Elfenstaub

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Cosmo Timothy Tiberius "Timmy" Turner Wanda
24.08.2016
24.08.2016
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Ein Spiel. Mehr ist es bis vor kurzem nicht für uns gewesen. Nichts weiter als ein Spiel. Ein Experiment. Ein heimliches Experiment, das uns dabei helfen sollte, uns auszuprobieren und eine für uns unbekannte Welt zu erkunden. Unsere Neugier zu stillen. Unsere Neugier darauf, wie es sich anfühlt, so etwas zu tun.
Mehr sollte daraus nicht entstehen. Es sollte nichts ernstes werden. Nichts festes. Nichts, was wir beide später womöglich bereuen könnten. Was uns und unsere kleine Familie in Gefahr bringen könnte. Es sollte nicht dazu führen, dass ich mit mir selbst nicht mehr zurechtkomme und darum kämpfen muss, einen klaren Kopf zu behalten. Es sollte nicht passieren, dass ich nicht mehr klar denken kann, wenn er nur in meiner Nähe ist. Es sollte mir nicht so schwer fallen, mich zu beherrschen und all diese Gedanken zu unterdrücken.
So weit hätte es niemals kommen dürfen. Ich hätte der ganzen Sache ein Ende setzen müssen, als ich noch die Möglichkeit dazu hatte. Ich hätte zu ihm gehen und ihm sagen müssen, dass ich so nicht mehr weitermachen kann. Ich hätte einen Schlussstrich ziehen müssen, als ich gemerkt habe, was da eigentlich mit mir passiert. Hätte verhindern müssen, dass mein Verlangen die Oberhand gewinnt.
Aber jetzt ist es zu spät. Jetzt bin ich bereits an dem Punkt angekommen, an dem es kein Zurück mehr gibt. Jetzt stehe ich hier, zwischen Himmel und Hölle und weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll. Wie ich damit umgehen soll. Wie ich es schaffen soll, mich zu beherrschen, wenn wir uns wiedersehen. Wie es mir gelingt, mein Herzrasen zu unterdrücken, sobald er bei mir ist.
Er darf nichts merken. Er darf einfach nichts bemerken. Ihm darf nicht auffallen, wie schwierig es für mich ist, mich zusammenzureißen. Wie sehr ich mich danach sehne, ihm einfach die Wahrheit zu sagen. Wie gerne ich ihm alles gestehen und ihn dann für immer an mich binden würde. Wie sehr ich mich nach ihm verzehre und jede seiner Berührungen in vollen Zügen auskoste. Jeden Streichler. Jedes zärtliche Flüstern. Jeden intensiven Kuss.
Er darf nicht spüren, was tief in mir vorgeht. Darf nichts wissen von meiner Sehnsucht und meinen Träumen, die alle nur von ihm erzählen. Darf nicht herausfinden, dass meine Begierde nach ihm nicht mehr nur sexueller Natur ist. Dass sich daraus längst mehr entwickelt hat als ich jemals für möglich gehalten hätte. Dass ich fast jede Nacht wachliege und leise weine, weil mir klar ist, dass ich mich in einer Sackgasse befinde.
Und das alles nur seinetwegen. Nur seinetwegen schaffe ich es nicht mehr, meinen Alltag normal zu bewältigen. Seinetwegen verfolgen mich diese Gedanken und jagen mir eiskalte Schauer über den Rücken. Seinetwegen trage ich einen inneren Kampf mit mir selbst aus. Nur seinetwegen ist meine gesamte bisherige Weltanschauung vollkommen aus dem Gleichgewicht geraten.
So war das nicht abgemacht. So hatten wir verdammt nochmal nicht gewettet. Wir hatten einen Deal. Wir hatten glasklare Spielregeln, die eindeutig besagen, dass solche Überlegungen völlig irrational sind. Als es damals zwischen uns angefangen hat, haben wir beide ganz unmissverständlich festgelegt, dass das zwischen uns nur körperlich ist. Dass es dabei nur um den Spaß an der Sache geht. Es war nur Sex. Von Gefühlen ist niemals die Rede gewesen.
Niemand hat mir gesagt, dass es eines Tages tiefer gehen würde. Niemand hat gesagt, dass mein Verstand einmal so verrückt spielen würde. Niemand hat mich darauf hingewiesen, dass ich mich eines Tages in ihn verlieben würde. Das war nicht Teil der Abmachung. Es war nicht vorgesehen, dass es einmal so aus dem Ruder laufen würde. Dass sich mir Fragen aufdrängen würden, über die ich zuvor überhaupt nicht nachgedacht habe.
Miteinander schlafen. Fühlen, wie das ist. Unser Spiel spielen und die Sache dann auf sich beruhen lassen. Das ist es, was wir vereinbart hatten. Das ist der Grund, warum ich mich überhaupt darauf eingelassen habe. Warum ich mich dazu entschieden habe, seinen Vorschlag anzunehmen. Weil ich neugierig war. Neugierig und naiv. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, mit jemandem intim zu sein. Wollte das Gefühl nachempfinden, das all meine Freunde mir beschrieben haben. Wollte wissen, ob es wirklich so ein intensives Gefühl ist wie sie gesagt haben. Ob man sich dabei wirklich beflügelt fühlt.
Nur darum habe ich mich dazu hinreißen lassen, es mit ihm zu versuchen. Weil mir bewusst war, dass ich auf normalem Wege niemals in den Genuss dieses Gefühls kommen würde. Weil ich wusste, dass sich in meinem Umfeld niemand für mich interessiert. Zumindest nicht genug, um sich auf eine Liebesnacht mit mir einzulassen. Weil mir klar war, dass meine einzige Chance, Erfahrungen auf diesem Gebiet zu sammeln, darin besteht, auf sein Angebot einzugehen.
Im Nachhinein wird mir auch bewusst, wie dumm ich damals gewesen bin. Wie naiv es von mir war, zu glauben, körperliche und emotionale Liebe ließen sich voneinander trennen. Mir hätte klar sein müssen, dass das nicht möglich ist. Dass die beiden voneinander abhängen und nur zusammen wirklich gut funktionieren. Ich hätte wissen müssen, dass man gerade in der Pubertät viel empfindsamer und feinfühliger für solche Dinge ist. Dass man dann seine Emotionen nicht mehr richtig im Griff hat und dass ebendies ungeahnte Folgen haben kann.
Ich weiß, dass es blöd war. Aber ich war einfach neugierig. Neugierig und unerfahren. Vielleicht sogar ein Stück verzweifelt. Ich wollte einfach endlich wissen, wovon meine Freunde die ganze Zeit sprechen. Ich wollte mitreden und ihnen erzählen können, dass auch ich nun nicht länger Jungfrau bin.
Nur aus diesem Grund bin ich auf sein Angebot eingegangen. Darum habe ich ihm gesagt, dass ich bereit bin, es mit ihm zu versuchen. Darum habe ich mich ihm nicht widersetzt, als er mich das erste Mal geliebt hat. Natürlich habe ich in dieser Nacht nicht darüber nachgedacht, welche Konsequenzen mich erwarten könnten. Ich war einfach glücklich. Glücklich darüber, dass es endlich jemanden gibt, der dazu bereit ist, mit mir zu schlafen.
Dass ich jemanden habe, dem es nicht darauf ankommt, wie ich aussehe oder wie angesagt ich bin, sondern der es einfach tut, weil er mich gern hat und glücklich machen will. Aber heute wird mir klar, dass es falsch von mir war, mich auf ihn einzulassen. Ich hätte mir denken können, dass es auf Dauer nicht gutgeht, wenn ich ausgerechnet mit ihm etwas Sexuelles anfange. Ich hätte wissen müssen, dass ich es nicht mit mir vereinbaren kann, ihm jeden Tag über den Weg zu laufen und so zu tun, als wäre nichts. Ich habe es kommen sehen, dass sich in mir irgendwann echte Gefühle für ihn entwickeln.
Ausgerechnet für ihn. Von allen Wesen, die es auf dieser Welt gibt, musste natürlich ausgerechnet er es sein. Er, den ich schon seit meiner Kindheit kenne und dem ich seitdem nahezu blind vertraue. Er, der über all meine Stärken und Schwächen, meine Macken und Eigenheiten, meine Vorlieben, Träume und Sehnsüchte Bescheid weiß. Der für mich immer schon etwas Besonderes, aber niemals mehr als nur ein guter Freund war. Der in alle meine Geheimnisse eingeweiht ist und trotz meiner chaotischen und manchmal auch exzentrischen Art zu mir hält und mir hilft, jede noch so ausweglose Situation heil zu überstehen.
Selbstverständlich konnte mein verdammtes Herz nicht anders, als ausgerechnet bei ihm verrückt zu spielen. Ausgerechnet bei Cosmo. Bei Cosmo, meinem tollpatschigen, schusseligen und dennoch so liebenswerten Zauberpaten. Ausgerechnet er ist der Grund, der mich schlaflos macht. Ausgerechnet er ist es, mit dem ich in der Nacht Zärtlichkeiten austausche, während Wanda schläft und nicht das Geringste mitbekommt.
Ausgerechnet bei ihm beginnt mein Herz, wie wild gegen meine Brust zu hämmern. Bei ihm steigt mein Puls und mein gesamter Körper wird überflutet mit heißkalten Schweißausbrüchen und Schauern. Bei ihm spielen meine Hormone komplett verrückt, sobald er mich auch nur streift. Anfangs habe ich noch gedacht, das wäre völlig normal, denn immerhin war das alles für uns beide noch so neu und aufregend. Ich konnte mein Verlangen und meine Sehnsucht nach ihm noch besser zügeln und im Rahmen halten.
Doch mittlerweile gerät die Sache vollkommen außer Kontrolle. Egal, wo ich bin und egal, was ich tue, alles, woran ich denken kann, ist Cosmo. Cosmo, Cosmo, Cosmo. Egal, wie oft ich versuche, mich mit irgendetwas anderem abzulenken, meine Gedanken kehren immer wieder zu ihm zurück.
Zu uns. Zu unserer ersten gemeinsamen Nacht. Der Nacht, die mein Leben für immer verändert hat. In der ich das allererste Mal spüren durfte, was es bedeutet, von jemandem geliebt zu werden. Von jemandem begehrt zu werden. In der Cosmo und ich zum ersten Mal miteinander geschlafen haben. Nie hätte ich mir auch nur vorstellen können, wie intensiv es sich anfühlt. Wie atemberaubend und unglaublich. Einzigartig. Einzigartig wie Cosmo selbst.
Er hat es wirklich verstanden, zärtlich zu mir zu sein und mir das zu geben, was ich bisher nur aus den Erzählungen meiner Freunde gekannt habe. Er hat es verstanden, mir durch sein Lächeln und seine zärtlichen Streichler sämtliche Ängste und Bedenken zu nehmen. Er wusste genau, wie er es schafft, mich bestmöglich zu befriedigen und dabei selbst auf seine Kosten zu kommen. Er war trotz – oder vielleicht gerade wegen – meiner mangelnden Erfahrung ganz einfühlsam und hat nichts getan, was ich nicht gewollt habe. Er hat mich sehr intensiv geliebt, war aber trotzdem darauf bedacht, es für mich so angenehm wie nur möglich zu machen und mir vor allen Dingen nicht wehzutun.
Und genau das liebe ich so an ihm. Seine besondere Gabe, mir Zärtlichkeit zu schenken. Egal, ob durch einen Streichler über das Haar, einen Kuss auf die Wange oder einfach nur durch seine Wärme, die er mich jedes Mal spüren lässt, wenn wir uns eng aneinanderkuscheln. Wenn wir uns Haut an Haut zusammenschmiegen und er liebevoll mit seiner Hand durch meine Haare fährt, während er mir ganz leise verführerische Dinge ins Ohr flüstert. Er hat ein ausgezeichnetes Talent für die Romantik. Er versteht es, mich nach allen Regeln der Kunst zu verführen und mir dadurch das Gefühl zu geben, dass das zwischen uns etwas Besonderes ist. Etwas Einmaliges.
Und trotzdem: Auch wenn ich die Nächte, die wir zusammen teilen über alles liebe und genieße, plagen mich in letzter Zeit immer wieder immense Schuldgefühle. Schuldgefühle gegenüber Wanda, weil ich ihr diese Sache verschweige. Weil ich ihr einfach den Mann wegnehme, ohne dabei auch nur ein einziges Mal an sie zu denken. Weil ich mich mit Cosmo auf dieses Spiel eingelassen habe. Auf diese... diese... Affäre?
Ist das zwischen uns eine Affäre? Kann man das so bezeichnen? Ist es Fremdgehen, was wir tun? Oder ist es einfach nur ein Spiel, aus beiderseitiger Neugier heraus entstanden? Ist es falsch, mit Cosmo zu schlafen, während sie im Bett liegt und rein gar nichts davon ahnt? Ist es falsch, mich von ihm lieben zu lassen? Mich nach ihm zu sehnen? Nach seiner Nähe? Nach diesen unzähligen, heißen Küssen, mit denen er mich im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert? Bin ich deswegen ein schlechter Mensch? Weil ich mich auf eine Liebesnacht mit meinem Zauberpaten eingelassen habe? Weil ich es genieße, ihn nachts neben mir zu fühlen?
