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Tout sera stratagème

von Asia Rose
OneshotAllgemein / P16 / MaleSlash
Mercutio Tybalt
05.09.2016
05.09.2016
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Liebe Leser...

Asche auf mein Haupt. Ich weiß, es ist viel zu viel Zeit vergangen. Ich hatte so große Versprechungen gemacht, und dann das hier. Wann habe ich das letzte Mal überhaupt was gepostet? Im Mai irgendwann. Und bei meinen Lieblingen hier ist es noch viel länger her! Schande über mich.
Jetzt habe ich es aber geschafft. Es ist zwar kein neues Werk, sondern eigentlich nur eine 'Deleted Scene' aus meinem Hauptwerk Masked. Aber, und jetzt kommt's...ich habe sie überarbeitet. Sie plumpste mir heute beim Aufräumen meiner Festplatte vor den Cursor, und ich habe sie mal genauer unter die Lupe genommen.
Ich bin inzwischen nicht mehr so überzeugt von meinem Großprojekt wie damals, als ich es geschrieben habe, also war der erste Einschnitt natürlich, dass die Sue weichen musste. Wem? Das werdet ihr sehen.

Und wenn euch irgendwas an diesem Setting irritieren solte, dann nehmt es einfach als gegeben hin. Diese Story steht mit rein gar nichts inhaltlich im Zusammenhang, inzwischen nicht mal mehr mit Masked. Und schon gar nicht mit unserem Sommernachtstraum. Denn an diesem Baby hier ist Shira nicht beteiligt, und ich würde mich niemals vermessen, unsere gemeinsamen Werke mit meinen zu vermischen.

Jetzt aber wünsche ich euch allen erdenklichen Spaß, den ich beim Schreiben auch hatte!
Liebste Grüße,
Eure Asia

PS: Weil ich diese Tradition so liebgewonnen habe...dieser OS ist jemandem gewidment. Meinem Lieblingsmontague Caligula! Das hast du dir nun wirklich verdient!


~*~*~

Mercutio rätselte immer noch, was ihn genau dazu getrieben hatte, sich in diese äußerst gefährliche Situation zu bringen. Sicherlich, er war es gewöhnt, mit dem Tod zu tanzen, auf hohen Mauern zu balancieren und selbst einen stinkwütenden Tybalt noch weiter zu provozieren.
Aber sich in die Höhle der Löwin begeben und ihr beim Streichen zu helfen? Und das alles nur, weil Benvolio ein verliebter Trottel war. Eigentlich war das doch Romeos Rolle!
Er knirschte mit den Zähnen, versuchte aber, sich nichts anmerken zu lassen. Geschweige denn, dass er seinen Blick zu oft zu dem blonden Kerl auf Nellas anderer Seite wandern ließ.

„So, bitteschön, hier stehen Pinsel und Farbe, hier hast du einen Lappen. Die ganze Wand hier muss tapeziert und dann gemalert werden, also tut euch keinen Zwang an.“ Nella grinste Mercutio breit an, denn sie hatte, kaum, dass sie die Lage vollständig erfasst hatte, damit begonnen, Pläne zu schmieden, um alles zu ihrem Vorteil auszunutzen.
Oder viel eher zu Tybalts Vorteil.
Sie selbst wollte ja nichts von Mercutio, was man von ihrem besten Freund nicht sagen konnte. Aber sie wusste, er würde sich nicht an den Verrückten herantrauen, wenn sie mit in der Wohnung war. Wenn sie nur wüsste, wo Benvolio blieb!

