Auf der Wiesn gibt´s ka Sünd

von Melianna
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Florian David Fitz OC (Own Character)
21.08.2016
04.09.2016
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-2-

Ich bediente den restlichen Abend den Tisch von Matthias und war letztendlich auch die, die Ihn abkassieren musste.
„Dit is für deene Kasse“, lallte er beinahe, „Und dit is für dich und deine tolle Bedienung!“
Er schob mir fünf Zehner in die Hand und zwinkerte mir zu!
„Na dann dank ick dir recht herzlich!“
„Nicht der Rede wert. Vielleicht sieht man sich ja nochmal auf der Wiesn. Geht ja noch´n paar Tage!“
„Ick werd auf jeden Fall hier sein!“
Ich grinste ihn breit an, dann spürte ich nur noch wie er mich an sich zog und mir in der Umarmung auf den Rücken klopfte.
Dann hakte er sich bei Elyas M´Barek ein und sie torkelten in die Nacht hinein.

Wenig später saß ich an der Kasse und machte meine Abrechnung. Meine Belege hatte ich bereits fertig, so musste ich nur noch schnell die Scheine kassieren.
„Josi, morgen wieder der Tisch oben!“, rief mir Marta entgegen, als sie den Raum betrat, „Die Leute waren so begeistert von dir, die wollen dich Morgen glatt nochmal sehen!“
Ich spürte wie mir das Blut bis in die Ohren stieg und ich rot wurde.
„Meinst du das wirklich?“
„So glaub´s mir ruhig. Ich hab heute nur das Beste von dir gehört! Und dazu ist Morgen Samstag, da sitzt das Trinkgeld nochmal lockerer!“
Ich grinste nun über beide Ohren.
„Na dann freu ich mich auf morgen!“
Dankend reichte ich Marta die Hand und drückte ihr danach die Abrechnung in die Hand.
„Hat alles gepasst!“, sagte ich.
„Sieh zu, dass du nach Hause kommst. Morgen beginnt deine Schicht um 15:00 Uhr!“
Ich winkte ihr zum Abschied und zog mir meine Jacke über.

Da die Nächte mittlerweile kalt geworden waren, hatte ich meine Jacke etwas fester um mich gezogen. Ich wartete gerade auf die nächste S-Bahn, als mir drei gestalten auf der anderen Seite der Straße, ziemlich bekannt vorkamen. Sie taumelten gerade in Richtung eines Taxis, welches sie anscheinend bestellt hatten. Fast zeitgleich erreichte meine Bahn die Station und ich stieg ein. Ich entwertete mein Ticket und setzte mich an einen Fensterplatz und das Schauspiel am Taxistand weiter beobachten zu können. Währen Florian Fitz bereits im Taxi saß, hatte Elyas M´Barek merklich Schwierigkeiten seinen Kopf tief genug zu beugen, um schmerzfrei einzusteigen. Letztendlich drückte Matthias ihn nach unten und er rutschte durch. Gerade als die Tür geschlossen hatte wanderte sein Blick nach oben und traf meinen. Er grinste, machte kurz eine Handbewegung – die aussah als würde er telefonieren – dann winkte er und das Taxi fuhr davon. Meine Bahn bewegte sich in die andere Richtung.

Was hatte der denn bitte gerade von mir gewollt? Verwirrt blickte ich aus dem Fenster. Wie sollte ich den denn bitte anrufen? Wie betrunken war der denn? Natürlich, mit dem richtigen Stalker Verhalten
könnte ich seine Nummer herausfinden, aber für wen hielt er mich denn bitte. Hatte der nicht außerdem eine Frau und zwei Kinder. Ich zückte mein Smartphone aus meiner Tasche und gab seinen Namen bei Wikipedia ein. Da stand es ja auch, Frau/Freundin plus die zwei Kinder. Wer weiß was der eigentlich gemeint hatte. Ich schüttelte kurz den Kopf, um den Gedanken wieder zu verwerfen.

