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SoccerLove 3: Neuanfänge

von Skillz
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Markus OC (Own Character)
18.08.2016
30.11.2021
80
189.476
50
Alle Kapitel
352 Reviews
Dieses Kapitel
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25.11.2021 2.895
 
Kapitel 76:
Sonnenuntergänge und Spinnereien


(Deine Sicht)

Dass Leon einen zusätzlichen Ruhetag eingeplant hatte, war einerseits echt gut, weil wir alle fix und fertig nach den Fußballsquash-Disziplinen waren. Andererseits hatten wir auch nicht mehr unendlich viel Zeit. Mittlerweile war ich mir nämlich nicht einmal mehr wirklich sicher, ob wir tatsächlich noch vor unserer eigentlich geplanten Ankunft zurück wären.

Das Essen lief friedlich und mit ein paar angenehmen Gesprächen ab. Danach verabschiedeten sich manche für einen Verdauungsspaziergang, wiederum andere zogen sich in ihr Zelt zurück.

Vanessa entschied sich für einen Spaziergang, was ich als Chance nutzte, um endlich nach einem Einzelgespräch zu suchen.

Für die ersten paar Minuten stapften wir schweigsam durch den Wald, aber es war nicht unangenehm. Irgendwann suchte ich dann doch das Gespräch. ,,Bist du nervös wegen morgen?”

Vanessa zuckte mit den Schultern und lächelte. ,,Ach was, Leon und ich haben das schon hundertmal gemacht.”

,,Stimmt. Ihr beide seid unschlagbar zusammen.”

,,Und wir beide? Sind wir noch gut miteinander?”

Überrascht sah ich sie an. ,,Nessie, natürlich sind wir das. Die Reise war nur echt stressig und ich bin einfach mit den Gedanken immer ein wenig woanders.”

Kurz herrschte Schweigen, bis Vanessa wieder anfing, zu sprechen: ,,Zum Beispiel bei Leon?”

,,Und was willst du damit sagen?”

,,Sorry, das klang wirklich wie ein Vorwurf, aber ihr Zwei wirkt ein wenig … komisch drauf.”

Ich winkte ab. ,,Wir sind beide nur besorgt um das Team. Ich hab’ das Gefühl, Leon sieht mich eher als seine Sekretärin, die er herumkommandieren kann.” Gegen Ende hin wurde mein Ton ein wenig belustigend, in der Hoffnung, diesem Gespräch ein wenig Leichtigkeit zu geben. Eigentlich war nämlich das Wetter echt schön und ich hatte keine Lust, zu streiten.

,,Das tut er nicht.” Nein, das tat er wirklich nicht.

Ich räusperte mich. ,,Es ist kompliziert.”

,,Zu kompliziert, um es deiner besten Freundin zu erklären?”

Nein, so kompliziert sollte es wirklich nicht sein. Daher versuchte ich, es wenigstens ein bisschen zu erklären. ,,Albträume.”

Vanessa hielt inne. ,,Was?”

,,Es sind Albträume”, wiederholte ich und blieb neben ihr stehen. ,,Wir haben sie beide und ich glaube sie bedeuten etwas.”

Langsam drehte sich Vanessa zu mir um. ,,Also verbinden euch diese Albträume?”

,,Ja. Wir verstehen es beide noch nicht so ganz, aber ich denke, wir sollten vorerst zusammen bleiben.”

,,So etwas in die Richtung meinte Leon auch”, murmelte sie und steckte die Hände in die Hosentaschen.

,,Mach’ dir keine Gedanken, Nessie. Das wird sich schon regeln.” Ich stieß sie sachte an. ,,Du weißt, ich könnte dir deinen Romeo nie wegnehmen.”

,,Logisch gesehen weiß ich das auch. Ich bin es scheinbar nur so gewöhnt, dass er sich an mich wendet, wenn ihn etwas bedrückt.”

,,Er versteht es selbst nicht so ganz und naja, ich verstehe mich auch nicht wirklich.” Ich zögerte, weil ich nicht wusste, ob es zu viel war. Aber gleichzeitig vertraute ich Vanessa und sie verdiente es, die Wahrheit zu wissen. Ich wollte ihr kein schlechtes Gefühl geben, nur weil ich selbst Angst und Paranoia schob.

,,Ich fühle mich momentan einfach sicherer bei Leon. Ich kann’s nicht genau beurteilen, aber es ist … ein komischer Drang. Eine Vorahnung.”

,,Hast du Angst, dass dir etwas passiert?”

Ich zuckte mit den Schultern. ,,Jein. Ich … weiß es nicht.”

