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Continguity Magica

GeschichteFreundschaft, Tragödie / P12
Homura Akemi Kyouko Sakura Madoka Kaname Mami Tomoe OC (Own Character) Sayaka Miki
07.08.2016
22.07.2018
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26.09.2016 5.059
 
Contiguity Magica

Kapitel 02: Düsternis


Der Schultag hatte sich nach einer quälend langen Zeit für die drei jungen Mädchen endlich zur Neige gelegt. Sie hatten über den Zeitraum, den sie auf dem goldbraunen Pfad verbrachten, mit einer schweren Zunge und einem noch schwereren Kopf zu kämpfen gehabt. Als Ergebnis fiel ein unfreudiges, in Gedanken verlorenes Schweigen aus, welches wenig mundete, doch jedes Wort kratzig für den Hals machte. Es ließ sich nicht von der Hand weisen, dass diese getrübte Stimmung, die noch am Morgen so fröhlich und unbeschwert sich erst mit der Sonne erhoben und sobald darauf mit ihr langsam aber stetig sank, seinen Ursprung bei der neuen Klassenkameradin hatte.
Homura Akemi.
Allein der Name kitzelte und reizte den Reflex Sayakas so, dass sie ihn mehr spuckte als sprach. Und obwohl sie das Epizentrum der Verdrießlichkeit, nicht nur für Sayaka Miki, sondern für alle drei Mädchen war, schaffte sie es sogar noch für ein ungleiches Verhältnis an Problemen aufzukommen, von dem keine der drei wiederum wusste, ob sie dies nun beabsichtigte, oder nicht.
Madoka war zu jeder gegebenen Zeit, die der Tag hergegeben hatte, Opfer ihrer malträtierenden Blicke geworden, die sie innerlich nahezu perforierten. Ununterbrochen behandelte sie die Frage, womit sie solche Missgunst auf sich gelenkt haben konnte, kam aber zu keinem nennbaren Ergebnis. Sie war ein Mädchen, dem es sehr nahe ging, wenn sie ohne ihr Wissen Ärger auf sich zog, was zu einer eben solchen Reaktion führte. Nun schaute das sonst so fröhliche Ding traurig und sich grämend zu Boden.
Sayakas taumelnder Gang, ähnlich wie ihre Stimmung, die auf der Grenze zwischen Frust und Neid tänzelte, war dahingegen von eher ranküner Natur. Eifersüchtig ließ sie alles Geschehene, jede einzelne Unterrichtsstunde, wie auch die Pausen, in denen die Neue alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, Revue passieren. Sie grämte die Gewissheit um ein Mädchen, dass schön, klug und sportlich zugleich war und Sayaka keine Gelegenheit bot, sich selbst profilieren oder zumindest beweisen zu können. Für ein so ehrgeiziges Mädchen, kam dies der Schmach einer Niederlage gleich. Doch was Sayaka daran wirklich verärgerte, sie gar zur brodelnden Lava in einem schlafenden Vulkan werden ließ, war die bislang unbekannte Eitelkeit, die in ihr, wachgerufen durch Homura Akemi, nun zu Tage getreten war. Ein verächtliches und hässliches Charakteristikum, von dem sie sich immer frei und ungebunden glaubte. Es störte sie – traktierte sie –, zu wissen, dass sie so etwas wie Eifersucht für ein Mädchen empfand, dass sie nicht einmal kannte.
Was Hitomi betraf, so war sie von dem seltsamen Verhalten und den besonderen Talenten ihrer neuen Mitschülerin völlig unberührt geblieben. Sie bekümmerte es weitaus weniger, wer schöner, klüger oder sportlicher war als sie. Sie wusste um ihre Qualitäten, ihre Stärken, aber auch um ihre Schwächen und wollte keine freie Zelle ihres Gehirns für jemanden aufopfern, den sie weder kannte, noch der sie interessierte. Dies war übrigens auch der Grund, wieso sich das Mädchen nicht mit dem mysteriösen Fremden, der ihr diesen schönen doch namenlosen Liebesbrief geschrieben hatte, traf. In Hitomis Welt war wenig Platz für derlei Gestalten, die sich entweder viel zu auffällig benahmen oder sich für sich selbst schämten, was ihre enge Verbundenheit zu Madoka Kaname und Sayaka Miki formte.
Sayaka, war immer ein sehr stolzes und selbstbewusstes Mädchen gewesen, dem es jedoch nicht darum ging, Eindruck zu schinden. Sie liebte das Leben und genoss dieses auch in vollen Zügen. Madoka war unterdessen vielleicht nicht ganz so selbstbewusst, dafür ebenso voller Lebensfreude. Schüchternheit und Offenheit, zwei so gegensätzliche Dinge, die sie miteinander vereinte. Hitomis Freundinnen waren, was ihr Leben um einiges reizvoller und schöner machte.
