Ein ganzes halbes Jahr - und viele Jahre mehr

von Mira02
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18
07.08.2016
10.08.2020
22
15.425
6
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
07.11.2016 1.379
 
"Kannst du mir mal verraten, warum du einfach abgehauen bist? Wir waren verabredet!"

Louisa wand sich benebelt um. Die zwei Bier auf leeren Magen waren ihr zu Kopf gestiegen. Erst jetzt merkte sie, dass sie nach dem Schwimmwettkampf noch keinen Bissen gegessen hatte. Hinter ihr stand Will mit verschränkten Armen und einem wie sie fand leicht gehetztem Gesichtsausdruck.

"Aber deine Mum…ich dachte du bist gegangen?"

"Bin ich nicht. Ich hab eine Ewigkeit auf dem Balkon gewartet bis ich gecheckt hab, dass du weg bist. Egal..was macht der hier?"

Wills Blick fiel auf Nick, der ihn schon eine ganze Weile schweigend musterte.

"Deine Freundin nehme ich an?", fragte er spitz, erhob sich und reichte Will die Hand. "Mir gefällt dein Lippenstift, Schätzchen."

"Danke. Louisa Clark mein Name.", sagte Will geschäftig und erwiderte Nicks Gruß mit einem gewohnt festen Händedruck.  Dann nahm er sich einen Stuhl vom Nachbartisch und setzte sich neben Louisa.

"Liebes, wie geht es dir? Ich hab mir Sorgen gemacht. Du wirktest vorhin so, als würde dir etwas klar werden.", liebevoll strich er ihr über die Wange und musterte sie intensiv.

"Ich…brauchte einen Moment für mich. Es ist einfach so verwirrend. " leidig schüttelte Louisa den Kopf und sah an sich hinab. "Ich komme mit diesem Körper einfach nicht klar. Diese vielen Haare, sogar im Gesicht. Ständig muss ich mich rasieren. Du scheinst mit deinem ja kein Problem zu haben…", sehnsüchtig schielte sie auf Wills Dekolleté und ihre ungewöhnlich hochgepuschten Brüste.
"Sag mal gehst du später noch aufs Oktoberfest oder wieso hast du dich so in Schale geworfen?!"  

"Ich weiß halt die Vorzüge deines Körpers zu betonen. Das kann man von dir nicht behaupten.", erwiderte Will arrogant.

"Weil dein Körper keine Vorzüge hat! Glaub mir, ich habe dich vorhin im Schwimmbad nackt gesehen, das war ein kleiner Schock. Und wenn ich klein sage meine ich auch…"

"Jetzt gehst du aber zu weit, ich habe einen Ruf zu verlieren!", rief Will wütend und schlug mit der Faust auf den Tisch. Dieses Mädchen würde ihn noch in den Wahnsinn treiben.  

"Hörst du das, Will? Der Bitch ist ihr Ruf wichtiger als deine Gefühle!", schrie Nick plötzlich mit ungewöhnlich hoher Stimme. Anscheinend war sein Kampfgeist jetzt so richtig geweckt.

Will hob pikiert eine Augenbraue und sagte dann ruhig:" Will, kann ich dich bitte mal sprechen? Allein?"

"Ähm..ja..Louisa. Natürlich." Die beiden entfernten sich vom Tisch während Nick ihnen noch hinterher rief:" lass dir nichts einreden, Will! Steh zu dem was du bist!"

Will zerrte Louisa in eine ruhige Ecke neben den Toiletten.
"Clark, verdammt!", er seufzte genervt. "Könntest du wenigstens annähernd versuchen einen guten Will Traynor zu spielen?"

"ich werde mein Bestes geben wenn du das auch tust!", zischte sie.

"Das tue ich immer!"

"Das ist nicht genug!"

Will atmete ein paar Mal tief durch. "Ok Louisa. Schließen wir einen Packt bis das Ganze vorbei ist. Ich werde alles geben, um eine möglichst glaubwürdige Version deiner Person abzugeben und du tust dein Bestes ich zu sein."

Louisa sah ihn einige Sekunden aus zusammengekniffenen Augen an. Abgemacht, Traynor." , sagte sie, doch bevor sie sich umwenden konnte, um zurück zu ihrem Tisch zu kehren hielt Will sie am Handgelenk fest.

"Ähm Louisa, vielleicht ist es dir noch nicht aufgefallen, aber Nick ist schwul." , machte Will ihr unmissverständlich klar.

"er ist….natürlich ist mir das aufgefallen. Von Anfang an.", stotterte Louisa und errötete leicht.

Will seufzte. Sie hatte anscheinend keine Ahnung gehabt.

"Gut, da du nun bescheid weißt kannst du ja aufhören auf seine Annährungsversuche einzugehen." Seine eigenen blauen Augen blickten spöttisch auf ihn hinab.

"Will Traynor, bist du etwa ein bisschen homophob??", kicherte Louisa.

