Ein Ort im Herzen

GeschichteAllgemein / P12
Danni OC (Own Character) Patsy Ruby Ryan Salene
31.08.2016
02.12.2016
8
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Es gibt einen Ort im Herzen, der sich nie ausfüllen lässt“
Diese Zeilen gingen Salene immer wieder durch den Kopf, während sie auf Apollo Richtung Süden ritt und die Mall samt ihrem Tribe immer weiter hinter sich ließ. Ein kleiner Lederrucksack mit wenigen ausgewählten Habseligkeiten und Proviant in der Satteltasche, die sie in der Mall aufgetrieben hatte, waren nun ihre einzig verbliebenen Bezugspunkte zu den Mallrats. Das Pentagramm auf ihrem Handrücken hatte sie abgewaschen. Es war erst einmal besser, unerkannt zu reisen, falls doch noch – wie sich im Landesinneren hinter vorgehaltener Hand erzählt wurde – Chosen übrig geblieben waren. Seit einer Woche war sie nun unterwegs. Ihre ersten zwei Nächte hatte sie in verlassenen Schutzhütten am Waldrand verbracht und war tagsüber kaum einer Menschenseele begegnet, bevor sie am dritten Tag auf eine kleine Siedlung mit einem Markt gestoßen war. Dort hatte sie einige Batterien gegen eine ausführliche Wander- und Reitkarte der Umgebung und ein wenig Proviant tauschen können. Bei ihren Besorgungen hatte Salene immer wieder ein Foto von Ryan rumgezeigt und nach ihm gefragt – jedoch hatte niemand ihn gesehen.
Es gibt einen Ort im Herzen, der sich nie ausfüllen lässt
Warum spukte ihr immer wieder diese Zeile aus dem Gedicht durch den Kopf, welches sie in der Schule auswendig lernen musste? Sie hatte das Gedicht von Bukowski zwar gemocht und gern gelesen, aber das war keine Erklärung, warum es ihr nicht mehr aus dem Sinn ging.
Während ihrer Grübeleien zog Salene die Zügel langsam an und lenkte Apollo – oh, KC war sicher sauer, dass sie sich das Pferd einfach so geborgt hatte – zu dem kleinen Bach, der sich vor ihr erstreckte.
„Guter Junge.“ lobte die Rothaarige das dunkle Pferd lächelnd, nachdem sie abgestiegen war und es an einen Baum gebunden hatte. Salene ging in die Hocke, schöpfte die Hände voll Wasser und tauchte ihr Gesicht darin ein. Sie genoss das kühle, klare Wasser auf ihrer Haut und mit einem Schlag fühlte sie sich frischer, gestärkter, lebendiger.
Lebendig. So hatte sie sich lange nicht mehr gefühlt. Wann war es das letzte Mal gewesen? Vor dem Virus, nach der Hochzeit mit Ryan, nachdem sie von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte? Sie konnte es nicht mehr sagen. Sie wusste nur, dass es vor einer langen Zeit gewesen sein musste. Sie betrachtete ihr Spiegelbild in der gekräuselten Oberfläche des Baches. Um ihre roten Haare hatte die ein blaues Tuch geschlungen, um sie sich bei  dem Ritt aus dem Gesicht zu halten. Ihr Gesicht war durch die Sonne leicht verbrannt, ihren Hals zierten dunkle Schweißflecken, in denen sich Dreck verfangen hatte. Wo sie heute schlafen würde, war ihr noch schleierhaft. Ein fahrender Händler, eine seltsam windige Mischung aus Ned und KC, hatte ihr einen Saloon in einem kleinen Ort names Liberty empfohlen, der von einer gewissen Ruby geführt wurde und nicht weit sein sollte. Bis jetzt hatte sie diesen komischen Ort jedoch nicht finden können. Sie würde einfach weiter Richtung Süden reiten, so wie Bray es ihr geraten hatte. Entweder würde sie dieses Liberty samt Saloon und Ruby finden – oder eben nicht. Obwohl es schicksalhaft wäre, wenn sie dort landen würde. Das einzige, was im Moment jedoch am allermeisten zählte, war Ryan. Sie musste ihn finden. Unbedingt. Wehmütig legte sie eine Hand auf ihren flachen Bauch. Er hatte es verdient, zu erfahren, was mit ihrem Kind geschehen war. Er sollte es von ihr erfahren, von niemand anderen sonst oder gar unwissend bleiben. Langsam richtete sich Salene wieder auf. Wie schnell ihre Gedanken immer wieder um ihr verstorbenes Kind kreisten. Gut, sie war auf dieser Reise völlig auf sich allein gestellt, hatte keine Ablenkung wie in der Mall, wo sich alle um Trudy und Amber sorgten. Hoffentlich ging es allen gut! Sie plagte ein schlechtes Gewissen, die anderen allein gelassen zu haben. Aber nützlich wäre sie ihnen eh nicht gewesen und es war an der Zeit, etwas zu unternehmen. Und jetzt hatte sie keine Ablenkungen. Sie hatte nur sich, ihre Gedanken und ihre Pläne.
Sie war nicht nur um Brays Willen dankbar, dass er zur Mall zurückgekehrt war - sondern auch um ihretwillen. Schließlich brachte er Neuigkeiten über den möglichen Aufenthaltsort von Ryan. Da war sie nicht mehr zu halten gewesen... Noch einmal bückte Salene sich, füllte ihre Feldflasche und den kleinen Eimer für Apollo mit Wasser und gab ihrem treuen Gefährten zu trinken. Nachdem Apollo gierig getrunken hatte, schwang sich die Rothaarige wieder in den Sattel. Sie rückte ihr Tuch zurecht, griff in die Zügel und lenkte den dunklen Wallach weiter gen Süden. Es gibt einen Ort im Herzen, der sich nicht ausfüllen lässt. Vielleicht konnte sie ihren bald wieder füllen.
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