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Die Schwelle zwischen Liebe und Hass

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P18
Hidan Kakuzu Madara Uchiha OC (Own Character) Sasuke Uchiha Temari
13.08.2016
21.11.2020
72
361.941
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21.11.2020 7.681
 
Es ist Zeit für ein neues Kapitel.

Ich möchte mich ganz herzlich bei Kawaiikiri und FlorDelCerezo bedanken!
Vielen Dank für die lieben Worte, für die Zeit, sich die Worte zu nehmen. Denn gerade diese sind es, die einen wahnsinnig motivieren und antreiben, auch an anstrengenden Tagen immer weiter zu schreiben!

Heute mal wieder ein kleines Lied, welches die Gedanken zu der Geschichte seit tagen nicht mehr los lässt.

DNA – Lia Marie Johnson

https://www.youtube.com/watch?v=o3NNFAuANDo



~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Kapitel 71 ~*~ Stimme des Herzens ~*~


Es gibt einen Moment im Leben, in dem man denkt, dass es uns das Herz zerbricht. Dieser eine Klang des Herzens, der uns zeigt, dass die Welt um uns zerbricht. Immer weiter beginnt sie in ihre Einzelteile zu zerfallen. Welten, die um uns herum zusammen brechen, in denen das Licht von der Dunkelheit verschluckt wird.
Zeiten, in denen wir denken, dass es nie wieder besser werden kann.

Doch bei allem was schlecht ist, heißt es nicht, dass es schlecht für einen bleiben muss. Es gibt Dinge, mit denen man sich nicht auseinandersetzen will. Nicht weiß, wie man etwas endgültiges ändern soll.
Doch wir alle wissen, dass das Licht immer dort existiert, wo der Schatten die Waage hält. Was des anderen Freud ist, ist des anderen Leid.

Es reicht ein Moment, ein Augenaufschlag, ein Sekundenbruchteil, um etwas zu fühlen, was schon längst vergessen scheint. Doch irgendwann kämpft ein jeder, einen Kampf gegen sich selbst.



Der leichte Luftzug, der die Kälte in sich trägt.

Das ist die erste Erinnerung an den Tag, als ich so vieles hinter mir gelassen habe.
Das kalte Glas der Fensterscheibe, an welcher hin und wieder kleine Tropfen herunter laufen, einfach vom Fahrtwind davon getragen werden.
Dieses kalte Glas der Scheibe, an welchen ich meinen Kopf lehnte, weil ich so unfassbar müde war.
Ein Tag, der mir so vieles genommen hatte, ohne dass ich es damals ahnen konnte.



Dieser eine Tag, der mir heute nur noch wie eine große Lüge vorkommt. Ich war damals so ahnungslos. Hatte keine Ahnung von dem, was um mich herum passierte. Und doch wünschte ich mir heute, dass ich das alles noch immer nicht verstehen würde.
Damals war mir noch nicht bewusst, was das alles zu Bedeuten hatte. Dieser überstürzte Aufbruch. Das packen der Koffer mit allem was wir brauchen.

Mitten in der Nacht, vielleicht auch am späten Abend, ich kann mich nicht genau daran erinnern, wurde ich wach und tapste verschlafen ins Wohnzimmer. Meine Mutter hatte Tränen in den Augen, als sie die Ordner durchsah und hin und wieder ein paar Blätter heraus nahm. Sie landeten in einem Karton neben ihr.

Heute weiß ich genau, dass ihr der Schreck ins Gesicht geschrieben war, nicht weil ich sie mit meinem auftauchen erschreckt hatte, wie sie mir damals weiß machen wollte, sondern weil ich gesehen hatte, was sie tat.
Ich erinnere mich an das folgende leichte lächeln, an ihre sanften Worte, dass es spät sei und ich schlafen sollte. Nur kurz nahm sie mich in den Arm, brachte mich wieder ins Bett.

Die nächste Erinnerung an diesen Abend war das sanfte wecken meiner Mutter, als sie mich kurz darauf auch schon zum Auto brachte. Die Koffer waren bereits im Auto verstaut, ein Mann stand neben dem Auto, rauchte seine Zigarette zu Ende und schnippte sie dann auf den Boden, ehe er sie austrat. Eine wage Erinnerung, in der ich noch immer in meinem Schlafanzug und Schuhen neben meiner Mutter stand, fest ihre Hand hielt.
Vielleicht war der damals frische Tod meines Vaters Schuld daran, dass wir so plötzlich verschwanden. Zumindest denke ich heute so.

Weder wusste ich, wer der Mann war, noch wo er uns hin brachte. Aber er schien meine Mutter zu kennen. Nur kurz darauf kniete er sich vor mich, grinste freundlich und entschuldigte sich bei mir, dass sie mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißen mussten.
Ich war damals zu klein um zu verstehen was hier passierte. Zu klein um zu realisieren, dass wir dieses Haus und diese Stadt nie wieder sehen würden.

Noch immer lag der Blick meiner Mutter auf dem Haus, in dem wir gelebt hatten, so weit meine Erinnerungen zurück reichten. Vor Tagen hatte ich ihre Tränen gesehen, als sie Abends im Wohnzimmer saß, nur Wochen nach den ersten lauten Worten meiner Eltern. Heute weiß ich, dass es ihr erster Streit war, den ich deutlich vernehmen konnte. Doch bis heute hatte ich keine Ahnung worum es ging. Weder konnte ich mich an die Worte meiner Mutter erinnern, die so voller Verzweiflung waren, noch an die Worte meines Vaters, welche versuchten diese Verzweiflung zu lindern.

Wie hätte ich auch damals ahnen können, wie Verzweiflung klingen konnte?
So sehr ich mir auch manchmal wünschte, diese verzweifelten Worte, welche in meinen Erinnerungen wie das rauschen des Wassers in meinen Ohren hallte, niemals gehört zu haben, so sehr wünschte ich mir manchmal, die Bedeutung der Worte heute zu kennen.
Ihr verzweifeltes schluchzen, als ein Fremder in der Tür stand und etwas zu ihr sagte, mit dem Worten, dass es ihm leid täte, wieder verschwand. Nur Tage später lernte ich die Bedeutung der Worte, dass mein Vater nie wieder zurück kommen würde, kennen. In dem Moment, als ich vor dem hölzernen Sarg stand, lernte ich die Bedeutung der Endgültigkeit kennen. Auf die schmerzhafte Weise.

Ich erinnere mich genau an den liebevollen Blick meiner Mutter, als sie mir Wochen später sanft eine Strähne aus dem Gesicht strich, mich mit ihren müden Augen ansah und sagte, dass alles gut werden würde. Der Abend, an dem alles anders war.
Doch das letzte was ich sah, bevor wir ins Auto stiegen und davon fuhren, war eine kleine Schachtel, die der Fremde Mann meiner Mutter gab, sagte, dass alle Papiere fertig waren.

