Mike 257

OneshotDrama, Freundschaft / P16
04.08.2016
04.08.2016
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Völlig fertig von der Arbeit kam ich “nach Hause“, in das Haus am Rande von Halthausen in einem Wald. „Bin wieder da!“, rief ich, als ich die Haustür hinter mir schloss. Keine Antwort. Keiner der die Treppe runter kam, kein Hund, der mich freudig begrüßte. „Mike? Shneezin?“ Keine Antwort. „Spanky!“ Kein Spanky, der auf mich zugerannt kam. Das konnte doch nicht sein. Die waren doch sonst immer den ganzen Tag hier. Ich stellte meine Tasche ab und lief die Treppe hoch. Voddi war nicht in seinem Zimmer. Im Studio war auch niemand. Noch eine Etage höher. Die Tür war zu. Ich öffnete sie langsam, aus Angst die Jungs würden mich erschrecken. Aber es war niemand da. Nur etwas Kleines, Braunes kam auf mich zugerannt. „Spanky!“, rief ich mit erhobener Stimme. Ich kniete mich hin. „Was machst du denn hier alleine?“, fragte ich, während ich sein Ohr kraulte. „Wo sind die Jungs?“ Spanky hechelte mich an. „Lauf, Spanky. Wo ist Mike?“, sagte ich und Spanky lief los. „Wo ist Mikey?“, wiederholte ich. Spanky lief die Treppe runter zur Gartentür und sprang sie hoch. Ich öffnete sie und mich erwarteten Mike und Shneezin mit Gartenhandschuhen und Schaufel. „Hey!“, riefen beide und kamen auf mich zu. „Vorsicht. Wir sind ein wenig dreckig.“, sagte Shneezin und breitete die Arme aus. Ich umarmte ihn. „Warum denn Vorsicht, Alter?“, fragte Mike und schmierte mir seinen dreckigen Handschuh ins Gesicht. Er lachte lauthals los. „Baaahh. Man, Mike!“ Ich wischte mir die Erde aus dem Gesicht. Dann breitete er, wie Shneezin, die Arme aus. „Ne.“, sagte ich und ging zum Beet, um zu schauen, was die Jungs pflanzten. „Ach komm. Ich ziehe sogar meine Handschuhe aus.“, bettelte Mike. Ich schaute zu ihm und schnell wieder weg. Er hatte tatsächlich die Handschuhe ausgezogen. Er kam auf mich zu. „Nein!“, rief ich und rannte ins Haus. „Lass mich in Ruhe!“ Ich rannte hoch ins Wohnzimmer und schmiss mich auf die Couch. Mike kam hinterher und sprang regelrecht auf mich drauf. „Umarm mich doch jetzt mal.“, rief er, während er mich durch kitzelte. „Mike! Hör auf! Ich krieg keine Luft mehr!“, grölte ich unter Lachen. „Dann begrüß mich.“, sagte er und hört abrupt auf. Ich breitete meine Arme aus. Mike legte sich auf mich drauf und nahm mich in den Arm. Er hielt mich fest. Arm in Arm lagen wir da. Gesicht zu Gesicht. „Hallo.“, flüsterte ich und lächelte. „Hi.“, erwiderte er. Mehrere Sekunden schauten wir uns in die Augen. Ohne etwas zu sagen. Oh Gott. Wenn wir uns weiter so anschauen, werden wir uns küssen. Das darf nicht sein. Wir sind doch beste Freunde. Ich befreite mich aus Mikes Armen und stand auf. „So. Ich mach jetzt mal essen. Besonderen Wunsch?“, fragte ich und ging in die Küchenecke. „Wir haben doch eh nur die Fertiggerichte.“, sagte Mike. „Willst du kochen?“ Shneezin kam rein. „Hatte ich vor. Aber anscheinend haben wir ja nichts.“, antwortete ich. „Ne. Nur Fertiggerichte.“, sagte Shneezin und setzte sich neben Mike auf die Couch. Der Fernseher ertönte. „Auf Streife!“, rief Shneezin. Ich rannte sofort zu den Jungs und schmiss mich zwischen ihnen. „Und danach kommt Blaulicht Report.“, fügte Shneezin hinzu. Ich liebte diese Polizei Serien. „Dann muss ich jetzt wohl kochen.“ Shneezin stand auf. Mike lachte. „Wenn man das Kochen nennen kann.“ Ich lehnte mich gegen seine Schulter. „Warte mal.“, sagte er und legte sich auf die Couch. Ich legte mich vor ihn, mit dem Kopf auf seiner Brust. So lagen wir den ganzen Tag da. Shneezin kuschelte sich mit Spanky ans andere Ende der Couch. Heute hatten die Jungs endlich mal einen freien Tag. Morgen und die ganze nächste Woche waren sie damit beschäftigt Musikvideos zu drehen und Interviews zu geben. Das Gute daran: Ich hatte Urlaub und konnte mit ihnen fahren. Auch nach Holland. Worauf ich mich besonders freute. Am Abend schauten wir uns irgendeinen Rotzfilm an. In der Werbung passierte was Komisches. Die Jungs waren gut bekifft, aber immer noch bei klarem Verstand. Natürlich. Shneezin stand auf mit den Worten: „Ich geh Kacken.