Fireworks

von Kakyuu
GeschichteRomanze / P12
Soldier:76 Tracer
24.08.2016
24.08.2016
1
2018
1
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Dieses Kapitel
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Disclaimer: Mir nix, alles Blizzard. Warum? Weil. Ich hab grad Bock auf Fanfictions. Mir gefällt nur gerade nix an Pairings, was ich bisher so gelesen habe. Ja, ich darf auch als veröffentlichte Autorin Fanfics schreiben. Lasst mich, ich brauch’ das q.q

Fireworks


Als Lenas Fußspitze gegen den Karren mit den Snacks stieß, ging ein Schaudern durch das altertümliche Konstrukt, sodass sie fürchtete, es breche gleich auseinander. Hastig trat sie einen Schritt zurück, prallte gegen eine ältere Frau in der Menge und holte sich einen lautstarken Denkzettel dafür ab.
„Verzeihung”, nuschelte sie hastig und machte wieder einen Schritt vorwärts, auf den Karren zu, hinter dem ein düsterer Kerl sie wachsam im Auge behielt.
Wahrscheinlich wurde in Dorado immer noch so viel geklaut wie früher, Lena kannte alle Geschichten über die Los Muertos. Hauptsächlich von Jack. Der Mann hinter dem Wagen musterte sie nun genauer. Seine buschigen Augenbrauen zogen sich über seinen schwarzen Augen zusammen und seine braungebrannte Haut spannte sich, wie bei einer Katze, als wolle er sofort auf Lena losgehen.
Sie wollte nicht schon wieder einen Schritt zurückmachen, denn dieser Tanz hier dauerte für ihren Geschmack schon viel zu lange, also wandte sie sich einfach ab, doch sie fühlte seinen misstrauischen Blick auf ihrem Rücken glühend.
Wo war Jack? Dieser Mistkerl, er hatte sie mitten im dichten Getümmel alleingelassen, obwohl er wusste, dass sie sich hier weitaus schlechter auskannte als er. Gottlob hatte noch niemand, außer dem Kerl mit dem Snackwagen, überhaupt Notiz von ihr genommen. Und die ältere Dame natürlich. Die hatte mit ihrer Handtasche wütend gegen den Chronobeschleuniger geschlagen, der unter Lenas Kleidung verborgen auf seinen Einsatz wartete, sie gleichzeitig aber auch in der Wirklichkeit verankerte.
Sie versuchte durch die Menge einen Blick auf Jack zu erhaschen, doch das war sinnlos und Lena wusste es. Wahrscheinlich war ganz Dorado an diesem Feiertag auf den Beinen und würde tanzen, bis die Sonne wieder aufging.
Jack war hier wegen Los Muertos. Lena war hier wegen Jack – eine Bitte. Dabei war ihr nie wohl dabei gewesen, mit dem Mann, der sich Soldier 76 nannte, lange Zeit zu verbringen. Bei Jack wusste man nie, woran man war. Sie merkte niemals, wann er seine Späße mit ihr trieb, und wann ihm etwas ernst war. Und es erleichterte ihren Tag auch nicht unbedingt, dass Jack ständig maskiert war. Heute nicht. Die Maske hätte ihn verraten. Sein Gesicht war eine deutlich bessere Tarnung als das Ding, das ihn stets von der Wirklichkeit fernhielt. Ein bisschen das Gegenteil von Lenas Chronobeschleuniger.
Die Maske hatte außerdem einen handfesten Streit vom Zaun gebrochen. Lena waren die Plakate nicht entgangen, die in Dorado hingen. „Gesucht!“. Jacks vermummtes Bildnis dazu. Ihm war das egal gewesen. Ja, er war sogar ein bisschen stolz darauf, wie sie fand. Ein Theater im Quartier war gefolgt.
