The Glamour of Anxiety

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
Ashallayn "Ash" Darkmyr Tallyn Meghan Chase OC (Own Character) Robin "Puck" Goodfellow
28.08.2016
05.03.2019
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Mein Name ist Spencer Anderson.
Und ich habe keine Ahnung was ich hier gerade mache. Ich starre auf die verwirrenden Zahlen und Formeln auf dem kariertem Blatt Papier. „Okay Spence.“, murmele ich gestresst vor mich hin. „Das X hast du bereits. Jetzt musst du nur noch...hm.“ Ja, das war wahrlich eine gute Frage. Was muss ich noch? Ich schnalze frustriert mit der Zunge und schlage mit der Handfläche gegen den Tisch. Es ist ein einziger Jammer. Mathematik ist wirklich nicht mein Lieblingsfach, doch man sollte wohl meinen, dass diese so einfach scheinenden Aufgaben ein leichtes für mich wären.
Ich blicke erneut auf das Blatt, diesmal hochkonzentriert und ganz in die Zahlen vertieft. Doch es nützt nichts. Ich lasse mein Mathebuch mit einem schwungvollen Klatschen zuschnappen und erhebe mich von meinem Stuhl.
Eigentlich sind meine Noten recht passabel, selbst in einem so fiesen Fach wie Mathematik, doch in letzter Zeit gehen mir all die Informationen über die schier endlose Suche nach X und Y nicht in den Kopf. Nein wirklich, es ist ein absoluter Jammer.
Mein Blick fällt auf die große weiße Uhr, die über meinem Bett hängt. Viertel vor zwei Uhr morgens. Habe ich wirklich schon drei Stunden an meinen Hausaufgaben gesessen?
Rasch schlüpfe ich in den Flur und tappe auf leisen Sohlen zu dem Badezimmer das ich mir leider Gottes mit meiner zwei Jahre älteren Schwester Elizabeth teilen muss. Eigentlich besitze ich ein eigenes Bad, doch vor etwa einer Woche ist ein Rohr geplatzt und anscheinend dauertes nicht nur einige Tage, um so etwas zu reparieren. Natürlich waren wir beide mehr als empört, als Mom uns mitteilte, dass wir unseren Hintern die nächsten Wochen auf dieselbe Kloschüssel setzen mussten. Eli weil sie sich in ihrer „Privatsphäre“ gestört fühlte – wobei ich anfing mich ernsthaft zu fragen was sie in diesem Bad für Wunder trieb, dass es sie so sehr störte es mit mir zu teilen – und ich weil... nun ich habe nicht wirklich einen Grund dafür dagegen zu sein, doch mich stört allein die Tatsache das ich dadurch erheblich öfter mit meiner Schwester zusammenstoße als es mir lieb wäre.
Leise öffne ich die große Tür die in das ach so Private Bad von Elizabeth führt und schließe ab. Mit einem wohligen Seufzen streife ich mir die Kleider ab und steige in die sperrige, warme Dusche. Ich stelle das Wasser abwechselnd von heiß auf kalt und wieder zurück und wasche mein Haar mit dem nach Rosen duftenden Shampoo von Elizabeth. Es ist mir eigentlich strengstens verboten die Hygieneartikel meiner Schwester zu benutzen, doch ich pfeife meist auf all die Verbote, die mir zuteilwerden, solange ich mir sicher bin dass man es mir anschließen nicht nachweisen kann.
Widerwillig schalte ich den warmen Strahl aus und steige aus der Dusche. Der Boden ist etwas zu kühl für meinen Geschmack, aber Elizabeth benutzt, anders als ich, ihre Bodenheizung nur in den kühnsten Wintertagen. Ich schlinge mir ein Handtuch um den Körper und beginne mein pitschnasses Haar trocken zu rubbeln.
Ich sehe in den Spiegel.
Vor mir steht ein zierliches Mädchen mit langem silbrigem Haar, welches ihr wie ein feiner Schleier bis an die Taille reicht, einem schmalen, spitzen Gesicht und grauen Augen die einen an funkelnde Silbermünzen erinnern. Ich streiche mir eine Strähne aus dem Gesicht und das Mädchen macht es mir nach.
Es ist nicht zu leugnen, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes als „hübsch“ definiert werden kann. Zumindest behaupten dass die meisten. Und auch wenn ich mit meinem Aussehen mehr als zufrieden bin gibt es etwas das mir ein Dorn im Auge ist seit ich nur denken kann: Meine Familie, bestehend aus meiner Mutter, meiner Schwester und meiner Großmutter Madleen, sehen selbst unserem Hund ähnlicher als mir.
Sie alle haben langes dunkles Haar und die dazu passenden braunen Augen, sind hochgewachsen und haben mehr – wie es die Tenniskumpanin meiner Mutter immer bezeichnet – Holz vor der Hütte als ich es selbst mit einem, mit Taschentüchern ausgestopftem, BH jemals haben würde.
Ich wische die nasse Pfütze die sich unter meinen Füßen gebildet hat auf und tripple leise zurück in mein Zimmer. Dort angekommen tausche in das Handtuch gegen ein langes seidenes Nachthemd ein und setze mich im Schneidersitz auf den Fenstersims.
Wieder werfe ich einen flüchtigen Blick auf die Uhr, die mir verrät, dass es bereits fast drei ist und das ich schleunigst ins Bett kommen sollte, doch ich bin einfach noch nicht müde und was würde es mir nützen wach in meinem Bett zu liegen wenn ich stattdessen die Sterne beobachten kann?
Ich lehne mich zurück und starre eine Weile auf die funkelnden Lichter die wie bewegungslose Glühwürmchen am Himmel zu kleben scheinen. Sofort löst sich jegliche Anspannung von mir und ein zufriedenes Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht.
Ich mag mein Leben.
Es ist vielleicht gefährlich so etwas bewusst zu denken. Das Schicksal, oder Gott oder was auch immer das Geschehen der Dinge da draußen lenkt, hat die lästige Angewohnheit immer genau dann etwas unerwartetes passieren zu lassen, wenn alles grandios und perfekt scheint. Aber dennoch, es ist nun einmal etwas was ich nicht leugnen kann. Mein Leben gefällt mir.
Ich gehe auf eine gute Schule, habe so einige Freunde, akzeptable Noten und lebe in einer schönen Stadt in einem schönen Hause mit einer nicht ganz so schönen Schwester, was aber nur ein sehr kleiner Minuspunkt in meinem sonst so ausgeglichenem Leben ist. Es ist schön.
Aber etwas fehlt. Ja. Etwas.
Ich balle meine Hände zu Fäusten, wie immer, wenn ich so frustriert an dieses etwas denke und es mir einfach nicht einfallen will. Etwas. Irgendwas fehlt.
Es ist als hätte ich bereits ein fast vollständiges Puzzle zusammengelegt und nun suche ich verzweifelt nach dieser einen Sache, diesem einen fehlenden Stück, dass, das Bild komplett machen würde.
Aber es fehlt. Und egal wie sehr ich suche, egal wie angestrengt ich nachdenke es will mir nicht einfallen.  Die Müdigkeit erobert meine Lider und ich schließe die Augen.
Das letzte woran ich denke bevor ich, eingemummelt auf meinem Fenstersims einschlafe, ist das ich morgen früher aufstehen muss, um vor Elizabeth im Bad zu sein.
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