Neue Teams = neues Chaos?

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Lie Ren OC (Own Character) Pyrrha Nikos
25.08.2016
26.11.2017
8
25.180
 
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
25.08.2016 4.519
 
Hallihallo ihr Lieben,

dies hier ist eine Zusammenarbeit von den beiden Mädels, die diesen Fanfiktionaccount ihr eigen nennen. Nach ein paar kurzen Infos dürft ihr euch auch sofort ins Lesevergnügen stürzen.

Diese Story hält sich im Groben und Ganzen an den Verlauf der Serie (zumindest bis Staffel vier), mit der einen oder anderen Änderung oder Ergänzung vielleicht. Geschrieben wird immer aus der Sicht eines Oc's.
(Sapphire, Ryu -> Sapphire ---- Jolly, Kenji -> Strawberry)

Genug geredet. Viel Spaaaaß!!!
LG Sapphire & Strawberry

Ps: Egal ob Faunus, Mensch oder Roboter (oder etwas ganz anderes O.o), lasst uns doch ein Review da ^.^

--------------------------------------------------------------------------------------------------


„Wo ist denn dieses kleine Miststück?“, schrie er laut, allerdings so lallend, dass man fast sehen konnte, wie betrunken er war. Ihr fragt, wer Er ist? Nunja, es ist mein Vater. Mein betrunkener Vater, der auf der Suche nach mir ist. Erfolglos allerdings. Ich hasste es, wie er sich fast täglich betrank, nur um dann mir die ganze Schuld zu geben. Ich gebe ja zu, ich bin nicht das Musterkind, und ich bin gerade mitten in der Pubertät, aber ehrlich, ich konnte echt nichts dafür, dass seine Frau, meine Mutter, spurlos verschwindet und eine Tochter hinterlässt, die ihr verdammt ähnlich sieht. Also eigentlich, um genau zu sein, sind es zwei Töchter. Die eine mit rotem Haar, wie mein werter Herr Erzeuger, war das Vorzeigekind, und 'studierte' nun in Beacon. Ihr kennt sie sicher alle. Rote Haare, verdammt gute Speerkämpferin und so weiter.  So, habt ihr es erraten?... Ja, meine große Schwester ist Pyrrha Nikos. Mein Name ist Sapphire Nikos. Und ich bin in fast allen Dingen ihr Gegenteil. Muss ich das aufzählen? Also, schwarzes Schaf der Familie, erste Nicht- Schwert- oder Speerkämpferin seit Generationen, keine Lust an Turnieren teilzunehmen, oder mich von so einem Naseweis von uralten Huntsman in Schwertkampf unterrichten zu lassen, da diese eh immer meine Schwester bevorzugten. Ich will hier aber nicht Pyrrha schlecht darstellen! Sie hat einfach nur das Glück, die Ältere, Beliebtere und Bessere zu sein. Also besser in den für meine Familie wichtigen Dingen. Und sie hatte das Glück, dass sie nach Beacon 'flüchten' konnte und so von hier weg konnte. In wenigen Tagen konnte ich das auch, aber die Zeit zog sich einfach so unfassbar in die Länge. Und nun kauerte ich in einem kleinen Hohlraum in der Treppe und hörte meinem Vater beim fluchen zu. Ich musste nur warten bis er 'nachtanken' wollte. Und dies war auch bald der Fall. Ich hörte wie die Tür zu unserem Salon oder wie auch immer, ich nannte diesen Raum eigentlich fast nur Tankstelle in Gedanken, naja,  ich hörte wie die Tür mit dem altbekannten Quietschen aufging. Das war so eine Art Signal für mich. Ich drückte die Bretter weg (mein Vater wusste seit Jahren nicht, dass sie locker sind...) und zog mich geschmeidig und vor allem lautlos aus meinem Versteck. Sachte schob ich sie wieder zurück und joggte die Treppe hoch. Ich war gerade frühstücken, als ich 'unterbrochen' wurde, also rannte ich barfuß dementsprechend in einem, mir um Längen zu großen Shirt in Richtung meines Zimmers. Warum mussten wir auch in einem so verwinkeltem Haus wohnen? Und warum war mein Zimmer ganz hinten? Ich sprintete weiter, und hörte wieder das Quietschen der Tür. Mist, das ging schnell. Ich beschleunigte und ignorierte, dass die Bretter unter meinen Füßen