Umso mehr betrübte es sie zu sehen, wie sich die beiden in eine quälende Absenz verirrt hatten und sich selbst damit drangsalierten. Nach zwei erfolglosen Versuchen, ein heiteres Gespräch zu erwirken, hatte sie schnell kapituliert und sich ebenso ihren ganz eigenen Problemen und Sorgen gewidmet. Diese galten zum Beispiel dem anstehenden Privatunterricht, in der sie eine Stunde lang Teezeremonien zelebrierte. Eine Stunde pure Langeweile. Das war das Kreuz, dass sie für ihren reichen Stand zu tragen hatte; wenig an Freizeit und dafür viel an Verantwortung. Und als wäre das nicht schon Nerven fordernd genug, musste sie noch für die anstehenden Prüfungen lernen.
Eine durchweg trübe Stimmung, die sich, bis die drei Mädchen das Einkaufsviertel der Stadt erreicht hatten, nicht legte. Das Einkaufsviertel, das im selben Zuge auch namentliches Zentrum der Stadt Mitakihara war, war ein, von schillernden Farben und Neon beleuchteten Schriftzügen durchwachsenes Paradies. Wo man auch das Auge hinschweifen ließ, sah man grellbunte Reklametafeln, die für neue Filme und Produkte warben. Aus den umliegenden Spielhallen begattete die laute, basslastige Musik die Ohren der vorbeikommenden Passanten, während sich ein Gedränge – ganz gleich, wie breit die Straßen auch waren – selten bis gar nicht vermeiden ließ. Riesige Monitore erstreckten sich über die Häuserwände und boten dem Auge eine vielfältige Mischung aus Nachrichten und Werbung. Wahrlich, die Stadt Mitakihara war ein technologischer Meilenstein in der Geschichte Japans. Dieser Moment, wenn man zum ersten Male seine Schritte durch die Einkaufmeile lenkte und der Kopf beinahe autonom zu allen Seiten ausschwenkte, damit das wache Auge auch ja nichts verpasste; es war unvergleichlich und maß sich in der Erinnerung auf einer Stufe mit einem Freizeitpark.
Bog man von dem Platz, von dem man einen guten Blick auf die großen Flimmerkisten hatte, in die Straße ein, die zum nahegelegenen Fluss führte, der die Stadt spaltete und Wohnsiedlung von Industrie trennte, so kam man automatisch zu einem Gebäude, dass die Kubatur einer Kugel besaß. Die untere Trageschicht war aus Beton und Stahlträgern, die dem Konstrukt die nötige Festigkeit und Stabilität gaben. Die Kuppel darüber bestand aus neben- und übereinander gereihten Glasfenstern. Das Innenleben dieses faszinierenden Gebäudes war eine Aneinanderreihung großer Laden- und Restaurantketten, die über ein großflächiges Atrium miteinander verbunden und auf viele Stockwerke verteilt waren. Und in einer dieser Restaurantketten – die mehr ein gut eingerichteter Schnellimbiss war – hatten sich Sayaka, Madoka und Hitomi zusammengesetzt. Sie legten ihre Taschen auf die weiß gepolsterte Eckbank und warteten auf den Kellner, der auch prompt erschien. Mit Stift und Zettel und einem warmen Lächeln gewappnet, dass die drei Mädchen sogleich ein wenig erheiterte, notierte er sich ihre Bestellung und kehrte in nur wenigen Minuten mit drei Tabletts, die er auf seinen zwei Armen geübt balancierte, wieder. Die drei bedankten sich und warteten, bis er ihnen den Rücken gekehrt und sich einem anderen Kunden zugewandt hatte, ehe es aus Sayaka mit einem frustrierten Seufzen herausbrach und sie den stillen Raum zwischen den sich und den beiden anderen endlich mit Worten füllte.
„Das ist zum verrückt werden, wie macht sie das nur?“
„Kein Schimmer, ist mir auch schleierhaft“, erwiderte Madoka, die Hände unter dem Tisch knetend und faltend.
Sayaka baute ihren kummervollen Frust auf den Wassern der Verdrießlichkeit. Sie war wie ein kleiner Wellengang, der sich unter unruhigem Himmel zu einem großen Wall aus Wasserschwaden auftürmte. Sie trennte ein großes Stück ihres bestellten Hot Dogs mit den Zähnen ab, kaute krampfhaft, wie als würde sie auf Gummi beißen, daran herum und deutete mit der abgekauten Seite in Richtung Madoka, die ihr gegenüber saß. Mit vollen Mund sprach sie dann: „Sie beherrscht die Kampfkunst, genau wie alte Schriften es vormachen, ist sowohl klug, als auch schön; vielleicht ist sie ja ein Freak.“ Dann schluckte sie, was sie zu einer breiigen Masse bearbeitet hatte, herunter und tat weiter ihren Unmut kund. „Das ist echt nicht zum aushalten, wie lange will sie sich denn noch beweisen, diese angeberische Schulwechslerin, glaubt sie etwa, dass so etwas cool ist?“
Madoka rutschte darauf mit unwohlem Gesicht auf ihrem Sitz vor und zurück, während sie ihre Finger miteinander verzahnte und die Hände dann, wie zu einem Gebet, zusammenpresste. Gleichzeitig schien sich ein Knoten in ihrer Zunge zu bilden, der sie stumm hielt und nichts auf Sayakas Worte erwidern ließ. Tatsächlich war ihr dieser Umstand aber sogar ein ganz angenehmer, denn Madoka wollte nicht über ihre neue und seltsam verwobene Mitschülerin nachdenken. Ihr genügte schon die offensichtliche Obsession gegen ihre Person, die sie an diesem Tage in Form der missbilligenden Blicke erhalten hatte.
