Ein Song für dich

von muckiiiii
GeschichteHumor, Romanze / P18
Florian David Fitz OC (Own Character)
16.08.2016
07.11.2016
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Immer und immer wieder spielte ich die letzten Töne. Und mit jedem mal gefiel mir das gehörte noch weniger. Mit jedem mal hämmerten meine Finger aggressiver auf die Tasten. Was sich in meinem Kopf lieblich, verträumt und gefühlvoll anhörte, klang in diesem Moment tatsächlich viel mehr wie die musikalische Untermalung eines schrecklich sadistischen Mordes in einem mittelklassigen Horrorfilm..........Abrupt stoppte ich. Erhob mich von der Klavierbank und klappte energisch die Abdeckung der Tasten zu. Unentschlossen stand ich da. Inmitten meines Kellers, welcher in den letzten Monaten zu einem ansehnlichen und ausgewachsenen Tonstudio geworden ist. Vielmehr aber noch zu meinem persönlichen Verlies. Ja, ich verbrachte zu viel Zeit hier unten. Viel zu viel Zeit. Automatisch streifte mein Blick zu dem Tisch,  der am anderen Ende des Raumes stand. Darauf mein aufgeklapptes MacBook. 3.56 Uhr. Fuck.Ich ließ genervt den Kopf in den Nacken fallen und atmete ein paarmal tief ein und aus.Es war doch zum verrückt werden. Ich tapste vorsichtig durch den dunklen Raum, der nur durch die Beleuchtung des Pools draußen im Garten in ein schummriges Licht gehüllt war. Im vorbeigehen klappte ich besagtes MacBook zu und stieg erschöpft die Marmortreppe zum Erdgeschoss hoch. Bei jedem Schritt hallte ein patschendes Geräusch durch den kahlen Flur, welches meine nackten Füße auf dem kalten Stein erzeugten. Oben angekommen ließ ich kurz meinen Blick durchs Wohnzimmer wandern. Meine Güte, wie lange hatte ich hier schon nicht mehr gesessen? Es sah gänzlich unbewohnt aus. Und genau das war es im Grunde auch. Ich musste mir mehr Freizeit gönnen. Mehr zeit für Mich. Für Freunde. Für Familie. Ein leises, verächtliches Lachen entkam meiner Kehle. Schnellen Schrittes ging ich durch das Zimmer, stieg die Treppe ins obere Stockwerk hinauf und ging in mein Schlafzimmer. Im vorbeigehen sah ich die Benachrichtigungsleuchte meines Handys, welches auf dem Nachttisch lag, blinken. Ich schnaubte kurz und ging ins angrenzende Badezimmer. Während ich meine Zähne putzte, mein Gesicht wusch und mich eincremte vermied ich es zuerst ganz bewusst in den Spiegel zu sehen. Wusste ich doch ganz genau welcher Anblick sich mir bieten würde.Dennoch trat ich einen Schritt vom Waschtisch zurück, streifte die kurze Shorts ab und schmiss sie in den Wäschekorb. Nur noch mit Panty und einem weißen Tanktop bekleidet ging ich zurück ins Schlafzimmer, schaltete das Licht ein und stellte mich mit hängenden Schultern vor den großen, bodentiefen Spiegel."Wow, siehst du beschissen aus" flüsterte ich zu mir selbst. Tiefe Augenringe schmückten mein Gesicht. Meine großen, braunen Augen selbst starrten mir matt, müde und traurig entgegen.  