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GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Charlie Bucket Grandpa Joe Mr. Bucket Mrs. Bucket Oompa-Loompa Willy Wonka
16.08.2016
16.01.2017
32
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Das steppende Geräusch von Absätzen schallte in dem langen Gang. Der Besitzer der Schuhe schritt mit gemächlichem Tempo voran zu einer Tür am Ende des Ganges. Sein Gesichtsausdruck war beinahe blank, bis auf das winzige Schmunzeln, das die Winkel seiner Lippen zierte. Als er sein Ziel erreichte, klopfte er leicht gegen die kastanienbraune Tür, mit jeweils einem großen silber ,,C" & ,,B" daran zu sehen. Ein gedämpftes ,,Komm rein" war dahinter zu hören. Der Mann öffnete die Tür & fand seinen jungen Lehrling an seinem Schreibtisch, der rabiat Aufzeichnungen von seinem Blatt radierte.

Willy Wonka lief auf ihn zu, stellte sich an seine Seite & betrachtete das Mathe-Problem, welches Charlie Bucket sichtlich zu verwirren schien.

Charlie murmelte vor sich hin & blickte nicht einmal zu Wonka, um ihn mit einem richtigen ,,Hallo" zu begrüßen. Sein Bleistift schrieb erneut Zahlen, als er versuchte das Problem zu überarbeiten.

,,Zwölf", sagte Wonka höflich.

,,Was?"

,,X ist gleich zwölf."

Charlie setzte die Antwort des Chocolatiers in die Gleichung ein & löste sie auf. Der Mann hatte tatsächlich recht.

,,Hah! Ist das nicht großartig", kicherte Wonka.

,,Ich habe daran bereits zehn Minuten gesessen. Wie kann es sein, dass Sie es in nur drei Sekunden gelöst haben?" Charlie sah zu ihm auf.

Wonka zog  eine Augenbraue hoch & lächelte, offensichtlich stolz auf sich selbst. Charlie schmiss seinen Bleistift aus der Hand & lehnte sich weg von seinen Hausaufgaben.

,,Ich wollte dich zum Abendessen mitnehmen", sagte Wonka.

,,Sie können ohne mich gehen. Ich habe immer noch viel mehr bis morgen zu machen."

,,Ohne dich?"

,,Ja."

,,Aber ...", Wonka gesellte sich fast jeden Abend zum Abendbrot mit den Buckets, seitdem sie nun in die Schokoladenfabrik gekommen sind. Dennoch fühlte er sich immer noch jedes mal ein kleines bisschen nervös, wann immer sie beisammen saßen. Das ganze Konzept einer richtigen Familie sank immer noch recht langsam in ihn hinein, obwohl sie nun schon einige Jahre hier lebten. Und dass er jetzt auch noch alleine gehen sollte, um mit der Familie des Jungen zu essen, ließ ihn sich nur noch unwohler fühlen. ,,Ok. Ich sag's deinen El- ..." Das bekannte lustige Geräusch war zu hören, als Willy versuchte das Wort ,,Eltern" zu sagen.

,,Eltern", sagte Charlie leicht genervt.

,,Richtig. Ich sage ihnen dann, dass du später kommst."

Charlie wandte sich wieder seiner Arbeit zu.

Wonka verzog sein Gesicht bei Charlies Verhalten & schritt leise & schnell aus dem Zimmer.

***

Die krumme Tür flog praktisch nach innen auf, als der Candyman in das heruntergekommene Haus glitt. Der Geruch von gekochtem Essen & die hellen, freundliches Gesichter der Bucket-Familie hießen ihn willkommen.

,,Guten Abend, Willy", sagte Mrs. Bucket & bot ihm einen Stuhl an.

,,Danke." Er nahm seinen traditionellen Platz zwischen Großmutter Josephine & Großmutter Georgina ein. ,,Charlie wird etwas später kommen. Er erledigt noch seine Hausaufgaben."

,,In Ordnung. Ich denke wir fangen trotzdem schon an", sagte Mrs. Bucket.

Das Klirren von Silberware auf den Tellern war im Raum zu hören. Gespräche sind schnell entstanden aber Willy Wonka blieb sonderbar ruhig. Für gewöhnlich brodelte er nur so vor Gerede aber das war auch nur, wenn Charlie dabei war. Charlies Präsenz, egal wo sie waren, ließ ihn sich immer wohl fühlen. Das war eine Erkenntnis, die er bis jetzt sonst noch nie vorher hatte.

Die Tür schwang nach innen & Charlie trat hinein.

,,Hallo, alle zusammen", sagte er in einem fröhlichen Ton. Ganz anders als mit dem, den er bei Wonka vor dem Abendessen benutzt hatte.

,,Hi, Charlie! Hallo, Liebling", waren einige der Abendgrüße, die er bekam.

Er nahm seinen Platz diagonal gegenüber von Wonka ein, welcher sich nun vollkommen erleichtert fühlte.

***

,,Gute Nacht, Jungs", rief ihnen Mrs. Bucket von der Tür nach.

Wonka & Charlie winkten daraufhin, als sie ihren Weg zum Glasfahrstuhl fortsetzten.

Sie gingen hinein, Wonka drückte den Knopf für die Etage ihrer Zimmer. Der Fahrstuhl kam sofort zum Leben & flog sie beide davon. Sie schwiegen voreinander hin, als die Räume vorbeisausten. Charlie bereute es, dass er in letzter Zeit so wenig Interesse an Wonka zeigte. Es war nicht seine Absicht.

Der Fahrstuhl stoppte & die Türen öffneten sich. Wonka ging als erster hinaus, Charlie folgte ihm kurzerhand.

,,Mr. Wonka?"

,,Hmm?"

,,Es tut mir leid, dass ich vorhin so grob war."

,,Oh?"

,,Es ist nur, dass ich eine ganze Menge Hausaufgaben hatte ... und ich hasse Mathe."

Wonka lächelte. ,,Es ist alles okay." Er griff in die innere Tasche seiner Jacke & brachte ein rotes, rundes Objekt hervor. Er steckte es in seinen Mund & Charlie beobachtete ihn, als er begann daran zu lutschen. Seine Wangenknochen waren klar hervorgehoben als er seinen Gaumenstopfer genoss. Charlie beobachtete ihn konzentriert & als ob er seinen Blick spüren konnte, wandte Wonka seinen Blick zu ihm.

,,Willst du einen?"

Charlie wunderte sich, ob es der aus Wonkas Mund sein würde, wenn er ja sagte.

,,Klar."

Charlie war irgendwie dankbar aber auch enttäuscht zugleich, als Wonka ihm einen neuen aus seiner Jacke präsentierte. Charlie bedankte sich, nahm ihn & steckte ihn in seinen Mund.

Wonka begleitete Charlie noch zu seinem Raum & wünschte ihm dann eine gute Nacht. Charlie blickte dem Chocolatier hinterher & wartete, bis er um die Ecke verschwand, bevor er seine Tür öffnete.

Charlie lutschte den Gaumenstopfer etwas stärker als zuvor & Wonkas Worte waren tatsächlich wahr; er wurde niemals kleiner.
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