Ist es falsch, dass ich neuerdings Gefühle für ihn habe, die eigentlich überhaupt nicht vorhanden sein dürfen, weil sie vollkommen irrational sind? Muss es mir so verdammt wehtun, zu sehen, wie er mit Wanda herumturtelt, während ich mich verstellen und so tun muss, als wäre alles wie immer, nur damit unser Geheimnis nicht auffliegt? Warum ist es nur so schwer für mich, mich zu beherrschen? Warum kann ich mich nicht einfach an unsere verdammte Abmachung halten, in der wir doch alles ganz klar festgelegt hatten?
Keine Gefühle. So waren die Spielregeln. Küssen erlaubt, Sehnsucht verboten. Miteinander schlafen ja, zusammen sein nein. Liebhaber okay, feste Beziehung tabu. Warum kriege ich das plötzlich nicht mehr auf die Reihe? Warum wünsche ich mir immer häufiger, mit Cosmo allein zu sein? Warum stelle ich mir vor, wie es wäre, romantisch mit ihm zu sein? Mit ihm auszugehen? Mit ihm zu tanzen? So lange es geht mit ihm zu kuscheln? Morgens als erstes und abends als letztes seine Nähe zu fühlen? Seine Stimme zu hören?
Weil da mehr ist, als ich bisher gedacht habe. Weil ich in ihm nicht mehr nur meinen Lover sehe, mit dem ich dieses Experiment gestartet habe. Er ist nicht mehr nur eine Bettgeschichte für mich. Er ist meine Liebe.
Auch wenn ich mich noch immer selbst schwer damit tue, es zu begreifen. Auch wenn alles in mir sich dagegen sträubt und jeder Gedanke daran meinen ganzen Körper erschaudern lässt. Ich habe mich in Cosmo verliebt. Hals über Kopf verliebt. So lange habe ich jetzt versucht, mich zu wehren und meine Gefühle einfach auszuschalten. So lange habe ich mir selbst vorgemacht, dass das überhaupt nicht sein kann und ich mir alles bloß einbilde.
Aber es hat keinen Sinn mehr, mich selber zu belügen. Ich bin in Cosmo verliebt. Hoffnungslos verliebt. Ich stelle mir vor, wie es wohl wäre, ihn als Freund zu haben. Als festen Lebensgefährten. Wie wunderbar es sein könnte, jeden Morgen in seinen Armen aufzuwachen und nachts darin einzuschlafen. Mit ihm ganz allein irgendwohin zu gehen, egal ob an den Strand, in den Park oder von mir aus auch ans Ende der Welt. Ihm einen dieser Kosenamen zu geben, die mich bis vor kurzem noch dazu gebracht haben, zu würgen und mich dann zu übergeben. Von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie eines Tages selbst einmal benutzen würde, geschweige denn, dies überhaupt wollte.
Aber durch ihn ist alles anders. Bei ihm könnte ich mir gut vorstellen, ihn nicht mehr Cosmo, sondern einfach nur noch „Spätzchen“, „Mäuschen“ oder „Süßer“ zu nennen. Bei ihm klingt dieser Gedanke überhaupt nicht mehr seltsam oder gar ekelerregend.
Cosmo, mein Mäuschen. Mein Süßer. Mein Prinz, der mir mein Herz gestohlen hat. Wie sich das anhört. So kitschig. So süß. Und doch so treffend. So wunderbar. Wunderbar wie er auch. Er, der in meiner kleinen Welt eine noch viel größere Rolle spielt als ich bisher angenommen habe. Der es geschafft hat, sie vollkommen aus dem Gleichgewicht zu bringen und mich ihm und seinen Zärtlichkeiten erlegen zu machen. Mich nach mehr verlangen zu lassen. Nach mehr von seiner Wärme. Mehr von seiner Haut. Von seinen Berührungen. Nach mehr von ihm.
Mein Gott, was geht da bloß mit mir vor? Warum bin ich nicht mehr in der Lage, Gefühl und Vernunft klar zu trennen und auseinanderzuhalten? Warum wird mein Verlangen nach ihm immer größer? Warum lässt es sich nicht unterbinden, wenn ich doch ganz genau weiß, dass es falsch ist?
Warum werfen sich mir so viele Fragen auf, die zuvor überhaupt nicht existiert haben? Warum tut sein Lächeln mir plötzlich so weh? Warum fühlt sich jeder Abschied nach einer unserer Liebesnächte plötzlich an wie ein Messerstich im Herz? Warum kocht in mir plötzlich die Eifersucht hoch, wenn ich ihn zusammen mit Wanda sehe? Warum wünsche ich mir, ihr meine Meinung zu geigen und ihr zu sagen, dass Cosmo jetzt mir gehört? Welches Recht habe ich schon dazu, eifersüchtig zu sein? Welches Recht habe ich, ihr zu sagen, dass sie die Finger von ihm lassen soll? Warum drängt sich mir das Bedürfnis auf, ihr von all unseren gemeinsamen Liebesnächten zu erzählen?
Ich bin ihr Patenkind. Ihr Schutzbefohlener. Ich habe nicht das Recht dazu, Cosmo einfach für mich zu beanspruchen und ihn Wanda auszuspannen. Ich habe kein Recht, mir vorzustellen, wie es wäre, mit ihm zusammen zu sein. Ich habe kein Recht, Gefühle für ihn zu entwickeln und mich in ihn zu verlieben.
Doch trotzdem ist es passiert. Trotzdem weiß ich ganz genau, dass ich Cosmo liebe. Mehr als alles andere auf dieser Welt. Mehr als ich es jemals beschreiben könnte. Mehr als ich jemals zulassen kann. Noch viel mehr, als ich es jemals für möglich gehalten hätte.
Und das tut weh. Es tut so verdammt weh, ihm vorspielen zu müssen, dass alles so ist wie immer. Es tut weh, nachts in seinen Armen zu liegen und zu wissen, dass der neue Morgen uns wieder auseinanderreißt. Es schmerzt, dabei zuzusehen, wie er tagsüber mit Wanda flirtet, sie küsst und ihr Geschenke macht, nur, damit sie ja keinen Verdacht schöpft. Es schmerzt, zu wissen, dass er noch immer sie liebt und dass ich für ihn nur ein Experiment bin. Nur ein Betthäschen, an dem er seine heimlichen Fantasien ausprobieren und ausleben kann. Nur ein billiges Spielzeug, mit dem er all das anstellt, was Wanda sonst nie mit ihm macht.
Mehr bin ich für ihn nicht. Mehr sieht er nicht in mir. Ich bin nur sein Patenkind. Sein naives Patenkind, das aus Neugier heraus dazu bereit war, mit ihm zu schlafen. Das sich aus reiner Neugier heraus auf dieses verworrene Spiel eingelassen hat und an mögliche Folgen dieses Abenteuers nie auch nur einen einzigen Gedanken verschwendet hat.
Aber wie hätte ich damals auch wissen können, dass ich eines Tages so viel mehr für Cosmo empfinden würde als bisher? Wie hätte ich denn wissen sollen, dass mein Verstand dermaßen verrückt spielen und sich Dinge ausmalen würde, die kompletter Wahnsinn sind? Wie hätte ich ahnen sollen, dass die Liebe einen so sehr quälen und an den Rand der Verzweiflung treiben kann?
Davon hat Cosmo mir niemals etwas gesagt. Er hat mir nicht gesagt, dass ich jeden Morgen mit Tränen kämpfen werde, wenn er wieder zurück zu Wanda geht. Er hat mir nicht gesagt, dass ich nicht mehr in der Lage sein werde, meinen Alltag normal zu bewältigen. Hat mich nicht darüber informiert, dass ich hochgradig eifersüchtig sein und mir wünschen werde, er würde sich endlich von ihr trennen und mit mir zusammen sein. Mit keinem Wort hat er mir erzählt, wie weh es tun kann, in jemanden verliebt zu sein, der das partout nicht kapieren will.
Es ist alles seine Schuld. Nur er ist schuld daran, dass ich langsam nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht, geschweige denn, was richtig und was falsch ist. Er war doch verdammt noch einmal derjenige, der diesen ganzen Mist überhaupt erst vorgeschlagen hat. Er hat meine Neugier und Unsicherheit ausgenutzt und mich geschickt dazu gebracht, auf seinen Vorschlag einzugehen. ER war derjenige, der unbedingt mit MIR schlafen wollte! Sonst hätte er es mir überhaupt gar nicht erst angeboten.
Er ist schuld, dass ich Wanda am liebsten eine scheuern würde, wenn sie ihm mal wieder einen Kuss auf die Wange gibt. Er ist schuld, dass ich sie am liebsten auf den Mond schießen würde, wenn sie nur seine Hand hält. Dass ich so eifersüchtig auf sie bin, obwohl sie überhaupt gar nichts dafür kann.
Wanda kann doch nicht das Geringste dafür, dass ich mich von Cosmo habe hinreißen lassen. Sie kann nichts dafür, dass ich nicht in der Lage dazu bin, meine Gefühle zu kontrollieren. Sie hat absolut nichts Falsches getan. Und trotzdem ist sie diejenige, gegen die sich meine ganze Wut richtet. Sie ist diejenige, an der ich am liebsten meinen ganzen Schmerz und meine Aggressionen abreagieren würde. Sie ist es, der ich gern klarmachen würde, dass ich sie umbringe, wenn sie es noch einmal wagt, meinen geliebten Cosmo anzufassen.
Wie gerne würde ich sie einfach packen und ihr sämtliche Haare einzeln ausrupfen. Wie gerne würde ich ihr die Flügel brechen und sie dann mit bloßen Händen erwürgen. Weil sie es wagt, meinem Cosmo schöne Augen zu machen. Weil sie die Frechheit besitzt, ihn zu küssen und mit ihm vor meinen Augen herumzumachen.
Sie hat ihn doch überhaupt nicht verdient! Er ist doch viel zu gut für sie. Sie soll sich gefälligst jemand anderen suchen, mit dem sie ihren Spaß haben kann. Aber verdammt noch einmal nicht mit meinem Cosmo! Er gehört zu mir. Er sollte an meiner Seite gehen, nicht an ihrer! Mich sollte er küssen und lieben. Mir sollte er schöne Augen machen und mich mit Geschenken überhäufen. Mich sollte er zu einem teuren Urlaub in ein Luxushotel einladen. Mir sollte er sagen, dass er mich liebt. Mir – und nicht ihr, zum Teufel!
Mein Gott, worüber denke ich hier eigentlich nach? Warum fühle ich mich plötzlich so aggressiv gegenüber Wanda? Warum spekuliere ich darüber, wie ich sie am besten verletzen kann? Habe ich den Verstand verloren? Bin ich wirklich so unbeherrscht, dass ich mir ernsthaft vorstelle, wie es wäre, ihr wehzutun? Bin ich wirklich so ein schlechter Mensch?
Ja, muss ich entsetzt feststellen. Ja, das bin ich. Ich denke doch tatsächlich daran, wie es wäre, wenn ich Wanda alles heimzahlen könnte. Ich bin wirklich eifersüchtig auf sie, obwohl ich das überhaupt nicht will. Es tut mir weh, Cosmo mit ihr zu sehen, auch wenn ich haargenau weiß, dass das falsch von mir ist.
Es sollte mir eigentlich gar nichts ausmachen, dass die beiden verheiratet sind. Es sollte nicht wehtun, dabei zuzusehen, wie sie sich küssen. Die beiden sind ein Ehepaar. Natürlich ist es da logisch, dass sie einander lieben. Natürlich tauschen sie da Zärtlichkeiten und noch viel mehr miteinander aus. Natürlich denkt Wanda sich nichts dabei, wenn sie Cosmo in meiner Gegenwart einen Kuss gibt. Es ist ja auch nichts weiter dabei. Sie ist diejenige, die zu Cosmo gehört.
Sie – nicht ich. Was bilde ich mir denn überhaupt ein, eifersüchtig auf sie zu werden? Welches Recht habe ich schon dazu, mir zu überlegen, wie ich die beiden auseinanderbringen kann? Das ist falsch. Das ist hinterhältig und ungerecht von mir. Ich sollte mich in Grund und Boden schämen. Dafür, dass ich ernsthaft mit dem Gedanken spiele, Wanda wehzutun.
