Second chances

GeschichteDrama, Romanze / P12
Aria Montgomery Jason DiLaurentis
07.08.2016
13.10.2016
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Aria kann nicht schlafen. Sie weiß, dass es absolut dumm und übertrieben unreif sein mag, aber der Gedanke, dass er nur wenige Meter weiter über den Flur in seinem Zimmer ist und dort vermutlich keinen Gedanken an sie verschwendet, lässt sie nicht schlafen.

Mit jeder schlaflosen Nacht mehr, weiß sie, dass sie ihn angelogen hat. Dass sie ihm etwas vorspielt. Doch es gibt kein Zurück mehr. Sie will nicht aufhören, ihn zu treffen. Das war nicht gelogen. Aber sie kann auch keinen Schritt mehr vorgehen.

Keine Gefühle. Das war seine Bedingung. Würde er merken, dass sie ihn schon in dem Moment mehr mochte, in dem sie ihm ihr Versprechen ins Ohr geflüstert hat, würde er sicher sofort auf Abstand gehen.

Sie muss einfach so tun, als würde es ihr auch nur um den Spaß gehen.

Trotzdem ändert dieses Vorhaben nichts an ihrer Schlaflosigkeit. Sie schlägt die Decke zurück und steht so lautlos wie möglich aus ihrem Bett auf. Einer einfachen Luftmatratze, die mit jeder Minute platter wird.

Sie sieht sich noch einmal um, bevor sie die Zimmertür von außen schließt, doch die anderen vier Mädchen liegen immer noch schlafend in ihren Betten.

Jede Treppenstufe knarrt, als sie sie vorsichtig hinabsteigt, doch im Haus der DiLaurentis bleibt es weiter still. Keiner scheint aufgewacht zu sein.

Sie läuft in die Küche und greift nach einem Glas aus dem Schrank über der Spüle. Sie fährt vor Schreck zusammen, als neben ihr plötzlich eine Gestalt steht, die ihr ungefragt Wasser in das Glas füllt.

„Jason!“, sagt sie lauter als gewollt. Ihre rechte Hand hält sie an ihr klopfendes Herz. „Du hast mich zu Tode erschreckt!“, beklagt sie sich. „Wie bist du so leise, die Treppe runtergekommen?“, fragt Aria verwundert.

„Ich war schon unten. Ich konnte nicht schlafen“, erklärt er ihr. Er konnte nicht schlafen?, fragt Aria sich verwundert in ihren Gedanken.

Aus denselben Gründen wie sie? Weil er an sie denken muss? Weil er sofort mehr für sie empfunden hat? Sie versucht sich diese Gedanken wieder aus dem Kopf zu schlagen. Rede die das gar nicht erst ein! Er hat deutlich gesagt, dass er nicht mehr als Spaß will.

„Hey, ich finde du siehst viel zu nachdenklich aus“, reißt er sie aus ihren Gedanken. Er nimmt ihre Hand und zieht sie ein Stück näher an ihn heran. Aria leistet keinen Widerstand. Sie lässt sich von ihm so nahe heranziehen, dass sie schon seinen Atem auf ihrer Haut spüren kann.

Aria spürt wie ihr Herz immer schneller schlägt. Sie schließt ihre Augen, als sich seine Lippen sanft auf ihre legen. Aria legt ihre Hand in seinen Nacken und zieht sich vorsichtig zu ihm hoch. Ihr läuft ein Schauer über den Rücken, als er sanft mit seiner Zunge gegen ihre Lippen drückt.

Sofort gewährt sie ihm, ihre Zunge mit seiner zärtlich zu streicheln. Aria spürt das Kribbeln auf ihrer Haut bei seinen Küssen, die ihr ein Lächeln auf die Lippen zaubern wollen, das sie versucht zu unterdrücken, um ihren Kuss nicht zu unterbrechen.

Genießend fährt sie mit ihrer Hand seinen Oberkörper hinunter. Sie kann jeden trainierten Muskel seines Körpers unter dem T-Shirt ertasten. Doch plötzlich sieht sie wie er schmerzverzerrt das Gesicht verzieht.

Erschrocken und besorgt, löst sie sich von seinen Lippen. Ohne ihm um sein Einverständnis zu fragen, hebt sie sein T-Shirt. Nun hat sie nicht nur einen freien Blick auf seine trainierten Bauchmuskeln, sondern auch auf einen rot-violetten Bluterguss. Der deutlich sichtbar neben seinem Bauchnabel liegt.

Vorsichtig legt Aria ihre Fingerspitzen auf die verletzte Stelle. Doch bevor sie sich den Bluterguss näher ansehen kann, nimmt Jason ihr das T-Shirt aus den Händen und zieht es wieder hinunter.

„Was ist das?“, fragt Aria trotzdem besorgt. „Das ist nichts“, antwortet Jason knapp. „Nichts?“, wiederholt Aria seine Worte. „Nur eine kleine Sportverletzung. Keine große Sache“, antwortet Jason. Aria sieht ihn skeptisch an.

Sie weiß nicht, ob er sie nicht gerade anlügt. „Warst du damit zum Arzt?“, fragt sie. Genervt lässt Jason seine Arme an seinem Körper hinunter fallen. „Ich habe keine Lust zu reden, Aria“, sagt er sauer.

„Ich will Spaß. Du sollst mich nicht ausfragen. Das war die Bedingung. Also nimmst du dein Versprechen zurück? Wenn du das nicht willst, wenn du mehr willst, dann sage es jetzt“, fordert er mit funkelnden Augen.

