Briefe an Liv

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Liv Sonntag
06.08.2016
06.08.2016
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Briefe an Liv


Sie war gefangen in einem grausamen Spiel, welches sich ihr Leben nannte. Jeden Morgen erwachte sie unsanft in diese raue, kalte Welt. Ihre müden und matten Augen starren voller Müdigkeit auf die graue, abscheuliche Hauswand, den den Ausblick aus ihrem Fenster zierte. Liv schlug die Decke bei Seite und ging über den langen dunklen Flur in die altbackene Küche, wo sie sich erst einmal einen Kaffee kochte. Seit vielen Jahren litt die junge Frau schon an Depressionen. Sie selbst konnte es sich auch nicht erklären. Früher war der Lockenkopf ein aufgewecktes, quirliges Mädchen das eigentlich immer gelacht hat, doch eines morgens wachte sie auf und es fühlte sich an, als würde ihr in ihrem Leben etwas fehlen. Kurz nach ihrem 16. Geburtstag ging für Liv die Sonne nur noch unter anstatt auf. Sie hatte viele Therapien gemacht, ein Lehramtsstudium abgeschlossen und wohnte nun allein in einem kleinen Kaff. Schon oft hatte sie mit dem Gedanken gespielt, einfach auszubrechen und ihrem Leben ein Ende zu breiten, aber sie hatte immer das Gefühl, das jemand sie davon abhielt.

Hastig eilte Liv Richtung Haustür. In ein paar Tagen waren Gott sei dank Sommerferien. Lange würde sie es mit diesen Quälgeistern nicht mehr aushalten. Oft lag sie nach einem harten Arbeitstag weinend und allein in ihrem Bett. Oft teilte sie es mit vielen Männern, die sie für eine Nacht lang liebte, aber nie war jemand dabei, der die junge Frau noch länger geliebt hat. Zumindest nicht so, wie sie es sich damals als sechzehnjährige erträumt hat. Die Schulglocke läutete den Beginn des Unterrichtes ein. Während sie den alten und ihr räudig vorkommenden Klassenraum mit einem knurrigen „Guten Morgen.“ betrat liefen die Fünftklässler schnell an ihre Plätze um ihre Lehrerin zu begrüßen. Während die Kinder darüber schreiben sollten, was sie in den Ferien vorhaben, starrte Liv auf ein Bild in ihrem Terminkalender. Es zeigte ihr beste Freundin Anna und deren Freund Tom. Die beiden standen lächelt vor einer Pyramide. Annas großer Traum war schon immer eine Weltreise und nun hat er sich für sie erfülltt. Liv vermisste beide unheimlich. Nach zwanzig Minuten begann Theodor mit seiner Ferienplanung. Er erzählte, das er dieses Jahr wieder mit seinen Eltern an Meer fahren würde. Da gab es wunderschöne Strände und total viele Hotels. Seine Familie und er würden ins „Golden Beach“ Hotel fahren. Er erzählte, das man von dort aus auf ein Gruselhotel schauen konnte. Es hieß Hotel 13 und machte seinem Namen alle ehre. Man sagt, das ein Geschäftsmann in den frühen 20iger Jahren einen Fluch über das Hotel brachte. Seit dem passieren dort unheimliche und kuriose Dinge.
Die Klasse war ganz fasziniert und auch Liv konnte den ganzen Tag an nichts anderes als an dieses Hotel zu denken. Was hat es wohl damit auf sich?

Nach weiteren vier Arbeitstagen hatte Liv es endlich geschafft. Die großen Ferien begannen. Nach der Schule beeilte sich die junge Frau, denn Anna wollte ihr unbedingt etwas erzählen. Kaum war sie zuhause, öffnete sie ihren Laptop und Anna teilte ihr über Skyp mit, das Tom ihr einen romantischen Heiratsantrag gemacht hat : „Kannst du dir das vorstellen? Ok nach 14 Jahren Beziehung wurde es ja auch langsam mal Zeit.“ sagte Anna mit einem zwinkern. „Ich freue mich total für euch beide. Aber mal was anderes. Kennst du zufällig ein Hotel 13? Ein junge hat mir heute davon in der Schule erzählt. Dort soll es spucken.“ Anna überlegte kurz: „Ja na klar kenne ich das. Dort habe ich oft die Ferien mit meinen Großeltern verbracht und Tom kennengelernt. Dort passieren wirklich viele merkwürde Dinge. An deiner Stelle würde ich dort keinen Urlaub machen. Wir setzten da nach dem Tod des Seniorchefs auch keinen Fuß mehr rein.“ Liv nickte zustimmend und die beiden Frauen unterhielten sich noch kurz ehe sie ihr Gespräch beendeten.

Plötzlich hatte Liv so ein komisches Gefühl. Es war als würde eine höhere Macht sie steuern. Im Internet suchte sie nach dem besagten Hotel und ehe sie sich versah, hatte sie ein Zimmer gebucht. Das erste mal seit 14 Jahren fühlte sie etwas in sich, was längst erloschen war: Freude. Warum konnte sie sich nicht erklären, schließlich freut man sich normalerweise nicht, wenn man eine Woche Urlaub in einem sonderbaren Gruselhotel machen würde, aber irgendetwas zog sie dort hin
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