Im Schatten der Blüte

GeschichteRomanze / P16
Hajime Saito Heisuke Todo Keisuke Yamanami OC (Own Character) Sanosuke Harada
29.08.2016
29.08.2016
1
2.294
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
29.08.2016 2.294
 
Ich spürte die harte kalte Klinge, wie sie drohend an meiner Kehle lag. Eine falsche Bewegung, ein falsches Wort und das harte Metall würde mein Fleisch ohne Zögern durchdringen. Schweißperlen tropften mir vom Gesicht auf das geschliffene Katana.
„Wer bist du?“ zischte der Fremde. Seine Lippen lagen dicht an meinem Ohr und ich konnte seinen warmen Atem auf meiner Haut spüren.
Panisch unterdrückte ich den Schrei, der aus meiner Kehle hervorkriechen wollte, als ich spürte wie er das Schwert enger an meinen Hals führte. Ich fühlte die warme Flüssigkeit, wie sie langsam an mir hinunter rann.  Mit zitternden Fingern griff ich nach der Klinge und brachte ein heiseres ächzen hervor. Blut floss in leichtem strömen an meinen Fingern entlang. Ein feiner Rinnsal bildete sich auf der geschwungenen Katanaklinge.
„Lass mich gehen.“
„Nicht, bevor du mir sagst wer du bist und was du hier willst!“
Das zischen wurde zu einem Knurren und ließ mich erschaudern. Das Katana bohrte sich tiefer in mein Fleisch und mit einem schmerzvollem Schrei schickte ich ein letztes Stoßgebet zum Himmel.
Mein Hals brannte wie Feuer und jeder Atemzug kostete mich Schmerzen.
„Minaru…Otosan..ich suche...“ es war nicht mehr als ein röcheln, dass ich dem Fremden Mann hervorbringen konnte.
Sein Griff lockerte sich und er zog das Schwert ein Stück weit von meiner Kehle weg.
Mit blutverschmierten Fingern ließ ich seine Klinge los und versuchte die Blutung zu stillen. Vorsichtig fasste ich mir mit den Fingerspitzen an die blutende Wunde. Der Schmerz durchfuhr meinen ganzen Körper und fest drückte ich meine Finger an meinen Hals.
„…meinen Vater.“
Er ließ langsam seine Waffe sinken und fasste mir mit seiner großen Pranke an die Kehle. Röchelnd japste ich nach Luft. Er drückte mir die Finger so fest und tief an den Hals, dass ich keine Luft mehr bekam.
Mein Körper war gelähmt und mit nassen Augen sah ich in die dunkle Gasse hinein.
„Das sollte also mein Ende sein?
Das war‘s also?“
Und mit einem Mal wurde mir schwarz um die Augen.
Mit wummernden Schädel erwachte ich in einem kleinen Zimmer. Orientierungslos richtete ich mich auf. Ich betrachtete meine Verbundenen Hände, die langsam meinen Hals abtasteten. Ein feiner Druckverband umschlang in vollkommen.
„Es war also doch kein Traum gewesen. Bin ich etwa Tod?“
Vorsichtig erhob ich mich von dem weichen Futon und streifte mir den purpurnen Yukata über, der gefaltet vor meinen Füßen lag. Ich schlüpfte in die viel zu großen Zohri und schob die breite Tür beiseite.
Der süße Duft des Sakura Baumes, der sich in seiner vollen Blütenpracht offenbarte, strömte mir entgegen. Es war ein idyllischer kleiner Zen-Garten, der sich vor meinen Augen erstreckte. Ich lauschte dem Plätschern einer nahegelegenen Wasserquelle und fühlte die warmen Sonnenstrahlen die mich wie eine sanfte Umarmung begrüßten. Ich konnte mich an diesem Bild gar nicht mehr sattsehen. Ich schob die Tür hinter mir zu und setzte mich auf die Veranda.
„Ist das der Himmel?“ Mein Blick schweifte über das Traumhafte Grün dieses Gartens.
„Pffahahahahaha!“
Ein lautes Gelächter ließ mich erschrocken zusammenzucken.
„Wer, wer ist da?“ flüsternd zupfte ich meine Kleidung zu Recht, als ich mich den Treppenstufen näherte, die von der Veranda führten.
Ein unwohles Gefühl grub sich tief in meinen Magen. Mein Herz pochte in meiner Brust und ich fühlte die Angst, wie sie mir noch mehr die Kehle zu schnürte.
