Im Fieber

OneshotHumor, Horror / P18
Abraham Ford
29.08.2016
29.08.2016
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Im Fieber


„I'm the big bad wolf and I'm blowin' down your neighbourhood...“
- aus 'Big Bad Wolf', The Heavy

Gewehrschüsse.
Laute Gewehrschüsse und das Geschrei von Menschen.
Abraham öffnete die Augen und sah den blauen Himmel über sich, der nur sporadisch von einigen dünnen Wolken überzogen war. Wie hießen die noch gleich? Cirruswolken? Cumuluswolken? Es war eigentlich auch scheißegal.
Ächzend hob er den Kopf an, der sich so schwer anfühlte wie das verfluchte Kapitol in Washington sein musste. Er lag auf dem Boden, vollkommen ausgestreckt. So als wäre er waagerecht einfach von irgendwo heruntergefallen.
Und er lag in einem verwüsteten Vorgarten. Es sah aus wie Deannas Vorgarten, das erkannte er aber nur daran, weil ein altes Familienfoto in seiner Nähe auf dem Rasen lag. Der Rahmen war zerstört und das Glas gesprungen.
Abraham schnaufte halb belustigt, halb verzweifelt und setzte sich auf. Ein stechender Schmerz fuhr durch sein Bein und er schob sich in eine aufrechte Position, um nach der Ursache zu sehen. Sein Hosenbein war an einer Stelle zerrissen und der Stoff war mit Blut vollgesogen.
Irritiert sah er genauer hin und hielt die Luft an.
Er war gebissen worden.
Sofort begann er schallend an zu lachen, das durfte doch nicht wahr sein. Sergeant Abraham Ford war von einem verwesten Hurensohn ins Bein gebissen worden.
„Scheiß Mistkerl“, rief Abraham, einem Lachkrampf nahe und rollte sich über die Wiese, auf der er von zahlreichen Toten eingerahmt war. Deshalb hatten ihn die Wandelnden auch noch nicht gefressen, als er bewusstlos hier herumgelegen hatte.
Sie hatten ihn nicht riechen können.
Witzige Vorstellung.
Schnaufend richtete der Sergeant sich auf und sah sich um. Diese Viecher stolperten immer noch durch die Straßen Alexandrias, das so lichterloh brannte wie Rom unter Nero.
Ironie. Absolute und pure, unverfälschte Ironie bot sich seinem kritischen Blick. Sie waren hierher gekommen, bekamen das sicherste Paradies auf Erden versprochen und nun wurde es von Touristen direkt aus der Hölle besucht und eingerissen.
Fast wie ein Vorort, in dem der Spring Break begann.
Abraham sah an sich herunter und fand nur noch eine kleine Handfeuerwaffe, eine 45er, doch mit der käme er hier nicht weit. Unter großer Anstrengung stellte er sich auf die Füße und torkelte unsicher und ab und zu nur auf dem gesunden Fuß hüpfend zurück in das zerstörte Haus hinter ihm, um sich dort nach Waffen umzusehen.
Das Haus war erstaunlicherweise noch immer menschenleer und auch keines dieser Biester trieb sich hier herum.
Schade, er hätte gerne einem in den Kopf geschossen, um sich zu beruhigen.
Ein Rumpeln ließ ihn zusammenfahren und sich auf den großen Schrank im Wohnzimmer konzentrieren, in dem allerhand umgestürzte Möbel seinen Weg säumten. Die Beißer schienen schon hier drin gewesen zu sein.
Sie rissen ganze Wände ein, wenn sie dahinter saftiges Fleisch riechen konnten, Deannas Haus war Zeuge dieses Phänomens geworden.
„Was für ein riesiger Haufen Scheiße“, murmelte Abraham und schritt langsam auf den Schrank zu. Mit der entsicherten 45er in der Hand, riss er die Tür auf und fand Spencer im Inneren vor. Der Junge saß zusammengekauert hinter diesen Holztüren, während Ricks Sohn dort draußen aktiv die Bedrohung bekämpfte.
Was für ein Waschlappen.
Aber ein Waschlappen mit einer Schrotflinte in der Hand, dessen Lauf direkt auf Abrahams Gemächt zielte.
„Nimm das runter, sonst verletzt du dich noch“, knurrte er dem Jungen zu – denn mehr war er in Abrahams Augen nicht, ein Junge – und streckte die freie Hand nach der Waffe aus.
„Na los, gib schon her“, setzte er lauter hinterher und Spencer gab ihm die Waffe einfach, ohne ein Widerwort, ohne den üblichen Vorwurf, dass Abraham ihn quasi umbringen würde, wenn er ihm die Waffe abnahm blabla.
Abraham nahm Spencer die voll geladene Schrotflinte inklusive weiterer Munition aus den zitternden Händen und machte sich auf den Weg zurück in den Vorgarten. Jetzt könnte die Party losgehen.
