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In a Whisper (One-shot)

OneshotFreundschaft / P6
Mio Akiyama Ritsu Tainaka
21.08.2016
21.08.2016
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Es war Hochsommer und der Popmusikklub hatte auch dieses Jahr beschlossen, wieder ein Trainingscamp zu veranstalten. Bisher war eigentlich alles wie immer gewesen: Tsumugi hatte sich bei der Ankunft höflich entschuldigt, weil es auch dieses Mal nicht mit dem größten Ferienhaus geklappt hatte; Ritsu und Yui wollten natürlich die ganze Zeit nur am Strand rumhängen und hatten zum gefühlt zweihundertsten Mal durchgespielt, wie es wäre, auf einer einsamen Insel zu stranden, während Mio und Azusa sich nicht mehr sicher waren, ob diese paar Ferientage den Titel ‘Trainingscamp’ auch wirklich verdienten oder nicht. Das Problem hierbei war, dass die Mädchen von ihrem bisher viertägigen Aufenthalt nicht mal einen einzigen Tag mit der ganzen Band geprobt hatten, obwohl morgen Nachmittag schon wieder Abreise war. Mio war der entschiedenen Meinung, dass besonders Ritsu an der fehlenden Disziplin schuld war. Yui hatte ja wenigstens nachts etwas mit Azusa Gitarre geübt, wenn die anderen schon schliefen, so wie auch schon im letzten Jahr. Die Bassistin war nun wieder mal an dem Punkt, wo sie ihre beste Freundin überhaupt nicht verstand. Erst wollte sie unbedingt eine Band gründen und im Budoukan auftreten, hatte dann aber nie Lust zum Proben. Mio kannte Ritsus Inkonsequenz nach all den Jahren nur zu gut und hatte gelernt, damit umzugehen, aber derzeitig war sie einfach nur wütend auf sie. In ihren Augen ergab es einfach keinen Sinn, im letzten Jahr auf der Schule und damit auch im Popmusikklub so untätig zu sein. Zumindest jetzt hätte man doch einmal ernsthaft üben können, oder?!
Die Schlagzeugerin sah das etwas anders. Wenn man schon die Gelegenheit hatte, in einem von Tsumugis Ferienhäusern Urlaub zu machen, sollte man sich auch ordentlich amüsieren, denn  proben konnten sie ja auch während der Schulzeit. Ritsu begriff nicht, warum Mio sich nicht einfach mal ein bisschen locker machte und zugab, dass sie auch Spaß hatte, das war schließlich offensichtlich.
Wie das so war, wenn die unterschiedlichen Auffassungen von Mio und Ritsu aufeinander prallten und keine von beiden daran dachte, von ihrer eigenen Meinung abzulassen, artete es auch dieses Mal in einem heftigen Streit aus, welcher zwar nun schon zwei Tage her war, aber sie trotzdem noch nicht wieder miteinander redeten. Insbesondere Tsumugi machte sich große Sorgen und überlegte, was sie vielleicht hätte tun können, um Mio und Ritsu wieder zu versöhnen, doch ihr fiel leider nichts ein.