„Was ist das für ein seltsamer Ort?“
„Im Himmel sind wir ganz sicher nicht.“
Ich sah seine Feuerroten Haare, die sich von dem Erdboden langsam emporhoben.
Gähnend fuhr er sich durch die zerzauste Mähne, ehe er mit schlaksigen Schritten die Treppe hochstieg.
Seine honiggoldenen Augen blickten mich mit einem müden Schmunzeln an.
Ängstlich wich ich von dem Fremden einen Schritt zurück.
Sein Kimono war durch sein Mittagsschläfchen auf den Treppenstufen verrutscht und bot mir verboten tiefe Einblicke auf seinen muskulösen Oberkörper.
Schnell wendete ich meinen Blick von ihm ab, als ich mich dabei ertappte. Ich fühlte die Röte wie sie mir langsam ins Gesicht stieg.
„Was tust du denn da? Starr ihn nicht so an! Oh nein, oh nein, hoffentlich hat er das nicht gesehen…!“
„So schüchtern?“ ich konnte sein grinsen in seinen Worten förmlich hören.
Verlegen blickte ich ihm in die honigsüßen Augen, die mir nun erschreckend nahe kamen.
„Wer bist du?“ konnte ich mich japsen hören, als ich ihn ängstlich ansah.
„Mein Name ist Harada, aber nenn mich doch einfach Sanosuke!“ er zwinkerte mir zu und berührte mit seinen schlanken Fingern sanft meinen Verband. „Na, war er ein bisschen grob zu dir?! Du musst verstehen, normalerweise ist Sa-“
„HARADA!“
Die zornige Stimme ließ mich zusammenfahren und erschrocken blickte ich in die Richtung, woher diese Stimme kam. Ohne Zweifel, es war die Stimme, die mir gestern Nacht bedrohlich ins Ohr geflüstert hatte.
Zornig stand er da, mit verschränkten Armen und blickte Harada wütend an. Seine violetten Augen funkelten böse im Sonnenschein. Sein schwarzer Kimono gab ihm eine bedrohliche Gestalt.
„Ach, Saitou, lass mich doch -“
„Ich warne dich kein zweites Mal, Sanosuke.“
Man konnte die Bedrohung spüren, die in der Luft lag.
Mein Blick ruhte auf seinen starren, kalten Händen, mit denen er präzise die Klinge an meiner Kehle geführt hatte. Schluckend fasste ich mir unbewusst an den Verband.
„Das warst du!“
Sein Blick schweifte zu mir rüber, aber seine Mimik blieb hart.
„Sanosuke, es gibt gleich essen. Beeil dich und wasch dir den Schlaf aus dem Gesicht.“
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, drehte er sich um und verschwand in einem der vielen Zimmer.
Erst jetzt sah ich, dass mehrere Zimmer aneinander gereiht waren. Sie alle hatten einen Ausblick auf den traumhaften Garten.
„Tze, typisch Hajime. Mach dir nichts draus, er redet nie viel.“
Mit einem Lächeln ging er zwei Zimmer weiter und schloss mit einem Lauten Rucken die Tür.
Verwirrt blieb ich alleine stehen.
„Was sind das nur für seltsame Kerle? Und wieso um alles in der Welt hat mich dieser Hajime gestern angegriffen?“
Seufzend drehte ich mich zu meinem Zimmer um.
„Hey!“
„Uaaaah!!!“
Entsetzt sprang ich einen Satz zurück, verlor das Gleichgewicht und fiel dem Fremden direkt vor die Füße. Peinlich berührt fasste ich mir an den schmerzenden Hals.
„Wieso beherrscht hier jeder das heranschleichen?“
„Oh tut mir leid, hab ich dich erschreckt?“ Besorgt hielt der Junge mir die Hand hin. „Ich bin Heisuke Toudou.“
Dankbar griff ich nach der warmen Hand, die mich mit einem Ruck hochzog.
„Minaru, freut mich. Nein, kein Problem, dass scheint fast so, als ob das hier gang und gebe ist.“
Ich schenkte ihm ein Lächeln, das sofort von einem lauten Gelächter erwidert wurde.
„Haha, dann hast du die Anderen Mitglieder schon kennen gelernt?“
„Mitglieder?“
„Ja. Wir sind alle Mitglieder der Shinsengumi. Aber komm, jetzt gibt’s Essen.“
Er fasste mich an der Hand und zog mich zum Essensraum, wo bereits ein paar saßen und hungrig vor den Schüsseln Reis warteten.
„Shinsengumi“ schoss es mir durch den Kopf.