Hitomi indes, die ihres Ermessens nach schon lange genug still war, blickte von Sayaka auf Madoka, legte dabei das ihr typische, hübsche Lächeln auf und sagte: „Madoka, bist du sicher, dass du Akemi-san noch nie begegnet bist?“
Madoka verneinte die Frage kopfschüttelnd. „Ich muss aber zugeben, es fühlt sich sehr seltsam an. Irgendwie scheint sie mich zu kennen und auch ich habe das Gefühl, ihr schon einmal irgendwo begegnet zu sein. Aber wo und wann und wieso ich mich nicht daran erinnern kann …“ Sie seufzte, als sich ihre Gedanken darüber zerstreuten und blickte niedergeschlagen auf den bestellten und unberührten Salat.
„Denkst du, dass sie sich noch an dich erinnert, wenn ihr euch schon mal begegnet seid?“
Weniger das „ob“, als mehr das „woher“, sinnierte Madoka im Kopfe und schüttelte diesen ratlos, um Hitomi eine Antwort nicht schuldig zu bleiben. Sie nahm den Deckel des durchsichtigen Plastikbehälters ab, griff zur Gabel und stocherte müßig in ihrem Salat herum. Wieso berührt mich das überhaupt so sehr? Neben diesem Gefühl der Beklommenheit, wenn sie mich so finster und böses wollend anblickt, fühle ich auch so etwas wie Trauer. So als ob …
Zwei Spitzen der Plastikgabel bohrten sich in eine der kleinen Tomaten, die unter einem grünen Blätterdach verborgen lagen. Madoka führte sich diese zum Munde, kaute genüsslich und unterließ den Versuch, die grämenden Gedanken weiter fortzuführen. Zeitgleich hob sie den Kopf und suchte erneuten Augenkontakt mit Hitomi und Sayaka. Dabei geschah es, dass sie durch den freien Raum zwischen den beiden, zum dahinterliegenden Tisch blickte und einen jungen Mann erblickte, der sie sofort mit seinen stieren Augen fing, die nur ihr allein galten. Es war der nämliche Gast, dem sich der junge Kellner noch vorhin zugewandt hatte, nachdem er den drei Mädchen die gewünschte Bestellung übergeben hatte.
„Madoka? Madoka. Hey, hörst du mir überhaupt zu?“
Madoka brach aus ihrer Trance, die anscheinend die Zeit selbst verschlungen hatte.
„Alles in Ordnung?“, fragte Hitomi.
„Ähm, ja ich …“ Sie flatete und knetete die Hände, fern den Augen ihrer beiden Freundinnen, unterhalb der Tischplatte und ließ dem jungen Manne immer wieder unsichere Blicke zukommen, während er sie fest fixiert und im Fokus seine ganzen Aufmerksamkeit hielt.
Sayaka, die Madokas Verhalten kurz mit zerteilender Schärfe analysierte, legte einen Arm um die Lehne ihres Stuhl, drehte den Oberkörper, soweit es ihr Rückgrat zuließ und folgte der flatternden Linie, die Madokas Augen ständig über ihre Schulter hinweg zeichnete. Nun war auch sie auf den Manne aufmerksam geworden, der nun damit begonnen hatte, auf seinem Strohhalm herum zu kauen. Die eine Hand stützte seinen Kopf, die andere hielt das, von süßlicher Nässe befeuchtete Ende des weißen Trinkröhrchens. Er hatte kohlschwarzes, schulterlanges Haar, das nach hinten hin zu einem kurzen aber dicken Zopf zusammengeflochten war und trug eine dicke, rote Jacke, unter der sich ein schwarzes Hemd auf seiner leicht blässlichen Haut abzeichnete. Hinter seinen freundlichen Gesichtszügen konnte man eine Spur jugendliche Naivität vermuten, was vermutlich auch der Grund war, weshalb er die drei Mädchen so ungeniert angaffte.
Sayaka schenkte ihm eine, seinen stierenden Augen angemessene, missbilligende Miene, drehte sich wieder Madoka zu und lehnte sich über die Tischkante zu ihr herüber. „Kennst du den?“, flüsterte sie.
„Nein“, flüsterte Madoka zurück.