Ich war damals so ahnungslos.

Und ich wünschte, ich wäre es noch immer.



Die Worte standen zwischen ihnen wie eine eisige Mauer. So als würden diese Worte die Entfernung zwischen ihnen nur noch vergrößern. Das klare Blau spiegelte sich beinahe in den fliederfarbenen Augen.
Es war ihm einfach so heraus gerutscht, so als verstand er selber nicht, was er sagte.
Er hatte es gesagt. Etwas, dass er nicht wieder zurück nehmen könnte, so sehr er es auch versuchen würde. Er hatte etwas gesagt, dass die Mauer zwischen ihnen gleichzeitig bröckeln und immer größer erschienen ließ.

Es war als wachse sie an seinen Worten, so als wollte diese Mauer sie für immer voneinander fern halten, als wollte sie die beiden Menschen weiter voneinander entfernen. Und doch gleichzeitig war es, als würde die Mauer aus rauem Stein zu bröckeln beginnen, es jedoch mit aller Macht zu verhindern wissen.

Du kannst jederzeit hier her zurück kommen.

Schweigend sah sie ihn an, so als könnte sie noch immer nicht glauben, was sie dort eigentlich gehört hatte.
Sie würde jederzeit hier her zurück kommen können?
Ihre Mundwinkel verzogen sich leicht, versuchte sie den Blick abzuwenden.
Noch immer saß sie hier vor ihm, spürte die Wärme seiner Hände an ihren Schultern.
Es war die selbe Wärme, die sie immer wieder verspürt hatte. Eine Wärme, die ihre Seele gewärmt hatte, wenn ihr Leben ihr plötzlich so kalt und verlassen vor kam. Doch jetzt fühlte sich die sonst so angenehme Wärme, wie ein viel zu heiß brennendes Feuer an.

Dabei waren es doch damals seine Worte gewesen, die sie von ihm geschoben hatten. Und jetzt sollte hier ihr Platz sein, an den sie jederzeit zurück kommen könnte?
Sie erinnerte sich noch zu genau an seine Worte, die er ihr einst sagte.
Was sollte sich daran schon geändert haben?
„Was sind wir, Hidan?“
Ihre leisen Worte drangen zu ihr durch.
Schweigend begegnete sie seinem Blick, wartete auf eine Antwort, doch sie bekam keine.

Ich weiß es nicht.

Es waren Worte gewesen, die er eines Tages zu ihr sagte.
An diesem einem Tag auf der Klassenfahrt. An dem Tag, an dem der schönste Tag ihres Lebens hätte sein sollen.
Ihr achtzehnter Geburtstag...

Könnte man sagen wir sind Freunde wenn wir uns nicht voll und ganz vertrauen? Kann man sagen wir sind ein Paar, wenn wir nichts romantisches füreinander empfinden? Wir verstehen uns, doch was macht das aus uns?

Ein seichtes lächeln legte sich auf ihre Lippen.
Sie wusste es doch selber nicht. Doch irgendetwas stand zwischen ihnen, irgendetwas, dass ihnen beiden nicht bewusst war.
Sie konnte es nicht ertragen, so von ihm angesehen zu werden. Mit diesem Blick, der zeigte, dass er doch ebenfalls litt.

Wir hatten einen Deal, etwas, dass ich auch jetzt noch zu gerne eingehen würde. Doch es hat sich etwas geändert.

Schwer schluckte sie den Kloß in ihrem Hals herunter. Auch jetzt noch lagen ihr die Worte, die er einst zu ihr sagte, schwer auf der Brust.
Es waren seine Worte und dennoch sah er sie jetzt so an, als würde er das alles bereuen?

Du bist an Madaras Seite, egal ob Freiwillig oder nicht. Ich bin auf seiner Seite, auch wenn du mich dazu bringst die Grenze zur Loyalität zu überschreiten, denn Madara teilt nicht. Er erhebt Anspruch auf etwas, dass ihm von nutzen ist. Wir stellen uns dem nicht in den Weg. Er vertraut mir, was dich angeht, nicht und ich heiße es nicht gut, was er mit dir abzieht. Doch...

Für einen kurzen Moment wandte sie den Blick ab, wollte etwas sagen. Doch der Kloß in ihrem Hals nahm ihr die Luft zum atmen.
Viel zu schwer lag ihr die Erinnerung in ihrem inneren, schnürte sich wie ein viel zu großes Band um ihr Herz, welches es nach und nach zu zerdrücken drohte.

Doch zu was mach und das? Wir vertrauen einander nicht blind, fühlen nichts füreinander, dass uns aneinander bindet. Ich hasse es, mir Sorgen um dich zu machen. Ich hasse den Gedanken daran, dass dir irgendetwas passiert.

Nur kurz warf sie ihm einen Blick zu, sah dieses sanfte leuchten in seinen Augen. Sie wusste, er meinte es ernst. Doch warum hatte er ihr dann damals diese Dinge gesagt?

An Madaras Seite wird sich dieses Gefühl nicht ändern. Du wirst immer in Gefahr sein, egal wo du bist.

„Warum hast du das damals gesagt...“
Ihre leise Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Noch immer sah er sie an, schien sich vollkommen in seinen Gedanken verloren zu haben.
Beinahe sanft strich seine Hand über ihre linke Wange, fuhr die feine Narbe entlang.

Eines Tages wird der Tag kommen, an dem ich dir weh tun muss.

Noch immer verließ seine Lippen kein Wort.
„Wieso Hidan?“
Sie sah wie er mit sich haderte. Irgendetwas lag ihm auf der Zunge, irgendetwas wollte er sagen und dennoch kamen ihm diese Worte nicht über die Lippen.
Er hörte doch die leichte Verzweiflung in ihrer Stimme. Und trotzdem brachte er kein Wort zustande.

Wir sollten etwas Abstand halten, bis sich alles beruhigt hat.

Noch immer saßen sie sich viel zu nah, viel zu nah, als einfach nur Fremde zu sein. Doch keinen von beiden schien es zu stören.
„Ich weiß es nicht...“
Viel zu leise, drangen die Worte über seine Lippen. Noch immer sah er nicht weg, hielt sie in seinem Blick gefangen.
Seine Stimme war rau, viel zu dunkel für ihn. So als müsse er sich mit aller Macht vor etwas beherrschen.

Er hatte versucht, sie von sich fern zu halten. Doch er schaffte es nicht. Es lag nicht nur daran, dass er Madara damit nicht ans Bein pissen wollte. Dafür fand er oft genug Möglichkeiten, indem er seine Aufträge nicht so erledigte wie Madara es gerne hätte. Das Endergebnis blieb jedoch das selbe, man würde ihnen gar nichts anhängen können.
Es war jedoch noch etwas anderes, dass ihn daran hinderte, die kleine in seiner Nähe zu dulden.