Ich bin doch an allem selber schuld. Ich bin es, der nicht in der Lage war, seine Gefühle zu unterbinden. Ich habe zugelassen, dass alles so weit kommt. Ich habe zugelassen, dass dieses Abenteuer mit Cosmo mich vor die schwierigste Entscheidung meines Lebens stellt. Ich bin es, der sich jetzt überlegen muss, wie es weitergehen soll und was mir wichtiger ist: Meine unerwiderte Liebe zu Cosmo, die mir sowieso nur noch Schmerz und Kummer beschert – oder die Loyalität und Freundschaft gegenüber Wanda, die keine Ahnung davon hat, dass ihre beiden Jungs sich nachts heimlich lieben.
Wer von beiden bedeutet mir mehr? Cosmo, der kleine Frechdachs und beste Liebhaber auf der ganzen Welt? Oder doch Wanda, die treuste, verständnisvollste Freundin, die ich in meinem Leben haben darf und die stets wie eine zweite Mutter für mich war?
Die Antwort auf diese Fragen kenne ich bereits: Sie beide. Sie beide sind mir wichtiger als alles andere auf der Welt. Sie beide sind meine Familie. Beide haben es nicht verdient, dass ich sie derartig hintergehe und verletze. Darum kann ich weder Cosmo abweisen, noch Wanda die ganze Wahrheit sagen. Damit würde ich sie beide für immer verlieren.
Und genau das muss ich mit allen Mitteln verhindern. Koste es, was es wolle.

„Timmy. Timmy, wach auf“. Ich kann fühlen, dass Cosmo mir zärtlich über die Wange streichelt, um mich zu wecken. Ganz langsam schlage ich schließlich die Augen auf und gähne ihn verschlafen an. „Hey Timmy“, flüstert er mit einem Lächeln und will mich küssen, doch ich halte ihn zurück. Ich weiß, dass sein Kuss mir nur noch mehr wehtut. Ich weiß, dass er mich nur wieder erlegen und willenlos macht.
Doch das darf ich heute Nacht nicht zulassen. Ich darf mich nicht erneut von meinem Verlangen übermannen lassen. Ich muss standhaft bleiben und Cosmo sagen, dass ich so nicht weitermachen kann. Ich muss ihm sagen, dass ich nicht weiter lügen kann. Ihm klarmachen, dass ich keine Kraft mehr habe, dieses Spiel noch länger zu spielen. Dass es mich zu sehr verletzt, zu wissen, dass es wieder nur eine Nacht ist und dass er zurück zu ihr geht, sobald der neue Tag anbricht. Die Frage ist nur, wie.
Überrascht von dieser abweisenden Reaktion setzt er sich zu mir ans Bett und tastet dann vorsichtig nach meiner Hand. Behutsam streichelt er sie und ich fühle ein weiteres Mal dieses ungebremste Verlangen in mir aufsteigen, während ich ihn mustere.
Wenn er doch nur nicht so verflucht sexy wäre, geht es mir durch den Kopf, während ich erfolglos versuche, meine Lust auf ihn in Zaum zu halten und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wenn mich nicht jeder Blick in diese funkelnden Augen völlig willenlos machen würde. Wenn ich nur die Kraft dazu hätte, seinen Berührungen zu widerstehen und endlich die Fakten auf den Tisch zu legen. Dann wäre alles so einfach. So einfach und leicht.
„Was ist los, Tim?“, möchte er wissen und reißt mich damit aus meinen Gedanken. „Magst du denn keinen Kuss?“. Ein weiteres Mal versucht er, sich mir anzunähern, doch erneut blocke ich ihn sanft ab und lasse ein leises Seufzen verlauten. „Cosmo...“, bringe ich dann zögernd hervor und beiße mir angespannt auf die Unterlippe. „Wir müssen reden“. „Reden?“, erwidert er verwundert und zieht eine Augenbraue hoch. „Worüber willst du reden?“.
„Über... über uns“, antworte ich unsicher und weiche seinem Blick sofort aus, als er mir ins Gesicht schaut. „Es ist wirklich wichtig und ich...“. Ich breche ab. Auch wenn ich weiß, dass ich diese Sache mit ihm klären muss, ihm sagen muss, dass ich so nicht mehr weitermachen kann, ich schaffe es nicht. Ich schaffe es nicht, ihm zu erklären, was mit mir los ist. Schaffe es nicht, meine Gefühle und meinen Verstand miteinander in Einklang zu bringen und einfach geradeheraus zu sagen, was ich empfinde.
Ich habe nicht die Kraft dazu, ihm zu gestehen, dass ich längst mehr in ihm sehe als nur meinen Zauberpaten. Mehr als nur einen Liebhaber, der mir so viele unvergessliche Nächte geschenkt hat. Mehr als ein Abenteuer für eine Nacht. So viel mehr, als ich es jemals für möglich gehalten hätte.
„Was ist wichtig, Timmy?“, unterbricht er meine Gedanken, als er ein Stück näher zu mir heranrutscht. „Was möchtest du mir sagen? Worum geht es?“. „Es... es geht um unsere Nächte“, antworte ich und bemühe mich, dabei so standhaft wie möglich zu klingen, was mir allerdings nur äußerst schwer gelingt. „Um unser Spiel. Ich... ich kann es heute Nacht nicht mit dir spielen“.
„Hm?“, fragt er daraufhin und zieht verwundert eine Augenbraue hoch, als ihm bewusst wird, dass mit mir irgendetwas nicht stimmt. „Cosmo...“, versuche ich ihm zu erklären. „Ich... ich kann nicht mehr mit dir spielen. Ich kann es nicht mehr tun. Es geht einfach nicht mehr“.
„Warum denn nicht, Timmy?“, hakt er verständnislos nach, was mir aus irgendeinem Grund Tränen in die Augen treibt. Doch ich bemühe mich darum, sie vor ihm zu verstecken und so zu tun, als wäre nichts. Auf keinen Fall darf er bemerken, dass ich mich in ihn verliebt habe. Das wäre der Untergang. Die schlimmste Katastrophe, die passieren könnte. Alles wäre mit einem einzigen Schlag vorbei. Ich würde ihn verlieren. Ich würde sie beide verlieren.
Das darf ich nicht geschehen lassen. Ich muss dieser ganzen Sache ein Ende setzen und ihm klarmachen, dass ich das nicht mehr tun kann. Dass ich mich niemals wieder auf ihn einlassen kann. Auch wenn es mir das Herz bricht. Auch wenn ich unzählige heiße Tränen deswegen weinen werde. Ich muss es beenden. Um ihn nicht zu verlieren.
„Was ist los, Timmy?“, fragt er mich noch einmal, während er meine Hand streichelt. Rasch ziehe ich sie zurück und wende mein Gesicht von ihm ab. „Nichts“, antworte ich hastig, darum bemüht, die Fassung zu behalten. „Ich kann es einfach nicht mehr. Bitte versteh das, Cosmo. Ich kann das nicht mehr“.
„Warum nicht?“, wiederholt er seine Frage, scheint immer noch nicht ganz zu begreifen, wie ernst mir diese Sache ist. „Warum kannst du es nicht mehr? Hab ich was falsch gemacht? Hab ich dir wehgetan oder so was? Hab ich was falsches gesagt oder getan?“.
„Nein“, antworte ich leise und fühle heiße Tränen über mein Gesicht laufen. „Nein, hast du nicht. Es liegt nicht an dir, Cosmo. Es liegt an mir. Es liegt ganz allein an mir“. Ein leises Schluchzen dringt aus mir heraus, das auch mit größter Mühe nicht zurückhalten kann und bringt ihn dazu, mir die Hand auf die Schulter zu legen.
„Weinst du?“, fragt er leicht besorgt und versucht, Blickkontakt mit mir zu bekommen. „Bitte schau mich an, Timmy. Weinst du?“. „Nein“, lüge ich ihn an und wehre seine Berührung ab, weiche ihm aus, als er mich ansehen will. „Bitte geh jetzt, Cosmo. Bitte geh einfach. Lass uns dieser Sache heute Nacht ein Ende setzen und geh zurück zu Wanda. Du gehörst zu ihr. Du gehörst ganz allein zu ihr“.
Diese Aussage veranlasst ihn dazu, mir über die Wange zu streicheln und meinen Kopf in seine Richtung zu drehen. „Warum sagst du das, Timmy?“, möchte er wissen, noch immer im Unklaren über mein abweisendes Verhalten ihm gegenüber. „Warum willst du nicht mehr mit mir spielen? Gefallen dir unsere Spiele nicht mehr?“.
Auf diese Worte hin breche ich endgültig in Tränen aus und vergrabe den Kopf in den Händen. Rasch weise ich ihn zurück, als er mich streicheln will und stoße ihn von mir weg. „Geh!“, schreie ich ihn an. „Geh einfach, Cosmo! Du verstehst das nicht!“.
„Was ist denn nur los mit dir, Timmy?“, fragt er, überrascht von meinem merkwürdigen Verhalten. „Irgendetwas muss doch passiert sein. Gestern warst du doch auch nicht so. Gestern hast du noch gesagt, dass du es gar nicht erwarten kannst, bis ich heute Nacht wieder zu dir komme. Und heute willst du plötzlich nicht mehr mit mir spielen. Was um Himmels Willen ist denn bloß passiert?“.
„Es ist nichts passiert!“, behaupte ich aufgelöst. „Gar nichts ist passiert, okay? Ich halte das alles einfach nicht mehr aus! Ich halte es nicht mehr aus, dich teilen zu müssen!“. Die Worte sprudeln einfach aus mir heraus, noch ehe ich überhaupt die Möglichkeit dazu habe, es zu verhindern. Plötzlich werde ich wieder überwältigt von dieser grenzenlosen Eifersucht auf Wanda, die mir einfach meinen Cosmo wegnimmt. Plötzlich steigen all die Gefühle wieder in mir auf, gegen die ich Tag und Nacht anzukämpfen versuche. All der Zorn und der Schmerz darüber, dass sie mit ihm zusammen ist, sind mit einem Schlag wieder da.
„Mich... teilen?“, fragt Cosmo überrascht, der meine Worte anscheinend gar nicht richtig verstehen kann. „Was meinst du damit, dass du mich teilen musst?“. „Mit Wanda!“, antworte ich wütend und schlage mit der Faust auf meine Bettdecke ein. „Jeden Morgen gehst du zurück zu ihr und tust so, als wäre zwischen uns überhaupt nichts! Jeden Tag muss ich dabei zusehen, wie sie mit dir flirtet und dich küsst! Dabei gehörst du doch zu mir!“.
„Timmy...“, erwidert er perplex, als er allmählich zu begreifen scheint, was mit mir gerade los ist. „Timmy, du... du bist eifersüchtig? Heißt das etwa, du...?“. „Ja!“, schreie ich wütend und aufgelöst zugleich. „Ja, Cosmo! Ja, verdammt noch einmal! Ich habe mich in dich verliebt, okay?!“.
„Ver...verliebt?“, stottert er aufgeregt und schluckt schwer. „Du... du meinst... richtig?“. „Verdammt, ja!“, brülle ich ihn an und lasse mich schluchzend in mein Kopfkissen sinken. Ein leiser, schmerzerfüllter Schrei dringt aus meinem Inneren, als mir bewusst wird, was ich mit diesem Geständnis angerichtet habe. Dass ich Cosmo verloren habe. Ihn für immer verloren habe. Dass er sich jetzt umdrehen und gehen wird. Und mit ihm auch Wanda.
Doch entgegen meiner Erwartung, dass er mir jetzt Vorwürfe machen und mich ausschimpfen wird, spüre ich plötzlich seine Hand auf meiner Schulter, die mich zärtlich streichelt. Tränenblind hebe ich meinen Kopf und weise ihn grob von mir. „Na los“, keife ich ihn an. „Worauf wartest du? Schrei mich an. Mach mir Vorhaltungen. Schimpf mich aus für meine Naivität. Wirf mir vor, dass ich nicht mal dazu in der Lage bin, meine Gefühle zu kontrollieren. Hass mich. Hass und verabscheue mich“.
„Timmy...“, flüstert er leise, als er sich wieder hinsetzt und seine Hand vorsichtig an meine Wange legt. „Timmy, ich hasse dich doch nicht. Wieso sollte ich dich denn hassen, mein Kleiner?“. „Weil ich so dumm bin, mich in dich zu verlieben!“, antworte ich tränenüberströmt und will mich von ihm abwenden, doch das lässt er nicht zu.
„Du bist also wirklich in mich verliebt?“, fragt er ein weiteres Mal, was ich durch ein Nicken bestätige. „Ich wollte mich wehren, Cosmo“, erkläre ich ihm unter Tränen. „Ich wollte mich wirklich dagegen wehren. Aber ich konnte es nicht. Ich konnte es einfach nicht. Ich habe mich verliebt. Ich habe mich wirklich in dich verliebt. Wenn ich gewusst hätte, dass das passiert, dann...“.
