Die Farbe deiner Augen

GeschichteRomanze, Familie / P18 Slash
Cosmo Timothy Tiberius "Timmy" Turner Wanda
07.08.2016
07.08.2016
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Wie sage ich es ihnen? Das ist die zentrale Frage, die mich seit einigen Wochen beschäftigt. Wie bringe ich ihnen am besten bei, was in der letzten Zeit in mir vorgeht? Wie kann ich ihnen erklären, dass sich absolut alles in meinem Leben verändert hat? Wie mache ich ihnen so schonend wie nur möglich klar, dass ich jetzt anders bin als bisher? Dass ich nicht mehr so bin wie früher? Dass ich eine ganz neue Seite an mir entdeckt habe?
Wie vermittle ich ihnen eindeutig, dass die Sache, die ich ihnen sagen will, von allergrößter Bedeutung für mich ist? Dass sie eine grundlegende Veränderung meiner bisherigen Sichtweise auf die Welt darstellt? Dass sie mir unendlich nahegeht und ich trotz all meiner Überlegungen immer noch nicht weiß, wie ich damit umgehen soll?
Wie nur schaffe ich es, ihnen von all den Gedanken und Gefühlen zu erzählen, die sich seit ein paar Wochen in mir aufdrängen? Wie bringe ich nur ohne Scham die Worte über meine Lippen, die seitdem in meinem Kopf herumschwirren? Die Worte, die sich tief in mein Bewusstsein eingebrannt haben und mir jeden Tag aufs Neue klarmachen, dass es keinen Sinn hat, sich dagegen zu wehren. Dass es absolut nichts bringt, es weiterhin vor mir selbst zu leugnen. Dass ich mich endlich aufraffen und dazu stehen muss, ganz egal, ob ich ihnen damit einen Schreck versetze oder nicht.
Ich muss es endlich für mich selbst akzeptieren. Ich darf mich nicht länger davor verschließen und mir einreden, dass es nur eine Phase ist, die mit der Zeit vorübergeht. Ich kann nicht länger so tun, als würden all diese Gedanken nicht das Geringste in mir auslösen. Denn dann würde ich mich selbst belügen. Ich würde mir selbst etwas vorspielen, nur, um die Wahrheit nicht sehen zu müssen. Um sie nicht begreifen zu müssen. Nicht akzeptieren zu müssen.
Aber es geht einfach nicht mehr. Dafür ist zu viel passiert in letzter Zeit. Dafür habe ich mir zu viele Gedanken gemacht, wie ich die Karten am besten auf den Tisch lege. Ich darf jetzt keinen Rückzieher machen. Ich darf nicht wieder damit beginnen, mir selbst einzureden, dass sich das alles bestimmt bald legen wird. Ich darf nicht schon wieder versuchen, dagegen anzukämpfen, weil ich ohnehin weiß, dass ich diesen Kampf verlieren werde.
Nein – ich muss es endlich sagen, wie es ist. Ich muss es endlich loswerden. Ich muss mit ihnen reden und ihnen erzählen, was im Moment in mir vorgeht. Ehrlich sein und ihnen von all den heimlichen Träumen berichten, die sich in der Nacht in meinem Kopf abspielen. All die Träume, die mich fast jede Nacht heimsuchen und mich einmal mehr erkennen lassen, dass es Wahrheit ist. Dass ich endlich den Mut haben und dazu stehen muss, auch wenn es für manche sicher völlig unerwartet kommt.
Ich muss die Tatsachen auf den Tisch legen und mich dazu bekennen. Muss mich endlich outen. Es macht keinen Sinn mehr, die Wahrheit noch länger in alle möglichen Richtungen zu verdrehen und zu versuchen, andere Erklärungen dafür zu finden. Denn mir ist klar, dass es nur eine Erklärung dafür gibt. Ich weiß, dass ich meine Gefühle nicht länger unterdrücken kann. Auch wenn ich es mir selbst natürlich anders gewünscht hätte. Auch wenn ich als kleiner Junge immer wie besessen darum gekämpft habe, die Aufmerksamkeit aller Mädchen auf mich zu lenken. Auch wenn ich nie und nimmer damit gerechnet hätte, dass ausgerechnet ich mir einmal solche Gedanken machen würde. Dass ich eines Tages darüber spekulieren würde, wie ich mich meiner Familie gegenüber outen kann.
Aber Pubertät verändert. Sie verändert absolut alles. Sie war es, die meine bis vor kurzem noch so heile Welt völlig aus dem Gleichgewicht geworfen hat. Sie war es, die mich dazu gebracht hat, über mich und meine Sexualität nachzudenken und zu ergründen, was ich eigentlich will. Wegen ihr habe ich schon einige verrückte Dinge getan, die ich im Nachhinein überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann.
So habe ich mir beispielsweise vor einem knappen halben Jahr meine Haare komplett schwarz färben oder mir im rechten Ohr ein Piercing machen lassen und damit sowohl Cosmo und Wanda, als auch natürlich meinen Eltern einen gewaltigen Schreck eingejagt. Auch in meiner Klasse hat man mich damit kaum noch wiedererkannt und es hat in den ersten Tagen deswegen natürlich ziemlich viel Getuschel gegeben.
Einige haben mich sogar gefragt, ob ich neuerdings einer dieser Emo-Typen geworden bin, die nur noch jammern und sich über alles und jeden auf dieser Welt beklagen. Doch darüber konnte ich nur schmunzelnd den Kopf schütteln und ihnen versichern, dass ich lediglich mal einen neuen Style ausprobieren wollte, der zu mir und meiner Persönlichkeit passt.
Im Nachhinein glaube ich, habe ich diese Typveränderung nur gemacht, um Ablenkung zu haben, mich nicht mit meiner Sexualität beschäftigen zu müssen und ein Ausweichthema zu haben, wenn jemand mich mal wieder darauf anspricht, ob ich denn nun schon einen festen Partner gefunden habe. Aber jetzt, nachdem sich jeder an meinen Look gewöhnt hat, funktioniert das nicht mehr und die alten, mir so verhassten Fragen sind urplötzlich wieder da:
„Hey Timmy, wie sieht's aus? Hast du schon eine Freundin?“ – „Na Timmy, wann stellst du uns denn deine Schnecke mal vor?“ – „Muss ja ein echt heißer Feger sein, wenn du so ein Geheimnis um sie machst“.
Ganz ehrlich, ich bin es Leid. Ich bin es so was von Leid, ständig darauf angesprochen zu werden, wie es denn in Sachen Liebe und Beziehung bei mir aussieht. Ich habe die Nase voll davon, ständig herumzudrucksen, wenn jemand wissen will, ob ich denn schon ein Mädchen gefunden habe, das mir gefällt.
Die einfache und ehrliche Antwort auf diese Frage lautet: Nein. Nein, das habe ich nicht. Und ich werde es auch nicht. Ich werde kein Mädchen finden, das zu mir passt und mit dem ich dann angeben kann. Ich werde nicht mit ihr ins Kino gehen und, sobald der Film beginnt, herumknutschen, was das Zeug hält. Ich werde vor meinen Freunden nicht damit prahlen, was für einen tollen Fang ich gemacht habe und dass es keine schönere gibt als sie.
Ich werde es nicht tun. Ich kann es nicht tun. Ich bin nun einmal nicht der Typ, der sich in Mädchen verliebt. Egal, was ich als Kind gedacht habe oder was ich wollte. Seit ich sechzehn geworden bin, weiß ich, dass ich kein Mädchen an meiner Seite will. Ich will einen Jungen.
Ich will einen niedlichen, netten Jungen. Ich will einen, der mich liebt – nicht mein Aussehen. Einen, dem es auf meine Persönlichkeit ankommt und nicht auf das, was ich habe. Ich will jemanden, der für mich da ist, wenn ich ihn brauche und nicht nur seine eigenen Interessen durchsetzt. Wenn ich mich in jemanden verliebe, dann seinetwegen und nicht aufgrund seines Besitzes oder seiner Coolness.
Ich will keinen, den ich erst beeindrucken und von meinen Qualitäten überzeugen muss, damit er mit mir geht. Ich will jemanden, der mir einfach sagt, dass er mich mag, wie ich bin. Dass es ihm nicht wichtig ist, ob ich arm bin oder reich, ob ich in der Schule angesagt bin oder nicht. Jemanden, der mich küsst, weil er es möchte. Weil er mir dadurch zeigen will, dass er mich liebt und nicht, um meine Freunde zu beeindrucken und ihnen einen Knutschmarathon vom Allerfeinsten zu bieten. Ich will keinen, der damit angibt, dass ich an seiner Seite bin, nur um andere eifersüchtig und neidisch zu machen. Keinen, der mich als sein Eigentum betrachtet und der Meinung ist, ich gehöre ganz allein ihm. Keinen, der sich umdreht und geht, wenn ich weine, sondern zu mir kommt, mich in die Arme schließt und tröstet.
Ich will einen, dem die wahren Werte einer zwischenmenschlichen Beziehung noch etwas bedeuten. Einen, für den Vertrauen kein Fremdwort ist, sondern das oberste Gebot. Einen, der meine Meinung respektiert und nicht versucht, mich durch geschickt gesponnene Intrigen davon abzubringen. Der mich nicht manipuliert, wenn ich mal nicht nach seiner Pfeife tanze, sondern Rücksicht auf das nimmt, was ich möchte. Der mir meine Freiheiten lässt und nicht gleich vor Eifersucht in die Luft fliegt, nur weil ich mich mal mit jemand anderem unterhalte. Alles, was ich will, ist jemand, bei dem ich mich aufgehoben fühle. Angekommen und verstanden.
