PARABATAI

OneshotFreundschaft / P12
Alexander "Alec" Gideon Lightwood Emma Carstairs Jem Carstairs Lucian "Luke" Graymark Simon Lewis / Lovelace Valentine Morgenstern
27.08.2016
04.05.2017
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27.08.2016 1.748
 
„Simon, bist du fertig?“
Isabelle klopfte von außen laut gegen die Tür. Dann – ohne eine Antwort abzuwarten –schritt sie ins Zimmer und musterte Simon für eine halbe Ewigkeit ohne auch nur einen Laut von sich zu geben. Verunsichert sah Simon an sich herunter. Er trug – ziemlich Mundie-mäßig – eine dunkle Jeans und ein dunkelblaues Jackett über einem hellen Hemd. Eigentlich stand ihm dieses Outfit ziemlich gut, fand er selbst zumindest, auch wenn es ungewöhnlich war, sich selbst so zu sehen. Als sein Blick zurück zu Izzy wanderte, verriet ihre Mimik noch immer nicht, was sie dachte. Sofort kamen wieder Zweifel in ihm auf. Bestimmt wirkte er total lackaffig. Argwöhnisch lugte er in den Spiegel hinter sich. Sein Blick fiel auf Izzys Spiegelbild direkt über seiner Schulter. Sie grinst breit und zwinkerte ihm zu.
    „Du siehst fantastisch aus.“  
Erleichtert atmete Simon auf. Wenn Izzy das sagte, musste es stimmen. Nichtsdestotrotz fühlte er sich ein kleines Bisschen – okay vielleicht auch ein etwas größeres Bisschen – unwohl in diesem Aufzug.
    „Iz?“
Sie musste sein Unbehagen herausgehört haben, denn kurzerhand wurde Simon an den Schultern herumgedreht und von ihr in die Arme geschlossen.
    „Keine Sorge, Simon. Du tust das Richtige. Ich weiß, dass du Clary liebst.“
    „Das ist alles so neu für mich.“
Simon verfluchte sich innerlich dafür, dass er in solchen Situationen immer gleich weinerlich klang.
    „Du schaffst das, Simon“, flüsterte Isabelle und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Simon schauderte und ein Kribbeln ließ seine Haare an Armen und Beinen aufstellen, wie jedes Mal, wenn Izzy ihn berührte.
    „Ich muss nach Alec sehen“, warf Isabell ein und wandte sich ab, „du weißt ja, wie er ist. Simon nickte verständnisvoll, auch wenn er alles dafür getan hätte, dass Isabelle bei ihm blieb.
    „Wir sehen uns“, rief Izzy, als sie durch die Tür zurück auf den Flur trat und Simon alleine in seinem Zimmer zurückließ.