Viel zu sanft legte sich seine Hand auf ihre Wange, strich sein Daumen von ihrer Narbe weiter herunter. Nur für einen kurzen Moment berührte er ihren Mundwinkel, strich sanft darüber, ehe er stockte.
Nur einen kurzen Moment legte sich sein Blick auf ihre Lippen. Bereits vorhin hatte er versucht diese Gedanken von sich zu schieben, die er nicht mehr ertragen konnte.
Sie bemerkte seinen Blick, rührte sich jedoch kein Stück.

„Du hast gesagt, wir sollten Abstand halten...“ flüsterte sie leise, zuckte ihr Blick nur für einen kurzen Moment zu seinen Lippen.
„Ich weiß...“ hauchte er beinahe tonlos.
Doch noch immer konnte er den Blick nicht abwenden.
Es war schon seltsam hier zu sitzen, in einer Zeit, in der sie sich nicht nahe sein sollten und es dennoch waren.

Sie sollten jetzt nicht hier sitzen, sich mit diesem Blick ansehen, als warteten sie nur darauf, dass irgendjemand den ersten Schritt tat und seine Lippen endlich auf die des anderen drückten.
Doch genau das taten sie hier gerade. Sie sahen sich an, schwiegen und wagten es sich nicht, sich dem anderen noch weiter zu nähern. Ebenso wagten sie es nicht, sich dem anderen zu entziehen.

„Wieso bist du hier?“
Nur schwer drangen die Worte über seine Lippen. Innerlich verfluchte er sich über diese Frage. Doch er musste sie stellen. Er konnte nicht zulassen, dass er sich ihr noch mehr näherte.
Es war nicht nur der Grund, warum Deidara sie hier her gebracht hatte, es war auch etwas, dass er selbst nicht beschreiben konnte.
Warum war sie hier, hier bei ihm?
Warum war sie wieder in seiner Nähe, wo er doch versuchte, sie von sich zu schieben.

Wie schaffte sie es, schon wieder in seine Nähe, wo er ihr doch entkommen wollte.
War es nur deswegen, weil er versuchte den Abstand zu schaffen, damit er nicht mehr an sie denken musste?
Er machte sich verdammte Sorgen um dieses kleine Biest. Und das war keinesfalls etwas, was er tun durfte.
Es würde auffallen, wenn sie ihm zu sehr ans Herz wachsen würde.

Er würde sie nicht noch näher an sich heran lassen. Das hatte er sich doch geschworen.
Er würde nie wieder zulassen, dass sie verletzt werden würde. Aber wie sollte er das schaffen, wenn er sich ihr nicht nähern konnte?
Wenn es Deidara schon nicht schaffte auf sie aufzupassen, wie sollte er es dann schaffen, dafür zu Sorgen, dass sie nicht verletzt wurde?
Wie sollte er das überhaupt schaffen, wenn er ihr selbst nicht zu nahe kommen durfte?

Er wollte ihr nicht zu nah kommen. Würde er es tun, dann würde er sich verbrennen.
Sie würde nur in Schwierigkeiten geraten, wenn er ihr zu viel Aufmerksamkeit schenken würde.
Sie gehörte zu Madara.

Nur leicht zuckte er zurück, entfernte die Hand von ihrer Wange.
Sie gehörte zu Madara.
Tief atmete er durch.
Sein verlangen, seine Lippen einfach auf die ihren zu drücken, wurde mit einem Schlag gedämpft.
Sie gehörte Madara.
Mochte es auch noch der größte Stimmungskiller gewesen sein, vielleicht hatte er ihr gerade den Arsch gerettet.

„Du gehörst zu Madara.“
Seine raue Stimme ließ sie erschaudern.
Nur leicht senkte sie den Blick, begann den Kopf zu schütteln.
„Weder gehöre ich zu ihm, zu euch, noch gehöre ich ihm.“
Es war nur ein kurzer Blick, den sie ihm schenkte, ehe sie leicht aufstand.
Sie hatte so was von keinen Nerv darauf, jetzt über Madara zu sprechen.

Sie hatte es in seinem Blick gesehen, dieses leichte funkeln in seinen Augen, welches erloschen war, als er diesen Namen in den Mund nahm.
Würde sie ihn darauf ansprechen, würde er es abstreiten. So viel stand fest.
Wieso musste er jetzt ausgerechnet den Teufel persönlich erwähnen?
Ein seufzen brach von ihren Lippen, als sie endgültig von der Couch aufstand und herüber zum Fenster ging. Sie spürte den Blick, der sich jede Sekunde an sie heftete, doch sie ignorierte ihn.

„Ich kann jederzeit hier her zurück kommen...“
Ein leises murmeln verließ ihre Lippen, dachte Hidan er hätte sich die Worte nur eingebildet. Doch er sah deutlich wie die Schultern der jungen Frau bebten, wie sie die Hände zu Fäusten ballte, ehe ein gequältes lachen über ihre Lippen brach.
„Warum?“ stieß sie leise aus, versuchte das beben ihrer Schultern zu unterdrücken.
Doch es gelang ihr nicht.
Wieso musste er ihr diese Worte sagen?
Wieso musste er ausgerechnet einen Satz in den Mund nehmen, von dem er keine Ahnung hatte, welche Bedeutung er hatte.

Ihr leises lachen verstummte, drehte sie sich leicht zu Hidan um, warf ihm einen kurzen Blick zu, ehe sie dem seinen nicht mehr standhielt.
„Du hast keine Ahnung, was du da sagst.“
Nur leise drang ihre Stimme zu ihm durch.
Es stimmte, er hatte keine Ahnung, welche Bedeutung diese Worte haben würden. Er wusste nicht, was noch alles passieren würde. Dennoch gab es etwas, was er noch immer nicht verstand.

„Und dennoch werde ich sie nicht zurück nehmen!“ knurrte er beinahe sauer zurück.
Sein Blick streifte den ihren, schwand seine Wut jedoch, als er ihren Blick sah.
Ihre Augen waren geweitet, schien sie ihn für einige Sekunden anzustarren, als wäre sie von seiner Wut überrascht. Doch er hatte keine Ahnung, was in ihrem Kopf vor sich ging. Denn würde er sie endlich verstehen können, dann wäre es so viel einfacher gewesen.
Vielleicht hätte er das alles verhindern können, bevor es passiert war.
Aber er verstand sie nicht. Er verstand sie und ihr Verhalten einfach nicht. Er wusste nicht, warum sie krampfhaft versuchte den Blick abzuwenden, nachdem sie sich endlich wieder gefangen hatte und vermied ihn anzusehen.

Ein seufzen brach über seine Lippen.
Müde wischte er sich über das Gesicht. Jetzt mit ihr zu streiten hatte auch keinen Sinn.
„Du kannst später oben schlafen gehen, ich bleibe hier.“
Seine Gedanken schienen zu verstummen. Er erhielt keine Reaktion, sah nicht, wie sie mit sich haderte.
Tief holte sie Luft, stieß lautlos den Atem aus, ehe sie sich leicht zu ihm drehte und ihn schweigend ansah.