Meine kleine Wohnung befand sich in Schwabing-West, nahe des städtischen Klinikums, mit direktem Blick auf den Luitpoldpark. Die 1,5-Raum-Wohnung hatte ausreichende 30 m2 und kostete satte 600 Euro – und jetzt kommt´s – Kaltmiete. Wenn etwas in dieser Stadt gewaschen war, dann waren es die Mietprise. Natürlich, ich hätte ohne Probleme woanders wohnen können. Anderer Stadtteil, andere Mietpreise. Aber jetzt mal ehrlich, wenn man seine Erste – Eigene Wohnung haben will, dann doch wenigstens da wo man sich wohlfühlt! Und wenn man aus gehobenen Hause kommt, Luxus gewöhnt ist und wenig Abstriche machen will – abgesehen natürlich von der Fläche, denn ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich in Berlin mehr als 30 m2 bewohnt hatte und das zum Nulltarif.
Erschöpft schloss ich also meine kleine Wohnung auf, stiefelte hinein und ließ mich auf die Couch fallen! Ein Königreich für eine warme Bleibe. Ich striff meinen rechten Schuh mit meinem linken Fuß ab und tat es umgedreht genauso. Meine Jacke warf ich im hohen Bogen in die nächste Ecke. Sollte ich es schaffen, meinen Weg ins Bett zu finden, dann könnte ich die Sachen immer noch verstauen.
Aus einem kleinen Fach in meiner Handtasche holte ich einen kleinen Umschlag. In dem Befand sich das heutige Trinkgeld, welches ich immer nach Schichtende zählte.

„320 Euro, na das nenn ich mal einen gelungenen Abend!“, jubelte ich und begann die Scheine zu sortieren. Morgen vor der Arbeit würde ich es gleich auf die Bank schaffen und damit mein Konto ein wenig befüllen. Zwischen dem Stapel 10 Euroscheinen von Matthias fiel plötzlich ein kleiner, weißer Zettel.

Hab mir erlaubt deiner Chefin zu sagen, dass deine Arbeit toll war.
Sie meinte, sie stellt dich morgen wieder zu uns an den Tisch.

P.S. Ich glaube meine beiden Freunde waren recht angetan von Dir!
Vielleicht solltest du Ihnen morgen mal zu zwinkern ;) *scherz*
Vielleicht hast du ja Lust mal anzurufen.

Liebe Grüße Matthias

Darunter war eine Handynummer gekritzelt.  Plötzlich machte seine Handbewegung, vorhin im Taxi wieder Sinn. Doch so wirklich konnte ich nicht glauben, dass der Zettel von Ihm gewesen war, also knüllte ich ihn zusammen und war ihn in den Papierkorb. Das Trinkgeld legte ich geordnet, zurück in den Umschlag und schrieb mir mit Kuli die Summe darauf.

Ich gehörte am Morgen zu den Menschen, die man lieber erst nach der ersten Tasse Kaffee ansprach – oder noch besser, am besten erst gar nicht und man wartete einfach ab, bis ich das erste  Wort von mir gab. In meinem Fall war dies ja nun wirklich das Problem, denn ich lebte ja allein. Nur gab es da diesen Kerl in der Nachbarwohnung, der einmal in der Woche, meistens dann wenn er merkte, dass ich wirklich daheim war, bei mir klingelte und ganz ausversehen keinen Zucker oder keine Milch hatte. Die ersten paar Male fand ich das sicherlich noch niedlich, aber mittlerweile hatte ich mir abgewöhnt ihm die Tür zu öffnen. So wie auch heute. Er klingelte zweimal, dreimal… dann klopfte er dagegen, doch ich reagierte einfach nicht. Sein Name war, wenn ich mich recht entsinne, Stephan und Stephan war ziemlich penetrant. Nach 10 Minuten hatte er es zwar endlich kapiert, dass ich die Tür nicht öffnen würde, doch er ließ es sich natürlich nicht nehmen, zu warten und just in dem Moment aus der Wohnung zu springen, als ich auf dem Weg in die Stadt war.
„Ach hey Josi! Grad erst nach Hause gekommen?“
„Nein!“
„Dann hast du sicherlich noch geschlafen, als ich geklingelt habe!“
„Nein!“
„Hast du heut wieder lange Wiesn-Schicht!“
„Wüsste nicht was dich das angeht!“
„Na vielleicht sehen wir uns ja später mal!“
„Ich würde nicht darauf wetten!“

Während in seiner Stimme die volle Hoffnung lag, endlich eine Antwort von mir zu bekommen, die für ihn positiv ausging, klang meine Stimme nach der reinsten Monotonie. Ich schaffte es sogar ihn keines Blickes zu würdigen, als ich die Treppe hinab lief, doch ihn schien das nicht wirklich zu stören. Wahrscheinlich brauchte er eine Frau die ihm so behandelte. Vielleicht war er auch nur eine arme Sau, die es nicht wirklich schaffte bei einer Frau zu landen. Ich würde nie eine Antwort darauf bekommen – aber das störte mich in keinster Weise.