Die Abkommenshalle in Idris war von innen festlich geschmückt. Von den Decken hingen Banner und an den Stuhlreihen waren Blumensträuße befestigt. Misstrauisch beäugte Simon die Dekoration.
    „Na, was sagst du dazu?“
Jace trat von hinten an Simon heran und schlug ihm freundschaftlich mit der Hand auf die Schulter.
    „Also wenn ich ehrlich bin...“
    „Hör ich da etwa Kritik?“
Synchron drehten Jace und Simon ihre Köpfe nach hinten.
    „Izzy!“, rief Jace und umarmte seine Schwester. Diese erwiderte die Umarmung, zwinkerte aber über Jace´ Schulter hinweg Simon zu.
    „Dieses blaue Kleid steht dir echt gut, Izzy, aber das brauch ich dir ja nicht zu sagen.“ Jace lachte.
    „Oh, was hör ich da? Mr. Ich-bin-so-toll-wie-kein-anderer-und-alle-wissen-das bezeichnet irgendwen anderes außer sich als gutaussehend? Es ist ein Wunder geschehen!“, rief Simon sarkastisch und breitete die Arme aus. Jace bedachte ihm einen vernichtenden also-das-mit-dem-Sarkasmus-muss-du-echt-noch-üben-Blick, während Isabelle lachte und Jace spielerisch eine Kusshand zuwarf.
    „Isabelle, du siehst heute wirklich ganz bezaubernd aus.“
Magnus nahm Izzys Hand und küsste sie nach alter Manier sanft auf den Handrücken.
    „Danke, Magnus. Oh, Alec, wie siehst du denn aus? Ich hatte dir doch dein neues  hellblaues Hemd herausgelegt! Und was – beim Erzengel – hast du mit deinen Haaren gemacht?!“ Entsetzen war schon gar kein Ausdruck mehr für Izzys Reaktion. Verständlich. Alec trug ein lilafarbenes Hemd mit blaugrünen und goldenen Blumenstickereien und in seinen Haaren war so viel Glitter verteilt, das bei jeder Bewegung seines Kopfes etwas davon auf seine Schultern herabrieselte.
    „Alec!“, Izzy fixierte ihren Bruder mit einem Blick, der es in sich hatte. Dieser zuckte nur mit den Achseln und schielte zu Magnus, der einen Arm und seine Hüfte gelegt hatte.
    „Magnus!!“, empörte sich Izzy, und wurde sogleich mit einem tadelnden Blick gestraft.
    „Meine liebe Isabelle, du magst dich zwar mit Ahnung von Mode des 21. Jahrhunderts rühmen, doch ich bin noch immer derjenige von uns, der Vorzüge aller vergangener Zeitalter lieben und schätzen gelernt hat. Was also den Glitter betrifft, mit dem ich Alexanders Reize umso mehr hervorzuheben versucht habe...“
An dieser Stelle unterbrach Izzy Magnus hastig und winkte augenverdrehend ab, bevor dieser sich erst in Rage reden konnte.
    „Komm, Simon, es geht los. Lass uns zu unseren Plätzen gehen.“
Mit einem letzten gequälten Blick auf Alec riss Izzy sich vom Anblick der beiden Diskokugeln los und hakte sich in Simons Arm unter. Sanft führte sie ihn durch den Mittelgang der Abkommenshalle, bis sie ganz vorne angekommen waren. Nebeneinander nahmen sie auf den vordersten Stühlen Platz. Simon war so nervös, dass er vor Anspannung auf seinem Platz hin und her rutschte.  
    „Hey, ganz ruhig“, flüsterte Isabelle beruhigend und legte eine Hand auf Simons Oberarm. Das gewohnte Kribbeln breitet sich aus und versetzte jede Faser seines Körpers in Schwingungen. Es trug nicht im Mindesten zur Beruhigung bei. Simon versuchte langsam zu atmen und lauschte auf seinen Herzschlag. Clarissa-Clarissa-Clarissa. Ein Seufzer entfuhr ihm. Jetzt pumpte auch noch sein Herz zum Rhythmus von Clarys Namen.