Hidan ließ sich bereits auf der Couch nieder, hatte den Blick abgewandt und war gerade dabei sich sein Buch zu schnappen, sich krampfhaft zwingend es nicht sofort in die nächste ecke zu donnern.
„Ist schon okay.“
Blinzelnd hob er den Kopf, schien einen Moment zu brauchen, ehe er sich daran erinnerte, was Miharu gemeint hatte.
„Das war keine Frage.“
Sein Blick traf den ihren.

Ein leichtes lächeln legte sich auf ihre Lippen, wissend, dass er es durchschaute. Doch ihr Körper reagierte automatisch.
Sie beide wussten, dass er sich nicht überreden ließ, ihr einfach die Couch zu überlassen. Warum sollte sie ihm auch sein verdammt bequemes Bett streitig machen wollen, wenn sie doch hier unten so einfach auf der Couch schlafen konnte, mit der Möglichkeit einfach wieder zu verschwinden.
Ein seufzen verließ ihre Lippen, ehe sie ein paar Schritte auf ihn zutrat.

„Dann werde ich schlafen gehen.“
Ein leichtes nicken erhielt sie als Antwort.
Nur schwer trugen sie ihre Schritte nach oben. Sie kannte den Weg, den sie gehen musste. Es war nicht das erste mal, dass sie sich einfach die Decke geschnappt und in die weichen Laken gekuschelt hatte um friedlich einzuschlafen. Doch jetzt machte sich dieses seltsame Gefühl in ihr breit. Ein Gefühl, welches immer stärker wurde, je näher sie dem Schlafzimmer kam.

Ein seufzen brach von ihren Lippen, ehe sie das Schlafzimmer betrat und sich auf der Bettkante nieder ließ.
Ihr Herz pochte stark in ihrer Brust, wollte sie somit anscheinend niemals zur Ruhe kommen lassen. Leicht ließ sie sich einfach zur Seite fallen, zog die Beine an. Es war kalt im Zimmer, kälter als sie es gewohnt war. Und dennoch rührte sie sich kein Stück, spürte den kalten Wind, des leicht gekippten Fensters, welcher über ihre Haut strich. Eine Gänsehaut zog sich über ihre Haut, als sie sich weiter zusammen rollte.

Ihre Gedanken rasten in ihrem Kopf herum, konnte sie dennoch keinen klaren Gedanken festhalten. Es schien als wollten die vergangenen Jahre einfach so an ihr vorbei ziehen, ohne ein Anfang oder Ende. Es war zu vieles, was ihr durch den Kopf schwirrte, als dass sie wirklich bemerkte woran sie dachte.
Wieder begann ihr Kopf wie wild zu pochen, so als beschwerte er sich über die Flut an Bildern, die er jetzt verarbeiten sollte.
Man könnte meinen ihr Kopf ähnelte derzeit einem kaputten Archiv, welches alle Möglichen gespeicherten Inhalte auf einmal auf sie los ließ.

Genervt schloss sie die Augen, versuchte wenigstens einen Gedanken festzuhalten, um der Flut der Erinnerungen zu entkommen.
Es dauerte Minuten, vielleicht sogar gefühlte Stunden, bis die Gedanken endlich verstummten. Ein gequälter laut verließ die Lippen, als die schwärze von einem viel zu lauten Geräusch durchbrochen wurde.
Das sonst so leise knarren des Holzfußbodens dröhnte in der Stille der schwärze wie ein viel zu lauter Knall.

Erneut drang ein gequälter Laut von ihren Lippen, ließ sie einfach nicht aus der Dunkelheit auftauchen.
Wärme umschloss den kalten Körper, welcher mitten in der Nacht noch immer der kalten Luft ausgesetzt war. Raschelnd legte sich der Stoff über ihren Körper, wurde die Kälte nur langsam vertrieben.
Das rascheln der Decke, leise Worte, dass war das letzte was sie wahrnahm, ehe ihr Körper gänzlich in der Dunkelheit verschwand.



Blinzelnd öffneten sich die Augen, brach ein gähnen über die Lippen.
Viel zu warm.
Ihr war einfach viel zu warm.
Der Stoff unter ihrer Hand, an welchem sie sich noch immer festhielt, war einfach viel zu warm.
Das seichte schlagen des Herzens, ließ erneut ein gähnen von ihren Lippen brechen. Sie war so müde, viel zu müde um jetzt aufzustehen. Ihre Augen wollten sich erneut schließen, blinzelte sie immer wieder, ehe sie ihre Umgebung wahrnahm.

Ihr Kissen hob und senkte sich leicht. Hörte sie das schlagen des Herzens immer mehr, unter dem Stoff ihres Kissens.
Ihre Hand hielt den Stoff, der eindeutig nicht von der Decke kam, welche auf ihr lag, noch immer fest umschlungen. Die Wärme umgab sie, wie ein Griff, der sie nicht loslassen wollte.
Fest schmiegte sich die Wärme ihren Rücken entlang, bis zu ihrer Seite.
Sanft ruhte die Wärme auf ihrer Haut, schien an Ort und Stelle zu verweilen.

Leicht hob sie den Kopf, schob die Decke ein Stück von sich. Ihr Herz schlug kräftig in ihrer Brust, ähnelte nicht annähernd dem Herzschlag, den sie gerade noch gehört hatte.
Heftig sog sie Luft ein, als etwas ihre Seite streifte. Fester legte sich die Wärme um sie, strich unter ihrem Hemd, die Seite entlang. Ihr Blick schnellte nach unten, entdeckte sie die Hand, welche sich von hinten fest um ihre Taille gelegt hatte, als sie auf der Seite lag und schlief.

Es dauerte ein paar Sekunden, ehe ihr Blick zurück huschte und sie ihr Kissen genauer unter die Lupe nahm.
Noch immer hob und senkte sich der Stoff vor ihr, huschte ihr Blick ein Stück höher.
Eine Gänsehaut breitete sich auf ihrer Haut aus, als die Finger erneut über ihre Taille strichen, leicht herunter rutschten, als sie sich bewegte.
Ihr Herz begann zu rasen, starrte sie ihr lebendes Kopfkissen einfach nur an.
Sie wusste, dass sie hier oben alleine eingeschlafen sein musste. Was zum Teufel machte also er hier?

Sekunden verstrichen, ehe sich ihr Kopfkissen rührte. Ein genervter laut stieß über seine Lippen, als er langsam die Augen öffnete.
Es brauchte nur einen Sekundenbruchteil, ehe er die Augen aufriss. Anscheinend arbeitete sein Hirn heute schneller als ihres. Noch immer verweilte seine Hand auf ihrer Seite, strich noch einmal über die Haut, hinterließ bei ihr einen sichtbaren Schauer.
Fest biss sie sich auf die Unterlippe, versuchte sie den Blick abzuwenden, doch er hatte es gesehen.