Nun war  es Abend geworden und der Mond war in dieser sternenklaren Nacht bereits am Himmel zu sehen. Yui wollte als Abendessen unbedingt Marshmallows grillen, da sie schon im Winter keine im Feuertopf gegessen hatte, weswegen die Mädchen sich vor dem Haus ein Lagerfeuer gemacht hatten, um das sie jetzt alle herumsaßen. Trotz der warmen Jahreszeit war es nachts doch etwas kalt und die Keyboarderin hatte deshalb für alle Decken besorgt. Ritsu war schon mit essen fertig und wusste nicht, was sie jetzt machen sollte. Mio und Azusa waren in ein Gespräch vertieft, Tsumugi dachte über irgendetwas nach und Yui aß immer noch voller Begeisterung. Aus Langeweile hatte Ritsu damit begonnen, alle Marshmallows zu zählen, die die Gitarristin verspeiste. Gerade eben kaute Yui auf Nummer neunzehn herum. Ritsu schüttelte den Kopf und fragte sich, über was für Belanglosigkeiten sie da eigentlich nachdachte. Ihr Blick fiel nun auf Tsumugi, auf deren Gesicht immer noch ein sehr angestrengter Ausdruck zu sehen war, was sich in diesem Moment aber änderte, als ihre Augen plötzlich aufleuchteten. Die Blonde sah aus, als wäre ihr nach all ihren Überlegungen auf einmal ein guter Einfall gekommen. Schnell drehte Tsumugi sich nun zu den zwei Gitarristinnen, die links von ihr saßen, und lächelte beide an. “Yui-chan und Azusa-chan? Wollt ihr nicht heute auch noch etwas Gitarre üben?” - “Hm, vielleicht. Aber ich glaube nicht, dass das was wird, Yui-senpai ist dann bestimmt zu voll und hat keine Lust mehr…”, antwortete Azusa. Die Braunhaarige protestierte, hatte aber immer noch ihren neunzehnten Marshmallow im Mund, weswegen niemand ihre Rechtfertigungen wirklich verstand. “Was würdet ihr davon halten, wenn ihr jetzt sofort noch etwas probt?” Tsumugis Grinsen wurde breiter. Yui hatte mittlerweile auch aufgegessen und nickte zu Azusas Überraschung freudig. “Können wir gerne machen, Azu-miau. Ich hab jetzt nämlich die ultimative Marshmallow-Power und muss Gitah unbedingt was davon abgeben.” Die Jüngere blickte leicht verwirrt, da sie nicht mit so einem plötzlichen Motivationsschub von Seiten Yuis gerechnet hatte, aber wenn ihre Senpai schon mal so motiviert war, musste sie das nutzen. “Gut, dann…” Yui sprang auf und wollte gerade reingehen, blieb dann aber nochmals stehen und fragte: “Oder soll ich mich vor unserer Probe noch mal kurz schlafen legen?” - “Nein, bloß nicht! Los jetzt, Yui-senpai! Ich will auch noch was von deiner Power haben.”, widersprach Azusa ihr auf der Stelle und schob sie Richtung Eingang. “Ich geh dann auch schon mal nach drinnen.”, sagte Tsumugi und stand ebenfalls auf. “Äh, ich auch!”, kam es von Ritsu, da ihr langsam kalt wurde und sie nicht scharf drauf war, mit Mio allein zu sein. “Ich auch. Warte, Mugi!”, meinte nun auch die Bassistin schnell, jedoch war die Blonde schon längst im Haus verschwunden und Mio und Ritsu hörten nur noch, wie der Schlüssel im Schloss gedreht wurde. “Sie sperrt uns aus?! Das ist jetzt nicht ihr Ernst, oder?!”, entfuhr es der Braunhaarigen. “Doch.”, säuselte Tsumugis Stimme von innen. “Och, Mugi. Mach doch bitte auf.”, bettelte Mio, doch die Keyboarderin schien gar nicht mehr hinzuhören. Von draußen war bloß zu sehen, wie das Licht nun im Haus ausging. Ritsu setzte sich wieder zurück ans Feuer; sie hatten jetzt wohl keine andere Wahl, als erstmal draußen zu bleiben. Mio tat es ihr gleich und setzte sich Ritsu gegenüber, jedoch herrschte zwischen ihnen ein unangenehmes Schweigen.

“Ritsu?”, begann Mio plötzlich wie aus dem Nichts. Die Schlagzeugerin schaute auf. “Glaubst du, dass Mugi wieder aufmacht?” - “Sicher. Ich meine, wir reden hier von Mugi. Sie würde es doch nicht übers Herz bringen, uns die ganze Nacht alleine draußen zu lassen, oder?!”, flüsterte Ritsu. Die Bassistin nickte leicht. “Das hoffe ich…”, meinte sie nachdenklich. Ritsu lachte kurz, ehe sie schnell antwortete: “Ach, du hast wohl Angst, dass hier draußen irgendwo Seepocken lauern, hm?” Mio drehte sich verunsichert weg und murmelte nur: “Blöde Ritsu.” Die Schlagzeugerin seufzte leise. Da hatte sie nach Tagen endlich mal wieder ein halbwegs normales Gespräch mit Mio, konnte sich aber natürlich nicht zurückhalten, einen zugegebenermaßen sehr unangebrachten Witz zu machen. Ein Charakter, wie die Braunhaarige ihn hatte, war halt nicht unbedingt etwas für schwache Nerven. Und die hatte Mio leider nun einmal.
Nach ein paar Minuten begann Ritsu zögerlich: “Ich hab’s nicht so gemeint, okay?!” Mio ignorierte sie. “Diesmal hab ich’s echt versaut…”, dachte Ritsu sich, wollte aber noch nicht ganz aufgegeben. Sie stand auf, setzte sich direkt neben ihre beste Freundin und flüsterte dann: “Ach Mio-chan, jetzt sei doch nicht so schüchtern…” - “Bin ich nicht. Ich will einfach nicht mit dir reden, verstanden?!", zischte Mio genervt. “Tut mir leid.”, fing Ritsu an, woraufhin die Bassistin sofort hellhörig wurde. “Was tut dir leid?” - “Dass ich mich immer so unmöglich benehme… Aber was soll ich denn machen?! Ich bin halt so, ich schaff’s irgendwie nicht, mich zu ändern. Sorry…”, erklärte die Kleinere langsam, wobei sie zum Ende hin immer leiser wurde. “Das will ich doch auch gar nicht.”, warf Mio hastig ein. “Ich hab wohl auch etwas überreagiert… Eigentlich albern; ich weiß ja, wie du bist. Es ging mir ja nur ums Prinzip. Wir wollten dieses Trainingscamp doch ganz oft proben und hatten soviel vor…” - “Wir haben morgen noch den ganzen Vormittag Zeit, wieso verschieben wir’s nicht einfach? Dann haben wir halt morgen viel vor.”, wollte Ritsu wissen, weil sie das Gefühl hatte, ihre bisherige Faulheit zumindest jetzt wieder gut machen zu müssen. "Morgen ist immer der Tag, an dem du das meiste zu tun hast, was?! Das ist bei dir genauso wie mit dem Lernen. Immer alles aufschieben.", antwortete Mio lächelnd und schüttelte den Kopf. “Hä? Warum denn? Am Ende lerne ich ja dann doch.”, wollte Ritsu sich verteidigen. “Aber vorher kommst du erstmal bei mir angerannt und heulst, weil du den Stoff nicht verstehst.”, merkte die Schwarzhaarige an. “Gib doch einfach zu, dass du mir gerne beim Lernen hilfst, Mio.” - “Musst du denn echt immer das letzte Wort haben?” Ritsu nickte triumphierend. “Muss ich. Dir fällt ja nichts mehr ein.” Eigentlich war sie darauf gefasst, dass Mio ihr jetzt wieder eine passende Antwort liefern oder zumindest abgenervt aufstöhnen würde, aber stattdessen fing die Bassistin einfach an zu lachen. Ritsu freute sich, dass das Eis zwischen ihnen gebrochen schien und stimmte kurzerhand in das Gelächter mit ein.