laut ächzten. Ich rannte in mein Zimmer und schob dort angekommen sofort meinen Stuhl unter die Türklinken. Ich war schon verdammt geübt darin. Flink rannte ich zu meinem Kleiderschrank. Die meisten Sachen von mir waren Second Hand von Pyrrha. Da mir rot aber nicht wirklich stand, hatte ich natürlich auch passende Sachen in blau und schwarz. Mein Lieblingsoutfit sieht nicht ganz unähnlich aus, wie das meiner Schwester, aber es ist definitiv nicht dasselbe. Ein silbernes Oberteil, das dem Korsett meiner Schwester ähnelte, nur eben meine passenden Farben, Silber und Blau enthielt. Danach schlüpfte ich in eine kurze dunkle Hose, um die ich sofort mein Tuch schlang. Vor längerer Zeit brachte meine Mutter mir und Pyrrha zwei Tücher mit, ihres rot und meines natürlich blau. Es war zur Gewohnheit geworden, diese um die Hüfte zu tragen. Es identifizierte uns. Und es erinnerte – ein Denkmal an unsere Mutter. Nachdem ich kurz in Gedanken versunken über den weichen Stoff gestrichen hatte, zog ich mir meine eisernen Armschienen über, und gleich danach ein passendes Paar an den Schienbeinen. Zuletzt schlüpfte ich in meine Stiefel mit Blockabsätzen, in denen man sich erstaunlich gut fortbewegen konnte. Somit war mein Outfit komplett, fehlte nur noch eine Sache. Schnell klettere ich die Leiter zu meinem Bett hoch. Mein Zimmer ist, im Verhältnis zu den anderen im Haus, verdammt klein, aber dafür verdammt hoch. Mein Bett befindet sich drei Meter über dem Boden, und wenn man von dort aus über einen anderen Balken balancierte, stand man vor einer länglichen Truhe, in der ich meine Waffe aufbewahrte. Ihr Name ist 'Crystal Lily' (=Kristalllilie). Schnell ließ ich die Schnallen der Truhe aufflippen und verlor fast die Balance, als mein Vater gegen meine Türe krachte. Früher bin ich einfach aus dem Fenster, doch leider verhinderte dies nun ein äußerst stabiles Gitter. Ein Grinsen schlich über mein Gesicht, als ich meine Waffe erblickte. Es war ein Bogen aus modernem schwarzen Metall, welches eine Art Glas umfasste, welches geheimnisvoll schimmerte. Es lag auch ein Köcher mit Pfeilen in der Truhe, den ich mir über die Schulter schwang und spürte, wie er an der angebrachten Halterung meines Korsetts einrastete. Dann nahm ich mir meinen Bogen und fuhr einmal über das Metall. Es war leicht und dünn, aber dennoch verdammt stabil. Leider pochte mein Vater immer noch mit aller Kraft gegen die Türe, wodurch mein Stuhl begann, nach vorne wegzurutschen. Das fand ich aber gar nicht so schlecht, denn dadurch konnte ich entkommen. Langsam balancierte ich auf dem Balken direkt über der Tür. In dem Moment, als ich stillstand, zerbrachen zwei Beine meines Stuhles und mein Vater krachte laut schreiend durch die Türe. Ich würdigte ihn nicht eines Blickes, lies mich vom Balken herabfallen und sprintete los. Ich kannte das Haus in und auswendig und so rannte ich den gesamten Weg von vorhin zurück. Ich hörte Gebrüll hinter mir, wurde als 'Schlampe' und weiterem bezeichnet... Ich hab dich auch lieb Daddy, dachte ich bloß kurz in Gedanken, dann nahm ich einen Spezialpfeil aus meinem Köcher. Eigentlich hätte ich ja bloß die Treppe herunterrennen können, aber ich liebte dafür meine Waffe zu sehr und nutzte sie bei jeder Gelegenheit. Nun legte ich den Pfeil, der eine Spitze mit Widerhaken hatte, an die Bogensehne und schoss im Laufen auf den Kronleuchter, der die riesige Eingangshalle beleuchtete. Die Haken bohrten sich in das Holz und es spannte sich ein dünnes Seil zwischen meiner Crystal Lily und der Lampe. Ich sprang vom Galeriegeländer ab, schwang mich elegant durch die Luft und landete leichtfüßig vor den massiven Eingangstüren. Ich zog an der Schnur, der Pfeil