Nur leicht richtete sich Miharu auf, versuchte sich von ihm zu entfernen. Sie konnte nicht noch länger in seiner Nähe bleiben, wenn er sich doch von ihr entfernen wollte.
Wieso nur fühlte es sich so gut an in seiner Nähe zu sein?
Wann hatte sie angefangen ihm zu vertrauen oder ihn als vertrauten zu sehen?
Warum musste es nur ausgerechnet er sein, dem sie vertrauen wollte?

Ein seufzend unterdrückend stand sie beinahe stolpernd auf.
„Ich gehe nach unten.“ gab sie leise von sich, versuchte seinem Blick auszuweichen.
Ihre Schritte entfernten sich, ohne dass er etwas unternehmen konnte.
Sein Blick lag noch immer auf ihr, schüttelte er erst den Kopf, als sie aus seinem Blickfeld verschwand.
Ein dunkles knurren verließ seine Lippen, als er hörte wie sie die Treppe nach unten ging.

Warum zum Teufel konnte er sich nicht rühren?
Er hatte ihren Blick doch ganz genau gesehen. Er wusste, dass sie gerade einfach nur Abstand suchte. Etwas, dass seine Schuld war. Aber warum zum Teufel musste er sich gerade so beherrschen, sie nicht einfach wieder an sich zu ziehen. Er hatte genau gesehen, wie sie erschauderte, als seine Finger ihre Taille entlang gestrichen war, wie sie mit aller Macht verhindern wollte, dass er es mitbekam.
Für einen Moment wollte er auf all das scheißen, worüber er sich in den letzten Tagen den Kopf zerbrochen hatte.

Sie war ihm wichtig geworden.
Zu wichtig, als dass dieser Abstand zwischen ihnen noch irgendetwas ändern würde.
Und genau das, hatte er versucht mit allen Mitteln zu verhindern.
Sie sollte ihm nicht wichtig werden.
Irgendwann, wenn Madara das bekommen hatte, was er haben wollte, würde sie aus seinem Leben verschwinden. Sie würde ihr Leben zurück bekommen, welches sie mit allen Mitteln zu verteidigen versuchte.

Doch wie es schien, war es noch viel mehr, was die kleine zu verheimlichen wusste.
Keiner hatte etwas von dem Mann geahnt, welcher sie in der Abwesenheit ihrer Mutter, so behandelte, wie er es selbst gesehen hatte. Wie lange versteckte sie das alles schon vor allen?
Was gab es denn noch, was sie verstecken wollte? War das alles denn nicht schon schlimm genug für sie?

Es wäre mein Ende gewesen, hätte er mich einfach fallen lassen.

War es nur das, was sie so lange versucht hatte für sich zu behalten?
Was wäre passiert, wenn sie Madara nie getroffen hätte? Wäre dann alles nur schlimmer geworden und wäre sie eines Tages einfach daran zerbrochen?
Oder hätte sie einfach ihr Leben weiter gelebt, so wie sie es die ganze Zeit tat?

Ich will nicht bei Madara sein, aber er war zu diesem Zeitpunkt meine einzige Rettung. Hätte er mich damals einfach fallen gelassen, dann hätte ich alles verloren.

Ein seufzen verließ seine Lippen und er strich sich genervt durch die Haare.
Es brachte doch nichts, sich den Kopf darüber zu zerbrechen. Wenn er etwas wissen wollte, würde er sie fragen müssen. Doch da sie genauso Stur wie Madara war, wenn nicht sogar noch schlimmer, dann war das ein unterfangen, welches er sich auch gleich sparen könnte.

Sie würde nichts sagen, was ihr Schaden könnte, egal wie viel sie dafür auf sich nehmen musste. Das konnte er inzwischen über sie sagen.
In dem Punkt ähnelte sie Madara viel zu sehr, als dass er es einfach ignorieren könnte. Er konnte sich dieses Selbstzerstörerische Verhalten nicht noch länger mit ansehen.
Warum konnte sie nicht einfach ihre Ruhe haben, in Frieden mit ihren Freunden verbringen, statt sich Gedanken darüber zu machen, wie der Teufel ihr das Leben als nächstes zur Hölle machte?

Fest biss er die Kiefer zusammen.
Genau deswegen durfte sie ihm nicht wichtig sein.
Er würde nicht mehr vernünftig seiner Arbeit nachgehen können, wenn er sich auch noch Gedanken um sie machen musste.
Warum musste Madara so an ihr interessiert sein?
Keiner wusste, was der Uchiha eigentlich wirklich vor hatte. Aus dem anfänglichem Plan, ihr Leben bis auf die Grundmauern einzureißen, was eine Sache von Tagen gewesen wäre, schien etwas viel schlimmeres zu entstehen.

Warum tat Madara sich dieses Verhalten der kleinen über Wochen lang an, wenn er sie doch schon nach Tagen zerquetschen könnte. Doch stattdessen ließ er sie nicht einmal mehr allein in seinem Haus zurück, stellte ihr einen Wachhund zur Seite, der sie im Auge behalten sollte. Und von all dem hatte sie nicht einmal etwas mitbekommen. Wahrscheinlich hatte sie nicht einmal eine Ahnung, dass ihr Leben, so wie sie es kannte, schon vor Wochen ein Ende gefunden hätte.
Hätte. Wenn Madara sich nicht dazu entschieden hätte, sie in sein Haus zu lassen.
Warum konnte sie nicht einfach nach Hause zurück?

Weil ich keinen anderen Ort mehr habe, an den ich zurück kehren kann.

Schwer schluckte er.
Sie hatten sich um Izuya gekümmert. Warum also, war sie noch immer nicht in ihr Haus zurück gekehrt? Warum blieb sie noch immer an Madaras Seite, obwohl sie schon längst aus seinem Leben verschwunden sein könnte?
Es lag nicht nur daran, dass Madara sich selbst darum kümmern wollte, etwas über sie heraus zu finden.
Etwas, was Kakuzu mehr als nur verärgert hatte. Er hatte sich mit der Zeit irgendwie darauf gefreut, ihr das Leben schwer machen zu können.

Doch es gab noch etwas anderes, was Madaras Zeit in Anspruch nahm. Etwas, dass wichtiger war, als Miharu das Leben schwer zu machen. Doch keiner schien so wirklich zu wissen, was es war. Keiner außer Kakuzu, der Madara immer wieder mit einem dunklen Blick begegnete, sobald die kleine in seiner Nähe war.
Keiner hatte eine Ahnung, was zwischen den dreien vorgefallen war, doch würde auch keiner eine Antwort erhalten, sollte er nachfragen. Es gab Dinge, die nicht wichtig genug waren, um sie mit den anderen zu teilen.

