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Nur für eine Nacht

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Masumi Nishijima Minene Uryuu
25.08.2016
25.08.2016
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4.112
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25.08.2016 2.130
 
Und zum Schluss noch ein langes Kapitel, viel Spaß^^
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Im nächsten Moment klingelte es bereits. Ihr Sushi war angekommen. Nishijima richtete es auf dem Esstisch, der ebenfalls im Wohnzimmer stand, an.
„Setz dich, iss, soviel du magst.“
Schweigend setzte sie sich und betrachtete die Auswahl. Es schien von allem etwas dabei zu sein.
„Ich wusste nicht, welche Sorte du gerne isst, daher habe ich einfach von allen Sorten ein bisschen bestellt.“
„Du übertreibst. Lass das doch.“

Minene wurde das langsam etwas unangenehm. Wieso hörte er denn nicht auf, sich so ins Zeug zu legen? Nur eine Freude machen - was für ein Schwachsinn! Jeder Blinde merkte, dass hier mehr dahinter steckte.
Ohne weitere Worte aßen sie. Zuerst nahm Minene etwas zögerlich das erste Röllchen, ein Lachs-Maki, doch es schmeckte so gut und sie war so hungrig, dass sie sich danach alle weiteren Maki und Nigiri regelrecht hinein schaufelte.
Mit Freuden beobachtete dies der Polizist, während er selbst nicht gerade wenig aß.

Nachdem Essen, es war noch einiges übrig, das Nishijima im Kühlschrank verstaute, saßen sich die beiden am Tisch gegenüber und hüllten sich in Schweigen. Es war eines dieser peinlichen Schweigen, wobei niemand der beteiligten so genau wusste, was er sagen sollte.
Schließlich, nach einigen Minuten, brach der junge Polizist dieses Schweigen und erlöste sich selbst und seinen Gast so davon.

„Wie wärs, möchtest du noch einen Film schauen? Ich habe ein Pay-TV-Abo, indem ich eines dieser Spielfilmpakete gebucht habe.“
„Man, als Bulle hat man wohl Kohle ohne Ende, was? Diese riesen Wohnung in ´nem teuren Viertel, teures Essen und jetzt auch noch Pay-TV?“ Minene klang verächtlich.
„Na ja, erstens bin ich verbeamtet und zweitens muss ich auch ziemlich viel arbeiten. Eigentlich hab ich sogar kaum Zeit um diese Dinge hier zu genießen.“
„Du Ärmster, musst den lieben langen Tag Terroristen hinterher jagen.“ Sie wollte ihn ärgern doch er reagierte anders, als erwartet.

„Solange sie so hübsch sind wie du, macht mir das nichts aus.“ Nishijima kam nun auf sie zu.
Erneut wurde sie ganz rot im Gesicht und es verschlug ihr sogar die Sprache. Minene dachte er würde sie gleich in den Arm nehmen oder gar küssen wollen. Leicht panisch sah sie sogar in ihr Fluchttagebuch, welches sie in einer Tasche des Bademantels verstaut hatte. Natürlich sagte es ihr nichts. Er blieb direkt vor ihr stehen und hielt ihr die Hand hin: „Also, was ist jetzt mit einem Film?“
„Ach, also von mir aus“, seufzte sie erleichtert, vielleicht sogar ein bisschen enttäuscht, darüber, dass doch nichts weiter passiert war.
„Sehr schön, was willst du dir anschauen?“
„Keine Ahnung, ich habe mir nie etwas aus Filmen gemacht. Als Kind vielleicht mal, aber seit meine Eltern… Na ja, jedenfalls hatte ich kaum Möglichkeiten mal einen Film zu sehen und selbst wenn, ich denke sowas ist doch auch Zeitverschwendung.“
„Okay, ich suche uns gleich etwas aus. Gib mir nur einen Moment, damit ich mir etwas Bequemeres anziehen kann“, damit verschwand er im Schlafzimmer.