Doch natürlich ist mir bewusst, dass ich diesen einen niemals finden werde, solange keiner weiß, dass ich schwul bin. Mir ist klar, dass ich zuerst einmal den Schritt machen und mich dazu bekennen muss, dass ich auf Jungs stehe. Bevor ich das nicht geschafft habe, bringen meine sämtlichen Tagträume und Vorstellungen überhaupt nichts, da ja niemand wissen kann, dass ich eigentlich nach einem Jungen Ausschau halte, der zu mir passt.
Darum muss und werde ich jetzt endlich den Mut aufbringen und dazu stehen. Ich werde meine Familie einweihen und ihnen klar und deutlich sagen, was Sache ist. Nicht umsonst habe ich in den letzten Tagen auf diversen Internetseiten recherchiert und mir Tipps geholt, wie ich das Gespräch am besten beginne. Nicht umsonst habe ich nächtelang vor dem PC gesessen und mir Erfahrungsberichte von anderen durchgelesen, denen es auch so geht wie mir. Nicht umsonst habe ich mir selbst eingebläut, die ungeschminkte Wahrheit zu sagen und mich nicht beirren zu lassen, egal, was andere davon halten.
Die einzige Frage, die jetzt noch im Raum steht, ist, wem ich es zuerst erzähle. Soll ich zuerst mit Mom und Dad sprechen? Oder soll ich vorher Cosmo und Wanda in die Sache einweihen und abwarten, wie sie darauf reagieren? Soll ich mich als erstes mit ihnen beraten und im Anschluss daran Mom und Dad über alles aufklären?
Ganz ehrlich – ich habe keine Ahnung. Ich weiß nicht, ob es klüger ist, mich erst mit meinen Zauberpaten abzusprechen, ehe ich Mom und Dad gegenüber auspacke und sie mit der Wahrheit konfrontiere oder andersherum.
Wenn ich nur die Möglichkeit dazu hätte, vorher mit einem Unbeteiligten zu sprechen. Mit jemandem, dem ich voll und ganz vertraue und bei dem ich sicher sein kann, dass er nichts ausplappert. Der jedes meiner kleinen Geheimnisse kennt und mich deswegen nicht auslachen oder schief anschauen wird. Jemanden, der mich versteht und auf das, was ich sage, eingeht. Dem ich sehr wichtig bin und der alles dafür tun würde, um mich bestmöglich in meinem Vorhaben zu unterstützen.
So jemanden brauche ich jetzt. Und ich glaube, ich weiß auch schon ganz genau, wo ich ihn finde.

„Sparky?“, rufe ich, als ich die Treppenstufen heruntersteige, um nach ihm zu suchen. Nachdem ich es mir gründlich überlegt habe, bin ich zu der Ansicht gelangt, dass er derjenige ist, den ich jetzt brauche. Er ist der, dem ich schon immer all das anvertrauen konnte, was weder Mom und Dad, noch Cosmo und Wanda wissen durften. Er ist der, den ich immer zu Rate ziehe, wenn ich absolut nicht mehr weiter weiß. Er ist es, der manches Geheimnis von mir kennt, über das kein anderer sonst Bescheid weiß. Ihm vertraue ich all die Dinge an, die ich Mom, Dad, Cosmo und Wanda nicht erzählen will oder kann.
Er war damals auch der einzige, den ich in mein Vorhaben, mir die Haare färben und ein Piercing machen zu lassen, eingeweiht habe, natürlich mit der Auflage, es niemandem zu verraten. Und genau wie jedes Mal zuvor, wenn ich ihm von einem Plan erzählt habe, hat er dicht gehalten und gegenüber niemandem ein Sterbenswörtchen verloren.
Und genau das ist der Grund, warum ich ihm so sehr vertraue. Weil ich mir hundertprozentig sicher sein kann, dass meine Geheimnisse bei ihm gut behütet sind. Denn auch wenn ich Cosmo und Wanda über alles liebe und ich Sparky durch sie überhaupt erst bekommen habe, gibt es trotzdem ein paar Dinge, die nur uns beide etwas angehen und die kein anderer sonst wissen muss. Darum bin ich auch sicher, dass er bestimmt einen guten Rat für mich hat und mir sagen kann, wie ich das Gespräch am besten beginne.
„Sparky?“, rufe ich erneut, während ich das gesamte Haus nach ihm durchsuche. Zu meinem Glück sind Mom und Dad nicht zu Hause, sodass ich in aller Ruhe Zeit habe, mich auf das Gespräch mit ihnen vorzubereiten und festzulegen, wie genau ich es ihnen erzählen will. Denn ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es besser ist, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen oder sie schonend an das Thema heranzuführen und dann zu gestehen, was Sache ist.
Zwar habe ich in einem Erfahrungsbericht gelesen, dass es das Beste ist, gleich von Anfang an klarzustellen, was ich will und worauf es mir ankommt. Aber trotzdem habe ich kein gutes Gefühl dabei, sie einfach damit zu überrumpeln, ohne ihnen die Chance zu geben, sich darauf vorbereiten zu können. Ein Grund mehr, Sparkys Rat zu suchen und ihn sowohl über mein Vorhaben, als auch über meine Befürchtungen, die beiden könnten irgendetwas falsch verstehen, in Kenntnis zu setzen.
Auch wenn ich nicht genau weiß, woran es liegt, aber ein bisschen seltsam wird mir schon zumute bei dem Gedanken, Mom und Dad zu erklären, was mit mir los ist. Ich schätze sie zwar diesbezüglich als sehr tolerant ein und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie eine Welle darum machen werden, dass ich schwul bin. Aber absolut sicher bin ich mir selbstverständlich nicht, zumal wir ja vorher nie über dieses Thema gesprochen haben. Doch es hat auch niemand behauptet, ein Outing wäre einfach.
„Sparky? Wo steckst du?“, wiederhole ich, während ich in jedem Zimmer nach ihm Ausschau halte. „Hier“, höre ich ihn schließlich durch die angelehnte Balkontür antworten und laufe den Hausflur entlang in den Garten hinaus. Wie fast jeden Tag ist er damit zugange, irgendetwas – ich vermute mal seinen Futtervorrat – zu vergraben. Als er mich erblickt, lässt er von seinem Vorhaben ab und stürmt auf mich zu.
„Timmy!“, ruft er euphorisch und beginnt wie üblich damit, meine Hand abzulecken, sein typisches Begrüßungsritual. Auch wenn ich ihn schon tausendmal darum gebeten habe, es zu unterlassen, tut er es doch jedes Mal wieder aufs Neue. Manchmal glaube ich schon, er macht es extra, nur um mich zu necken. Aber so ist er eben. Sparky Unverbesserlich.
„Timmy! Timmy! Timmy!“, wiederholt er und springt so heftig an mir hoch, dass er mich dabei fast umgeworfen hätte. „Hey“, rufe ich aus und lache. „Nicht so stürmisch, Junge. Immer mit der Ruhe“. „Entschuldige“, meint er und lässt mich schließlich wieder los. „Schon gut“, erwidere ich und streichle kurz über seinen Kopf.
„Ich habe dich gesucht“, füge ich dann nach kurzem Zögern hinzu und mein Lächeln verschwindet. „Ich... ähm... es gibt da etwas, worüber ich mit dir reden muss“. „Ich war's nicht“, entgegnet er und hebt abweisend seine Pfoten, was mich unweigerlich dazu veranlasst, leise zu kichern. „Du hast wieder was ausgefressen, gib es zu“, antworte ich dann und knuffe ihn sanft in die Seite. „Gar nicht!“, protestiert er und beginnt ebenfalls zu grinsen. Sein Blick wird jedoch sofort wieder ernst, als er mir in die Augen schaut.
„Alles in Ordnung, Timmy?“, möchte er wissen und greift nach meiner Hand. „Mehr oder weniger“, erwidere ich zögernd und fange automatisch damit an, seine Pfote zu streicheln. „Ich muss da etwas loswerden, das mir auf dem Herzen liegt. Hast du vielleicht nen Moment?“. „Für dich doch immer, Timmy. Schieß los“, antwortet er mit einem Lächeln und wartet dann gespannt darauf, was ich ihm zu sagen habe.
„Puh, ich... ich weiß gar nicht, wie ich überhaupt anfangen soll“, bringe ich nach kurzem Überlegen hervor und bedeute ihm mit einem Wink, sich zu setzen. Gehorsam leistet er meiner Anweisung Folge und setzt sich neben mich ins Gras. „Weißt du“, füge ich hinzu, während ich ebenfalls Platz nehme. „Mom und Dad sind bis spätabends unterwegs und Wanda ist mit Cosmo in der Elfenwelt. Wir beide sind also ganz ungestört und darüber bin ich ehrlich gesagt auch ziemlich froh. Denn was ich zu sagen habe, ist wirklich sehr wichtig und es betrifft vor allen Dingen mich und meine Persönlichkeit“.