surrte und lag wieder in meiner Hand. Wie gesagt, ich bin zwar nicht begabt im klassischen Schwert- oder Speerkampf, aber mit meinem Bogen konnte ich ganz gut umgehen. Vor allem, da dieser eine Sonderanfertigung war und so eine Menge Special Effects hatte. Ich griff nach dem Türknauf, hielt inne und drehte mich um. Vater stand wild schnaufend oben am Geländer. Sein Kopf glühte rot und seine Hände zitterten. Dennoch fühlte ich keinen Zorn, sondern nur Mitleid. Es tat weh, ihn so zu sehen. Wir waren einst so glücklich gewesen; eine Familie, wie aus dem Bilderbuch. Doch dann war unsere Mutter verschwunden, und Vater hatte einen komischen Anruf erhalten. Ich und Pyrrha sind damals an der Tür gestanden und haben gelauscht, allerdings nur Wortfetzen verstanden. Danach ist es immer schlimmer geworden mit ihm.
Nun stand ich wieder hier an der Tür und wusste nicht, ob ich jemals wieder nach Hause zurückkehren würde. Eine einzelne Träne rann aus meinem Augenwinkel, bevor ich den Blickkontakt zu meinem Erzeuger unterbrach und entschlossen die Tür aufdrückte. Wir wohnten in einer kleinen, ruhigen Stadt, die sich an eine Hügelkette im äußersten Rand des Königreiches Vale drängte. Außerhalb der Tür spürte ich ein vertrautes und geliebtes Gefühl der Freiheit. Der Wind fuhr durch meine offenen blau-schwarzen Haare. Meistens hatte ich diese zu einem Zopf, oder einem Dutt zusammengebunden, doch das hatte ich leider in der Eile vergessen. Ich hörte drinnen ein lautes Rumpeln und rannte los. Raus aus dem großen Vorgarten, der nur noch mit Mühe als ein solcher erkennbar war. Vieles hatte unter der Trinksucht meines Vaters gelitten. Ich öffnete das schwarze Eisentor unserer Einfahrt nicht, sondern kletterte darüber. Es war versperrt, also war mein Weg schneller. Kiesel knirschten unter meinen Schuhen, als ich am Boden aufkam. Ich drehte mich zur Seite und rannte los. Einmal um unser Grundstück herum. Hinter diesem war nämlich ein Wald, der auch die Grenze von Vale bildete. Ich rannte den Hügel, auf dem unsere Villa stand, hinab. Meine Füße folgten wie automatisch einem Trampelpfad, der sich durch das hüfthohe Gras wand, und dann in den Wald führte. Ich atmete tief die frische Luft ein und genoss die Sonnenstrahlen, bis ich in den Wald hineinrannte. Dort war es aber auch angenehm kühl und der Geruch von Tannen und Moos verzauberte mich. Meine Mutter hatte den Wald geliebt. Ihr Heimatort war jenseits davon, und sie war oft mit mir und Pyrrha dort gewesen; ohne Vater, der oft mit seiner Arbeit zu tun gehabt hatte. Er war hoch angesehen gewesen in der Stadt , bis er wegen Alkoholmissbrauchs seinen Job verlor, und alle ihn nur noch als verwahrlosten Säufer abstempelten. Meine Füße folgten weiterhin dem Trampelpfad und ich wurde nicht langsamer, bis ich auf einer Lichtung ankam. Sie war nicht zu groß und nicht zu klein. Vor mir lag ruhig ein kleiner Teich in der Sonne, umgeben von den verschiedensten Büschen und Blumen. Es war das Geheimversteck von mir und Pyrrha sozusagen, auch wenn es nicht allzu geheim war. Ich ließ mich auf eine kleine Holzkonstruktion am Ufer fallen. Hier fühlte ich mich mit Mutter verbunden. Ich war schon immer ein Mutterkind gewesen, vielleicht weil ich ihr so ähnlich war. Mein Charakter und auch mein Aussehen ähnelten ihr zu 99 Prozent. Ich starrte lange ins Wasser, mich fragend, was ich tun sollte. Ich wollte einfach  nicht mehr zu dem Ort, der mein 'Zuhause' sein sollte. Ich hatte noch drei Tage, bevor das Flugzeug/Schiff kommen würde, welches direkt nach Vale flog, und mich somit nach Beacon brächte. Langsam reifte ein Plan in meinem Kopf. Es war noch Vormittag, also würde ich Teile meiner Vorhaben heute noch umsetzen können.
