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Bonnie

von PeiPei
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
OC (Own Character)
18.08.2016
18.08.2016
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Hart und mit einem klatschenden Geräusch, gefolgt von einem Schrei traf Bonnies Hand die Wange des jungen blonden Mädchens.
Immer und immer wieder ohrfeigte die pinkhaarige Elfe den kleinen blonden Norm bis ihre Wangen dunkelrot gefärbt waren und sich die ersten Blutergüsse darauf bildeten.
Erst als sie keine Kraft mehr in den Händen hatte und ihre Augen mit Tränen gefüllt waren,  hörte sie schluchzend auf das junge Ding zu schlagen und nahm sie beschützend in den Arm.
Sie wiegte die Kleine wie ein Baby hin und her und fing schließlich an zu heulen.

Dass Sarah von all dem nichts mitbekam verdankte sie der Nadel welche in ihrem Arm steckte und hunderte von kleinen Besserungserscheinungen durch ihre Venen, direkt in ihr Normhirn jagte.
Sarah war schon seit Jahren auf Deepweed, doch Bliss war eine neue Welt für sie und sie genoss den Cloudwalk mit jeder Nadel mehr und mehr, in einigen Stunden würde ihr Gesicht schmerzen wie die Hölle, doch dies alles war im Moment egal.
Zu verlockend war es sich einfach gehen zu lassen, abzutauchen und die Flucht in der Straßendroge zu suchen....

Bonnies Blick ruhte lange auf Sarahs zerstochenem Unterarm, sie wusste nicht wann ihre Freundin mit Bliss begonnen hatte, aber sie konnte es nur von Mauro diesem Arschloch haben.
Mauro war Zuhälter, Dealer, Türsteher und irgendwo unter all den Nieten und dem Leder versteckte sich ein kleiner Mann mit großem Ego der es seinen Kontakten zur Vory verdankte dass ihm bis heute noch keiner eine Kugel zwischen die hässlichen Hauer verpasst hatte.

Die Wut im Bauch über Mauro riss sie zurück in die Realität.
Bonnies Gedanken überschlugen sich, sie wollte Sarah helfen und doch konnte sie im Moment nichts für das Mädchen tun.
Früher hatten einige Ohrfeigen immer gereicht um sie zurück ins Leben zu rufen doch diesmal saß der Trip zu tief in ihr drinnen.
Sarah musste dringend auf Entzug geschickt werden, doch sowas war nun mal scheißteuer und nichts was sich jemand mit nem squatter Lifestyle so einfach leisten konnte.

Bonnies Gedanken führten sie zurück in ihr altes Leben, früher wäre es so einfach gewesen die paar tausend Nuyen einfach so abzudrücken.
Als ihr Name noch nicht Bonnie Flowers sondern Amber Scoya, Tochter von Walter und Emma Scoya den reichen Bankern des Shiwase Konzerns war.
Seit ihrer Geburt hatten ihre Eltern sie Operationen und Bioware-Behandlungen unterzogen um ihre Tochter klüger, hübscher und besser zu machen als alle anderen Kinder.
Was dazu führte dass Amber zu einem Kind wurde welches in völliger Isolation leben musste, denn sie mit anderen Kindern spielen zu lassen war für ihre Eltern ein ebenso absurder Gedanke gewesen, wie sie auf eine öffentliche Schule zu schicken.
Erst mit ihrem 15 Lebensjahr durfte Amber die Konzerneigene Arkologie in Tir Taingire verlassen um im Zuge ihrer Ausbildung einen Businesskurs in Uptown Seattle zu besuchen.
An einem dieser Tage lernte sie durch einen Zufall Tony kennen.
Tony war sowas wie ein Hacker der es geschafft hatte die Firewall ihres Comlinks zu knacken und so mit ihr in Kontakt zu treten.
Anfangs wollte er nur ein Date mit ihr, doch über die Zeit verstand er Bonnies missliche Situation und die beiden wurden immer bessere Freunde.

Durch Tony lernte Amber viel über die Außenwelt, die Barrens und über kleine illegale Geschäfte kennen mit denen er sein Geld verdiente.
Als Amber ihren 16. Geburtstag feierte, machten ihre Eltern ihr ein Geschenk welches ihr ganzes Leben verändern sollte.
Und zwar wollten sie Amber mit 18 an die arkologieeigene Universität schicken um dort in einem strengen 5 Jahre dauernden Intensivkurs zum Manager eines Cons ausgebildet zu werden.
Eine Horrorvorstellung für die junge Frau, hatte sie doch ihr ganzes Leben nichts als Isolation gekannt und nie wirklich gelebt.

So distanzierte sie sich immer weiter von ihren Eltern, bis sie kaum noch ansprechbar war und jede freie Minute die sie nicht lernen musste auf ihrem Zimmer verbrachte um die kleinen verschlüsselten Nachrichten die Tony ihr schickte zu lesen, Nachrichten auf dem Trid zu schauen oder einfach zu träumen wie es wohl wäre frei zu sein.
Bis Tony sie auf eine Idee brachte..
Abhauen.

