You'll never be alone ~ Shawn Mendes

GeschichteDrama, Romanze / P16
11.08.2016
13.04.2020
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11.08.2016 2.750
 
[Author's note]

Heyho Leute :)
diese Geschichte hat nichts mit meiner Macklemore-FF zu tun und diese wird deshalb auch nicht unterbrochen. :)
Ihr müsst euch also keine Sorgen machen.

Eure Lisa <3

________

Hannahs POV:

„Cate, jetzt beruhige dich!“
Ich versuchte, meine quirlige kleine Schwester zum Schweigen zu bringen, aber es war absolut nichts zu machen. Seit einer geschlagenen halben Stunde redete sie von nichts anderem mehr als von ihm.
Genervt klappte ich meinen Laptop zu. Solange Cate im Raum war, war das mit dem Lernen eh unmöglich.
„Dad würde mich nie, nie allein gehen lassen!“ Sie sprang auf und ab und ihre braunen Augen schauten mich bettelnd an. „Kannst du nicht, Hannah? Du wärst die beste große Schwester der Welt.“
Schon klar. Wenn es darum ging, etwas für Cate zu erledigen, dann war ich immer die beste große Schwester der Welt.
„Ich verspreche dir auch, dich weiterhin in Ruhe zu lassen, meine Hausaufgaben zu machen und…“
Ich hielt es nicht mehr aus und legte ihr eine Hand auf den Mund. „Cate, es ist okay. Ich gehe mit dir. Aber bitte, bitte halt endlich die Klappe, ja?“
Oh Mann. Wo hatte ich mich da nur reinmanövriert? Eigentlich war ein Shawn Mendes-Konzert das allerletzte, was ich brauchte. Die Abende waren eigentlich fürs Lernen reserviert. In wenigen Wochen stand die Aufnahmeprüfung für die Uni an. Ich wollte Musik studieren und hatte es schon letztes Jahr nicht geschafft, reinzukommen. Aber wenn meine kleine Schwester mich so ansah, konnte ich nicht anders. Nein, ich konnte nicht anders als die beste große Schwester der Welt zu sein. Außerdem spielte Mendes hier in Toronto, seiner Heimatstadt und damit fast vor meiner eigenen Haustür.
Zwei dünne Arme schlangen sich um mich, zwei Mundwinkel zogen sich zu einem „Oh-Gott-ich-liebe-dich-Hannah“-Lächeln nach oben.
„Ist okay, Catie. Aber würdest du mich jetzt bitte, bitte loslassen?“
Sie ließ nur nach mehrmaligem Drängen von mir ab und erklärte mir tausendmal, was für eine tolle große Schwester ich doch sei, dass man sich keine bessere vorstellen könnte als mich. Und in meinem tiefsten Inneren wusste ich, dass es morgen wieder anders aussehen würde. Sobald ich morgen wieder versuchte, meine Rechte als älteres Kind geltend zu machen oder sie dabei erwischte, wie sie meine Schminke benutzte, wusste ich, dass ich nur noch „Hannah, das Monster“ war. Aber wenigstens hatte ich sie diesmal in der Hand. Mit diesem durchaus beruhigenden Wissen komplimentierte ich sie heraus. Es war schwer, sich wieder dem Lernen zuzuwenden. Wenn man einmal herausgebracht wird, ist es nicht so einfach wieder hereinzukommen. Ich starrte aus dem Fenster, betrachtete eingehend die Maserungen meines Schreibtisches und zählte die Stifte in meiner Federmappe. Es waren genau zehn. Ziemlich wenig für so eine große Federmappe, wie ich sie besaß. Cate hatte sie mir geschenkt, als sie erfahren hatte, dass ich mich um die Aufnahme bei der Uni bewerben würde.
