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Mehr als nur Kollegen

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Alexander "Alex" Karuhn Dr. Sabine Petersen Jan "Wollcke" Wollcke Jens Blank Johannes "Johnny" von Storkow Obergefreiter Homann
23.08.2016
06.03.2021
69
152.987
16
Alle Kapitel
282 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
23.08.2016 1.698
 
Hallo liebe FF Leser und Leserinnen,

ich freue mich sehr, dass ihr euch zu meiner Geschichte verirrt habt. Ich hoffe sie gefällt euch und fände es super, wenn doch die ein oder andere Review sein Weg zu mir findet. Ich versuche auch in nicht all zu großen Abständen zu schreiben.
Nun wünsche ich viel Spaß beim Lesen.
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Es war kurz nach Mitternacht, was ich nur wusste, weil die Kirchturmuhr eben geschlagen hatte. Es war viel zu kalt für Anfang September und durch den strömenden Regen fühlte es sich noch kälter an. Ich wusste eigentlich gar nicht so recht wo ich hin ging, doch ich wollte einfach nur so weit weg wie möglich. Weg von ihm. Jeder einzelne Fleck meines Körpers brannte höllisch und jeder Schritt, den ich machte, schmerzte. Doch ich wollte so schnell ich konnte so viel Distanz zwischen uns bringen wie nur möglich. Die Tränen liefen mir unaufhaltsam über mein Gesicht und ich konnte kaum sehen, wo ich hin lief. Mein Herz raste und meine Seele fühlte sich an, als würde sie in tausend Teile zerspringen. Ein schmerz, den ich noch nie gespürt hatte. Ich fühlte mich so schmutzig und schämte mich unendlich. Nach einer Weile Ziellos umherirren, fiel mir nur einen Ort ein zu dem ich jetzt ohne Angst konnte.
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Jens wohnte noch immer im Rettungszentrum, inzwischen aber alleine. Johnny war vor gut zwei Wochen mit seiner Tatjana zusammengezogen. Es war schon ein seltsames Gefühl für ihn so alleine. Einerseits mochte er es alleine zu sein, aber andererseits hatte er sich mittlerweile daran gewöhnt einen Mitbewohner zu haben. Erst wohnte Sabine in dem anderen Zimmer und zuletzt Johnny. Er musste schmunzeln, bei dem Gedanken, als Sabine noch seine Mitbewohnerin war. Er grinste als er an die Zeit dachte, in der die Damendusche defekt war oder als sie das Rettungszentrum in eine halbe Gärtnerei verwandelte.

Heute viel ihm das einschlafen wieder besonders schwer. Wie so oft in letzter Zeit, war Sabine sein letzter Gedanke vor dem Versuch einzuschlafen. Denn er wollte, nein er konnte sich immer noch nicht so recht damit abfinden, dass Sabine wieder mit ihrem Ex Carsten zusammen war. Sie wohnte zwar nicht bei ihm, aber er hatte immer so ein flaues Gefühl dabei. Vorhin hatte er noch mit ihr telefoniert und er hörte das Klingeln. Als Sabine sah, dass Carsten die Treppe zu ihr hoch kam, würgte sie ihn schnell mit einem "wir sehen uns", ab, was ein noch mieseres Gefühl bei ihm hinterließ, als er eh schon hatte. Er traute diesem Kerl einfach nicht über den Weg, schon früher einmal hat er sich an Sabine vergriffen, da hätte er ihm am liebsten schon die Gurgel umgedreht. Er konnte auch nicht verstehen, was Sabine an diesem schmierigen Typen fand. Da war ja Brandt eine zehnmal bessere Partie gewesen.
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Völlig erschöpft erreichte ich gefühlte Ewigkeit später endlich das Rettungszentrum. Meine Kraft verließ mich und sackte auf den Stufen zusammen. Meine Gedanken wechselten zwischen einer Achterbahnfahrt und völliger Leere. Ich wollte doch einfach nur aus diesem Alptraum aufwachen. Das konnte einfach nicht Real gewesen sein, doch die Schmerzen signalisierten mir klar etwas anderes. Ich umklammerte meine Knie und legte den Kopf auf meine mittlerweile völlig durchnässte Hose ab. Ich hatte noch nicht mal mehr die Kraft, mich bemerkbar zu machen. Ich fing wieder an zu weinen, diese Zerrissenheit in mir tat unfassbar weh.