„Nella! Ich bin’s, Benvolio!“ Romeos Cousin klopfte an die Wohnungstür. Püntklich wie die Feuerwehr!
Lächelnd zog Nella sich das Tuch vom Kopf und schüttelte ihre Locken auf, was ihr noch viel mehr Ähnlichkeit mit einer Löwin verpasste, wie Mercutio fand.
Mit einer abschließenden ermahnenden Geste stapfte sie aus dem Zimmer, machte absichtlich ein wenig mehr Lärm beim Laufen, damit Ben sie hörte.
„Hallo, Katzenkönigin“, schnurrte Ben, als sie ihren roten Schopf durch den Türspalt nach draußen steckte.
„Alter Schmeichler. Also, bist du bereit, dich mit mir ins Abenteuer zu stürzen?“, fragte Nella.
„Mit dir jederzeit. Wohin soll es gehen?“
„In den Baumarkt. Ich brauche noch weiße Farbe, rote Highlights, muss den zugeschnittenen Teppich für den Flur abholen…na ja…und was man sonst noch alles so im Baumarkt tut…“, zählte sie grinsend auf, und Ben konnte nur mühsam das Schnurren zurückhalten. Wenn sie so flirtete, dann hatte sie auch selten etwas dagegen, später einen Zwischenstopp in seiner Bude einzulegen.
„Und Mercutio und Tybalt?“
„Die schuften hier brav und machen die Sklavenarbeit, wie es sich für die zwei größten Idioten von ganz Verona gehört!“
„Es ist deine Wohnung, und du willst eh rote Highlights an den Wänden. Ich glaube, wenn du de beiden hier alleine lässt, dass hast du die Dinger bald natürlicherweise“, unkte Ben. Obwohl Montague und Capulet einen unterschwelligen Frieden geschlossen hatten, nicht zuletzt dank Ben und Nella selbst, die einfach die Finger nicht voneinander lassen konnten, waren Mercutio und Tybalt sich immer noch spinnefeind. Die beiden allein in einem Raum zu lassen, noch dazu, wenn so etwas wie Tapeziermesser in Griffweite lagen, war eigentlich ein klares Todesurteil für einen der beiden.
„Die benehmen sich schon. Müssen sie. Wenn nicht, dann muss der Aggressor sich beim anderen entschuldigen“, erklärte Nella mit hintersinnigem Grinsen und winkte Ben in die Wohnung.
„Ja…mit Handschlag, Versöhnung und KUSS“, knurrte Tybalt angewidert, der wohl den letzten Satz von Nella gehört hatte.
„So schlimm ist es auch wieder nicht – benehmt euch einfach anständig…das heißt, übereinander herfallen dürft ihr natürlich schon, aber bitte nicht auf meinen neuen Möbeln.“
„Katze, du stehst auf gefährlich dünnem Eis!“, drohte Tybalt seiner besten Freundin knurrend. Die lachte, griff sich einen Stapel Klamotten und schloss sich damit im Bad ein. Tybalt war sehr sicher, dass er unter den Sachen auch eine anständige Hose gesehen hatte. Hoffentlich. Denn es passte ihm immer noch nicht, dass die Frau, die für ihn wie eine kleine Schwester war, jetzt mit diesem Hallodri ausging.

Mercutio beobachtete das Spektakel still, er winkte nur Ben und Nella nach, als sie die Wohnung unter weiteren Ermahnungen verließen.
Zufrieden hörte er die Wohnungstür ins Schloss fallen, schloss sie sicherheitshalber noch einmal ab, da er wusste, wie leicht die Türen in diesem Haus wieder aufschnappten, und wollte mit den Arbeiten beginnen, als er Schritte hinter sich hörte.
„Wunderbar, da Nella uns so schnöde allein gelassen hat, machen wir eben zu zweit weiter. Schau nicht so überrascht drein, Irrer. Ich mach das nicht, weil ich dich so liebe, sondern um hier fertig zu werden. Für Nella. Also, hopp! Die Wand dahinten wird tapeziert, mit dieser Mustertapete hier, und den Rest von der hier können wir ja zu zweit streichen. Wenn du also auf die Leiter steigen möchtest?“
„Wow, ich glaube, das war der längste zusammenhängende Text, den ich jemals aus deinem Mund gehört habe, Katzenprinz. Ich bin beeindruckt, dass du mehr kannst, als Befehle zu brüllen.“ Mercutio wäre nicht Mercutio, wenn er die Sticheleien hätte sein lassen können. Aber eine derart wunderbare Vorlage konnte er schlecht ungenutzt verstreichen lassen.
„Weißt du, Mercutio, du nervst. Und wenn du jetzt BITTE auf die Leiter steigen würdest?“ Tybalt überging den Spruch, ganz im Gegensatz zu sonst, wenn er wie ein tollwütiger Hund darauf ansprang. Offenbar war es ihm wirklich ernst mit dem, was er gesagt hatte.
„Okay.“ Mehr fiel Mercutio im Moment nicht ein. Entgegen seiner sonstigen Eloquenz war er geradezu sprachlos.
Achselzuckend band er sich ein Kopftuch um, griff nach dem Pinsel und stieg auf die Leiter, um die letzten paar Zentimeter Wand bis zur Zierleiste zu streichen. Nella hatte sich Weiß als Wandfarbe ausgesucht, mit roten Bordüren in Hüfthöhe. Dazu sollten die Möbel in verschiedenen roten Nuancen bezogen sein, jedenfalls die Stoffteile, doch Mercutio hatte sich vorgenommen, sie zu ärgern und ihr einen Satz wunderschöner, weicher…aquamarinblauer Sofakissen zu schenken. So als kleinen Kontrast.