„Du wirst sie brauchen, Hannah“, hatte sie lächelnd gesagt und ich hatte diese Mappe dankend angenommen. Meine kleine Schwester war nicht immer nur ein Ekel. Sie konnte auch extrem liebevoll, herzlich und verdammt süß sein. Vor allem, wenn sie was wollte. Seit unsere Mutter vor acht Jahren gestorben war, war ich Cates Bezugsperson. Sie war damals fünf gewesen und hatte nicht wirklich verstehen können, warum unsere Mom nicht mehr da war. Mein Vater hatte alles versucht, um ihre Aufgaben zu übernehmen, aber war schon allein dabei gescheitert, Catie ihr Schulbrot zu schmieren. Ich hatte in dieser Zeit vieles übernommen, aber ich hatte auch viel geweint. Verdammt viel.
Es war nicht nur deshalb gewesen, weil ich elf gewesen war und nun keine Mutter mehr hatte, nicht nur, weil wir jetzt nicht mehr zu viert, sondern zu dritt waren, sondern hauptsächlich, weil Cate jede Nacht weinte und nicht einschlafen konnte und weil ich selbst nicht die Gelegenheit gehabt hatte, mich mit meiner Mom auszusprechen, ihr zu sagen, wie lieb ich sie hatte und dass ich alles, was ich tat, doch nie böse meinte.
Sie war an einem kalten Wintertag gestorben und es hatte uns völlig unvorbereitet getroffen. Die Ärzte meinten, dass es wohl ein Hirnschlag gewesen sein musste. Sie hatte die Zeitung gelesen und war dann mit dem Kopf auf unseren Küchentisch geknallt. Wir waren schon in der Schule gewesen. Damals hatte ich nicht begreifen können, wie schnell so etwas gehen konnte. Von einem Moment auf den Anderen. Am Morgen war sie noch da gewesen und am Abend weinten wir um sie. Am allerwenigsten begriff es Cate. Sie war noch so klein. Als unser Vater uns abholte – Cate vom Kindergarten und mich von der Schule - und erklärte, dass unsere Mom tot sei, starrte meine kleine Schwester ihn an, mit weit aufgerissenen Augen und einem fragenden Gesicht.
„Mom kann nicht in den Himmel fliegen“, hatte sie gesagt, „sie ist doch gar kein Engel.“
Wie erklärt man einem fünfjährigen Kind den Tod? Wie erklärt man seiner kleinen Schwester, dass die Mutter nicht mehr da ist? Dass sie nie wieder da sein wird? Die Wochen und Monate, die folgten, waren die Hölle. Ich sackte in der Schule ab, weil ich mich um Cate und meinen Vater kümmern musste und selbst hatte ich keine Zeit zum Trauern. In dieser Zeit kam Cate mir noch zerbrechlicher vor, als sie ohnehin schon war. Ich versuchte alles, um sie abzulenken: wuschelte in ihren Locken spielte mit ihr, machte mit ihr Schularbeiten. Ich ließ ihr alles durchgehen, weil sie meine kleine Schwester war und weil sie ihre Mutter verloren hatte und weil alles ohnehin schon so schlimm war. In dieser Zeit wurde ich unnatürlich schnell erwachsen. Die beste Schule ist wohl das Leben.  
Das Klingeln meines Handys riss mich aus den Grübeleien und ehrlich gesagt, war ich froh darum. Ich griff danach und sah den Namen ‚Jason‘ auf dem Display. Jason. Wir waren jetzt zwei Jahre zusammen und er war meine große Liebe, so zumindest redete ich mir das ein.
„Ja?“, sagte ich, nachdem ich den Anruf angenommen hatte.
„Hannah. Alles okay?“, fragte Jason. Ich wusste nicht, ob ich eventuell fertig geklungen hatte. „Klar, alles gut.“ Ich erhob mich von meinem Schreibtischstuhl und drehte Runden durch mein Zimmer. An Lernen war eh nicht mehr zu denken.
„Was machst du?“, fragte Jason und ich konnte hören, dass er mir nicht glaubte, alles sei okay.