Lena wurde aus Jack nicht schlau. Warum er sie überhaupt gebeten hatte, sie nach Dorado zu begleiten, war ihr schleierhaft. Und jetzt, wo sie ihn im Gewühl verloren hatte, war sie sich sicher, dass dies die schlechteste Idee des Jahrhunderts war.
Ein Knall ließ sie aus ihren Gedanken aufschrecken. Konfetti regnete auf Lena hinab, als sie sich entschloss, Jack zu suchen, ganz egal wo sie sich befand. Und wenn nicht, half ihr vielleicht der Chronobeschleuniger, auch wenn mittlerweile zu viel Zeit vergangen war. Aber immerhin ließ sie damit nichts unversucht.
Lena quetschte sich zwischen zwei Jugendlichen durch, die einen Ghettoblaster mitgeschleppt hatten und nun die Menge mit mexikanischer Musik versorgten.
Sie wusste, dass sie sich irgendwo im Zentrum der Stadt befand, mitten auf dem Marktplatz. Doch der vertraute Weg, den sie mit Jack genommen hatte, von dem hätte sie jetzt nicht mehr sagen können, wo er sich befand. Verdammt, warum fühlte sie sich nur kindlich, wenn sie in seiner Nähe war? Das sah ja aus, als suche sie nach ihrem Vater und wäre in der Menge verloren gegangen. Fehlte nur noch, dass sie jemand ausrufen ließ: Die kleine Lena, aka Tracer hat ihren Papa verloren, bitte kommen Sie zum Ausgang des Haupttores, da wo die Piñatas hängen und holen Sie ihr Kind ab.
Schnaubend bahnte sie sich einen Weg durch die Menge, bis sie die vertraute Farbe seiner blauschwarzen Jacke irgendwo zwischen den Feiernden erspähte. Lena ließ den Chronobeschleuniger aufschnappen, legte die nächsten Meter auf einer anderen Zeitebene zurück und stand dann endlich hinter Jack. Der Marktplatz war so brechend voll, dass niemand ihr spontanes Verschwinden und wieder Auftauchen überhaupt bemerkt hatte. Und selbst wenn, so würde er es doch nur auf den Alkohol schieben.
„Du hast mich alleingelassen“, sagte sie vorwurfsvoll.
Wenn Jack überrascht war, sie überhaupt zu sehen, ließ er es sich nicht anmerken. Seine Stirn, mit der großen Narbe über dem rechten Auge legte sich in Falten.
„Du bist weggelaufen.“
„Blödsinn, warum sollte ich das?“
„Weiß ich nicht.“ Er räusperte sich.
Wollte er noch mehr sagen? Lena spitzte die Ohren, doch Jack schwieg.
„Halt die Augen offen“, sagte er schließlich.
„Tu ich schon, keine Sorge. Nach was überhaupt?“
„Nach allem. Dieses Fest werden sie sich nicht entgehen lassen. Das Feuerwerk bietet ihnen eine gute Kulisse.“
„Feuerwerk?“, erwiderte Lena verwirrt. „Jack, wie wäre es, wenn du mir mehr als zwei Sätze Erklärung lieferst. Was wird hier geschehen?“
„Weiß ich nicht. Ist nur so ein Gefühl.“
Sie schüttelte den Kopf und seufzte. Der Soldat war anstrengend. Sie kannte die Geschichten über seine Heldentaten und es war auch nicht das erste Mal, dass sie zusammenarbeiteten. Allerdings war das noch zu Overwatch Zeiten gewesen. Eine Zeit, die sowohl er als auch Lena erfolgreich verdrängten. Und dann waren die Gegebenheiten völlig klar gewesen. Nicht zu verwaschen und undeutlich wie jetzt.
„Lass uns weitergehen“, schlug er vor. „Hier, in diesem Gedränge sind wir nicht schnell genug, wenn es darauf ankommt.“
Über Lenas Kopf krachte es, als hätte jemand einen Schuss abgefeuert. Das Konfetti, das auf Lena herabregnete, war rot. Sie schauderte.

