich zu leben lohnte. Doch im Moment fehlte ihr die Kraft genau das zu sehen. Sie war einsam, sehnte sich nach jemanden mit dem sie alles teilen konnte. Sie hatte es so satt ständig alleine zu sein. Sie konnte mit keinem über ihre Gefühle reden, über ihre Gedanken. Sie konnte sich an niemanden lehnen, wenn sie sich kraftlos fühlte. Es gab niemanden, der sie zum lachen brachte, der ihr das Gefühl gab jemand ganz besonderes zu sein. Sie hatte zwar Freunde, aber das war nicht das Gleiche. Das war es nicht wonach Mimi sich eigentlich sehnte.

Sie wollte einen Freund an ihrer Seite haben. Jemanden an den sie sich kuscheln konnte. Jemand, der sie schätzte, der sie auf Händen trug. Jemand, der sie als sein Mädchen ansah. Sie wollte für jemanden das kostbarste auf der ganzen Welt sein. Aber sie hatte das Gefühl, dass dieser jemand niemals kommen würde. Schon so lange wartete sie darauf. So lange hoffte sie, hatte sich sogar zu Dates durchgerungen. Aber am Ende hatte es nie geklappt. Nicht zuletzt, weil Mimi immer auf Abstand gegangen war, wenn es zu ernst wurde. Sie hatte einfach Angst vor der nächsten Enttäuschung. Also blieb sie alleine.

Sie zuckte zusammen, als es an der Tür klingelte. Langsam klappte sie das Buch zu, wischte sich die Tränen halbherzig von den Wangen und ging in den Flur. Es wurde noch zwei mal geklingelt, aber Mimi blieb im Flur stehen und sah auf die Tür. Sie erwartete keinen Besuch und im Moment war ihr auch nicht nach Gesellschaft. Als sie wieder in ihr Zimmer kam blinkte ihr Handy wie verrückt. Stöhnend nahm sie es in die Hand.

Ich stehe vor deiner Tür. Dein Licht ist auch an.
Mach bitte die Tür auf, Mimi. Wir müssen reden.
Tai


Sie erstarrte, als es wieder an der Tür klingelte. Ihr Hand fiel auf das Bett, als sie sich umdrehte und zur Tür ging. Sie ermahnte sich selbst dazu zu Lächeln, damit Tai ihr nicht ansah wie schlecht es ihr grade ging. Doch auch Mimi kam einmal an ihre Grenze. Auch Mimi konnte dieses Spiel nicht mehr ewig weiter spielen. Obwohl es ihr nicht behagte, hin und wieder gab auch Mimi ihre Schwächen zu. Und so geriet ihr vorhaben ins wanken, als sie die Tür öffnete und Tai sah. Als dieser sie erblickte wich sein Lächeln aus dem Gesicht. Seine Augen musterten besorgt, als sie sich in seine Arme warf und an seiner Brust bittere Tränen vergoß.

Ohne ein Wort zu sagen zog Tai sie in die Wohnung, lehnte sich gegen die Tür und hielt sie einfach nur im Arm. Er schwieg auch weiterhin, als er ihr über den Rücken strich und versuchte sie so zu beruhigen. Mimi hatte die Arme um seinen Körper geschlungen und schluchzte. In diesem Moment war sie ihm unendlich dankbar dafür, dass er einfach für sie da war, sie einfach nur im Arm hielt, ohne etwas zu sagen. Er stellte keine Fragen, wollte keine Antworten von ihr. In diesem Moment hielt er sie einfach nur ganz fest in seinen Armen. Und es tat Mimi unheimlich gut.

Nach einer weile hatte Mimi sich wieder beruhigt. Ihr Ausbruch war ihr ein bisschen unangenehm und so löste sie sich schnell von ihm. Sie wischte sich die Tränen ab, als sie ins Wohnzimmer ging und ein Taschentuch holte. Danach lief sie schnell ins Bad, spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht und blickte in den Spiegel. Sie sah furchtbar aus. Ihr Gesicht war vom vielen weinen verquollen, ihre Augen waren gerötet und sie war blass. Sie wandte sich vom Waschbecken ab und ging wieder ins Wohnzimmer. In diesem Moment kam Tai aus der Küche, in der Hand hielt er zwei Gläser und eine Flasche mit Wasser. Wortlos setzten sie sich auf die Couch, während Tai die Gläser füllte. Doch als er sie ansah, da wusste Mimi das nur der Zeitpunkt der Wahrheit gekommen war. Sie konnte nicht mehr davor flüchten. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, in dem sie Tai die Wahrheit sagen musste.