"Schwachsinn. Ich will nur nicht dass das die Runde macht. In meiner Branche ist es wichtig so hetero wie möglich zu wirken. Mach Nick am besten klar, dass ich deine Freundin bin und, dass wir ein super glückliches Paar sind."

Louisa nickte langsam und die beiden machten sich auf den Weg zurück zu ihrem Tisch.

"Da seid ihr ja endlich. Alles ok?", fragte Nick, der inzwischen eine neue Runde Bier bestellt hatte.

"Alles bestens! Alles super! So wie immer eben, in unserer tollen Beziehung, oder Darling?" Louisa lächelte übertrieben und setzte sich dann demonstrativ auf Wills Schoß und schlang die Arme um seine Schultern.

Will verzog schmerzvoll das Gesicht. Louisa hatte kaum Muskeln in ihren Oberschenkeln und sein Körper den sie zur Zeit bewohnte wog um die 100 Kg. Will stöhnte leidlich. Wieso konnte sich Louisa nicht ein bisschen männlicher verhalten?

Anscheinend bemerkte sie gerade welch komisches Bild sie abgaben, denn sie sprang urplötzlich von seinem Schoß auf und stieß, ungeschickt wie sie war, gegen ihr verdammtes Bier, welches sich daraufhin über ihren Schritt ergoss.

"wie ungeschickt von mir..", stotterte sie erötend, griff sich die Serviette und begann umständlich an ihrem Schritt rumzunästeln. Oder besser gesagt an seinem. Verdammt, sie sollte das lassen!

"Warte, Will, ich mach das!", nun griff auch Nick hilfsbereit nach einer Serviette, ging vor Louisa auf die Knie und begann hingebungsvoll an ihrem Schritt herumzutupfen.

"Aufhören! Verdammt, wisst ihr eigentlich wie das aussieht?!", rief Will und hörte bereits die ersten Blitzgeräusche hinter sich. Anscheinend hatten einige Gäste Will erkannt und ihre Handys gezückt.

"Danke, Nick, das ist lieb.", Louisa lächelte höflich und sah Will unsicher von der Seite an.

"Männlich! Verdammt sei männlich!", flüsterte dieser ihr und eine Ader auf seiner Stirn begann gefährlich zu pulsieren.

Louisa nickte entschieden, drehte sich zu Nick und zog ihn entschlossen an seinen honigblonden Haaren hoch, sodass die beiden wieder auf Augenhöhe waren. "Ich sage wann Schluss ist.", raunte sie mit tiefer Stimme und Nick erzitterte unter ihrem Griff.

"Jawohl, Meister", flüsterte er und zwinkerte Louisa vielsagend zu.

Will griff sich an die Stirn und schüttelte verzweifelt den Kopf. Nick schien die Situation in den falschen Hals bekommen zu haben und Louisa machte es nur noch schlimmer.

"Setz dich!", gröhlte Louisa in befehlshaberischem Ton und schleuderte Nick, den sie immer noch an seinem Haar festhielt zurück auf seinen Stuhl.

"Will, ich hatte ja keine Ahnung..", begann Nick.

"Schweig!", fuhr Louisa ihn mit tiefer Stimme an.

"Jawohl, mein Gebieter", antworte Nick devot und konnte sein entzücken kaum unterdrücken.

Stolz blickte Louisa zu Will. "Siehst du, hab alles im Griff", flüsterte sie ihm zu und Will konnte über ihre naive fast schon ignorante Art nur geschlagen den Kopf schütteln.

Er räusperte sich ein paar Mal, stand dann entschieden auf und griff nach Louisas Hand.

Er musste Nick jetzt unmissverständlich seine Schranken aufweisen, sonst würde er ihn nie wieder loswerden.

"Will, Liebling, ", säuselte er , schmiegte sich an Louisas Brust und begann mit dem Finger kleine Kreise auf ihrem Sixpack zu zeichnen, so hatte Alice das immer gemacht, wenn sie das dritte paar Designer Schuhe an ein und demselben Tag von ihm spendiert bekommen wollte.

"Wir gehen besser nach Hause und machen dich sauber. Es sieht nicht so aus als ob Nicks Bemühungen etwas gebracht haben. Vielleicht sollte ich nochmal…nun ja… Hand anlegen."

Nick quiekte entrüstet auf und hustete soetwas wie "Bitch", während Will entschlossen Louisas Hand griff und mit ihr aus dem Lokal stolzierte.

"Hast recht, lass uns gehen sonst hol ich mir noch 'ne Blasenentzündung.", plapperte Louisa treudoof und hakte sich bei Will unter. Will atmete ein paar Mal tief die frische Abendluft ein. Schlimmer als heute konnte es kaum werden, dachte er.

Als er am nächsten Morgen die Zeitung aufschlug wusste er das dies nicht stimmte. Direkt auf der Titelseite unter dem Titel "D-Promi Will Traynor hat genug vom Versteckspiel" sah er sich selbst in einem knallgelben engen Höschen weinend durch die Schwimmhalle rennen. Weiter unten war das Bild von ihm und Nick der in einer eindeutigen Position vor ihm auf dem Boden kniete.
Review schreiben