Obwohl er seinen Feind unter sich wusste – er kicherte verhalten, als ihm die Zweideutigkeit des Gedankens bewusst wurde -, war Mercutio ruhig. Er wusste genau, wie impulsiv Tybalt war, aber er wusste auch, dass er und Nella sich sehr nahe standen und Tybalt die temperamentvolle Rothaarige als eine Art Schwester betrachtete.
Nella würde viel für Tybalt tun.
Was im Umkehrschluss bedeutete, dass Tybalt alles für Nella tun würde. Manchmal beneidete er Nella darum. Nicht um diese unbedingte Loyalität, denn wenn es darum ging, dann standen Ben und Romeo dem in nichts nach…einfach die Tatsache, dass es Tybalt war, der sich als Beschützer aufspielte, war es, die seine Eifersucht auf sich zog.
Selbst vor sich selbst gab Mercutio es nur zähneknirschend zu, aber…Tybalt war alles andere als unansehnlich. Genau genommen sah er sogar sehr gut aus. Und wenn man über ein paar kleine Details großzügig hinwegsah – zum Beispiel, dass er ziemlich straight, sehr Capulet und selten sehr kooperativ war – dann wäre er der perfekte Mann für Mercutio gewesen.
Allerdings…das machte es doch gerade so spannend!
Aber - er würde es sich nicht entgehen lassen, den Katzenprinzen ein bisschen zu ärgern. Fürs Erste… er musste daran denken, dass er auf einer wackeligen, alten Holzleiter stand, die nur von Tybalt gehalten wurde. Würde der in Rage loslassen, so würde Mercutio eventuell von der Leiter fallen und sich etwas tun.
Daher unterließ er es, mehr zu tun, als fröhlich eine Melodie zu pfeifen, während er den Rest der Wand strich.
Immer wieder tunkte er den Pinsel in die weiße Farbe, ließ ihn leicht abtropfen und trug die zähflüssige Pampe dann auf der Wand auf. Um in die hinterste Ecke zu gelangen, musste er sich weit vorbeugen, und dabei passierte das, was er gefürchtet hatte. Um sich abzustützen, legte er die linke Hand auf die oberste Sprosse der Leiter, wo auch der Eimer mit der Farbe stand. Und natürlich, wie sollte es anders sein, langte er genau hinein.

PLATSCH!
„Igitt!“ Im Reflex riss Mercutio die Hand zurück, was nur den Effekt hatte, dass die tropfende Farbe durch die Gegend spritzte und auf seinem Gesicht, dem Hemd und in seinen Haaren landete. Zwar schützte das Kopftuch ihn vor dem Gröbsten, aber einiges von der Farbe war in die widerspenstigen Locken getropft.
„Ekelhaft! Oh, ist das widerlich!“
„Komm runter da und wasch das Zeug aus, nicht, dass es in deinen Haaren eintrocknet und du sie dir abschneiden musst.“
„Jaja, spotte du nur, dich trifft es ja nicht!“, giftete Mercutio im Absteigen. Kaum stand er mit beiden Füßen sicher auf dem Boden und war nicht mehr davon abhängig, dass Tybalt ihn festhielt, rächte er sich für dessen Spott. Mit einer schnellen Bewegung schubste er ihn von sich – er stand eh viel zu nahe bei ihm - und marschierte vorbei ins Bad.