„Wieso gafft der dich dann so an?“
Hitomi, welche ebenfalls ein misstrauisches Auge über ihre Schulter geworfen hatte, flüsterte, mit einem verschmitzten Lächeln im Anschlag: „Vielleicht hat er ja ein Auge auf dich geworfen, weil er dich super süß findet.“ Sie hielt sich kichernd eine Hand vor dem Mund. „Die Schleifchen zeigen bereits Wirkung.“
„Ich finde ihn sehr unheimlich“, erwiderte Sayaka mit angewiderter Miene. „Schau nur seine Haut. Die ist so fahl und blass. Und seine Augen sind so schwarz und irgendwie …“ Sie schauderte. „Irgendwie sieht er aus, als wäre er frisch aus dem Grab gekrochen.“
„Du meinst, er ist ein Zombie?“, erschrak Madoka, wie dem Aberglauben verfallen.
„Vielleicht sollten wir ja woanders hingehen.“
„Aber Sayaka“, sagte Madoka und deutete auf den Hot Dog auf ihrem Tablett, „du hast dein Essen kaum angerührt. Und ich meins auch nicht.“
„Kannst du denn dein Essen genießen, mit der Gewissheit, dass du beobachtet wirst?“, sagte Sayaka. „Sowieso ziehst du heute ganz schön viele unheimliche Blicke auf dich.“
Madoka machte ein Gesicht, dass einen stillen Zuspruch für Sayakas Worte in sich trug.
„Ich müsste sowieso auch jetzt los“, sagte Hitomi, als sie ihr blaues Klapphandy auspackte und auf das Display guckte, auf dem eine unstete Uhr zu sehen war.
„Oh“, rief Sayaka aus, „stimmt ja, du hast ja noch deinen außerschulischen Unterricht. Hast du Klavier oder japanischen Tanz?“
„Nur eine Teezeremoniestunde“, antwortete Hitomi, als sie mit einer Hand ihre Tasche und mit der anderen das Tablett ergriff und fuhr resigniert seufzend fort: „Und dabei muss ich noch für die Prüfung lernen.“
Sayaka machte darauf ein heiteres Gesicht, wie man es von Menschen kannte, die sich von Geburt an ihres Lebens mit dem begnügen konnten, dass ihnen der Mittelstand zu bieten vermochte. Sie hatte weniger Pflichten und Verantwortungen und dafür mehr Spielraum für ihre eigene Freizeitgestaltung. Ganz im Gegensatz zu Hitomi, die ihre Freizeit nur am Wochenende planen konnte.
„Hey Madoka“, sagte Sayaka, sich beim Aufstehen wieder zu Madoka hinüber beugend, „wollen wir unterwegs noch kurz in ein Musikgeschäft gehen?“
Um Madokas Lippen legte sich ein verspieltes Lächeln. „Klar doch. Wieder was für Kamijo-kun?“
Sayakas Wangen wurden glühend rot. Die sonst so Temperamentvolle und durchaus Wortgewandte, vermochte bei dem Klang dieses Namens nicht zu sprechen und verfiel in einen Moment der Verlegenheit, den sie mit einem Kichern zu kaschieren versuchte.


Zur selben Zeit:

Ein unbekannter Ort


Der, von fadem Licht begleitete, enge Korridor barg nur die Akustik ihrer sich widerhallenden Schritte. Eisern und verbissen ließ sie die Augen jede verräterische Spalte, jede noch so dunkle Ecke abtasten. Von weitem wurde sie dem donnernden Grollen großer Maschinen gewahr, derer sie sich langsam näherte.
„Und?“, fragte sie und hörte auf der anderen Seite ihrer telepathischen Verbindung nur ein müdes Gähnen.
„Sie verlassen gerade das Lokal.“
„Irgendetwas Auffälliges?“
Es entstand eine auffällig lange Pause.
„Shiro!“, erhob Homura mahnend die Stimme.
„Man hat sie beobachtet.“
„Ein Feind?“
„Vielleicht.“ Und wieder blieb er eine lange Zeit auffällig still. „Vielleicht war es auch nur der freche Blick eines neugierigen Typen.“
„War er allein?“
„Ja.“
Homura blieb abrput stehen. Sie schielte, aus Überzeugung einen verdächtigen Schatten an ihr vorbeihuschen gesehen zu haben, in eine kleine, enge Nische links von ihr. „Folge ihnen“, befahl sie, ohne den Spalt in der Wand aus den Augen zu lassen. „Lass die beiden nicht einen Moment unbeaufsichtigt.“
„Wie fürsorglich. Und wie soll ich vorgehen, wenn der Typ sich als feindlich herausstellt und mich angreift?“, fragte Shiro.
„Halte dich einfach bedeckt. Solltest du wirklich …“ Sie brach ab, als ein violettes Leuchten, ausgehend von dem kleinen Edelstein, der an ihrer linken Rückhand eingefasst war, plötzlich ihre Aufmerksamkeit verlangte.
