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Ihr Leben in der Einsamkeit

von -Maemi-
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Mimi Tachikawa und Palmon Taichi "Tai" Yagami und Agumon
06.09.2016
18.02.2021
18
34.199
12
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Dieses Kapitel
1 Review
 
22.01.2017 1.912
 
~Kapitel 9~

Nach dem Besuch im Kino war Mimi Tai ein paar Tage lang aus dem Weg gegangen. Immer mehr bekam sie das Gefühl, dass sie ihm nicht mehr lange die Wahrheit verschweigen konnte. Irgendwann würde Tai hinter ihre dunkelsten Geheimnisse kommen. Und genau das war es, was Mimi solche Angst machte. Sie wollte nicht, dass jemand diese Geheimnisse kannte. Niemand sollte jemals von diesem Kapitel in ihrem Leben erfahren. Aber ihr Gefühl sagte ihr, dass sie bald schwach werden würde. Bald würde sie Tai alles beichten, und sie hatte schreckliche Angst davor. Am meisten hatte sie Angst vor seiner Reaktion. Würde er sie auslachen? Würde er ihr sagen wie dumm sie damals gewesen war?

Aus diesem Grund hatte sie in den letzten Tagen nicht gesehen und auf seine Nachrichten nur kurz und knapp geantwortet. Doch heute Abend stand er wieder vor ihrer Tür und fragte sie, ob sie nicht Lust hätte mit ihm spazieren zu gehen. Sie hatte seine Bitte nicht abschlagen können und so waren sie wieder im Park und gingen am Wasser spazieren. Ihre Haare wehten leicht im Wind und sie beobachtete ihn dabei, wie er Steine in das Wasser warf. Seufzend hatte sie die Arme vor ihrer Brust verschränkt und den Kopf leicht schief gelegt.

„Wie schaffst du es, dass der Stein immer wieder über das Wasser springt?“, fragte sie und sah ihn frustriert an. Das hatte sie sich schon damals gefragt und irgendwann einmal hatte sie es sogar selbst ausprobiert, aber sie hatte es nie geschafft. Ihr Stein war beim ersten Wurf immer untergegangen.

Tai drehte sich, mit einem Stein in der Hand, zu ihr um und schien einen Moment lang verwirrt zu sein. Seine Augen verrieten Mimi, dass er mit seinen Gedanken ganz woanders gewesen war. Sie fühlte sich unbehaglich, weil sie ahnte, dass er über sie nachdachte. Vorsichtig lächelte sie ihn an und zeigte auf den Stein. „Ach, das meinst du“, sagte Tai und zuckte dann mit den Schultern. „Ich habe keine Ahnung. Ich konnte es einfach. Kari hat es auch nie hinbekommen“, lächelte er und schüttelte den Kopf. Er streckte die Hand aus. „Komm her, ich zeige dir wie es geht.“

Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals herunter und legte ihre Hand in seine. Seine Hand war warm und fest, aber nicht zu fest, als er sie berührte und zu sich zog. Er stellte sich hinter sie, eine Hand lag auf ihrer Hüfte und die andere Hand legte sich um ihren Arm. „Geh ein bisschen in die Knie“, sagte Tai in ihr Ohr. Ein angenehmer schauer lief über ihren Rücken und Mimi musste sich konzentrieren, damit sie mit ihren Gedanken nicht abschweifte. „Den Arm ein bisschen runter“, seine Hand lag noch immer auf ihren Arm und schob diesen ein bisschen nach unten. „Und jetzt werfen“, seine Hand legte sich um ihre und zusammen warfen sie den Stein. Drei Mal sprang er über das Wasser, bevor er unterging.

„Geschafft! Ich habe es tatsächlich geschafft“, lachte Mimi leise und blickte auf das Wasser. „Alleine werde ich es wohl nie schaffen“, seufzte sie leise.

„Man muss es ja auch nicht immer alleine schaffen. Manchmal ist es ganz gut, wenn man etwas Hilfe zur Seite hat“, sagte Tai und blickte ihr in die Augen.