„Okay“, erwidert er, nicht ganz klar darüber, worauf ich mit dieser Andeutung anspiele. „Ich meine, ich weiß, dass ich es den vieren auch erzählen muss“, setze ich fort. „Das steht völlig außer Frage. Sie haben ein Recht, es zu wissen, denn in gewisser Weise haben sie auch damit zu tun. Aber ich wollte vorher mit jemandem reden, dem ich aus vollem Herzen vertraue und bei dem ich mir sicher sein kann, dass er mich deshalb nicht auslachen wird. Darum möchte ich, dass du der erste bist, der es erfährt. Weil ich dir mehr vertraue als irgendjemand anderem auf dieser Welt“.
„Der was erfährt?“, will Sparky wissen, gespannt und verwundert gleichzeitig. „Nun“, beginne ich dann schließlich meine Erklärung und lege mir gedanklich noch einmal zurecht, was ich ihm überhaupt erzählen will. „Du hast ja sicherlich bemerkt, dass ich mich in der letzten Zeit sehr stark zurückgezogen und viel nachgedacht habe“. Er nickt wortlos. „Und du weißt auch, dass ich noch nie eine richtige Freundin hatte“, füge ich hinzu, was er ebenfalls mit einem Nicken bejaht. „Nun, genau darüber habe ich mir Gedanken gemacht“, erzähle ich weiter. „Ich habe versucht, herauszufinden, was der Grund dafür ist und was genau ich in Sachen Beziehung eigentlich erwarte. Ich habe darüber nachgedacht, warum all meine Bekannten inzwischen eine feste Freundin haben, nur ich nicht. Und ich habe mir überlegt, ob ich das überhaupt will. Also eine Freundin meine ich“.
„Wie meinst du das?“, fragt er gespannt und drückt meine Hand, als er bemerkt, dass sie ein bisschen zittert. „Nun, ich habe darüber nachgedacht, ob ich eine feste Freundin will. Und dabei musste ich feststellten, dass ich einfach nicht der Typ dafür bin“, antworte ich und löse mich sanft aus seinem Griff. „Was heißt das?“, hakt er nach und zieht eine Augenbraue hoch, offensichtlich verwirrt von meiner Aussage. „Sparky, ich...“, setze ich an, breche dann jedoch wieder ab und schlucke schwer.
Was ist denn auf einmal nur los mit mir? Warum bringe ich diese Worte einfach nicht über meine Lippen? Warum fällt es mir so schwer, die Tatsachen auszusprechen? Es ist doch nur ein Satz. Ein einziger, einfacher Satz. Warum kriege ich ihn nicht aus mir heraus?
„Du... was?“, fragt er und wirft einen kurzen Blick in meine Augen. „Was ist los, Timmy? Was willst du sagen?“. „Ich... ich bin nicht der Typ, der auf Mädchen steht, verstehst du?“, antworte ich schließlich und fühle, dass ich rot werde. Gleichzeitig spannen sich all meine Muskeln an und mein Herz beginnt, ein ganzes Stück schneller zu schlagen. „Oh“, erwidert er überrascht. „Dann bedeutet das also, dass du...?“. Er unterbricht sich und senkt seinen Blick, beginnt zu verstehen, was ich ihm eigentlich sagen will. „Ja“, erwidere ich nach anfänglichem Zögern und atme für einen Moment tief durch. „Genau das bedeutet es, Sparky. Ich bin schwul“.
Endlich!, denke ich und fühle mich, als wäre mir gerade ein Stein vom Herzen gefallen. Endlich habe ich es geschafft, diese Worte auszusprechen. Endlich ist diese Sache aus mir heraus. Endlich ist es mir gelungen, mich zu meiner Sexualität zu bekennen und mich jemandem anzuvertrauen. Endlich habe die Kraft dazu gefunden, die Wahrheit auszupacken. Erleichterung breitet sich in meinem Körper aus und entspannt mich wieder. Endlich habe ich mich dazu durchringen können, reinen Tisch zu machen und zu sagen, was mit mir los ist.
„Oh“, erwidert Sparky schließlich und räuspert sich. Für einen Moment schaue ich ihm in die Augen, versuche herauszufinden, was er gerade denkt. Er weicht meinem Blick sofort wieder aus, offensichtlich ziemlich ratlos darüber, was er als nächstes sagen oder tun soll. Vermutlich war er in seinem Leben noch niemals in einer Situation wie dieser und weiß nicht, wie er sich jetzt am besten verhalten soll.
Behutsam streichle ich seine Pfote und bringe ihn dadurch dazu, mich wieder anzusehen. „Du bist schwul?“, wiederholt er dann meine Aussage, was ich mit einem leichten Nicken bestätige. „Ja“, antworte ich. „Ich weiß, dass das jetzt bestimmt überraschend kommt, aber ich musste es endlich loswerden. Ich habe mich die letzte Zeit intensiv mit meiner Sexualität auseinandergesetzt und festgestellt, dass ich Jungs deutlich interessanter finde als Mädchen“. „Okay“, meint er und ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus.
„Ich... ich hoffe, das ändert nichts zwischen uns“, füge ich hinzu und versuche, sein Lächeln zu erwidern. „Warum sollte das etwas zwischen uns ändern?“, will er verwundert wissen und zieht eine Augenbraue hoch. „Ich... ich meine ja nur“, antworte ich, peinlich berührt von meiner eigenen Aussage. „Unsinn“, versichert er mir und legt seine Pfote auf meine Schulter. „Das ändert nicht das kleinste bisschen zwischen uns. Es ist dein Leben. Du musst wissen, was du möchtest und mit wem du dir eine Beziehung vorstellen kannst. Und wenn du dich mehr zu Jungs hingezogen fühlst, dann ist das völlig in Ordnung für mich. Ich habe kein Problem damit. Du entscheidest, was du willst und was dir gefällt“.
„Danke, Sparky“, entgegne ich erleichtert und schließe ihn in die Arme. „Es tut gut, dass du das sagst“. „Ich sage nur, was ich denke“, antwortet er, meine Umarmung erwidernd. „Es ist dein Leben, Timmy. Du triffst die Entscheidungen und legst fest, was du möchtest. Du musst wissen, an welchem Geschlecht du Interesse hast und zu wem du dich hingezogen fühlst. Darum ist es für mich auch selbstverständlich, dich so zu akzeptieren, wie du bist. Ich sehe kein Problem darin, dass du auf andere Jungs stehst. Im Gegenteil: Ich freue mich, dass du herausgefunden hast, was du willst. Und natürlich wünsche ich dir, dass du schnell jemanden findest, mit dem du glücklich wirst“.
„Danke, Sparky“, wiederhole ich und streichle sanft über seinen Kopf. „Es bedeutet mir sehr viel, dass du so denkst. Vor allem, weil du der erste bist, dem ich überhaupt davon erzähle“. „Du hast also wirklich noch mit niemandem darüber geredet?“, möchte er wissen. „Nein“, antworte ich mit einem leisen Seufzen. „Du bist der einzige, dem ich es bisher anvertraut habe. Ich hatte einfach noch nicht den Mut dazu, irgendjemandem etwas davon zu sagen. Wahrscheinlich habe ich auch noch Zeit gebraucht, um mir selbst über alles klarzuwerden. Ich meine, dass ich so empfinde, war für mich selbst natürlich auch erst einmal ein kleiner Schreck. Immerhin habe ich jahrelang nach einem passenden Mädchen für mich Ausschau gehalten – und plötzlich stellt sich heraus, dass ich eigentlich auf Jungs stehe. Das musste ich auch erst einmal richtig verarbeiten“.
„Timmy, das ist jetzt vielleicht eine etwas blöde Frage“, entgegnet er nach kurzem Zögern. „Aber wie genau hast du eigentlich festgestellt, dass du schwul bist? Ich meine, das ist ja etwas, was einem nicht von heute auf morgen klar wird“. „Stimmt“, gebe ich ihm Recht. „Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich für mich selbst akzeptieren konnte, dass es nun einmal so ist. Und natürlich kam die Erkenntnis darüber nicht einfach so mir nichts, dir nichts. Es hat eine Weile gedauert, bis ich überhaupt wusste, was eigentlich in mir vorgeht. Natürlich hat es hier und da schon ein paar Anzeichen gegeben, dass irgendetwas mit mir passiert. Aber ich habe mir nie groß Gedanken darüber gemacht und geglaubt, es würde einfach mit der Pubertät zusammenhängen. So habe ich zum Beispiel gemerkt, dass ich in letzter Zeit viel sensibler für bestimmte Dinge geworden bin oder dass mich Komplimente und zweideutige Bemerkungen meiner Freunde sehr schnell in Verlegenheit bringen“.
„Okay“, unterbricht Sparky mich kurz, um mir dadurch mitzuteilen, dass er aufmerksam zuhört und lässt mich dann in aller Ruhe mit meiner Geschichte fortfahren. „Anfangs habe ich geglaubt, es wäre einfach meine natürliche Schüchternheit“, erzähle ich ihm weiter. „Aber dann kam ein Ereignis, das mich vollkommen aus dem Gleichgewicht geworfen und mich überhaupt erst dazu veranlasst hat, gründlich über mich selbst nachzudenken“.