Ein Schluchzen lässt mich mitten im Satz innehalten und ich wende meinen Blick erneut von ihm ab. Für wie bescheuert muss er mich jetzt auch halten? Wie krank muss ich ihm vorkommen, weil ich mich doch allen Ernstes in einen verheirateten Mann verliebe? Wie enttäuscht muss er von mir sein, dass ich unsere Abmachung gebrochen habe? Es nicht geschafft habe, mich gegen meine Gefühle zu wehren und zu allem Überfluss auch noch eifersüchtig auf Wanda bin?
Er muss mich für einen Idioten halten. Für einen völlig kranken Vollidioten, der nicht einmal in der Lage ist, sich an eine einfache Vereinbarung zu halten. Er muss mich verabscheuen. Mich abgrundtief verabscheuen.
„Wie lange schon, Timmy?“. Cosmos Frage reißt mich aus meinen Gedanken und lässt mich ihm noch einmal in die Augen schauen. „Wie lange empfindest du schon so für mich?“. „Warum willst du das wissen?“, erwidere ich unter Tränen. „Was kümmert dich das noch? Du verabscheust mich doch jetzt sowieso, nachdem du die ganze Wahrheit kennst. Du hältst mich für krank und übergeschnappt. Gib es doch zu“.
„Das ist doch totaler Blödsinn“, wehrt er ab und startet einen weiteren Versuch, mich zu streicheln. „Totaler Blödsinn ist das, Timmy. Ich könnte dich niemals verabscheuen oder dich gar hassen. Niemals, hörst du?“. „Aber du weißt doch jetzt, was Sache ist!“, protestiere ich verständnislos und überrascht von seinem gelassenen Verhalten.
„Ja“, stimmt er mir zu, als er zärtlich durch meine Haare streift. „Ja, das tue ich. Und natürlich muss ich zugeben, dass dein Geständnis völlig unerwartet kommt. Aber es ist nichts, wofür ich dich verabscheuen oder gar hassen könnte. Ganz im Gegenteil: Ich bin glücklich darüber, dass du mir das erzählst“.
„Wie bitte?“, frage ich fassungslos, weil ich gar nicht fassen kann, was er da gerade von sich gegeben hat. „Ich bin glücklich, Timmy“, wiederholt er, während sich ein Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitet. „Sehr glücklich sogar“. Mit diesen Worten küsst er mich kurz auf die Wange und versetzt mich damit noch mehr in Staunen als ohnehin schon.
„Aber... unsere Regeln...“, will ich zum Protest ansetzen, doch er legt mir den Finger auf die Lippen, weist mich dadurch an, nichts darauf zu sagen. Dann lässt er ein leises Seufzen verlauten und sucht abermals den Blickkontakt mit mir.
„Timmy...“, beginnt er, während er nervös auf seiner Unterlippe herumnagt. „Wenn du schon so ehrlich zu mir bist... dann sollte ich vielleicht auch ehrlich zu dir sein. Es gibt da eine Sache, die ich dir bisher immer verschwiegen habe, weil ich dachte, dass sie für unsere Nächte keine Rolle spielt. Aber jetzt, nachdem ich weiß, was du empfindest, sehe ich es als meine Pflicht an, dich darüber aufzuklären“.
„Über was aufklären?“, frage ich verwundert, da ich ihm nicht ganz folgen kann. „Worauf willst du hinaus, Cosmo?“. „Es gibt da etwas, das du nicht weißt“, erwidert er, ohne meine Frage zu beantworten. „Ich habe es dir bewusst verschwiegen, weil ich dich nicht beeinflussen oder gar verunsichern wollte. Außerdem wollte ich nicht, dass du das Gefühl bekommst, du wärst nur ein Trostpflaster. Verstehst du?“.
„Nein“, antworte ich und schüttle verwirrt den Kopf. „Ich verstehe rein gar nichts. Ich habe nicht den geringsten Schimmer, wovon du da eigentlich sprichst“. Er seufzt leise, ehe er schließlich fortfährt. „Ich weiß nicht, wie ich dir das beibringen soll...“, beginnt er zögernd. „Aber zwischen Wanda und mir ist es aus. Unsere Ehe ist so gut wie am Ende. Sie existiert quasi nur noch auf dem Papier“.
„Bitte was?!“, frage ich nach, teils überrascht, teils geschockt von diesen Worten. „Was erzählst du da eigentlich?“. „Es ist vorbei“, wiederholt er mit einem erneuten Seufzen. „Zwischen uns ist es schon lange nicht mehr so, wie es mal war. Es ist aus. Unsere Liebe ist vorbei“. „Aber... aber Cosmo...“, will ich erwidern, doch er unterbricht mich.
„Sie hat einen anderen“, erzählt er mir weiter. „Seit Monaten schon. Durch einen blöden Zufall bin ich dahintergekommen, dass sie mich die ganze Zeit über schon betrügt und hintergeht. Und am Anfang hat es mir auch unglaublich wehgetan. Aber inzwischen habe ich mich damit zurechtgefunden, dass es vorbei ist“.
„Ich... ich verstehe das nicht...“, erwidere ich schockiert und schüttle mehrmals den Kopf, als könnte ich dadurch das Gesagte wieder vergessen. „Ihr zwei wart doch immer so glücklich. Ihr wart doch immer so vertraut miteinander“.
„Das war nur Show“, entgegnet Cosmo leise. „Wir haben dir nur vorgespielt, dass zwischen uns alles in Ordnung ist, damit du dir keine Sorgen machst. Aber in Wirklichkeit ist es schon seit langem aus mit unserer Ehe“. „Aber... aber was sollte dann das mit uns?“, will ich perplex wissen. „Wozu dieses ganze Theater? Was sollte das?“.
„Ich wollte dich schonen“, erzählt er und senkt seinen Blick. „Ich wollte nicht, dass du die Wahrheit erfährst. Deswegen habe ich so getan, als dürfte Wanda nichts von uns beiden erfahren. Deswegen habe ich dir erklärt, dass du keine echten Gefühle für mich entwickeln darfst. Weil ich nicht wollte, dass du dich meinetwegen so quälst. Aber wie es scheint, habe ich damit genau das Gegenteil erreicht“.
„Ach ehrlich?!“, keife ich ihn an, wütend darüber, dass er mich von vorne bis hinten angelogen hat und verschränke die Arme vor der Brust. „Es tut mir Leid, Timmy“, entschuldigt er sich. „Ich habe ja nicht ahnen können, dass du dich wirklich in mich verlieben würdest. Ich dachte, es ginge dir dabei ausschließlich um das Praktische. Ich wusste doch nicht, dass du eines Tages mehr in mir sehen würdest“.
Er unterbricht sich kurz, offensichtlich beschämt über seine Lüge. „Glaub mir, Timmy“, fügt er dann hinzu. „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich von Anfang an ehrlich zu dir gewesen“. „Also... dann... dann war ich nichts weiter als ein Ersatz für Wanda?“, frage ich verletzt nach und spüre wieder Tränen in mir aufsteigen. „Du hast mich nur dazu überredet, damit du deinen Spaß mit mir haben kannst?!“.
„Nein!“, protestiert er aufgeregt. „Nein, Timmy, so ist das nicht! Bitte glaub mir! So ist das nicht!“. „Wie ist es dann?!“, will ich wütend und verletzt wissen und schlage seine Hand beiseite, als er nach mir tasten will. „Warum hast du dann diesen ganzen Zirkus veranstaltet? Warum, Cosmo? Zum Teufel noch einmal, sag mir, warum!“.
„Weil du etwas Besonderes für mich bist“, antwortet er und ich sehe auch in seinen Augen kleine Tränen funkeln. „Das musst du mir glauben, Timmy. Du bist etwas ganz Besonderes für mich. Ich weiß, dass es jetzt bestimmt so aussieht, als wärst du nichts weiter als ein Betthäschen für mich, aber glaub mir, das ist nicht wahr. Das ist nicht wahr, Timmy, wirklich nicht. Ich habe mich lange vor dem Ende meiner Ehe mit Wanda zu dir hingezogen gefühlt. Lange bevor ich gewusst habe, dass sie mich betrügt. Ich liebe dich. Bitte glaub mir das, ich liebe dich“.
„Aber wozu dieses Theater?!“, will ich aufgelöst wissen. „Wenn du tatsächlich dasselbe empfindest wie ich, wozu dieses Spiel? Warum hast du nicht gleich gesagt, was Sache ist? Warum hast du mich in dem Glauben gelassen, dass das zwischen uns nicht mehr ist als eine Affäre? Warum hast du mich in dem Glauben gelassen, ich wäre nur dein Spielzeug? Warum hast du mir nicht gesagt, was du empfindest? Wozu diese verdammte Show?!“.
„Ich wollte dich schonen, okay?“, antwortet er, als er in Tränen ausbricht. „Ich wollte nicht, dass du etwas von den Eheproblemen zwischen Wanda und mir mitbekommst. Ich wollte dich mit meinen Gefühlen für dich nicht überfordern. Nur deshalb habe ich mir diese blöden Regeln ausgedacht. Deshalb habe ich darauf bestanden, dass das mit uns nur körperlich ist. Weil ich dich zu nichts drängen wollte. Ich wollte dich verdammt noch einmal schonen, okay?!“.
„Und was ist eigentlich mit Wanda?“, erwidere ich und bemühe mich noch immer darum, die ganze Sache auf die Reihe zu bekommen. „Weiß sie...?“. „Sie weiß von uns“, antwortet er, noch ehe ich meine Frage zu Ende sprechen kann. „Sie weiß, dass wir beide regelmäßig miteinander schlafen. Genau, wie ich auch von ihrer Affäre weiß. Aber sie macht sich nichts daraus. Sie weiß genauso gut wie ich, dass man unsere Ehe nicht mehr retten kann. Sie ist vorbei. Sie ist für immer vorbei“.
„Das ist zu viel!“, rufe ich aus und schüttle noch einmal heftig den Kopf. „Das ist gerade echt zu viel, Cosmo. Ich... ich weiß überhaupt nicht, was ich dazu sagen soll, geschweige denn, wie es jetzt mit uns weitergeht. Ich... ich brauche Zeit. Ich brauche jetzt erst einmal Zeit, um über alles nachzudenken. Darum geh jetzt. Bitte geh jetzt, Cosmo. Lass mich allein. Ich muss mir in Ruhe über alles klarwerden“.
„Okay“, stimmt er mir zu und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht, bevor er sich erhebt und zum Fischglas hinüberschwebt. Dann dreht er sich noch einmal zu mir um und schaut mir in die Augen. „Timmy“, flüstert er leise. „Ich liebe dich. Bitte glaub mir das. Ich liebe dich über alles“. Ich nicke ihm kurz zu, um ihm zu vermitteln, dass ich verstanden habe und wende meinen Blick dann Richtung Fenster, starre in die klare, mondhelle Nacht hinaus.
Unzählige Gedanken und Fragen gehen mir durch den Kopf, während ich versuche, meine Gefühle richtig zu sortieren und mir darüber bewusst zu werden, wie es jetzt mit Cosmo und mir weitergehen soll. Ich bin immer noch überwältigt davon, dass er sich anscheinend tatsächlich in mich verliebt hat und kann gar nicht begreifen, wie es zwischen Wanda und ihm überhaupt so weit kommen konnte.
Vor allem aber beschäftigt mich die entscheidende Frage, warum er nicht von Anfang an ehrlich zu mir gewesen ist, anstatt mir tagtäglich vorzuspielen, dass das zwischen uns nichts weiter als eine Bettgeschichte ist. Warum nur hat er nicht gleich gesagt, welches Ziel er mit seinem Angebot verfolgt? Warum hat er nicht gesagt, dass er in mir mehr sieht als nur sein Patenkind? Warum hat er sich so eine Lügengeschichte ausgedacht und mich obendrein immer wieder ermahnt, ja keine tieferen Gefühle für ihn zu entwickeln? Warum musste er alles so verdammt kompliziert machen und mich in diese Situation bringen, obwohl es zwischen uns doch so einfach und unbeschwert sein könnte?
Wir beide könnten längst ein Pärchen sein, wenn er gleich zu Beginn gesagt hätte, was er sich von mir wünscht, anstatt mich einen inneren Kampf mit mir selbst austragen zu lassen. Wir könnten längst mehr sein als nur Liebhaber, wenn er von Anfang an zu seinen Gefühlen für mich gestanden und mir nicht weisgemacht hätte, dass niemand etwas von uns wissen darf.
In diesem Moment fühle ich wieder unglaubliche Wut auf ihn in mir aufsteigen. Tage- und nächtelang überlege ich jetzt schon hin und her, wie ich ihm am besten beibringe, was ich empfinde, ohne ihn damit zu erschrecken oder gar zu überfordern. Unzählige Male habe ich hier in meinem Bett gelegen und geweint, weil ich mir eingeredet habe, dass meine Liebe zu ihm falsch und verboten ist. Habe mir Vorwürfe gemacht, weil ich Wanda einfach den Mann wegschnappe und ihr eiskalt ins Gesicht lüge.