Jeder hatte seine Geheimnisse, seine Lasten, die er mit sich herum trug. Doch keiner sagte mehr, als er musste. Einzig Madara schien über das ein oder andere Bescheid zu wissen. Allerdings schien er bei einem gewissen Personenkreis darauf zu warten, dass man gewisse Dinge von sich aus Preis gab, ehe er es für nötig hielt nachzuforschen.
Wenn man es so sah, konnte man sagen, dass Madara ihnen vertraute. Vielleicht gerade wegen der Lasten, die sie mit sich herum trugen.

Nur langsam stand Hidan auf.
Noch immer trug er die dunkle Stoffhose und das weiße Shirt, welches er sich gestern Abend zum schlafen übergezogen hatte.
Noch bevor er schlafen gegen war, hatte er einen kurzen Blick in sein Schlafzimmer riskiert. Es war bereits eine ganze Weile still und das Licht erloschen.
Für seinen Geschmack war es zu ruhig und er wollte nach ihr sehen.

Bereits auf dem Flur hatte er den gequälten Laut gehört, welcher ihr über die Lippen gebrochen war. Doch als er sie zitternd vor Kälte auf der Seite liegen sah, war er zu ihr gegangen, hatte diesen gequälten Laut erneut vernommen und sich kurzerhand die Decke geschnappt um sie zuzudecken. Doch noch bevor er zum Fenster gehen konnte um es zu schließen, hatte er die Hand gespürt, welche sich in sein Shirt gekrallt hatte.
Seufzend hatte er sich neben sie gesetzt, sie leicht an sich gezogen ehe er nur für einen kurzen Moment die Augen schloss. Mit jeder Minute die er saß, lehnte er sich etwas tiefer in die Kissen, spürte wie sie langsam wärmer wurde, ehe er irgendwann ebenfalls in die Dunkelheit gezogen wurde.

Nur leicht schüttelte er den Kopf, versuchte die Bilder vom seinem erwachen aus dem Kopf zu bekommen. Wie sie ihn angesehen hatte. Wie sehr wollte er seine Hand auf ihrer Wange ablegen und sie zu sich ziehen. Wie sehr wollte er ihre Lippen auf den seinen-
Seine Gedanken verstummten, als er die Treppe herunter trat.
Miharu stand in der Tür zum Wohnzimmer, war ebenfalls stehen geblieben, als sie ihn sah.
Schweigend wandte sie den Blick ab, versuchte beinahe ertappt seinem Blick auszuweichen.

Ihre Kleidung von gestern Abend hatte sie abgelegt. Eine dunkle Jeans schmiegte sich an ihre Beine, während ein fliederfarbener Pullover ihren Oberkörper vor der Kälte schützen würde. Eine Kälte, welche zu dieser Jahreszeit eher an einen milden Frühlingstag erinnerte, welcher erst in der Nacht zu einer kühlen Winternacht wurde.
Eine kleine Tasche hing quer über ihrer Schulter, so als war sie gerade dabei das Haus zu verlassen.
Doch jetzt rührte sie sich keinen Millimeter.

Er sah, dass sie schwer schluckte.
Ein paar Schritte trennten sie. Während Hidan auf der letzten Stufe der Treppe stehen geblieben war, stand sie noch immer in der geöffneten Wohnzimmertür.
„Wo willst du hin?“
Seine Stimme war ruhig, ließ sie dennoch einen kleinen Schritt zurück weichen.
Wie es schien, hatte er sie bei ihrem Vorhaben gestört und sie wusste ganz genau, dass es falsch war.

Ich will das nicht mehr Hidan.

Seine Kiefer pressten sich fest zusammen, ließ er sie für keine Sekunde aus den Augen.

Ich will das alles schon lange nicht mehr. Ich will nicht bei Madara sein. Seine Nähe macht mich Krank. Er erdrückt mich, nimmt mir die Luft zum atmen, aber-

Noch immer schwieg die junge Frau, konnte ihn einfach nur ansehen.
„Wo willst du hin, Miharu?“
Ein knurren wich aus seiner Kehle, ließ sie für einen kurzen Moment zusammen zucken. Nur langsam schaffte sie es den Blick abzuwenden.

Wieso habe ich dann solche Angst?

Ein genervtes seufzen verließ seine Kehle, ehe die letzte Stufe der Treppe herunter stieg und auf sie zu ging. Zu nah blieb er vor ihr stehen, suchte sie wie automatisch seinen Blick, als sie den Kopf leicht hob.
„Ich denke, wir sollten reden.“
Er sah wie sie die Kiefer zusammen presste. Doch zögerlich nickte sie.
Sie wussten beide, dass die junge Frau um dieses Gespräch nicht herum kommen würde.

Es vergingen Minuten, in denen sie sich gegenüber standen. Sich anschweigen, weil keiner wusste, wie er anfangen sollte.
Schließlich war es Hidan, der an ihr vorbei ging, sich auf der Couch nieder ließ und sie abwartend ansah. Er wartete bis sie sich gesetzt hatte, ließ sie nicht aus den Augen.
Man sah deutlich den festen Griff um den Riemen ihrer Tasche, so als würde ihr dieser halt geben.

Die Gedanken der jungen Frau standen still. Ihr Herz schlug kräftig in ihrer Brust, ließ sie beinahe zu ruhig wirken, während sich ihr Hals anfühlte, als würde sie jeden Moment ersticken.
Kurz atmete sie tief durch, öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch Hidan kam ihr zuvor.
„Wieso bist du immer noch bei Madara?“
Ihr Körper verspannte sich, ließ sie den Blick nicht mehr abwenden. Sie konnte nicht verhindern, dass sie ihn beinahe anstarrte.

Ihr Herz schlug kräftiger in ihrer Brust, wurde von Minute zu Minute schneller, die sich wie Stunden anfühlten. Ihre Gedanken flogen von Sekunde zu Sekunde mehr durcheinander. Sie hatte keine Ahnung was sie ihm sagen sollte.
„Weil-“ ihre Stimme brach ab, schluckte sie schwer, ehe sie es schaffte dem Boden vor ihren Füßen, einen Blick zuzuwerfen.
„Weil ich keinen anderen Ort habe an den ich zu-“
Sie vernahm ein schnauben und hob den Blick.
„Verarsch mich nicht.“

Hidan funkelte sie an, schien seinen Gedanken nachzugehen.
„Du kannst jederzeit nach Hause zurück.“ knurrte er leise, beinahe gereizt.
„Aber Izuya wird-“
„Wir haben uns um ihn gekümmert.“
Miharu verstummte.
Ihr Kopf war mit einem mal wie leergefegt, ehe sie die Informationen verarbeiten konnte.
„Um ihn gekümmert?“ rief sie mit einem mal viel zu laut, ehe sie aufstand und den grauhaarigen mit großen Augen ansah.

Ein genervtes seufzen verließ seine Lippen, ehe er sich gequält über das Gesicht wischte.
„Doch nicht so!“ stöhnte er genervt auf.
„Er wird nicht einfach so in dem Haus auftauchen.“ gab er etwas sanfter von sich, als er ihre Anspannung sah.
Ihre Schultern sackten leicht herunter, schien sie etwas ruhiger zu werden.

