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Mehr als nur Kollegen

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Alexander "Alex" Karuhn Dr. Sabine Petersen Jan "Wollcke" Wollcke Jens Blank Johannes "Johnny" von Storkow Obergefreiter Homann
23.08.2016
06.03.2021
69
152.987
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Dieses Kapitel
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28.08.2016 1.636
 
Nachdem ihre Schluchzer etwas nachgelassen hatten, versuchte er sich vorsichtig aufzurichten. „Du musst aus den Nassen Sachen raus Sabine und du solltest versuchen ein wenig zu schlafen“, sagte er sanft. Doch die Oberstabsärztin protestierte sofort „ich kann nicht schlafen. Die Bilder…“, schluchzte sie gegen seine Brust. Es vergingen weitere Minuten, bis Sabine endlich die Kraft hatte, sich von ihrem Kollegen zu lösen. Sie sah ihn durch die rot geweinten Augen an und Jens versetzte es ein Stich ins Herz bei dem Anblick. Umso mehr, wollte er ihr helfen und wusste einfach nicht wie. „Ich möchte Duschen“, kam es dann leise von ihr. Jens nickte nur stumm, denn er musste gerade selbst ziemlich stark gegen Tränen ankämpfen. „Ich hole dir ein Handtuch“, sagte er rasch und ging aus dem Aufenthaltsraum. Im Flur musste er erstmal stehen bleiben und tief durchatmen, bevor er ein Handtuch und seinen Bademantel für Sabine holen konnte. Ihm machte die ganze Situation ziemlich schwer zu schaffen. Vor allem die Ungewissheit was ihr zugestoßen ist, raubte ihm fast den Verstand. Er wusste aber er wollte für Sabine da sein, mehr denn je.
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Nachdem Jens, den Raum verlassen hatte, setzte ich mich auf und versuchte langsam wieder auf meinen Beinen zu stehen. Es gab keine Stellte die mir nicht weh tat. Mit Beinen wie Wackelpudding versuchte ich zu gehen. Ich kam aber nur bis zum Esstisch, wo mich meine Kräfte wieder im Stich ließen und ich auf einem Stuhl zusammensackte. Ich wollte unbedingt alleine bis zur Damen Umkleide kommen, musste mir aber leider schnell eingestehen, dass ich das nicht schaffte. Jens kam schneller zurück als mit lieb war „Sabine, was machst du denn? Ich helfe dir doch.“ „Ich wollte es alleine schaffen“, stammelte ich leise. Jens half mir auf und stütze mich und mit seiner Hilfe waren wir schnell an der Umkleide. Dort angekommen, sah ich deutlich die Sorge um mich in seinem Blick. „Ich schaff das“, versuchte ich ihm mit einem kleinen Lächeln, ein wenig die Angst zu nehmen. Ich war ihm mehr als dankbar, das was er für mich getan hat war nicht selbstverständlich. Nur sehr widerwillig verließ der Major die Umkleide „wenn du mich brauchst, ruf mich einfach", sagte er noch bevor ihr die Tür schloss. Ich setzte mich auf die Bank und zog meine wenigen Sachen, die ich anhatte, aus und schmiss sie wütend in die Ecke. Erst jetzt sah ich das ganze Ausmaß, das Carsten angerichtet hatte. Mein Körper war übersät mit Hämatomen. Wut und Traurigkeit stiegen in mir auf und ich schlug verzweifelt gegen meinen Spint. Dieses verdammte Arschloch, hallte es in meinem Kopf. Schließlich starrte ich in den Spiegel und erschrak vor mir selbst. Meine Haare klebten nass an mir. Meine Augen waren knallrot und geschwollen vom Weinen und meine Haut war da, wo sie nicht blau war blass. Ich war nur froh, dass er mein Gesicht nicht angefasst hatte, so konnte ich alle blauen Flecke verstecken und musste keine nervigen Fragen beantworten. Vorsichtig stand ich auf und schleppte mich zur Dusche. Dort stellte das Wasser an und die nasse wärme lief mir über die Haut. Es tat mir gut und ich wagte es, die Augen zu schließen. Eigentlich wollte ich nur abschalten, aber sofort hatte ich wieder die Bilder vor meinem inneren Auge.
Es raubte mir das letzte bisschen Kraft und ich rutsche weinend an den Kacheln herunter. Wie lange ich da so saß wusste ich nicht, aber ich wollte nicht mehr weinen. Wollte aus diesem Alptraum aufwachen und mein Leben zurück. Es tat einfach unsagbar weh. Der körperliche Schmerz war nicht mal das schlimmste.. Ich hatte das Gefühl mich zerreißt dieser Schmerz innerlich. Irgendwann schaffte ich es für den Moment meine Gedanken zu verdrängen. Jens hatte recht, ich musste zur Ruhe kommen, auch wenn ich jetzt noch nicht so recht wusste, wie mir das je wieder gelingen sollte. Aber ich hatte einen Job, der auf mich wartet und Kollegen, die sich auf mich verließen. Keine Ahnung wie ich den Tag morgen schaffen sollte, aber es musste gehen. Jens würde mich wahrscheinlich keine Sekunde aus den Augen lassen. Aber keinesfalls, wollte mir diese Blöße weder vor meinen anderen Kollegen noch vor dem Oberstarzt geben. Also musste ich das irgendwie überspielen. Da ich ahnte, dass Jens wie ein Wachhund vor der Tür saß und ich ihn nicht weiter beunruhigen wollte, hievte ich mich schließlich zurück auf die Füße und stellte die Dusch aus. Trocknete mich vorsichtig ab und holte aus meinem Spint ein Shirt, dass ich sonst immer unter meinem Overall trug. Allerdings fiel mir auf, dass ich außer Unterwäsche nichts hatte. Ein kurzes seufzen und ich ging zur Tür, öffnete sie ein Spalt, wo wie erwartet Jens stand und sofort herumschnellte. „Ähm… hast du vielleicht eine Hose für mich?“, es war mir peinlich, daher blickte ich starr auf den Boden.