Mimi verdrehte ihre Augen und befreite sich aus seinen Armen. Wütend blickte sie ihn an und verschränkte wieder die Arme vor ihrer Brust. „Fängst du schon wieder mit dem Thema an, Taichi? Warum kannst du es nicht einfach auf sich beruhen und mich damit in Ruhe lassen? Warum fängst du immer wieder davon an?“

„Weil ich mir Sorgen um dich machen“, rief er lauter und fuhr sich mit seinen Fingern durch die Haare. Ein paar Spaziergänger blickten zu ihnen herunter und beobachteten neugierig den Streit, der sich vor ihren Augen abspielte. Mimi warf ihnen wütende Blicke zu. Peinlich berührt sahen sie weg und liefen weiter. „Hör endlich auf so zu tun, als wäre alles in Ordnung mit dir!“

„Ich darf doch wohl sehr bitten!“, rief Mimi empört. „Warum willst du denn unbedingt, dass ich Probleme habe? Willst du dich dann aufspielen wie der Prinz in strahlender Rettung und mich retten? Ist es das was du willst?“ Sie wandte sich von ihm ab und stampfte wütend davon. „Dämlicher Fußballidiot!“

„Jetzt warte doch mal“, rief Tai ihr hinterher. Mit wenigen Schritten hatte er sie eingeholt und lief nun neben ihr weiter. „Ich mache mir wirklich Sorgen um dich, Mimi. Und ich will auch nicht dein Prinz in strahlender Rüstung sein.“ Mimi ignorierte wie sich ihr Herz dabei zusammenzog. „Und ich will dir keine Probleme andichten. Du hast im Kino doch selbst zugegeben, dass etwas nicht in Ordnung ist.“

„Das habe ich gar nicht“, rief Mimi empört und funkelte ihn wütend an. Ihr ganzer Körper zitterte und sie schaffte es nur schwer ihre Wut zu zügeln.

„Deine Reaktion hat es mir aber gezeigt, Mimi. Und es ist mir egal, ob dir das passt oder nicht. Du hättest mal deine Augen sehen sollen, als ich dir gesagt habe das ich dir nicht glaube, dass alles okay bei dir ist. Du warst vor Schreck ganz erstarrt und deine Hände haben gezittert. Aber das hast du nicht mitbekommen!“

Doch, sie hatte es mitbekommen, aber sie hatte gehofft, dass Tai es nicht mitbekommen hatte. Sie hatte wirklich gehofft, dass er nicht gesehen hatte wie sie mit seinem Geständnis umgegangen war, was es in ihr ausgelöst hatte. Seufzend blieb sie stehen und blickte ihm in die Augen. „Warum, Tai? Warum streiten wir uns immer wieder deswegen? Warum können wir die Sache nicht einfach auf sich beruhen lassen?“

„Weil es noch nie jemanden etwas gebracht hat, wenn man die Vergangenheit versucht zu ignorieren oder zu vergessen. Die Vergangenheit bleibt bestehen, da kann man tun und lassen was man will. Seine Vergangenheit kann man einfach nicht ändern oder streichen. Sie bleibt an uns haften, verfolgt uns.“

„Wow“, sagte Mimi und machte große Augen. „Du schaffst es einem echt Mut zu machen. Dein Optimismus ist wirklich bewundernswert“, sagte sie und hatte einen Hauch von Ironie und Sarkasmus in der Stimme. Sie schüttelte den Kopf und sah zu Tai.

„Dann sag mir doch endlich was nicht mit dir stimmt. Ich kann dir bestimmt helfen.“

„Da kann mir keiner helfen, Tai. Wie du schon gesagt hast, die Vergangenheit kann ich nicht ändern.“ Sie drehte sich um und lief weiter Richtung nach Hause. Zu Hause fühlte sie sich sicher, weniger angreifbar. Seine Hand umschloss plötzlich ihre und drehte sie zu ihm herum.

„Dann lass wenigstens nicht zu, dass deine Vergangenheit deine Zukunft im negativen beeinflusst. Wir können die Vergangenheit wirklich nicht ändern, aber wir können von ihr etwas für die Zukunft lernen. Wir können Dinge besser machen und von anderen Dingen die Finger lassen. Wir sollten nur nicht unsere Zukunft verbauen, weil wir in der Vergangenheit mal etwas schlechtes erfahren haben. Wir müssen uns auch mal von Dingen lösen. Besonders von den Dingen, die uns nur kaputt gemacht haben.“

„Du hast leicht reden“, flüsterte sie leise und stellte bestürzt fest wie ihr die Tränen in die Augen traten. „Ich bin mir sicher, dass deine Vergangenheit nicht so scheiße war wie meine. Mit deinen Gefühlen wurde bestimmt nicht so gespielt wie mit meinen. Man hat auf meinem Herzen herumgetrampelt und das Einzige was ich tun konnte war die Scherben aufzusammeln und die Kraft zu finden irgendwie weiter zu machen!“ Erschrocken hielt sie inne, als ihr bewusst wurde, was sie grade von sich gegeben hatte. Sie wollte sich von Tai losreißen aber dieser hielt sie fest.

