Die Pokémontrainer-Akademie

GeschichteAbenteuer / P6
OC (Own Character)
02.09.2016
13.07.2019
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  Der Samstag bricht an. Es ist zwar gerade erst einmal acht Uhr morgens, was mir ein Blick auf Olivias Wecker, den sie hiergelassen hat, verrät, aber ich bin trotzdem schon wach. Ich kann nicht länger schlafen, auch an Wochenenden nicht. Gähnend strecke ich meine Beine unter der Decke und setze mich dann auf, um auch meinen Rücken knacken zu lassen. Ich fühle mich dabei wie eine alte Oma. Verschlafen drehe ich den Kopf und blinzle in die Morgensonne, die durch das Fenster hereinscheint. Ich habe vergessen die Vorhänge zu schließen.
  Mit viel Schwung werfe ich die Bettdecke zurück und schwinge die Beine über die Kante der Matratze, um kurz darauf auf ihnen zu stehen. Ich gehe zu einem der Fenster und öffne es. Kühle Morgenluft weht mir ins Gesicht und lässt mich frösteln. Am Horizont kann ich das Gebirge erkennen, das sich dunkel abhebt.
  Nachdem ich mich geduscht, Haare gewaschen, Zähne geputzt und noch weitere Badangelegenheiten erledigt habe, stehe ich frisch gekämmt in einem T-Shirt vor der Zimmertür. Dazu trage ich eine bequeme Jogginghose in schwarz und Turnschuhe. Die Haare habe ich nur zu einen schnellen Pferdeschwanz gebunden.
  „Ah, guten Morgen, Sheila.“, grüßt mich Frau Niza, als ich um kurz vor neun Uhr im Pflegesaal ankomme. „Du kannst mir helfen die Pokémon zu füttern. Oberon und Eddi habe ich bereits etwas gegeben.“
  Sie deutet auf das Teddiursa, dass vor einem Napf sitzt und sich mit beiden Pfoten Pokéfutter in den Mund stopft, und auf das Quapsel, dass neben der improvisierten Badewanne hockt. Also beginne ich wieder mit Bella und arbeite mich zur Mitte vor, wobei ich mein Ei auslasse. Es leuchtet immer noch nicht, gibt immer noch kein Zeichen von sich, dass es schlüpfen möchte.
  Nachdem wir die fünfzehn Pokémon gefüttert haben schnappe ich mir mein Ei mit dem Handtuch und setze mich an meinen Tisch. Frau Niza hat mir erlaubt alleine hier zu bleiben während sie die Zimmer durchsieht und etwas aufräumt, Betten machen, Vorhänge zurückziehen, Fenster öffnen, usw. Also sitze ich nun alleine umringt von fünfzehn Pokémon am Fenster und sehe gedankenverloren hinaus, während ich mit der Hand über die Schale streiche. Zum Glück sind die Pokémon jetzt vollgefuttert und somit dösen die meisten in ihren Boxen friedlich vor sich hin.
  „Wann wirst du wohl schlüpfen?“, murmle ich gedankenverloren aus dem Fenster starrend. „Ich will dich nicht dazu zwingen, lass dir ruhig Zeit, soviel du brauchst.“ Zwei Wingull fliegen über die Schule hinweg. Vermutlich sind sie auf den Weg zum Meer. „Ich würde dich wirklich gerne kennenlernen und mit dir die Welt entdecken.“
  Die Tür geht plötzlich auf und die Lehrerin kommt herein. „Tut mir leid, dass du nur kurz Zeit hattest. Aber ich brauche deine Hilfe im Garten. Bei eurem Kampftraining habt ihr ein paar Spuren hinterlassen.“
  „Ich komme gleich.“, sage ich zu ihr. Frau Niza nickt und verlässt den Pflegeraum wieder. Ein paar Sekunden bleibe ich noch mit meinem Ei in den Händen sitzen, dann stehe ich auf und lege es zurück auf das dicke Kissen und räume das Handtuch auf. „Bitte, warte nicht mehr zu lange.“

  Stunden verstreichen und der Tag zieht vorüber. Ich habe mit meiner Lehrerin den Garten wieder aufgeräumt, ein paar Löcher gefüllt, abgebrochene Äste und abgefallenes Laub weggeräumt, ein paar der Blumen gegossen und die Linien für das Kampffeld neu gezogen. Die Pokémon der Schule, die natürlich auch ihr Futter bekommen haben, dürfen am Wochenende im Garten herumlaufen, weshalb es etwas voll war. Anschließend haben wir die Zimmer durchgesehen, dort die Fenster etwas saubergemacht und sind mit dem Staubsauger durchgegangen. Ich habe das Gefühl, als würde ich sogar lernen wie man richtig putzt. Wobei ich das von Tante Tina auch gelernt habe.