Es hörte sich alles so einfach an und doch war es unglaublich schwer.
Sie hatte zwar ein Auto, doch war ihr nur erlaubt mittels vorher von ihrem Vater eingestelltem Autopiloten zu fahren, so dass ihre Eltern immer genau wussten wo sie war.
Auch ihr Comlink wurde von ihrem Vater streng überwacht, so dass Gespräche mit der Außenwelt sofort gemeldet wurden.
Wie Tony es schaffte sie dennoch zu kontaktieren war ihr stets ein Rätsel und doch funktionierte es gut genug um gemeinsam einen Plan zu schmieden.

Getreu nach Tonys Idee schaffte Amber es über die nächsten Monate immer wieder kleine Beträge in Höhe von einigen hundert Nuyen von ihrem Konto verschwinden zu lassen.
Ihrem Vater erklärte sie es wäre für eine Spendenaktion und einige der von Tony gefälschten Dankes-Mails welche sie auf ihr Comlink geschickt bekam halfen der Sache ungemein nach.
So sammelte sich am Ende eines Jahres knapp eine Summe von 5.000 Nuyen auf Tonys Konto an den Rest würde er sich von einem Freund ausborgen sagte er ihr, so konnte der Fluchtplan in die Tat umgesetzt werden.

Ambers Auto wurde von Toni gehackt so dass der Autopilot zwar offiziell angeschalten war und seine einprogrammierte Runde in die Altstadt zum Shoppingdistrict fahren und vor Guccico (einem exquisiten Ausstatter für Exec-Mode) stehenbleiben sollte.
In Wirklichkeit lenkte Tony das Auto in die Redmond Barrens wo er Amber in seine Wohnung brachte.
Alles was Amber von dem Plan noch wusste war, dass Toni jemanden kannte der nun ihren Tod faken würde, dafür bräuchte er lediglich ein DNA Sample so wie ihr Comlink.
Am nächsten Tag war ihr Bild überall in den Nachrichten und ein brennendes Autowrack mit einer komplett verkohlten Leiche darin wurde auf allen Kanälen gezeigt.
Laut der Nachrichtensprecherin hatte ein Polyclub einen Anschlag auf die Scoya Familie geplant und Amber wäre Ziel dieser Ambitionen geworden.

Oft hatte sie sich in der Vergangenheit Gedanken gemacht ob es der richtige Weg war einfach abzuhauen, doch rückwirkend betrachtet war alles besser als weiterhin eine Gefangene ihres eigenen Elternhauses zu sein.
Nur dazu geschaffen um später eine möglichst mächtige und gut bezahlte Position bei Shiwase zu bekommen und doch nie etwas vom Leben gesehen zu haben außer die Wände der Arkologie.



Ein leichtes Rütteln riss sie aus ihren Gedanken und Bonnie blickte erschrocken auf Sarah hinunter, das junge Mädchen zitterte heftig und trommelte mit ihren Füßen einen schnellen Takt auf dem Boden, dann hustete sie und erbrach sich heftig.

Bonnies Gedaken waren nun wieder ganz bei Sarah und sie fokusierte sich darauf dass sie Hilfe brauchte.
Tony hatte ihr öfters von nem Typen namens Mikey erzählt, ein Schieber, Geldverleiher und Besitzer der wohl bekanntesten Bar in Tacoma.
Von ihm hatte Tony auch Bonnies neue Identität bekommen und er war es auch der Tony dafür ziemlich viel Geld abverlangt hatte.
Geld dass Bonnie ihm einst zurückzahlen wollte.
So griff sie zu ihrem neuen Comlink, einer Vorrichtung welche auf ihrem rechten Ohr plaziert wurde und suchte in ihrer Datensammlung nach Mikeys Kontakt.
Wenn ihr jemand helfen konnte dann der Ork, ein eigentlich recht geselliger und netter Typ.
Sicher hatt er eine Idee wie man schnell an Geld kommen konnte ohne sich zu prostituieren, angeboten hatte er es ihr schließlich schon mal.
"Hey Mikey, ich bins Bonnie.. ich brauch Deine Hilfe.."
"Hey Püppchen, worum gehts denn?"
"Sarah hat ne Überdosis und braucht dringend Hilfe.. sowas wie nen Entzug aber, ach fuck ich hab einfach die Kohle für sowas nicht.. kannst Du mir irgendwie helfen?"
"Mach Dir da mal keine Sorge Kleines, ich kann Dir das Geld für nen Entzug schon borgen, kenne auch nen verlässlichen Streetdoc von der Body Mall, der ist Experte für sowas.. wird allerdings ne Stange Geld kosten die ich Dir dafür borgen muss.."

"Naja.. wie stellst Du Dir vor dass ich es zurück bezahlen soll? Du weißt dass ich mich mit nem einfachen Job als Kellnerin flüssig halte und die gelegentlichen Trinkgelder machen nun nicht gerade so viel her.."

"Schonmal über nen Zuhälter nachgedacht?" Das kichern des Orks war wie ein Schlag ins Gesicht.
"War nur ein Scherz Kleines.. was weißt Du über die Schatten..?"

Ende
 
 
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