Jack wusste, dass Lena sein Benehmen merkwürdig fand, er konnte es ihr nicht einmal verübeln, allerdings konnte er ihr kaum viel mehr sagen, denn er wusste selbst nicht viel. Es war nur so ein Gefühl, dass hier, während der Jahresfeier etwas geschehen würde. Vielleicht geschah auch gar nichts. Aber die Jahrestagsfeier zum Ende der Omnic-Krise war etwas, das niemals vollständig friedlich vonstatten ging. Dorado war ein Dreckloch, schon seit Jahren. Jack hätte es nicht gewundert, wenn all das hier eine Großveranstaltung der Los Muertos gewesen wäre.
Doch bisher sah er nur strahlende Kinderaugen, fröhliche, ausgelassen feiernde Menschen. Nicht eben das, was er erwartet hatte. Allerdings war er bisher auch niemals zum Jahrestag dieses Ereignisses hier gewesen.
Als er sich wieder umdrehte hatte Lena ein Glas Bowle in der Hand.
„Woher hast du das?”
„Von da”, entgegnete sie verwundert und deutete nach rechts auf den Stand mit den Punschschalen. Früchte schwammen darin und färbten die Getränke grün, gelb und rot. Wie eine Ampel.
„Hast du das bezahlt?”, fragte er argwöhnisch.
„Nein. Er hat mir ein Glas geschenkt.” Sie plusterte ihre Wangen auf. Er wusste, dass sie das immer tat, wenn sie die Geduld verlor. „Jack, du bist paranoid.”
„Paranoid heißt nicht, dass einen keiner verfolgt”, knurrte er und sah zu, wie sie das Glas mit der Bowle in einem Zug leerte. “Muss das sein?”
Lena verdrehte die Augen. „Das ist Bowle, die Kinder trinken auch davon.” Sie deutete auf zwei kleine Mädchen, die bis über die Ohren in ihre Gläser vertieft waren. „Da ist kaum Alkohol drin.”
Er seufzte. Ja, Gewiss, er hatte Lena einfach so mitgenommen, ohne sie über irgendetwas zu informieren. Er hatte sie gefragt und sie hatte ohne zu zögern ja gesagt - etwas das er sehr an ihr schätzte. Nur konnte er ihr nicht viel mehr sagen, als er selbst wusste. Nichts - es war eben nur dieses Gefühl. Und Jack hatte nie viel davon gehalten, haltlosen Unsinn zu reden. Was er wusste und was für sie von Belang war, das konnte sie auch erfahren. Mehr war nicht nötig. Er war Soldat, er war präzise.
Jack warf einen Blick über den Treppenaufgang zum Tor. Überall Lampen aus Papier, Konfetti und bunte Fahnen. Dorado zeigte sich jedes Jahr bei diesem Fest in einem weitaus schöneren Gewand, als es sonst der Fall war.
Als er sich nach Lena umsah, hatte sie schon wieder ein Glas Bowle in der Hand. Dieses Mädchen konnte man manchmal keine fünf Minuten alleine lassen.
„Auch ein Geschenk?”, grollte er.
Lena lachte. „Ja. Wir sind hier alle Amigos, hat er gesagt.”
Manchmal wirkte sie grässlich naiv. Dann war Jack sich nicht sicher, ob er sie überhaupt leiden konnte. Und dann, so wie jetzt plötzlich, wenn sie ihn anlächelte, wusste er, dass sie nur ihre Späße mit ihm trieb.
Gerade pustete sie sich eine Strähne aus der Stirn und trank ihre Bowle leer. Die zweite … Jack war sich nicht sicher, ob er sie gewähren lassen wollte. Allerdings war Lena erwachsen. Der Chronobeschleuniger unter ihrer Jacke blinkte für einen Moment auf. Niemand in der feiernden Menge schien es zu bemerken, Lena selbst hatte einmal gesagt, dass viele Menschen die ideale Tarnung waren. Wahrscheinlich zuckte das Ding, um sie in der Gegenwart zu halten. Jack verstand nicht genau, wie der Chronobeschleuniger funktionierte, doch er wusste zumindest, was er tat.
Es krachte hinter ihnen und Jack fuhr herum, doch es war nur eine der Holzkisten mit Obst, die über das marode Kopfsteinpflaster gezogen wurde. Zwei ältere Männer mühten sich damit ab. Ein kleiner Junge stand daneben und fuchtelte mit einem Holzschwert herum.
„Du bist wirklich paranoid”, lachte Lena.
Warum war ihr Glas wieder voll? War sie in der Zeit zurückgesprungen? Oder hatte sie es auf ganz simple Weise einfach neu gefüllt?
„Hör auf damit”, knurrte er.
Lena sah ihn verwirrt an. „Womit?”
„Mit …” Er wusste auch nicht recht, womit eigentlich.
Sie berührte seinen Arm. „Entspann dich. Du weißt so gut, wie ich, dass sich manche Dinge nicht verhindern lassen. Selbst wenn man seine Augen und Ohren überall hat.”
„Hör einfach auf“, murmelte er.
Die Menschenmenge wurde mit einem Schlag lauter, aufgeregter, doch war es keine Angst, die Jack spürte. Mehr Freude. Sie schienen auf etwas zu warten. Er konnte sich an die Feuerschlucker vom letzten Jahr erinnern, da hatte es auch massig Applaus gegeben.
„Womit?”, fragte Lena lauernd.
Menschen schoben sich lachend zwischen ihnen hindurch und Jack verlor Lena für einen Moment aus den Augen. Die Musik schwoll wieder an und übertönte für wenige Momente sogar das aufgeregte Geschnatter der Menschen. Eine Mariachi Band spielte.
Als Jack die Augen für einen winzigen Moment schloss, war Lena abrupt wieder da. Verdammter Chronobeschleuniger. Sie war nicht nur da, sie berührte mit ihrem gereckten Kinn fast seine Brust, so nah war sie ihm gekommen.
“Huch”, machte sie. “Ein bisschen zu weit.”
Jack wollte einen Schritt zurück machen, doch hinter ihm war der kalte Stein des Torbogens, der den Eingang zum Marktplatz markierte. Er stieß sich den Kopf, zuckte nach vorne und er sah Lenas Bewegung nicht kommen. Sie legte die Arme um seinen Nacken, ihr Körper näherte sich seinem und dann tat sie das, was er am wenigsten von ihr erwartet hatte: Sie küsste ihn.
Jack war zu verwirrt, um sich dagegen zu wehren. Er mochte übermenschliche Reflexe besitzen, aber gegen Lena und den Chronobeschleuniger war er ein Nichts. Und er war sich auch nicht sicher, ob er überhaupt anders darauf reagieren wollte, als sich küssen zu lassen.
Es krachte abermals und er zuckte zusammen.
Lena ließ ihn los und lächelte ihn an. Bevor sie es sich anders überlegen konnte, griff er nach ihrer Hand. Es donnerte abermals, dann war sie fort. Als Jack sich umsah, fand er sie hinter einer Gruppe Kinder.
Mit einem Zwinkern kehrte sie zu ihm zurück. „Entspann dich“, sagte sie leise. „Das ist nur das Feuerwerk.“

Ende
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