  Obwohl ich das nicht wissen muss, da ich auf einer Reise keine Zimmer saubermachen muss. Da ist man den ganzen Tag im Freien und übernachtet vielleicht in einem Pokémon-Center oder in einem Zelt. Ich muss unbedingt daran denken mir eines zu kaufen, sobald ich auf dem Festland bin. Hier auf Rotuselpe gibt es solche wichtigen Dinge nicht. Wenn man seine Reise beginnt, muss man zuerst in einer Stadt alles einkaufen, was man braucht. Aber bis ich mir darüber Gedanken machen muss, vergeht noch einiges an Zeit. Zuerst muss mein Ei schlüpfen und ich muss die Schule abschließen. Außerdem muss ich noch Tina überreden, dass sie mich gehen lässt. Und das wird nicht einfach. Was sie wohl gerade macht? Vermutlich holt sie gerade zusammen mit Blitze die Voltilamm in den Stall.

  Ich öffne meine Augen und blinzle in die Dunkelheit hinein, in der ich nicht wirklich was erkennen kann. Müde gähne ich und ziehe die Decke etwas weiter zum Kinn hinauf. Es ist dunkel in meinem Zimmer, nicht einmal der Mond scheint herein. Wie viel Uhr ist es denn? Erneut gähne ich und richte mich etwas auf, bis ich auf den Wecker sehen kann. Dieser zeigt 5:12 Uhr an. Es ist noch viel zu früh um aufzustehen. Also lasse ich den Kopf zurück auf das Kissen plumpsen und schließe die Augen.
  Aber auch nur, um sie wenige Sekunden später wieder zu öffnen. Hellwach richte ich mich auf und lausche in die Dunkelheit hinein.
  Eine Minute ohne ein weiteres Geräusch. Irgendetwas habe ich gehört und es klang nicht wie ein normales Geräusch, dass man jede Nacht hört.
  Zwei Minuten ohne einen weiteren Mucks. Aber ich bin mir sicher, dass ich etwas gehört habe. Es klang wie ein unterdrücktes Jaulen.
  Drei Minuten ohne ein weiteres Geräusch. Okay, vielleicht habe ich es mir doch nur eingebildet. Ich lege mich wieder ins Bett und schließe die Augen.
  Auch dieses Mal nur für wenige Sekunden. Da ist es wieder! Ich wusste, dass ich es mir nicht eingebildet habe! Die Decke werfe ich zurück und schwinge die Beine über die Bettkante. Sofort verlässt mich die Wärme des Bettes, fröstelnd lege ich die Arme um meinen Oberkörper und stehe auf. Ich muss jetzt einfach nachsehen, was das für ein Geräusch ist. Es klingt jedenfalls nicht wie ein glücklicher Laut.
  Ich öffne die Tür und spähe in den Gang hinaus. Auch hier ist alles in tiefe Schwärze gehüllt. Nirgends ist ein kleines Licht zu sehen. Nicht einmal der Mond möchte sich heute zeigen. Ist es so bewölkt draußen? Zögernd bleibe ich stehen und starre angestrengt in den Korridor hinaus. Bilde ich mir das schon wieder nur ein, oder hat sich gerade etwas bewegt? Ich schüttele den Gedanken ab. „Sei kein Angsthaspiror. Dort ist nichts. Das sind nur die Schatten und deine Fantasie.“, versuche ich mir die Angst zu nehmen. Aber leider klappt es nicht so gut.
  Trotzdem öffne ich die Tür weiter und setze einen Fuß auf den Holzboden im Gang. Die Arme immer noch um meinen Körper geschlungen gehe ich Schritt für Schritt in die Finsternis hinein. Ich fange an zu zittern. Ob vor Kälte oder Angst, kann ich nicht sagen. Vielleicht auch beides. Mir ist nie aufgefallen, dass der Boden knarrende Geräusche von sich gibt. Na gut, ich bin auch noch nie barfuß durch die Gänge geschlichen. Und das in der Nacht, allein. Vielleicht war es doch keine so gute Idee das warme Bett zu verlassen.