Ein lautes Rumpeln und Fluchen begleitete Tybalts Abgang. Mercutio bekam davon nichts mehr mit, er kicherte nur bei dem Gedanken daran, dass er sich gerächt hatte. Endlich. Er war schon im Bad angelangt, hatte sich das Hemd ausgezogen und das Tuch vom Kopf genommen, um sich die Haare zu waschen, da merkte er, dass jemand hinter ihm stand.
Tybalt hatte sich leise an ihn angeschlichen, allerdings nicht mit böser Absicht. Eher, weil er ziemlich sauer war. Zumindest sah er so aus, was aber nur zu verständlich war. Mercutios Blick glitt am Körper seines Feindes hinab und er erkannte, warum Tybalt so wütend war.
Offensichtlich hatte er ihn bei der kleinen Racheaktion vorhin unbeabsichtigterweise mit Schwung in die Wanne mit bereits fertig angerührtem Tapetenkleister geschubst, der hinter ihnen gestanden hatte.
Aber statt dass Tybalt ihn anbrüllte oder handgreiflich wurde, beschränkte er sich darauf, ihn mit Blicken abzuschießen. Mit ruckartigen Bewegungen, die seine Wut verrieten, begann er, sich das eingekleisterte Hemd auszuziehen.

„Warte mal, was hast du vor?“
„Mich duschen, wie du siehst. Dank deiner Initiative ist mein Hemd und auch ein Teil meiner Haut voll von Tapetenkleister, und wie du vielleicht weißt, ist das Zeug alles andere als gesundheitsfördernd. Stell also keine dummen Fragen, sondern lass mich.“
„Und was soll ich derweil machen?“ Mercutio zeigte fast panisch auf seine Haare.
„Wasch sie dir eben über dem Waschbecken. Oder komm von mir aus mit unter die Dusche.“ Tybalt zog sich in der Sekunde das Hemd über den Kopf, wodurch Mercutio seinen Gesichtsausdruck nicht sehen konnte - er hoffte durchaus, dass der Irre dieses Angebot annahm. Näher würde er ihm wohl niemals kommen können, daher sollte er wohl nehmen, was er bekommen konnte.
Tybalt war mehr als glücklich, dass Mercutio seine Gedanken nicht hören konnte. Der läge bestimmt lachend am Boden - oder würde schreiend vor ihm flüchten, und Tybalt war sich absolut nicht sicher, welche Alternative die schlimmere wäre.

Er hätte ja mit wirklich allem gerechnet, vor allem nach Mercutios skeptischem Gesichtsausdruck, aber nicht damit, dass er seiner Aufforderung wirklich folgte. Doch kaum, dass Tybalt mit dem Rücken zu ihm unter dem warmen Wasserstrahl stand und sich von dem Kleister zu befreien versuchte, spürte er einen zweiten Körper hinter sich. Dank eines kleinen, nichtbeschlagenden Spiegels in der Kabine konnte er genau erkennen, dass Mercutio tatsächlich nackt war, seine Klamotten lagen in einem unordentlichen Haufen zusammengeknüllt auf dem Boden.
Eine leise, hoffnungsvolle Stimme in seinem Inneren meldete sich zu Wort und verkündete, dass dies doch allesamt gute Zeichen seien. Er solle die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Mercutio ihm nicht ganz abgeneigt war.
Oh, wie gerne hätte er dieser Stimme Glauben geschenkt, aber…sie war nur Einbildung, das wusste er genau. Dass Mercutio mit ihm unter der Dusche stand, war zwar eine glückliche Fügung, aber Tybalt schob es darauf, dass es ihn vielleicht einfach nicht kümmerte, mit wem er duschte, solange er nur diese widerspenstige Farbe aus den Haaren bekam.
Glücklicherweise war das Zeug noch nicht eingetrocknet gewesen, denn sonst hätte Mercutio sich die Haare wohl wirklich abschneiden müssen, aber so ließ sich die schmierige Substanz gut auswaschen.