„Ein Ereignis?“, fragt er interessiert und wartet gespannt, dass ich fortsetze. „Welches Ereignis?“. „Ähm... nun...“, antworte ich ihm zögernd. „Es... es ist mir ziemlich unangenehm, das zu erzählen. Der Vollständigkeit halber werde ich es dir sagen, du musst mir allerdings versprechen, dass diese Sache unter uns bleibt und du keinem etwas davon sagst. Niemals in deinem Leben. Du darfst kein Wort darüber verlieren – vor allem nicht gegenüber Cosmo und Wanda. Außerdem möchte ich dich darum bitten, mich nicht auszulachen, denn es ist mir wirklich unglaublich peinlich“.
„Ich verspreche es, Timmy“, entgegnet er und hebt wie zum Schwur seine Pfote. „Ich werde keinem etwas davon sagen, darauf gebe ich dir mein festes Wort“. „Okay“, meine ich zustimmend. „Ich sage es dir. Aber du hältst hundertprozentig dicht, ja?“. „Ich schweige wie ein Grab“, versichert er mir nochmals, zunehmend neugieriger darauf, was denn so wichtig sein kann, dass ich so ein Geheimnis darum mache. „Gut“, erwidere ich und atme tief ein. „Aber wehe dir, wenn du dein Wort brichst, dann bist du dran, verstanden?“.
„Das würde ich nie“, antwortet er und hebt abwehrend seine beiden Pfoten. „Wenn du mir ein Geheimnis anvertraust, dann ist es bei mir sicher. Was auch immer es ist, du kannst es mir sagen. Ich lache dich auch bestimmt nicht aus, ganz fest versprochen“.
„Okay“, erwidere ich und schlucke schwer, ehe ich schließlich zu erzählen anfange. „Vor einigen Wochen ist etwas passiert, das mich ernsthaft zum Überlegen gebracht und mir bewusst gemacht hat, dass in mir und vor allem mit mir etwas vor sich geht. Und zwar habe ich... naja... wie soll ich das jetzt sagen... also Cosmo hat... ich meine, er war...“.
Auch wenn ich mich sehr bemühe, es gelingt mir trotzdem nicht, einen vernünftigen Satz zustande zu bringen. „Ganz ruhig, Timmy“, entgegnet Sparky und streichelt meine Hand, um mir meine Aufregung zu nehmen. „Es gibt keinen Grund, nervös zu sein. Also, was hat Cosmo?“. „Ich... ich habe ihn... nun ja... erwischt“, antworte ich ihm schließlich und spüre mein Herz wieder lauter klopfen.
„Erwischt?“, möchte Sparky wissen und blickt mich verwundert an. „Was meinst du mit erwischt?“. „Naja, er war... ähm... nackt“, bringe ich endlich hervor und fühle, dass ich blutrot anlaufe. „Nackt?“, fragt Sparky nach, was ich durch ein zögerliches Nicken bejahe. „Wanda war gerade in der Elfenwelt und du hast hier im Garten gespielt, als ich nach oben in mein Zimmer gegangen bin, weil ich etwas mit ihm besprechen wollte“, berichte ich. „Natürlich habe ich nicht damit gerechnet, dass ich gerade ungelegen komme und so bin ich einfach reingestürmt, ohne zu wissen, was mich erwartet. Im ersten Moment waren wir beide total erschrocken und haben nicht gewusst, wie wir reagieren sollen. Natürlich habe ich mich sofort umgedreht und gewartet, bis er wieder angezogen war. Danach haben wir einstimmig beschlossen, dass das niemals passiert ist und auch wenn ich schon neugierig darauf war, warum er sich in meinem Zimmer splitternackt auszieht, habe ich nicht weiter nachgefragt und die Sache auf sich beruhen lassen. Zumindest hatte ich mir das vorgenommen“.
„Was heißt das?“, unterbricht Sparky mich, der nach wie vor keine Miene verzieht und aufmerksam meinen Worten lauscht. „Ich weiß nicht, warum, aber irgendwie wollte mir dieses Bild von Cosmo nicht mehr aus dem Kopf“, antworte ich und schlucke schwer. „Ich habe tagelang darüber nachgedacht und dabei festgestellt, dass ich es eigentlich gar nicht so schlimm fand, ihn nackt zu sehen. Im Gegenteil: Irgendwie habe ich es als schön empfunden. Als sehr schön sogar“. Wieder atme ich tief durch, um meine Nervosität unter Kontrolle zu halten, und füge dann hinzu:
„Als Wanda einige Tage darauf erneut in die Elfenwelt verschwunden ist, um ein paar Besorgungen zu machen, habe ich mich vor meinem Zimmer auf die Lauer gelegt und Cosmo beobachtet. Auch wenn ich keine Erklärung dafür habe, aber insgeheim habe ich gehofft, ihn noch einmal so zu erwischen. Und tatsächlich hat er sich, in der Annahme, dass er ganz allein ist, noch einmal komplett ausgezogen. Natürlich hatte er keine Ahnung, dass ich ihn dabei beobachte, wie er verschiedenste Posen ausprobiert und ich habe auch alles getan, um nicht von ihm erwischt zu werden. Dabei habe ich dann bemerkt, dass ich es sehr angenehm finde, ihn so zu sehen“.
Wieder mache ich eine Pause und warte, was Sparky davon hält, doch noch immer schweigt er, hört mir geduldig und in aller Ruhe zu. „Bisher ist es ja noch nicht weiter schlimm“, setze ich hinzu und spüre, dass mein Herzschlag sich erneut beschleunigt. „Aber jetzt kommt das allerseltsamste an der ganzen Geschichte: Nachdem Cosmo einige verschiedene Posen ausprobiert hatte, hat er sich in mein Bett gelegt und damit begonnen, sich selbst zu berühren. Und auch wenn mein Verstand mir gesagt hat, dass das zu privat ist, dass es mich nichts angeht und ich mich umdrehen und gehen soll, ich habe es nicht geschafft. Statt also einfach zu verschwinden, habe ich ihn weiterhin beobachtet und dabei zugesehen, wie er sich selbst streichelt. Ich weiß, das war unanständig von mir, aber ich konnte meinen Blick einfach nicht von ihm abwenden. Ich wollte es sehen. Ich wollte alles sehen“.
Mein Gesicht fühlt sich brennend heiß an, als ich diese Worte ausgesprochen habe und mir ist klar, dass ich rot geworden bin. Doch Sparky bleibt immer noch ganz entspannt, wartet darauf, dass ich ihm auch noch den Rest erzähle. „Je länger ich Cosmo dabei zugesehen habe...“, führe ich dann meine Geschichte fort. „...desto erregter wurde ich selbst. Ich konnte spüren, dass ich auch Lust darauf bekomme und habe ohne nachzudenken ebenfalls angefangen, mich anzufassen. Natürlich ist mir bewusst, dass es äußerst riskant war, einfach vor der Zimmertür stehenzubleiben, immerhin hätte mich jederzeit jemand dabei erwischen können. Aber ich konnte einfach nicht anders. Ich war so angetan von Cosmo, dass ich alles um mich herum einfach vergessen habe. Ich konnte mich nur noch auf ihn konzentrieren – auf seine rhythmischen Bewegungen, sein erregtes Stöhnen, seinen Höhepunkt. Es hat mir gefallen, dabei zuzusehen, wie er sich vor Lust windet und leise keucht. Ich weiß, dass ich das nicht hätte machen sollen, aber ihn zu beobachten hat mich dazu angespornt, mich selbst schneller zu streicheln. Ich habe nicht mehr nachgedacht, mich einfach voll und ganz auf meine eigene Lust konzentriert und mein Tempo erhöht. Ich glaube, selbst wenn ich es gewollt hätte, hätte ich in diesem Augenblick nicht aufhören können. Dafür war das Gefühl viel zu schön, so anders und neu. Bevor ich überhaupt registriert habe, was ich da eigentlich tue, bin ich auch gekommen und ich glaube, dass das der intensivste Orgasmus war, den ich jemals gehabt habe“.
Beschämt senke ich meinen Blick, nicht in der Lage dazu, Sparky jetzt in die Augen zu sehen. Doch entgegen meiner Erwartung erzählt er mir nicht, wie seltsam er das alles findet, sondern lächelt verständnisvoll und bittet mich, fortzufahren. „Was ist dann passiert, Timmy?“, möchte er wissen, darauf bedacht, mich nicht noch verlegener zu machen als ich es ohnehin schon bin. „Wie ging es dann weiter?“.
„Ich... ich war völlig durcheinander“, antworte ich, während unweigerlich ein Bild von diesem Tag vor meinem inneren Auge aufblitzt. „Ich konnte mich nicht bewegen, gar nicht begreifen, was ich da eigentlich gerade getan habe. Mir war bewusst, dass ich das nicht hätte machen dürfen. Dass ich Cosmo nicht hätte beobachten dürfen. Mich nicht hätte von meiner Lust überwältigen lassen dürfen. Ich habe ein paar Minuten gebraucht, um überhaupt richtig zu realisieren, was ich gemacht habe. Mir war zu diesem Zeitpunkt gar nicht klar, was mich so erregt hat und vor allem warum. Das Einzige, das ich sicher wusste, war, dass es mir gefallen hat. Dass ich es schön gefunden habe. Sehr schön sogar“.