Jeglicher Glanz darin war weg. Verschwunden. Meine Wangen waren schmal geworden. Meine Lippen trocken, und mein Mund ließ sich nur sehr schwer dazu bewegen, mir selbst ein Lächeln zu schenken. Meine hüftlangen, schwarzen Haare lagen in einem vogelnestartigen, wilden Dutt auf meinem Kopf. Viele Strähnen hatten sich daraus gelöst und hingen wild um mein Gesicht. Meine Taille war ein bisschen weniger kurvig geworden,  mein Bauch noch flacher und wenn mich nicht alles täuscht, waren sogar meine Brüste etwas weniger geworden. Alles in allem war ich einfach.....nunja....weniger. Selbst meine für eine 31jährige eh schon fragwürdige Körpergröße von unglaublichen 157cm kam mir in diesem Moment noch kleiner vor.Ja, es war nicht mehr viel von mir übrig. Das wurde mir in dieser Nacht zum ersten Mal so bewusst. Es ging nicht nur um Äußerlichkeiten. Ich war nie sonderlich eitel. Hatte nie Probleme damit auch mal ungeschminkt das Haus zu verlassen. Aber dennoch mochte ich es hübsch auszusehen, mich zum ausgehen in ein hübsches Kleid zu zwängen und ja, auch ich genoss es Komplimente zu bekommen. Obwohl es sich ab einem gewissen Alter auch einfach nicht mehr wirklich wie ein Kompliment anfühlt wenn man immerzu "süß" und "niedlich" genannt wird. Die kleinen unter euch werden dieses Phänomen bestimmt kennen. ist es nicht furchtbar nervig??

Da drückst du deinen kurzen Körper in ein enges Kleid, deine Brüste in einen unbequemen PushUp, deine Füße in tödliche Waffen in Gr. 36 und alles was du zu hören bekommst ist süß und niedlich. So, jetzt bin ich vom Thema abgekommen, Mädels. Entschuldigt.Da stand ich also noch immer in meinem Schlafzimmer, mich im Spiegel betrachtend. Ja, bei mir hatte das Kindchenschema voll zugeschlagen. Große Kulleraugen, kleines Näschen, volle Wangen, symmetrische Lippen. Und mein langes Haar, welches die kreativsten meiner Leute immer wieder dazu bringt mich Schneewittchen zu nennen. Im Moment sah ich aber wie eine ziemlich abgefuckte Version von Schneewittchen aus. Ich musste bei dem Gedanken kurz grinsen.Ein paar Sekunden betrachtete ich mich noch. Dann ließ ich mich erschöpft und müde ins Bett fallen. Und noch während ich in den wohlverdienten und längst überfälligen Schlaf abdriftete, fasste ich einen Entschluss.Als ich die Augen aufschlug musste ich mich erstmal sammeln. Ich fühlte mich ausgeschlafen. Und dieses Befinden war mir äußerst suspekt. Hatte ich mich so doch schon lange nicht mehr gefühlt. Vorsichtig,  ja beinahe ängstlich griff ich nach meinem Handy. Ein Blick darauf und kurze Panik überkam mich. Ich saß senkrecht im Bett. Doch dann besann ich mich. Rutschte wieder entspannt zurück in die weichen Kissen meinen KingSize Bettes und erinnerte mich an den Entschluss den ich gefasst hatte. 14.23 uhr. Bwaaahaaahaaaa!45 WhatsApp Nachrichten von 32  verschiedenen Kontakten. 137 E-Mails und 83 verpasste Anrufe. Ich lachte hysterisch auf. "Ja seid ihr denn alle nicht ganz dicht" lachte ich und legte das Handy zurück auf den Nachttisch. Ihr seid überrascht?  Jahaaa das bin ich auch. Normalerweise wäre ich schon mindestens 8 Stunden auf den Beinen, hätte noch keine Zeit gefunden etwas zu essen uns wäre mit den Nerven bereits am Ende.Aber nicht heute. Und auch nicht morgen. Ich werde einen Gang zurück schalten. Wieder leben. Wieder Spaß haben.Und als allererstes, meine lieben Leserinnen, werde ich euch erzählen wessen verrücktes Leben ihr hier verfolgt. Denn ich weiß ja nicht ob es euch aufgefallen ist, aber ich habe euch bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal verraten wer ich bin ;)
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