Himmelhochfallend

GedichtPoesie / P12
24.08.2016
24.08.2016
1
384
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
 
Himmelhochfallend

Wir hatten unsere Rollen –
Ich die Fantasiewolkenfolgende,
Du der Bodentiefverwurzelte.
Ich die Traumseiltänzerin,
Du der Höhenangsthase.
Wir passten zusammen.

Ich gab dir die Freiheit der Lüfte,
Du mir die Beständigkeit der Erde.
Ich zeigte dir die Wechselhaftigkeit der Winde,
Du mir die Widerstandskraft der Bäume.
Wir passten zusammen.

Wir waren gut miteinander,
Uns ausgleichend, anpassend, helfend.
Trotz Höhenunterschied auf gleicher Augenhöhe.
Dachte ich.

Doch du warst eifersüchtig –
Auf den Wind, der mit meinem Haar spielte,
Auf die Wolken, in denen ich im Schlaf versank,
Auf die Sonnenstrahlen, die mich wärmend liebkosten.

Du warst eifersüchtig
Und wurdest zum Bodentief-Gefangen-Halter.
Machtest mich zur Nicht-Fortflieg-Könnerin,
Zur Am-Abgrund-Balanciererin
Und du warst der Bröckelnde-Kanten-Herab-Stoßer.

Ich fiel.

Und fiel.

Und fiel.

Gebrochen lag ich am Boden,
Alles so dunkel, der Himmel so weit
Und du warst fort.
Ich war alleine.
Ich hatte Angst.
Hielt mich selbst gefangen,
Gefesselt von deinen Worten.

Doch den Wind kann man nicht einfach aufhalten,
Wolken nicht festhalten,
Sonnenstrahlen nicht einsperren.

Es ist zu dunkel?
     Ich werde das Licht!
Der Himmel so weit?
     Aber trotzdem in Sicht!
Ich bin so alleine?
     Ich brauche dich nicht!
Ich habe Angst?
     Das hat kein Gewicht!

Denn von jetzt an – kann es nur noch aufwärts gehen.




______________________________________________________________________

Beitrag zu meinem eigenen Projekt Für mehr Poesie.
Monatliche Vorgaben. August 2016: Thema aufwärts.
Weiß nicht, wie gut ich es wirklich getroffen habe
Ideenanstoß vom Wortbildmaler-Projekt
Review schreiben