„Was hast du dann getan?“, hakt Sparky weiter nach. „Was ist passiert, nachdem dir klargeworden ist, was du gemacht hast?“. „Ich bin gegangen“, antworte ich ihm und versuche, wieder normal zu atmen und meine Aufregung zurück unter Kontrolle zu bringen. „Ich bin ins Bad gegangen und habe mir noch einmal vor Augen geführt, was sich da gerade in mir abgespielt hat. Ich habe versucht, zu begreifen, wie ich mich so von meiner Lust überwältigen lassen konnte. Je länger ich dann darüber nachgedacht habe, desto seltsamer habe ich mich gefühlt“.
„Wie?“, will er wissen, während er wieder meine Hand streichelt. „Wie hast du dich gefühlt, Timmy? Beschreib es mir bitte“. „Ich weiß nicht, wie ich dir das beschreiben soll“, erwidere ich unsicher. „Es war einfach komisch. Sonderbar. Als würde mir irgendetwas schwer im Magen liegen. Als hätte ich etwas Unrechtes und Verbotenes getan. Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mulmiger wurde mir zumute. Ich glaube, dass ich erst in diesem Moment richtig realisiert habe, was passiert ist. Dass ich Cosmo beobachtet habe. Dass ich ihn dabei beobachtet habe, wie er sich selbst befriedigt. Und dass es mich aus irgendeinem Grund so stark erregt hat, dass ich das Bedürfnis danach bekommen habe, es auch zu tun. Ich habe die Szene, wie er sich vor Lust auf dem Bett gewunden hat, wieder und wieder vor meinem inneren Auge abrollen sehen. Und gleichzeitig habe ich begonnen, mich furchtbar schmutzig zu fühlen. Weil ich genau wusste, dass ich damit in seine Privatsphäre eingegriffen habe. Dass ich damit einen entscheidenden Schritt zu weit gegangen bin. Plötzlich habe ich mich unendlich für das geschämt, was ich getan habe“.
„Was dann, Timmy?“, fragt Sparky noch einmal. „Was hast du dann gemacht?“. „Ich habe eine lange, heiße Dusche genommen“, berichte ich ihm. „Ich wollte dieses schmutzige Gefühl von meinem Körper abwaschen. Ich wollte den Ekel und Abscheu vor mir selbst loswerden. Denn ich wusste, dass ich etwas Unrechtes getan habe. Etwas, das sich nicht gehört. Etwas Unanständiges“. „Und danach?“, will er wissen. „Danach bin ich raus“, antworte ich. „Ich habe unbedingt frische Luft gebraucht, um noch einmal in Ruhe über alles nachdenken zu können. Ich bin glaube ich fast zwei Stunden lang spazieren gegangen und habe mir den Kopf darüber zerbrochen, warum ich das eigentlich getan habe. Schließlich bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass ich ja mitten in der Pubertät stecke, dass ich mich ausprobieren muss, um festzustellen, welchen Weg ich gehen möchte und die Sache damit auf sich beruhen lassen. Nun, zumindest hatte ich das vor. Denn auch wenn ich mich wirklich bemüht habe, habe ich die Sache einfach nicht aus dem Kopf bekommen und damit angefangen, ernsthaft über mich selbst nachzudenken“.
Ich atme kurz durch, ehe ich dann hinzusetze: „Zuerst habe ich natürlich versucht, mir weiterhin einzureden, dass das nur ein Ausrutscher war, der einfach aus der Lust heraus entstanden ist. Aber auch wenn ich ehrlich versucht habe, daran zu glauben, irgendwie wollte das nicht recht funktionieren. Dafür hat es mich zu stark beschäftigt. Also habe ich beschlossen, mich mal genauer mit dem Thema Sexualität auseinanderzusetzen. Denn bis dahin war ich ja immer noch der festen Ansicht, dass ich auf Mädchen stehe und habe überhaupt nicht daran gedacht, dass es auch andere Möglichkeiten für mich geben könnte. Ich meine, natürlich wusste ich, dass es Homosexualität gibt, aber mir wäre niemals in den Sinn gekommen, mich damit zu beschäftigen, geschweige denn, zu überlegen, ob ich vielleicht selbst so bin. Doch diese Ansicht hat sich die letzte Zeit komplett geändert“.
„Wie kam es dazu?“, will Sparky wissen und rutscht ein Stück näher zu mir heran. „Ich habe nachgedacht“, antworte ich und seufze. „Ich habe tage- und wochenlang nachgedacht und mir den Kopf darüber zerbrochen, was genau ich eigentlich von einer festen Beziehung erwarte. Ich habe versucht, mir auszumalen, mit wem ich mir mehr vorstellen könnte als nur Freundschaft. Aber sämtliche Überlegungen dieser Art haben mich zu keinem Ergebnis geführt, sodass ich am Ende genauso schlau war wie vorher. Also bin ich die Sache von einer anderen Seite angegangen. Und zwar habe ich versucht, mir selbst klarzumachen, welche Eigenschaften und Werte für mich in einer Beziehung wichtig sind und worauf es mir ankommt. Ich bin gedanklich alle Mädchen durchgegangen, die ich kenne, habe versucht, mir vorzustellen, wie es wäre, mit ihnen zusammen zu sein. Zu meiner eigenen Überraschung musste ich dann allerdings feststellen, dass es in meiner gesamten Schule nicht ein einziges Mädchen gibt, an dem ich ein ernsthaftes Interesse hätte“.
Wieder lege ich eine kurze Pause ein, ehe ich fortfahre: „Ich meine, natürlich gibt es da die ein oder andere, die ich wirklich nett finde und mit der ich auch gern Zeit verbringe. Aber mehr war da einfach nie. Ich konnte nicht von einer einzigen behaupten, dass ich sie sympathisch genug finde, um mich auf eine Beziehung mit ihr einzulassen. Vielmehr habe ich sie nur als gute Freunde gesehen, mit denen man sich einfach nett unterhalten kann. Und so sehr ich mich auch angestrengt habe, mehr konnte ich einfach nicht empfinden. Egal, wer mir auch in den Sinn gekommen ist, bei keiner war es je mehr als Freundschaft“.
„Ich verstehe“, erwidert Sparky und lächelt verständnisvoll. „Du konntest dir einfach keine Beziehung mit ihnen vorstellen“. „Genau“, stimme ich ihm zu. „Ich habe in keiner von ihnen mehr gesehen als nur eine Mitschülerin oder gute Freundin. Und genau das hat mich dann ernsthaft zum Nachdenken gebracht. Ich habe zu diesem Zeitpunkt natürlich in Erwägung gezogen, dass ich vielleicht schwul bin und deshalb in keinem Mädchen mehr sehe als nur eine Freundin. Aber richtig beschäftigen wollte ich mich nicht damit, da ich der Meinung war, dass ich es ja schon früher hätte merken müssen, wenn dem tatsächlich so wäre. Also habe ich versucht, die ganze Sache einfach auf sich beruhen zu lassen und abzuwarten, was die Zukunft bringt. Doch bereits kurze Zeit später ist wieder etwas passiert, das mich völlig verunsichert hat“.
„Was ist passiert?“, will er neugierig wissen. „Eines Nachmittags nach dem Sportunterricht...“, setze ich fort. „...als ich dabei war, mich umzuziehen, habe ich mich für einen kurzen Moment in der Umkleide umgeschaut. Dabei blieb mein Blick an Chester hängen, der gerade sein Sweatshirt über den Kopf gezogen und mir ein freches Grinsen zugeworfen hat. Ich weiß nicht, warum, aber an diesem Tag habe ich zum ersten Mal bewusst wahrgenommen, wie sportlich er eigentlich aussieht. Richtig attraktiv. Ich möchte fast sogar schon sagen sexy. Jedenfalls habe ich ihn dann eine gefühlte Stunde lang einfach nur angestarrt und meinen Blick immer wieder an ihm auf- und abwandern lassen. Auch auf die Gefahr hin, dass du mich jetzt für versaut hältst, aber während ich ihn so angestarrt habe, habe ich mich immer wieder gefragt, wie es bei ihm wohl unter seiner Boxershorts aussieht. Gleichzeitig habe ich gefühlt, dass ich eine Erektion bekomme und mich schnell umgedreht, damit keiner etwas davon mitkriegt“.
Sparky beginnt zu grinsen, als ich diese Worte ausgesprochen habe und lässt ein schrilles Quieken verlauten. „Ist das nicht süß?“, ruft er aufgeregt und kichert. „Timmy ist verliebt!“. „Was?! Gar nicht!“, wehre ich mich augenblicklich, kann es aber nicht verhindern, dass ich rot werde. „Hey“, quiekt Sparky, als er das bemerkt und kichert abermals. „Du wirst ja ganz rot, Timmy! Du bist verliebt – und wie!“.
„Das bin ich nicht, Sparky!“, protestiere ich erneut und blicke ihn finster an. „Außerdem geht es darum doch auch gar nicht. Könnten wir also bitte beim Thema bleiben?“. „Entschuldige“, erwidert er, als er mein ernstes Gesicht bemerkt und räuspert sich. „Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen. Ich finde es nur wahnsinnig süß, das ist alles. Aber eines möchte ich noch loswerden: Falls das mit dir und Chester tatsächlich was wird, dann drücke ich dir auf jeden Fall...“.