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„Ja natürlich, warte kurz.“ Jens ging sofort los und kam kurz drauf mit einem Jogginghose wieder. Wenige Minuten später, kam sie sehr zu seiner Erleichterung, mit einem etwas zu großen Bademantel und einer zu großen Hose aus dem Bad. „Geht es dir etwas besser?“ Sabine nickte und konnte sich sogar ein kurzes Lächeln abringen. „Dein altes Zimmer ist leider nicht bezogen, aber du kannst in meinem Bett schlafen. Ich nehme die Couch im Aufenthaltsraum.“ Wortlos folgte die Notärztin ihrem Kollegen in seinen Schlafraum.

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„Möchtest du den Bademantel nicht ausziehen?“, fragte er mich. Ich wurde hektisch, Jens würde, wenn er wüsste was Carsten getan hatte, ihn wahrscheinlich erschlagen. „Nein, mir ist immer noch kalt“, antwortete ich schnell. Ich hasste es zu Lügen, aber ich wollte nicht, dass er meine Verletzungen sah und Jens gab sich damit zum Glück zufrieden. Ich legte mich in sein Bett und schloss wieder einen Augenblick die Augen. Doch sofort schossen die Bilder wieder in meinen Kopf… erst eingesperrt wie ein Tier und dann Carsten in seiner vollen Wut, wie er auf mich einschlug. Ich öffnete schnell die Augen und sah, dass Jens noch im Türrahmen stand. „Wenn du was brauchst? Du weißt, wo du mich findest“, sagte er. Ich setzte mich auf „Jens“?, hielt ich ihn ab zu gehen. Er drehte sich um und lächelte mich liebevoll an. „Kannst du noch ein bisschen bleiben?“ Ich hatte eine scheiß Angst vor dem Alleine sein. „Natürlich“, entgegnete er mir in einer sanften Art, die ich nur selten an ihm erlebte. Er kam zurück und setzte sich auf die Bettkante. Ich wusste, dass er auch schlafen sollte zumal in nicht mal vier Stunden der Wecker klingeln wird, aber ich hatte Angst. Angst die Augen zu schließen und diese Bilder wieder zu sehen. Ich versuchte sie aus meinem Kopf zu drängen und an etwas Schönes zu denken, was mir allerdings nicht wirklich gelang. Ich wollte Jens nicht zur Last fallen und versuchte ganz fest einzuschlafen. Irgendwann hörte ich ihn ganz leise flüstern „Bine es ist alles in Ordnung. Mach dir keine Sorgen, bei mir wird dir nichts passieren.“ Er hatte mich noch nie Bine genannt. Ich griff nach seiner Hand und zog sie eng an meinen Körper. Es tat mir gut, mich an ihm festhalten zu können. Nach einer Weile merkte ich noch, wie er mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich und dann schlief ich ein.