„Danke Mom.“, flüsterte ich, denn ich vermutete, dass ich nicht ganz allein auf diesen Plan gekommen war. Ich tippte mit der Fingerspitze sanft auf das Wasser und beobachtete die kleinen Wellen, bis sie verebbten. Dann stand ich auf und lief den Weg zurück. Der Wind war schwächer geworden und ich rannte mit Tränen in den Augen an meinem Zuhause vorbei. Ich war nicht glücklich gewesen in den letzten Jahren. Doch davor hatte ich den Anblick dieses Hauses geliebt; vor Allem nach der Schule. Ich rannte nun den Kieselweg unserer Einfahrt herunter und sah, wie meine Nachbarin gerade Richtung Stadt losfahren wollte. Ich hob meine Hand und hoffte, sie würde mich bemerken. Sie war ein Teil meines Plans. Ihr Name war Mia. Sie hatte einen gutmütigen Charakter und sah auch so aus. Also nett und freundlich. Ich rannte bis zur Autotür, dessen Fenster sie geöffnet hatte.
„Mia, könntest du mich vielleicht mitnehmen?“, fragte ich leicht außer Atem. Ich wusste, dass sie zu der kleinen Herberge mit Restaurant im Stadtzentrum fahren würde, die sie und ihr Mann betrieben. Ich hatte dort auch schon öfters gejobbt im letzten Jahr, um nicht so oft daheim sein zu müssen und irgendwie hatte ich ja auch meinen Bogen abbezahlen müssen.
„Natürlich Sapphire, steig doch ein“, kam die freundliche Antwort, mit der ich schon gerechnet hatte. Ich ging um das Auto herum und stieg ein, und während wir fuhren erklärte ich ihr meine Situation und mein Vorhaben. Ich fragte sie, ob ich nicht für 3 Tage ein kleines Zimmer in der selten ganz ausgelasteten Herberge bewohnen könnte. Sie lächelte und nickte. Ich bedankte mich ehrlich aus tiefstem Herzen. So musste ich meinem Vater nicht über den Weg laufen und konnte mich in Ruhe auf meine Reise nach Beacon vorbereiten. Ich hatte noch drei Tage. Heute würde ich nicht mehr sonderlich viel schaffen, aber ich hatte noch viel vor. An der Herberge angekommen sagte ich Mia, dass ich am Abend wiederkommen würde, was sie nickend bestätigte. Ich drehte mich um und ging die Straße hinunter, bog rechts ab, folgte dieser Straße eine Weile und traf dann auf den Hauptplatz der Stadt. In der Mitte war ein Brunnen mit einer Statue, auf der eine Meerjungfrau einen Piraten verführte. Dieses Denkmal war das Wahrzeichen, auch wenn es oft als zu freizügig oder unpassend bezeichnet worden war. Ich ging im Schatten der Bäume entlang, und suchte mir ein Geschäft, das hatte, was ich brauchte. Reisetaschen, Kleidung und andere nützliche Gadgets die ich fand. Ich hatte genug Geld gespart im letzten Jahr, um mal so richtig shoppen zu gehen. So lief ich von einem Geschäft zum nächsten, kaufte dieses und jenes. Es war verdammt spät als ich wieder zurückkam, und ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, ob Mia mich in der Herberge wohl vermisste. Ich seufzte und schleppte meine Tüten in Richtung Rezeption, die, wie viele junge Frauen beim Eintreten erleichtert feststellen, nicht im Bereich des 'Restaurants' (eher Kneipe) lag. Hinter dem Tresen stand eine geschäftige Mia, die mit ihrer Lesebrille auf der Nase vermutlich Rechnungsausstellungen nachkorrigierte. Ich begrüßte sie und bekam als Antwort einen kurzen freundlichen Blick und einen Schlüssel über die Theke zugeworfen, der mir ein Zimmer direkt unter dem Dach zuwies. Ich kannte es, klein aber fein. Ich schleppe meine Taschen nach oben und stelle sie in meinen Raum, und ließ mich, ohne mich umzuziehen, in das Bett fallen.