Seine Augen blickten sie ganz sanft an. Ein unsicheres Lächeln hatte sich auf seine Lippen gelegt. Sie hatten es beide gemerkt. Mimi hatte etwas von sich Preisgegeben, was sie am liebsten für immer unter Verschluss gehalten hätte. „Das ist es, oder? Das ist das was dich immer noch so beschäftigt.“

„Ich will darüber nicht reden“, sagte Mimi leise und schüttelte den Kopf. „Außerdem hast du total unrecht mit dem was du sagst.“ „Mimi ich....“ „Nein!“, sagte sie und stieß ihn von sich weg. „Lass mich einfach in Ruhe, Taichi.“ Noch einmal stieß sie ihn von sich weg und nahm dann ihre letzte Kraft zusammen, um nach Hause zu laufen. Wortlos blickte Tai ihr hinter her.

εїз - ❁ - ɞ - ❁ - εїз


Zu Hause angekommen war Mimi sofort in ihr Zimmer gegangen und hatte sich auf ihr Bett geworfen. Tränen waren ihr über die Wangen gelaufen und sie wusste nicht mehr wie sie mit der ganzen Situation umgehen sollte. Tai wollte ihr nur helfen, da war sie sicher, aber dennoch machte es sie verrückt, dass er eines Tages die ganze Wahrheit erfahren könnte. Das war etwas was sie unbedingt verhindern wollte.

Sie wollte nicht, dass es auf einmal anders von ihr dachte. Besonders nicht, wenn sie beichten würde, dass sie manchmal neidisch auf ihre Freunde war, weil sie jemanden hatten an den sie sich anlehnen konnte, jemanden mit dem sie alles teilen konnten. Jemanden mit dem sie einfach auf der Couch liegen konnte, Hauptsache sie konnten die Nähe des anderen spüren. Genau das war es nämlich was Mimi auch wollte. Aber dafür fehlte ihr einfach der Mut. Sie schaffte es nicht mehr jemanden an sich ran zu lassen. Stattdessen lebte sie in der Einsamkeit.

Doch die Frage war, wie lange wollte Mimi noch in der Einsamkeit leben? Wie lange wollte sie sich noch verstellen und niemanden von ihren wahren Gefühlen erzählen? War es nicht langsam mal an der Zeit der Vergangenheit ins Auge zu blicken und sie endlich hinter sich zu lassen? Warum fiel es Mimi nur so schwer, sich von der Vergangenheit, und der Einsamkeit, zu lösen?

Das Telefon klingelte. Mimi zuckte zusammen und rappelte sich von ihrem Bett auf, um ins Wohnzimmer zu laufen. Stumm fehlte sie, dass es nicht Tai war und hob ab. „Ja?“, fragte sie vorsichtig.

„Warum gehst du nicht an dein Handy ran?“, fragte Sora und wirkte ein bisschen aufgebracht. „Ich habe ein paar Mal probiert anzurufen.“

„Es ist lautlos, tut mir leid“, murmelte sie leise und setzte sich in den Sessel. „Was gibt es denn so wichtiges?“

Sora seufzte leise. „Matt hat mich grade angerufen. Er ist bei Tai.“

„Und jetzt willst du wissen, ob bei mir alles okay ist, weil Tai und ich uns gestritten haben“, schlussfolgerte Mimi und runzelte ihre Stirn. Was hatte Tai Matt erzählt?

„Ja. Matt hat wohl nicht wirklich was aus Tai rausbekommen. Nur, dass ihr euch gestritten habt und ich wollte einfach mal hören, ob es schlimm war, oder nicht.“

„Welcher Streit ist nicht schlimm?“, stellte Mimi die Gegenfrage und fuhr sich durch die Haare. „Es war schon nicht ohne, aber ihr müsst euch keine Sorgen machen. Ihr kennt doch Tai und mich. Wir streiten uns öfter mal, das ist kein Grund sich Sorgen um uns zu machen. Wir kriegen das schon wieder hin“, gab Mimi betont fröhlich wieder und ließ sich nicht anmerken wie es grade wirklich in ihr drin aussah.

„Bist du dir da sicher? Matt klang nicht so, als wäre es nur ein kleiner Streit gewesen“, zögerte Sora.

„Ich bin mir sicher, Sora. Macht euch mal keine Sorgen. Ich werde mit Tai reden und die Sache aus der Welt schaffen, okay? Ich muss jetzt auch auflegen. Ich wollte noch einkaufen gehen“, sagte sie. „Okay“, sagte Sora. „Aber meld dich, wenn was ist.“ „Mach ich!“, sagte Mimi, lachte und legte schnell auf bevor Sora noch etwas sagen konnte. Frustriert hielt sie das Telefon in den Händen und legte den Kopf in den Nacken.

Was sollte sie jetzt nur tun?
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