„Ich … habe gelernt“, sagte ich. „Und Cate war bei mir und…“ – „Du stimmst ihr doch jetzt nicht etwa zu wegen dieses Konzerts?“, unterbrach er mich und sein Ton war höchst misstrauisch. Ich hatte ihm von dem Konzert erzählt und er war von Anfang an dagegen geweesn. Unter seinem Tonfall konnte ich nicht anders, als alles zuzugeben.  „Doch, ich … hör zu, Jason, sie …“
„Hannah. Das mit eurer Mutter ist jetzt acht Jahre her und Cate ist dreizehn. Du musst sie nicht mehr ständig verwöhnen, verstehst du?“
Am liebsten hätte ich aufgelegt. Er verstand einfach nicht, worum es ging
„Ist gut, Jason. Welche Gefallen ich meiner Schwester tue, ist immer noch meine Sache, ja?“ Mein Ton war wohl etwas schärfer als beabsichtigt, denn er ruderte zurück.
„Sorry. Treffen wir uns nachher?“
Ich ließ den Blick zur Wanduhr schweifen. Es war schon um neun, aber was sollte es?
„Klar. Um zehn an unserem Platz?“
„Okay.“
Ich sagte ihm, dass ich ihn liebte und wir legten auf. Ich warf mein Handy aufs Bett und ging langsam Richtung Badezimmer. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass Jason und ich verschiedene Sprachen sprachen. Er verstand einfach nicht, warum ich Cate ab und zu noch verwöhnte, warum es mir wichtig war, ihre Wünsche von den Augen abzulesen, warum ich ihr oft Gefallen tat und ihr Dinge schenkte, die andere Mädchen in ihrem Alter von ihren Schwestern nicht bekamen, auch wenn ich dafür drei Nebenjobs annehmen musste. Aber ich sah immer noch das kleine Mädchen vor mir, mit den fragenden Augen und den Engelslocken. Und dieses Bild würde ich wohl nie ganz verlieren.
Ich zog mich aus und stieg unter die Dusche. Als das heiße Wasser über meinen Körper strömte, fühlte ich mich etwas wohler. Duschen half. Es wusch schlimme Gedanken weg. Ich hatte einfach ein sicheres Gefühl, wenn ich mich so vom Wasser berieseln und einhüllen ließ. Dann, so dachte ich, konnte mir nichts und niemand etwas. Und wie immer, wenn ich mich sicher und unbefangen fühlte, fing ich an zu singen. Ich singe so oft unter der Dusche, einfach das, was mir einfällt und in allen möglichen Tonlagen.
„Selbst, wenn das mit der Uni nicht klappt, der Titel als Duschstar ist dir sicher, Hannah“, hatte mein Vater vor ein paar Tagen scherzhaft gesagt. Bei der Erinnerung daran musste ich lächeln. Was wohl meine Mutter sagen würde, wenn sie wüsste, welche Wege wir alle gingen.
Ich stellte das Wasser ab, seifte mich ein und wusch meine Haare, ohne meinen Gesang einzustellen. Dann wusch ich Seife und Shampoo herunter und trat schließlich aus der Dusche. In ein Handtuch gewickelt, schlüpfte ich wieder in mein Zimmer. Auf dem Handy hatte ich eine Nachricht von Cate.
‚Wenn du nicht gleich aufhörst, zu singen, muss ich dich leider töten, große Schwester‘, hatte sie geschrieben.
‚Töte mich. Dann hast du niemanden mehr, der mit dir zu deinem blöden Konzert geht‘, tippte ich zurück und legte mein Handy wieder weg. Noch eine Viertelstunde bis zu dem Treffen mit Jason. Ich riss meinen Schrank auf, zog eine zerrissene Jeans und einen alten schwarzen Pullover heraus und zog mich rasch an. Meine Haare band ich irgendwie zusammen und auch auf Schminke legte ich heute keinen besonderen Wert mehr. Ich wusste, dass Jason mich komisch anschauen würde, aber es war mir egal. Ich tat ohnehin viel zu selten das, was mir gefiel oder womit ich mich wohlfühlte.