„Homura?“
„Ich bin noch da. Eine Hexe ist in der Nähe.“
„Heute ist ja ganz schön was los. Soll ich kommen und dir helfen?“
„Sei nicht albern“, sagte Homura mit kalter Stimme. „Überlasse das mir. Du sorgst weiterhin für die Sicherheit der beiden. Kleb wie ein Schatten an ihnen, aber bleib unauffällig. Wenn alle Stricke reißen, ist dir alles erlaubt, um sie außer Gefahr zu halten.“
„Mehr brauch ich nicht zu hören. Ich nehme die Verfolgung weiter auf.“
Die telepathische Verbindung endete mit dem plötzlichen eintreten der lauten Geräuschkulisse der Umgebung, als hätten die Ohren – speziell für diese geistige Verbindung – alles störende gefiltert.
Homura hielt ihre Waffe im Anschlag, mahnte sich einem Moment zur Geduld, ungeachtet das ihr kleiner Edelstein leichte pulsierende Schläge von sich gab, zielte dann in die unbekannte Schwärze … und feuerte.


Zur selben Zeit:

Im Einkaufszentrum


Hitomi stellte sich mit beiden Beinen auf die oberste Stufe der Rolltreppe, welche sie, zusammen mit einigen Vorangegangenen, schleichend ins Erdgeschoss beförderte. Sie hatte sich noch einmal rasch nach Madoka und Sayaka umgewandt, die Hand zum winken gehoben und ihre Freundinnen mit dem Versprechen auf das morgige Wiedersehen verabschiedet. Die beiden winkten zurück, warteten und wandten sich dann auch zum Gehen um. Ihr Weg führte sie in eines von drei Musikgeschäften der Einkaufspassage. Es war ein kleiner, eher unrühmlicher Laden, mit einer jedoch sehr besonderen Auswahl verschiedener Musiker und Komponisten. Er zählte zu Sayakas Spitzenfavoriten, wenn es um klassische Musik ging, speziell Saiteninstrumente hatten es ihr angetan.
Mit einem Finger im Anschlag, schritt sie auf das kleine, abgeschrägte Terminal zu, während die andere Hand vom Gurt ihrer Tasche ließ, die, dank ihres raschen Gangs, nur noch lose um ihre Schulter baumelte und nach dem Kopfhörer griff, der unsicher und kippend an einem Haken direkt unterhalb des Bildschirms hing. Sie legte sich die Muscheln um die Ohren, suchte unter dem Karteireiter „Instrumente“ nach „Violinen“ und lauschte dem Spiel des Violinisten „Dawd Ostrakh“. Als der Mann die ersten Saiten zupfte – noch bevor er also überhaupt mit seinem Bogen über sein Instrument strich – war es schon um sie geschehen. Gespannt lauschte sie ihm, versank in die vielen schönen und sanften Töne und gab sich ihrer inneren Ruhe und Zufriedenheit hin. Sie schloss die Augen und träumte mit wachem Geiste.
Was Madoka betraf, so war sie weitaus weniger spezifisch in ihren Wünschen. Sie nahm sich den nächstgelegenen Kopfhörer den sie finden konnte und hörte sich das an, was die aktuelle Playlist gerade abspielte. Das Ergebnis war ein zufriedenstellender Fund. Es war ein Lied, das ihr, spätestens nach dem Einsetzen des Refrains, sofort zusagte. Eine wohlklingende, die Ohren verzaubernde weibliche Stimme, dazu ein gehaltvoller Text und ein klangvolles Zusammenspiel aus künstlichen Instrumenten, wie man sie aus dem Bereich „Pop“ häufig hörte. Jedoch vermochte es der Hochgenuss nicht richtig zu ihr durchzudringen. Irgendetwas hatte die ganze Atmosphäre des Liedes behindert. Madoka stoppte das Lied umgehend und merkte, wie sich der klare Verstand mit den Ohren darüber zerfetzten, ob und was sie da gerade gehört hatte. Ein Geräusch – nein, mehr ein Echo –, das verzweifelt, beinahe bitterlich leidend klang und jeden Ton der Fröhlichkeit aus der Sängerin zerrte. Madoka tippte mit dem Finger auf das Touch-Display und schob den Regler bis zu der geschätzten Sekunde zurück, in der sie diesen schweren Fehler in dem Lied meinte gehört zu haben. Gleich, gleich, jetzt … nichts. Sie hörte nichts, außer den gleichbleibenden Rhythmus der gekünstelten Melodie und die kraftvolle doch zarte Stimme der Sängerin. Doch nur Einbildung? Madoka zweifelte für den Anflug einer kurze Sekunde an ihrem Wahrnehmungsvermögen, bis sie es plötzlich wieder hörte:
Hilf mir.