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Da Jens auch nach weiteren zwei Stunden noch nicht schlafen konnte, stand er wieder auf und ging zum Aufenthaltsraum. Nachdem er sich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank geholt hatte, stand er am Fenster und blickte gedankenversunken auf Annelise, die Einzige Frau in seinem Leben die ihm nie Kummer gemacht hatte. Im Augenwinkel sah er im Dunkeln eine Gestalt mit Kapuze über dem Kopf auf der Treppe sitzen. Wütend darüber, wie es ein Penner aufs Gelände geschafft hatte und nun vor seinem Rettungszentrum saß, zog er sich seine Jacke über und ging nach draußen, um den ungebetenen Gast zum Gehen zu aufzufordern.
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In meiner panischen Flucht, hatte ich natürlich keinen Schlüssel für das Rettungszentrum mitgenommen. Mir war aber auch einfach alles zu viel und ich wusste im Augenblick auch nicht, wo ich sonst hin sollte. Dieser Ort war der Einzige, der mir vertraut war und ich mich sicher fühlte. Die Tränen liefen noch immer unaufhaltsam. Ich bemerkte nicht mal, dass hinter mir im Flur licht anging. „He, was wollen sie hier?“, hörte ich Jens hinter mir in einem ziemlich forschen Ton. Ich erschrak so sehr über diese Tonlage, der mir eigentlich gut vertrauten sanften Stimme, dass ich noch bitterlicher weinte. Ich schaffte es nicht mich aufzurichten, um Jens zu zeigen, dass ich es bin. Ich wusste nicht einmal, ob ich jetzt wollte, dass er hier ist. Er bemerkte schnell, dass ich weinte, wobei er mich offenbar nicht erkannt hat. Sollte ich jetzt einfach wieder gehen? Wollte ich, dass mein Kollege mich so sieht? Doch eh mein Körper auf meine Gedanken reagierte, hörte ich Jens sanfter „hallo, ist alles in Ordnung mit Ihnen?"  Ich spürte wie seine Schritte sich mir näherten und unweigerlich verkrampfte sich mein ganzer Körper und ich konnte nicht dagegen tun. Schließlich ging er vor mir in die Hocke „kann ich ihnen helfen?", fragte er in seiner sanften Art. Ich schüttelte erst den Kopf, denn ich wollte nicht, dass er mich so sieht. Aber weglaufen schaffte ich auch nicht mehr. Dann hob ich doch langsam den Kopf.
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„SABINE!“, stieß Jens erschrocken aus. Es war kein Penner, der auf der Treppe saß, sondern seine Kollegin. „Um Himmels Willen Sabine, was machst du hier? Was ist passiert?“ Jens war völlig geschockt über den Anblick der sonst so starken und selbstbewusste Notärztin. Sie saß, wie ein Häufchen Elend vor ihm und kaum hatte er sich angesprochen, schluchzte sie wieder los und die erhoffte Antwort bekam er erstmal nicht. Stattdessen starrte er auf die zusammengekauerte und schluchzende Sabine. Einige Sekunden verginge, eh er wieder einen klaren Gedanken fassen konnte. „Hier kannst du nicht bleiben. Komm lass und reingehen“, sagte er schließlich. Sabine zeigte keine Reaktion, so versuchte er schließlich einfach so vorsichtig Sabine auf die Beine zu helfen. Doch sie sackte wieder zusammen und kurz entschlossen nahm er sie auf den Arm und trug sie in den Aufenthaltsraum. Vorsichtig legte er sie dort auf dem Sofa ab. Sabine kauerte sich auf der Couch sofort in die Ecke. Erst jetzt sah er, dass Sabine nicht mehr als mit Turnschuhen einer Jogginghose und einer Fleecejacke bekleidet und völlig durchnässt war. Schnell holte er seine warme Decke aus dem Schlafraum und legte sie seiner Kollegin über.