Am nächsten Morgen schlief ich wohl ziemlich lange, den geweckt wurde ich von Mia durch langes Klopfen an der Tür. Verschlafen blickte ich sie an.
„Wenn du heute noch was vorhast, solltest du langsam mal aufstehen Liebes“, meinte sie gutmütig. Ich nickte und besah mir das Tütenchaos, welches das halbe Zimmer einnahm. Ich hatte mir gestern mehrere großräumige Taschen zugelegt, in die ich wohl erst mal das neue Zeug einsortieren sollte. Allerdings wies mich mein Bauch zurecht, der schon fast peinlich laut knurrte. Ich hatte das Abendessen vergessen! Mit fliegenden Schritten rannte ich hinunter, nur um Mia zu sehen, die den Hauptraum der Gastronomie putzte. So wie es aussah, schien es gestern mindestens eine Eskalation gegeben zu haben, denn mehrere Tische schienen beschädigt und es lagen viele Scherben und andere Reste herum. Mich wunderte es zwar, dass diese Sauerei nicht schon verschwunden war, fragte aber nicht nach, sondern nahm fast schon aus Gewohnheit den zweiten Wischmopp aus der kleinen Hinterkammer und half ihr.
„Du musst das nicht machen, du bist ein Gast Liebes“, meinte Mia nur, doch ich machte weiter. Wenn sie mich schon verbilligt hier wohnen ließ, dann konnte ich auch etwas dafür tun. Es dauerte fast vier Stunden, alles wieder in Ordnung zu bringen, und ich half auch noch beim Aufräumen der Küche, und zauberte mir und Mia dann ein großes Frühstück, da wir beide ja heute schon fleißig gewesen waren. Okay, eigentlich war es ein verspätetes Mittagessen, denn es war schon zwei Uhr. Ich erzählte Witze und wir amüsierten uns prächtig. Ich mochte sie sehr, denn sie war meine nächste Bezugsperson neben Pyrrha (und meiner Mutter...). Freunde hatte ich nicht wirklich. Einerseits war ich nicht gerade der sozialste Mensch, und der Ruf meines Vaters als hemmungsloser Säufer brachte die meisten dazu, schon aus Prinzip nichts mit mir zu machen. Früher habe ich das gehasst, mittlerweile akzeptierte ich es. Nach dem Essen wusste ich nicht so recht, was ich mit meinem Tag noch anfangen sollte. Das letzte, was ich vor meiner Abreise noch machen wollte, konnte ich heute nicht mehr umsetzen, es war zu spät dazu. Aber was tun? Ich verzog mich auf mein gemietetes Zimmer und sortierte Kleidung in die Taschen. Ich hatte fast ausschließlich blaue und schwarze Sachen gekauft, oder auch  mal Silber und andere Farben, die sich mit meinen tiefblauen Augen und meinen blau-schwarzen Haaren 'vertrugen'. Ich mochte mein Aussehen. Ich war hübsch, hatte einen schlanken, zierlichen Körperbau (einen halben Kopf kleiner als Pyrrha). Ich band meine Haare zu einem Zopf. Ihr Schnitt war ebenfalls ähnlich dem von Pyrrha, nur, dass mein Pony kürzer war und mir auf beiden Seiten zwei lange Strähnen vorne herausfielen. Eine Art Diadem, wie sie es trug, besaß ich auch, trug es aber eigentlich nie. Es war ein Geschenk meiner Schwester, doch ich hob es nur in seiner Verpackung auf; zu groß war die Angst es würde kaputt gehen. Bei einem Blick auf die Uhr erschrak ich. Es war schon sechs? Ich hatte nicht einmal Hunger, obwohl ich um diese Zeit meistens Abendessen hatte. Gerade als ich noch einmal meine Taschen gepackt hatte und ein wenig frische Luft schnappen wollte, klopfte es. Ich öffnete die Tür und Mia stand vor der Tür. Sie war leicht rot und schien sich irgendwie ertappt zu fühlen.
