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Dark Salvation

Kurzbeschreibung
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hoggle Jareth Lubo Sarah Sir Didymus
31.08.2016
15.04.2023
43
56.915
9
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31.01.2017 1.254
 
„Ich habe dir nur einen Bruchteil dessen gezeigt, was dein selbstsüchtiges Verhalten dem Untergrund angetan hat.“ Die tiefe Stimme riss sie aus ihrem Tranceähnlichen Zustand, sodass sie erst jetzt begriff, wie nahe sie dem König war; wütend entwand sie sich ihm, und er ließ sie gewähren. Er schien mächtiger als zuvor, wenn er sich mit einer solchen Leichtigkeit in ihren Verstand einschleichen konnte. „Ich habe natürlich nicht erwartet, dass du es verstehen würdest.“

Der Koboldkönig unterdessen beantwortete das wütende Funkeln in den Augen der jungen Frau, indem er sie mit einem fast mitleidigen Blick bedachte, was Sarah einen schalen Geschmack auf die Zunge trieb; sie schluckte die bösartigen Worte, die ihr darauf lagen, hinunter. Sie würde sich garantiert nicht noch einmal so schnell auf seine Provokationen einlassen und ihm damit geben, was er wollte; so wütend sie auch sein mochte, es war besser, eine Maske der Gelassenheit nach außen hin zu tragen und sich auf ihre Erfahrungen als Schauspielerin zu besinnen. Auch, wenn die keinen besonderen Erfolg nach sich gezogen haben, hallte es in ihrem Kopf schnippisch wieder, doch diesmal war es nicht das Flüstern des Königs, sondern ihre eigene Verbitterung.
„Du bist grausam.“ Sarah unterdrückte das Zittern ihrer Stimme, sprach aber leiser als beabsichtigt. Im Augenblick tobte ein Sturm an Gefühlen in ihr. „Ja, ich trage Schuld daran, dass der Untergrund beinahe zerstört wurde. Dieses Wissen um das, was geschehen ist, wird mich bis zu meinem Tod begleiten, und gewiss habe ich das verdient! Dennoch war ich ein Kind, und ich konnte nicht wissen, was geschehen würde – trotz meines Flehens hast du mir Toby nicht wieder gegeben, was hätte ich denn tun sollen? Ich konnte ihn nicht einfach zurücklassen-“

„Sarah.“ Bei dem Klang ihres Namens, der mit voller Absicht mahnend über die gekräuselten Lippen kam, durchlebte sie in ihren Gedanken noch einmal den Abend, als der König plötzlich unerwartet vor ihr gestanden hatte; dasselbe, erhabene Lächeln und eine Stimme, die vollkommen ruhig und geduldig war… mittlerweile wusste sie, wie gefährlich diese Ruhe war.
Lautlosen Schrittes und die Finger ineinander gekreuzt näherte er sich der jungen Frau, die unbewusst zurückgewichen war. Sarah spürte, wie sich ihre Muskeln unangenehm anspannten, in Erwartung eines Angriffs, und merklich entspannten, als der Koboldkönig inne hielt und dabei einigen Abstand zwischen ihnen ließ. Für ihn schien sie tatsächlich ein aufgeschlagenes Buch zu sein, in dem er las. „Oh, Sarah …“ Ein sachtes Kopfschütteln, bevor sich die funkelnden Augen wieder auf sie richteten, eine Kälte darin, die ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. „Du machst es dir immer einfach, nicht wahr? Natürlich hast du dir niemals Gedanken darüber gemacht, was mit dem Untergrund passiert, weil es dich schlichtweg nicht interessiert hat.“

Langsam begann er, sie zu umkreisen; Sarah starrte weiterhin stur auf den Boden vor ihr, konzentrierte sich nur auf das leise Knirschen des Sandes unter seinen Sohlen, doch es fiel ihr schwer, seine Erscheinung – vor allem aber seine Worte – auszublenden. Ein Panther, der seine Beute erfasst hatte und  jederzeit angreifen konnte. „Dennoch hast du mit eigenen Augen gesehen, wie mein Reich zerbrach, als du mir gegenüber getreten bist – du bist nicht dumm, und kannst nicht leugnen, dass du es geahnt hast, nein … dir war nur wichtig, dass dein Vater – und deine Stiefmutter, die dich nie wollte – nichts von deiner Rachsucht und den Hassgefühlen ihnen gegenüber und dem Kind erfahren. Du hast getan, was du stets tust: jemand anderem die Schuld für dein Versagen zu geben. Aber mich nennst du grausam.“ Bei dem letzten Wort, das er sich auf der Zunge zergehen ließ, zogen sich die spitzen Augenbrauen zusammen. Strähnen des silbrig schimmernden, schwarzen Haars fielen dabei in das schmale Gesicht.

