Ein ganzes halbes Jahr - und viele Jahre mehr

von Mira02
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18
07.08.2016
10.08.2020
22
15.425
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21.08.2016 963
 
„Ich bitte dich, Nathan, komm mit uns..“, lallte Treena und torkelte dem jungen Pfleger entgegen, der sich gerade sein Jacket zuknöpfte und sehnsüchtig seinem Feierabend entgegen sah. Es war nicht irgendein Freitagabend. Es war Treenas Kinderfreier Freitagabend und sie wollte mit ihrer Schwester Lou um die Häuser ziehen und die Clubs ihrer kleinen Stadt unsicher machen.

Die beiden Schwestern waren schon mächtig beschwipst und hatten sich dezent zurecht gemacht. Treena trug ihr dunkelblondes Haar zu einem hohen Pferdeschwanz, der wild hin und her baumelte, wenn sie sprach. Dazu ein kleines Schwarzes, zierliche Pumps und einen dunkelblauen Liedstrich. Langweilig, wie Louisa fand. Sie selber hatte auf ihrem Kopf sieben geflochtene Zöpfchen verteilt, die in alle Richtungen standen und mit Neonbunten Haargummis festgemacht. Für den speziellen Abend trug sie eine Leopardenleggins, ein bauchfreies Zebratop und eine mit blauen Pailletten bestückte Lederjacke. „Ich weiss nicht Mädels, ich bin echt todmüde..“, Nathan fuhr sich durch sein struppiges Haar. Er hatte sich eigentlich auf einen ruhigen Abend zu Hause vorm Fernseher gefreut. Die Woche war anstrengend gewesen und zehrte an seinen Nerven.

„Ach komm schon Nathan, ein paar Shots und wir lassen dich nach Hause“, Treena zwinkerte ihm niedlich zu und als er gerade anfing sie ein bisschen süß zu finden rülpste sie laut und prostete ihm dann mit ihrem Bier zu. „Macht nicht so lang ihr Beiden. Schön, dass euch Nathan begleitet, dann muss ich mir keine Sorgen machen.“ Mrs. Clark trat in den Flur und nickte Nathan freundlich aber bestimmend zu. Somit war sein Schicksal besiegelt. Er würde Lou und Treena zu ihrem seltsamen Schwesternabend begleiten müssen. „Tschüss, Mami!“, Tommi kam in seinem Schlafanzug angerannt und schmiss sich in Treenas Arme, bevor die drei die Tür hinter sich schlossen.

Einige Minuten später saß Nathan mit den beiden kichernden und gackernden Schwestern im Taxi. Lou und Treena redeten die ganze Zeit über Disneyfilme und sangen Lieder nach, die er noch nie gehört hatte. „Wo geht’s eigentlich hin?“, fragte er, als das Taxi zum dritten Mal um den einzigen Club der Kleinstadt fuhr. „ISch weiss nischt, Nathan. Ssssag du es unssss.“ , lallte Lou, dann brachen sie und Treena in schallendes Gelächter und Grunzer aus. Will seufzte, bezahlte den Fahrer und lotste die beiden Schwestern Richtung Club. Die Schlange war kurz und so standen die drei in wenigen Minuten vor Ullrich, dem stadtbekannten Türsteher.

„Treena altes Haus“, begrüßte dieser Lou’s Schwester mit Wangenküsschen. „Schön dich zu sehen. Wir haben eigentlich Ü30 Party heute.“ „Lässt du uns trotzdem rein, Ulli?“, fragte Treena mit Babystimme und Nathan hoffte inständig, dass sie nicht wieder anfangen würde zu rülpsen. „Nagut. Aber nur weil ihr auch einen Ü30er mitgebracht habt.“, mit einem Blick auf Nathan öffnete er die Schranke und ließ die drei durchgehen. „Ich bin 29…“, sagte Nathan gekränkt, doch niemand hörte ihn. Im Club ertönte laute Musik aus den 80ern und als er sich umdrehte waren Lou und Treena verschwunden. Kurz darauf entdeckte er sie wild tanzend in einer Ecke. „Werd‘ mal locker!!!“, schrie Treena ihn an und Nathan schenkte ihr ein unechtes Lächeln. Er hatte einfach keine Lust sich hier zum Affen zu machen. Er hasste Clubs, besonders wenn sie so rappelvoll waren wie dieser hier. Nervös sah er sich um. Dann blieb sein Blick an einer jungen Frau mit langen blonden Haar hängen, die sich viel zu langsam zu der schnellen Musik bewegte. Sie hielt einen Longdrink in der Hand und bewegte sich langsam und mit wiegenden Hüften auf Lou und Treena zu. Als sie diese erreicht hatte, begann sie bauchtanzartig ihre Hände zu bewegen und umkreiste die beiden tanzend.

Die Kleine geht ja echt ran, dachte Louisa, die eigentlich einen ausgelassenen Abend mit ihrer Schwester verbringen wollte. Das blonde Mädchen war auf einmal zu ihnen gestoßen und ließ nun aufreizend ihre Hüften kreisen. Auch Treena war nicht sonderlich begeistert und gab Nathan  Zeichen das aufdringliche Mädchen wegzulotsen. Mit einem seufzen schritt er auf die kleine Gruppe zu. Er kam wohl doch nicht ums Tanzen herum. Schlaksig und mutig versuchte er ein paar Moves, indem er seine viel zu langen Arme und Beine durch die Gegend schlenkerte, bis er bei der blonden unbekannten angekommen war. „Wie heißt du?“, fragte er direkt. Die Blonde lächelte und sah ihn unter gesenkten Liedern verschmitzt an. „Ich bin Jacky“, sagte sie dann mit tiefer Stimme. „Wie kommt es, dass ich dich hier noch nie gesehen habe?“, fragte Nathan weiter und lotste sie heimlich weg von Lou und Treena. „Ich bin hier nur auf der Durchreise“, raunte Jacky. „übermorgen geht’s weiter nach Mauritius. Dort verbringe ich einen all-inclusive Urlaub“, verkündete sie leutselig. „Ganz allein?“, fragte Will erstaunt. Er kannte nur wenige Leute die alleine reisten. „Bis jetzt ja“ Jacky grinste ihn kess an und plötzlich fand er ihre furchtlose spontane Art sehr anziehend.

„Lou, ich werd verrückt, dein heißer Stalker ist auch hier und er schaut in unsere Richtung“, schrie Treena ihrer Schwester zu. „Was?!“, Louisa drehte sich um und sah geradewegs in die Augen von Will Traynor, der in einem schwarzen Anzug an der Bar saß und ihr mit seinem Whiskey zuprostete. Lou wand schnippisch ihr Gesicht ab und tanzte weiter. „Mir doch egal. Der Typ kann mir gestohlen bleiben, Tri.“ Ein herber schwerer Duft eines teuren Männerparfüms sagte ihr plötzlich, dass Will nun direkt hinter ihr stand. Eine Gänsehaut überkam sie, als er mit seiner Hand einer ihrer bunten Zöpfchen zur Seite strich und ihr ins Ohr flüsterte: „tanz mit mir, Louisa“ Die Stelle wo sein Atem ihr Ohr berührt hatte brannte und Louisa hatte für einen Moment das Gefühl Will besser zu kennen als sie glaubte. Ihre Blicke trafen sich als Louisa sich langsam umdrehte. Für einen Augenblick verlor sie sich in den Tiefen seiner grau-blauen Augen. Wieso fand sie den Typen nochmal scheiße?
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