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Ich zitterte am ganzen Körper und wusste nicht mal ob vor Kälte oder war es doch die Angst. Dankbar kuschelte ich mich in die Decke von Jens und nahm entfernt wahr, dass in der Küche Geschirr klapperte. Mein Gedanken kreisten immer noch wie wild. Erst jetzt spürte ich, wie die Kälte in mir hoch kroch und zog die Decke von Jens noch ein Stück höher. Mit angezogen Knien saß ich auf dem Sofa und war so dankbar, dass Jens mich gefunden und reingebracht hatte. Im selben Augenblick kam der Major mit zwei Tassen Tee zurück und reichte mir eine davon. Ich setzte mich auf und griff mit einem dankenden Nicken nach der Tasse, dabei war mein Blick starr auf die Tasse gerichtet. Ich konnte ihm nicht in die Augen schauen. Ihm schossen wahrscheinlich tausend verschieden Gedanken durch den Kopf was passiert war, aber ich wollte nicht darüber sprechen. Ich konnte nicht, ich schämte mich zu sehr. Das mir starken Frau, je so etwas passieren würde, hätte ich nie gedacht. Zumal mir im Augenblick einfach auch die Kraft fehlte irgendetwas zu erklären. Es reichte ja schon, dass diese Gedanken nicht aufhörten und mich die Bilder immer und immer wieder verfolgten.Die Wärme durchströmte mich sofort nach dem ersten Schluck Tee, aber das Zittern ließ nicht nach. Jens hatte sich in den Sessel gesetzt und hielt seine Tasse fest in der Hand. Vermutlich suchte er wie ich auch irgendetwas zum Festhalten.Ich ahnte, dass es ihn innerlich zerriss, nicht zu wissen was passiert war. Umso mehr war ich in diesem Augenblick dankbar, dass er mich nicht mit Fragen löcherte oder mich zum Reden drängte.
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Jens wusste eigentlich nicht so recht, wie er mit der Situation umgehen sollte. Am liebsten wäre es aus dem Rettungszentrum gestürmt, um zu Carsten eine runter zu hauen. Natürlich wusste er nicht hundert Prozent, ob er Sabine etwas getan hatte, aber er hatte eine schreckliche Vermutung.Er schreckte aus seinen Gedanken als er hörte, dass Sabine neben ihm laute Schluchzer von sich gab. Sofort stellte er seine Tasse ab, kniete sich vor das Sofa und griff vorsichtig nach ihrer Hand. Er wollte für Sabine da sein, wusste aber nicht so recht wie. War er überhaupt der Richtige dafür? Sollte er vielleicht jemanden anrufen? Seine Gedanken wurden aber von Sabine abgebrochen, als sie die Arme fest um seinen Hals schlang und ihren Kopf fest gegen seine Schulter drückte. Zitternd klammerte sie sich an ihm fest und weinte bitterlich. Sie hielt diesen Schmerz nicht mehr aus und brauchte halt. Jens setzte sich vorsichtig, mit Sabine um den Hals auf das Sofa und hielt seine Kollegin fest im Arm. Es tat ihm unfassbar weh so hilflos zu sein und sehen zu müssen, wie sehr sie litt. Dann wandelte sich die Hilflosigkeit in Wut, die in ihm immer weiter hoch stieg und er wollte wissen wer seiner Bine etwas angetan? Vor allem was?
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Meine Kräfte ließen mich nun völlig im Stich. Ich wollte nicht schwach sein, vor allem nicht vor Jens. Klar gab es schon Momente, in denen ich mal schwäche zeigte, besonders wenn ein Einsatz nicht so ausging, wie ich es erhoffte. Aber noch nie hatte mich ein Mensch so aufgelöst gesehen wie jetzt. Es war mir Peinlich, dass er mich so sehen musste, aber er war mittlerweile ein sehr guter Freund geworden, den ich sehr mochte und mir viel keiner ein zu dem ich sonst gewollt hätte. Ich krallte mich an der Jacke von Jens fest und vergrub mein Gesicht. Ich spürte, dass er mir mit seiner Umarmung halt gab. Ich hielt mich an ihm fest und fing im selben Moment bitterlich an zu weinen.
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