Und am Ende stellt sich tatsächlich heraus, dass er dasselbe für mich empfindet und sie ihm überhaupt nichts mehr bedeutet. Hat er eigentlich auch nur den Hauch einer Ahnung, wie verdammt weh mir das getan hat? Wie sehr ich mich selbst gequält und für das geschämt habe, was ich tue? Weiß er, was er durch sein Liebesgeständnis mit mir gemacht hat? Was diese Offenbarung in mir ausgelöst hat?
Ich könnte ihm den Hals umdrehen. Erwürgen könnte ich ihn für seinen Verrat und seine ganzen Lügen. Ihn zur Hölle schicken und für alle Zeiten aus meinem Leben streichen. Dafür, dass er so ein Theater veranstaltet hat. Mich in dem Glauben gelassen hat, ich wäre nichts weiter als ein Bettmäuschen, das er ganz nach seinen Bedürfnissen benutzen kann, wann immer es ihm gefällt.
Und dann faselt er auch noch irgendetwas von echter Liebe. Will mir weismachen, dass er mich durch seine bescheuerten Regeln nur schützen wollte, um mich nicht mit seinen Eheproblemen zu konfrontieren. Behauptet, dass er sich richtig in mich verliebt hat und mehr in mir sieht als nur seinen Liebhaber. Und da erwartet er allen Ernstes noch, dass ich begeistert darüber bin? Dass ich ihm überglücklich um den Hals falle und ihm sage, wie sehr mich das freut?
Nein. Nicht mit mir. Ganz bestimmt nicht. Wenn er tatsächlich glaubt, ich würde ihm diese Lüge, diesen abgrundtiefen Verrat einfach so verzeihen, dann hat er sich geschnitten. Dann hat er sich gewaltig geschnitten. Was bildet er sich denn überhaupt ein? Was glaubt er eigentlich, wer er ist, dass er einfach mal so mit meinen Gefühlen spielt? Mich durch die Hölle gehen lässt mit seinen ganzen Lügen und am Ende auch noch erwartet, dass ich ihm dankbar dafür bin?
Ich sollte ihn ohrfeigen für das, was er sich heute Nacht alles geleistet hat. Verstoßen sollte ich ihn für dieses egoistische Verhalten. Ich sollte ihn hassen. Ihn für immer aus meinem Kopf und meinem Leben streichen. Ich weiß, dass das der richtige Weg wäre. Mein Verstand sagt mir klar und deutlich, dass es für diese Lüge einfach keine Entschuldigung gibt. Er sagt mir, dass ich Cosmo die Augen auskratzen müsste. Ihn zum Teufel jagen müsste.
Aber mein Herz schafft es nicht. Mein Herz bringt es einfach nicht fertig, wirklichen Hass für ihn zu empfinden. Es ist nicht in der Lage dazu, ihn zu vergessen. Unsere Nächte zu vergessen und einfach einen Strich darunter zu machen.
Zwischen uns ist so viel passiert. So viele Nächte haben wir miteinander geteilt. So viele Berührungen und Küsse ausgetauscht. Da sind so unzählig viele Momente, so viele wunderbare Augenblicke, die sich nicht einfach so mir nichts, dir nichts vergessen lassen. Egal, wie weh es mir auch tut, dass er mich so hintergangen hat. Ich kann ihn nicht hassen. Ich kann ihn einfach nicht hassen.
Weil er meine Liebe ist. Meine erste große Liebe. Ich liebe ihn immer noch. Will ihn immer noch. Nur für mich. Für mich ganz allein. Ich kann nicht all die zärtlichen Berührungen, die ganzen aufregenden Stunden mit ihm einfach so hinter mir lassen. Auch wenn er es mehr als verdient hätte, dass ich niemals wieder auch nur ein einziges Wort mit ihm wechsle.
Ich schaffe es nicht. Ich bin nicht stark genug dafür, ihn zu verstoßen. Weil ich ihn immer noch brauche. Ihn immer noch liebe. Trotz allem, was heute Nacht geschehen ist. Er hat mein Herz erobert. Und er hält es in seiner Macht. Ich bin wehrlos. Vollkommen wehrlos gegen mein Gefühl.

Irgendwann in dieser Nacht müssen mir wohl doch die Augen zugefallen sein, denn als ich wieder aufwache, schimmert bereits Sonnenlicht durch mein Zimmerfenster herein. Vorsichtig setze ich mich hoch und werfe automatisch einen Blick neben mich, zum Fischglas hinüber. Weder Cosmo, noch Wanda sind darin zu sehen, woraus ich schließe, dass die beiden entweder noch schlafen oder bereits außer Haus sind.
Unweigerlich kommen mir dabei die Geschehnisse der letzten Nacht in den Sinn. Noch einmal höre ich in Gedanken alles, was Cosmo mir gestern Nacht offengelegt hat. Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken hinunter, während ich vergeblich versuche, die Bilder letzter Nacht aus meinem Kopf zu verjagen.
Aber es bringt nichts. Es ist, als wären sie dort festtapeziert. Egal, wie sehr ich mich auch anstrenge, die Ereignisse von gestern wollen mich einfach nicht loslassen. Zu viele Unklarheiten stehen noch im Raum. Zu viele Fragen schwirren mir im Kopf herum. Zu tief sitzt noch immer der Schmerz darüber, dass Cosmo mich so lange angelogen und mir etwas vorgespielt hat. Mir stets das Gefühl gegeben hat, dass ich nicht mehr als eine Affäre für ihn bin.
Und gerade, als ich denke, ich könnte mich damit einigermaßen zurechtfinden, kommt er mir plötzlich mit dieser Hiobsbotschaft um die Ecke. Erzählt mir, dass auch er sich in mich verliebt hat. Dass er überhaupt nichts mehr von Wanda will und dass ihre Ehe quasi nur noch auf dem Papier besteht. Wirft mich damit völlig aus der Bahn und erwartet dann auch noch, dass ich glücklich über diese Neuigkeit bin.
Wie hat er sich das eigentlich vorgestellt? Was hat er sich dabei gedacht, mir einfach so die Wahrheit zu sagen? Wie soll es zwischen uns dreien jetzt überhaupt weitergehen? Wie soll ich mich Wanda gegenüber verhalten, wenn ich sie das nächste Mal sehe? Was soll ich ihr dann erzählen? Dass ich alles über ihre Eheprobleme mit Cosmo weiß? Dass es mir Leid tut, wie sich das alles entwickelt hat? Dass ich mich in ihn verliebt habe und fast jede Nacht mit ihm schlafe?
Das kann ich doch nicht tun. Ich kann Wanda nicht gegenübertreten und so tun, als wäre es die selbstverständlichste Sache auf der Welt, einfach mal eben mit Cosmo ins Bett zu steigen. Ich kann ihr nicht in die Augen sehen und ihr sagen, dass ich in ihn verliebt bin. Kann den Gedanken nicht ertragen, dass sie ohnehin über alles Bescheid weiß und sich allem Anschein nach gar nichts daraus macht.
Ich muss eine Lösung finden. Einen Weg, wie ich aus dieser Nummer wieder herauskomme. Wie ich sowohl Cosmo als auch Wanda ohne schlechtes Gewissen gegenübertreten kann. Ich brauche einen Plan. Einen Plan, mit dem ich diesem verdammten Spiel endlich ein Ende setzen kann. In mein altes Leben zurückfinden kann. In die Zeit, bevor ich mich auf Cosmo eingelassen habe. Bevor zwischen uns etwas passiert ist. Es muss wieder werden wie früher. Auf keinen Fall darf ich es riskieren, einen der beiden zu verlieren. Ich brauche sie. Ich brauche sie an meiner Seite. Brauche einen Weg, der mich aus dem Labyrinth, in dem ich mich im Moment befinde, wieder herausführt.
Ich frage mich nur, wie der aussehen soll. Denn auch wenn ich mit aller Kraft dagegen ankämpfe – ich liebe Cosmo immer noch. Ich bin über alle Maßen in ihn verliebt und wünsche mir, jede Sekunde meines Lebens mit ihm teilen zu können. Auch wenn ich weiß, dass diese Gedanken falsch sind. Dass meine Gefühle für ihn vollkommen falsch sind. Ich komme nicht gegen sie an.
Mein Herz ist stärker als ich. Und es erzählt mir ohne Zweifel, wie unsterblich ich Cosmo liebe. Wie sehr ich ihn begehre. Ihn will. Nur für mich allein haben will. Er gehört zu mir. Er soll Tag für Tag an meiner Seite gehen. Mich halten und nie wieder loslassen. Egal, wie sehr es noch immer schmerzt, dass er mich belogen hat. Meine Liebe zu ihm ist nach wie vor da. Sie brennt immer noch in mir und macht es mir unmöglich, mich dagegen zur Wehr zu setzen. Sie führt mir mehr als deutlich vor Augen, dass ich gar keine andere Wahl habe als ihm zu verzeihen. Ihm all seine Lügen einfach zu verzeihen, als wären sie niemals dagewesen.
Er ist meine Liebe. Und darum muss ich auch versuchen, damit umzugehen. Ich muss versuchen, den beiden gegenüber ganz ehrlich zu sein. Ihnen zu sagen, was ich mir vorstelle und vor allen Dingen wünsche. Muss Wanda erklären, dass ich mich nicht gegen meine Gefühle für Cosmo wehren kann. Dass er mein Herz in Flammen gesetzt hat und mich durch jede seiner zärtlichen Berührungen atemlos macht.
Auch wenn sie es vielleicht nicht gern hört und es doch nicht so ohne weiteres hinnimmt wie Cosmo behauptet. Ich muss trotzdem den Versuch machen, es ihr zu erklären. Ihr sagen, dass er mein Leben ist. Dass ich ihn über alles liebe. Und ihn haben will. Nur für mich.
Ebenso muss ich natürlich auch Cosmo gegenüber ehrlich sein und ihm erzählen, was ich mir von ihm wünsche. Dass ich bereit bin, ihm diese Lüge und diesen Verrat zu verzeihen, wenn er mir verspricht, dass seine Gefühle für mich ehrlich gemeint sind. Dass sie tief aus seinem Herzen kommen und er alles dafür tun wird, um mir das zu beweisen. Wenn er mir das verspricht, werde ich alles vergessen, was letzte Nacht geschehen ist und mit ihm zusammen ein neues Leben beginnen. Weil ich ihn liebe. Mehr als ich es je sagen könnte.
Natürlich ist mir bewusst, dass dieses Gespräch mit den beiden alles andere als einfach werden wird. Dass sich eine Menge Emotionen und angestaute Wut dabei entladen werden. Dass es möglicherweise zu einem heftigen Wortgefecht zwischen uns kommen wird. Das ist mir selbstverständlich klar.
Aber ich muss es einfach tun. Ich muss die beiden wissen lassen, was Sache ist. Was ich mir von ihnen erwarte und wünsche. Auch wenn es mich viel Kraft und vor allen Dingen Mut und Überwindung kosten wird. Diesen Schritt muss ich machen, um ein für alle Mal Klarheit zu schaffen. Um endlich zu erfahren, woran ich bin. Egal, wie weh es auch tut. Das bin ich den beiden schuldig. Und mir selbst auch.

Zwei Stunden später, nachdem ich eine lange Dusche genommen und versucht habe, einen Bissen meines Frühstücks runterzukriegen, sitze ich wieder allein in meinem Zimmer und warte. Warte darauf, dass wenigstens einer der beiden zurückkommt und ich so die Möglichkeit habe, mir endlich all meine Gedanken über die ganze Sache von der Seele zu reden. Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich gestehen, dass es mir lieber wäre, wenn ich zuerst mit Wanda reden und ihr ganz in Ruhe erklären könnte, was sich zwischen Cosmo und mir entwickelt hat.
Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber auch wenn sie mit Cosmo gebrochen und sich längst einen anderen Spielgefährten gesucht hat – wie er mir letzte Nacht aus eigener Hand erzählte – fühle ich mich ihr gegenüber immer noch schuldig, dass ich mich in diese ganze Sache habe verwickeln lassen.
Nichtsdestotrotz möchte ich ihr erklären, dass ich mich wirklich in ihn verliebt habe und dass unsere gemeinsamen Nächte etwas ganz Außergewöhnliches für mich sind. Dass auch er mir seine Liebe gestanden hat und mit mir zusammen sein möchte. Und dass ich alles, was zwischen uns geschehen ist, nicht einfach so vergesse und so tue, als wäre nie irgendetwas gewesen.
Ich liebe ihn. Und ich brauche ihn. Ich brauche ihn an meiner Seite. Er gehört jetzt zu mir. Er hat mir gestern Nacht anvertraut, dass er dasselbe für mich empfindet und die Ehe mit Wanda nur noch auf dem Papier besteht. Darum werde ich auch alles dafür geben, um mit ihm zusammen sein zu können. Um endlich all die Dinge mit ihm machen zu können, die ich mir in meinen heimlichen Tagträumen stets ausgemalt habe.