Indes machte Minene es sich schon auf der Couch bequem. Sie schaltete den Fernseher ein und lauschte den aktuellen Nachrichten.
Nishijima kam zurück und trug nun ein ganz gewöhnliches weißes T-Shirt, dazu eine schwarze Jogginghose. Es sah irgendwie seltsam aus – ungewohnt- fand Minene, die ihn bisher immer nur im Anzug gesehen hatte.

„Was ist?“, fragte er, als er ihren Blick auf sich bemerkte.
Zur Antwort schüttelte sie den Kopf und wandte sich erneut dem Fernsehbildschirm zu.
„So, dann mal zur Filmauswahl, ich glaube ja nicht, dass du eine Liebesschnulze sehen willst“, meinte er frech lächelnd, als er die Filmgenres durchging.
„Ah hier! Der könnte dir vielleicht gefallen.“
„Deadpool? Was soll das denn sein?“
„Schau ihn dir einfach an, der ist ganz witzig und noch recht neu. Es geht um einen etwas eigensinnigen Superhelden.“
„Na gut, schalt an.“

Die beiden lehnten sich auf der Couch zurück als der Film begann. Nishijima bot Minene eine Decke an, damit sie sich darunter kuscheln konnte. Sie nahm diesmal ohne Protest an. Zu verlockend war die Wärme einer kuschligen Decke, nachdem sie den halben Tag lang im Regen gefroren hatte. Dann wollte er einen Arm um sie legen. Das ging zu weit! „Lass das!“, fauchte sie ihn an.
„Entschuldige“, bat er verlegen und beschwichtigend zugleich.

Fast war der Film zu Ende. Minene war inzwischen so müde, dass ihr die Augen immer wieder zufielen, obwohl sie den Ausgang der Geschichte unbedingt sehen wollte. Irgendwann ging es nicht mehr und sie nickte ein. Dabei viel sie mit dem Kopf auf Nishijimas Schulter. Zuerst erschrak er sich ein wenig, da er sich so auf den Film konzentriert hatte. Lächelnd und ganz vorsichtig legte er ihr dann doch einen Arm um und drückte sie leicht an sich. Sogar als der Abspann bereits vorbei war, blieb er noch ein bisschen mit ihr sitzen.

Wenn sie wach wäre, hätte sie das sicher nicht zugelassen, also wollte er den Moment noch ein wenig genießen. Er wusste, dass sie ihm gegenüber nicht so abgeneigt war, wie sie immer tat, aber genauso wusste er auch, dass die Situation nicht ganz einfach war. Immerhin war sie eine international gesuchte Terroristin, die viele Menschen getötet hatte.
„Ich wünschte du könntest das aufgeben und mit mir zusammen und glücklich sein.“ Er küsste sie ganz sacht auf die Stirn.

„Ein Glück, sie ist nicht aufgewacht, sonst wäre ich sicher der nächste auf der Liste ihrer Opfer. Naja, es ist spät, ich sollte sie lieber aufwecken und ins Bett bringen.“
Ganz sanft weckte er sie. Verschlafen blinzelte die Terroristin den Polizisten neben sich an. Sie verstand nicht einmal, wie nahe sie ihm gerade war. „Was ist denn los?“, brummte sie.
„Komm, ich begleite dich ins Schlafzimmer. Du kannst in meinem Bett schlafen, ich nehme die Couch. Im Bett hast du es viel bequemer.“

Ohne auf eine Antwort zu warten nahm er Minene auf den Arm und trug sie ins Schlafzimmer. Noch immer müde und mehr schlafend als wach, ließ sie es zu. Sie schlang die Arme um seinen Nacken, den Kopf lehnte sie gegen seinen Hals.
Nishijimas Herz schlug schneller, als sie dies tat. „Vielleicht magst du mich ja doch ein bisschen“, flüsterte er glücklich.