Freudig wurde ich begrüßt. Unter ihnen fand ich auch Sanosuke wieder, der kauend eine Schüssel  Misosuppe verschlang.
„Hier, hast du eine Schüssel Reis.“ Lächelnd überreichte mir ein großgewachsener Mann ein Tablett mit Reis, Sojasoße und ein bisschen Gemüse.
Dankbar nahm ich das Tablett entgegen und setzte mich zwischen dem netten Mann und Heisuke.
„Ich heiße Minaru, freut mich dich kennen zu lernen.“
Meine Stimme war immer noch etwas angeschlagen.
„Freut mich ebenfalls. Ich bin Kai Shimada. Aber nenn mich doch Kai.“
„Itadakimasu!“ rief Heisuke und Shimada schaufelte wie auf Befehl die halbe Schüssel Reis in sich rein.
„Sind schon seltsam, diese Shinsengumi.“ Stellte ich fest.
Lächelnd aß ich meine Schüssel Reis mit Sojasoße und lauschte den Anekdoten von Kai-san, als plötzlich die Tür aufgerissen wurde.
„Was macht sie hier? Ihr wisst doch dass niemand Geheimnisse der Shinsengumi herausfinden darf! Und jetzt weiht ihr dieses Gör ein?!“ schnaubend und wutentbrannt warf Saitou das Essenstablett von Kai-san umher.
„Hey was soll das? Das war mein Essen! Ich war noch nicht fertig!“ wütend stand Shimida auf und erst jetzt konnte ich sehen, wie riesig er war.
„Du hast doch wohl genug gegessen, Shimida!“
„Wie kannst du es wagen!!“
„Hey! Beruhigt euch alle mal wieder.“ Heisuke stellte sich zwischen die beiden, um den entfachten Streit sofort zu schlichten.
„Halt dich da raus, du Zwerg.“ Zischte Hajime.
„Ich lass mir das nicht gefallen, Saitou, nur weil ich der jüngste bin unter euch!“
„Hey kommt schon, Saitou beruhig dich mal wieder.“ Jetzt mischte sich auch noch Sanosuke ein, der kauend sich dem Streitgespräch zuwandte.
Ein Tumult entstand und jeder fing an den anderen zu beschuldigen. Das hitzige Wortgefecht schnürte die schlechte Stimmung im Raum immer weiter zu.
„Sie darf hier nicht essen!“ Er warf mir einen giftigen Blick zu und für eine Sekunde hatte ich das Gefühl er hätte mich betäubt.
„Ich…ich gehe ja schon.“ Kleinlaut schob ich mich an den streitenden Samurais vorbei.
„So schnell kommst du mir nicht davon.“ Saitou griff nach meiner Schulter und riss mich augenblicklich zu ihm um. Taumelnd landete ich in seinen Armen.
Sein Gesicht war so nahe, dass ich die glimmende Wut und den Zorn in seinen Augen auf meiner ganzen Haut spüren konnte. Seine Hand packte mein Handgelenk und ich konnte mich von seinem starken Griff nicht lösen.
„Was hatte ich ihm getan?“
Wie erstarrt sah ich ihm in die bläulichen Augen. Eine lange Strähne seines lilanen Haares, das in seinem seitlichen Pferdeschwanz gebunden war, fiel ihm ins Gesicht. Ich öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch es kamen nur stumme Worte heraus.
„Was ist hier los?“ Die tiefe Stimme ließ jeden im Raum aufschauen.
Blitzartig ließ er mich los und ging auf den Mann zu, der lautlos hineingekommen war.
„Hajime was tust du da? Du weißt doch was ich von Gewalt gegenüber Frauen halte.“, sagte er ruhig. Man konnte den Klang von Enttäuschung deutlich hören, der in seiner Stimme lag.
Sein Blick senkte sich und er wandte sich von ihm ab.
Die Blicke der Anderen ruhten auf der bizarren Situation und die peinliche Stille ließ das zwitschern der Vögel unnatürlich laut klingen.
„Verzeiht bitte das Benehmen des Kapitäns der 3. Einheit.“,er verbeugte sich tief vor mir, „Mein Name ist Hijikata Toshizou, Vizekommandant der Shinsengumi, es freut mich überaus dich kennen zu lernen.“
Ich verbeugte mich noch tiefer vor ihm, so wie es sich gegenüber dem Vizekommandanten gehörte.
„Die Freude ist ganz meinerseits.“
Ich entgegnete ihm mit einem Lächeln.
„Wie ich sehen und auch gehört habe, hast du bereits einige unserer Einheit kennen gelernt.“
Nickend stimmte ich zu.