Sie muss zusammenreißen, wenn sie weiter Zeit mit ihm verbringen will. Sie muss ihre Gefühle abschalten. Noch viel mehr als sie dachte.

Aria antwortet nicht. Stattdessen stellt sie sich auf ihre Zehenspitzen und presst ihre Lippen gegen seine. Erleichtert schlingt sie ihre Arme um seinen Nacken, als er den Kuss erwidert.

Aria und Jason sehen sich in der folgenden Woche jeden Tag. Es endet immer gleich. Sie küssen sich heimlich in seinem Zimmer, hinter irgendeiner versteckten Ecke oder nachts bei verabredeten Treffen im Haus seiner Familie. Manchmal treffen sie sich zufällig, manchmal fängt ihr Herz an zu schlagen, wenn sie eine Nachrichtig von ihm auf ihrem Handy sieht.

Es ist ein sonniger Tag, als Jason sie sieht abseits alleine sitzen sieht. Sie hat sich mit dem Rücken an einen Baum gelehnt und ihre Beine angezogen, damit sie in das Buch auf ihren Beinen schreiben kann.

Er kann nicht anders. Irgendetwas zieht ihn zu ihr. Er kann nicht einfach so tun, als hätte er sie nicht gesehen. Er will es auch nicht.

Er weiß, dass es gefährlich ist, zu ihr zu gehen. Nicht für sich. Aber mit ihr gesehen zu werden. Viele in diesem Park kennen ihn, kennen sie, kennen Alison. Sie würden keine Sekunde zögern und Alison erzählen, was sie gesehen haben. Doch er läuft trotzdem auf sie zu.

Aria bemerkt ihn erst, als sie seinen Schatten auf ihrem Buch sieht. Erschrocken schließt sie augenblicklich das Buch und schaut hoch. „Hey“, sagt er lächelnd. Aria lächelt ihn verlegen an. Jason setzt sich neben sie und legt den Basketball, den er eben noch in den Händen gehalten hatte, neben sich.

„Was machst du?“, fragt er sie. „Nichts besonderes“, sagt sie schnell. Jason ist ein wenig enttäuscht, dass sie ihm offensichtlich etwas nicht erzählen will. Als er einen kurzen Blick auf ihr Notizbuch wirft, liest er die Schrift auf dem Cover.

I knew I did from that first moment we met. It was…not love at first sight exactly, but- familiarity. Like: oh, hello, it's you. It's going to be you. Game over

„Ist das von dir?“, fragt er, als er auf das Zitat zeigt. Aria schaut auf das Cover, als hätte sie das Zitat zum ersten Mal gesehen.

Schnell schüttelt sie mit dem Kopf. „Nein, es ist ein Zitat aus einem Buch von Mhairi McFarlene“, antwortet sie ihm.  

„Warum magst du es?“, fragt er interessiert. „Hmm?“, fragt Aria irritiert.

„Naja offensichtlich magst du das Zitat doch, sondern würdest du es nicht auf das Cover schreiben“, stellt er fest.

Aria schaut ihn für einen kurzen Moment still an. Warum fragt er das? Er hatte sie sowas noch nie gefragt. Er wollte noch nie wissen, warum sie etwas tat oder warum ihr etwas gefällt.

Ehrlich gesagt, fällt ihr es auch schwer, ihm diese Frage zu beantworten, weil sie an ihn gedacht hat, als sie gelesen hat. „Ich weiß nicht“, fängt sie an zu stottern.

Sie kann ihm gar nicht in die Augen sehen, als sie ihm antwortet. „Manchmal liest man etwas und es gefällt einem einfach“, flüchtet sie sich auch seiner Frage.

„Schreibst du selber?“, fragt er dann. „Manchmal“, antwortet sie ihm den Blick immer noch von ihm weg gerichtet. „Jetzt gerade auch?“, fragt er sie grinsend.

„Ja“, antwortet sie leise. „Was schreibst du?“, fragt er sie weiter. Aria ist immer noch irritiert. So viel hatte er noch nie mit ihr gesprochen.

Stirnrunzelnd schaut sie ihn an. Doch er scheint ehrlich interessiert zu sein. „Es ist nicht wirklich eine ganze Geschichte. Ich sammle nur Ideen und schreibe immer mal wieder Szenen auf“, erzählt sie ihm.

„Darf ich was davon lesen?“, fragt er sie vorsichtig. „Noch nicht“, antwortet sie sofort.

Niemals hätte sie gedacht, dass er lesen möchte, was sie schreibt. Dass ihn interessiert, was sie gerne tut.

„Vielleicht irgendwann?“, fragt er.

„Ja vielleicht irgendwann“, antwortet sie.

„Aber nicht jetzt“, wiederholt er nur feststellend nicht fragend.

„Nein, nicht jetzt“, wiederholt sie ebenfalls.

Jason stützt sich vom Boden ab und bleibt gehockt einen kurzen Moment vor ihr sitzen und schaut sie an. Für einen kurzen Augenblick glaubt Aria, dass er sie zum Abschied küssen wird, doch dann scheint er seine Plan zu ändern.

„Triffst du dich heute noch mit Ali?“, fragt er sie. Aria weiß, dass die Frage eigentlich heißen soll: Sehe ich dich heute nochmal? Kann ich dich heute nochmal küssen? Doch er kann nicht zugeben, dass er gerne Zeit mit ihr verbringt.

„Nein, heute nicht“, antwortet sie ihm schlicht. Jason nickt nur, doch Aria kann die Enttäuschung in seinem Blick sehen. Jason steht er auf, verabschiedet sich und geht.
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