„Sparky!“, unterbreche ich ihn hastig und schüttle unbeholfen den Kopf. „Tut mir Leid“, entschuldigt er sich nochmals und räuspert sich. „Du hast Recht. Lass uns beim Thema bleiben. Also wie ging es dann weiter?“. „Nachdem mir das in der Umkleide passiert ist...“, fahre ich mit meiner Erzählung fort. „...bin ich ernsthaft ins Überlegen gekommen, da ich keine Erklärung dafür hatte, warum mich diese Sache so sehr erregt hat. Automatisch habe ich wieder an die Situation mit Cosmo gedacht und daran, dass es mir dabei ähnlich ergangen ist. Also habe ich mich im Internet mal ein bisschen schlau gemacht und weitere Anzeichen dafür gesucht, dass ich eventuell doch homosexuell bin. Ich habe glaube ich tausendmal hin- und herüberlegt, in alle Richtungen spekuliert und bin, ähnlich wie zuerst bei den Mädchen, alle Jungs durchgegangen, die mir in den Sinn kamen. Dabei habe ich bemerkt, dass es da schon den ein oder anderen gibt, den ich ziemlich attraktiv und vor allen Dingen süß finde. Irgendwie habe ich mich komisch dabei gefühlt, mir vorzustellen, wie ich mit einem von ihnen mehr versuche als nur die übliche Freundschaftskiste. Aber es war nicht unangenehm oder gar merkwürdig – im Gegenteil: Ich fand es sehr schön, mir das auszumalen. Und plötzlich kam mir dann der entscheidende Gedanke, der mich die letzten Wochen mehr als alles andere beschäftigt hat: Bin ich vielleicht tatsächlich schwul?“.
„Und diese Frage kannst du jetzt eindeutig mit Ja beantworten?“, will Sparky von mir wissen. „Mhm“, antworte ich und nicke zustimmend. „Ich habe lange überlegt, recherchiert und mir den Kopf zerbrochen, um jetzt eindeutig sagen zu können: Ja, ich bin es. Ich bin mehrmals tief in mich gegangen, habe gegrübelt und fantasiert und musste schließlich einsehen, dass ich mich zu Jungs deutlich mehr hingezogen fühle als zu Mädchen. Auch wenn ich einige Zeit gebraucht habe, um es mir selbst einzugestehen, aber inzwischen bin ich an dem Punkt angekommen, an dem ich sagen kann: Ja, es ist so“.
„Oh Timmy, das ist so niedlich“, quiekt er wieder und leckt mir mit der Zunge über die Hand. „Igitt“, rufe ich aus und schüttle sie, ehe ich ihm einen leichten Klaps auf den Kopf verpasse. „Daran ist überhaupt nichts niedlich“, erwidere ich ernst. „Es ist ein natürlicher, pubertärer Vorgang, herauszufinden, zu welchem Geschlecht man sich hingezogen fühlt. Nichts Ungewöhnliches, nichts Besonderes – und schon gar nicht niedlich“.
„Ich finde es total niedlich“, erwidert er mit einem frechen Grinsen. „Vor allen Dingen aber finde ich es mutig. Ich finde es total mutig, dass du mir die ganze Geschichte anvertraut und mir einen Einblick gegeben hast in deine Gefühlslage. Dazu braucht es viel Kraft und Überwindung und ich danke dir, dass du so ehrlich zu mir warst und mir so sehr vertraust. Ich verspreche, ich werde dich nicht enttäuschen. Alle Geheimnisse, die du mir im Vertrauen erzählt hast, sind bei mir sicher. Darauf mein Hundeehrenwort. Ich habe dich lieb, Timmy. Und ich würde nie irgendetwas tun, das dich verletzen oder bloßstellen könnte“.
„Ich habe dich auch lieb, Sparky“, flüstere ich bewegt und schließe den Kleinen fest in die Arme. „Danke für alles“, füge ich hinzu und küsse kurz seinen Kopf. „Vor allem dafür, dass du mir zugehört hast und ich mir endlich alles von der Seele reden konnte“. „Jederzeit wieder, Timmy“, erwidert er und lächelt mich an. „Jederzeit wieder. Wann immer du das Bedürfnis danach hast, mit jemandem zu reden, du weißt, du kannst stets zu mir kommen. Ich habe immer ein offenes Ohr für dich“.

Am späten Abend sitze ich zusammen mit Sparky in meinem Zimmer und warte darauf, dass Cosmo und Wanda aus der Elfenwelt zurückkehren. Denn nachdem ich mich noch eine Weile mit ihm unterhalten habe, habe ich den Entschluss gefasst, sie schnellstmöglich in die Sache einzuweihen und ihnen zu erzählen, was mit mir los ist. Ich bin sicher, je früher sie die Wahrheit erfahren, desto besser.
Auch Sparky ist der Ansicht, dass es besser ist, die Sache nicht unnötig hinauszuzögern, sondern auf schnellstem Wege reinen Tisch zu machen. Darüber hinaus hat er mir nochmals versichert, dass all die Dinge, die ich ihm im Vertrauen erzählt habe, unter uns bleiben und er gegenüber den beiden kein einziges Wort verlieren wird. Zudem will er mich bestmöglich in meinem Vorhaben unterstützen und mir fest zur Seite stehen, sollten die beiden unerwarteterweise Schwierigkeiten damit haben, es zu begreifen.
Allerdings ist diese Angst eher vorsorglich als wirklich berechtigt, da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass ausgerechnet Cosmo und Wanda ein Problem darin sehen, dass ich schwul bin. Ein kleiner Restzweifel bleibt natürlich trotzdem, jedoch ist mir bewusst, dass ich nur dann erfahre, wie sie auf diese Neuigkeit reagieren, wenn ich ehrlich zu ihnen bin. Außerdem habe ich ja noch Sparky an meiner Seite und stehe ihnen somit nicht vollkommen allein gegenüber. Er ist bereits in die ganze Geschichte eingeweiht und kann nötigenfalls zwischen uns vermitteln, falls ihre Reaktion überraschenderweise doch anders ausfällt als erwartet.
Doch ich darf jetzt nicht damit anfangen, mich verrückt zu machen und zu überlegen, wie sie eventuell reagieren oder was sie davon halten könnten. Ich muss einfach den Mut haben, mich vor ihnen dazu bekennen und dann abwarten. Mehr kann ich ohnehin nicht tun.
„Nervös, Timmy?“, möchte Sparky wissen, als er mich an die Hand nimmt und reißt mich damit aus meinen Gedanken. „Hm?“, frage ich ihn geistesabwesend, da ich gar nicht richtig mitbekommen habe, was er mich eigentlich gefragt hat. „Bist du aufgeregt?“, wiederholt er seine Frage, was mich unweigerlich dazu veranlasst, leicht mit den Augen zu rollen. „Wie kommst du denn nur auf so eine Idee?“, entgegne ich dann sarkastisch und schüttle den Kopf.
„Tut mir Leid“, entschuldigt er sich mit verlegenem Blick. „Ich kann nachvollziehen, dass du sehr aufgeregt bist. Aber glaub mir, die beiden werden das ganz bestimmt verstehen. Es gibt nichts, worüber du dir Sorgen machen müsstest. Außerdem bist du ja nicht allein. Ich bleibe die ganze Zeit bei dir und unterstütze dich so gut ich kann“.
„Ich danke dir, Sparky“, entgegne ich mit einem nervösen Lächeln und bemühe mich, dabei so optimistisch wie möglich zu klingen. „Du hast bestimmt Recht und es gibt nichts, worüber ich mir Sorgen machen müsste“. „Genau“, stimmt er mir zu, mein Lächeln erwidernd. „Aufgeregt bin ich trotzdem“, füge ich rasch hinzu und schlucke. „Ich meine, die beiden kennen mich nun schon so lange, haben mit mir schon so viel erlebt und durchgemacht. Sie haben mir immer dabei geholfen, bei den Mädchen einen guten Eindruck zu hinterlassen. Und plötzlich stellt sich heraus, dass ich eigentlich an Jungs interessiert bin. Das wird bestimmt eine Überraschung für sie sein“.
„Das ist schon möglich“, stimmt Sparky mir erneut zu. „Aber glaub mir, Timmy, wenn du ihnen die ganze Geschichte erzählst, werden sie es bestimmt nachvollziehen können und sich für dich freuen, dass du erkannt hast, was du möchtest. Cosmo und Wanda lieben dich so, wie du bist. Ihnen ist es ganz egal, ob du auf Mädchen stehst oder auf Jungs. Das Wichtigste für sie ist es, dass du glücklich wirst. Und auch wenn sie zunächst vielleicht überrascht sind, sie freuen sich bestimmt genauso sehr wie ich, dass du deine wahre Sexualität herausgefunden hast“.
„Danke, Sparky“, wiederhole ich und streichle vorsichtig seine Pfote. „Du findest immer die richtigen Worte“. „Ich sage dir nur, wie ich die ganze Sache sehe“, entgegnet er und lächelt. „Glaub mir, Timmy, es wird alles gut. Es gibt nichts, wovor du Angst haben oder weswegen du nervös sein müsstest. Ich bin die ganze Zeit bei dir und unterstütze dich“.
Er legt eine kurze Pause ein, ehe er schließlich hinzufügt: „Wenn es dich beruhigt, kann ich nachher auch gerne deine Hand halten“. Verwundert ziehe ich eine Augenbraue hoch und schaue ihm kurz in die Augen. „Was?“, frage ich dann und lasse seine Pfote automatisch los. „Ich... ich meine nur“, entgegnet er und räuspert sich. „Wenn es dir lieber ist, dass ich deine Hand halte, dann...“. Er unterbricht sich und wird rot, offensichtlich peinlich berührt von seinen eigenen Worten.