Das junge Mädchen riss Mund und Augen so weit auf, dass es den Anschein hatte, sie würde einen stummen Schrei aus ihrer Kehle pressen. Sofort riss sie die Kopfhörer von sich, mahnte sich zur Ruhe und Besonnenheit; was ihr, nachdem sie die Hand auf die Brust drückte und mehrfach ein und ausatmete, auch gelang. So drastisch Puls und Herzschlag angestiegen waren, so schnell waren beide wieder in den Normalzustand gefallen. Sie schüttelte widerwillig den Kopf und redete sich mögliche Erklärungen, die das korrekte Wiedergeben der Musik in Frage stellte. Vielleicht hatte die Playlist aufgrund eines Fehlers, das von ihr gehörte Lied mit den Teilen eines anderen, viel düsteren Liedes oder eines Hörbuchs vermischt. Ja, ein Hörbuch, es war ein Hörbuch. Es musste eines sein. Eine dieser düsteren Geschichten, von denen sie sich immer fernhielt, weil sie sie verängstigten. Und nun wusste sie auch wieder um die Sinnhaftigkeit dieser Entscheidung, sich allem Grusel zu verweigern.
Madoka bemühte sich um ein selbstironisches Lächeln. Ach quatsch, das hast du dir nur eingebildet, sprach sie sich aufmunternd zu. Züge der Erleichterung zeichneten sich daraufhin um ihre Lippen und Wangen und für einen Moment schien der Himmel für sie wieder so klar und blau, wie er es schon zu Beginn des Tages war. Und weiterhin wäre wohl auch nicht mehr passiert, wenn denn da nicht diese kleine, schwarze Wolke gewesen wäre, die sich, wie Madoka später schnell erkennen würde, mit dem Wankelmut eines Krokodils, bei dem man nie vorhersehen konnte, ob und wann es zuschnappte, vor die Sonne drängte und somit einen Schatten auf die sorgenfreie Welt darunter warf.
Hilfe!, echote es erneut.
Da war es wieder, dieses gequälte Jaulen. Jetzt sogar noch lauter und deutlicher, ohne die Ohrmuscheln. Hektisch drehte sie den Kopf in alle Richtungen, auf der Suche nach jemandem, dem diese Stimme gehören mochte. Doch niemand in ihrer Nähe redete und zu niemandem schien diese Stimme, die sie einem kleinen Jungen zuordnen würde, zu passen.
Hilf mir, bitte.
Sie wurde kreidebleich. In einem Anflug aus panischer Verzweiflung und Ratlosigkeit, eilte sie, ohne zu bemerken, dass sie in ihrer Hektik Sayakas Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte, aus dem Geschäft und horchte in ein tosendes Rauschen aus Stimmen und Schritten und stierte in ein Meer aus an ihr vorbeiziehenden Menschen; viele von ihnen so groß, dass sich Madoka fast in ihren Schatten verlor.
Hilf mir.
Schon wieder. Sie wandte sich nach links – von da schätzte sie diese geisterhafte Stimme nämlich – und hielt an einer weiteren Weggabelung an, lauschte, bog in eine der Richtung ein, stürmte auf die nächste zu und wiederholte diesen Prozess fünf weitere Male, ohne zu wissen, wohin sie eigentlich lief. Die getrübten Sinne, welche zur Vorsicht gemahnten, waren derweil kleinlaut gegenüber dem Hilferuf geworden. Dies war ihrem unerschütterlichen Willen zu helfen geschuldet, der den Charakter des jungen Mädchens schon seit Jahr und Tag ausmachte. Immer aufopferungsbereit, immer hilfsbereit, niemals den Gedanken an eine Belohnung im Hinterkopf hegend und niemals einen Missbrauch an ihrer guten Seele vermutend. So kümmerte das herzensgute Mädchen auch nicht, dass sie den quälenden Rufen einer geisterhaften Stimme hinterherjagte. Ebenso wenig kümmerte es sie, welches Geheimnis diese Laute umwoben. Wenn sie nur dadurch jemandem helfen konnte. Dieses herzensgute Mädchen lebte in einer Welt, in der freundliche Worte keine List verbargen und Bosheit immer einen funken Reinheit inne trug. Und deswegen zweifelte sie keinen Moment lang an, dass dieses fremde Geschöpf, diese nach Hilfe rufende Stimme, tatsächlich auch Hilfe benötigte. Und sie schätzte ihre Verstand auch weitestgehend stabil, als das sie diese Stimme als ein Hirngespinst abtat.
Plötzlich hielt sie inne. Sie war an einer Treppe, die in ein oberes, ihr unbekanntes Stockwerk führte, angelangt.
Bitte, schnell.
„Definitiv von da oben“, sprach sie leise zu sich selbst und flüstere sich den nötigen Mut zu, der zum Betreten des fremden Areals unerlässlich für sie war. Dann bestieg sie die Stufen mit schwerfälligem Gange. Das Fehlen der hektischen Menschenmenge war ihr zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgefallen, so sehr hatte sie sich auf das Hinhorchen in die Stille konzentriert.
„Hallo?“, rief sie mit waltender Vorsicht. Keine Antwort.
Als sie das nächste Stockwerk erreicht hatte – es war der Teil eines fensterlosen Treppenhauses – ließ sie ihren Blick, auf der Suche nach einer, der Hilfe bedürftigen Seele, schweifen. Eine schreckliche Leere ummantelte diesen Bereich, dem eine furchterregende Dunkelheit voranging. Es war groß, von einer freimütigen Geräumigkeit, angenehm kühl und ähnelte dem Ansehen nach mehr einer sehr kleinen, im viktorianischen Stil angehauchten Vorhalle, denn einem Treppenhaus.