“Ich glaub, Mugi macht nicht mehr auf. Sie ist bestimmt schon schlafen gegangen.”, äußerte Mio sich nach einiger Zeit besorgt und kuschelte sich noch mehr in ihre Decke. “Sieht so aus.”, antworte die Schlagzeugerin knapp. “Was sollen wir jetzt machen, Ritsu?” - “Keine Ahnung. Zur Not müssen wir halt hier draußen pennen.” Mio sah plötzlich ziemlich entgeistert aus und meinte sofort: “Das will ich aber nicht…” - “Wieso denn?”, fragte die Braunhaarige, die damit nicht wirklich ein Problem gehabt hätte. “Hast du etwa doch Angst vor Seepocken?” Die Größere zuckte bei dem letzten Wort zusammen, nickte jedoch scheu. “Nicht nur das… Was sollen wir machen, wenn es hier irgendwelche Schlangen oder Kröten oder sowas gibt? Wer weiß, was hier alles gekrochen kommt, wenn es dunkel ist… Ich bin aber auch total erschöpft und will einfach nur noch in mein Bett.”, erklärte sie flüsternd. Man sah ihr an, dass sie tatsächlich mittlerweile ziemlich müde sein musste. “Na dann leg dich schlafen. Ich bleibe wach und pass auf, dass dich keine Seepocken attackieren.”, meinte Ritsu ohne Umstände. Mio blickte sie unsicher an. “Wirklich? Das musst du doch nicht… Du willst sicherlich auch schlafen.” - “Ach was. Ich hab in den letzten Tagen doch genug gefaulenzt, oder?! Da ist es egal, wenn ich mal eine Nacht durchmache.”, sagte die Schlagzeugerin grinsend.

“Wie konnte ich das nur vergessen?”, fragte Tsumugi sich, während sie über den Korridor des Ferienhauses eilte. “Ich hätte sie schon längst wieder reinlassen sollen…” Die Blonde wollte Ritsu und Mio eigentlich vom Fenster aus beobachten und die Tür wieder aufschließen, sobald zwischen den beiden wieder alles in Ordnung war. Irgendwie war sie aber währenddessen eingeschlafen und hatte von Yakisoba geträumt. Sie ärgerte sich, dass sie ihre beiden Freundinnen wirklich so lange draußen sitzen gelassen hatte. Tsumugi sperrte die Tür auf und verließ das Haus, vor dem sie die beiden auch vorfand. “Entschuldigt bitte, ich…” - “Mugi, sei etwas leise, ja?!”, unterbrach Ritsu sie im Flüsterton. “Oh, äh, natürlich.”, entgegnete Tsumugi, nachdem sie einen Blick auf die schlafende Mio geworfen hatte. “Wollt ihr jetzt reinkommen?” - “Nee, du lass mal. Ich will sie jetzt nicht wecken, sie war ziemlich müde. Ich denke, dass wir heute Nacht hier bleiben werden.” Die Keyboarderin lächelte. Ihr Plan hatte funktioniert und sie war nun froh, dass sich die zwei scheinbar versöhnt hatten. “Ich gehe dann mal wieder rein. Bis morgen.”, verabschiedete sie sich. “Mugi?” - “Ja?” Tsumugi drehte sich zu Ritsu um. “Wir legen morgen noch mal eine Extraprobe vor der Abreise ein, okay?!”, ordnete die Braunhaarige an. Tsumugi nickte. “Das machen wir auf jeden Fall.”, entgegnete sie, bevor sie nach drinnen ging und Ritsu und Mio zu zweit am Lagerfeuer zurückließ.
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