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MitmachgeschichteAllgemein / P16 / Mix
28.08.2016
14.10.2021
168
335.251
62
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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14.10.2021 1.803
 
Für cappi

History Has Its Eyes On You aus dem Musical "Hamilton"

Ich bin hier mal wieder richtig zufrieden mit meinem eigenen Plot und ich hoffe, es gefällt euch auch! Aktuell bin ich ja nicht die Allerschnellste beim Hochladen, aber da kommen auch wieder andere Zeiten!

* * *


When I was young and dreamed of glory


„Herr Minister – wie verantworten Sie Ihre Entscheidung den Überlebenden gegenüber?“

„Was würde Ihr Vorgänger zu diesem Urteil sagen?“

„Die Entscheidung war knapp, 231 zu 208 – fürchten Sie den einbrechenden Rückhalt aus dem Gamot?“

„Kingsley… Kingsley, alter Freund, du erinnerst dich an mich, oder? Hatten wir denn nicht die beste Zeit im Koboldsteinclub…“

„Nur ein Interview! Nur ein winziges Zitat für die Titelseite – sonst liest sich das doch so trocken!“

I was younger than you are now
When I was given my first command
I led my men straight into a massacre
I witnessed their deaths firsthand
I made every mistake
And felt the shame rise in me
And even now I lie awake


Kingsley Shacklebolt hatte nie darum gebeten, Zaubereiminister zu werden. Er hatte sich nie auf dieses Amt beworben und genau aus diesem Grund war er von dem zerrütteten Gamot am 3. Mai 1998 gewählt worden. Fünf Jahre später glaubte niemand mehr so richtig daran, dass er für den Posten geeignet war. Niemand glaubte mehr an ihn.

Die Todesser-Prozesse zogen sich und das war gut und richtig so, die einzelnen Fälle waren zu komplex, um ein pauschales Urteil über einen Todesser zu verhängen und dieses Urteil auf alle anderen zu übertragen.

Es wäre nicht gerecht und doch schrien die Zeitungen danach. Dennoch schrie etwas in Kingsley selbst danach. Er sehnte sich nach einem Morgen, an dem keine Eulen mit Umschlägen auf ihn warteten, an dem er seinen Namen nirgends gedruckt sah. Nach einem Morgen, dem kein Tag folgen würde, an dem er Entscheidungen treffen musste, die nicht nur ihn, sondern gefühlt die ganze Welt etwas angingen.

Knowing history has its eyes on me


„Mr. Shacklebolt?“ Die Stimme, die so zaghaft seinen Namen rief, war dermaßen hoch, dass er mit einem Kind rechnete. Doch es war kein Kind, sondern eine junge Frau, die in seinem Türrahmen stand und ein einzelnes Klemmbrett festhielt.

„Ja? Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“ Gar nicht vermutlich. Aus irgendeinem Grund kam sie ihm bekannt vor, aber sein Gedächtnis brach langsam aber sicher unter all den Namen und Daten zusammen, die er sich merken musste.

„Die Verwaltung schickt mich und…“ Sie trat von einem Fuß auf den anderen. „Das war gelogen.“

„Aha.“

„Bitte entschuldigen Sie, Sir! Ich wollte nicht… es gehört sich nicht, zu lügen.“ Ihre Stimme wurde ganz quietschig und er bildete sich ein, dass sie Tränen in den Augen hatte.

„Das waren fünf Wörter. Keine allzu ausgeprägte Lüge. Ich bin also geneigt, Ihnen zu verzeihen, wenn Sie sich vielleicht vernünftig vorstellen möchten?“

„Mein Name ist Astoria Greengrass und ich… Mrs. Kimmkorn schickt mich.“ Die junge Frau drehte das Klemmbrett, das sie eng an sich gedrückt gehalten hatte und offenbarte eine giftgrüne Flotte-Schreibe-Feder. „Sie plant eine Kampagne gegen sie. Der… der pädophile Minister. Ich sollte mich als Praktikantin ausgeben und Sie…“ Sie errötete und Kingsley schüttelte das Bedürfnis ab, sich einvernehmlich zu räuspern.

„Ich verstehe.“ Mit einer einzelnen Handbewegung bot er ihr den Stuhl für Besucher an und hoffte, dass er keinen grässlichen Fehler machte.

