we are the greatest pretenders (in the cold morning light)

von angelfish
GeschichteAllgemein / P16 Slash
05.09.2016
05.09.2016
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we are the greatest pretenders (in the cold morning light)


spoiler warnung: wurde 2014 geschrieben, spoilert also nur bis 1x04.
charaktere: connor walsh, oliver hampton


IV

Du siehst Sam, der auf dem Teppich liegt, ganz starr. (Liegt, als ob er sich bloß ausruhen wollte, Du verziehst den Mund zu einem Grinsen, weil Du sonst  s c h r e i e n  würdest. Weil Sam Keating sich nicht eben hingelegt hat, weil er kein bißchen so aussieht, als würde er sich bloß ausruhen. Weil sein Herz lange aufgehört hat, zu schlagen, und trotzdem nichts das Entsetzen in seinen weit aufgerissenen Augen zum Verstummen bringt, das NeinNeinNeinBitteNicht und die Gewissheit, daß er sterben wird.)

Und Du erinnerst Dich – es ist absurd, aber Du denkst nicht an Annalise oder an Asher, der auf die Haustür einschlägt, »Ich weiß, daß ihr da drin seid.«, nicht an Michaela, die sich nicht beruhigen will und nicht an Wes und Laurel, die unheimlich still sind (Nehmen Sie sich vor Mr Gibbins und Miss Castillo in Acht, die Stillen sind immer am gefährlichsten.) - an diesen Kurs, den Du nur gewählt hattest, weil der Professor gutaussehend war (und so eindeutig für das Team gespielt hatte). Eine Einführungsveranstaltung, ein kleiner Streifzug durch Staatstheorien und pseudointellektuelles Gelaber, aber diese eine Sitzung hast Du nie ganz vergessen können.

Das Gesetz ist ein Konstrukt. Es ist Fiktion. Es ist So-Tun-Als-Ob. Und wie wütend Tammy (Tamsin? Tallullah?) Fairweather geworden war, Wollen Sie etwa behaupten, daß unsere Moral nicht mehr ist als ein Märchen? Wollen Sie behaupten, daß es richtig ist, jemanden umzubringen?

Ich will damit sagen, daß diese Gesetze einzig dem Zweck dienen, daß wir alle friedlich koexistieren. Sie sind diejenige, die sich anmaßen, zu wissen, ob das richtig ist. Sehen Sie, das Gesetz sind einfach Wörter, die jemand aufgeschrieben hat. Und wir tun so, als müssten wir uns daran halten. Wie an Spielregeln. Und wenn es zu einer Störung kommt, überprüfen Anwälte und Richter, wer gegen die Regeln verstoßen hat und raus ist.

Und obwohl Du nocht weißt, daß Du die Augen verdreht hast, über Tammy Fairweather und ihre quengelnde, hohe Stimme, begreifst Du allmählich, wogegen sie damals eigentlich protestiert hat.

(Er ist tot. Das ist kein Spiel.)


II

»Oh Gott.«
»Es tut mir leid.«

Da ist der Moment, in dem Du begreifst, daß er sich umbringen wird, und der Moment, in dem er sich rücklings aus dem Fenster fallen lässt, und Du weißt, daß Du diesen Blick nie vergessen wirst, Was habe ich noch zu verlieren?

Und irgendwo dazwischen ist ein Sprung in der Zeit, weil eine kleine Ewigkeit vergeht, aber Du trotzdem weißt, daß er sterben wird.

(Daß es unmöglich ist, ihn zu retten.)


V

Es ist, als würdest Du Deinen Körper verlassen. Du siehst diesen Jungen, der viel zu lange nicht geschlafen hat, völlig überreizt, wie er sich die Haare rauft und sich schließlich fallen lässt und sich – nur halb im Scherz – tot stellt, die Augen weit offen.

Seine Mundwinkel zucken und er grinst wieder und lacht tonlos und Du willst ihn schütteln und ihn anbrüllen: Reiß' Dich gefälligst zusammen.

Und wenn Du nicht wüsstest, daß Du es bist, hättest Du Mitleid. Weil die schubartigen Zornausbrüche und die dummen Scherze nur ein Versuch sind, damit umzugehen, daß Sam Keating tot ist.

Dieser Mann, dem Du irgendwann die Hand geschüttelt hast, und der Dich in seinem Haus ein- und ausgehen lassen hat, und dabei bestimmt keine Sekunde gedacht hat, daß Du eines Tages darüber nachdenken würdest, wie Du seinen toten, kalten Körper am besten loswirst.

Du wünschst Dir, daß es endlich vorbei ist (aber es wird nie wirklich vorbei sein, das hier ist für immer) und Du nach Hause gehen kannst.

(303303303. Weil Olivers Wohnung der einzige Ort in dieser Stadt ist, der sich nach Zuhause anfühlt.)

I

»Hör' auf, mich anzustarren.«, er lacht und weicht Deinem Blick aus.

Es ist ihm furchtbar peinlich, wenn es ihm doch einmal rausrutscht. Können wir nicht einmal etwas machen, das normale Paare tun? Er lacht dann nervös und kann Dir nicht in die Augen sehen und es gefällt Dir, auch wenn Du nicht weißt, was genau es ist.

