Ein Song für dich

von muckiiiii
GeschichteHumor, Romanze / P18
Florian David Fitz OC (Own Character)
16.08.2016
07.11.2016
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Mein Name ist Emma Evers. Ich bin 31 Jahre alt und vor wenigen Monaten von Berlin nach München gezogen.
Warum genau weiß ich selbst nicht so recht. Ich brauchte vermutlich einfach einen Tapetenwechsel.
Nach einer unbeschwerten Kindheit in einer Kleinstadt am Bodensee verbrachte ich meine Zeit in Berlin.  Habe dort mein Abitur gemacht, studiert und bei einer großen Plattenfirma meine Karriere begonnen.  
Ich habe mich lange Zeit damit über Wasser gehalten, Werbejingles zu komponieren. Nach einer Weile mittelklassige Künstler zu produzieren.  Nie jedoch habe ich aufgehört „richtige“ Musik zu schreiben.  Nach und nach fand das Anklang und ich habe für die verschiedensten Künstler getextet, komponiert, produziert.  Irgendwann konnte ich die mittelklassigen Künstler sein lassen. Und inzwischen habe ich das Glück nur noch das zu machen was ich will.  Keine Jingles mehr, keine Kackmusik mehr. Ich schrieb wonach mir der Sinn stand. Manchmal gab ich die Stücke frei, Interpreten feierten große Erfolge damit, und ich verdiente sehr gutes Geld daran, da ich mich selbstverständlich immer am Gewinn beteiligen ließ. Oft kamen auch Künstler zu mir, die meine Hilfe benötigten bei eigenen Stücken,  bei deren Fertigstellung oder Arrangement sie nicht weiterkamen. Immer jedoch, schrieb ich auch meine ganz eigenen Songs. Diese jedoch bekam die Öffentlichkeit nie zu hören. Niemals hätte ich einen dieser Songs jemandem „verkauft“. Das liest sich bestimmt so, als hätte ich das unbeschwerteste Leben überhaupt. Doch so ist es nicht.  Obwohl ich nicht diejenige war, die im Rampenlicht stand und durch Europa gejagt wurde um die Songs zu promoten,  so war ich inzwischen trotzdem gefangen in diesem Strudel.
Mein Leben spielte sich fast ausschließlich in Tonstudios ab. Ich schrieb immer und überall. Wenn ich in einem Café saß um den Kopf freizubekommen, ging ich mit mindestens 5 vollgeschriebenen Servietten wieder raus, um sofort zurück ins Studio zu gehen um dort aus den Notizen einen Song zu basteln.

Ich galt inzwischen als eine der besten Songwriterinnen und Produzentinnen Deutschlands. Auch europaweit hatte ich mir einen Namen gemacht. Fast jeder in der Branche kannte meinen Namen, nur die wenigsten mein Gesicht.
Das einzigste, was die Hörer der aus meiner Feder stammenden Musik von mir sahen, war ein Pseudonym das aus rechtlichen Gründen auf den betreffenden Tonträgern zu finden war.
Und wisst ihr was? Das war so genau richtig. Wie oft hörte ich die Frage  „warum singst du deine Musik nicht selbst? Du hast eine unglaubliche stimme?“ „warum lässt du andere den Ruhm für deine Arbeit kassieren?“ warum? Ganz einfach.  Weil ich das nie wollte.  Ich wollte mein Leben lang Musik machen.  Und genau das tat ich. Ich verdiene sehr viel Geld,  brauche mir nie wieder Gedanken um Miete oder die Stromrechnung machen. Und doch muss ich mich dafür nicht von hysterischen Fans oder aufdringlichen Fotografen durch die Stadt jagen lassen. Meine eigene Musik singe ich regelmäßig im Studio mit meinem Team ein. Und ich liebe es.

So, wie war ich also in München gelandet wollt ihr sicher wissen?  

Ich arbeitete auch in Berlin schon einige zeit selbstständig.  Wenn ich ein Studio brauchte, mietete ich mich in eins ein und machte mich dort wochenlang mit meinem Team breit. Irgendwann kam in mir der Wunsch nach einem eigenen Studio auf. Ich wollte nicht mehr ständig irgendwelchen Leuten Geld in den Rachen schmeißen, um ihnen dann, wenn die Musik dann veröffentlicht und gewinnbringend war, noch mehr Geld in den Rachen zu schmeißen.  Ich und Phil, mein bester Freund/engster Vertrauter/mein Tontechniker sahen uns unzählige Immobilien an. Und es hat einfach nie gepasst. Zu klein, zu groß, falscher Stadtteil usw. Irgendwann abends, als Phil und ich bei mir zu hause saßen um die nächsten Tage zu planen, schlug er mir vor, dass ich ihn nach München begleiten solle. Er hatte da einige Termine und wollte dann ein paar freie Tage in seiner Heimat verbringen.
Ich war erst skeptisch.  Wusste ich doch am besten, wie sehr er sich diese freien Tage mit seinen Freunden und seiner Familie verdient hatte. War ich doch der Grund warum er so selten Zeit hatte nach Hause zu fahren.
Nach langem hin und her hatte er mich dann aber von der Genialität seiner Idee überzeugt und wir verbrachten einige tolle Tage in der Stadt.  
Ich war verliebt.  Nein nicht in Phil oder einen heißen Münchner. Sondern in München selbst. Es ging mir gut dort. So entstand die irre Idee auch in München nach einer geeigneten Immobilie zu schauen. Und es sollte wohl so sein. Schneller als erwartet hatte ich eine perfekte Immobilie gefunden, die für ein gesamtes siebenstelliges Jahreseinkommen in meinen Besitz wechselte. Ich wohnte und arbeitete von nun an unter einem Dach. Alles Geschäftliche wurde schnell nach München verlegt und dank Phils guter Kontakte in der Stadt hatten wir schnell einige hervorragende Studiomusiker in unserem Team. Bald aber merkte ich, dass ich mir schwer tat abzuschalten.  Immer öfter saß ich bis spät abends im Studio. Weg ging ich kaum bis niemals. Phils versuchte oft mich aus meinem Keller zu locken. Jedoch mit mäßigem Erfolg.  Und irgendwann kam der besagte Tag, an dem ich beschloss wieder am Leben Teil zu nehmen. Nicht mehr nur zu arbeiten.

Zurück also an den Nachmittag an dem ich in meinem KingSize Bett liege.
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