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Doch noch ein Happy End?

von ME2016
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Karin Noske Stefan Vollmer
02.09.2016
02.09.2016
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Gedankenverloren saß Karin in der schriftlichen Matheabiturprüfung. Sie hatte sich zwar Arbeiten mitgenommen, um diese zu kontrollieren, aber sie konnte sich nicht darauf konzentrieren. Alles was sie noch so vorhatte, schwirrte ihr im Kopf herum. Ihr Blick wanderte zum Fenster. Von draußen hörte man gedämpft die Sirene eines Krankenwagens, aber Karin machte sich darum keine weiteren Gedanken. Ihr schwirrte außerdem noch im Kopf herum, wie sie geglaubt hatte, dass der Antrag von Stefan gewesen sein könnte. Natürlich wäre es etwas plötzlich gekommen, aber gefreut hätte sie sich dennoch, dass er sich so etwas Ungewöhnliches überlegt haben könnte.

Karin hing so sehr ihren Gedanken nach, dass sie das leise Klopfen an der Tür nicht hörte. Plötzlich ging die Tür auf und Barbara stand im Türrahmen.
„Karin!“ sagte sie gedämpft.
„Barbara du bist erst in der 4. Stunde dran.“ Meinte Karin lediglich.
„Karin es ist wichtig. Komm bitte…“ sagte sie. Sie schien wirklich verzweifelt.
„Ich kann nicht… die Prüfung…“ widersprach sie.
„Stefan braucht dich… dringend…“ sagte sie mit noch mehr Nachdruck. Karin wurde zwar hellhörig, konnte sich aber nicht vorstellen, dass es wirklich sehr dringend war. Bei Stefan war immerhin immer irgendetwas, was schief ging.
„Was hat er denn nun verbrochen?“ fragte Karin deshalb. Barbara schien kurz davor zu stehen, innerlich zu explodieren.
„Verdammt Blondie er liegt unten im Krankenwagen und braucht dich!“ Karin starrte Barbara an. Ihr Mund stand einen Spalt breit offen und sie wartete anscheinend darauf, dass Barbara ihr verriet, dass das alles nur ein Scherz war. Nach mehreren Sekunden merkte Karin, dass Barbara keine Scherze machte. Schnell schnappte sie sich ihre Tasche und ihre restlichen Sachen und sprang auf. Barbara hielt ihr die Tür auf, damit sie raus laufen konnte.

Auf dem Schulhof stand tatsächlich noch der Krankenwagen, umringt von Schülern des G-Kurses.
„Geht zurück in die Schule, bitte!“ rief sie. Die Schüler stellten ihr Murmeln ein und verzogen sich tatsächlich zum Schulgebäude. Karin ging derweil zum Krankenwagen und spähte vorsichtig herein.
„Kann ich Ihnen auch helfen?“ fragte der Sanitäter. Karin sah ihn etwas ratlos an, während sie aus dem Augenwinkel Stefans braunen Haarschopf erkannte.
„Ähm.. ich… ich wollte fragen, ob ich mit kann. Herr Vollmer der… der ist mein… Verlobter.“ Sagte sie. Der Sanitäter lächelte.
„Keine Sorge. Momentan ist er stabil, aber das Auto hat ihn von der Seite erwischt. Wir können nicht ausschließen, dass er Rippenbrüche oder schlimmere Frakturen erlitten hat.“ Erklärte der Sanitäter. Er machte Platz, sodass Karin einsteigen konnte und sich auf den Platz neben Stefan setzen konnte. Sein Anblick trieb ihr ungewollt die Tränen in die Augen. Er war bewusstlos oder in Narkose und hatte offene Wunden an Armen, Beinen, Kopf und Oberkörper. Der Rettungsassistent schloss die Tür, sodass nur der Sanitäter und sie bei Stefan zurück blieben.

Der Krankenwagen setzte sich ruckelnd und mit Sirene und Blaulicht in Bewegung. Langsam und vorsichtig schob Karin ihre Hand in Stefans. Auf seinem Handrücken waren Kratzer und der Rettungsassistent hatte ihm einen Zugang gelegt, aber das versuchte sie zu ignorieren. Ihr war nur wichtig, die Wärme seiner Hand in ihrer zu spüren, während sie ihm mit der freien Hand durch die Haare strich, welche etwas vom Blut verklebt waren.
„Stefan… was machst du nur…“ flüsterte sie. Der Sanitäter sah sie mitleidig an.
„Wann wird denn geheiratet?“ fragte er.
„Das… das steht noch nicht fest.“ Antwortete sie leise.
„Keine Sorge… bis dahin haben wir ihn wieder fit.“ Der Sanitäter wand sich wieder seien technischen Geräten zu, von denen Karin keine Ahnung hatte. Sie strich Stefan derweil weiter durch die Haare.