,,Aber kann dich denn Markus nicht beschützen?”, fragte Vanessa verzweifelt.

,,Nein. Ich meine—Ja, ich fühle mich auch sicher bei ihm, aber dieses Mal ist es etwas anderes”, erwiderte ich, auch wenn ich es nach wie vor selbst nicht so ganz begriff.

Dreifach geölte Eulenpest, wieso war das alles nur so kompliziert? Dummes Liebesdrama konnten wir nun wirklich nicht gebrauchen. Zumal ich nicht in Leon verschossen war und er genauso wenig in mich. Warum war das denn so schwierig zu begreifen?

,,Warum? Warum muss es ausgerechnet mein Freund sein?”

,,Ich weiß es nicht”, sagte ich nun etwas energischer und spürte, wie sich mein Brustkorb zusammenzog.

Ich wusste, dass Vanessa es nicht mit Absicht tat, aber gerade fühlte sich jedes einzelne Wort ihrerseits wie ein Vorwurf an. Ich vertraute nur meiner Intuition und mehr konnte ich nicht dazu sagen. Bisher hatten meine Albträume immer irgendetwas vorausgesagt oder bedeutet und darauf vertraute ich. Etwas anderes blieb mir nicht großartig übrig.

,,Er ist nicht nur ,dein Freund’. Er ist unser Anführer und hat dementsprechend auch andere Verantwortungen”, erinnerte ich sie.

Tatsächlich verstummte sie daraufhin kurz.

Dieses Mal war die Stille wirklich unangenehm. Immerhin wollte ich sie nicht für ihre Gefühle zurechtweisen. Ich konnte sie nachvollziehen, aber meine Gedanken und Sorgen hatten ebenso ihre Daseins-Berechtigung.

,,Außerdem hat mich Leon darum gebeten, in seiner Nähe zu bleiben”, meinte ich, ,,Es kommt nicht nur von meiner Seite aus. Er spürt es auch.”

,,Spürt was? Das etwas zwischen euch ist?” Vanessa seufzte frustriert. ,,Aylin, das wirkt so komisch. Ich mag das überhaupt nicht. Wie ginge es dir damit, wenn ich die ganze Zeit mit Markus tuscheln würde?”

,,Ich vertraue euch beiden. Ihr seid immerhin Freunde und habt somit absolut das Recht, auch alleine zu reden”, verteidigte ich mich. Aber ob ich das nur so sagte, weil ich mich selbst nicht in dieser Situation befand? Zu viele Fragen, zu wenige Antworten. Oh, wie ich das einfach nur hasste.

,,Das sagt sich so leicht. Du solltest sehen, wie Leon dich anschaut.”

,,Er ist nur besorgt.”

,,Ja, aber wieso ist er so viel besorgter um dich als um mich?”

Ich gab einen frustrierten Laut von mir. ,,Ich hab’s dir doch schon gerade erklärt. Es ist anders als du denkst.” Ob sie bereits vergessen hatte, dass Leon Volleypässe nur ihretwegen verlegt hatte?

Ich wollte meine Gedanken laut aussprechen, aber Vanessa redete bereits weiter. ,,Deine Erklärungen machen aber keinen Sinn.”

,,Du willst mir auch einfach nicht vernünftig zuhören.”

,,Also ist es meine Schuld?”

,,Nein, ist es nicht. Nicht wirklich.” Energisch schüttelte ich den Kopf.

Okay. Ruhe bewahren. Sich mit ihr darüber zu zoffen, brächte wahrscheinlich sowieso nichts. Sie dachte nicht klar und um ehrlich zu sein, konnte man das von mir auch nicht gerade wirklich behaupten.

,,Aber genauso wenig ist es meine Schuld”, verteidigte ich mich dennoch. So ganz ließ ich sie dann doch nicht über mich fahren.

,,Lass gut sein, Aylin.” Sie drehte sich weg und stapfte weiter.

,,Vanessa, vertraust mir gar nicht?”

Kurz hielt sie an und atmete tief durch. ,,Ich weiß momentan überhaupt nicht, was ich tun soll.” Sie verschränkte die Arme. ,,Vielleicht war dieses ganze Soccer-Hunting auch ein einziger Fehler.”

Ich schüttelte enttäuscht den Kopf. ,,Du kannst jederzeit mit mir reden”, flüsterte ich, bevor ich mich umdrehte und mit schwerem Brustkorb auf den Rückweg machte.





Ich kroch gegen Nachmittag zu Juli ins Zelt, der wieder über seine Karten gebeugt war. ,,Machst du jemals eine Pause?", fragte ich belustigt.

,,Wieso? Das ist doch mein Hobby", entgegnete Juli frech.

