Sam und seine Odyssee nach einem neuen Brita Wasserfilter

von Rosalie18
OneshotHumor / P12
Sam Bird
14.08.2016
14.08.2016
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Disclaimer: Die folgende Story sind rein fiktiv. Ich kenne keine der beteiligten Charaktere persönlich, noch ihre Hintergründe oder privaten Details. Es ist alles meiner Phantasie entsprungen.



Für Forbidden to Fly
Danke für dieses flauschige Häschen. Es hat Spaß gemacht mal wieder über Sam zu schreiben.




Sam und seine Odyssee nach einem neuen Brita Wasserfilter

Sam Pov


Nach einem anstrengenden Tag – Promotermine und Autogrammstunden - benötige ich erst mal eine schöne Tasse Tee zur Entspannung und um runter zukommen. Aber zuerst ziehe ich mir bequemere Kleidung an. Nachdem ich in eine Jogginghose und ein Schlappershirt geschlüpft bin, gehe ich in meine Küche, um mir eine Tasse zuzubereiten.

Während ich den heutigen Tag noch einmal Revue passieren lasse, greife ich nach meinem blau-weißen Wasserfilter, der im nächsten Moment krachend zu Boden fällt. Leider so ungünstig, dass der Trichter, in dem sich die Kartusche befindet, aus der Kanne herausfällt und der Deckel ein Stück weiter durch die Küche fliegt. Schnelle hebe ich alle Teile wieder auf und stelle dabei fest, dass quer durch den Trichter ein Riss geht. Ich hoffe, dass ich trotzdem noch Wasser filtern kann, denn ich bevorzuge meinen Tee ohne den ekligen Kalkgeschmack zu trinken.  

Ich gehe mit meinem Wasserfilter – Model Marella  – zum Waschbecken, drehe den Hahn auf und fülle Wasser herein. Leider muss ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass der Riss die Filterung zunichtemacht. Da muss ich mir wohl einen neuen Filter besorgen. Genervt seufze ich auf und entsorge meinen Alten, der mir über mehrere Jahre immer verlässlich gute Dienste geleistet hat.

Für einen kleinen Moment bin ich versucht mir einfach einen im Internet zu bestellen, aber leider habe ich einen sehr faulen Postboten, der sich seine Arbeit sehr einfach macht und lieber einen Zettel in den Briefkasten wirft, als einige Augenblicke zu warten bis man an der Tür ist. Beschwerden bringen rein gar nichts. Das habe ich schon versucht.

Etwas frustriert schlurfe ich in mein Schlafzimmer und verabschiede mich von meiner Jogginghose und meinem gemütlich, verwaschenen Shirt und schlüpfe in eine Jeans und ein Hemd. Lust noch mal rauszugehen habe ich eigentlich nicht, aber da ich Kalk nun einmal im Tee nicht leiden kann und sich der Geschmack des Tees auch nicht vollkommen entfalten kann, führt daran kein Weg vorbei. Im Flur ziehe ich mir noch meine Schuhe an, schnappe mir meinen Haustürschlüssel, meinen Geldbeutel, mein Smartphone und verlasse meine Wohnung. Da es angenehm warm ist, beschließe ich zu Fuß zugehen. Der nächste Supermarkt ist nur gute zehn Gehminuten von meinem Zuhause entfernt.

Bei dem für England eigentlich untypischen Wetter sind dementsprechend viele Menschen auf der Straße unterwegs um die Wärme zu genießen, die Cafés und die Parks zu bevölkern. Ist ja auch verständlich. Hätte es heute wie aus Eimern gekübelt, hätten mich auch keine zehn Pferde aus meiner schönen, warmen, trocknen Wohnung bekommen, dann hätte ich mir einen neuen Filter bei Amazon bestellt und gewartet bis er entweder von der Post geliefert worden wäre oder ich ihn mir im Postamt hätte abholen müssen. Doch da die Sonne vom Himmel lacht, besorge ich mir lieber sofort einen neuen Filter. Dann kann ich mir hoffentlich schnellstmöglich meinen Tee brühen und mir einen ruhigen Abend auf meiner Couch machen.