Im Krankenhaus angekommen brachte man Stefan sofort in die Notaufnahme, wo man ihn von Karin trennte. Sie musste im Flur bleiben und warten. Nervös lief sie im Gang auf und ab, während ihre Tasche auf einem der Wartestühle lag. Sie hasste das Warten. Die Ungewissheit, ob es ihm wirklich gut ging. Plötzlich ging die Tür des Behandlungsraumes auf und man schob Stefan heraus. Ein Arzt ging Stefans Liege mit einem Klemmbrett in den Händen hinterher.
„Entschuldigung!“ sprach Karin den Arzt an. „Was ist mit meinem Verlobten?“ fragte sie weiter.
„Seine Werte sind etwas zu schlecht. Wir machen sicherheitshalber ein CT und dann noch nen Röntgen. Vielleicht sind es auch nur vorrübergehende Werte, die nicht zwangsweise auf innere Blutungen schließen lassen. Nach dem CT werden wir mehr wissen.“ Und dann war der Arzt verschwunden. Karin blieb mit einem beißenden Gefühl im Magen zurück.

Der Nachmittag zog sich, bis endlich eine Schwester in der Notaufnahme auftauchte und sich neben Karin sinken ließ, welche mit dem Gesicht in den Händen auf einem Stuhl saß. Die Schwester legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter.
„Ich nehme an, dass sie die Verlobte von Herrn Vollmer sind.“ Sagte sie. Karin hob den Blick und nickte zögerlich.
„Er wurde auf ein Stationszimmer verlegt. Die Ärzte konnten keine inneren Blutungen feststellen, ein gutes Zeichen.“ Sagte sie. Karin atmete tief aus.
„Was ist denn mit ihm? Kann ich ihn sehen?“ fragte sie hoffnungsvoll.
„Die Ärzte konnten nur eine Bänder Dehnung im Knie feststellen und… naja… ein paar Rippen sind wohl geprellt. Außerdem hat er ein leichtes Schädel-Hirn Trauma…“ Karin nickte.
„Machen Sie sich keine Sorgen. Er muss nicht hier bleiben.“ Sagte die Schwester. Karin schnappte ihre Tasche.
„Wo finde ich ihn?“ fragte sie aufgeregt.
„Kommen Sie.“ Meinte die Schwester noch, bevor sie aufstand und Karin zu einem Zimmer führte.

Als Karin das Zimmer betrat musste sie schlucken. Stefan lag noch in einem Krankenhaus Bett und trug ein Krankenhaushemd. Sie trat langsam ein und schloss leise die Tür hinter sich.
„Stefan?“ fragte sie flüsternd.
„Bin ich tot? Ich höre den Himmel…“ antwortete Stefan mit geschlossenen Augen und einem Grinsen. Karin entwich ein Seufzer und ein Lächeln, bevor sie mit langen Schritten bei Stefan am Bett ankam.
„Oh Gott ich dachte, dir wäre sonst was passiert!“ sagte sie, bevor sie sich auf die Bettkante setzte und seine Hand in ihren Schoß legte.
„Mich kriegt nicht mal ein Auto klein.“ Antwortete Stefan, wobei er langsam die Augen öffnete. Er schloss seinen Griff um Karins Hand und sah sie an. Sie konnte es nicht mehr zurück halten. Langsam lief eine Träne über ihre Wange und sie konnte sich nicht mehr zurück halten und beugte sich vor, um Stefan einen sanften Kuss auf die Lippen zu drücken. Er erwiderte ihn sofort und da wurde Karin klar, wie viele Sorgen sie sich wirklich gemacht hatte. Ihr wurde nur zu gut bewusst, wie sehr sie Stefan wirklich liebte. Ihr wurde jedoch auch bewusst, wie sehr sie sich einen Antrag von ihm gewünscht hatte, als sie das Plakat über der Schule gesehen hatte.
„Mach sowas nie, nie wieder hörst du?“ sagte sie eindringlich.
„Versprochen, aber… können wir jetzt… nach Hause?“ fragte er. Karin seufzte und stand auf. Stöhnend versuchte er sich hinzusetzten, aber er kam nicht weit, ohne dass Karin ihm half. Sie zog ihn vorsichtig in eine sitzende Position. Er schwang seine Beine aus dem Bett, von welchen das rechte in einen Verband gewickelt war.
„Geht es?“ fragte Karin. Stefan nickte und sah sich nach seinen Sachen um. Karin folgte seinem Blick und half ihm schließlich in seine Klamotten rein.