,,Du musst dich mehr ausruhen. Du bist schon die ganze Reise über gestresst", tadelte ich ihn.

Juli seufzte ergeben. ,,Ja, ich bin ziemlich fertig. Kein Wunder hat mich Leon aus Fußballsquash gestrichen. Ich hätte wohl ziemlich mies gespielt."

,,Er hat dich gestrichen, weil er sich Sorgen um dich gemacht hat." Tröstend drückte ich Julis Schulter. ,,Es waren ziemlich anstrengende Tage für dich. Du solltest dich nochmal aufs Ohr hauen, bevor wir weiterziehen."

Widerwillig nickte Juli. ,,Hast ja Recht."

Ich verließ das Zelt wieder und lächelte, als ich Markus sah.

,,Hey", begrüßte ich ihn möglichst gut gelaunt. Ich wollte mir nicht allzu viel von der vorherigen Unterhaltung zwischen Vanessa und mir anmerken lassen.

,,Irgendetwas ist mit dir."

Und wie immer konnte dieses Alien meine Gedanken lesen. Dafür, dass ich mich so mit meiner Intelligenz brüstete, war es ziemlich blöd von mir, ständig zu versuchen, etwas vor ihm zu verheimlichen.

,,Bin gestresst."

Markus nickte verständnisvoll. ,,Naja, wir sind ja schon fast am Ziel. Dann gewinnen wir das Turnier und dann …"

,,Und dann?" Unsicher sah ich ihn an.

Markus seufzte bloß. ,,Keine Ahnung." Er hockte sich auf ein Stück Gras und klopfte neben sich.

Ich setzte mich neben ihn und schlüpfte unter seinen Arm, ehe ich meinen Kopf auf seiner Schulter platzierte. Er roch nach Wald, Dreck und Schweiß. Scheinbar hatte nicht mal sein Kuschelweich-Weichspüler der Natur standgehalten. Es tat trotzdem gut, sich gegen ihn zu lehnen.

,,Der Sonnenuntergang ist echt schön”, sagte Markus, während er dabei zusah, wie die Sonnenstrahlen den Himmel in ein Meer aus Orange- und Rottönen verwandelte.

,,Seit wann so sentimental?", neckte ich ihn und stupste mit der Nase gegen seinen Kiefer.

,,Seit mir so richtig klar geworden ist, dass das hier unser allerletztes gemeinsames Abenteuer sein wird."

,,Krokodilstränen Sintflut. Hör’ auf oder ich weine sonst wirklich."

,,Ist doch okay. Ich hab' auch schon oft vor dir geheult."

Ich lächelte etwas gezwungen. ,,Es gibt für alles einen Ort und eine Zeit."

,,Wenn ihr beide mit eurem Geflirte fertig seid, könnt ihr mir dann auch mal beim Aufbau vom Lagerfeuer helfen?", beschwerte sich Nerv, dem das Holz bereits aus den Armen fiel.

Sogleich stand ich auf und half ihm dabei, die Äste einzusammeln. Ich hatte schon eine Weile kein Feuer mehr entfacht, daher übernahm ich die Aufgabe, das Essen für heute Abend zu grillen.

,,Ruht euch alle gut aus. Morgen geht’s an die letzte Disziplin”, merkte Leon an, ,,Danach brauchen wir noch ungefähr einen Tag, um nach Grünwald zu kommen.”

,,Ich hab’ mir auch mal das Turniersystem durch den Kopf gehen lassen”, sprach ich bei der Gelegenheit an. Ich holte meinen Notizblock hervor und drehte ihn zu den anderen. ,,Wie Gonzo bereits verraten hat, werden wir Drei gegen Drei spielen.”

Ich riss zwei Blätter aus meinem Block und legte sie nebeneinander. ,,Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass wir entweder drei oder sechs Runden insgesamt spielen. Da es quasi die Endstation von diesem Turnier ist, setze ich darauf, dass es wohl eher sechs Runden sind.”

,,Und wieso sechs?”, fragte Juli.

,,Das System ist ein bisschen … ungewöhnlich. Normalerweise spielt man Turniere nicht so, aber wir sind nur vier Teams, die nochmal aufgeteilt werden”, erklärte ich, ,,Wahrscheinlich treten die Verlierer aus den ersten beiden Runden an, um ins Halbfinale zu kommen. So weit alles klar?”

Die anderen nickten.

,,In der ersten Hälfte des Halbfinales spielen die Gewinner aus den ersten beiden Runden. Der daraus resultierende Verlierer spielt gegen den Gewinner, der das Spiel in der dritten Runde für sich entschieden hat. Entweder gibt es dann ein Rematch oder der Verlierer aus einer der ersten beiden Runden schafft es noch ins Finale”, schloss ich meine Erklärungen ab, ,,So wäre es zumindest am fairsten.”