Tybalt erwartete beinahe, dass Mercutio ihn während der unvorhergesehenen Pause wieder piesacken oder beleidigen würde, wie er es sonst in jeder freien Minute zu tun pflegte, doch es kam kein Wort über die schmalen Lippen. Vielmehr waren sie fest zusammengepresst, als müsste er sich einen Kommentar verkneifen.
Ebenfalls völlig entgegen seiner Erwartungen blieb Mercutio noch unter dem prasselnden Strahl stehen, obwohl die Farbe längst weg war. Er rührte sich nicht, stand einfach nur da und betrachtete mit gesenktem Blick etwas, das Tybalt aufgrund des Winkels, in dem der Spiegel eingestellt war, nicht sehen konnte.
Er ignorierte sämtliche Gedanken, die ihn regelrecht ansprangen (bestimmt verfolgte Mercutio nur das Wasser, das in Strudeln über das Porzellan der Duschwanne lief und im Abfluss verschwand - wer wusste schon, was in diesem hübschen, verdrehten Köpfchen vor sich ging?), und versuchte einfach, den Rest Kleister wegzuwaschen. Doch etliches davon war durch sein Hemd gesickert und klebte nun so auf seinem Rücken, dass er mit beiden Händen nicht vernünftig heranreichte.

„Ah, nun gib den Waschlappen schon her, Katzenprinz, das ist ja nicht mit anzusehen!“, riss Mercutio ihn aus seinen Gedanken. Er schnappte ihm den Lappen weg und fuhr selbst hinein, begann, mit dem gründlich eingeseiften Stück Stoff langsam und kontrolliert Tybalts Rücken entlangzufahren.
Der ließ es sich gefallen, wie vorsichtig und sanft Mercutio vorging, so ganz anders, als Tybalt es sich immer vorgestellt hatte. Es war weniger ein Waschen als vielmehr eine richtige Massage, die er ihm da verabreichte. Und er widmete sich dem ganzen Rücken, von den Schulterblättern bis zum Ansatz seines Hinterteils, fuhr über die angespannten Muskeln und über seine Seiten. Tybalt holte zischend Luft, hoffte, Mercutio habe es nicht mitbekommen. Was natürlich nicht der Fall war. Mit nun gezielten Bewegungen ließ Mercutio seine Finger über die empfindlichen Stellen spielen - den Waschlappen hatte er längst weggelegt.
Das bemerkte Tybalt schon gar nicht mehr, er biss nur noch die Zähne zusammen und stützte sich mit den Fäusten an der Wand ab. Schlimm genug, dass Mercutio seine Schwachstelle entdeckt hatte, solange er nicht bemerkte, was er damit bei seinem Erzfeind auslöste, war es Tybalt fast egal. Denn sein Blut hatte beschlossen, es werde in südlicheren Körperregionen dringender gebraucht als im Kopf, und sammelte sich unaufhaltsam in seiner Lendengegend. Was hatte er nur getan, damit er mit dieser Situation gestraft wurde? Einerseits war es unglaublich erregend, den Mann, in den er sich verliebt hatte, so dicht (und vor allem völlig nackt) hinter ihm zu wissen, aber auf der anderen Seite…dieser Mann war verdammt noch mal sein Erzfeind und deswegen sollte und durfte er auf keinen Fall wissen, was in ihm vorging.
Was zur Hölle sollte er tun? Er konnte sich ja noch nicht einmal umdrehen, um Mercutio in die Augen zu sehen, denn dann würde der unweigerlich bemerken, wie es um Tybalt stand. Nur mühsam hielt er sich davon ab, mit der Faust gegen die Fliesen zu schlagen, er ballte sie einfach fester, so fest, dass sich seine kurzgeschnittenen Nägel in die Haut bohrten.
Beiläufig warf er einen Blick in den Spiegel - und wünschte sich, es nicht getan zu haben. In den grünen Augen des Verrückten blitzte es teuflisch auf.
In dieser Sekunde wurde es Tybalt bewusst. Mercutio hatte schon längst bemerkt, wie es um Tybalt stand. Er wartete förmlich nur darauf, dass der Katzenprinz sich ergab.

