Dear Diary ... [Projekt]

GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16
OC (Own Character) Scarecrow / Dr. Jonathan Crane
14.08.2016
23.05.2020
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23.05.2020 534
 
24.11.2016


Hallo.

Ich habe einige Tage aussetzen müssen, aber nun bin ich wieder da und es hat sich viel getan, das kann ich dir sagen.

Woher ich das weiß? Mein Wärter war so nett, mir einen Kalender aufzuhängen. Ja, richtig, einen Kalender. Darauf sieht man einen Labradorwelpen, der eine Wollmütze trägt, die ihm halb in die Augen hängt. Heute ist der 24.11.2016. Das heißt, ich befinde mich bereits eine geraume Zeit in der Gewalt dieses Irren.

Bereits am nächsten Morgen seit meinem letzten Eintrag begannen die Schmerzen. Unerträgliche Krämpfe, wahrscheinlich ausgelöst durch die lange Zeit, in der ich nichts zu essen bekam und dann eiskalte Wasser.

Auf jeden Fall konnte ich keinen einzigen Muskel rühren. Ich hatte eigentlich erwartet, dass mich mein Gefängniswärter zu einem weiteren Eintrag zwingen würde, doch tat er es nicht. Stattdessen ließ er mich mit meinen Schmerzen allein.

Ich weiß, was du jetzt vielleicht denkst, doch glaub mir, so war es besser.

Ich wollte ohnehin niemanden sehen oder hören. Ab und an stellte er mir wieder einen Pappbecher mit Wasser hin, den ich auch austrank, doch inzwischen stelle ich mir die Frage, ob er nicht irgendwas hineingegegen hatte.

Was sollte das für einen Grund haben? Andererseits, was hat es für einen Grund mich hier gefangenzuhalten?

Seine Motive erschließen sich mir nach wie vor nicht. Er hüllt sich in Schweigen. Sobald ich versuche, das Gespräch mit ihm zu beginnen, blockt er ab, wird wütend und meckert mich an, dass ich weiterschreiben soll.

Tatsächlich würde ich gern mehr über ihn in Erfahrung bringen und den Grund erfahren, warum er sich selbst ausgerechnet für mich entschieden hat.

Liest er eigentlich heimlich mein Tagebuch, wenn ich schlafe? Ich zumindest glaube, dass er es jetzt noch nicht gelesen hat. Das gibt mir gewisse Freiheiten. Noch.

Ich weiß, dass es riskant ist, dir all meine Geheimnisse anzuvertrauen, Tagebuch, aber bin ich ehrlich: Du bist im Moment der einzige, dem ich mich anvertrauen kann.

Du hilfst mir dabei, dass ich nicht den Verstand verliere.

Mein Wärter ist zurückgekehrt. Wieder nimmt er seinen Platz an der Wand ein, die Arme vor der Brust verschränkt und blickt mich durch die Löcher des Leinensacks an. Eigentlich ist es gar nicht notwendig, mich zu überwachen. Schließlich mache ich nichts Aufregendes als zu schreiben oder die Decke anzustarren, wenn ich fertig bin.

Soll ich es wagen und wieder das Gespräch mit ihm suchen?

Okay, ich habe es gewagt. Ich habe ihn ganz höflich gefragt, wie draußen das Wetter ist.

Ja, ja, ich weiß, was du jetzt denkst. Sie kann doch nicht ernsthaft nach dem Wetter gefragt haben, wo es so viele andere Sachen zu klären gibt. Aber will ich ihn auch nicht herausfordern. Ich weiß, dass er nur wieder wütend wird, wenn ich seine Geduld überstrapaziere und weißt du was?

Er hat mir geantwortet.

Heute ist es regnerisch und bewölkt, Tagebuch, nur falls es dich interessieren sollte.

Oh Gott, ich merke, dass ich lächle. Wann habe ich das letzte Mal gelächelt?

Keine Ahnung, aber werte ich meine kurze Konversation mit ihm als ersten Triumph. Er spricht mit mir, antwortet auf meine Fragen, ohne mich direkt anzuschnauzen.

Ich bin gespannt, was er mir noch zu erzählen hat.
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