„Sparky, ich bin doch kein kleines Kind mehr...“, beginne ich, halte dann allerdings inne, als ich bemerke, dass ich ihn dadurch nur noch mehr in Verlegenheit bringe. Immerhin meint er es ja nur gut mit mir und bemüht sich, mir so gut es geht meine Aufregung zu nehmen.
„Entschuldige, Sparky“, setze ich dann fort und greife wieder nach seiner Pfote. „Das... das war jetzt nicht böse gemeint. Ich weiß ja, dass du mir mit diesem Vorschlag nur helfen willst. Es ist ein liebes Angebot und ich möchte es sehr gerne annehmen“. „Wirklich?“, hakt er unsicher nach und hebt kurz seinen Blick. „Ja“, stimme ich ihm zu und nickte bestätigend. „Ich glaube, ich würde mich wirklich wohler fühlen, wenn du meine Hand hältst. Dann weiß ich, dass ich nicht allein bin“.
„Wenn du das möchtest, Timmy“, erwidert er und auf seinem Gesicht breitet sich wieder ein Lächeln aus. Dann umschließt er meine Hand fest mit seiner Pfote und streichelt sie behutsam. „Du weißt, ich tue alles, um dich zu unterstützen“, setzt er fort und kuschelt sich mit mir zusammen. „Ich weiß, Sparky“, erwidere ich dankbar und beuge mein Gesicht dich an seines heran. „Danke“. Mit diesen Worten gebe ich ihm einen Kuss auf die Wange und lächle.
„Wofür war der?“, fragt er und senkt verlegen seinen Blick. „Für alles“, antworte ich ihm, während ich damit anfange, seinen Kopf zu streicheln. „Dafür, dass du mir zugehört und mich in meinem Vorhaben bestärkt hast. Dafür, dass ich über alles mit dir reden kann, egal, wie unangenehm es mir auch scheinen mag. Dafür, dass du mich so akzeptierst, wie ich bin. Und dafür, dass ich das Glück haben darf, dich als Freund zu haben“.
„Aber Timmy, das ist doch selbstverständlich“, erwidert er, geschmeichelt von meinen Worten. „Für dich ist es das vielleicht“, antworte ich und bedeute ihm, sich näher zu mir zu kuscheln. „Aber für mich nicht. Ich möchte, dass du weißt, wie viel mir deine Freundschaft bedeutet. Wie viel du mir bedeutest. Sparky, du bist der beste und treuste Freund, den man sich nur wünschen kann. Und genau dafür liebe ich dich“.
„Ich liebe dich auch, Timmy“, entgegnet er bewegt. „Und ich möchte, dass du weißt, dass du mir auch sehr viel bedeutest. Mir sind in meinem Leben ja schon viele Menschen begegnet, mit denen ich auch eine Menge erlebt habe. Aber noch nie habe ich jemanden getroffen, der so ist wie du“. „Wie bin ich denn?“, frage ich kichernd und grinse. „Einmalig“, beantwortet er meine Frage und leckt sanft über meine Hand, hält jedoch sofort inne, als ihm wieder einfällt, dass mir diese, wenn auch lieb gemeinte, Geste alles andere als gefällt.
„Entschuldige“, sagt er dann und blickt mich mit einem unbeholfenen, verlegenen Lächeln an. „Macht der Gewohnheit“. „Ist schon in Ordnung, Sparky“, entgegne ich und streichle sein linkes Ohr. „Du meinst es ja nur gut. Das ist alles, was zählt“.
Kaum habe ich diesen Satz zu Ende gesprochen, erscheinen auch schon Cosmo und Wanda, umhüllt von einer dichten Wolke Elfenstaub. Mein Herz fängt wieder an zu klopfen, bei dem Gedanken daran, was ich den beiden gleich sagen will und ich bemühe mich, meine Aufregung halbwegs in Zaum zu halten.
„Hey Jungs“, meint Wanda, die in beiden Händen zwei Einkaufstüten hält. „Entschuldigt bitte. Es hat leider etwas länger gedauert. Cosmo musste unbedingt noch bei seiner Mutter vorbeischauen und nachfragen, ob sie auch irgendetwas braucht“. Sie lässt ein erschöpftes Seufzen verlauten, ehe sie die beiden Taschen in ihr Fischglas zaubert. „Lass mich raten“, antworte ich und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. „Extrawünsche in Hülle und Fülle?“.
„Das kannst du laut sagen“, erwidert sie und seufzt erneut. „Sie hat unbedingt darauf bestanden, uns zu begleiten, damit ich ja nichts falsch mache“. Sie rollt mit den Augen und schüttelt unbeholfen den Kopf. „Bestimmt kannst du dir denken, wie viel Spaß wir zusammen hatten“.
Auf diese Aussage hin muss ich noch breiter grinsen und mich stark zusammenreißen, um nicht in lautes Gelächter auszubrechen. Wenn Wanda eine Person auf den Tod nicht ausstehen kann, dann Mama Cosmo. Das liegt unter anderem daran, dass sie Wanda nie als die Frau an Cosmos Seite akzeptiert hat und keine Intrige unversucht lässt, um die beiden gegeneinander auszuspielen. Ebendies wiederum hat schon sehr häufig dazu geführt, dass Cosmo zwischen die Fronten geraten ist und sich zwischen der Loyalität gegenüber seiner Mutter und seiner Liebe zu Wanda entscheiden musste. Sein größter Wunsch wäre es, dass die beiden das Kriegsbeil endlich begraben und fortan einen harmonischen Umgang miteinander pflegen.
Aber ehrlich – bevor das passiert, werde ich Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Die beiden hassen sich. Sie hassen und verabscheuen sich mehr als alles andere auf dieser Welt und tun absolut alles dafür, um sich gegenseitig vor Cosmo schlecht zu machen. Aber mir ist das prinzipiell egal, solange sie mich aus der ganzen Sache heraushalten.
„Klingt nach einem tollen Tag“, meine ich spaßeshalber, als ich mich nicht länger zurückhalten kann und fange an zu lachen. „Ach, sind wir heute wieder witzig“, entgegnet Wanda schneidend und wirft mir einen finsteren Blick zu, der mich augenblicklich zum Schweigen bringt. „Tut mir Leid“, sage ich dann und räuspere mich unangenehm berührt.
„Wie war denn euer Tag?“, wechselt sie schnell das Thema und legt ein erwartungsvolles Lächeln auf. „Was habt ihr angestellt, während wir weg waren?“. „Ich hab nichts angestellt, ehrlich!“, antwortet Sparky reflexartig und hebt abweisend seine Pfoten. „Ich habe nur ein paar Knochen vergraben und mich mit Timmy unterhalten. Ich habe heute eine Menge über ihn herausgefunden, was ich noch gar nicht gewusst habe“.
Er zwinkert mir kurz zu, offensichtlich in der Annahme, dass er mir dadurch den Einstieg ins Gespräch erleichtert hat und greift nach meiner Hand, die auf seine Aussage hin unweigerlich zu zittern beginnt. „So?“, will Wanda interessiert wissen und wirft mir einen Blick zu. „Worüber habt ihr denn gesprochen, ihr zwei?“. „Oh, ähm... nichts“, erwidere ich rasch und schlucke schwer, unklar darüber, wie ich den beiden so schonend wie möglich beibringe, was Sache ist.
In diesem Augenblick spüre ich, dass Sparky meine Hand drückt und mir einen vielsagenden Blick zuwirft. Ich seufze leise, weil mir bewusst ist, dass er Recht hat und es ohnehin nichts bringt, die Sache unnötig hinauszuschieben. Besser, ich erzähle es ihnen jetzt sofort, dann habe ich es schneller hinter mir.
„Was ist denn los, Timmy?“, fragt Cosmo, als ihm auffällt, dass ich ziemlich angespannt werde und zieht eine Augenbraue hoch. „Stimmt was nicht?“. „Leute...“, beginne ich, breche dann allerdings wieder ab und senke den Blick zu Boden. Sparky beginnt, meine Hand zu streicheln und lächelt mich ermutigend an. „Ganz ruhig, Timmy“, flüstert er dann, so leise, dass nur ich es verstehen kann und rutscht näher zu mir heran. „Du schaffst das“.
„Was ist passiert?“, möchte Wanda gespannt wissen. „Was habt ihr angestellt?“. „Nichts“, entgegne ich und blicke ihr für einen kurzen Moment in die Augen. „Aber... es... es gibt da was, was ich euch sagen muss. Es ist wirklich wichtig“. „Nur raus damit“, meint Cosmo, ebenfalls gespannt, was ich ihm gleich erzählen werde.
„Leute, ich... ich bin...“, beginne ich, unterbreche mich dann aber wieder und wende mich von ihnen ab. „Du bist... was? Nun drucks doch nicht so herum“, hakt Wanda ungeduldig nach, mäßigt jedoch ihren Tonfall, als sie meinen betrübten Gesichtsausdruck bemerkt. „Entschuldige, Sportsfreund“, meint sie dann und ihre Miene hellt sich wieder auf. „Ich wollte dich nicht anfahren. Also, was ist los, Timmy? Was möchtest du uns sagen?“.