„Verzeiht, Hijikata-sama, weshalb bin ich hier?“
Sein Ausdruck blieb ruhig und gefasst, fast schon regungslos, als er meine Frage vernahm.
„Ich denke es wäre ratsam, wenn wir das ganz in Ruhe mit allen Mitgliedern besprechen würden.“, er wendete sich an Hajime, der angespannt mit dem Rücken zu ihm aus dem Speisezimmer hinausspähte. „Gib bescheid, dass wir eine dringende Sitzung haben.“
Wortlos ging er hinaus, ohne sich noch einmal umzudrehen. Ein Räuspern ging durch die Runde und langsam fingen die andren Samurais an, ihr unterbrochenes Mahl fortzusetzen. Klappernde Schüsseln und klirrende Tongefäße, sowie tuschelnde Stimmen füllten die Umgebung.
Hijikata verbeugte sich kurz, ehe er verschwand.
Ich tat es den übrigen Männern gleich und widmete mich wieder meinem Abendessen.
Lustlos schob ich das Gemüse von der einen Ecke zur Anderen.
„Mach nicht so ein betrübtes Gesicht, Mi-chan.“ Heisuke legte den Kopf schief und lächelte mich aufmunternd an.
„Hmh“ ich aß einen Bissen und legte dann die Stäbchen beiseite. Mir war der Appetit nun vollkommen vergangen. Ich hatte keine Ahnung, was dieses Gespräch bringen sollte und eigentlich hatte ich auch gar keine Lust drauf. Ich wollte nur noch nach Hause…nach Hause… zu meinem Vater.
„Na komm beeil dich, Mi-chan!“ Heisuke lächelte mich schief an und zog mich hastig an der Hand.
„He-Heisuke!“
Wir betraten einen stilvoll dekorierten Raum, der dennoch sehr einfach und schlicht gehalten war.
Meine Blicke wanderten über die aufwändig bemalten Wandfächer und an das Katana, auf dem Bushido eingraviert wurde.
„Ah, Miriam-san. Bitte setzte dich zu uns.“
Verwirrt sah ich ihn an, ehe ich bemerkte, dass alle Shinsengumi Mitglieder im Raum waren. Hijikata bot mir einen Platz an. Es wirkte fast wie eine Art Verhör. Ich setzte mich den Kommandanten gegenüber, die Samurais zu meiner linken und rechten sitzend.
„Dann können wir nun beginnen.“ Er nickte kurz, eher er fortfuhr: „Miriam-san, wir kennen die unglücklichen Missstände, die dir wiederfahren sind. Der Zwischenfall mit Hajime hätte nicht passieren dürfen. Bitte verzeihe sein unfreundliches Verhalten.“
Ich warf einen Blick zu Hajime hinüber. Still und mit gesenktem Kopf hörte er den Worten seines Anführers zu. Es war seltsam, dass er nun so ruhig war, dass er kein Wort einwarf oder sich ihm gar widersetzte. Er muss wirklich tiefen und ehrlichen Respekt vor ihm haben.
„Ich verstehe, dass es ein ungünstiger Zwischenfall war.“ Ich verbeugte mich leicht. „Und ich maße ihm keine Schuld an.“
Ein stummes Raunen ging durch die Reihen.
„Vielen Dank für dein Verständnis und deine Bereitschaft ihm zu verzeihen. Nun, wir müssen allerdings wissen, was du nachts in dieser Gasse wolltest, mit solchen Zwielichtigen Gestalten. Das wirft kein gutes Licht auf dich.“
Ich verstand seine ehrliche Besorgnis.
„In jener Nacht war ich nicht zufällig in dieser fremden Stadt gewesen. Ich suchte zwei Sucher auf, die ich anheuerte um meinen Vater ausfindig zu machen. Sie waren im ganzen Untergrund für ihre ausgezeichneten Fähigkeiten und Dienste bekannt. Und meine letzte Hoffnung.“
Die Sucher kosteten mich mein ganzes Ersparnis und nun können sie ihren Auftrag nicht ausführen. Wie sollten Geister auch einen Mann in der Welt der Sterbenden aufsuchen können?
Ich biss mir auf die Unterlippe, als ich mich an die kalte Klinge erinnerte. Ein frösteln durchzuckte meinen Körper. Ich spürte die heilende Wunde, wie sie leicht auf meiner Haut brannte.
„Weshalb suchst du deinen Vater?“
„Er…er sucht das Elexir.. das Wasser“
Review schreiben