,,Okay, also stellen wir uns darauf ein, dass wir sechs verschiedene Dreierteams brauchen?”, hakte Leon nach.

Zögerlich schüttelte ich den Kopf. ,,Um ehrlich zu sein, klang es ein bisschen so, als hätten wir nur ein Stammteam mit drei Leuten. Es wäre unfair, wenn wir ständig wechseln könnten, weil die Gossip Girls insgesamt nur fünf Leute haben.”

,,Auch wieder wahr”, stimmte Raban zu, ,,Also suchen wir drei Stammspieler aus?”

Ich nickte. ,,Auch wenn ich davon ausgehe, dass wir ein paar Auswechselspieler haben dürfen. Gehen wir auf Nummer Sicher und überlegen uns schon mal gute Kombinationen.”

,,Kannst du dafür nicht unsere Statistiken einfach abgleichen?”, fragte Joschka.

Ich biss mir auf die Unterlippe. ,,Bisher mussten wir bei diesem Turnier immer ziemlich flexibel sein, deswegen würde ich nur lose Team Möglichkeiten aufstellen, die wir jederzeit umtauschen können. Ich denke nicht, dass wir dieses Mal strikt nach Zahlen gehen sollten.”

,,Okay, wenn du meinst”, sagte Leon und schaute sich um.

,,Wirst du uns einteilen, großer Anführer?”, neckte Klette.

,,Ich habe schon ein paar Ideen”, bestätigte Leon und tippte sich ans Kinn. Er runzelte die Stirn und ließ nochmals seinen Blick hin und her schwenken. ,,Ich überleg’s mir aber nochmal richtig und dann stimmen wir mehrheitlich darüber ab, okay?”

Wir gaben uns damit zufrieden und zerstreuten uns wieder.

Allerdings hielt mich Leon auf. ,,Aylin. Auf ein Wort.”

Ich nickte. Ich war bereits davon ausgegangen, dass er mit mir nochmal über das Turnier sprechen wollte. Wir nahmen unsere Plaketten und leuchteten damit den Weg in den Wald, allerdings wollten wir uns auch nicht zu weit von den anderen entfernen. So ganz war mir ja nicht wohl in der Dunkelheit.

,,Also du wolltest übers Turnier reden, stimmt’s?”, fragte ich irgendwann in die Stille, weil Leon bisher noch keine Anstalten gemacht hatte, irgendein Thema anzuschneiden.

Er stoppte abrupt und drehte sich zu mir um. Dann fasste er mir an die Schulter. ,,Bitte spiel mit mir Volleypässe morgen.”

Meine Augen weiteten sich. ,,Was?”, flüsterte ich, ,,Leon … Das kannst du nicht machen. Vanessa—”

,,Ich will, dass sie im finalen Turnier spielt”, unterbrach er mich, ,,Sie ist die beste Mittelfeldspielerin von uns. Ich denke sie und Maxi funktionieren in der Kombination am besten.”

Ich konnte nicht verneinen, dass die beiden eine starke Mischung waren. Fehlte nur noch ein Experte in der Verteidigung. Vielleicht Juli oder Klette. Ich persönlich wäre lieber ein Auswechselspieler. Vielleicht könnte ich mich auch dieses Mal einfach nur auf die Strategien konzentrieren.

Dennoch zögerte ich. War es wirklich okay, so kurzfristig die Pläne zu ändern? Sicher, wir hatten schon einige spontanere Entscheidungen während dieses Events getroffen, aber irgendwie ging mir das gerade ein wenig zu schnell.

,,Außerdem”, sprach Leon weiter, ,,habe ich das Gefühl, dass wir beide morgen zusammen spielen sollten.”

Ich runzelte die Stirn. ,,Hattest du wieder einen Albtraum?”, fragte ich vorsichtig.

Leon zuckte etwas ertappt zusammen, nickte dann jedoch.

,,Dann rede mit Vanessa darüber. Aber du kannst so etwas nicht eigenmächtig entscheiden.”

,,Ich werde es ihr morgen sagen, aber wir haben keine Zeit, so etwas lang und breit zu entscheiden. Ich weiß, dass es richtig so ist.” Er lehnte sich zurück. ,,Außerdem haben wir in diesem Turnier schon so oft spontane Entscheidungen getroffen. Warum sollte das jetzt ein Problem sein?”