Vorsichtig und ganz sanft legte er die schlafende Frau in sein Bett. Er deckte sie zu. Dann wollte er gerade den Raum verlassen, das Licht hatte er schon ausgeschaltet, als eine Stimme aus dem Dunkel zu ihm sprach: „Warte! Ich äh… weiß das klingt komisch, aber wäre es möglich, na ja, wie soll ich sagen… Also, könntest du nicht hier bei mir schlafen? Na… Natürlich nur, wenn es dir nichts ausmacht. Wenn du nicht willst, versteh ich das natürlich.
Minene war heilfroh, dass er im Dunkeln nicht ihr Gesicht sehen konnte, welches sicher schon wieder knallrot war. Das Gestammel und die Bitte an sich waren schon peinlich und untypisch genug für Uryuu Minene.

„Wenn du mich so süß bittest, wie könnte ich da noch ablehnen?“
„Warum bin ich plötzlich so aufgeregt?“, dachte sie. Die eine Hand hielt sie auf ihr Herz, so als könnte sie dieses dadurch beruhigen und wieder langsamer schlagen lassen.

Schon lag Nishijima neben ihr und irgendwie wusste sie nicht so genau, was sie nun tun sollte. Zu ihrem Glück handelte er, indem er sich näher an sie kuschelte und in den Arm nahm.
Der Terroristin stockte plötzlich der Atem, nur für einen Moment. Gleich danach entspannte sie sich wieder und begann stattdessen die Umarmung zu genießen. Es war schon so lange her, dass sie solch engen Kontakt mit einem anderen Menschen hatte. Das letzte Mal war, als sie als Kind bei ihren Eltern im Bett schlafen durfte. Sie hatte ganz vergessen, wie schön das war. Seine Körperwärme, sein Herzschlag und sein Atem, der sanft ihren Nacken streifte, das alles war unerwartet angenehm und beruhigend.

„Wenigstens eine Nacht. Eine Nacht kann ich mir ja gönnen, in der ich einfach nur eine normale Frau sein kann. Und morgen, ab morgen früh bin ich wieder Uryuu Minene, international gesuchte Terroristin“, dachte sie, als müsse sie sich innerlich vor sich selbst rechtfertigen.
„Nishijima?“
„Hm?“
„Könntest du wenigstens für diese eine Nacht vergessen, wer ich bin? Also ich meine, weswegen ich gesucht werde?“
„Das kann ich nicht.“

Minene zuckte zusammen.
„Das tue ich ohnehin öfter, als ich sollte.“, er drückte sie ein wenig fester an sich, „Ich liebe dich, Uryuu Minene.“
Wieder stockte ihr kurz der Atem. Sie drehte sich leicht zu ihm um. „Das solltest du nicht!“, Minene klang drohend, aber zugleich auch traurig.
„Ich weiß. Erinnerst du dich an unsere erste Begegnung? Damals als du es auf Kardinal Haiman abgesehen hattest? Als ich dich zu einem Date einlud, da hatte ich eigentlich bereits den Verdacht, dass du nicht die bist, für die du dich ausgabst, sondern unsere gesuchte Terroristin. Aber ich habe es ernst gemeint, ich würde dir wirklich gerne ein schönes und vor allem glückliches Leben bieten.“

Gerne hätte sie es angenommen, hätte einfach alles zurückgelassen und ihr Leben mit diesem Mann verbracht, doch angesichts der Menschen, die sie auf dem Gewissen hatte und dass sie sich mitten in einem Survival Game mit dem Ziel Gott zu werden befand, war das nicht möglich.
Möglichst unauffällig wischte sie sich eine Träne weg.
„Nur eine Nacht“, dachte sie, bevor sie dennoch lächelnd einschlief.