Eine weitere Treppe, die zentral auf dieser Ebene und zwischen zwei benachbarten Stufen lag, von denen eine Madoka gerade hinauf kam, endete an einem Treppenabsatz, von wo sich der Weg noch einmal in zwei, senkrecht nach oben führende Richtungen teilte, während in dem freien Raum dazwischen, eine sperrig wirkende Doppeltür in die Wand eingebaut war. Madoka wandte sich nach links und kam an einer von zwei Säulen, die Teil des Geländers der anliegenden Treppe waren, vorbei. Auf ihren flachen Kanten glimmten zwei fahle, goldene Lichter stetig vor sich hin. Diese vermochten sich nur vage gegen die allumfassende Schwärze zu behaupten, doch spendeten sie genug Licht und Wärme, um dem jungen Mädchen ein einigermaßen wohliges Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Vor dem neuen Treppenaufgang war das halbherzige Konstrukt einer Absperrung errichtet, welches mit drei trägen Seilen gesichert war, die schlaff dem Boden entgegen baumelten. Dahinter ein Schild auf einem Ständer, das den Zutritt für Unbefugte untersagte.
Madokas Blick haftete an der großen Doppeltür weiter oben. Sie war metallisch, maß wahrscheinlich um das doppelte von Madokas eigener Größe und war vermutlich auch dementsprechend dick genug, um etwas oder jemanden dahinter gefangen zu halten. Kamen sie von dort, diese quälenden Hilferufe?
„Die … Hilferufe?“, flüsterte Madoka für sich. Ruhe. Stille. Nicht einmal ein hohles Stöhnen des Windes. Und plötzlich, wie die Spitze einer Nadel durch das weiche Fleisch und weiter in die Blutbahn der Arterien dringt und der leichte Stich uns einen kurzen doch innigen Schmerzenslaut abzugewinnen weiß, so durchzuckte ein genau solches Gefühl in diesem Moment Madoka, als sie sich dieser Existenzlosigkeit von Klängen und Lauten bewusst wurde. Wohin waren die Hilferufe entschwunden? Sie versuchte wieder hinzuhorchen, doch kam nichts mehr.
„Oh nein“, hauchte sie mit einem Gesicht, dass Hoffnungslosigkeit und Trauer in sich einte, „bin ich zu spät?“
Für einen kurzen Moment blieb sie ruhig und unbeweglich.
„Hallo?“, rief sie der Tür zu, „b-bist du noch da?“
Ruhe. Stille.
„H-Hallo?“, rief Madoka mit zittriger Ungewissheit.
Hilf mir.
Da war es wieder. Egal was, es lebte noch.
Mit einer Woge aus Erleichterung, Mut und Zuversicht überwand Madoka die Absperrung, eilte an dem Schild vorbei die Treppe hinauf und lehnte sich mit ihrer ganzen Kraft gegen die Tür. Diese ging, zu Madokas Überraschung, widerstandslos auf, woraufhin sie in den Raum hinein stolperte und beinahe zu Boden stürzte, hätte sie nicht noch im rechten Moment ihr Gleichgewicht in einer stabilen Stehposition wiedergefunden. Mit also einem Bein nach vorn angewinkelt, während das andere nach hinten, gleichsam den Armen zu beiden Seiten voll durchgestreckt war, hielt sie für einen kurzen Moment diese Position, die einem trunkenen Seiltänzer ähnelte und nahm dann wieder eine normale Haltung an. Misstrauisch ließ sie die Augen durch den neuen Raum schweifen, der zwar dunkel, aber von Licht nicht völlig unberührt war. Von einer, für Madoka schwer zu erfassenden Stelle, drang Licht in den Raum, das sich nur spärlich verteilte, aber dennoch genug bot, damit sie etwas sehen konnte. Es schien ihr wie ein Abstellraum. Von überall bedeckten Planen große Kisten oder Materialien, deren möglicher Verwendungszweck von dem jungen Mädchen jedoch nur erahnt werden konnten. Von der Decke baumelten überall Ketten wie leblose Arme hernieder. An einer Säule glimmte ein schwaches Licht, das einen kleinen Radius in einem Unheil verströmenden Rot hüllte; wie das Auge eines dämonischen Wesens, das in der Finsternis glühte.
Madoka tastete sich weiter vorsichtig durch das Dunkel des Raumes, während sie all dies bemerkte. Fast hätte sich eines ihrer Schleifchen in einer der vielen Ketten verfangen und sie erschrak bei der verheißungsvollen Bewegung jenes beweglichen Metalls, das seine schattigen Bewegungen so auslegte, als wolle es tatsächlich nach ihr greifen. Ihr grauste die Vorstellung, etwas würde tatsächlich irgendwo in der Schwäre auf sie lauern und nur darauf warten, sie zu greifen.