History has its eyes on me


„Wie alt sind Sie?“

„19… also ich bin gerade erst 19 geworden. Letzte Woche um genau zu sein. Am Freitag.“

„Dann… alles Gute nachträglich.“

„Dankeschön, Sir.“ Sie schlug die Beine übereinander und befingerte nervös das Klemmbrett. Von der Flotte-Schreibe-Feder ging ein unangenehmes Surren aus, das ihn ganz nervös machte, sodass er sich kurzer Hand über den halben Tisch lehnte, die Feder schnappte und in einer Schublade seines Schreibtischs einschloss.

„Und darf ich fragen, was eine gerade erst Neunzehnjährige dazu bewegt, sich von Rita Kimmkorn verheizen zu lassen?“

„Ich will Journalistin werden und… ich habe mich bei allen möglichen Magazinen um ein Praktikum beworben und Mrs. Kimmkorn hat zuerst geantwortet. Außerdem hat die Hexenwoche die drittbesten Verkaufszahlen in England und Schottland und ich… ich habe das Gefühl, ich habe gigantischen Mist gebaut.“ Sie schniefte leise und auch, wenn immer noch die Chance bestand, dass er auf eine Schmierenkomödie hereinfiel, bot er ihr ein Taschentuch an. „Danke.“ Sie putzte sich geräuschvoll die Nase, wischte sich über die Augen und verrieb ihre Schminke so quer über ihr Gesicht. Mit den schwarzen Striemen auf ihren Wangen sah sie noch ein bisschen jünger aus. „Ich… Sie müssen mich für furchtbar blöd halten.“

„Ich halte dich nicht für furchtbar blöd… ich weiß noch genau, wie ich mich nach meinem Abschluss gefühlt habe. Ich wollte so viel – und wusste rein gar nichts. Ich habe mich übrigens tatsächlich für ein Praktikum in der Verwaltung beworben, weil mein Vater wollte, dass ich mir eine sichere Arbeit suche. Sicher und mit guten Aufstiegschancen. Das Problem war nur, dass meine Rechtschreibung eine Katastrophe war und das natürlich auch irgendwann aufgefallen ist. Nach drei Wochen war es so weit, dass ich nur noch die simpelsten Botengänge erledigen durfte. Bei einem dieser Botengänge bin ich, im Herbst 1981 wohlgemerkt, von Bellatrix Lestrange über den Haufen gerannt worden. Ich kannte ihr Gesicht nur von Fahndungsplakaten und habe mich so erschrocken, dass ich spontan einen Schockzauber auf sie abgefeuert habe. Zehn Sekunden später war ich von einem halben Dutzend Auroren umringt und eine Woche später hat mich Alastor Moody, der damals noch Leiter der Aurorenzentrale war, in die Ausbildung eingeschleust. Er meinte, jemanden mit meinen Reflexen könnte man nicht gehen lassen und ich sollte auf den Papierkram scheißen.“ Exakt das war Alastors Wortlaut gewesen – und genau deshalb war Kingsley sich sicher, dass es niemanden gab, der enttäuschter darüber war, dass er nun doch hinter einem Schreibtisch gelandet war. Dem größten und wichtigsten Schreibtisch im Ministerium – aber dennoch nur ein Schreibtisch.

„Beneidenswert.“

Let me tell you what I wish I'd known
When I was young and dreamed of glory
You have no control


„Du findest es beneidenswert, fast von Bellatrix Lestrange erschlagen zu werden?“

„Unter diesen Umständen schon. Ich kann nur davon träumen, dass meine Berufung mich eines Tages so findet… ich meine, das ist doch perfekt gelaufen. Also für Sie, nicht für Mrs. Lestrange.“ Sie zog nochmals geräuschvoll die Nase hoch, nahm sich aber kein zweites Taschentuch.

„Hör mal… wenn du wirklich schreiben willst, dann such dir ein Magazin aus, das du auch gerne liest. Schick deine Bewerbungen nicht einfach irgendwohin, sondern überleg… überleg dir gut, was du wert bist.“

„Ich bin aber doch nichts wert! Ich habe keinerlei Erfahrung! Hogwarts hat ja nicht mal eine Schülerzeitung und der einzige Text, der jemals von mir veröffentlicht worden ist, ist so ein peinliches Gedicht in einem Magazin für Hexen zwischen 9 und 14!!“

„Das ist aber doch besser als nichts.“

„Das ist einfach nur peinlich.“

Who lives, who dies, who tells your story


„Wie alt warst du, als du das Gedicht geschrieben hast?“

„12.“

„Und du denkst nicht, dass es schon verdammt cool ist, mit 12 überhaupt irgendetwas veröffentlicht zu haben?“