Ich komme vor mich hin summend am Supermarkt an und betrete ihn. Zielstrebig steure ich den Gang an, wo sich die Brita Produkte befinden. Doch zu meinem großen Entsetzen sind die Regale, in denen sich eine große Vielfalt der verschiedensten Kannensysteme befindet, leer. Ledig die zur Filtration benötigten Maxtra-Kartuschen befinden sich in den Regalen. Das kann doch jetzt nicht wahr sein?? Das ist ja noch nie vorgekommen. Wenn ich sonst Kartuschen kaufe, sind die Regale immer gut gefüllt. Wieso heute nicht? Ich blicke mich suchend nach einem Mitarbeiter um. Natürlich ist keiner da, wenn man mal einen braucht. So begebe ich mich auf die Suche und nach dem ich den halben Supermarkt durchlaufen habe, treffe ich auf die scheue Spezies – Mitarbeiter eines Supermarktes.

„Entschuldigen Sie bitte“, spreche ich den Mann im mittleren Alter, der mir einen gelangweilten und unwirschen Eindruck macht, an. Es passt ihm anscheinend so gar nicht, dass ich ihn aufgehalten und dann auch noch eine Frage habe.

„Ja“, kommt es knurrig von dem Angestellten.

„Haben sie keine Brita Wasserfilter mehr?“ Ich hoffe inständig, dass sich die  Filter noch im Lager befinden und diese lediglich nur noch nicht in die Regale eingeräumt worden sind.

„Nein. Zurzeit nicht“, sagt er und ist im Begriff zu gehen.

„Und wann bekommen sie Nachschub?“ Er dreht sich um und zuckt mit seinen Schultern.

„Keine Ahnung. Es gibt Lieferschwierigkeiten. Kommen Sie die Tage wieder vorbei. Vielleicht haben wir dann welche“, spricht´s und lässt mich einfach verstehen. Hier ist der Kunde anscheinend kein König. Nicht gerade die feine englische Art. Doch ich ärgere mich nicht länger über diesen impertinenten Mitarbeiter, verlasse mit schnellen Schritten den Supermarkt und steuere den nächsten an, der sich nur zwei Querstraßen weiter befindet.

Hoffentlich habe ich dieses Mal mehr Glück.

Da ich in diesem Supermarkt kein Kunde bin und vor ewiger Zeit das letzte Mal dort eingekauft habe, wende ich mich an die junge Dame an Information. Die mir beim Herankommen ein freundliches Lachen schenkt.

„Hallo. Entschuldigen Sie, haben sie Brita Wasserfilter in ihrem Sortiment?“ Sie schüttelt bedauerlicherweise ihren Kopf, so dass ihr kunstvoll geflochtener Zopf von der einen auf die andere Seite fliegt.

„Nein, die führen wir leider nicht mehr. Nach der Umstrukturierung haben wir die aus unserem Sortiment genommen. Tut mir leid“, beantwortet die junge Frau mir meine Frage. Ich seufze auf. Das kann doch jetzt nur ein ganz blöder Scherz sein.

„Sie machen doch jetzt Witze oder?“, frage ich leicht panisch.

„Nein, ich fürchte nicht.“ Ich nicke nur, drehe mich um und verlasse noch frustrierter den Supermarkt. Ich möchte doch nur einen neuen Wasserfilter kaufen. Das kann doch nicht so schwer sein.

Ich setze mich ein paar Meter weiter auf eine Bank und überlege, was ich jetzt mache. Als ich vorhin meine Wohnung verlassen habe, ist mir nicht in den Sinn gekommen, dass sich der Kauf eines Brita Wasserfilters in eine Odyssee verwandeln könnte. Ich massiere mit meinen Zeigefingern meine Schläfen. Es hilft ja alles nichts, dann muss ich wohl noch weiterziehen. Ich raffe mich auf und gehe weiter. Glücklicherweise befinden sich genügend Supermärkte in der Gegend. Langsam habe ich keine Lust mehr zu Fuße zu gehen, daher winke ich mir ein Taxi heran, steige ein und nenne dem Fahrer die Adresse des nächstliegenden Supermarktes.  

Nach kurzer Fahrtzeit hält das Taxi am Ziel. Ich bezahle und steige aus. Wie heißt es so schön: Aller guten Dinge sind drei. Dem noch müsste ich ja jetzt Erfolg haben. Frohen Mutes betrete ich den Markt. Da ich hier und da schon mal in dieser Kette einkaufe, weiß ich genau, wo die Brita Produkte stehen und begebe mich direkt dort hin und achte weder auf Angebote oder sonstiges. Ich benötige außer einem neuen Filter nichts. Mein Kühlschrank ist noch reichlich gefühlt. Während ich in den betreffenden Gang gehe, sehe ich, dass sich nur noch ein Filter im Regal befindet. In drei Schritten bin ich am Regal, doch bevor ich mir den Filter – Model Navellia mit Kussmündern auf dem Deckel, was mir gerade vollkommen egal wäre – greifen kann, wird mir mein Objekt der Begierde vor meiner Nase weggeschnappt.