Sie räusperte sich und trank einen Schluck aus ihrem Glas. Das Wasser war angenehm kalt daher hielt sie sich das Glas ans Gesicht und schloss die Augen. „Wenn ich dir jetzt sagen, es ist alles okay, dann glaubst du mir nicht, richtig?“

Tai schnaubte neben ihr und als sie die Augen öffnete sah sie wie er den Kopf schüttelte und die Augen verdrehte. „Wenn du mir jetzt immer noch sagen willst, dass alles in Ordnung bei dir ist, dann gehe ich zu Sora und hetze sie auf dich. Ich glaube sie macht sich langsam auch ein paar Sorgen um dich.“

„Wahrscheinlich, weil du den Mund nicht halten konntest“, sagte sie bissig und sah ihn dann entschuldigend an. Sie stellte ihr Glas auf den Tisch und lehnte sich zurück. Sie überlegte wie sie anfangen sollte. Das Thema war schwer zu erklären und eigentlich wollte sie auch nie darüber reden. „Ich weiß nicht wie ich anfangen soll. Kannst du dich noch an Kizu erinnern? Die Beziehung die ich damals hatte. Ich war damals in der achten oder neunten Klasse.“

Tai überlegte kurz, als er dann mit dem Kopf nickte. „Ich glaube Kari hatte mal erwähnt, dass du ihn in einem Chat kennengelernt hast, oder?“

„Ja“, nickte Mimi mit dem Kopf und verzog das Gesicht. „Wir kamen dann recht schnell zusammen und am Anfang war auch alles okay, aber dann...“

„Dann hat er sein wahres Gesicht gezeigt?“

„Kann man so sagen.“ Mimi zog ihre Beine an und schlang die Arme um diese, als sie die Augen schloss und begann Tai von ihrer Beziehung mit Kizu zu erzählen. „Ich war am Anfang wirklich glücklich mit ihm und alles war toll. Aber dann fing das Unheil an, welches ich selber erst zu spät wahrhaben wollte. Die ganze Zeit gab es Leute, die mir die Wahrheit sagen wollte, aber ich habe nicht auf sie gehört. Stattdessen habe ich mich von Kizu weiter nach unten ziehen lassen. Und irgendwann bin ich am Boden angekommen und das Einzige was von mir übrig geblieben ist, ist eine leere Hülle gewesen. Und daneben lag mein Herz, welches in tausend Teile zerbrochen ist. Ich konnte nur die Scherben aufsammeln und irgendwie weiter machen. Kizu war nie der Mensch, für den er sich ausgegeben hat. Es kam der Zeitpunkt in dem mich Mädchen anschrieben und mich vor Kizu gewarnt haben. Es war ein Chat, mein Gott, ich habe dem keine große Beachtung geschenkt. Dennoch bin ich stutzig geworden, als die Mädchen mit plötzlich sagen konnten wie er heißt, wo er wohnt, was er macht. Sie kannten sogar seine Telefonnummer. Jeder wäre da doch hellhörig geworden. Aber ich nicht. Ich habe ihn zwar darauf angesprochen, aber er hatte immer wieder eine gute Ausrede parat. Mal war es eine Exfreundin von ihm und dann mal jemand, der uns unser Glück nicht gegönnt hat. Auch als es immer mehr wurden und sogar einige von ihnen behaupteten auch in einer Beziehung mit ihm zu sein, ich habe ihnen nicht geglaubt. Ich habe immer wieder zu Kizu gehalten.“ Mimi stockte kurz, griff nach ihrem Glas und trank einen Schluck von ihrem Wasser.

„Du warst richtig heftig in ihn verliebt, Mimi“, sagte Tai fast so, als würde das alles entschuldigen. Als sie ihm in die Augen blickte konnte sie sehen wie betroffen er war. Auch ihn schien diese Geschichte mitzunehmen.

„Natürlich war ich in ihn verliebt. Anders kann man das auch alles nicht erklären. Wir haben uns auch ab und zu mal getrennt, aber ich habe es nie lange ohne ihn ausgehalten. Er hatte mich einfach in der Hand. Er wusste wie er mich zurück bekommen konnte. Und ich will nicht zählen wie oft er es geschafft hat mich mit seinen Worte wieder dazu zu bewegen es mit ihm noch einmal zu versuchen. Stellenweise habe ich den Mädchen nicht geglaubt, weil sie auch gar nicht bei uns gewohnt haben. Aber weißt du was? Am Ende habe ich herausgefunden das sie recht hatten. Er hat uns alles nur verarscht. Er hatte so viele Freundinnen gleichzeitig. Seine Schwester schrieb mich einmal an und meinte zu mir, dass er mich wirklich geliebt hat. Aber davon kann ich mir auch nichts kaufen“, lachte sie höhnisch auf und schüttelte den Kopf. Jetzt, wo sie alles noch mal erzählte, kam es ihr wie ein Schlag ins Gesicht vor.