Mit der Bahn fuhr ich wieder in Richtung Theresienwiese, hielt zwischendurch einmal an, um das Geld auf die Bank zu bringen und erreichte pünktlich um 14.30Uhr das Festzelt in dem ich arbeitete. Kathi, meine Kollegin, die meistens dieselbe Schicht wie ich hatte, stand bereits in der Umkleide und schnürte Ihre Schürze.
„Hab gehört du darfst heut gleich hoch!“, frohleutete sie.
„Hab gehört, dich lassen sie nicht!“
Es war an der Alltagsordnung, dass wir uns gegenseitig bekofferten, obwohl wir uns eigentlich recht gut leiden konnten.
„Die Warten nur noch auf die Richtigen Promis, welche ich bedienen kann!“
„Wurden die schon erfunden, oder meinst du Costa Cordalis.“ Ich konnte mir ein Lachen wirklich nicht mehr verkneifen und zog sie in meine Arme.
„Du bist wirklich gemein. Und jetzt komm, erzähl mal wer da gestern alles war!“
„Also an meinem Tisch waren der Schweighöfer, der M´Barek, dessen Bruder, der Fitz und noch ein paar andere!“
„Da war echt der Schweighöfer? Och, den würd ich auch gern mal sehen!“
„Frag doch Marta einfach mal, ob sie dich auch oben einsetzt!“
„Das macht die doch nie!“
„Fragen kostet nichts, Und jetzt husch, husch! Das Prinzesschen muss sich umziehen!“ Daraufhin drehte ich Kathi mit dem Rücken zu mir und ich begann mich umzuziehen.
„Als könnte man dir schon was abgucken!“ Sie kicherte, drehte gespielt ihren Kopf, lief im letzten Moment jedoch weiter.
„Wir sehen uns dann am Tresen!“
„Beeil dich Uschi!“
„Sieh du lieber zu, dass deine Schleife ordentlich sitz, Margarethe!“


Als ich das obere Festzelt betrat, warteten bereits die Ersten Gäste an meinem Tisch.
„Viel Spaß dir“, rief Sonja, „Die Leute sind heute wieder besonders gut drauf!“
„Den werde ich haben! Dir einen schönen Feierabend!“
„Den werde ich auch haben!“ Sie grinste und ging an die Kasse um Ihre Abrechnung zu machen.

Ich selbst ging erst einmal zum Tisch hinter. Es saßen nur wenige, die keine offenen Bestellungen hatten und so konnte ich etwas sauber machen!
„Da schau einer an, wer schon auf uns wartet!“, rief plötzlich eine Stimme hinter mir. Ein kurzer stups und ich spürte eine Hand auf meinem Hintern.
„Warst du gestern nicht dabei, als ich gesagt habe, dass das extra kostet?“ Ich lächelte.
Elyas M´Barek grinste nun breit in mein Gesicht, setzte jedoch einen entschuldigenden Dackelblick auf.
„Sieh sie dir an! So schön wie gestern!“, Matthias zog mich in eine Umarmung, dann setzte er sich neben Elyas.
„Heute nur zu zweit!“
„Der Rest kommt gleich! Die haben noch was gesucht!“, sagte Elyas.
„Na, dann kann ich derzeitig nur euch beglücken!“
„Also mich beglückst du mit einem Bier!“, grinste Matthias.
„Mich würdest du mit einem Kuss beglücken, aber ein Bier tut es auch!“ Schelmenhaft blickte Elyas auf mein Dekolleté.
„Also, den Katalog mit den Extrakosten muss ich dir nochmal vorbei bringen! Ich glaub du kennst den noch nicht auswendig!“
Ich begann zu lachen und begab mich zum Tresen. Im Augenwinkel konnte ich sehen, wie die Gruppe größer wurde.
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