‚Unser Platz‘ war ein Spielplatz in meinem Viertel, also hatte ich es nicht weit. Logischerweise waren um diese Zeit keine Kinder mehr dort. Jedes vernünftige Elternteil schickt seinen Sprössling vor zehn ins Bett.
Jason saß auf einer Schaukel, als ich mich näherte. Meine provisorische Frisur ging auf und ich fluchte leise.
„Du siehst bezaubernd aus, Hannah“, sagte Jason, als ich bei ihm war und die Ironie in seiner Stimme war unüberhörbar. Trotz der Spitze, die er mir zugeworfen hatte, blieb ich ruhig und freute mich, ihn zu sehen. Ich umarmte ihn stürmisch und gab ihm einen Kuss auf die Nase.
„Wie war dein Tag?“, fragte ich und besetzte die Schaukel neben ihm. „Ganz gut. Und deiner? Hast du für deine komische Prüfung gelernt?“
„Ja, etwas“, sagte ich und drehte mich mit der Schaukel ein. ‚komische Prüfung‘ – das schmerzte schon, vor allem, weil dies mein größter Traum war und singen und klavierspielen waren so ziemlich die einzigen Dinge, die ich konnte.
„Hannah?“, fragte Jason nach einer kurzen Weile. Ich sah ihn an. „Was ist?“
„Es tut mir leid“, sagte er. „Schon okay.“ Ich ließ die Schaukel los und trudelte ein paar Sekunden herum. Jason musste mir ausweichen.
„Ich weiß, dass du sauer bist“, sagte er.        
         Schön, dass er es wusste. Ich musste mich bemühen, mich nicht schon wieder schlecht zu fühlen. Mich nicht schon wieder mit meinem Freund zu vergleichen, der ein Überflieger war, der schlaue und intelligente Jason, der sich für Mathe eingeschrieben hatte. Ich hatte grade so meinen Abschluss geschafft und machte jetzt den zweiten Versuch, in die Uni hereinzukommen.
Einmal hatte seine Mutter ihn gefragt, was er an mir fände. Dumm war nur gewesen, dass ich es von der Küche aus, wo ich Geschirr gespült hatte, gehört hatte. Jasons Antwort hatte eine Weile gebraucht. Schließlich hatte er gesagt: „Sie kann hübsch sein. Und nett. Sie hat ein großes Herz.“
Was für mich in dem Moment so viel hieß wie: ‚Ich habe keine andere gefunden, Mom, aber ich bemühe mich.‘
„Hannah, du weißt doch, dass ich dich liebe, oder?“, fragte er und versuchte, meinen Blick zu finden.
„Klar weiß ich das, Jay“, antwortete ich. Obwohl ich manchmal nicht wusste, wer wen mehr liebte. Er mich oder ich ihn.
Ich ließ mich einfach auf der Schaukel hin- und herschwingen und versuchte, an nichts zu denken. Aber das war nicht so leicht. Es funktionierte nicht so, wie ich mir das vorstellte.
„Woran denkst du?“, fragte Jason. Wenn ich ihm das jetzt erzählte …
„Ach, an nichts besonderes“, sagte ich nur und schaukelte etwas heftiger. Jason seinerseits sprang von der Schaukel ab, auf der er saß und schubste mich an. Ich rang mir ein leichtes Lächeln ab und ließ ihn gewähren.
„Gehen wir dann noch zu mir?“, fragte er, als er der Schaukel wieder einen leichten Schubs ga. Wie konnte man so jemandem lange böse sein? Seine blauen Augen fanden schließlich meine, wir sahen uns eine Weile tief in die Augen und ich lächelte.
„Klar.“
Das Problem bei Jason war, dass ich immer schwach wurde. Er brauchte mich nur anzusehen und schon war ich ihm wieder verfallen. Es war unglaublich.
Schließlich hielt er meine Schaukel an. „Gehen wir?“
Ich nickte und wir verließen unseren Platz.