Egal, wie viel Kraft es mich auch kosten wird, ihr das einfach so ins Gesicht zu sagen. Egal, ob sie es nachvollziehen kann oder nicht. Ich muss es einfach tun. Es führt kein Weg mehr daran vorbei. Zu viel ist schon passiert, als dass ich es ohne Weiteres vergessen könnte. Zwischen Cosmo und mir hat es gefunkt. Es hat auf das Heftigste gefunkt. Darum kämpfe ich auch. Für ihn. Für mich. Für uns.
Mein Körper beginnt zu zittern, während ich mir Gedanken darüber mache, wie ich die Karten am besten auf den Tisch lege. Wie ich überhaupt anfangen will mit meiner Erklärung und Wanda ohne jeden Zweifel vermittle, dass ich meine, was ich sage. Dass es mir absolut ernst ist mit meinen Gefühlen für Cosmo und ich absolut alles versuchen werde, um ihn für mich allein zu haben. Um ihn endlich für mich allein zu haben.
Ein paar Gewissensbisse habe ich natürlich immer noch, weil ich mich auf diese ganze Sache eingelassen habe, doch ich versuche mit aller Kraft, sie zu unterdrücken. Ich versuche, sie einfach abzustellen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Cosmo wollte mit mir schlafen. Er ist mit diesem Angebot zu mir gekommen, nicht ich zu ihm. Er hat mir gesagt, dass er mit Wanda keine Zukunft mehr sieht und sich zu mir hingezogen fühlt. Er hat gesagt, dass er mich auf dieselbe Art und Weise liebt und begehrt wie ich ihn. Es ist nicht meine Schuld. Ich kann nichts dafür, dass alles so gekommen ist. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Nicht das Geringste.
Noch während ich mir den Kopf darüber zerbreche, wer jetzt eigentlich die Schuld an dieser Situation trägt und was passieren wird, wenn ich den beiden erkläre, was ich mir wünsche und vorstelle, taucht plötzlich Wanda vor mir auf und mein Herz fängt an zu rasen. Denn selbstverständlich ist mir bewusst, dass sie noch überhaupt nicht weiß, was gleich auf sie zukommen wird. Sie hat keine Ahnung davon, dass Cosmo mir letzte Nacht alles erzählt hat und glaubt wahrscheinlich, es wäre alles so wie immer.
„Guten Morgen, Timmy“, begrüßt sie mich mit einem Lächeln, das meiner Meinung nach nicht billiger und aufgesetzter wirken könnte. Sie versucht immer noch, mir die heile Welt vorzuspielen, obwohl ich längst über alles informiert bin. Sie tut es aus Liebe. Aus Liebe zu mir.
„Hi Wanda“, erwidere ich gedankenverloren und schlucke schwer, da ich mich trotz meines Vorsatzes, ihr die ungeschminkte Wahrheit zu sagen und sie über meine Wünsche in Kenntnis zu setzen, plötzlich überhaupt nicht mehr so stark fühle. Vielmehr habe ich das Bedürfnis danach, auf der Stelle wegzurennen und diese ganze Angelegenheit einfach hinter mir zu lassen. Doch natürlich ist mir bewusst, dass das nicht geht. Ich kann nicht nach allem, was geschehen ist, einfach abhauen und die beiden in ihrer Krise alleinlassen. Ich muss Klarheit schaffen. Endgültig.
„Hast du gut geschlafen?“, unterbricht Wanda meine Spekulationen und holt mich damit zurück in die Realität. „Nun, nicht... nicht wirklich“, antworte ich ihr zögernd und atme noch einmal ganz tief durch. Jetzt oder nie, Turner, sage ich zu mir selbst. Jetzt ist es an der Zeit, deinen Mann zu stehen und Wanda darauf anzusprechen. Jetzt hast du die Möglichkeit, endlich mit allem auszupacken. Mach jetzt ja keinen Rückzieher. Sei stark. Verdammt noch einmal, sei bloß stark.
„Das tut mir Leid, Sportsfreund“, meint sie und legt einen besorgten Blick auf. „Hast du etwas schlechtes geträumt?“. Ein letzter tiefer Atemzug. Ein letztes Mal meine ganze Kraft sammeln, bevor ich ihr ins Gesicht sage, was Sache ist. „Cosmo war bei mir“, antworte ich dann und warte mit klopfendem Herzen auf ihre Reaktion zu dieser Aussage.
„C-Cosmo?“, hakt sie zögernd nach und versucht, ihre Nervosität hinter diesem aufgesetzten Lächeln zu verbergen. „Was... was hat er denn von dir gewollt?“. „Bitte hör auf damit, Wanda“, entgegne ich ernst. „Du brauchst mir nichts mehr vorzuspielen. Er hat mir alles über euch erzählt. Ich weiß, dass eure Ehe so gut wie vorbei ist. Genau wie du weißt, dass er und ich regelmäßig miteinander schlafen, habe ich Recht?“.
Ein leises Seufzen ist zu hören, als ich diese Worte ausgesprochen habe und sie lässt für einen Augenblick den Kopf hängen. „Du hast Recht“, gibt sie dann deprimiert zu, als ihr bewusst wird, dass ich über alles informiert bin. „Du hast ja Recht, Timmy. Es... es funktioniert einfach nicht mehr zwischen uns. Schon seit langem nicht mehr“.
„Aber... warum?“, frage ich nach, entschlossen dazu, von ihr die ganze Wahrheit zu erfahren. „Warum habt ihr mir nicht von Anfang an gesagt, was los ist? Warum habt ihr mir weiterhin das glückliche Paar vorgespielt? Warum hat Cosmo mich in diese Nummer mit hineingezogen, anstatt geradeheraus zu sagen, dass es zwischen euch nicht mehr funktioniert? Und vor allem: Wie hat diese ganze Sache überhaupt angefangen?“.
Wieder lässt sie ein Seufzen verlauten, ehe sie zu mir herunterschwebt und sich neben mich aufs Bett setzt. „Das ist eine lange Geschichte, Timmy“, beginnt sie dann zu erklären und streichelt kurz über meine Hand. „Eine sehr lange Geschichte. Aber eines sollst du wissen: Was ich dir gleich erzähle, hat überhaupt nichts mit dir zu tun. Das musst du mir glauben. Und egal, was auch immer geschieht, du wirst immer unser Patenkind sein. Wir werden dich immer lieben. Immer, Timmy. Bitte vergiss das nicht, in Ordnung?“.
„Dann... dann bist du überhaupt nicht sauer auf mich?“, möchte ich erstaunt wissen, da ich diese Reaktion nun wirklich nicht erwartet habe. Sie schüttelt kurz den Kopf und lächelt mich sanft an, ehe sie mit ihrer Erklärung fortsetzt. „Natürlich nicht, Timmy“, antwortet sie mir dann. „Ich weiß doch, dass du nichts dafür kannst, dass alles so gekommen ist. Ich habe nicht den geringsten Grund, sauer auf dich zu sein. Ich habe dich lieb, Timmy. Und egal, was mit Cosmo und mir auch ist, zwischen uns beiden wird das niemals etwas ändern. Du wirst immer mein Patenkind sein, ganz egal, was auch kommt. Denk bitte immer daran, ja?“.
„Oh Wanda...“, erwidere ich, tief bewegt von ihren Worten und der Tatsache, dass sie mich trotz allem, was Cosmo und ich zusammen gemacht haben, noch immer lieb hat. „Es ist nicht deine Schuld, Timmy“, meint sie noch einmal. „Niemand von uns hat wirklich Schuld daran. Cosmo und ich... wir haben uns einfach auseinandergelebt, verstehst du?“.
„Aber wie?“, frage ich sie erneut und wische mir eine kleine Träne aus dem Gesicht. „Ich dachte immer, dass wirklich nichts und niemand es je schaffen würde, euch beide zu trennen. Wie konnte es passieren, dass ihr eure Ehe aufgeben wollt?“.
„Weißt du...“, entgegnet sie. „Zwischen uns ist es schon seit langer Zeit nicht mehr so, wie es einmal gewesen ist. Wir haben uns im Alltag einfach immer weiter auseinandergelebt. Da war nicht mehr die abgrundtiefe Liebe, die einmal zwischen uns existiert hat. Vielmehr war es so etwas wie eine Pflicht. Die Pflicht, ihm treu zu sein, so wie wir es uns vor mittlerweile zehntausend Jahren versprochen haben. Aber von Gefühlen war da keine Spur mehr“.
„Aber wie... wie kam es dazu?“, möchte ich wissen, da ich sie noch immer nicht ganz verstehe. „Wie konntet ihr eure Liebe zueinander verlieren?“. „Wie gesagt, wir haben uns voneinander entfernt“, antwortet sie mit einem Seufzen. „Wir wollten nie das Gleiche zur selben Zeit. Wenn er in Stimmung war, war ich es nicht und umgekehrt. So kam es, dass wir uns auch im Alltag immer weiter voneinander distanziert haben. Und irgendwie hat das dann dazu geführt, dass...“.
Sie hält kurz inne und wendet ihren Blick von mir ab. „Dass du ihn betrogen hast?“, beende ich ihren Satz, was sie durch ein zögerndes Nicken bejaht. „Ich... ich wollte einfach einen Mann, der mich auf diese Weise noch attraktiv und begehrenswert findet, verstehst du? Ich wollte das Gefühl haben, wieder eine vollwertige Frau zu sein. Ich wollte das, was Cosmo mir einfach nicht mehr geben konnte“.
„Und... wieso hast du nicht mit ihm geredet?“, will ich wissen, woraufhin sie gezwungen lacht. „Das habe ich versucht“, antwortet sie dann. „Glaub mir, Timmy, das habe ich oft genug versucht. Aber er ist mir immer sofort ausgewichen, wenn ich ihn auf dieses Thema habe ansprechen wollen. Da musste ich wohl oder übel einsehen, dass der Riss zwischen uns zu groß ist, als dass man ihn noch einmal flicken könnte“.
„Und dann bist du fremdgegangen?“, hake ich weiter nach, was sie wieder mit einem Nicken bestätigt. „Ich habe das Gefühl gebraucht, wieder Frau zu sein“, antwortet sie. „Ich wollte einen Mann, der mich begehrt und mir sagt, dass er mich schön findet. Cosmo hat das ewig nicht mehr gemacht. Ich weiß natürlich, dass das aus moralischer Sicht nicht richtig war, aber ich habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen“.
„Aber... was ist mit mir?“, will ich wissen. „Wieso ist Cosmo dann ausgerechnet zu mir gekommen?“. „Weil er dich liebt“, erwidert sie leise. „Er liebt dich über alles, Timmy. Nicht nur als sein Patenkind, sondern richtig, verstehst du?“. „Du meinst... so wie er dich einmal geliebt hat?“, frage ich nach. „Genau“, stimmt Wanda mir zu. „Genau auf diese Art liebt er dich. Er hat dich schon immer so geliebt“.
„Aber... wie... wie lange?“, frage ich und versuche, diese Tatsache richtig zu begreifen. „Seit du zwölf warst“, erklärt sie mir und will meine Wange streicheln, doch ich blocke sie ab. „Seit du zwölf warst, hat er diese tiefen Gefühle für dich. Er sieht in dir so viel mehr als nur sein Patenkind“. „Aber... aber was ist mit dir?“, entgegne ich und bemühe mich, nicht allzu hysterisch dabei zu klingen.
„Ich habe es gewusst“, antwortet sie mit einer kleinen Träne in den Augen. „Ich habe es immer schon gewusst. Aber es hat nie eine große Rolle für mich gespielt, weil ich wusste, dass er mir treu ist. Deswegen habe ich ihm mein Wissen darüber auch verschwiegen. Ich wollte keine Unruhe zwischen uns stiften, verstehst du?“.
„Ich kapier's nicht!“, rufe ich laut aus und schüttle heftig den Kopf, als könnte ich dadurch vergessen. „Ich kapier's einfach nicht! Wie kommt Cosmo dazu...? Ich meine, wie... und wann... und...“. Die Worte bleiben mir im Hals stecken. Ich bin in diesem Moment nicht fähig dazu, einen vernünftigen Satz zustande zu kriegen.
All die Jahre war Cosmo in mich verliebt? Er war wirklich in MICH verliebt?! Ausgerechnet in mich?! Wieso hat er niemals auch nur einen Ton zu mir gesagt? Wieso kommt er mir erst Jahre später mir diesem bescheuerten Experiment um die Ecke, anstatt mir von Anfang an reinen Wein einzuschenken und mir zu sagen, was er für mich empfindet? Warum lässt er mich emotional durch die Hölle gehen, anstatt mir gleich zu sagen, dass er mit Wanda abgeschlossen hat und in mir mehr sieht als sein Patenkind?