„Hast du, hast du jetzt etwas Zeit?“, fragte sie mit kleinlauter Stimme. Irgendetwas stimmte nicht. Ich nickte und sah sie beruhigend an, ich würde ihr niemals den Kopf abreißen.
„Kannst du vielleicht bedienen helfen? Ich, ... ich komme alleine nicht klar, Nadja ist krank und ich will nicht, dass die Männer, nun ja, aggressiv werden...“, murmelte sie und sah mich bittend an. Ich nickte und grinste. Ich mochte den Job, denn man sah Menschen verschiedenster Arten, oder auch mal einen Faunus. Der Nachteil war, dass die meisten 'angeheiterten' Männer leicht auf dumme Ideen kamen. Nadja machte das nichts aus, sie war fast schon eine Nutte, doch Mia hasste es sehr, als Bedienung aushelfen zu müssen. Ich durfte mich wehren, und da ich das besser als sie konnte, ging ich runter, warf mich in das NICHT knappe Outfit einer Kellnerin und ging in den, mit Gesprächslärm gefüllten Raum. Die ersten drei Stunden verliefen reibungslos. Ich hatte viel zu tun, und ignorierte gekonnt die Blicke der Männer, die mich halb auszuziehen schienen. Ich wollte gar nicht wissen, was ich in deren Vorstellung unter dem Kleid für Proportionen hatte. Leider kam ich nicht drum herum, einmal begrapscht zu werden. Ich wollte gerade zwei Limonaden an ihren Platz bringen, als eine Hand über meinen Hintern und dann langsam unter mein Kleid strich. In einer geschmeidigen Bewegung drehte ich mich um und stellte mit einer Hand das Tablett auf das Tisch, griff mit der anderen nach der, des Arschlochs, welche es gewagt hatte, mich anzufassen. Ich packte zu und drehte den gesamten Arm, sodass er vom Stuhl rutschte und sein Bier über sich verschüttete und dann kopfvoraus am Boden aufkam, was definitiv nicht ganz schmerzlos gewesen sein konnte. Dann nahm ich ihm das leere Bierglas aus der Hand und hob das Tablett. Es war komplett still.
„Kellnerinnen anfassen ist bei mir nicht erlaubt.“, sagte ich laut und brachte dann die Getränke zu ihrem Bestimmungsort. Die Gespräche wurden fortgeführt und später meinte Mia, ich sollte schlafen gehen, sie würde weitermachen. Die betrunkene Männergruppe wankte in diesem Moment zur Tür raus. Ich nickte, meine Arme brannten von den Sachen, die ich durch den Raum getragen hatte. Oben verfiel ich sofort dem verlockenden Schlaf.
Es brach der letzte Tag an, den ich hier verbringen wollte. Und ich war nervös, denn ich hatte beschlossen, meinem Vater ins Gesicht zu sagen, was ich von ihm hielt. Und das war nicht gerade wenig. Pyrrha hatte immer gemeint, es wäre besser, nichts zu sagen, doch ich hielt es nicht mehr aus. Er musste endlich was ändern. Und ich würde ihm helfen, ob er wollte oder nicht. Kurz nach Mittag nahm ich meine Waffe und rannte dann zum Bus, den ich fast verpasste. An unserem Haus angekommen musste ich tief einatmen, bevor ich einen extra dünnen Pfeil aus meinem Köcher zog, und dann das Schloss, welches das Eisentor verbarrikadierte, aufschloss. Es quietschte laut, da die Türflügel seit Jahren zum ersten Mal wieder geöffnet wurden. Eine kurze Erinnerung blitzte mir durch den Kopf: Ich und Pyrrha liefen hier entlang, Vater lachte und breitete die Arme aus, während Mutter am Balkon stand und grinste. Ich schüttelte den Kopf. Jetzt nicht ablenken lassen. Langsam schritt ich die Einfahrt hinauf, Kiesel und Pflanzen knirschten unter meinen Schuhen. Ich hatte mit der Zeit sogar gelernt, auf unebenem Terrain, wie Kiesel, mit Absätzen zu laufen. Mich innerlich beruhigend schloss ich die Haustür ebenfalls mit meinem Pfeil aus. Meinen Schlüssel hatte mein Vater mir schon lange weggenommen, weil ich aber auch immer weglief. Nun stand ich wieder in der großen Eingangshalle, die früher hell beleuchtet war durch große Fenster, die jetzt mit allerlei Tüchern zugehängt waren. Überall lagen dicke Staubschichten. So gutmütig wie ich war, hatte ich die wichtigen Räume geputzt, doch ich bin kein Hausmädchen. Ich hörte es Knallen, dann wurde die Tür zur Tankstelle oben aufgerissen und die schweren Schritte meines Vaters kamen mir entgegen, bis er oben am Treppenabsatz stand und mich anstarrte wie einen Alien.
