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Connor

von PeiPei
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
OC (Own Character)
18.08.2016
18.08.2016
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Mit einem Schrei auf den Lippen erwachte Connor.
Sein Atem ging stoßhaft und fast reflexartig fasste er unter sein Kissen um die geladene Colt America zu ziehen.
Erst als er das beruhigende Gewicht in seiner Hand spürte und sich seine Cyberaugen auf Restlichtverstärkung umgeschaltet hatten, wurde er sich bewusst, dass er in seinem Apartment in Everett war.

Das sonore Summen des Deckenventilators zog ihn behutsam zurück in die Realität und langsam ebbte die Panikattacke ab, doch das Bild des Blutbades hielt sich hartnäckig in seinem Hinterkopf.

Schweißgebadet stand er auf und ging auf wackeligen Beinen in Richtung Küche, wo er sich selbst eine großzügigen Menge Gin gönnte.
Nach den ersten zwei Schlucken wurde die Welt wieder klarer und seine Ängste verschwanden langsam in den Tiefen seiner Gedanken.
Die Zigarette, welche er sich ansteckte, tat ihr nötigstes um eine jämmerliche Menge an Besserungserscheinungen hervorzurufen.

Doch allen Bemühungen zum Trotz schlug die Vergangenheit ihre Klauen in seinen Verstand und er konnte nicht umhin das vor einem Jahr erlebte nochmals zu rekapitulieren...

Es war ein strahlender Sommertag wie es sie nur selten in Seattle gibt.
Die üblichen Regenwolken waren einem blauen Himmel gewichen und viele Leute nutzen diese Gelegenheit um Zoos oder Vergnügungsparks zu besuchen.

Doch nicht Connors Team, - seine Leute hatten einen Auftrag erhalten.
Eine simple Extraktion, rein und raus in 10 Minuten.
Es galt die Zielperson – einen unbedeutenden Croupier eines Casinos - zu entführen und ihn sicher am Treffpunkt abzuliefern.
Eigentlich lief alles sauber und Connor konnte sich noch genau an Lucy's Stimme erinnern als sie ihm fröhlich versicherte, dass er sich keine Sorgen machen müsse, der Johnson sei einfach nur ein Idiot gewesen und die 6k pro Person wären reines Glück.
Im Nachhinein betrachtet verfluchte sich Connor für seine schiere Blödheit.
Er hätte gleich zu Beginn bemerken müssen, dass etwas faul an der Sache war.
6k für einen so einfachen Auftrag..
Was für ein Drek!

Als sie die Zielperson am Treffpunkt – einem Parkplatz in Touristville – abgeliefert hatten und gerade dabei waren auf ihren Verhandlungspartner zu warten, fuhr plötzlich ein Minivan vor.
Schneller als Connor reagieren konnte wurde noch im Fahren die Türe aufgestoßen und aus zwei AK 97 Läufen das Feuer auf die Runner eröffnet.
Connors einziger Impuls war sich schützend vor Felicity – die Deckerin der Gruppe – zu stürzen um sie mit seinem Körper zu schützen.
Links und rechts von ihm schlugen die Kugeln in den Boden und zwei fanden auch ihr Ziel in Connors Körper.
Durch schieres Glück schafften es die Organe des Runners den nervenden Projektilen auszuweichen.

Lange blieb er auf Felicity liegen; seine Hand auf ihrem Mund, während er ihr tief in die Augen blickte und inständig hoffte sie würde ruhig bleiben und sich wie er tot stellen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit setzte sich der Wagen wieder in Bewegung und erst als die Geräusche des Vans nicht mehr hörbar waren richtete sich Connor auf.

Felicity und ihm ging es gut, doch Lucy und Makao hatten nicht so viel Glück.
Beide waren völlig zerschossen.
Ihr Lebenssaft bildete blutig Pfützen unter ihnen und die Augen waren im Moment der Panik und des Schmerzes geweitet.

Ein Bild das sich für alle Ewigkeit in Connors Gedächtnis einbrennen und ihn von Nacht zu Nacht heimsuchen sollte.

Makao war der Schamane der Gruppe und Felicity's fester Freund gewesen während Lucy sich um die Gespräche mit den Auftraggebern gekümmert hatte.
Felicity war für die Matrix und Connor für das Fahren so wie gelegentliche Schießereien verantwortlich gewesen.

Alles in Allem waren sie ein gut eingespieltes Team und kannten sich schon länger.
Felicity und Makao hatten ihn sogar auf ihre anstehende Hochzeit eingeladen.
Connor konnte sich noch gut an Felicity erinnern, die völlig aufgelöst über Makao lag und ihn immer wieder anschrie er solle endlich aufwachen.

Ein brennender Schmerz riss ihn zurück in die Realität.
Die Asche der heruntergebrannten Zigarette war gerade dabei sich munter in seinen Handrücken zu fressen, so dass er sie mit einer hektischen Bewegung fortwischen musste und dabei fast seinen teuren Gin verschüttet hätte.

Kurze Zeit später war er wieder in Gedanken versunken...
"Lucky Boy! Lucky Boy!
Ich bin so froh, dass Sie überlebt haben Mr Connor!
Nie hätte ich geglaubt dass eine gegnerische Organisation Ihnen einfach so auflauern würde um Ihnen Ihre teure Fracht abzunehmen!"

Die Stimme des Johnson überschlug sich vor Freundlichkeit und sein Blick vermittelte Besorgnis und Mitleid.
Gut gespielt...
Jedoch nicht gut genug, Connor war sich völlig im Klaren darüber, dass der Johnson ihn belog.

"Und wie genau denken Sie hat diese .. "gegnerische Organisation".. von unserem Treffpunkt erfahren?"