Alle Menschen in der Halle verstummten, als Konsulin Jia Penhallow nach vorne trat und die Eröffnungsworte sprach. Simon versuchte ihrer Rede zu folgen, doch die Wörter erreichten ihn nur als einzelne Buchstaben und seine Gedanken zucken unkontrolliert hin und her. Fast hätte er verpasst aufzustehen, als Jia ihn nach vorne bat, doch ein nicht ganz schmerzfreier Rippenstoß von Izzy holte ihn zurück in die Gegenwart. Taumelnd erhob er sich von seinem Stuhl und stolperte die drei Stufen hoch zur Konsulin. Erst als er von dem hellen Lampenlicht geblendet wurde, realisierte er wieder warum er überhaupt hier war. Den ganzen Tag hatte er sich mehr oder weniger erfolgreich bemüht sie aus seinen Gedanken zu verbannen, doch jetzt, wo sie direkt vor ihm stand,  fluteten seine Gefühle in ihm hoch und zerbrachen beinahe mühelos den Staudamm. Clary-Clary-Clary-Clary. Er sah Bruchstücke seiner Erinnerungen in seinen Gedanken aufblitzen. Erinnerungen, die er zu vergessen geglaubt hatte, die aber nun langsam wieder in ihm hochkochten. Clary und er als Kinder, eng aneinander geschmiegt im Schlaf. Sie beide in der Grundschule, Clary am zeichnen, er sie beobachtend. Clary und er mit Luke am See. Stunden des Glücks.
Wie in Trance bemerkte Simon wie die anderen Ratsmitglieder nach vorne kamen und sich im Halbkreis um sie herumstellten.
    „Simon?“ Clarys leise Stimme zog ihn aus seinen Gedanken.
Hastig blinzelte Simon den Schleier vor den Augen weg.
    „Sind Sie bereit mit der Zeremonie zu beginnen, Mr. Lovelace?“ Jia Penhallow stellte in aller Ruhe ihre Frage zum zweiten Mal. Simon nickte. „Gut, dann lasst uns anfangen.“
Schweiß sammelte sich in Simons Handflächen und seine Knie zitterten heftiger als jemals zuvor.
    „Schwört ihr beim Engel Zacharel, dass ihr euch gemeinsam mit Hingabe dem widmen werdet, was als die Mission der Schattenjäger bekannt ist?“
    „Wir schwören.“ Simon krächzte mehr als das er sprach, doch Clarys Stimme war fest und sie blickte ihm tief in die Augen.
    „Schwört ihr beim Erzengel Raziel, dass ihr all euer Wissen und eure Fähigkeiten teilt, um eins zu werden im Kampf, und so alles Böse bis zum Sieg zu bekämpfen?“
    „Wir schwören.“ Clarys Entschlossenheit sprang auf Simon über und neue Sicherheit strömte durch seinen Körper.
    „Schwört ihr beim Erzengel Michael, euch gegenseitig zu schützen, euer Leben in die Hände des anderen zu legen und eure gemeinsame Kraft dazu zu nutzen, dem Rat und der Sache treu zu dienen und so die Welt von allem Übel zu befreien?“
Clary und Simon tauschten einen intensiven Blick.
    „Wir schwören.“
    „Dann reicht euch eure Stelen, tragt einander die Rune auf und sprecht die Worte des Bundes.“
Simon schluckte, als er seine Stele aus seiner Hosentasche hervor zog und sie auf Clarys Halsbeuge ansetzte. Er holte tief Luft.
    „Zwing mich nicht, dich zu verlassen,
    Oder mich davon abzuhalten, dir zu folgen.“
Simon fuhr mit seiner Stele über Clarys zarte Haut. Dunkle Linien brannten sich in ihre Haut. Sie verkrampfte sich. Trotzdem sprach sie mit selbstsicherer Stimme weiter.
    „Wo du hingehst, da gehe ich hin.“
    „Wo du bleibst, da bleibe ich“, stimmte Simon wieder mit ein.
    „Mein Volk soll dein Volk sein
    Und dein Gott soll meiner sein.“
Er zog den letzten Strich der Rune. Es war eine hübsche Rune und sie machte sich außerordentlich gut auf Clarys Hals. Entschlossen neigte er seinen eigenen Kopf zur Seite und entblößte Clary seine Kehle.
    „Wo du stirbst, sterbe ich und
    da will ich begraben sein.“
Simon zuckte schmerzhaft zusammen als die Stele glühend heiß seine Haut berührte. Er zwang sich auf seine Zähne zu beißen und trotzdem den Text so verständlich wie möglich fortzuführen.
      „Der Erzengel tue mir an, was er will –
    Nur der Tod soll mich und dich scheiden!“
Mit einer letzten schwungvollen Bewegung vollendete Clary die Rune und der brennende Schmerz ließ nach. Simon suchte ihren Blick und hielt ihn fest, während Jia ein paar abschließende Worte sprach. Weder er noch Clary schenkten ihren Worten Beachtung. Sie waren zu berauscht von dem Gefühl, dass durch ihre Körper pulsierte. Es war ein Gefühl, das einem den Atem nahm und zugleich mit endlosem Glück erfüllte. Es machte den Einzelnen schwach, aber zusammen umso stärker. Niemand könnte es auch nur ansatzweise schaffen, dieses Gefühl in Worte zu fassen.
Jubelrufe drangen nach und nach zu ihnen durch. Jias Rede war anscheinend vorbei. Gleich würden sie von ihren Freunden umringt sein, doch bevor sie auf diese Weise wieder getrennt werden konnten, wollte Simon den einzigartigen Moment der Zweisamkeit bis zur Fülle ausnutzen. Ohne ein Wort zu sagen, sah er Clary in die Augen. Sah die unendliche Tiefe ihrer Seele, sah Clary wie sie war, mit all ihren Fehlern. Sie brauchten sich voreinander nicht zu verstellen. Jeder kannte den jeweilig anderen genauso gut wie sich selbst. Genau in einem solchen Moment war sich jede Zelle in seinem Körpers bewusst, warum er Clarys Wunsch zugestimmt hatte. Sie brauchten keine Worte um sich zu verständigen. Ein Blick drückte mehr aus, als 1000 Worte jemals könnten. Okay  – vielleicht gab es doch ein Wort, das beschrieb, was in diesem Moment in ihm vorging.
    „Parabatai“, formten Clarys Lippen stumm, bevor Isabelle sich um ihren Hals warf und sie zusammen fast das Gleichgewicht verloren.
    „Parabatai“, antwortete Simon genauso lautlos und ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen.

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Hallo,
ich hoffe euch gefällt diese Darstellung der Zeremonie von Climon. Ich muss dazusagen, dass ich die Legenden der Schattenjäger-Akademie bzw. die originale Zeremonie nie gelesen hab und dies so geschrieben ist, wie ich mir es vorstelle.
Die genauen Worte des Parabatai-Eides stammen aus dem Schattenjäger Wiki.
http://de.chronikenderunterwelt.wikia.com/wiki/Parabatai
Schreibt gerne ein Review, wenn ihr irgendwelche Verbesserungsvorschläge habt :)
Bis denne,
Amber
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