Es ist ein Don't ask, don't tell-Abkommen. Er fragt nicht: »Sind wir?«, und Du sagst nicht: »Sind wir nicht.« (Seid ihr nicht. Wirklich.)

Es ist ein Hin-Und-Her. Keine Dates, weil ihr kein Paar seid.  Aber wenn die Woche vorbei ist, stehst Du vor seiner Tür, und obwohl es nur Take-Out ist, lässt er Dich rein und legt Dir eine Zahnbürste ins Badezimmer.

Er fragt nicht, ob es andere gibt, und Du sagst nicht, daß es niemals nur Den Einen geben wird. Das wisst ihr beide. (Du sprichst nicht mit Eroberungen über andere Eroberungen. Es ist nicht so, als hättest Du Angst, ihn damit zu verletzen. Ihr habt nie vereinbart, daß das hier exklusiv ist.)

Und ja, irgendwann wird das hier vorbei sein. Oliver wird sich einen netten Typen suchen, mit dem er zusammenziehen kann. (Einen, der nicht einmal halb so gut aussehen wird, wie Du.)

Das weißt Du. Und es ist okay. Wirklich.

III

Du redest und redest und redest und kannst nicht aufhören, weil Du sonst an Pax denken müsstest und daran, daß es einen Menschen gibt, den Du gevögelt hast, und der sich aus einem Hochhausfenster gestürzt hast.

Die Art Geschichte, über die nicht einmal Asher blöde Witze reißen würde.

Du wirst diesen Namen nie vergessen, Pax, Paxton Curtis, das scharf geschnittene Gesicht, das selbstsichere Lächeln, dieses verzweifelte Wimmern, Es tut mir leid. (Sein zerschmetterter Körper auf dem Asphalt.)

Du hast ihn ausgeliefert. Du hast nicht nachgedacht. Du hast das nicht gewollt, aber Du hast nicht nachgedacht. (Das ist kein Spiel. Du hast ihn ausgetrickst, Du hast ihn ausgeliefert, Du hast ihm keine andere Wahl gelassen.)

Ich weiß. Ich habe gerade mit einem ihrer Praktikanten gevögelt. Er hat...

Diese Stimme. Und für einen kurzen Moment hast Du den absurden Gedanken, daß er lebt. Daß das alles nur ein Alptraum war, nicht mehr, daß... Und dann verstehst Du.

Oliver hält den mp3-Player in der einen Hand, und wischt sich mit der anderen über die Augen. Du versuchst es mit Wir haben nie gesagt, daß das hier exklusiv ist, und Es hat nichts bedeutet, es war nur Sex, aber Du siehst, daß Du eine Grenze überschritten hast.

»Raus.«, sagt Oliver, und noch einmal, lauter, »Verschwinde.«

Er gibt sich keine Mühe, ruhig zu bleiben, seine Augen glänzen, und es tut Dir weh, wie offen er es zeigt, Ich bin verletzt, Connor, und es ist Deine Schuld.


VI

»Was willst Du hier?«
»Ich war in der Gegend.«
»Es ist sechs Uhr morgens.«

Du weißt selbst nicht, was Du Dir dabei gedacht hast. (Du hast überhaupt nicht gedacht.)

Vielleicht hast Du Dir gewünscht, daß es wenigstens einen Menschen gibt, der Dich in den Arm nehmen wird und Dir das Blut aus den Klamotten wäscht, und nein, Du erwartest nichts von Oliver, aber vielleicht hast Du gehofft, daß er dieser Mensch für Dich ist.

Dein Herz rast. Es ist vorbei. (Für jetzt. Aber im Ernst. Vor ein paar Stunden habt ihr eine Leiche in Dein Auto gepackt. Es wird nie wirklich vorbei sein.)

Und plötzlich fühlt es sich an, als hätte man über Stunden Deinen Kopf unter Wasser gehalten, und Du schnappst nach Luft und Du möchtest Dir die Haut von den Armen kratzen, weil Oliver im Schlafanzug und ohne Brille vor Dir steht, und Dir fest in die Augen sieht, Was willst Du hier?

(Du hast Michaela nach Hause gefahren, Wes, Laurel und Rebecca, und sie alle haben diesen Menschen, der ihnen sagt, daß alles wieder gut wird, obwohl er weiß, daß es nicht stimmt.)

(Dieser eine Mensch, der einem bleibt, wenn man denkt: Was habe ich noch zu verlieren?, und Du siehst wieder Pax, Es tut mir so leid., kurz bevor er sich rücklings aus dem Fenster gestürzt hat. Tja, Leute, und so sieht eine Sternschnuppe aus.)

Und endlich:
»Hast Du was genommen?«

Und er hockt sich neben Dich und berührt ganz sacht Deine Schulter.

Es ist kein Es ist okay. Und kein Es ist alles vergessen. Aber er ist ganz nah bei Dir, so nah, daß Du die Gänsehaut auf seinem Arm siehst, und sein Körper ist noch warm und weich vor Schlaf. Er lässt zu, daß Du Dich anlehnst.

Er muss nicht sagen, daß alles wieder gut wird. Das wird es nie. Aber die Nacht ist vorbei und es wird hell und Du bist hier.

(Zuhause.)




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