Stefan humpelte zwar stark, aber er schaffte es mit Karins Hilfe das Zimmer zu verlassen. Er hatte einen Arm um sie gelegt und stütze sich etwas auf sie, um seine Rippen nicht unnötig zu quälen. Beim vorbei gehen am Schwesternzimmer zwinkerte Stefan der Schwester, die Karin geholt hatte, verstohlen zu. Karin war verwirrt.
„Was war das denn?“ fragte sie. Stefan sah zu ihr runter.
„Ich habe nachgedacht… über… du weißt schon, den Antrag auf dem Dach.“ Karin blieb plötzlich stehen und sah Stefan an. Ihr Blick war etwas geschockt.
„Aber… Stefan ich weiß, dass der nicht für mich war… das… das war sehr deutlich.“ Sagte Karin leise. Stefan nickte und schob eine Hand an Karins Wange.
„Ich weiß, dass… naja ich hab ganz schön Mist gebaut, beziehungsweise gesagt… Heiraten, das… das war nie mein Ding… sich zu binden, auf immer und ewig… ich war nie der Typ dafür…“ Karins Blick wanderte zum Boden, denn sie fühlte Enttäuschung in sich aufsteigen. Stefan hob jedoch ihren Kopf wieder an, sodass sie ihn ansehen musste.
„Lass mich ausreden…“ sagte Stefan. Karin nickte widerwillig.
„Ich… hab in der Zeit, wo ich im CT wach geworden bin nachgedacht… über Karls Worte und auch über alles was war. Ich bin zu dem Schluss gekommen… dass sich meine Ansichten etwas verändert haben, DU hast meine Ansichten verändert und ich bin… da angekommen wo ich mich nie gesehen hab. Karin… schau mal aus dem Fenster.“ Karin verstand nicht so ganz, bis sie aus dem Fenster sah. Oben, auf dem Dach, standen fünf Krankenschwestern und hielten große Schilder in die Luft. Jede hob ihres nun nacheinander an.
„Willst… du… mich… heiraten…?“ las Karin. Ihre Augen weiteten sich, als sie sich zu Stefan umdrehte. Dieser hielt einen Plastikring in der Hand, welchen man normalerweise aus Automaten holen konnte. In seinem Gesicht stand ein bezauberndes Lächeln.
„Ich… hoffe einfach mal, dass du es mir verzeihst, dass ich nicht auf die das Knie runter kann und auch, dass die wenige Zeit nicht für mehr als einen Plastikring gereicht hat… fürs erste.“ Karin war sprachlos. Kopfschüttelnd und überwältigt legte sie ihre Arme um Stefan und drückte ihr Gesicht an seinen Hals.
„Ja… Ja ich will dich heiraten, oh mein Gott!“ sagte sie glücklich. Stefan lächelte und küsste Karin liebevoll auf den Mund.
„Ich denke mal, wenn wir wollen, dann bekommen wir alles auf die Reihe.“ Sagte Stefan. Karin nickte nur und schmiegte sich an Stefan, während die umstehenden Krankenschwestern anfingen zu klatschen. Karin nahm Stefan den Ring aus den Fingern und schob ihn sich auf den linken kleinen Finger.
„Ich liebe dich Stefan, auch wenn ich mich frage, wie man so viele Krankenschwestern in so kurzer Zeit auf seine Seite ziehen kann.“ Sagte Karin lachend.
„Ich dich auch… und was die Schwestern angeht… eine kleine Prise Charme und nette Schwestern, das ist alles was es braucht.“ Die beiden standen noch ganz kurz da, bevor sie humpelnd und in einer Umarmung das Krankenhaus verließen.
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