... das hat sich irgendwie so entwickelt

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Die deutsche Nationalmannschaft
03.09.2016
04.06.2017
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Hey, ich bin wieder zurück! Schneller, als ich gedacht habe, wie ungewöhnlich für mich ;)

In dieser Geschichte geht es wieder um Marc & Bernd. Ich werde es wie eine Fortsetzung zu „Man kann sich wohl tatsächlich nicht aussuchen, wen man liebt“ schreiben, aber ich glaube, dass man sich auch auskennt, wenn man die nicht gelesen hat. Aber besser wäre es auf jeden Fall, die zuerst zu lesen. Außerdem werde ich immer schreiben, wenn sie im echten Leben etwas miteinander zu tun haben, also wahrscheinlich nur für Länderspiele. Dann gibt es immer so viele Kapitel, wie ich inspiriert bin. Das heißt aber auch, dass diese Geschichte sich jetzt über Monate oder Jahre erstrecken kann, weil ich nicht jedes Mal etwas Neues anfangen möchte. Ich hoffe, das schreckt jetzt niemanden ab ;)

So, jetzt aber viel Spaß beim ersten Kapitel (des 2. Teils?)!















Marc hatte es gewusst, noch bevor er den Blick des Team-Arztes gesehen hatte, noch bevor der seinen Mund aufgemacht hatte, um ihm die bittere Nachricht zu vermitteln. Es war keine schwere Verletzung, nichts wirklich ernstes, aber es reichte, um Marc in Verzweiflung zu stürzen. Eine Pause von 2-3 Wochen konnte er sich jetzt gerade gar nicht leisten. Nicht jetzt, ein paar Wochen vor Ende der Transferphase, wenn doch nicht Bravo und er beide in Barcelona bleiben konnten. Und wer würde den verletzten Torhüter behalten und zur Nummer 1 machen? Ganz sicher nicht der FC Barcelona. Verkaufen konnten sie ihn jetzt auch schlecht, er konnte ja nicht mal einen vollständigen Medizincheck machen. Ihm stand also eine weitere Saison als Teilzeit-Torhüter bevor. Na super!

Doch das war nicht mal das Schlimmste. Das wahre Problem war, dass er wahrscheinlich auch das Testspiel und den Anfang der WM-Qualifikation mit dem DFB verpassen würde. Und das nicht nur, weil das seine Chance für regelmäßige Nominierungen bis zur WM senken würde, sondern auch wegen Bernd.

Wäre er nicht so verzweifelt, hätte Marc gelacht. Früher wäre es seine größte Sorge gewesen, dass Bernd sich einen Vorteil erspielen könnte, wenn er ohne Marc nominiert wurde. Heute wollte er ihn einfach wiedersehen.

Die EM war schon einen Monat her und seitdem hatten sie sich natürlich nicht gesehen. Nicht nur das, sie hatten überhaupt nicht miteinander kommuniziert. Keine Anrufe, keine Nachrichten, nichts. Es war, als wären all die Sachen während der EM gar nicht passiert, als wäre alles wie früher, als sie einander noch ignoriert hatten. Aber wirklich vorwerfen konnte Marc es Bernd nicht, dass er ihm nicht geschrieben hatte, schließlich hatte er sich selbst auch nicht beim anderen gemeldet. Der Grund dafür war fast schon lächerlich, aber Marc wusste einfach nicht, was er ihm schreiben sollte. Sie waren noch nie wirklich Freunde gewesen und auch jetzt waren sie einander trotz dem Ende ihres Kleinkrieges auch nicht so nahe, dass sie sich auch WhatsApp private Nachrichten schreiben würden, außerhalb der DFB-Gruppe. Was irgendwie ironisch war, da sie einander ja viel näher gekommen waren, als allen anderen Leuten mit denen sie in Kontakt waren. Aber irgendwie konnte Marc wegen seinem eigenen Zögern verstehen, wieso Bernd sich nie bei ihm gemeldet hatte.

Das einzige, was Marc von Bernd mitgekriegt hatte, war das, was er in seinen sozialen Netzwerken gepostet hatte. Urlaubsbilder mit seiner Freundin aus Kalifornien, die in Marc ein komisches Gefühl ausgelöst hatten. Fast wie Eifersucht, aber das war ja lächerlich. Er wollte ja nicht selbst mit Bernd auf Urlaub fahren. Sie waren kein Paar, Bernd konnte mit seiner Freundin also machen, was er wollte. Marc war schließlich auch mit Dani in New York gewesen und hatte kein schlechtes Gewissen gehabt. Nun, vielleicht ein kleines bisschen. Genau das hatte ihn auch verunsichert, denn wieso sollte er ein schlechtes Gewissen haben, wenn er mit seiner langjährigen Freundin einen wohlverdienten, romantischen Urlaub machte? Dieses Denken musste er ausschalten, bevor es wirklich Einfluss auf seine Beziehung nahm. Wahrscheinlich war die Sache mit Bernd einfach noch zu neu und ungewohnt, sodass er sie noch nicht perfekt von seiner Beziehung trennen konnte. Ja, das war es wohl. Mit der Zeit würde sich Normalität einstellen und er würde die Zeit mit Dani wieder ohne Gedanken an Bernd genießen können.