„Ich... ich habe nachgedacht“, antworte ich zögernd. „Über mich. Über das, was ich mir von einer festen Beziehung erwarte. Und mir ist klargeworden, dass ich...“. Wieder muss ich mich unterbrechen, als mein Herz so schnell klopft, dass ich befürchte, es könnte jeden Moment aussetzen. Sparky legt beide Pfoten um mich und streichelt mir liebevoll über den Rücken. „Nur Mut, Timmy“, flüstert er mir zu, laut genug, damit auch Cosmo und Wanda es verstehen können. „Sprich es einfach aus. Sag ihnen, was dir klargeworden ist. Genau so, wie du es auch mir gesagt hast“.
„Du weißt Bescheid?“, fragt Wanda verwundert, was er mit einem Nicken bejaht. „Timmy hat mir die Sache heute Nachmittag anvertraut“, antwortet er sanft. „Er hat mir alles darüber erzählt und ich finde es wahnsinnig mutig von ihm, dass er so fest dazu steht“. „Timmy?“, sagt Cosmo und kommt näher zu mir. „Was ist los? Was hast du auf dem Herzen? Du weißt doch, dass du uns alles sagen kannst“.
„Ich... ich weiß“, stimme ich ihm unsicher zu. „Aber ich finde irgendwie nicht die richtigen Worte dafür“. „Sag es uns einfach“, erwidert er und greift mit einem Lächeln nach meiner anderen Hand. „Sag es, wie es ist. Geradeheraus“.
„Geradeheraus?“, möchte ich wissen, woraufhin er bestätigend nickt. „Geradeheraus“, wiederholt er und streichelt mich aufmunternd. „Was auch immer du auf dem Herzen hast, es gibt nichts, was du uns nicht anvertrauen könntest. Absolut gar nichts“.
Jetzt oder nie, beschließe ich in diesem Moment für mich und hole noch einmal tief Luft. „Okay, Cosmo“, beginne ich dann und blicke zu Wanda. „Ich werde es euch sagen, wie es ist. Ohne Umschweife. Ich... ich bin schwul“.
Cosmo lässt meine Hand los, als ich diese Worte ausgesprochen habe und starrt mir für einen kurzen Moment in die Augen, so als versuche er, herauszufinden, ob ich ihm tatsächlich die Wahrheit erzähle. Dabei sagt er jedoch keinen einzigen Ton. Und auch Wanda schaut entgeistert auf mich herunter, vollkommen überrumpelt von diesem Bekenntnis.
Einige Augenblicke lang herrscht tiefes Schweigen zwischen uns, keiner traut sich so recht, irgendetwas zu sagen und plötzlich macht sich ein komisches Gefühl in meiner Magengegend breit. Vielleicht bin ich doch zu voreilig gewesen, schießt es mir durch den Kopf, während ich darauf warte, dass einer der beiden diese bedrückende Stille zerbricht. Vielleicht hätte ich sie doch vorsichtig an das Thema heranführen sollen, anstatt sie zu überfallen und einfach so mit dieser Hiobsbotschaft herauszuplatzen. Vielleicht wäre es doch klüger gewesen, sie behutsam auf diese Neuigkeit vorzubereiten und sie nicht ohne jegliche Vorwarnung damit zu konfrontieren.
Nervös wende ich mich Sparky zu, der nach wie vor meine Hand hält und beiße mir auf die Unterlippe. Doch er lächelt nur und macht mir mit einem kurzen Blick deutlich, dass es nichts gibt, worüber ich mir Sorgen machen müsste. Dann legt er beide Pfoten um meine Hüfte, um mich spüren zu lassen, dass er da ist und mich unterstützt.
„Du... du bist...?“, beginnt Cosmo endlich und beendet damit das unbehagliche Schweigen zwischen uns. „Ja“, antworte ich ihm und seufze leise. „Ich... ich weiß, dass euch das überrascht und dass ich euch mehr oder weniger damit überfalle, aber es musste endlich raus. Ich konnte es einfach nicht mehr länger für mich behalten“.
„Timmy, das... das wussten wir gar nicht... wir...“. Cosmo bricht wieder ab, nicht in der Lage dazu, einen halbwegs vernünftigen Satz zu formulieren. Aber ich kann es ihm nicht übel nehmen, immerhin kommt mein Outing bestimmt völlig unerwartet für ihn und er braucht einige Zeit, um es richtig begreifen zu können.
„Leute, ich... es... es tut mir Leid, dass ich damit einfach so herausplatze“, setze ich an und räuspere mich nervös. „Aber ich musste es endlich loswerden. Ich musste es euch endlich sagen. In den letzten Wochen habe ich sehr viel über mich selbst nachgedacht und dabei ist mir klargeworden, dass es keinen Sinn macht, mich noch länger dagegen zu sträuben. Ich musste lernen, es für mich selbst zu akzeptieren und damit zu leben. Auch wenn ich selbst nie geglaubt hätte, dass ich eines Tages so empfinden würde, aber es ist so. Ohne Zweifel“.
„Oh Timmy“, flüstert Wanda und kommt ebenfalls zu uns herüber. Sie legt ihren Arm vorsichtig auf meine Schulter und schaut mich dann mit einem unsicheren Lächeln an. „Wir hatten ja keine Ahnung“. „Ist... ist es sehr schlimm für euch?“, möchte ich wissen und blicke zuerst ihr, danach Cosmo ins Gesicht. „Schlimm?“, hakt dieser daraufhin nach und zieht verwundert eine Augenbraue hoch.
„Ja“, antworte ich. „Ich meine, ich... ich weiß, dass ihr bestimmt sehr geschockt darüber seid. Ich kann es ja selbst immer noch nicht richtig glauben. Aber es macht keinen Sinn mehr, es weiterhin zu leugnen. Darum bitte, sagt mir, ob es sehr schlimm für euch ist, dass ich so empfinde. Sagt mir, ob ihr deswegen sehr böse auf mich seid“.
„Aber Timmy“, erwidert Cosmo und auch auf seinem Gesicht breitet sich ein sanftes Lächeln aus. „Warum sollten wir denn böse auf dich sein, hm?“. „Naja...“, antworte ich und schlucke schwer. „Immerhin habt ihr beiden mir jahrelang dabei geholfen, die Mädchen aus meiner Klasse so gut es geht zu beeindrucken. Und plötzlich stellt sich raus, dass ich eigentlich auf Jungs stehe. Das muss doch ein Schock für euch sein und...“.
„Timmy“. Cosmo legt seinen Finger auf meine Lippen, um mich zum Schweigen zu bringen und tauscht mit Wanda einen flüchtigen Blick aus. „Timmy, hör zu. Wir sind doch nicht böse auf dich. Wie kommst du denn nur auf so eine Idee?“.
„Seid ihr nicht?“, frage ich überrascht. „So ein Unsinn, Timmy“, antwortet Wanda mir und lächelt verständnisvoll. „Dafür gibt es doch gar keinen Grund. Ich meine, klar kommt dein Bekenntnis etwas überraschend für uns, keine Frage. Aber das ist doch noch lange kein Grund, böse auf dich zu sein. Im Gegenteil: Wir freuen uns für dich, dass du jetzt weißt, was du möchtest und was du dir vom Leben erwartest. Natürlich haben wir immer damit gerechnet, dass du eines Tages ein Mädchen kennenlernst, mit dem du dein Leben verbringen willst. Aber so wie es aussieht, fühlst du dich mehr zu anderen Jungs hingezogen. Und das ist doch nun wirklich nichts schlimmes oder gar etwas, weswegen wir böse auf dich sein könnten. Immerhin ist das doch ganz allein deine Entscheidung und wir freuen uns sehr darüber, dass du so ehrlich zu uns bist“.
„Meinst du das ernst?“, frage ich nach, weil ich gar nicht fassen kann, dass sie tatsächlich so etwas zu mir sagt. „Natürlich meint sie das ernst“, antwortet Cosmo an ihrer Stelle, ebenfalls mit einem optimistischen Lächeln im Gesicht. „Schau mal, Timmy. Es ist doch deine Sache, mit wem du gehen möchtest. Du musst das für dich entscheiden und weder Wanda, noch ich möchten uns darin einmischen. Wie sie schon gesagt hat, ist es natürlich eine Überraschung für uns, dass du so empfindest, aber nichts, weshalb wir böse auf dich sein müssten. Du lebst dein Leben so, wie du das möchtest“.
„Oh Cosmo!“, rufe ich bewegt und falle der kleinen Elfe glücklich und dankbar um den Hals. „Ich... ich weiß nicht, was ich sagen soll“. „Du musst nichts sagen, Timmy“, erwidert er, als er sich aus meiner Umarmung löst. „Es ist doch selbstverständlich, dass wir dich so nehmen, wie du nun einmal bist“.
„Wir haben dich sehr lieb, Timmy“, fügt Wanda hinzu und drückt mich dann ebenfalls fest an sich. „Und daran wird sich niemals etwas ändern. Egal, wen du liebst oder wer für dich als Partner einmal in Frage kommt, wir werden es akzeptieren und uns für dich freuen“. „Ich hab euch auch lieb, Leute“, erwidere ich und bedeute den beiden, mich noch einmal in die Arme zu schließen. „Und ich danke euch. Für alles“. „Nicht der Rede wert“, entgegnet Cosmo mit einem Lächeln. „Wir haben dich lieb, Timmy. Und zwar ganz genau so, wie du bist“.
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