Am nächsten Morgen, sie Sonne, die durch das Fenster aufs Bett schien weckte sie, war Nishijima bereits verschwunden. Verschlafen setzte sie sich auf, rieb sich die Augen, gähnte und streckte sich ausgiebig.
„Guten Morgen. Na, gut geschlafen?“, ertönte Nishijimas Stimme von der Schlafzimmertür her.
Er hatte sich bereits für die Arbeit fertig gemacht.
„Ja, es ist lange her, seit ich in einem richtigen Bett geschlafen habe. Es war gar nicht so schlecht“, gab sie etwas verlegen zu.
„Das sollten wir öfter machen“, meinte der junge Polizist.
„N-Nein, das eine Mal reicht völlig. Für so etwas wie Liebe habe ich keine Zeit, wie oft muss ich mich eigentlich noch wiederholen?“

Diese Bemerkung schien er einfach zu überhören. „Hier für dich“, er brachte ihr das Tablett ans Bett, das er die ganze Zeit schon in Händen hielt. Darauf war ein Frühstück für Minene angerichtet. Sogar eine Vase mit einer Blume stand zur Verzierung darauf.
„Hach, ich kann dir sagen, was ich will. Du hörst wohl eh nur was du hören willst“, seufzte Minene, als sie das Tablett entgegen nahm.
„Kann sein. Ich muss jetzt jedenfalls aufs Revier. Ich wünsche dir einen guten Appetit. Du kannst natürlich gerne noch so lange hier bleiben, wie du möchtest. Ansonsten habe ich dir einen Zettel mit den Koordinaten einer kleinen Hütte im Wald auf den Esstisch gelegt. Dort kannst du auch gerne unterkommen“, sagte er.
„Ich wird mal schauen“, entgegnete Minen, wobei sie den Kopf wegdrehte.

Auf dem Weg zur Wohnungstür stieß Nishijima versehentlich gegen die Tasche, die Minene am Tag zuvor mitgebracht und nahe der Tür abgestellt hatte. Beinah wäre er deswegen hingefallen. Ein Teil des Inhalts verteilte sich jedoch auf dem Fußboden.

„Was hat sie denn da alles mitgeschleppt?“, fragte er sich, während er die Gegenstände aufhob. Drähte, verschiedene Zünder, sogar explosives Material. Ihm wurde doch etwas mulmig dabei dies aufzuheben und es vor allem in der Wohnung zu haben.
Als er die Gegenstände jedoch zurück in die Tasche legte, entdeckte er darin ein ordentlich zusammengelegtes rosa Kleid, sicher verstaut in einer durchsichtigen Plastiktüte. Masumi Nishijima erkannte es als das Kleid, dass er ihr in der Kunstakademie gegeben hatte, damit sie sich umziehen konnte.

„Sie hat es aufgehoben? Vielleicht mag sie mich doch mehr, als sie zugeben will.“
Alles war wieder in Minenes Tasche verstaut und Nishijima ging glücklich zur Arbeit.

Nach dem Frühstück verschwendete Minene keine Zeit. Sie schnappte sich ihre Kleidung aus dem Trockner und zog sich an. Dann nahm sie ihre Taschen und den Zettel mit den Koordinaten der Hütte. Es war sicher die bessere Entscheidung dort hinzugehen. Auch um Nishijimas Willen, denn sollte herauskommen, dass er ihr Unterschlupf gewährte, würde er mehr als nur seinen Job verlieren, da war sie sich sicher. An der Tür hielt sie noch einmal kurz inne.

„Es war wirklich ein schöner Abend. Ich bin gespannt auf unser nächstes Treffen, Masumi Nishijima.“ Damit schloss sie die Tür und machte sich auf den Weg. Natürlich achtete sie unterwegs darauf keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Erst, als sie in der Hütte angekommen war, erlaubte Minene sich wieder zu entspannen. Sie richtete sich gleich häuslich ein und nun, da sie nicht länger in einem Pappkarton hauste und mehr Raum zur Verfügung hatte, bekam das Kleid, welches sie von Nishijima bekommen hatte, einen kleinen Ehrenplatz. Ausgebreitet auf einem Stuhl gegenüber des Bettes, von wo sie es immer sehen konnte.
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Das wars auch schon^^ Ich hoffe ihr mochtet die MineneXNishijima-Momente, von denen gab´s ja in der Serie leider (meiner Meinung nach) zu wenig^^ Na ja gut, is ja auch keine leichte Situation ;)
 
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