Eigentlich wäre jetzt der perfekte Moment um Bernd zu schreiben. Ihm von seiner Verletzung erzählen und davon, dass er nur mit viel Glück beim nächsten Zusammentreffen der Nationalmannschaft dabei sein könnte. Dass er sich wahnsinnig ärgerte, weil er ihn gerne wiedergesehen hätte.

Nein, das letzte nicht. Aber alles andere…

Trotzdem konnte Marc sich nicht dazu motivieren, Bernd tatsächlich zu schreiben. Auf eine seltsame Art und Weise passte das in ihr altes Konkurrenzdenken. Er wollte nicht verlieren, indem er der erste war, der die Funkstille zwischen ihnen beendete. Eine – objektiv betrachtet – idiotische Sichtweise, aber für Marc machte es Sinn.



Zum Glück war Marc der Sture von ihnen beiden. Am Tag nach der Diagnose kam er vom Physiotherapeuten nach Hause. Dort hatte er sich fürchterlich gelangweilt, weil er sein Handy zu Hause vergessen hatte und sich nicht irgendwie ablenken hatte können. Als er daher, kaum dass er nach Hause kam, wieder auf sein Handy schaute, wunderte es ihn nicht, dass er einige neue Nachrichten hatte. Er rief sie auf, während er sich mit seinem iPhone in der Hand auf das Sofa fallen ließ. Ivan, seine Mutter, Rafinha, Bernd, sein alter Kumpel Tobias… warte… WAS?

Geschockt starrte Marc auf das Display. Er musste sich verlesen haben. Es konnte ja nicht sein, dass Bernd ihm jetzt, nach wochenlanger Funkstille, doch geschrieben hatte. Aber da stand tatsächlich Bernds Name, direkt unter dem von Rafinha, und daneben dieses grüne Symbol, das anzeigte, dass er eine neue Nachricht von ihm hatte.

Marcs Finger zitterten, als er den Chat mit Bernd öffnete, wofür er seinen Körper sofort verfluchte. Es war nur Bernd, nichts Besonderes, redete er sich ein, aber es half nichts. Er war tatsächlich nervös und wahnsinnig gespannt, was die Nachricht zu sagen hatte.

Es war simpel, nichts, was unter Freunden ungewöhnlich war, aber genau deswegen war es so ungewöhnlich. >>Ich hab gehört, dass du dich verletzt hast. Alles okay bei dir? Ich hoffe, du bist bald wieder fit und wir sehen uns in ein paar Wochen in Gladbach ;-)<<

Marc atmete erleichtert aus. Es war ihm gar nicht bewusst gewesen, dass er vor Spannung sogar den Atem angehalten hatte. Langsam wurde es echt lächerlich. Sein Körper sollte nicht so stark auf eine simple Nachricht von Bernd reagieren.

Er wollte ihn also ebenfalls wiedersehen. Marc war nicht der einzige, der bei seiner Verletzung sofort an den anderen gedacht hatte. Sein Herz klopfte ein wenig schneller. Bernd fragte ihn, ob alles okay war, als würde er sich wirklich Gedanken um ihn machen, als wäre es nicht nur eine Floskel, als würde ihn die Antwort tatsächlich interessieren.

Für einen Moment war er einfach nur glücklich. Und dann setzte die Unsicherheit wieder ein. Sollte er ihm jetzt zurückschreiben? Ja, wahrscheinlich, natürlich, aber… WAS sollte er antworten? >>Ich vermisse dich auch<< Nein, ganz sicher nicht.

Nervös tippte Marc Antworten wie >>Alles okay. Nein, so schlimm ist die Verletzung nicht…<< und verwarf sie sofort wieder. Das war alles doof. Bernd würde denken, dass er ihm egal war, dass es Marc lästig war, dass er sich gemeldet hatte, oder sonst etwas. Aber gar nicht zurückschreiben war auch keine Option.