„Das kann nicht sein!“, rufe ich aus, während mir ein kalter Schauer über den Rücken läuft. „Cosmo kann doch nicht...“. „Doch“, erwidert Wanda bestätigend. „Doch, Timmy. Er liebt dich. Er liebt dich über alles. Genau wie du ihn auch, nicht wahr?“.
„Woher...?“, will ich überrascht ansetzen, doch sie lächelt nur und legt mir die Hand auf die Schulter. „Wie du zuvor schon richtig festgestellt hast, wusste ich, was sich zwischen euch beiden abspielt“, meint sie dann. „Ich wusste, dass ihr nachts miteinander schlaft und eure geheimen Fantasien miteinander auslebt. Ich wusste alles. Von Anfang an“.
„Aber wie konntest du das wissen?“, erwidere ich verständnislos. „Woher wusstest du von unserem...?“. „Der Elfenstaub hat dich verraten“, antwortet sie und streift mir kurz über den Arm. „Elfen hinterlassen einen bestimmten Staub, wenn sie mit jemandem intim sind. Für Menschen ist er nicht sichtbar, aber andere Elfen können ihn immer problemlos wahrnehmen“.
„Elfenstaub?“, frage ich verwundert und blicke an mir herunter, woraufhin Wanda wieder ein sanftes Lächeln auflegt. „Wie gesagt, er ist für Menschen unsichtbar“, wiederholt sie dann. „Aber ich sehe ihn überall an dir. Du hast ihn an den Händen, an den Beinen, sogar in deinem Gesicht. Darum weiß ich auch ganz genau, was zwischen Cosmo und dir passiert ist“.
„Ich verstehe das nicht!“, erwidere ich und spüre eine Tränenwelle in mir hochkommen. „Ich verstehe das alles nicht, Wanda! Das ist zu viel! Das ist viel zu viel! Cosmo kann doch nicht...“.
„Er liebt dich über alles, Timmy“, erklärt sie mir ein weiteres Mal. „Er hat sich richtig in dich verliebt. Und du dich auch in ihn, habe ich Recht?“. „Wie...?“, beginne ich schluchzend, halte dann allerdings inne. „Ich bin nicht blind, Timmy“, entgegnet sie ganz verständnisvoll. „Ich spüre, wie sehr du Cosmo liebst. Ich kenne die Gedanken, die du dir alle nur seinetwegen machst. Die Angst davor, dass du mich durch deine Gefühle für ihn verletzt. Aber das tust du nicht. Glaub mir das. Zwischen ihm und mir ist nichts mehr. Absolut gar nichts mehr. Unsere Liebe ist schon seit langem vorbei. Darum mach dir bitte keine Vorwürfe, okay? Er ist eine freie Elfe und du darfst dich in ihn verlieben. Du darfst ihn begehren und ihn für dich haben. Ich werde euch beiden nicht im Weg stehen“.
„Aber... was ist mit dir?“, frage ich aufgelöst. „Ich habe mich inzwischen auch neu verliebt“, antwortet sie und lächelt unter Tränen. „Ich habe einen neuen Partner gefunden, mit dem ich  mein Leben teilen möchte. Darum gebe ich dir Cosmo frei. Er gehört jetzt zu dir. Ich wünsche euch beiden alles Glück dieser Welt und hoffe, dass er dir all die Liebe gibt, die er mir einmal gegeben hat. Werde glücklich mit ihm, Timmy. Werde einfach nur glücklich, okay?“.
„Wanda!“, schluchze ich laut, bewegt von ihren Worten und schließe sie so fest ich kann in die Arme. „Wanda, ich...“. „Es ist okay, Timmy“, flüstert sie mir ins Ohr, während sie mit ihrer Hand sanft durch meine Haare streichelt. „Du brauchst nichts zu sagen. Ich weiß auch so, was du fühlst. Du liebst Cosmo. Du willst mit ihm zusammen sein. Deswegen wünsche ich dir alles erdenklich Gute mit ihm. Ich wünsche dir eine aufregende und unvergessliche Zeit. Ich wünsche dir Glück, Freude und viele schöne Stunden, die du mit ihm verbringen kannst. Und was immer auch geschieht, vergiss bitte nicht, dass ich dich über alles auf der Welt liebe. Über alles, Timmy. Daran wird sich nie etwas ändern“.
„Wanda...“, wiederhole ich und klammere mich an ihr fest. „Wanda... wie... wie soll es denn jetzt nur weitergehen?“. „Ich werde ausziehen“, antwortet sie und bemüht sich, stark zu klingen. „Ich werde meine Sachen nehmen und zu meinem neuen Freund ziehen. Cosmo habe ich über dieses Vorhaben bereits in Kenntnis gesetzt und wir haben einstimmig beschlossen, dass es das Beste so ist. Wir haben einfach keine Zukunft mehr miteinander. Aber wir bleiben Freunde. Genau wie du und ich“.
Mit diesen Worten küsst sie mich kurz auf die Wange und lächelt mich dann unter Tränen an. „Aber dann... dann verliere ich dich!“, winsle ich leise und löse mich rasch von ihr. „Ich will nicht, dass du gehst! Du musst hier bleiben! Hier bei uns! Wir brauchen dich!“. „Ich kann nicht, Timmy“, antwortet sie flüsternd und senkt ihren Blick. „Zwischen Cosmo und mir funktioniert es nicht mehr. Ich würde mir nur selbst etwas vormachen, wenn ich bleibe. Deswegen muss ich gehen. Ich muss unter unserer Ehe einen Strich ziehen und damit abschließen. Es ist vorbei“.
„Aber ich brauche dich!“, protestiere ich erneut unter Tränen. „Du kannst mich doch nicht alleinlassen! Was soll ich denn machen, wenn du nicht mehr da bist? Wie soll ich es ohne dich schaffen? Wie soll ich verstehen, dass ich dich verlieren werde?“. „Du wirst mich nicht verlieren“, erwidert sie und greift nach meiner Hand. „Du wirst mich niemals verlieren. Du bist trotzdem noch mein Patenkind und ich werde auch weiterhin für dich da sein, wenn du mich brauchst. Du kannst mich jederzeit besuchen oder ich komme einfach hierher zu dir. Dann können wir über alles reden, was dich beschäftigt, genauso wie es immer gewesen ist. Glaub mir, Timmy, du verlierst mich nicht. Das würde ich niemals zulassen. Ich werde immer für dich da sein, wenn du meine Hilfe brauchst. Und wenn mal irgendetwas ist oder du mit mir reden willst, dann ruf mich einfach und schon bin ich bei dir“.
„Ja, aber...“, will ich beginnen, breche dann allerdings wieder ab. „Ich bin immer für dich da“, wiederholt sie, als sie sanft über meine Hand streichelt. „Wann immer du nach mir rufst, werde ich sofort zu dir kommen. Ich lasse dich nicht allein, Timmy. Das verspreche ich dir. Auch wenn wir nicht mehr zusammen unter einem Dach wohnen, wird das rein gar nichts zwischen uns verändern. Du wirst immer mein Patenkind sein, egal, was auch kommt. Und ich werde dich immer lieb haben. Für alle Zeit, Timmy. Versprochen“.
„Oh Wanda...“, wispere ich schluchzend und fühle, wie sich das schlechte Gewissen in mir hochdrängt. Das schlechte Gewissen ihr gegenüber, weil ich tatsächlich eifersüchtig auf sie war. Weil ich mir vorgestellt habe, wie es wäre, mich an ihr zu rächen. Dafür, dass sie ständig mit Cosmo herumturtelt. Wut auf mich selbst steigt in mir auf und lässt mich meinen Blick schlagartig von ihr abwenden. Ich hasse mich dafür, dass ich an so etwas auch nur gedacht habe.
Sie ist so gut zu mir, bemüht sich Tag und Nacht darum, mich glücklich zu machen und spielt mir sogar vor, dass zwischen ihr und Cosmo alles in Ordnung ist, nur um mich zu schonen und nicht mit der Trennung zu konfrontieren. Sie beweist mir auf so viele verschiedene Arten, wie wichtig ich ihr bin, ist nicht einmal wütend darüber, dass Cosmo und ich eine Affäre haben, sondern bringt mir stattdessen so unglaublich viel Verständnis entgegen. Und was tue ich? Ich habe nichts Besseres im Sinn als eifersüchtig auf sie zu sein und schlecht über sie zu denken. Wie skrupellos bin ich eigentlich?
In diesem Augenblick schäme ich mich so sehr wie noch nie in meinem Leben. Ich schäme mich dafür, dass ich auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwendet habe, eifersüchtig zu sein. Dass ich mir tatsächlich vorgestellt habe, ihr alles heimzahlen zu können.
„Timmy?“, fragt Wanda, als sie einen Blick in mein Gesicht wirft und ich ihr auf der Stelle ausweiche. „Was hast du?“. „Ich...“, will ich ihr antworten, bringe es aber nicht fertig. Zu groß ist meine Scham für diese Gedanken. Mein Ärger über mich selbst, weil ich so blöd war und mich habe von der Eifersucht überwältigen lassen. Weil ich schlecht von ihr gedacht habe. Ihr das Glück mit Cosmo einfach nicht gegönnt habe.
Doch jetzt, nachdem ich die gesamte Wahrheit kenne und weiß, dass ihre Ehe am Ende ist, komme ich mir unglaublich schäbig vor. Schäbig und gemein. Es kommt mir vor, als wäre ich für diese ganze Situation verantwortlich. Als hätte ich durch meine Eifersuchtsgedanken ihre Trennung ausgelöst. Als wäre es meine Schuld, dass sie einen Schlussstrich unter ihrer Beziehung ziehen wollen. Ich fühle mich schrecklich. So schrecklich wie noch niemals zuvor.
„Was ist los, Timmy?“, hakt Wanda ein weiteres Mal nach und sucht den Blickkontakt mit mir. „Worüber denkst du gerade nach?“. „Wanda, ich... ich muss dir etwas gestehen“, beginne ich und schlucke schwer. „Ich muss dir was sagen, das dich vielleicht ziemlich schockieren wird. Und ich könnte es durchaus verstehen, wenn du mich danach hasst“.
„Das ist doch Unfug“, entgegnet sie und schüttelt ihren Kopf. „Ich könnte dich doch niemals hassen, Timmy. Egal, was auch los ist, du kannst es mir sagen. Ich bin auch ganz bestimmt nicht böse auf dich, versprochen“.
„Weißt du, es... es geht um Cosmo und dich“, setze ich mit zitternder Stimme zu meiner Erklärung an. „Genauer gesagt mehr um dich. Aber bevor ich es dir sage, möchte dich wissen lassen, dass du mir unendlich wichtig bist und ich dich damit nicht verletzen will. Bitte glaub mir das“. Sie nickt kurz und wartet dann gespannt darauf, was ich ihr gleich erzählen werde. „Du weißt, dass ich dich über alles lieb habe“, füge ich nach kurzem Zögern hinzu. „Und dass ich nie irgendetwas tun würde, um dir zu schaden. Aber weißt du... immer, wenn ich dich zusammen mit Cosmo gesehen habe, dabei zugesehen habe, wie du mit ihm flirtest und ihn küsst, da wollte ich am liebsten auf dich losgehen. Ich war so... so...“.
„Eifersüchtig?“, beendet sie meinen angefangenen Satz mit einem verständnisvollen Lächeln, was mich beschämt den Blick senken lässt. „Ja“, stimme ich ihr dann schließlich zu. „Genau das habe ich gemeint“. Ein leises Seufzen dringt aus mir heraus und ich bin nicht in der Lage dazu, sie jetzt anzusehen. Zu sehr schäme ich mich für die Tatsache, dass ich tatsächlich solche Gedanken gegenüber Wanda gehegt habe. Sie muss mich doch für einen kompletten Vollidioten halten.
„Ach Timmy“, flüstert sie mir zu, als sie ihre Hand an meine Wange legt und überrascht mich mit dieser Reaktion einmal mehr. Ein unsicheres Lächeln zieht sich über ihr Gesicht, als sie einen kurzen Blick in meines wirft, in dem sich im Moment Scham und Reue für meine absurden Gedanken widerspiegeln. Dann fährt sie kurz durch mein Haar, ehe sie ihre Hand in meine legt und sie langsam streichelt.
„Es... es tut mir Leid“, antworte ich beschämt. „Ich weiß, dass es unfair von mir ist, auf dich eifersüchtig zu sein. Und ich kann es gut verstehen, wenn du mich jetzt verachtest“. „So ein Quatsch, Timmy“, erwidert sie verständnisvoll. „Du kannst doch auch nichts dafür. Du hast dich eben richtig in Cosmo verliebt. Ich kann verstehen, wie weh es dir getan haben muss, ihn zusammen mit mir zu sehen. Ich bin dir deswegen nicht böse, keine Angst. Im Gegenteil: Ich bin froh, dass du so ehrlich zu mir bist. Das erfordert viel Mut und Kraft. Darum möchte ich auch, dass du weißt, wie viel mir das bedeutet. Wie viel du mir bedeutest“.
