Ein ganzes halbes Jahr - und viele Jahre mehr

von Mira02
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18
07.08.2016
10.08.2020
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16.08.2016 693
 
Als Louisas Mum daraufhin die Tür öffnete, konnte sich Will gerade noch davon abhalten auch sie in die Arme zu schließen. „Mrs. Clark…“ Will reichte ihr die Hand und betrachtete die rundliche Frau, die ihn in seiner Erinnerung an Louisas Geburtsag so herzlich empfangen hatte.

Auch jetzt lächelte sie ihn freundlich an, wischte sich nervös die Hände an ihrer Schürze ab, bevor sie ihm die Hand reichte. „Kommen Sie doch herein Mister….“ „Traynor, Will Traynor.“ „Mister Traynor..“, Louisas Mum lächelte verzückt. „Kommen Sie, Will, ich habe gerade Apfelkuchen gebacken. Was trinken Sie? Kakao? Oder doch lieber Kaffee?“, geschäftig und mit roten Wangen verschwand sie in der Küche und ließ Will im Wohnzimmer stehen.

Dieser strich gedankenverloren über den alten, rustikalen Esstisch, dessen nussbraunes zerschlissenes Holz ihm auch bei seinem letzten Besuch aufgefallen war. Bekannte Gesichter lächelten ihn aus vielen bunten Bilderrahmen die an den Wänden hingen an. Sein Blick wanderte weiter und blieb dann an Louisa und ihrer Schwester Treena hängen, die mit verschränkten Armen auf der Couch saßen und ihn misstrauisch beäugten.

„Lou Schätzchen, biete doch deinem Gast einen Stuhl an, ich bin gleich da!“, schrie Lous Mutter aus der Küche. „Mum, er ist nicht mein Gast, ich kenne den Typ nicht!“, schrie Louisa zurück. Ihr Blick zuckte augenblicklich zurück zu Will, der verhalten anfing zu lachen. „Darf man erfahren was Sie so lustig finden?!“, fragte sie und reckte störrisch ihr Kinn. „Wussten Sie, dass stalken strafbar ist?“, fragte da auch schon ihre neunmal kluge Schwester und zückte einen Fotoapparat, mit welchem sie sogleich wild drauflos knipste.

„Ruhig ihr Beiden. Ich kann alles erklären. Ich bin Will Traynor, mir gehört die Burg dahinten.“ Als ob dies alles erklären würde deutete er aus dem vor ihm liegenden Fenster. „Das erklärt ihr unzüchtiges Verhalten nicht. Oder dachten Sie, nur weil Ihnen die Burg gehört können Sie sich alles erlauben?“, Lou baute sich wütend vor ihm auf und funkelte ihn aus ihren braunen Rehaugen an.

Will schluckte. Wow. In seiner Erinnerung war Louisa viel sanftmütiger gewesen und nicht so störrisch und bockig. „Will, mögen Sie Sahne?“, Louisas Mutter kam mit einem vollgepackten Tablet zurück ins Wohnzimmer. „Mrs. Clark, wo bleiben meine Manieren, warten Sie, ich nehme Ihnen das ab.“ „Ach lassen Sie nur, Will, wozu habe ich denn zwei hübsche Töchter, die übrigens beide in keiner festen Beziehung sind.“, zwinkerte Mrs. Clark vielsagend und legte das Tablett auf dem Esstisch ab.

„Was soll das Mum, du weißt genau dass ich mit Patrick zusammen bin und das seit sieben Jahren!“  unterstrich Louisa, stemmte die Hände in die Hüften und wischte sich unwirsch eine Strähne aus der Stirn. Wills Miene verhärtete sich bei diesen Worten unwillkürlich. Richtig, der Sportlertyp.

„Patrick, ist das der dürre sehnige Junge, der letzte Woche hier war?“, fragte Lou’s Mutter und verteilte Teller, Servietten und Besteck. „ich dachte das sei dein Nachhifeschüler.“ „Mum jetzt bleib mal realistisch, ja..“, kam Treena ihrer großen Schwester zu Hilfe. „als ob Lou jemals in irgendeinem Fach Nachhilfe geben könnte.“, fiel sie ihr dann uncharmant in den Rücken. Beide, Mutter und Tochter prusteten los.

Als sich alle an den Tisch gesetzt hatten und Lous Mum Muffins und Apfelkuchen verteilt hatte fragte sie neugierig: „so, nun erzählen Sie mal, Will. Wie lange daten Sie und Lou sich schon.“ „Mum!“, schrie Louisa vom anderen Ende des Tisches. „Wie oft noch, wir kennen uns nicht. Ich weiß gar nicht wieso du ihn reingeholt hast, der Typ hätte mich und Tommi vorhin fast umgefahren!“

„Was mir außerordentlich leid tut, Louisa.“, Will wischte sich den Mund mit einer Serviette ab, bevor er fort fuhr: „ich war so in Gedanken, dass ich euch nicht gesehen habe. Nun möchte ich euch erzählen, warum ich eigentlich hier bin.“ Will stockte kurz. Es wurde plötzlich Mucksmäuschen still, nur Tommis schmatzende Essgeräusche waren noch zu hören. Will war während des Essens eine Idee gekommen, wie er das Schicksal wieder in die richtige Richtung lenken konnte, ohne Louisa die Wahrheit, die sie ihm wohl eh nicht abkaufen würde, erzählen zu müssen. „Ich bin hier wegen deines Vaters, Louisa. Bei uns in der Burg ist eine Stelle frei und ich habe gehört, dass dein Dad einen Job sucht“
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