„Seit wann schreibst du mit Bernd Leno?“, hörte er auf einmal eine Stimme hinter sich. Erschrocken zuckte er zusammen und ließ fast sein Handy fallen. Er hatte Dani überhaupt nicht kommen gehört. Hoffentlich stand sie nicht schon lange hinter ihm und hatte seine armseligen Versuche einer Nachricht an Bernd gesehen, oder dass er überhaupt damit Probleme hatte, ihm zurückzuschreiben. Reflexartig steckte er das Handy in seine Hosentasche, sodass sie nichts mehr sehen konnte. Seine Handflächen wurden feucht.

„Ich hab dich gar nicht nach Hause kommen gehört. Wie war’s an der Uni?“, versuchte er das Thema zu wechseln. Gerade erst hatte er beschlossen, die Themen Bernd und Dani besser zu trennen, und jetzt wollte seine Freundin auf einmal etwas über ihn und Bernd wissen. Das war so gar nicht in Marcs Interesse. Also musste er diese Konversation so gut wie möglich meiden. Dani durchschaute ihn aber: „Langweilige Vorlesung, aber lenk nicht vom Thema ab. Ich dachte, du und Bernd, ihr ignoriert einander immer. Und auf einmal schickt er dir aufmunternde Nachrichten. Das ist doch seltsam, oder? Verschweigst du mir da etwas?“

„Sie weiß es“, war der erste Gedanke, den Marc hatte, „Sie weiß es und jetzt verlässt sie mich und erzählt alles der Presse.“ Er sah sie mit starrem Blick an, unfähig, irgendetwas zu sagen.

Dani sah ihn mit hochgezogener Augenbraue fragend an, aber es kam keine Antwort. Marc wusste wirklich nicht, was er sagen sollte. Sein Gehirn war wie leer gefegt. Das von Dani offenbar aber nicht: „Ich meine… habt ihr euch bei der EM angefreundet? Und wieso hast du mir das nicht erzählt? Immerhin hab ich mir jahrelang deine Lästereien über ihn angehört. Und dann verschweigst du mir, dass ihr euch jetzt sogar auf WhatsApp schreibt?“

Marc hätte sie am liebsten umarmt, so erleichtert war er. Sie wusste es doch nicht! Sie fand es nur eigenartig, dass er jetzt offensichtlich mit Bernd befreundet war und ihr davon nichts erzählt hatte. Logisch. Wenn er sich während der EM einfach nur mit Bernd angefreundet hätte, hätte er es Dani sofort nach ihrem ersten richtigen Gespräch erzählt. Hatte er aber nicht. Denn sogar schon bei seinem ersten Gespräch mit Bernd hatte er eine seltsame Spannung gefühlt, die ihn davon abgehalten hatte. Vielleicht hätte er damals schon merken müssen, dass das nicht normal war. Er hatte es einfach als Relikt ihrer ehemaligen Feindschaft abgetan und nicht erkannt, was es wirklich war: sexuelle Anziehung. Unterbewusst wahrscheinlich aber schon, denn sonst hätte er Dani sofort erzählt, dass er gerade ganz zivilisiert mit Bernd Leno geredet hatte, wie als wären sie Freunde.

„Ja, wir… das hat sich irgendwie so entwickelt“, meinte Marc betont lässig. „Wir können miteinander reden und gehen normal miteinander um. Freunde sind wir nicht wirklich. Es hat mich selber überrascht, dass er mir geschrieben hat. Ich weiß auch nicht wirklich, was ich zurückschreiben soll.“ Gute Lügen blieben so nah wie möglich an der Wahrheit, also tat Marc genau das. Das meiste stimmte ja auch und etwas zu verschweigen war ja nicht wirklich lügen, oder?

Dani schien ihm jedenfalls zu glauben. Sie lachte: „Ja, das hab ich gemerkt. Ich bin dann mal duschen, während du deinem neuen Kumpel schreibst.“ Noch immer lächelnd küsste sie Marc auf die Wange und verschwand Richtung Bad. Kaum war sie weg, holte Marc sein Handy wieder raus und öffnete erneut den Chat mit Bernd.

>>Mir geht’s ganz gut, es wird schon wieder. Keine Sorge, wir sehen uns bald wieder. So schnell wirst du mich nicht los ;)<<, tippte er und drückte auf Senden, bevor er es sich wieder anders überlegen konnte. Dann lächelte er. Genau das hatte er als Motivation gebraucht. Er würde so schnell wie möglich wieder fit sein und kämpfen. Um die Nummer 1 in Barcelona, gegen Bravo, und um den Platz im WM-Quali-Kader, mit Bernd. Sie würden sich schon bald wiedersehen.
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