„Hi... Dad“, sagte ich in die Stille, die nur von seinem schweren Schnaufen unterbrochen wurde. Er war einst ein guter Kämpfer gewesen, hatte seine Kinder sogar manchmal selbst unterrichtet, aber jetzt war er vollkommen außer Form. Seine Gesichtszüge entgleisten angesichts meiner Worte. Er fing sich schnell wieder und fragte erstaunlich beherrscht:
„Was machst du denn noch hier?“
Ich war erstaunt, dass er noch einen normal gebildeten Satz ohne Schimpfwörter von sich geben konnte.
„Ich will reden. Mit dir“, gab ich zur Antwort, aber es fiel mir schwer, denn meine Stimme brach fast weg. Seine Antwort war nur ein wütendes Schnauben, worauf er verschwand. Gut, wenn er nicht reden wollte, dann halt Plan B. Ich folgte ihm leisen Schrittes nach oben. Er ging ins ehemalige Gästezimmer. Seitdem meine Mutter weg war, lebte er sozusagen dort. Nur zum Trinken ging er heraus. Und ab und an zum Essen und, um andere lebensnotwendige Dinge zu erledigen. Ich hatte den Pfeil noch immer in der Hand, und schweren Herzens schloss ich das Schloss mit diesem. Dann band ich die Klinke noch am Deckenbalken fest und schob ein schweres Schränkchen davor. Er sollte um keinen Preis aus dem Zimmer kommen. Vermutlich schlief mein Erzeuger, und ich hoffte er würde seinen Rausch ausschlafen, während ich an die Arbeit ging. Als allererstes begann ich die Küche und den Flur zu putzen. In den letzten Monaten war ich hauptsächlich damit beschäftigt gewesen, ihm auszuweichen, hatte sogar Nächte ohne irgendwelche Vorräte im Wald verbracht. Das hier würde ein ganzes Stück Arbeit werden. Nachdem ich das geschafft hatte, staubte ich Pyrrhas und mein Zimmer ab, obwohl beide nicht gerade viel bewohnt waren, und stopfte nebenbei meine Lieblingssachen, die ich noch mitnehmen wollte, in einen Rucksack. Dann stand ich mit Putzlappen bewaffnet in der Eingangshalle und riss einen Vorhang nach dem anderen von den Scheiben. Ich hatte gar nicht gewusst, wie viel Staub in so einem Teil stecken konnte. Gott sei Dank ließen sich die Fenster öffnen. Ich seufzte und machte mich auch an diese Arbeit.