Ein seufzen verließ ihre Lippen. Warum war sie eigentlich noch bei Madara? Hatte sie nie daran gedacht irgendwann einfach mal zu verschwinden?
Natürlich hatte sie daran gedacht ihm einfach so den Rücken zu kehren. Sie hatte es ihm doch selbst gesagt, dass sie einfach verschwinden würde. Lag es vielleicht daran, dass sie ihre Sachen seitdem nicht mehr wieder gesehen hatte, die sie damals in die Freiheit entlassen hätten?

Der Umschlag ihrer Mutter...
Er lag noch irgendwo in seinem Haus, irgendwo tief in der Tasche vergraben, mit der sie damals fliehen wollte. Doch es war so viel passiert, zu viel, als noch länger an diesen Umstand zu denken.

Nur leicht hob sie den Blick, traf das so berauschende Flieder.
Doch statt, dass sie diese Farbe wie sonst in den Bann zog, fühlte sie sich mit einem mal weiter entfernt als jemals zuvor.
„Madara wird mich nicht einfach gehen lassen.“
Die Worte kamen ihr mit einem mal in den Sinn.

Natürlich würde er sie nicht einfach so gehen lassen. Denn immerhin schien er etwas vor zu haben, warum sonst, sollte sie noch immer an seiner Seite bleiben?
Warum sollte sie jetzt sonst hier sitzen wie jemand, der sich verdammt tief in die scheiße reiten konnte. Dass das nicht mal gelogen war, dafür konnte sie ja nichts. Anscheinend schien sie das Pech zu verfolgen, oder besaß das Talent mit Anlauf herein zu springen.

„Hast du nie daran gedacht, einfach zu gehen?“
Das Flieder seiner Augen wurde dunkler, ließ sie erschaudern. Seine raue Stimme nahm den Klang von Schmirgelpapier an, welches langsam, beinahe sanft über die Haut gerieben wurde.
Hätte sie nicht ihren Pullover an, dann würde er die feinen Härchen sehen, welche sich auf ihren Armen aufstellten.
Doch viel zu schnell war die Bedeutung seines Satzes in ihrem Kopf angelangt. Ihr Gesicht verzog sich leicht, zogen sich die Brauen zusammen.

„Und was glaubst du, wie weit würde ich kommen? Ich habe rein gar nichts mehr mit dem ich verschwinden könnte.“ knurrte sie leise, stockte jedoch, als sie ihre Worte bemerkte.
Fest biss sie die Kiefer zusammen.
„Madara wird mich nicht gehen lassen, egal wie oft ich versuchen würde zu verschwinden.“ setzte sie leise nach, in der Hoffnung, dass er ihrem ersten Satz keine größere Bedeutung schenken würde.

„Was meinst du damit?“
Sofort wandte sie den Blick ab. Ertappt.
Ihre körperlichen Reaktionen ließen sich nicht kontrollieren, konnte sie nicht für die verräterischen Gesten, die sie vollführte.
„Vergiss es einfach.“ gab sie leise von sich, beinahe murmelnd.
„Was meinst du damit, dass du rein gar nichts mehr hast, mit dem du verschwinden könntest?“
Seine Stimme wurde fester, fordernder.
Sie sah wie er ebenfalls aufstand, einen Schritt auf sie zuging. Er stoppte, bevor er ihr zu nahe kommen konnte. Er würde nicht nach ihr greifen können, sie nicht festhalten oder berühren können.

„Ich sagte, vergiss es einfach!“ gab sie lauter von sich, konnte ihn noch immer nicht ansehen.
„Ich hab doch nur gefragt, was du damit meinst. Wo ist da das Problem?“
Seine dunkle Stimme grub sich beinahe anklagend unter ihre Haut.
Sie wusste doch selbst, dass ihre Reaktion die falsche war. Aber was hätte sie denn anderes sagen können? Die Worte waren ihr über die Lippen gerutscht, bevor sie es verhindern konnte. Sie wollte ihm doch nichts davon erzählen.
Er sollte doch nicht noch mehr mit hinein gezogen werden.
Vielleicht sollte sie ihm in dieser Hinsicht nicht noch mehr Probleme bereiten.

„Denkst du nicht, ich habe nicht über all das, was du für schlaue Ratschläge hältst, schon selbst nachgedacht?“ gab sie sauer von sich.
Er hatte doch keine Ahnung wie viele Stunden sie sich den Kopf darüber zerbrochen hat, wie es weiter gehen soll. Er hatte keine Ahnung, wie viele Nächte sie wach lag, in der Hoffnung endlich aus diesem Albtraum aufzuwachen.
„Wieso kannst du Madara dann nicht einfach den Rücken zukehren, wenn du doch schon darüber nachgedacht hast? Du kannst doch einfach deine Sachen packen und in dein Haus zurück. Was kann Madara dagegen schon tun?“
Miharu warf ihm einen kurzen Blick zu.

Die Stimmung zwischen ihnen schien angespannt. Seine Worte passten nicht zu ihren Gedanken, nicht zu dem, was gerade in ihr vorging. Was war es, woran er dachte?
„Vielleicht sollte ich das einfach tun.“
Ihre Stimme war leise, schien die Spannung zwischen ihnen nur noch zu verschlimmern. Gedämpft drangen die Worte zu ihm durch.
„Vielleicht sollte ich einfach die Chance nutzen und mein Zeug packen, solange Madara nicht da ist. Wenn er in ein paar Tagen zurück ist, bin ich aus seinem Leben verschwunden und über alle Berge.“

Hidan schien wie erstarrt, so als würde er nicht glauben was sie sagte.
„Ist es nicht das was du wolltest? Ich kehre Madara den Rücken und komme dir nicht mehr zu nahe.“ schwer brachen die Worte über ihre Lippen.
Sekunden der Stille verstrichen.
„Miharu-“ seine Stimme brach.
Sie hörte das flehen seiner Worte, den leichten Hauch der Verzweiflung, den seine Stimme mit sich trug. Es war nicht das was er wollte, aber was wollte er dann?

„Du wolltest Abstand, Hidan.“
Ihre Worte trafen ihn wie Messerstiche in die Brust.
Hatte sie wirklich darüber nachgedacht einfach so zu verschwinden?
Würde sie wirklich allen Menschen denen sie wichtig war den Rücken kehren?
War er so Blind gewesen, dass er diesen Gedanken vollkommen verdrängt hatte? Das konnte sie doch nicht wirklich ernst meinen?
„Geh nicht.“
Ihr Blick traf den seinen, weiteten sich ihre Züge überraschend.