Showtime.
Mit entsicherter Schrotflinte und einer Hochstimmung, die ein Drogentrip nicht besser hätte verursachen können, machte Abraham sich auf den Weg auf die Straßen Alexandrias, die einem Kriegsschauplatz glichen.
Dabei versuchte er krampfhaft nicht darauf zu achten, dass auch Leichen der Bewohner am Straßenrand lagen. Denn wenn er jetzt entdeckte, dass einer seiner Leute dort lag, dann wäre es vorbei mit der guten Laune.
Immer geradeaus gucken. Du hast nichts mehr zu verlieren...
„Hey!!! Kommt und holt mich ihr Hurensöhne!!!“ brüllte er aus voller Kehle und erschoss einen Beißer, der direkt auf ihn zu kam. Der Kopf platzte, denn die Ladung Schrot war ihm direkt in die hässliche Visage gegangen.
Abraham lief der Schweiß in nassen Bahnen über das Gesicht. Das Fieber setzte sicherlich gerade ein und er war ohnehin dem Tode geweiht, also konnte er dem Schlachtfeld hier noch seinen Stil verpassen.
Am liebsten würde er diese stinkende Stadt in die Luft jagen, sie dem Erdboden gleichmachen, aber man konnte manchmal nicht alles haben. Wenigstens wollte er mit einem Knall abtreten.
Eine große Ansammlung der Beißer lief tatsächlich auf ihn zu und er führte sie mit lautem Gebrüll und sonstigen, abstrusen Flüchen, die ihm gerade einfielen auf das Tor der Stadt zu. Flankiert wurde er aus dem Schatten von Daryl, Rick und noch ein paar anderen Schützen, deren Gesichter er aber nicht ausmachen konnte, weil sie sich hinter Zimmerfenstern oder Aussichtstürmen verbargen.
Es war ihm auch egal, Hauptsache seine Kameraden sorgten dafür, dass die Stadt für die anderen wieder sicher wurde. Auch wenn sie hier nicht mehr unbedingt leben konnten. Alexandria war zerstört, so viel stand fest.
„Na los, wenn ihr mich schon beißt, dann könnt ihr mir wenigstens folgen, weiter, weiter!!!“ brüllte Abraham ungehalten und lotste die Beißer weiter aus der Stadt. Es waren knapp fünfundzwanzig, die ihm wie die Lemminge hinterher liefen.
Fünfundzwanzig, um die sich Rick nicht mehr kümmern musste.
Diese kleine Reisegruppe folgte ihm weiter und Abraham merkte, wie er kurz nach Verlassen der Stadt immer langsamer wurde. Das Tor lag hinter ihm und somit war seine Aufgabe erledigt. Sein Fluchtinstinkt sank seitdem auch stetig, denn die anderen hatten nun das Gröbste vom Hals.
Sie waren sicher so weit es eben ging.
Ärgerlich war nur, dass er die beiden Waffen nicht noch hatte abgeben können. Abraham sah eines der präparierten Autowracks am Straßenrand direkt vor der Stadt, nahm beide Waffen ab und legte sie durch ein zerschlagenes Seitenfenster.
Dann machte er sich weiter zu Fuß auf den Weg, denn die Beißer folgten ihm immer noch auf Schritt und Tritt. Sie mussten noch etwas weiter weg, bis sie sich irgendwann von alleine in den Wald aufmachten.
Dafür musste er den Lärm der Stadt hinter sich lassen.
Sein Marsch wurde immer beschwerlicher, die Welt um ihn herum verschwamm zu einem Brei und er spürte immer neuen Schweiß in seinen Nacken laufen. Sein T-Shirt klebte schon an seiner Haut und auch die Hose scheuerte an den Beinen, so nass war alles schon.
„Scheiße, ihr Bastarde kriegt mich wohl doch noch“, murmelte er vor sich hin, während ein Beißer nach ihm griff und er ihn noch im letzten Moment wegstoßen konnte.
Abraham wurde schlecht und er ging auf die Knie, um auf die Straße vor sich zu kotzen. Derweil kam das Röcheln immer näher, während er die Augen schloss und hoffte, dass er sich nicht mehr verwandeln könnte, weil sie nichts von ihm übrig gelassen hatten...

Anmerkung: Nach langer Zeit der Abwesenheit mal wieder eine Geschichte für das Fandom, das mich zum Schreiben verleitet hat. Dieses Mal mit einer Figur, die erstaunlicherweise nicht in der Liste auftaucht, die man vor dem Upload einer neuen Geschichte anklicken kann, um anzuzeigen, wer so vorkommt. Schade eigentlich, denn Abraham ist ziemlich cool, auch wenn er hier ziemlich alternativ draufgehen musste. Eure Meinung ist natürlich auch gefragt! :)
LG, Erzaehlerstimme
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