  Die Stille ist erdrückend und fast schlimmer als das Geräusch. Ich taste mich an der Wand entlang Richtung Treppe. Ich bin mir sicher, dass die Geräusche von unten gekommen sind. Bestimmt ist das nur Frau Niza, die noch irgendetwas für die Pokémon vorbereitet. Der Gedanke klingt nicht tröstend. Und wieso sollte Niza um halb sechs Uhr morgens arbeiten, wenn sie erst um Neun die Pokémon füttert?
  Inzwischen habe ich die Treppe erreicht und steige langsam Stufe für Stufe hinab. Den Laut habe ich nicht mehr gehört. Vielleicht ist es doch nur Einbildung gewesen. Und ich irre durch die Gänge obwohl ich in meinem warmen Bett liegen könnte. Ich bleibe auf der Hälfte der Treppe stehen, eine Hand am Geländer. Soll ich einfach wieder ins Bett gehen? Was auch immer es war, es ist weg und war bestimmt nur Einbildung. Oder ich habe es geträumt. Ich gähne und drehe mich wieder um. In ein paar Stunden wird sich die Sache bestimmt aufklären.
  Schon auf der ersten Stufe hinauf bleibe ich wieder stehen. Es fühlt sich falsch an einfach wieder umzudrehen und es zu ignorieren. Ein Gefühl sagt mir, dass das Geräusch echt war und irgendetwas nicht stimmt. Soll ich dem Gefühl, das mich weiter nach unten drängt, Glauben schenken?
  Ich zögere wieder. Aber schließlich gebe ich nach und steige den restlichen Teil der Stufen mehr blind hinab. Ich kann wirklich nichts sehen. Alles ist schwarz und es sieht so aus, als würde in jedem Schatten ein Geist lauern. Gibt es Geister? Na toll. Jetzt stelle ich mir die gruseligsten, verzerrtesten Fratzen vor, die jeden Moment aus einer Ecke gesprungen kommen und mit messerartigen Fingernägeln meine Haut zerfetzen. Oder noch schlimmer. Eine Gestalt mit grauenhaften, wahnsinnigen Augen und fettigen Haaren die mit knochigen Fingern …
  Stopp! Wenn ich weiter darüber nachdenke werde ich noch einen Panikzusammenbruch bekommen. Mein Herz schlägt schon schneller in meiner Brust und ich spüre Angstschweiß auf meiner Haut, der mich noch mehr frösteln lässt. Mein Schlafanzug bewirkt auch nichts gegen die Kälte. Er besteht nur aus einem grünen Top mit einem Eneco darauf, das mit Blumen spielt und einer weißen kurzen Hose mit kleinen bunten Blümchen darauf.
  Auch der untere Korridor ist nicht heller, als der obere. Also muss ich mich wieder an der tapezierten Wand entlang tasten. Ich höre ein leises Geräusch, so als wäre jemand gegen einen Stuhl gestoßen. Wie erstarrt bleibe ich stehen und starre in die Richtung, in der ich glaube, dass die Tür zum Pflegeraum ist. Irgendjemand ist dort. Oder ist eines der Pokémon aus dem Bett geklettert und spielt bei den Tischen? Dann hätte ich umsonst Angst gehabt und wäre grundlos aus dem Bett gekrochen. Doch das Gefühl, dass etwas nicht stimmt bleibt. Also schlucke ich den Kloß in meinem Hals hinunter, atme einmal tief ein und aus und setze dann wieder einen Fuß vor den anderen. Stück für Stück nähere ich mich der Tür. Glaube ich.
  Ich habe die Augen aufgerissen, in der Hoffnung, dass ich so mehr sehen kann. Leider ein vergeblicher Versuch. Dafür habe ich die Tür gefunden, trotz eingeschränkter Sicht. Meine Hand ruht auf der Türklinke und erstarrt dort. Aus dem Raum ertönt wieder ein Jaulen. Dieses Mal bin ich mir sicher, dass etwas nicht stimmt. Der Laut klang verzweifelt und nach Hilfe rufend, endet aber abrubt.
  Unter der Tür scheint plötzlich ein Lichtstrahl heraus, wie von einer Taschenlampe oder einer Kopflampe. Eines ist sicher, Niza würde nicht mit einer Taschenlampe herumlaufen. Irgendetwas stimmt nicht im Pflegeraum. Was ist mit den Pokémon?
  Alle Angst ist wie weggeblasen. Ich drücke die Türklinke nach unten und stoße die Tür auf.
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