“ Ich nahm mein Handy und checkte sämtliche Social Medias ab. Schließlich war ich Social Media-Managerin der Jungs. Ich gähnte. „Müde?“, fragte Mike. „Mhmh.“, log ich und schüttelte den Kopf. Und wie müde ich war, aber ich wollte auf keinen Fall auf der Couch einschlafen. Ich legte mein Handy weg und schloss meine Augen, um wenigstens etwas Kraft zu tanken. Plötzlich spürte ich etwas auf meinen Lippen. Es waren andere Lippen. Ich öffnete schlagartig die Augen. Vor mir sah ich Mike. Ich ließ mich auf den Kuss ein. Langsam bewegte ich meinen Mund. Meine Hand wanderte an seine Wange. Ich wusste, dass es danach Klärungsbedarf gab. Aber das war mir in dem Moment egal. Früher oder später wäre es sowieso dazu gekommen. Als Mike den Mund öffnete, um seiner Zunge einen Weg in meinen Mund zu beschaffen, brach ich ab. Gab ihm aber noch einen kurzen Kuss, damit er sich nicht so vor den Kopf gestoßen fühlte. Ich lächelte ihn an. Und er sah mich mit dem gleichen Blick an, den er mir während der Interviews immer zu warf. „Hör zu…“ Ich setzte mich gerade vor ihn hin. „Ich will nicht, dass du einer von meinen vielen One Night Stands bist. Du bist mein bester Freund. Und, ich hab es schon so oft gesagt, für mich ist eine Beziehung sehr schwer. Meine letzte war vor 8 Jahren. Ich breche die Herzen aller Männer. Ich möchte dir das nicht auch antun.“ Mikes Gesicht verfiel in eine traurige Miene. „Hey.“, sagte ich und nahm sein Gesicht in meine Hände. „Wir gehen es langsam an, falls das für dich ok ist. Ich will mir nur wirklich sicher sein.“ Ich drückte meine Lippen auf seine. „Wow. Was ist hier denn los?“ Shneezin kam ins Zimmer. Ich vergrub mein Gesicht in meine Hände. Ich schämte mich schrecklich. Ich war sowas einfach nicht gewöhnt. Vor anderen küssen. Es sei denn, es läuft auf unverbindlichen Sex raus. Unter anderem auch ein Grund, warum alle anderen Beziehungen damals nach zwei Wochen beendet waren. Ich hoffte so sehr, dass Mike mit mir klar kommen würde. „Tja. So wie es aussieht habe ich es geschafft.“, sagte Mike. „Glückwunsch, Alter.“, antwortete Shneezin. Ich hörte ein Klatschen. Ich warf meinen Kopf hoch. „Was hast du geschafft?“ Ich schaute Mike vorwurfsvoll an. „Ich hab es geschafft, dich zu meinem zu machen.“ Mike wollte mich gerade in seine Arme schließen, aber ich hielt sie fest. „Nenene. Wir hatten was ausgemacht.“ Ich wandte mich zu Shneezin, der sich mittlerweile wieder auf die Couch gesetzt hatte. „Ich hab gesagt, ich bin mir noch nicht sicher, weil ich ihn nicht verletzen möchte.“ „Du hast gesagt, wir lassen es langsam angehen.“, warf Mike ein. Ich wurde lauter: „Ja. Genau. Deswegen bin ich auch noch lange nicht deins. Genau deswegen ist früher alles immer in die Brüche gegangen.“ Mike sagte nichts mehr. „Man, Mike. Versteh mich doch. Das ist jetzt nicht leicht für uns. Weder für mich, noch für dich.“, sagte ich ruhiger. Ich nahm seine Hände. „Aber wir kriegen das hin, ok?“ Ich lächelte ihn an. „Ja.“, antwortete er und küsste meine Stirn. „Tut mir nur einen Gefallen. Wenn das mit euch noch nicht fest steht, sagt bitte auch keinem etwas. Ich hab kein Bock das die Medien direkt berichten und dann auf einmal ist wieder Schluss.“, warf Shneezin ein. Ich nickte. „Sehe ich genau so.“, stimmte Mike zu. „Und wenn es offiziell ist, musst du damit rechnen, dass vielleicht ein paar Rap-Magazine mit dir sprechen wollen. Du bist jetzt zwar auch schon mit uns zu sehen, stehst in der Öffentlichkeit und jeder kennt dich, aber das ist nochmal was ganz anderes.“, sagte Shneezin zu mir. Ich schaute ihn unglaubwürdig an. „Ja. Ich sage dir nur, wie es ist.“, fügte er hinzu. „Du weißt aber, dass ich gerne im Mittelpunkt stehe, ja?“ Die Jungs schmunzelten. „Wir machen das schon.“, sagte Mike und küsste mich. Ich lächelte und hoffte aber auch gleichzeitig, dass er Recht hatte.