Connors Stimme war ruhig und gelassen, ein Zeichen das jeder aufmerksame Beobachter äußerst beunruhigend empfunden hätte.

"Nun, das kann ich Ihnen doch nicht sagen Mr. Connor, aber es lässt sich natürlich nicht ausschließen, dass jemand aus Ihrem Team für beide Seiten gearbeitet hat oder dass durch schlampige Arbeit Informationen nach außen gedrungen sind!
Was ich Ihnen aber versichern kann ist, dass die vereinbarte Summe von sechstausend Nuyen nur bei Abschluss des Runs ausgezahlt werden kann!
Da Sie es aber versäumt haben besagten Auftrag zur Zufriedenheit Ihres Auftraggebers zu beenden, muss ich Sie leider darüber Informieren dass unser Agreement hiermit null und nichtig ist."

Gut nur, dass der Johnson nichts von Felicity's Überleben wusste, denn Connor wollte sie nicht noch weiter in die ganze Sache verstricken.

"Sie möchten allen Ernstes andeuten, dass jemand in einem Team welches für fast ein Jahr intakt war eine Doppelmoral entwickelt hat, und das wegen eines so simplen Runs?"

Die Stimme des Runners war zu einem rauen Flüstern verkommen bei dem sich jedem noch klar denken Menschen die Nackenhaare gesträubt hätten.

"Nun, Sie wissen doch, dass es unter Kriminellen keine Ehre gibt Mr. Connor, Ihr Leute seid dafür bekannt, dass ihr für Geld alles tut!"

Der Johnson gestattete sich ein selbstsicheres Lächeln; sein letzter Fehler.

In diesem Moment riss Connor seine Hand nach oben und brachte die in der Armslide montierte Streetline Special zum Vorschein.

Schneller als der Johnson sein feistes Gesicht auch nur zu einem Ausdruck der Überraschung verziehen konnte hatte Connor den Abzug betätigt und die EX- Munition bohrte sich direkt in die Stirn seines Gegenübers.

Mit einem dumpfen Klatschen – wie wenn eine Melone auf harten Boden fällt - explodierte der hintere Teil des Schädeldecke und verteile die eben noch so angestrengt lügende Gehirnmasse des ehemaligen Auftraggebers auf die schönen Vorhänge des Cafés.

"Keine Ehre unter Verbrechern.."

Falls in dem fetten Johnson noch etwas lebte, waren dies die letzten Worte die er hörte.
Kurz darauf verließ Connor fluchtartig das kleine Lokal um sich mit einem Taxi auf den Heimweg zu machen.

Seine Gedanken führten ihn zurück in die Gegenwart und er fragte sich, wie es Felicity und Anna wohl ging.
Anna war seine kleine Schwester.
Sie war vor einigen Wochen von daheim abgehauen und wusste nicht wohin sie sich wenden sollte.
Da hatte er ihr einen Platz bei sich angeboten, doch die Wohnung in Everett war recht klein und nicht auf Besuch ausgelegt, so wurden sich die beiden bald zu viel.
Nach knapp 2 Wochen ging Anna ihm so auf die Nerven dass er kurzerhand bei Felicity anrief um ihr seine kleine Schwester als Mitbewohnerin aufzuschwatzen.
Und da Felicity und er inzwischen gute Freunde waren, konnte die Nächtliche seine Bitte nur schwer ablehnen.
Seitdem lebte Anna bei ihr, half im Haushalt und tat was sie konnte um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Wenn bloß die scheiß Drogen nicht wären.
Am Anfang war es noch harmloses Zeug, aber langsam glitt die Kleine immer weiter auf Bliss ab und früher oder später gab es von dem Mist kein Zurück mehr.

Connor wusste, dass er bald wieder einen vernünftigen Job brauchte um Anna entweder auf Entzug zu schicken oder aber ihr eine plausible Story zu schneidern um irgendwo ein vernünftiges Leben zu beginnen.

Er hatte sich bereits mit Felicity beraten und das Beste wäre wohl, seine Schwester einfach in einen Konzern einzuschleusen um ihr dort eine fixe Anstellung zu geben, denn wer nicht von den Drogen weg wollte, dem konnte auch kein Entzug helfen.

Doch seit er damals den Johnson gegeekt hatte sahen die Angebote schlecht aus, denn niemand wollte etwas mit einem Johnson Killer zu tun haben und nur wenige seiner Kontakte gingen überhaupt noch ran wenn er anrief.

"Suerte.. "
"Der Glückliche".. oder auch "Der, der das Glück von anderen stiehlt"
Diesen Spitznamen hatten ihm seine alten Bekannten in der Skybar gegeben seitdem er den Johnson erschossen und als einziger aus seinem Team einen gut bezahlten Run überlebt hatte.

Ein ehemaliger Bekannter ging sogar soweit, ihm zu sagen, dass es ihn ja gut erwischt hätte.
24k Bezahlung für einen einfachen Run und kein nerviges Team, mit dem er es teilen musste.
Connor war drauf und dran den Wichser hinter seinem Wagen her zu schleifen, aber der Troll war erstens zu stark für Connor und zweitens zu schwer für den Jackrabbit.

Eine bissige Bemerkung war alles was Connor blieb.
Nicht mal annähernd so befriedigend!

Mit einem großen Schluck stürzte er den Gin hinunter und erhob sich vom Küchentisch.

Irgendwas musste sich ändern und es wurde längst Zeit, dass er sein Glück wieder selbst in die Hand nahm..

Gleich morgen würde er seine alten Kontakte abklappern und sehen ob er nicht doch jemanden dazu bewegen könnte ihm noch eine Chance zu geben.

- Ende
 
 
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