,,Vanessa und ich haben vorhin gestritten.” Meine Stimme klang schwer. Ich konnte regelrecht spüren, wie es mir die Kehle zuschnürte. Schuld war wirklich ein ätzendes Gefühl.

,,Wieso?”

,,Weil sie glaubt, dass wir beide etwas füreinander empfinden.”

,,Aber das ist doch lächerlich.”

,,Hab’ ich ihr auch gesagt, aber sie hat nur davon geschwafelt, dass du mich lieber beschützst als sie und mich anschaust und keine Ahnung. Sie hat wirres Zeug gefaselt.”

,,Kacke Verdammte, das hat sie echt missverstanden.” Leon seufzte schwer. ,,Ich rede mit ihr nochmal darüber, aber du musst dir keine Schuld dafür geben. Diese ganze Reise hat uns allen ein bisschen die Nerven geraubt.”

,,Ja, das hat sie”, gab ich bedrückt von mir und starrte zu Boden, ,,Wir kennen uns nur schon so lange und es tut weh. Ich verstehe nicht, wie sie mir so misstrauen kann.”

,,Gefühle machen wirklich keinen Sinn. Ich glaube, sie weiß eigentlich, dass ihre Sorgen unbegründet sind, aber Eifersucht kann man nicht so einfach aushebeln.”

Ich nickte, allerdings biss sich noch immer dieses elendige Feuer durch meinen Magen. ,,Ich wünschte nur, ich könnte besser erklären, warum die Dinge gerade so sind wie sie sind.”

Leon legte die Hand auf meine Schulter. ,,Ja, ich weiß, was du meinst.” Schief grinste er mich an. ,,Was, wenn wir Zwei wirklich einfach nur spinnen?”

Ich gluckste. ,,Immerhin wäre das etwas, worüber wir nach dem Turnier lachen könnten.”

Ernst blickte mich Leon an. ,,Wir haben immer noch nicht die Frage geklärt, ob du mit mir morgen Volleypässe spielst.”

,,Ich ... kann nicht.”

,,Sagt dir das dein Gewissen? Oder deine Intuition?”

Ich schloss meine Augen und atmete tief durch. Insgeheim wusste ich schon, dass meine Intuition dafür plädierte, Leons Aufforderung nachzukommen. Aber wäre es nicht auch Betrug an Vanessa?

Nein. Das hier war nur eine weitere Soccer-Hunting Disziplin. Sie spielte auch immer wieder mit anderen Leuten aus dem Team. Hier ging es darum, was auch fürs Allgemeinwohl besser war. Oder?

,,Leon, ich weiß nicht. An sich würde ich schon, aber …”

,,Ich werde das mit Vanessa schon klären. Mach dir keine Gedanken darüber.”

Ich schluckte schwer und fasste mir ein Herz. ,,Okay”, flüsterte ich schließlich, ,,Lass uns morgen zusammen spielen.”

,,Danke.” Leon zögerte, bevor er einen Schritt auf mich zukam. ,,Brauchst du eine Umarmung?”

,,Du siehst nicht wie der Typ für Umarmungen aus.”

,,Ist eigentlich ganz nett jemandem im Arm zu halten, wenn es einem mies geht”, gab Leon zu, ,,Ich persönlich könnte ganz gut eine vertragen.”

Ich schniefte und lachte etwas verzweifelt, bevor ich die Arme um ihn schlang. Leon erwiderte die Geste und zog mich etwas dichter heran, ehe wir beide in der Stille des Waldes standen und nur unserem gegenseitigen Atem lauschten.

Die Umarmung war anders als die, die ich mit Juli und Markus teilte. Sie war innig, ja, aber tröstend und nicht wirklich freudig. Leon zitterte selbst und das nicht vor Kälte, das wusste ich.

Er hatte Angst. Genauso wie ich.

,,Ich weiß nicht, ob ich der Aufgabe gewachsen bin, ein Anführer für so ein Turnier zu sein", murmelte Leon.

,,Bisher hast du's gut hinbekommen. Du passt gut aufs Team auf", tröstete ich ihn und fuhr über seinen Rücken.

Ob ihm das jemand mal gesagt hatte? Denn Leon hatte in meinen Augen bisher wirklich gute Arbeit geleistet und während er alle lobte, hatte er möglicherweise selbst nicht allzu viel Zuspruch erhalten.

,,Danke."

Wir standen noch für ein paar Minuten so da, bis der Wind uns eiskalt erwischte. Langsam ließen wir voneinander ab und lächelten uns gegenseitig müde an.

Leon nickte Richtung Lager. ,,Lass uns zurückgehen. Morgen wird ein langer Tag."

Ich lächelte etwas gequält. ,,Worauf du Gift nehmen kannst."
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