„Nicht wirklich… ich meine, es war die Young Witch, die drucken wirklich alles.“

„Das glaube ich kaum.“

„Als ob Sie… also Sie haben die Young Witch wohl kaum mal gelesen, oder?“

„Ich nicht, aber meine ältere Schwester – und seit einigen Jahren liest meine Nichte sie auch. Ganz große Literatur ist das natürlich nicht, aber welcher gute Schriftsteller hat schon mit ganz großer Literatur angefangen?“

„Da gibt es so einige!“

„Trotzdem. Wenn du den Anspruch hast, ein Wunderkind zu sein, kannst du direkt aufgeben.“

„Das hat mein Lieblingslehrer auch immer gesagt.“

I know that we can win
I know that greatness lies in you
But remember from here on in


Zum ersten Mal breitete sich ein kleines Lächeln auf dem Gesicht von Astoria Greengrass aus und schlagartig erinnerte er sich daran, woher er sie kannte. Sommer 1998. Der Prozess gegen Horace Slughorn. Dem alten Professor war fälschlicherweise unterstellt worden, sich aktiv an den Foltermethoden beteiligt zu haben, die von Amycus und Alecto Carrow an Minderjährigen angewendet worden waren. Mehrere Schüler, unter anderem Astoria Greengrass, hatten für Slughorn ausgesagt und beteuert, beim Nachsitzen stets nur Handschuhe geflickt oder Kessel gesäubert zu haben.

„Weißt du, warum ich normalerweise nicht mit Journalisten spreche?“ Mit einem Mal sah sie wieder ganz hilflos aus, sodass er entschied, sich seine Frage selbst zu beantworten und keine Spekulationen von ihrer Seite zu erzwingen. „Journalisten geben normalerweise nichts von sich selbst preis. Sie löchern dich mit Fragen, werden immer und immer persönlicher… und du hast dabei keine Ahnung, mit wem du es eigentlich zu tun hast. Für mich sind das keine richtigen Gespräche, sondern Verhöre. Und Verhöre will doch eigentlich niemand lesen, oder?“

„So…so habe ich das noch nie betrachtet.“ Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum, dachte kurz nach und schüttelte dann den Kopf. „Ich stimme auch nicht zu. Bei Interviews geht es schließlich um eine besondere Person. Niemand will etwas über das Leben von einem stinknormalen Journalisten lesen, wenn es eigentlich um einen Star gehen soll… oder um irgendeinen Politiker halt.“

„Mich würde das schon interessieren. Ich möchte wissen, woher der Mensch kommt, der in so einem Fall die Fragen stellt. Welchen Hintergrund er hat, welchen persönlichen Bezug – oder auch welche Vorurteile? Ich meine… mich würde beispielsweise brennend interessieren, warum Rita Kimmkorn denkt, dass es effektiv wäre, mich als pädophil zu inszenieren. Warum keinen Homosexuellen aus mir machen? Oder einen Rassisten? Oder einen Mann, der mit seiner eigenen Schwester ins Bett geht?“

„Wegen der Glatze.“

„Was?!“ Astorias Gesicht wurde ganz rot und sie senkte beschämt den Blick.

„Wegen Ihrer Glatze, Sir. Sie meinte… sie meinte, haarlose Männer hätten besonders viel Testosteron und… andere hormonelle Probleme. Sie meinte, da wäre es glaubhaft und… ich möchte das eigentlich gar nicht erklären.“

„Und ich möchte es eigentlich auch gar nicht so genau wissen…“ Er seufzte und schloss für ein paar Sekunden die Augen. „Du wirst nichts über mich schreiben, oder?“

„Was?“ Astorias Augen waren groß. Zu groß.

„Na… ich bin dir auf den Leim gegangen, oder? Du weißt jetzt sehr viel mehr über mich als die meisten anderen Journalisten in diesem Land.“

History has its eyes on you

     
„Ich werde nichts über Sie schreiben, Sir.“

„Versprochen?“

„Versprochen.“ Das kleine Lächeln war zurück und sie lächelte noch ganz aufrichtig, als er seine Schublade öffnete und die Flotte-Schreibe-Feder befreite.

History has its eyes on you


„Mr. Shacklebolt, wie heißt Ihre Freundin?“

„Herr Minister, was sagen Sie zu den Vorwürfen, dass Ihre Geliebte gerade erst volljährig war, als Sie zum ersten Mal…?“

„Stimmt es, dass Sie die Praktika im Ministerium nur an Hexen vergeben, die bei Ihnen höchstpersönlich vorgesprochen haben?“

„Kingsley, alter Freund… stimmt es, dass du und deine Schwester… na, du weißt schon?“
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