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Der Major, schlief nicht wie geplant auf dem Sofa, sondern döste sitzend neben Sabine. Als er wach wurde, verriet ihm der Blick auf seine Uhr, dass es zwanzig Minuten nach sechs war, anscheinend war er doch kurz eingeschlafen. In spätestens einer Stunde würden seine Kollegen im Rettungszentrum auftauchen. Sein blickt wanderte auf die schlafende Notärztin und überlegte, ob er sie wecken sollte, wie es ihr Wunsch war. Sabine wollte unbedingt Fliegen, was Jens für keine gute Idee hielt. Aber ihm war klar, dass sie nicht wollte, dass einer der Kollegen etwas mitbekam. Aber sie waren eine Familie und würden, wie er nur ihr Bestes wollen. Er hatte, bevor sie einschlief versucht zu überzeugen, zu einem Arzt zu gehen, wenn sie ihm schon nicht sagen wollte was passiert war, dann zumindest einem Arzt aus dem BWK. Doch dagegen hat sie sich vehement gewehrt und er beschloss dann einfach erstmal für sie da zu sein.

Schließlich entschloss er sich also Sabine schlafen zu lassen, da sie erst vor kurzem so richtig eingeschlafen war. Kaum hatte er sich fertiggemacht, stand auch schon Wollcke im Aufenthaltsraum, wo Jens wie jeden Morgen Kaffee kochte. „Guten Morgen“, sagte Jan freudig. Jens zuckte zusammen „schhhhh“, zischte er Jan an. „Was ist denn mit dir los? Heute Nacht Party gemacht und jetzt ein Kater, oder was?“, neckte Wollcke ihn. „Schön wäre es“, antwortete der Major betrübt. Wollcke merkte sofort an Jens Stimmlage, dass etwas nicht stimmte. „Alles in Ordnung?“, hackte er besorgt nach. Jens holte tief Luft „ich erzähle es, wenn alle da sind.“ Verwundert über seinen Kollegen, nahm Jan die Aussage erstmal so hin. „Ok, dann geh ich mich erstmal Umziehen.“ Im selben Moment betrat Johnny genauso freudestrahlend wie Jan der Raum „guten Morgen Jungs, na alles klar bei euch?“ Bei dem Blick in Jens ernstes Gesicht verflog seine gute Laune allerdings schnell „welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?“ Jens holte tief Luft und klammerte sich an seine Kaffeetasse. Es viel ihm so schwer darüber zu reden. Natürlich wollte er Sabine nicht verraten, aber so wie es ihr vor wenigen Stunden noch ging, wäre sie jetzt nicht wieder einsatzfähig. „Willst du nicht noch auf Sabine warten?“, fragte Jan, als Jens zum Erzählen ansetzten wollte. Jens schüttelte Schwermütigkeit den Kopf „es geht um Sabine.“ Er musste den dicken Kloß, der sich gerade in seinem Hals bildete, runterschlucken und versuchte seine Fassung zu wahren. Normalerweise hätten jetzt Jan oder Johnny einen blöden Spruch raus gehauen, weil sie wussten, dass Jens mehr als nur Freundschaft für Sabine empfand. Aber bei der ernsten Miene, die er machte traute sich keiner der Beiden ein Wort zu sagen.
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