„Hallo?“, flüsterte sie mehr, als das sie sprach. „W-Wer bist du? Bist du hier?“
Sie tastete sich weiter voran, bis ihre Augen einen Gitterzaun ausmachten und sich ihr sowieso schon so zaghafter Schritt, noch ein Stück weit mehr verlangsamte.
„Hallo?“
Hilf mir.
„Ha –“
Plötzlich ratterte und polterte es, wie, als würde man mit einem Stock auf ein Blech einschlagen. Das junge Mädchen machte einen gewaltigen Satz zurück, als darauffolgend etwas von oben herabstürzte und auf dem unnachgiebigem Boden schmetterte und ein so ekliges Geräusch nach sich zog, dass es sich Madoka unverzüglich ins Gedächtnis einbrannte. Es war der Klang von zerschellten Knochen. Noch vom Schock gefesselt und eine Hand schützend vor sich haltend, fixierte Madoka den kleinen Körper, der da vor ihr lag. Es war von einem weißen Pelz bedeckt und die zierlichen Pfoten verdeckten das Gesicht. Aus zwei Wunden, die sich längs über den Körper zogen, traten dünne rote Fäden hervor, die in rascher Geschwindigkeit dem Boden entgegen eilten.
Madoka fiel bestürzt auf die Knie und besah das kleine Elend, das mit den sichtlichen Schmerzen kämpfte. Sie nahm es mit der Vorsicht einer Mutter, die ihr Frischgeborenes das erste Mal zu erblicken gewillt war, in die Arme und ergatterte so einen besseren Blick auf dieses Wesen. Es ähnelte einer Katze, wenngleich sie sich diese seltsamen Auswüchse, die aus den spitzen Ohren hervortraten, nicht ganz erklären konnte.
„Hast du um Hilfe gerufen?“, fragte sie in reger Hoffnung, eine Antwort von dem kleinen Ding zu erhalten.
„Vor … sicht …“, röchelte es.
Madoka wollte etwas erwidern, doch irritierte sie ein dumpfer, ohne jede Vorwarnung auftretender Schmerz am Hinterkopf, der sie trübe im Denken und Müde im Handeln machte. Und noch ehe sie überhaupt wusste, wie ihr geschah, versank ihre ganze Welt in plötzliche Dunkelheit und das letzte, was sie noch mitbekommen hatte war, wie sie seitlich zu Boden kippte.
Sie wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war. Sie wusste nur das, als sie wieder aufwachte, sie in ein bekanntes, von Sorgen umwobenes Gesicht blickte.
„Hey, Madoka!“
„Sayaka-chan“, mühte sich Madoka zum Sprechen ab.
Helle Freude strich das von Angst und Kummer geplagte Erscheinungsbild ihrer Freundin hinfort. In die fahlen Wangen mengte sich allmählich wieder das Blut. „Dem Himmel sei dank.“
„Wo … bin ich?“
„Das wollte ich dich auch gerade fragen. Was hast du hier gemacht, verdammt? Wie bist du überhaupt in dieses Treppenhaus gekommen?“
„Treppenhausʻ?“, wiederholte Madoka verdattert. Ihre Sinne waren noch weit davon entfernt, zu ihr zurückzukehren, doch verriet ihr der neugierige Blick zu allen Seiten, dass sie in einer ausgestreckten Lage gegen etwas lehnte.
„Wie lange liege ich schon hier?“, fragte Madoka mit erschöpfter Stimme.
„Ich weiß es nicht“, gestand Sayaka und verzog das Gesicht, als hätte man sie getadelt, „ich bin gerade erst gekommen. Ich hab dich nur kurz aus den Augen verloren und dich dann im ganzen Kaufhaus gesucht. Dann hab ich dich versucht anzurufen, aber du bist nicht an dein Handy gegangen. Ich war so in Sorge und Panik, dass ich mich irgendwie hierhin verlaufen habe und frag mich jetzt nicht, wie ich darauf gekommen bin, hier zu suchen.“
„Ach so?“ Madoka machte eine Anregungen aufzustehen, bis sie plötzlich ein stechender Schmerz durchzuckte, der sie in ihre Sitzlage zurückfallen ließ.
„Hey, hey!“, mahnte Sayaka zur Gemach. „Übernimm dich nicht, du bist ganz übel gestürzt.“
„Gestürzt?“
Madoka tastete an ihrem Hinterkopf herum und suchte die Quelle ihres Schmerzes ab. Was die Spitzen ihrer Finger erfassten, war eine stark pochende Schwellung am Hinterkopf.
„Bist du ohnmächtig geworden? Hattest du vielleicht einen Schwächeanfall?“
Madoka schüttelte unmerklich den Kopf, denn jede Bewegung schmerzte sie. „Ich … weiß nicht recht.“
„Soll ich einen Arzt rufen?“
Wieder schüttelte Madoka den Kopf. „Nein, schon gut.“ Doch kaum hatte sie ihre Antwort schon gegeben, hatte Sayaka schon die Nummer gewählt und den Hörer an ihr Ohr gedrückt.
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