„Hey, das ist mein Filter. Ich habe ihn zuerst gesehen“, stoße ich empört aus und werfe dem Übeltäter – einem jungen Mann – böse Blicke zu. Dieser grinst mich frech an.

„Steht da ihr Name drauf?“ Sein dümmliches Grinsen wird noch breiter. „Tut es nicht. Wer zuerst kommt, malt zuerst. Das war dann wohl ich.“ Lachend geht er mit dem Filter weg und ich bleibe zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit alleine zurück. Das ist doch zum verrückt werden. Gerade noch kann ich mich zusammenreißen und schlucke herunter was ich diesem unverschämten Typen am liebsten hinterherrufen würde. So würde ich auch keinen Filter bekommen. Bei meinem Glück lungert noch ein Paparazzo herum. Auf eine Schlagzeile alle „Sam Bird rastet wegen Kleinigkeit im Supermarkt aus und beschimpft Kunden“. Kann ich verzichten.

Langsam verliere ich echt die Lust. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ich möchte doch nur einen verdammten Wasserfilter kaufen! Hat sich das Universum gegen mich verschworen? Das kann doch nicht wahr sein! Vielleicht träume ich auch nur. Ich kneife mich. „Aua.“ Nein, ich träume leider nicht.

Anscheinend muss ich doch im Internet bestellen, auch wenn ich das eigentlich nicht will. Bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Natürlich könnte ich auch noch weitere Supermärkte aufsuchen und hoffe endlich fündig zu werden, aber meine Frustration ist schon ziemlich groß, daher werde ich jetzt abbrechen und wieder nach Hause fahren und mir meinen Tee mit Mineralwasser kochen. So ist er wenigstens ebenfalls ohne Kalk, aber leider nicht so schmackhaft, wie mit gefilternden Wasser.

Meine Stimmung ist auf dem Tiefpunkt als ich den Ort meiner Niederlage – ja, den Filter vor der Nase weggeschnappt zu bekommen, zähle ich als Niederlage – verlasse und mich zu Fuß auf dem Weg nach Hause mache. Ich laufe einfach los, ohne auf meine Umgebung achten.

„Sam bist du es?“, spricht mich plötzlich eine Stimme an, die mir bekannt vorkommt. Ich bleibe stehen und ein Lächeln erscheint auf meinem Gesicht.

„Daniil. Schön dich zusehen. Was machst du hier?“, begrüße ich den jungen Russen.

„Ich besuche Carlos übers Wochenende“, beantwortet Daniil meine Frage und mustert mich.

„Du siehst sichtlich gestresst und frustriert aus. Was ist los?“

„Das bin auch. Ich habe eine wahre Odyssee hinter mir“, brumme ich und reibe mir mit der Hand über mein Gesicht.

„Ich lade dich auf einen Tee ein und du erzählst mir von deiner Odyssee“, schlägt Dany vor. Die Aussicht endlich eine schöne Tasse heißen Tee zu bekommen, klingt wie Musik in meinen Ohren.

„Hört sich gut an.“

Wir gehen die Straße entlang bis zu einem netten, kleinen Café, betreten es und setzen uns an einen Tisch im hinteren Teil. Nachdem die freundliche Kellnerin unsere Bestellungen aufgenommen hat, erzähle ich Daniil die ganze Geschichte.

„Oh, da hast du ja wirklich eine wahre Odyssee hinter dir“, kommt es bedauernd von dem Jüngeren.

„Das kannst du laut sagen“, sage ich zerknirscht, während Daniil mir ein Lächeln schenkt.

„Heute ist dein Glückstag.“ Ich verstehe nicht, ziehe eine Augenbraue hoch und blicke ihn fragend an. „Ja, klar Glückstag. Du bist ja ein wahrer Scherzkeks.“

„Ich kenne zufällig jemand, der bei Brita arbeitet.“ Er macht eine Pause. Sollte ich wirklich so auf einmal so viel Glück haben? „Leider im Hauptsitz in Taunusstein/Deutschland.“ Also doch kein neuer Filter. Zumindest heute nicht. Dany bemerkt meinen enttäuschten Blick.