„Wie lange willst du noch warten?“, schienen diese Augen zu fragen - und Tybalt wurde erst mit einigen Sekunden Verzögerung bewusst, dass Mercutio ihn das wirklich gefragt hatte. Er wusste nicht, was er antworten sollte, denn diese Nähe, die zwischen ihnen herrschte, machte ihn wahnsinnig. Es war…schwer zu beschreiben. Vor allem, als Mercutio noch einen winzigen Schritt nach vorne tat, sodass sich ihre Körper berührten. Tybalt spürte, dass dieser Kontakt offenbar auch Mercutio nicht kaltließ. Aber…war das nun einfach nur eine körperliche Reaktion oder stand etwas mehr dahinter? Gefühle, womöglich? Und wenn ja, welche?
„Ich werde wohl keine Antwort bekommen, hm? Na fein, dann werde ich wohl einfach die Initiative übernehmen, Katzenprinz“, raunte Mercutio, dicht an seinem Ohr, ließ seine Hand sachte über Tybalts Haut wandern, malte winzige Muster - und schloss die Faust um Tybalts bestes Stück.
Er zischte leise auf; die Berührung kam nicht gänzlich unerwartet, aber doch überraschend. Und sie erzeugte ein intensives Gefühl von Intimität, die Tybalt in dem Maße selten erfahren hatte. Er konnte sich nicht erinnern, dass er jemals mit einer seiner Bettpartnerinnen etwas Vergleichbares erlebt hat. Sicher, unbefriedigt war nie einer von ihnen beiden geblieben, aber das hier war anders. Vielleicht lag es auch an der Premiere; für gewöhnlich verband Tybalt das Badezimmer nicht unbedingt mit Sex…und worauf auch immer das hier hinauslaufen mochte, es wäre das erste Mal mit einem Mann.
Unterdessen bewegte Mercutio seine Hand auf und ab, hatte inzwischen einen Rhythmus gefunden, der Tybalt fast um den Verstand brachte, denn er zwang ihn regelrecht an den Rand einer Klippe, hielt ihn aber immer wieder zurück, nur Sekundenbruchteile, ehe er fiel.
„Ha…“
„Willst du mir etwas sagen, Kätzchen?“, flüsterte Mercutio leise.
„N-nein…ah! Das…“
„Na, du bist aber sehr redegewandt heute, hm? Ich glaube, ich weiß, was du mir sagen willst. Aber bevor ich das tue…muss ich etwas klarstellen.“ Die Bewegungen hörten für einen Moment auf, die Stimme zitterte leicht. „Du magst ja glauben, was du willst, aber…ich hasse dich nicht, Tybalt. Ich weiß jetzt, was passiert ist, damals. Das solltest du im Hinterkopf behalten“, murmelte er, dann nahm er die Auf-und-Ab-Bewegungen wieder auf, diesmal machte er nicht an dieser Stelle Halt, sondern stieß Tybalt über die Klippe.

Sie duschten sich gründlich ab (nach Tybalt war auch Mercutio gekommen, denn allein dieser Anblick hatte ihn an die Grenze getrieben, und plötzlich war da Tybalts Hand gewesen, die nachgeholfen hatte) und traten aus der Dusche, sorgsam darauf achtend, dass sie keinerlei Spuren hinterließen. Schweigend trockneten sie sich ab und schlüpften in ihre Hosen. Tatsächlich hatte Mercutio beide Hemden eingeweicht, aber der Leim und die Farbe waren noch nicht ganz raus gewaschen, daher beschlossen sie, fürs erste mit bloßem Oberkörper zu arbeiten. Jetzt war es ja auch egal, es gab nichts, was der jeweils Andere nicht schon gesehen hätte.
Bevor sie aber das Badezimmer verließen, griff Tybalt nach Mercutios Handgelenk und hielt ihn fest: „Warte. Ich…wollte dir nur etwas sagen, dass ich…dich nicht hasse. Ganz im Gegenteil. Aber glaub, was du willst…und im Übrigen - nenn mich nie wieder Kätzchen, haben wir uns da verstanden?“
Mercutio nickte nur. Zwischen ihnen hatte sich etwas verändert. Aber er konnte nicht benennen, was genau es war. Aber er fasste es als eindeutigen Triumph auf. Immerhin, wer außer ihm konnte den Katzenprinzen von Verona auf solche Abwege locken?

~*~*~

PPS: Und weil's so schön ist...vom Ende gleich noch mal. Der Titel ist einer Musical-Perle entlehnt, die man sich durchaus mal anschauen sollte: Tout sera stratagème aus Cleopatre - La Dernière Reine d'Egypte, auch wenn ich erst auf das Lied gestoßen bin, als der OS schon stand. Insofern ist es eigentlich nur ein lustiger Zufall und sehr passend...
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