Jason wohnte in einem dieser Viertel, in die ich normalerweise nicht gehen würde, wenn er eben nicht dort wohnen würde. Eines dieser Viertel mit sauberen Vorgärten, ordentlich in Reih und Glied stehenden Beten, mit Gartenzwergen in den Gärten, mit Einfahrt und Kiesweg. Sicher wünschte er sich so etwas auch für sich, oder für uns. Wobei mir nicht ganz klar war, ob er sich das wirklich für uns beide wünschte. Und ob ich diesem Wunsch stattgeben würde. Ich lief neben ihm her und schaute mich in der Gegend um.
‚Hannah, du passt hier eigentlich überhaupt nicht rein‘, sagte es in mir, es schrie beinahe.
Wir erreichten schließlich das Haus, in dem Jason mit seiner Familie wohnte. Alle Fenster waren schon dunkel. Logisch, um diese Zeit lag die hoch angesehene Familie schon in tiefem Schlummer, während der großartige Sohn sich mit der kleinen, nichtsnutzigen, Vielleicht-Musikstudentin im Slum rumtrieb. Bei diesem Gedanken hätte ich gern einmal sarkastisch gelacht.
Jason schloss die Tür auf und ich trat ein. Gespenstische Stille umfing mich, als ich in den Flur hineinging. Dieses Haus hatte etwas unheimlich stiriles mit seinen kalten, weißen Wänden. Während ich meine Schuhe auszog, fragte ich mich, ob Mrs. Leads, Jasons Mutter, jemals darüber nachgedacht hatte, diesem Ort Farbe zu geben. Jemand, der so gestrickt war, wie ich oder Cate, hielt es hier nur sehr kurz aus.
Jason beobachtete, wie ich Zeitlupe meine Schnürsenkel löste.
„Was ist?“, fragte er. „Nichts“, antwortete ich tonlos, zog meine nun offenen Schuhe von den Füßen und räumte sie in ein Regal, das extra dafür vorgesehen war. Nichts durfte einfach so, ohne Grund, herumstehen. Leads’sche Philosophie. In diesem Haus herrschte Perfektion. Nichts durfte rumliegen. Es war so ganz anders als in meinem Zuhause, aber auf diesem Anwesen wohnte auch keine Cate, was dem Ganzen gleichzeitig die Wärme nahm.
„Bist du soweit?“, fragte Jason. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass er mich anstarrte. Und jetzt erst wurde mir klar, dass ich die ganze Zeit an derselben Stelle gestanden hatte.
„Klar“, nickte ich und wir gingen in sein Zimmer.  
Dieser Raum war das komplette Gegenteil vom Rest des Hauses. Jason war unordentlich und das war in jeder Ecke seines Zimmer sichtbar: Klamotten lagen herum, Bücher lagen auf dem Bett und auf seinem Schreibtisch lag eine Pizzaschachtel. Seufzend räumte ich mir das Bett frei und legte mich darauf.
„Was sagt deine Mutter zu dem Chaos?“, fragte ich und lächelte ein wenig.
„Sie interessiert sich nicht sonderlich dafür, solange meine Leistungen stimmen“, gab er zurück und legte sich neben mich. Für einen Moment fragte ich mich, wie es sich wohl anfühlen musste, nur an seinen Leistungen gemessen zu werden. Bei uns hatte es sowas nie gegeben und gab es auch jetzt nicht. Meine Mutter wäre nie auf die Idee gekommen, uns mehr oder weniger zu lieben, gemessen an dem, was wir leisteten und wie gut wir funktionierten. Auch mein Vater hätte das nie getan. Aber in diesem Haus war das Gang und Gebe.  Es gehörte einfach zur Philosophie der Familie dazu.
„Woran denkst du schon wieder?“, wollte Jason wissen.
„Nichts“, sagte ich und kuschelte mich an ihn. In diesem Moment fühlte ich mich wieder unglaublich geborgen bei ihm. Es war unglaublich, wie schnell so etwas wechseln konnte.
„Hannah?“, hörte ich ihn nach einer Weile sagen. Ich sah ihn an. „Du bist mir unglaublich wichtig, weißt du das?“ Und dann küsste er mich. Wie konnte ich bei so jemandem ‚nein‘ sagen? Wie konnte ich dieses Lächeln, diese Augen, diesen Menschen verschmähen? Er schaffte es, meine ganzen Zweifel gegen ihn und unsere Beziehung wegzuwischen.
Erst im Nachhinein merkte ich, wie dumm ich war.