Ein paar Stunden später stützte ich mich auf den Stiel meines Wischmopps. Ich hatte die Halle komplett geputzt, und war fix und fertig. Doch mich freute der Anblick des offenen und hellen Raumes. Den Rest des Hauses brachte ich auch fix auf Vordermann, bis auf das Zimmer meiner Eltern. Ich wusste nicht, was sich darin verbergen mochte, und es ging mich auch nichts an. Jetzt kam der vorletzte Teil meines Plans. Mein Vater hatte früher viel Geld in Alkohol gesteckt, das er sammelte und als Geldanlage benutzte. Leider hatte er das Meiste davon selber ausgetrunken. Also ging ich in den Salon, den ich auch aufgeräumt hatte. Die vielen leeren und zerbrochenen Flaschen darin symbolisierten das Leben meines Vaters. Jetzt war es wieder sauber und ordentlich, und das Flaschenregal war knapp zur Hälfte leer. Ich packte die restlichen Flaschen und zerschmiss eine nach der anderen an der Holzfassade. Das Zerplatzen und das Spritzen der Suchtflüssigkeit meines Vaters verschafften mir eine gewissen Beruhigung und auch einen Weg, meinen Aggressionen einen Weg nach außen zu bahnen. Bis ich allerdings die darauf folgende Sauerei weggemacht hatte, war die Sonne schon wieder dabei, unterzugehen. Nun stand ich vor dem Zimmer meines Vaters, der anscheinend gerade aufstand. Ich schob das Kästchen wieder weg und machte das Band von der Türklinke. Auf der anderen Seite wurde verzweifelt an der Türklinke gerüttelt.
„Mach auf!“, schrie jemand von drinnen. Die Stimme, die ich zu gut kannte.
„Nein.“, entgegnete ich ruhig. Meine Stimmung war gerade ziemlich ausgewogen. Mir hatte das Putzen und das Zerschmeißen der Flaschen seelisch extrem geholfen.
„Was willst du?“, kam es wieder von der anderen Seite der Tür. Seine Stimme klang gefasst und nüchtern.
„Reden.“, kam es kurz über meine Lippen, während ich mich im Schneidersitz vor die Tür setzte.
„Dann tu das“
Und ich fing an zu reden. Laut und gefasst:
„Ich hoffe, du bist mir nicht böse, wenn ich dir einmal die Wahrheit sage. Du bist unausstehlich geworden. Weißt du eigentlich, wie es mir und Pyrrha ging, seit Mutter fort ist? Wir kennen die Gründe nicht und hatten Angst vor dir, vor allem wenn du dich hemmungslos zugesoffen hast. Früher meintest du, Alkoholmissbrauch sei schlimm, und nun bist du das beste Beispiel eines Abhängigen...“
Ich fuhr fort und redete mir den ganzen Frust von der Seele, und ab und an, vor allem bei Erinnerungen, rann die eine oder andere Träne aus meinen Augen. Manchmal hörte ich Geräusche von drinnen, aber redete einfach weiter.
„... du warst einmal ein guter Vater, und dann plötzlich nicht mehr. Du kannst die Zeit nicht zurück drehen, es aber wieder gut machen. Wenn nicht Mutter zuliebe, dann mir oder Pyrrha. Bitte Vater...“, endete meine Rede nach knapp über einer Stunde. Drinnen hörte ich ein Aufseufzen und dann kamen die ersten Worte. Doch ich wollte sie nicht hören, ich wollte hier weg.
„Ich... ich...“, kam es von drüben, doch ich stand auf.
„Du hast immer gesagt, man soll nicht vielleicht sagen, zumindest nicht allzu lange. Warum entscheidest du dich nicht mal für oder gegen das Leben? Ich gehe jetzt. Ich hoffe du fängst dich wieder. Für mich und Pyrrha und Mutter.“
Mit diesen Worten schritt ich den Gang entlang. Ich würde nicht aufsperren, das konnte er schon selber. Und ich wollte ihn nicht die Tränen sehen lassen, die meine Wangen bedeckten. Und als dann die Haustüren ins Schloss fielen, schloss sich auch eine Tür in meinem Herzen. Ich machte mich auf den Weg zu meiner Schlafstätte und schlief wiedereinmal einen festen Schlaf.
Und am nächsten Tag, war endlich der Tag gekommen. Ich stand pünktlich um 12 am Landeplatz, der sich hinter dem Rathaus befand. Geschäftiges Treiben herrschte um das Flugzeug. Und mittendrin ging meine kleine Wenigkeit darauf zu; mit einer unbändigen Freude im Herzen. Ich würde bald Pyrrha wiedersehen, und ich konnte endlich ein neues Kapitel in meinem Leben anfangen; mit neuen Menschen, neuer Heimat und neuen Herausforderungen.
Review schreiben