… hatte dich … gewarnt …

Die Stimme hallte in Sarahs Ohren wieder; seine Worte schnitten schärfer als jedes Messer, mit denen sie bisher ihren Körper geschunden hatte. Wie viele Male hatte sie sich mit ihrem Vater – aber allen voran ihrer Stiefmutter – gestritten, und wie oft hatte ihr diese verhasste Frau ihr vorgeworfen, egoistisch zu sein? Erhobene Stimmen, die durch das ganze Haus zu hören waren, und gelegentlich, wenn ihr Vater nicht im Haus war, eine schallende Ohrfeige von Mary, die einen pulsierenden Abdruck auf ihrer Wange hinterlassen hatte, was Sarah mit einem wütenden Schnauben und Tränen in den Augen quittierte, die Mary nicht sehen sollte; was folgte, waren knallende Türen und eine Stiefmutter, die ihr Entschuldigungen japsend folgte oder murmelnd in der Küche verschwand. Gedankenverloren rieb Sarah sich bei dieser Erinnerung die Wange, bis ein seltsamer Schwindel sie erfasste und sie nicht anders konnte, als den Koboldkönig anzusehen, der langsamen Schrittes immer näher kam.

„Your eyes can be so cruel …“ Doch Sarah wich nicht zurück: stattdessen starrte sie in das blasse, und doch seltsam strahlende Gesicht, spürte, wie Tränen in ihren Augen brannten. Jede seiner Bewegungen war fließend und geschmeidig, doch etwas Anderes schien soeben ihre Sinne zu benebeln. In dieser tiefen, melodische Stimme, die tief in der jungen Frau längst Vergessenes wieder erweckte, lag so viel Leidenschaft, dass sie nicht anders konnte, als ihr zu lauschen. Sie war kraftvoll und samten, und schien doch von unendlichem Leid zu erzählen. Sarah verlor sich in den Tiefen seiner Augen, während die ersten Tränen ihre Wangen benetzten; sie konnte in ihnen jenen Ort, der an ein surrealistisches Gemälde erinnerte, vor sich sehen. Die unzähligen Treppen, die sie immer wieder ins Nichts geführt und ihre Verzweiflung geschürt hatten, jenen dunklen Gesang und das helle Klingen eines schimmernden Kristalls, als er die Stufen empor fiel, und sanft in den kleinen Händchen ihres Bruders landete …

Sie vergaß alles um sich herum und fühlte auch nicht die kalte, scharfe Kralle, die sich ihren Weg genüsslich über ihr Dekolleteé allmählich ihrer Halsschlagader entgegen bahnte und dabei eine dünne Linie Bluts nach sich zog „… just as I can be … so cruel … ahh.“
Der plötzliche, schneidend scharfe Schmerz durchzuckte Sarah so unerwartet, dass sie zurück taumelte und gerade noch die silberne Kralle aufblitzen sah, bevor sich die Arme des Koboldkönigs um seine eigene Mitte schlangen; sie erwachte erst nach und nach aus ihrer Benommenheit, sodass sie länger brauchte, um zu begreifen, in welcher Gefahr sie sich gerade befunden hatte. Irritiert nahm sie ihre Hand, die intuitiv an die schmerzende Stelle geschnellt war, von eben jener und betrachtete die glänzend rot gefärbte Handfläche, bevor ein Ächzen und unterdrücktes Stöhnen ihre Aufmerksamkeit von ihrem eigenen Blut auf eine gekrümmte, dunkle, zitternde Gestalt lenkte.

"Nicht jetzt.“ Sarah war sich nicht sicher, ob sie richtig verstanden hatte; es war definitiv die Stimme des Koboldkönigs gewesen, doch es war mehr das wütende Fauchen eines verletzten Raubtieres, vollkommen von Schmerzen verzerrt. Sie sah, dass etwas Dunkles auf den Boden tropfte ... als hätte er den irritierten Blick der jungen Frau auf sich gespürt, wandte er sich ihr langsam zu, sodass sich ihr Mund vor Entsetzen öffnete.
Schwarze Strähnen fielen dabei in das schmale Gesicht, und konnten jenen grauenhaften Anblick doch nicht mindern. Er weinte Tränen schwarzen Bluts, welches seine Augen vollkommen färbte und noch unheimlicher erscheinen ließen; missbilligend spuckte er Blut, das ebenso sein Kinn benetzte. Erneut blitzte die Klinge auf, sodass Sarah noch weiter zurück wich, doch eine erneute Welle Schmerzes schien ihn von einem neuerlichen Angriff abzuhalten. Mit dem einen Arm umschlang er weiterhin seine Mitte, während der andere sich langsam soweit mit geballter Faust in ihre Richtung streckte, wie es die Schmerzen zu ließen. „Es ist noch nicht vorbei“, presste er gequält zwischen den schmalen Lippen hervor, ehe sich seine Faust öffnete und eine schwarze Kugel mit einem dumpfen Geräusch im roten Sand landete – und der verletzte Koboldkönig verschwunden war ...
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