„Du müsstest dich höchstens zwei Tage gedulden. Ich werde Alex bitten, dass sie dir den Filter per Express zusendet“, schlägt er mir vor. Zwei Tage würde ich schon noch überleben. Solange würde ich auch warten müssen, wenn ich mir einen Filter bei Amazon bestellen würde.

„Und du meinst das klappt?“ Ich freue mich lieber noch nicht zu früh. Nachher klappt es nicht.

„Na klar. Hast du ein bestimmtes Wunschmodell?“, möchte Daniil wissen.

„Ich hätte gerne wieder einen Marella, der passt perfekt in das Fach in meiner Kühlschranktür, aber bitte keinen in Flieder oder in anderen Mädchenfarben. Am liebsten in blau-weiß oder schwarz.“

„Das lässt sich machen. Gibst du mir noch deine Adresse.“

„Klar. Das wäre so super.“ Da ich seine Nummer habe, schreibe ich ihm eine WhatsApp mit meiner Adresse. Ich bin froh, dass meine Odyssee jetzt bald zu Ende ist und ich in zwei Tagen einen neuen Wasserfilter mein eigenen nennen kann und endlich wieder nach Lust und laue Tee kochen kann.


**



Zwei Tage später


Ich habe es mir gerade mit einem Tee, gekocht mit Mineralwasser, auf meiner Couch bequem gemacht, als es an meiner Tür klingelt. Sofort beginne ich zu stahlen. Kein Tee mehr mit Mineralwasser gekocht!!!! Ich springe auf, stürme zur Tür und reiße sie auf. Tatsächlich steht der von mir sehnlichst erwartete Kurierfahrer vor meiner Tür.

„Hallo. Sind sie Sam Bird?“, will er wissen.

„Ja, dass bin ich.“

„Dann ist das hier für sie. Bitte hier unterschreiben.“ Er reicht mir das Päckchen und hält mir das Gerät zum Unterschreiben hin. Ich nehme den Stift und unterschreibe und strahle wie ein Honigkuchenpferd.

„Danke.“

„Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag.“

„Den wünsche ich ihnen auch.“

Ich schließe die Tür und gehe direkt in die Küche. Mit einem Messer öffne ich vorsichtig das Päckchen, nicht das ich meinen neuen Filter noch einen Kratzer zufüge und nehme den original verpackten Filter – einen schwarzen Marella – heraus. Ich habe endlich einen neuen Filter. Juhuuu. Ich freue mich, wie ein kleines Kind zu Weihnachten, dass seine Geschenke auspacken darf. Jetzt ich kann wieder Tee mit frischem, gefiltertem Wasser kochen. In Windeseile ist der Filter einsatzbereit, die Maxtra-Kartusche eingeweicht und in den Trichter eingesetzt. Jetzt nur noch drei Liter Wasser filtrieren und dann kann ich mir endlich einen Tee zubereiten.

Während ich warte, fällt mir auf, dass in dem Päckchen noch ein Zettel befindet. Ich fische diesen heraus, falte ihn auseinander und beginne zu lesen.




Hallo Sam,
ich hoffe der Marella in schwarz ist in Ordnung. Einen in blau-weiß konnte ich leider auf die Schnelle leider nicht auftreiben.

Dany hat mir von deiner Odyssee berichtet, daher bin ich umso froher, dir helfen können. Ich kann  ja keinen Kunden unzufrieden lassen. :)

Viel Spaß mit deinem neuen Filter.

Liebe Grüße
Alex





Ich werde mir auf jeden Fall etwas überlegen, um mich erkenntlich zu zeigen. Das ist ja das Mindeste. Ich werde Dany fragen, womit ich Alex eine Freude machen kann.

Mittlerweile ist der dritte Liter, mit dem ich endlich meinen Tee zubereiten kann, durchgelaufen. Ich gieße das gefilterte Wasser in meinen Wasserkocher und stelle diesen an. Nachdem das Wasser endlich gekocht hat, gieße ich es über die losen Teeblätter – schwarzen Tee – die sich in einem Tee-Ei befinden und lasse ihn ziehen.

Ich nehme die Tasse samt Untertasse ebenso Milch und einen Löffel und trage alles ins Wohnzimmer, wo ich es mir auf meiner Couch bequem mache und darauf warte bis der Tee fertig gezogen ist und ich ihn genießen kann.




E N D E
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