Für einen Moment blieb sie Still, sah sie ihn einfach nur an.
Er sah doch, wie schwer es ihr fiel, dass zu sagen. Warum konnte er nicht einfach die Klappe halten? War es so ein Gespräch, welches er gewollt hatte? Sicher nicht!
Ein seufzen drang von seinen Lippen, er trat einen Schritt näher, sah jedoch wie sie genau diesen einen Schritt zurück wich.
Ihre Mundwinkel hatten sich verräterisch nach unten verzogen, währen die Tränen in ihre Augen glänzen. Überrascht weiteten sich seine Augen.
Seine Gedanken schienen mit einem mal zu verstummen.

Er sah, wie sie sich mehr und mehr anspannte. Warum hatte er das wichtigste von all dem verdrängt?
Wochenlang schob sie ihre Freunde von sich, hielt sie auf Abstand, damit sie nicht an Madara gerieten. Seit Wochen hatte sie niemanden, mit dem sie über das sprechen konnte, was in ihrem Leben passierte. Wie lange hielt sie die Sache mit Izuya schon Geheim, ohne dass jemand etwas davon wusste?
Wie viele Geheimnisse lagen ihr noch auf der Brust, von denen er keine Ahnung hatte?
Sie konnte all dem nicht entkommen, egal wie sehr sie es versuchen würde.

Warum dachte er erst jetzt daran, wo er sie von sich geschoben hatte, um ihr nicht noch mehr Schwierigkeiten zu bereiten?
Für einen kurzen Moment schloss er die Augen, atmete tief durch. Erst als Miharu sich über die Augen wischte, versuchte so das verräterische glänzen darin zu verstecken, sackten seine Schultern herunter.
„Miharu...“ seine Stimme war leise, leiser als er erwartet hatte.

Sie schüttelte leicht den Kopf.
„Weißt du Hidan-“ für einen kurzen Moment brach ihre Stimme, fand sie diese jedoch viel zu schnell wieder.
Ein leichtes lächeln legte sich auf ihre Lippen. Ein lächeln, welches mehr an eine gequälte Miene erinnerte, als dass es jemals ernst gemeint sein könnte.
„Ich habe Nächte damit verbracht, mir zu überlegen, wie ich mit all dem umgehen soll.“
Sein Mund öffnete sich leicht, doch wagte er es nicht sie zu unterbrechen. Es schien, als würde er nie die Worte hören, wenn er sie jetzt davon abhielt.

„Ich weiß immer noch nicht was Madara vor hat, warum ich bei ihm bin oder was das alles zu Bedeuten hat. Ich sollte Dankbar dafür sein, dass ich jetzt hier stehe und nicht mit Izuya in diesem Haus-“ ihre Stimme brach und sie räusperte sich leicht, doch ihr gequältes lächeln blieb.
„Ich habe keine Ahnung, wie lange ich das alles noch ertragen hätte. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn Madara mich damals nicht aus dem Haus geholt hätte. Eigentlich sollte ich dankbar sein, denn wenn nicht ich dort gelegen hätte, dann wäre er es gewesen, der an seinem eigenen Blut erstickt wäre.“

Leicht zogen sich seine Brauen zusammen. Er erkannte deutlich den Zorn in ihrer Stimme, doch er hatte keine Ahnung wovon sie sprach.
„Vielleicht sollte ich wirklich froh darüber sein, dass ich es nicht geschafft habe ihn zu-“ wieder brach sie ab, wandte den Blick für einen kurzen Moment ab, ehe ihre Züge weicher wurden.
„Vielleicht war es Madara, der mich damals da raus geholt hat. Vielleicht war es Madara, der dafür gesorgt hat, dass ich nicht unter gehe..“ ihre Stimme wurde leiser.
Schwer schluckte sie den Kloß in ihrem Hals herunter.

„Aber du warst es, der das alles erträglicher gemacht hat.“ ihre Worte glichen beinahe einem flüstern.
Wieder wandte sie den Blick ab, konnte ihn nicht ansehen.
Hidan schwieg, brachte kein Wort über die Lippen.
Ihre Worte brannten sich in seine Gedanken, hallten immer wieder umher, so als gab es nicht anderes mehr in seinem Kopf.

Es waren nicht nur ihre Worte, die ihn schweigen ließen, sondern die Bedeutung dessen, was er getan hatte.
Er hatte sie von sich geschoben, um sie nicht weiter in Schwierigkeiten zu bringen. Doch eigentlich hatte er ihr das letzte Rettungsboot auf einem langsam sinkenden Schiff genommen.
War es das, was sie ihm damit sagen wollte?

Die Sekunden zogen sich zwischen ihnen wie ein zähes Kaugummi in die Länge.
„Ich muss an die frische Luft.“
Sein Blick huschte zu ihr, sah er erneut die Tränen verräterisch in ihren Augen glitzern.
„Miharu!“
Er wollte nicht, dass sie ging. Doch seine Beine rührten sich nicht, als sie an ihm vorbei ging. Seine Arme hoben sich nicht, um sie einfach an sich zu ziehen.
Er hatte sie mit seiner Tat mehr verletzt, als er geglaubt hatte. Hatte er dann jetzt einfach das Recht, sie um sich zu haben?

Er sollte doch auf sie aufpassen verdammt!
Das knallen der Tür ließ ihn aus seiner Starre auftauchen.
„Scheiße!“
Eilig lief er zur Tür, schlüpfte in seine Schuhe und schnappte sich seinen Haustürschlüssel, ehe er einfach im Shirt nach draußen lief. Er hatte jetzt keine Zeit, noch lange nach einer Jacke zu suchen.
Die Einfahrt vor seinem Haus war leer, von der jungen Frau keine Spur mehr.

Sein Blick huschte die Straße entlang, doch auch hier war sie nirgendwo zu sehen.
Zu viele Straßen in die sie hätte verschwinden können, zu viele Gassen, in denen sie sein könnte.
Fest ballte er die Hände zu Fäusten, presste die Kiefer aufeinander.
Warum musste sie nur so verdammt schnell sein, wenn es darum ging zu verschwinden? Dabei machte sie es noch nicht einmal mit Absicht.
War er wirklich so lange in seinen Gedanken versunken, dass sie einfach verschwinden konnte? Sie war nicht einmal schnell an ihm vorbei gelaufen, beinahe schon viel zu langsam, als dass sie wirklich vor hatte zu gehen.

Es war, als würde sie versuchen davon zu laufen, ohne jemals entkommen zu können.
Denn vor ihrer Vergangenheit, vor ihrem jetzigem Leben konnte sie nicht davon laufen.
Mit jedem Schritt den sie sich von ihm entfernte lief sie in eine ungewisse Zukunft.
Am Ende des Tages, wäre auch dieser vorbei. Ein neuer würde beginnen, würde das Herz zum schlagen bringen. Doch auch dieser Tag würde enden, würde einen neuen mit sich bringen, während die Schritte in der Dunkelheit verstummen würden.

Ein neuer Tag, eine neue Stunde voller Ungewissheit.
Sie würde ihrem Herzen niemals entkommen.
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