„Warum hast du nie mit jemanden darüber geredet, Mimi? Ich kann verstehen, dass du verletzt warst, aber hättest du nicht trotzdem mit jemanden darüber reden sollen?“

„Du weißt gar nichts, Tai. Du weißt nicht wie ich mich fühle, wie es ist, wenn man neidisch auf seine Freunde ist, die all das zu haben scheinen, was ich mir selbst so sehr wünsche, obwohl man sich doch für sie freut, aber es nagt immer etwas in mir, das mir sagt, dass wünsche ich mir auch. Du weißt nicht wie es ist, wenn man einsam ist, wenn man in der Nacht in seinem Bett liegt und kein Auge zu bekommt, weil man sich nach Nähe sehnt. Du weißt nicht wie schwer es mir manchmal fällt nach draußen zu gehen, zu lächeln und so zu tun als, wenn nichts los ist, so zu tun, als würde es mir blenden gehen obwohl alles in meinem innerem schreit!“

„Dann rede mit mir, Mimi“, für einen kurzen Moment sah Tai sie verzweifelt an. Er hasste es zu sehen, wie aufgebracht sie war, wie sie in ihrem Wohnzimmer hin und her lief, weder ein noch aus wusste. Mimi war an ihre Grenzen gestoßen, geplagt von ihren eigenen Gedanken und Gefühlen, die sie immer weiter in die Einsamkeit zogen. Er musste ihr unbedingt daraus helfen.

„Reden hilft mir da auch nicht!“, schrie sie ihn an. Sie griff nach ihrer Kette, zeigte sie ihm und lachte verächtlich auf. „Ich verdiene das hier nicht, denn es ist eine einzige Lüge!“ Das Wappen der Aufrichtigkeit baumelte vor seinen Augen.

Aufrichtigkeit.

Tai stand auf, lief auf sie zu und legte seine Hände auf ihre Schultern. Eine angenehme Wärme durchzog seinen Körper, als er ihre Schultern berührte. „Doch du hast es verdient. Ich kenne keinen Menschen zu dem dieses Wappen besser passen könnte, als zu dir. Du bist der ehrlichste Mensch den ich kenne, Mimi. Du bist aufrichtig, jetzt grade, in diesem Moment!“

„Ich bin nicht ehrlich, Tai“, sagte Mimi und schüttelte den Kopf. „Sonst hätte ich damals mit einer Freundin darüber geredet. Aber mir war es einfach so peinlich. Ich wollte nicht, dass jemand mir am Ende sagt wie dumm und naiv ich doch gewesen war. Das weiß ich selber.“

„Ich glaube nicht das du dumm und naiv warst, Mimi“, sagte Tai und fuhr sich mit seinen Händen durch den Haaren. „Weißt du, wir alle haben doch schon mal Dinge getan, die man nur schwer erklären kann. Und da ist es egal ob man dabei verliebt war, oder nicht. Das Leben läuft halt nicht immer perfekt nach Plan, oder wie in einem Film. Du hast es getan, weil es sich in diesem Moment richtig angefühlt hat. Auch, wenn du schon damals deine Bedenken gehabt hattest. Sei doch lieber froh, dass du dann irgendwann die Kraft dazu hattest, die Beziehung zu Kizu zu beenden.“

„Besser spät, als nie, was“, sagte Mimi und setzte sich wieder auf die Couch. „Wobei mir das damals echt schwer gefallen ist. Ich war in diesem Moment innerlich total aufgewühlt und habe mich alles andere, als stark genug dazu gefühlt. Am Anfang hatte ich sogar wirklich Angst, dass er mich wieder mit seinen Worten umstimmen kann.“

„Aber das hat er nicht“, sagte Tai und legte eine Hand auf ihr Knie. Mimi ignorierte das warme Gefühl und wie ihr Herz klopfte. „Und darauf kannst du Stolz sein. Du kannst stolz auf dich sein, weil du diejenige warst, die irgendwann gesagt hat bis hier und nicht weiter. Du hast die Beziehung beendet und nicht er, weil du eher erkannt hast, was für ein Arschloch er ist.“

„Und warum fühl ich mich dann trotzdem so mies?“, fragte sie leise und blinzelte gegen ihre Tränen an. Sie lehnte den Kopf an die Schulter von Tai und schloss die Augen. „Manchmal wünschte ich, ich hätte mich nie in diesem Chat angemeldet.“

„Ich weiß“, sagte Tai und seufzte leise, als er den Arm um Mimi legte. „Willst du mir von eurer Trennung erzählen? Denn ich finde, dass dazu sehr viel Mut und Aufrichtigkeit dazu gehört.“ Mimi schmunzelte und begann ihm von ihrer Trennung zu erzählen....
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