„Du mir auch“, flüstere ich und spüre an meiner Wange eine Träne hinablaufen. Mit diesen Worten schließe ich sie noch einmal fest in die Arme und vergrabe das Gesicht in ihrer Schulter. „Du bist so gut zu mir, Wanda“, füge ich leise hinzu. „Dabei habe ich das doch überhaupt nicht verdient. Ich...“.
„Psst“, wispert sie beruhigend in mein Ohr, darum bemüht, die Fassung zu behalten. „Ist schon okay, Timmy. Ist alles okay, ja? Ich möchte nur, dass du glücklich wirst. Dass du mit Cosmo so glücklich wirst wie ich einmal mit ihm war. Das hast du verdient. Du hast es mehr als verdient. Und bitte, Timmy, mach dir keine Sorgen um mich. Ich komme schon damit klar, keine Angst“.
Kaum hat sie das ausgesprochen, löst sie sich von mir und wirft mir ein kurzes Lächeln zu. „Werde glücklich, Timmy“, wiederholt sie noch einmal. „Werde glücklich und genieß die Zeit, die du mit ihm verbringst. Und bitte pass auf ihn auf, ja?“. „Versprochen“, antworte ich unter Tränen und lasse ein Schluchzen verlauten. „Versprochen, Wanda“.
„Mach es gut, Timmy“, meint sie leise, als sie mir noch einmal um den Hals fällt. „Viel Glück euch beiden. Und bitte vergiss nicht, wenn du mich brauchst, dann ruf einfach und schon bin ich da, okay?“. „Okay“, stimme ich ihr zu, während sie zärtlich die Tränen aus meinen Augen wischt. „Nicht weinen“, erwidert sie sanft. „Bitte nicht weinen, Timmy. Es ist ja kein Abschied für immer. Wir sehen uns ganz, ganz bald wieder. Versprochen. Und denk immer daran: Egal, was auch geschieht, ich werde dich immer lieb haben. Immer, das verspreche ich dir“.
„Ich dich auch, Wanda“, wispere ich und umschließe ein letztes Mal ihre Hand. „Mach's gut“. „Du auch“, flüstert sie zurück, ehe sie mich ein letztes Mal anlächelt und mir mit der Hand einen Kuss zuwirft. „Du auch, Timmy“.
Und kaum hat sie diese Worte gesagt, verschwindet sie in einer Elfennebelwolke und lässt mich allein zurück mit meinem Gefühlschaos. Ein leiser Schrei dringt aus mir heraus, als ich mich umdrehe und das Gesicht schluchzend in meinem Kopfkissen vergrabe. Denn auch wenn ich weiß, dass dieser Abschied nicht für immer sein wird und ich sie jederzeit besuchen kann, vermisse ich sie trotzdem jetzt schon wie verrückt.
Gleichzeitig weine ich aber auch, weil ich so bewegt von dem bin, was sie zu mir gesagt hat. Sie überlässt mir Cosmo. Sie freut sich darüber, dass ich mich in ihn verliebt habe und wirft mir nicht vor, wie unverschämt und ekelhaft ich bin. Sie wünscht mir sogar noch viel Glück mit ihm und hofft, dass ich mit ihm glücklich werde.
Jede normale Ehefrau würde ausflippen, wenn ihr Mann sich so verhalten würde wie Cosmo das ihr gegenüber tut. Sie würde ihm den Hals umdrehen und nie wieder etwas von ihm wissen wollen. Sie würde sowohl ihn als auch mich zur Schnecke machen und uns ohrfeigen für das, was wir ihr angetan haben.
Aber Wanda nicht. Wanda bleibt ganz gelassen und akzeptiert es, dass Cosmo in mich verliebt ist. Sie peitscht mich nicht dafür aus, dass ich mich auf diese Affäre eingelassen habe, sondern nimmt es hin und freut sich für mich. Zeigt mir dadurch, dass ich ihr unheimlich wichtig bin und sie mich nicht verlieren will.
Genauso wenig wie ich sie verlieren will. Darum werde ich auch alles in meiner Macht Stehende tun, damit das niemals geschieht. Egal, was zwischen Cosmo und mir auch passiert, Wanda wird immer meine Zauberpatin sein. Und ich werde sie immer lieb haben. Solange ich lebe.

Zwei Monate später

„Jetzt sag schon, Timmy-Maus, was möchtest du heute machen?“. Cosmo liegt wie immer neben mir im Bett und streichelt mich sanft, während er mir erwartungsvoll in die Augen schaut. „Wir könnten doch an den Strand fahren, hast du dazu vielleicht Lust? Oder sollen wir lieber raus in den Garten gehen? Was hältst du davon? Wenn du magst, können wir auch in die Elfenwelt verschwinden und schauen, was da los ist. Vielleicht ins Restaurant? Ich lade dich ein. Was meinst du?“.
„Immer mit der Ruhe, Cosmo“, erwidere ich schmunzelnd, während ich versuche, mir die diversen Vorschläge, die er mir unterbreitet hat, zu merken. „Eines nach dem anderen, okay? Also was war nochmal das Erste?“. „Das erste was?“, erwidert er verwirrt, was mich unweigerlich zum Lachen bringt.
Typisch Cosmo. „Dein erster Vorschlag, du Blödel“, antworte ich, verzückt von seiner kindischen Art und setze mich ein Stückchen hoch. „Achso, ähm, an den Strand fahren“, wiederholt er und lächelt mich gespannt an. „Ich dachte, heute ist doch so ein schöner Tag – das sollten wir vielleicht ausnutzen“.
„Du bist doch nur scharf darauf, mich oben ohne zu sehen, gib es zu“, erwidere ich und grinse ihn frech an. „Ähm... nein?“, antwortet er und kann es nicht verhindern, dass er dabei rot wird. Das bringt mich zum Kichern und ich küsse ihn kurz auf die Wange.
„Erwischt“, meine ich dann und streife über sein Haar. „Ich hab dich mal wieder erwischt, Cosmo. Aber das ist bei dir ja nicht sonderlich schwer. Du kannst einfach nicht gut lügen“. „Damit hast du vielleicht Recht“, muss er mir zustimmen und zuckt kurz mit den Schultern. „Vielleicht bin ich wirklich ein ganz schlechter Lügner“.
„Nein, ganz sicher bist du das“, erwidere ich und lache amüsiert, was ihn noch stärker erröten lässt als ohnehin schon. „Und außerdem...“, füge ich mit einem frechen Grinsen hinzu. „Wenn du willst, dass ich mein Shirt ausziehe, dann musst du mit mir nicht extra zum Strand fahren. Das kannst du hier genauso gut haben“. Kaum habe ich das gesagt, ziehe ich mein Sweatshirt über den Kopf und lege ihm dann einen Arm um die Schultern, schiebe ich ein Stück näher an mich heran.
„So besser, Cosmo?“, möchte ich wissen, während er seinen Kopf gegen meine Brust lehnt und ein zufriedenes Seufzen verlauten lässt. „Viel besser“, meint er dann und schließt für einen kurzen Augenblick die Augen. „Sogar sehr viel besser, Timmy-Maus“.
„Weißt du...“, erwidere ich nach kurzem Überlegen und beginne damit, seinen Kopf zu streicheln. „Wenn du unbedingt etwas mit mir unternehmen möchtest, dann hätte ich da einen Vorschlag für dich. Was hältst du davon, wenn wir zusammen Wanda besuchen, hm?“.
„Wanda besuchen?“, fragt er überrascht, da er mit diesem Vorschlag bestimmt nicht gerechnet hat. „Wir beide zusammen?“. „Mhm“, stimme ich ihm zu. „Weißt du, ich war jetzt schon lange nicht mehr bei ihr. Ich habe ihr so viel zu erzählen und bei ihr ist sicher auch einiges passiert. Ich würde sie sehr gern besuchen. Und es wäre echt toll, wenn du mitkommen könntest. Sie freut sich bestimmt, dich mal wiederzusehen“.
„Weißt du, Timmy... ich... ich bin nicht sicher“, erwidert er zögernd. „Ich... ich habe sie nicht mehr gesehen, seit... nun ja... seit sie ausgezogen ist“. „Genau darum solltest du unbedingt dabei sein“, wiederhole ich und lächle ihn an. „Glaub mir, sie freut sich ganz bestimmt“. „Also, ich weiß nicht, Timmy...“, entgegnet er unentschlossen. „Ob das so eine gute Idee ist? Immerhin ist ja doch einiges passiert in letzter Zeit. Ich bin ja noch nicht einmal sicher, ob ihr das überhaupt Recht wäre“.
„Ganz bestimmt“, meine ich optimistisch. „Natürlich hast du Recht damit, dass sich viel zwischen uns ereignet hat. Aber ihr beide habt euch doch nicht im Streit getrennt. Das war ein einstimmiger Beschluss. Sie mag dich trotz allem noch, glaub mir“.
„Woher willst du das wissen?“, erwidert er verwundert und zieht eine Augenbraue hoch. „Ich weiß es einfach, Cosmo“, antworte ich. „Du und Wanda, ihr wart über zehntausend Jahre verheiratet. Das ist fast eine Ewigkeit. Und auch wenn ihr keine Gefühle mehr füreinander habt, ihr beide seid doch trotzdem noch Freunde, oder etwa nicht?“.
„Doch“, stimmt er mir nach kurzem Überlegen zu. „Ich schätze schon“. „Na eben“, meine ich und schwinge mich kurzerhand aus dem Bett. „Darum wird sie sich bestimmt freuen, wenn du mich begleitest. Ich bin sicher, es gibt noch viel, das sie dir gern sagen möchte, meinst du nicht auch?“.
„Vielleicht“, erwidert er schulterzuckend und lässt ein leises Seufzen verlauten. „Dann kommst du also mit?“, frage ich erneut und nehme ihn vorsichtig an die Hand. „Also, wenn mein Timmy das möchte, kann ich ja wohl schlecht nein sagen, oder?“, antwortet er und legt ein unsicheres Lächeln auf.
„Toll“, meine ich und nehme ihn kurz in die Arme. Dann schaue ich ihm in die Augen, suche seinen Blick, während ich mein Gesicht dem seinen immer weiter nähere, bis unsere Lippen sich schließlich berühren. Ohne zu zögern ziehe ich ihn in einen langen Kuss und lege meine Arme um seine Hüfte. Ein Lächeln breitet sich dabei auf meinem Gesicht aus, als ich spüren kann, dass er den Kuss erwidert und mich fester an sich presst.
Erst nach einigen Momenten lösen wir uns wieder voneinander und ich lächle ihn zärtlich an. „Du machst das gut, Cosmo“, meine ich zufrieden und streichle seine Hand. „Du weißt einfach, was mir gefällt“. „Gleichfalls“, entgegnet er mit einem Kichern und zwinkert mir kurz zu.
„Gut, dann komm“, füge ich hinzu und bedeute ihm, aufzustehen. „Wanda freut sich bestimmt über unseren spontanen Besuch“. „Möglich“, stimmt er mir zu und greift noch einmal nach meiner Hand, als ich mich umdrehen will. „Timmy“, flüstert er, während er mir ins Gesicht schaut. „Du weißt, dass es mir nicht leicht fällt, auf deine Bitte einzugehen, vor allem, wenn man bedenkt, was in der letzten Zeit alles passiert ist. Ich weiß nicht, ob ich in der Lage dazu bin, mit Wanda noch so unbeschwert umzugehen wie früher. Ich bin nicht sicher, ob ich genug Kraft dafür habe, ihr gegenüberzutreten. Aber ich will es versuchen. Und weißt du auch, warum?“.
„Warum?“, erwidere ich gespannt. „Weil es dein Wunsch ist“, antwortet er sanft lächelnd. „Weil ich dich über alles liebe. Darum werde ich auch alles tun, was dich glücklich macht. Absolut alles, versprochen“.
„Danke, Cosmo“, flüstere ich bewegt und küsse ihn kurz auf die Wange. „Ich liebe dich auch über alles. Und ich werde dich auch immer über alles lieben. Für alle Zeiten, Cosmo. Weil du der eine bist, der mein Herz gestohlen hat. Deswegen möchte ich dich auch um etwas bitten“. „Um was denn?“, fragt er neugierig. „Bitte behalt es“, antworte ich lächelnd. „Behalt es und gib es mir niemals wieder zurück. Nie wieder. Denn dann weiß ich, dass unsere Liebe für alle Zeit halten wird“.
„Ich verspreche es dir, Timmy“, entgegnet er, gerührt von meinen Worten und nimmt mich noch einmal in den Arm. „Ich verspreche dir, ich werde es für alle Zeit in Ehren halten. Ich werde dich an jedem einzelnen Tag so lieben wie heute und alles versuchen, um dich glücklich zu machen. Du bist mein Leben, Timmy. Und ich verspreche, dass ich dich niemals wieder hergebe. Niemals wieder“.
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